Fußballer, Flüchtlinge, Menschen. Und die Anderen.

Meine Frau hat dies einmal in einem eigenen Blogbeitrag gesagt: „Fragt, solange ihr fragen könnt!“. Nun, ich kann meine Oma und meinen Opa nicht mehr fragen, wie das damals war, als sie selbst zu Flüchtlingen wurden. Die Eltern meiner Mutter wurden im Osten geboren. Im Osten des damaligen Deutschen Reiches. Meine Oma in Pommern, mein Opa in Ostpreußen.

Heute liegt ihre Heimat in Polen und der russischen Enklave Königsberg. Die Wirren des 20. Jahrhundert führten dazu, dass es keine deutsche Heimat mehr ist. Schuld daran waren in erster Linie die Deutschen selbst. Und ein sog. Führer aus Österreich.

Ich kann meine Großeltern nicht mehr fragen, wie das war als sie „vor dem Russen“ flüchten mussten. Vor Russen, die infolge der deutschen Kriegsführung in Russland nicht sonderlich gut gelaunt waren. Nicht nur deutsche Soldaten, nein, auch die sogenannte Zivilbevölkerung schwebte schlicht in Lebensgefahr. Wer blieb, musste um Leib und Leben fürchten (wie zuvor die Russen vor den deutschen Soldaten).

Von sich aus redeten Oma und Opa eher nicht über diese Erlebnisse und ich als Enkel gehörte hier auch nicht zu einer kritischen „68er-Generation“, die die Vergangenheit der Eltern / Großeltern kritisch beleuchteten. Erst als meine Oma in hohen Alter war, erfuhr ich, dass sie sich offenbar „etwas von der Seele reden wollte“ und ihre eigenen Kinder – nach Jahrzehnten – in Teile der schockierenden Details über diese schlimme und schmerzvolle Zeit eingeweiht hatte.

Nun, nicht nur meine Familie, sicher viele Deutsche haben diese Geschichten in ihren Familien. Das halbe Ruhrgebiet hat doch eine Migrantenhistorie, nicht nur mein Opa fand nach dem Krieg Arbeit im Bergbau und arbeitete sich bis zum Steiger hoch. Und auch im Osten Deutschlands gab es über viele Jahrzehnte Flüchtlinge, die im Westen herzlich willkommen waren. Der sozialistische Arbeiter- und Bauernstaat war nicht für alle seine Bürger attraktiv und so zogen es von 1945/49 bis 1961 viele, vor allem junge und gut ausgebildete Menschen vor, in die BRD überzusiedeln. Erste Wirtschaftsflüchtlinge? Ab 1961 sicher nicht, denkt man an die Mauer, den Stacheldraht rings um, die Stasi und das Denunziantentum innerhalb der DDR. Menschen verließen trotz Mauer und Selbstschussanlagen ihre Heimat. Verließen Familie, Ehepartner, Kinder, Freunde, Job und altes, gesichertes Leben. Wofür? Für so etwas Selbstverständliches wie „Freiheit“? Verrückt. Lächerlich. Kannste jeden „besorgten Bürger“ nach fragen, der wird Dir das bestätigen…

In den letzten Tagen, in denen der braune Mob wieder durch Deutschland marschiert und scheinbar ungestraft vor Asylbewerberheimen – ob bewohnt oder nicht – marodieren, mit Feuer spielen darf und der deutsche Michel mindestens schweigend zustimmend nickt, gerne applaudiert und auch wohlwollend skandiert, hatte ich einige Diskussionen mit „Asylkritikern“, mit „Ich hab‘ ja nix gegen Flüchtlinge, aber (die Wirtschaftsflüchtlinge)…“ – Wahlberechtigten. Einige von ihnen auch Fans des FC Bayern. Dies zu erkennen, bescherte mir die ersten Rückenschauer. Ein Verein mit dieser Historie, dessen Führung, Spieler und Mitglieder so unter dem Nazi-Regime zu leiden hatten? In dem Flucht und Verfolgung so präsent war? Dessen große Mehrzahl seiner Fans sich dessen bewusst sind, die sich regelmäßig gegen Extremismus positionieren, die Fanturniere zum Gedenken verfolgter Ex-Präsidenten veranstalten? Fans eines solchen Vereins sind „keine Nazis, aber“, „haben nix gegen Kriegsflüchtlinge, aber“, „werden so was ja wohl noch sagen dürfen“?

Haben diese Fans auch Spielern wie Hassan – Brazzo – Salihamidzic oder Xherdan Shaqiri zugejubelt? Spielern, die aus den Wirren der Balkankriege in den 90er-Jahren des letzten Jahrhundert nach Zentraleuropa flohen? Die hier Schutz, Sicherheit und… Freiheit suchten? Beide hatten natürlich das Glück, dass sie klasse kicken konnten und dadurch privilegiert gegenüber anderen Flüchtlingen gewesen waren, aber sie waren nun einmal Flüchtlinge. Kann man Fan eines solchen Vereins sein und trotzdem gegen Flüchtlinge motzen, hetzen und Vorurteile schüren? Ich finde, man kann, dann ist man aber leider trotzdem ein Arschloch!

Aufmerksamen Lesern wird inzwischen aufgefallen sein, dass meine Pulsfrequenz im Laufe des Schreibens dieses Beitrages wieder mehr und mehr steigt. Im Grunde ist dies ein Dauerzustand. Ich hätte nämlich nicht gedacht, dass ich die Emotionen über brennende Asylbewerberheime nach 23 Jahren, nach Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen noch einmal empfinden müsste. Ich war und bin unfassbar wütend über die zwei Nächte von Heidenau (und anderswo) als „besorgte Bürger“, Rechte, Neo-Nazis, Rechtsextreme oder, ja, auch Rechts-Terroristen ungehemmt wüten durften und „der Staat“ kaum bis gar nichts dagegen unternahm! Nicht dass ich nicht schon zuvor eine Grundwut über all die Brandstifter aus dem sog. bürgerlichen Lager etabliert hatte, wo man „Verständnis“ für all die Pegida-Wirrköpfe zeigte, versuchte sich inhaltlich an die AfD anzunähern, um deren Wähler für die nächste Wahl zu sichern, oder gar unmittelbar vor Heidenau noch – auch aus Teilen unserer Bundesregierung – von „Missbrauch von Asyl“ (Es gibt keinen Missbrauch des Grundrecht / Menschenrecht auf Asyl – nur angenommene oder abgelehnte Anträge auf Asyl!), „weniger Anreizen für die Flüchtlinge“ oder „Kürzungen des Taschengeldes“ faselte (Wider besseren Wissens über die Gesetzeslage). Schlichtes Entsetzen breitete sich bei mir aus und als die Eskalation auf die Straßen schwappte, dachte ich nur einen Satz: „Siehste, so was kommt von so was“.

Sicher, Politiker – noch dazu zumeist aus der konservativen Ecke – sind leider oft so (was habe ich da in den letzten Tagen für schlimme Aussagen im Netz gelesen). Die wollen wieder gewählt werden, aber ab und an muss man doch auch einmal über den eigenen Horizont blicken und darüber nachdenken, welchen Kräften man in diesem Land mit diesen Aussagen Vorschub leistet. Oder ich darf mich nach Anschlägen und Terrorakten nicht hinstellen und Betroffenheit heucheln.

Besonders schlimm empfand ich auch die Erkenntnis, dass wir in Deutschland ein ganz generelles Problem haben und dies seit 1945 komplett ungelöst ist. Diesen Bericht kann einen auch schockieren, ohne dass man Verschwörungstheoretiker ist. Nein, eigentlich stimmt das alles, was dort geschrieben steht. Schlimm.

In den Tagen rund um #Heidenau überflutete ich meine sozialen Kanäle mit einer Menge von Tweets und Retweets über diese ungeheuerlichen Ereignisse und agierte auch als Multiplikator, da die „klassischen Medien“ zunächst gar nicht über Gewalt und Ausschreitungen berichteten. Andere Menschen in meinem Social-Media-Umfeld gingen direkt einen Schritt weiter und versuchten nicht nur vom Sofa aus mit dem eigenen Smartphone, sondern ganz real und direkt aktiv zu werden. Natürlich muss jeder sich selbst die Frage stellen, auf welcher Seite er steht, wie politisch er ist, was ihn das alles angeht und wie aktiv er sein will (Ich werte dies nicht, ich versuche zu motivieren.). Für mich steht aber Folgendes fest: Ich will nicht in einem Land leben, in dem solche Zustände herrschen!

Was aber kann ich, kann jeder von uns tun, damit diese Menschen (wobei ist „Menschen“ hier überhaupt der korrekte Begriff, wenn sich diese „Menschen“ wie Tiere verhalten in ihrem blinden Hass? Wenn diesen „Menschen“ jegliche Humanität abhandengekommen scheint?) nicht weiter glauben, sie wären in der Mehrheit und die „Revolution“, der „Umsturz“ in diesem Land steht unmittelbar bevor?

Es ist ganz einfach und die folgende Liste hält – meiner Meinung nach – für jeden etwas bereit.

1. Völlig unbestritten ist, dass es eine laute Minderheit und eine schweigende Mehrheit gibt. Fang also damit an, Dein Schweigen zu brechen. Schreib Deine Meinung. In die sozialen Netzwerke, in Leserbriefen an Zeitungen. Widersprich Menschen aus Deinem Umfeld, wenn diese ausländerfeindliche Parolen gutheißen, trete ihnen argumentativ entgegen. Mach Dich bemerkbar, schweige nicht länger.

2. Wenn Du weder die Kraft noch die Argumente für eine solche Auseinandersetzung hast, dann unterstütze doch Asylbewerber, Flüchtlinge ganz konkret. Werf‘ die Suchmaschinen an, auch in Deiner Stadt sind bestimmt inzwischen Flüchtlinge und Asylbewerber untergebracht. Informiere Dich, wie Du dort helfen könnt, ob direkt vor Ort als ehrenamtliche Helfer, oder durch Geld- und Sachspenden.

3. Geh‘ auf Demonstrationen (ich war auf einer Pegida-Gegendemonstration in Bonn – 3.000 Demonstranten ggü. 300 „besorgten Bürgern“ – ein gutes Gefühl). Gesell‘ Dich unter Gleichgesinnte. Stell‘ Dich in die Gruppe der Menschen, die noch Menschlichkeit empfinden gegen die Rechten, gegen die „besorgten Bürger“ – wir sind viele!

4. Setz‘ selbst Kinder in die Welt! Vermittel‘ Deinen Kinder, was wichtig ist, überschütte sie mit Liebe und Zuwendung, kümmer‘ Dich um sie, mache sie zu guten Menschen, damit sie ihrerseits Respekt vor anderen Menschen haben, Empathie entwickeln und sie nicht glauben, dass Fremde hier nicht hergehören sondern Vielfalt etwas Schönes, Wertvolles ist und wir Deutsche ohne Zuwanderung irgendwann aussterben.

Zugegeben, der letzte Punkt ist spontan etwas schwierig zu realisieren. Aber wenn man diesen Bericht meiner Frau gelesen habt, dann weiß man, warum sich Eltern Kinder anschaffen. Meine Frau und ich hatten uns spontan – unter den Eindrücken von #Heidenau – zu dieser Aktion entschlossen und was am Ende (hier: mit der Reaktion des Großen (s. Text)) dabei herauskam (neben der Hilfe ansich), ließ uns vor Stolz fast platzen. Aber lest einfach selbst.

Zum Thema Flüchtlinge gibt es inzwischen – Gott sei Dank – eine wahre Welle der Hilfsbereitschaft und Positionierungen. Beinahe so viel, dass ich lange kaum Motivation für einen eigenen Beitrag fand (Wurde doch alles schon gesagt, was soll ich da noch schreiben?). Aber ich ließ mich dann doch motivieren, allein mit dem Satz: „So was kann man nicht oft genug sagen!“. Word.

Dieser Beitrag sei hier erwähnt (Der Tim ist ein Guter!), weil er u.a. auch Links enthält für die Entkräftung von rechten „Kausalketten“ oder für das Gespräch im unmittelbaren Bekanntenkreis. Nämlich dieser, dieser und dieser Artikel.

Konkret beim zweiten Punkt hilft diese Webseite. Vielleicht ist ja auch Dein Ort dabei. Oder man spendet einfach ein wenig Geld. Ganz neutral und ohne weiteres Statement.

Was mir wichtig ist: Mach‘, was Du meinst machen zu können, aber lass‘ nicht zu, dass die Brandstifter gewinnen, dass die glauben, sie könnten sich in unserem Land alles erlauben! Wartet nicht ab, bis „die Politik“, „der Staat“, die Probleme gelöst haben, die zu der Flucht von Menschen führen. Die dazu führen, dass Eltern ihre minderjährigen Kinder auf eine lebensgefährliche Reise nach Europa schicken, damit wenigstens diese eine Chance aufs Überleben haben, oder dass sich 70 Menschen in einen LKW sperren lassen, nur weil sie ihre Heimat verlassen müssen, da sie dort verfolgt, bedroht oder schlicht geköpft werden. Lasst nicht zu, dass noch mehr Menschen in diesem Land die Menschlichkeit abhandenkommt.

#refugeeswelcome #mundaufmachen #bloggerfuerfluechtlinge #nazisraus #rassismusistkeinemeinung

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158 Gedanken zu “Fußballer, Flüchtlinge, Menschen. Und die Anderen.

  1. Zu Unterpunkt 2 auf der Liste:

    Leute, macht es!
    Ich war in meinem Leben schon immer politisch interessiert, aber nie wirklich aktiv. Es gab für mich irgendwie kein Thema, bei dem ich mich zum einen informiert/wissend genug gefühlt habe, um wirklich mitzureden (Beispiel Überwachung durch den Staat) oder bei dem ich das Gefühl hatte, dass mein Einsatz wirklich etwas bringt.
    Und der große Diskutierer war ich auch noch nie.

    Vergangene Woche habe ich nun das getan, was oben beschrieben wurde. Google an, nach Flüchtlingshilfe in der Nähe gesucht und eigentlich wollte ich nur Klamotten spenden. Dann habe ich auf der Internetseite gelesen, dass der Hilfeverein am nächsten morgen dringend anpackende Hände braucht, da die Kleiderkammer umzieht. Also habe ich mich spontan am Vorabend entschlossen um 9 Uhr am nächsten Morgen dort anzupacken. Angemeldet, Namensschield, ran an den Speck. Ohne viel Pi Pa Po, großartig.

    Entlohnung bekommt man natürlich keine, aber die braucht es wirklich nicht. Das Gefühl der Dankbarkeit seitens der Flüchtlinge, das Lachen der Kinder, die keine Angst mehr haben müssen weggebombt zu werden und sich über jede Kommunikation freuen, das Gefühl, dass man wirklich hilft und einen wichtigen Beitrag leistet, das ist überwältigend. Und entschädigt doppelt und dreifach für jegliche Mühen.

    Drei Tage später war ich wieder da, nächste Woche wahrscheinlich auch wieder für ein paar Stunden. Welches Motiv auch immer ihr haben mögt, auch wenn es oberflächlich erscheint, wie eine neue Erfahrung zu machen, macht es einfach. Es hilft.

    PS: Mit dem Puls geht es mir so wie dir, Paule. Der ist bei entsprechenden Meldungen und Aussagen gefühlt in einer Sekunde bei 200. Nachdem man mal selbst in Kontakt mit den jeweiligen Menschen gekommen ist, die für manchmal tausende von Euro ihr Leben riskieren, wochenlang durch die Wüste ziehen, in Bootwracks übers Meer kommen und dann selbst in Europa von Menschenschleppern ausgebeutet werden, dann steigt die Wut über viele Aussagen bei mir noch mehr.

  2. Sehr schöner Beitrag.
    Ich bin in einem Flüchtlingshaushalt groß geworden. Bei mir war es nicht die Oma, sondern der Vater, der aus Pommern kam.
    Das hat ihn sein Leben lang begleitet.

    In einem Punkt muss ich dir allerdings widersprechen. Es gibt zwar keinen „Missbrauch von Asyl“, aber es gibt einen Missbrauch des Aslyverfahrens.
    Es gibt durchaus viele Leute, die herkommen, das Taschengeld abgreifen und wenn ihre Anträge dann abgelehnt wurden (was sie vorher wussten) fahren sie nach Hause und ernähren von dem Geld ne ganze Weile ihre Familien.
    Diese „Flüchtlinge“ binden Gelder, Unterkünfte, Verpflegung und Arbeitskräfte und zwar auf Kosten der Flüchtlinge, die wirklich notleidend sind und eine angemessene Hilfe bitter nötig haben.

    • Hast Du da Quellen, die das belegen? Das Leute hierhin kommen, um das Taschengeld „abzugreifen“?

      Es gibt überall schwarze Schafe und beim Thema Flüchtlingen helfe ich lieber einem mehr als einem weniger.

      Wei viele Deutsche hinterziehen Steuern? Prellen den Staat um Einnahmen aufgrund von Sozialbetrug?!

      Nicht falsch verstehen, aber in der aktuellen Situation und bei der Masse an Bedürftigen, die traumatisiert aus ihrer Heimat fliehen müssen, ist vor allem schnelle Hilfe und Unterstützung gefragt. Und klare Kante gegen Rechts.

      • Meine Quelle ist eine gute Freundin die in der Flüchtlingshilfe arbeitet.
        Zuverlässigere Quelle kann ich mir nicht vorstellen.
        Und momentan kommen über 40 % der Flüchtlinge aus den Balkanstaaten.
        Wovon sollen die traumatisiert sein und wovor müssen die fliehen?
        Also vor Krieg, wie die richtig armen Schweine jedenfalls nicht.

        • Ich überlege jetzt schon die ganze Zeit, ob ich wissen will, worauf Du hinaus willst, bzw. eigentlich gerne sagen würdest…

          • Ich dachte das hätte ich deutlich gemacht.
            Ich weiß aus der Flüchtlingshilfe, dass wirklich traumatisierte Familien aus Kriegsgebieten in der Betreuung zu kurz kommen, weil Gelder, Unterkünfte, Verpflegung und Arbeitskräfte belegt sind, durch Leute die nur herkommen um die 143 Euro im Monat zu kassieren, solange es geht,und dann wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren.
            Das ist ein echtes Problem in der Flüchtlingshilfe und deswegen widerspreche ich dir in dem Punkt „Es gibt kein Missbrauch von Asyl“. Es gibt nämlich sehr wohl einen „Missbrauch des Asylverfahrens“.

  3. Auch die Wurzeln meiner Familie sind in Schlesien und Pommern zu finden. Bei Familienfesten hat der kleine Uwe zwar aufmerksam zugehört, wenn sich die großen Leute über Erlebnisse wie z.B. „damals als der Russe kam“ oder „dann sind wir bei Eis und Schnee geflohen“ unterhielten. Ansonsten war ich als eher schüchternes Kind aber nicht in der Lage, diese Vorgänge zu hinterfragen. Heute bereue ich das. Aber zurück in die Gegenwart: Ich finde es beängstigent zu sehen, mit welcher Ignoranz sich die Mächtigen unseres Staates die Flüchtlingsunterkünfte abfackeln lassen. Wann ordnen die endlich die Gewalttaten des rechten Spektrums als Terror gegen den Staat ein? Anscheinend funktioniert das nur dann schnell und reibungslos, wenn sich Aktionen gegen die Holzköpfe persönlich richtet. Meines Erachtens macht sich spätestens jetzt bemerkbar, wie weit die Verdummung und soziale Degeneration bei uns fortgeschritten ist. Wird die Zahl rechter Gewalttäter immer noch heruntergespielt, so findet diese Szene natürlich noch großen Zuwachs durch den Mob, der seine Informationen hauptsächlich aus der Bild-Zeitung bezieht. Aber ich schweife ab. Ich bin eher pessimistisch, wenn es darum geht, „können wir die Welt dauerhaft durch unser Tun verbessern“. Aber ich verfolge ein kleines aber feines Lebensziel, welches heißt: „Ich will die Arschlöcher auf diesem Planeten möglichst intensiv und so lang wie möglich nerven“. Paule, dein Artikel hat mich gefesselt und innerlich jubeln lassen. In diesem Sinne – gehen wir’s an.

  4. Paule, Deine Stellungnahme gegen Hetzerei und für Solidarität mit Verfolgten finde ich prima.

    Ich glaube allerdings, dass Du, vielleicht in der Emotion, etwas über das Ziel hinausschießt. Indem Du alle, die Du nicht in Deinem politischen Lager verortest, als halbe Nazis abstempelst (das schimmert Durch Deinen Beitrag durch), stößt Du Leute eher vor den Kopf als sie zu gewinnen. Ein Beispiel:
    „In den letzten Tagen, in denen der braune Mob wieder durch Deutschland marschiert und scheinbar ungestraft vor Asylbewerberheimen – ob bewohnt oder nicht – marodieren, mit Feuer spielen darf und der deutsche Michel mindestens schweigend zustimmend nickt, gerne applaudiert und auch wohlwollend skandiert“ – Damit unterstellst Du der Mehrheit (insbesondere der konservativen Hälfte, das ergibt sich aus der abwertenden Verwendung des „deutschen Michel“ und dem weiteren Text), dass sie Brandanschläge super finden, dass hier generell Progrome mit Zustimmung dieser Mehrheit und mit wohlwollendem Wegsehen staatlicher Behörden stattfinden. Das ist ein ziemlich harter Vorwurf, der Ablehnung anstelle Solidarität hervorruft.

    Auch sträubten sich bei mir die Haare, als Du als Maßnahme für Flüchtlingssolidarität das Kinder-in-die-Welt-setzen empfiehlst, zusammen mit einer entsprechenden Erziehung. Mag gut gemeint sein, ist aber total gruselig. Kinder sollten bitte immer nur Selbstzweck sein und nicht irgendeiner Sache dienen, auch nicht, wenn man davon noch so überzeugt ist.

    Generell finde ich übrigens, dass Deutschland im europäischen Vergleich keine ganz schlechte Figur abgibt beim derzeitigen Flüchtlingsdrama. Denn dass es eine außergewöhnlich schwierige Situation ist, auf die kein Staat perfekt vorbereitet ist, ist nun mal leider so. In diesem Zusammenhang kann man übrigens ganz interessant beobachten, wie gering im Grunde genommen die europäische Solidarität ausfällt und wie geltendes europäisches Recht reihenweise gebrochen wird, wenn es mal weh tun könnte (indem EU-Staaten die Flüchtlinge bereitwillig und ohne Registrierung in der Regel nach Deutschland weiterreisen lassen). Das sollte man im Hinblick auf die – gerade wieder von Frankreich geforderte – weitere Integration der EU im Hinterkopf behalten.

    • >> (indem EU-Staaten die Flüchtlinge bereitwillig und ohne Registrierung in der Regel nach Deutschland weiterreisen lassen).“

      Teilweise sogar mit finanzieller Unterstützung.
      Ich hatte mit Flüchtlingen zu tun, denen Geld gegeben wurde, damit sie nach Deutschland weiterreisen, obwohl das ursprünglich nicht ihr Ziel war.

    • „„In den letzten Tagen, in denen der braune Mob wieder durch Deutschland marschiert und scheinbar ungestraft vor Asylbewerberheimen – ob bewohnt oder nicht – marodieren, mit Feuer spielen darf und der deutsche Michel mindestens schweigend zustimmend nickt, gerne applaudiert und auch wohlwollend skandiert“ – Damit unterstellst Du der Mehrheit (insbesondere der konservativen Hälfte, das ergibt sich aus der abwertenden Verwendung des „deutschen Michel“ und dem weiteren Text), dass sie Brandanschläge super finden, dass hier generell Progrome mit Zustimmung dieser Mehrheit und mit wohlwollendem Wegsehen staatlicher Behörden stattfinden. Das ist ein ziemlich harter Vorwurf, der Ablehnung anstelle Solidarität hervorruft.“

      Ablehnung? Das wäre aber eine kranke Reaktion. Wichtig wäre dass die Gesellschaft aufzeigt, dass ein Angriff auf ein Flüchltingsheims völlig inakzeptabel ist! Inzwischen scheint das sogar die Bild zu checken!
      Wer hier schweigt und nicht Stellung bezieht unterlässt das Mindeste. Respekt vor jeder Person die in solchen Zeiten aktiv unterstützt. Und alle anderen bitte zumindest bei klaren Verstand bleiben. Es geht in diesem Fall um Menschlichkeit und nicht um einen Wettbewerb oder „Völkerwanderung“.

      Danke paule für deinen Beitrag. Mal sehen ob breitnigge und User den guten Ruf gerecht werden. Man könnte kotzen bei so viel Abartigkeit im Netz zu diesem Thema.

      Und zu Europa und nicht vorbereitet zu sein. Das war kalkulierte Schein-Blauäugigkeit, aber die Linken waren „ja immer verrückt“ und die Rechten nutzen alles „Ausländliche“ zum Hetzen, aber diese menschliche Katastrophe fand nicht von heut auf morgen statt.

      Aber ich geb dir in einem Recht. Das politische Deutschland macht es zumindest um einiges besser als wir hier 🙁

      Grüße aus Österreich

      • Vielleicht war es missverständlich ausgedrückt: Mit „Ablehnung“ meine ich, dass Du bei Leuten wenig erreichst, wenn Du sie erst einmal durch die Blume beschimpfst und in die Ecke stellst und dann aufforderst, dass sie sich doch bitte so verhalten sollen wie Du. Dass das Ablehnung (also gegenüber dem Verfasser) hervorruft, ist nicht krank, sondern ziemlich menschlich.

        „Wichtig wäre dass die Gesellschaft aufzeigt, dass ein Angriff auf ein Flüchltingsheims völlig inakzeptabel ist.“ – Verstehe ich nicht. Jeder Politiker, jede Zeitung und jede sonstige Äußerung, die man so im öffentlichen Raum zu dem Thema liest, sagt das doch. Ist ja auch richtig und nicht gerade schwer verständlich, ist ja auch nicht zuletzt eine ziemlich schwere Straftat.

        Einig dürften wir uns alle sein, dass den hier gestrandeten Verfolgten mit Menschlichkeit und Solidarität zu begegnen ist. Dass darüber hinaus die Ströme von Flüchtlingen eine große Herausforderung sind, auf die man sich nicht mal eben einfach vorbereiten kann, kann ja wohl kaum strittig sein. Auf die Ursachen (Bürgerkriege, Diktaturen, aber auch einfach wirtschaftlich schlechtere Lage, Stichwort Balkan) kann Europa auch leider nur sehr begrenzt Einfluss nehmen. Und dann wird es echt komplex: Dass man einfach alle Menschen aus aller Welt einlädt, hierherzukommen, wird nicht gehen. Wie also den Balanceakt zwischen Solidarität mit Verfolgten, Regelung von Einwanderung (wozu auch Ablehnung gehört) und Interessen des Aufnahmelandes schaffen? Ich habe noch nirgendwo eine rundum überzeugende Idee gelesen. Ich glaube, die gibt es auch gar nicht. Daher wird es ein schwieriges Thema bleiben. Dabei emotional mal einen Gang runterzuschalten, kann nicht schaden.

        • „Wichtig wäre dass die Gesellschaft aufzeigt, dass ein Angriff auf ein Flüchltingsheims völlig inakzeptabel ist.“ – Verstehe ich nicht. Jeder Politiker, jede Zeitung und jede sonstige Äußerung, die man so im öffentlichen Raum zu dem Thema liest, sagt das doch.

          Genau da wäre ich mir nicht so sicher. Am schlimmsten finde ich sogar die Politiker, die vorher verbal gezündelt haben und jetzt Betroffenheit… heucheln?!

          • Vielleicht lese ich die falschen Zeitungen. Dass am rechten Rand (NPD und so) gezündelt wird, ist nicht anders zu erwarten. Dem muss man entgegentreten, aber ändern wird man die nicht und überraschend ist es auch nicht. Ansonsten gab es halt das übliche Meinungsspektrum von Linkspartei bis CSU, was ich alles nicht als „Zündeln“ bezeichnen würde. Ich war eher überrascht davon, wie „zahm“ die konservativen Parteien sich geäußert haben.

    • Dir sind bestimmt einige sprachliche Mittel aufgefallen, die meine Emotionen und Sichtweise unterstreichen soll(t)en, oder?

      „Der deutsche Michel“ ist so ein Beispiel. Es ist doch völlig klar, dass ich nicht glaube, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung, noch dazu, wenn sie vor allem ein konservatives Weltbild hat, offen oder versteckt die Nazis unterstützen. Mir kam nur schlicht die Galle hoch, als ich mitbekam, dass bei den zweitägigen Krawallen in #Heidenau jede Menge „normale“ Bürger am Rand standen, mehr oder weniger offen die Nazis unterstützten. Schlimm. Dieses hatte ich im Hinterkopf, als ich diese Zeilen schrieb. Die andere, viel größere Welle der Hilfsbereitschaft in diesem Land, die sich anschloss, ließ mich besänftigt zurück.

      Zum Thema „Kinder kriegen“ ist doch auch völlig klar, dass a) derlei kurzfristig gar nicht möglich ist und b) diese Entscheidung immer sehr individuell getroffen wird.

      Bei der Frage „Was kann ich tun, um die Welt ein wenig besser zu machen“ spielt es hingegen imho durchaus eine Rolle. Gerne will ich hier ebenfalls einräumen, dass diese Zeilen beeinflusst waren von meinem Stolz als Vater, als mir meine Frau von dem Erlebnis mit unserem Großen berichtete, als dieser voller Interesse und Empathie die Flüchtlingsthematik aufsaugte (siehe Artikel meiner Frau). Da merkt man als Eltern, wofür es sich lohnt, Kinder zu bekommen.

      Ob sich irgendjemand von meinem Artikel und der Wortwahl abgeschreckt fühlt, kann ich nicht beurteilen. Das muss jeder für sich selbst entscheiden, denn was jeder in diese Richtung unternimmt, sollte er aus Überzeugung machen und nicht gedrängt. Ich würde mich allerdings freuen, wenn man sich motiviert fühlen würde durch meine Zeilen, ja.

  5. Danke Paule, für diesen wichtigen Beitrag.
    Ich denke, Empathie und Mitmenschlichkeit sind Werte, die jeder Fan dieses Vereins auch aus den von Dir angeführten historischen Gründen verinnerlicht haben sollte. Ich sage selten, dass etwas alternativlos ist – aber hier ist es der angemessene Begriff.
    Wir haben das Glück, dass wir mit der gemeinsamen Hobbypflege irre viel Zeit verbringen dürfen; wir erlauben uns den Luxus, uns tierisch darüber zu freuen und laut zu jubeln, wenn „unsere“ Mannschaft ihre Kunst so viel besser beherrscht als eine andere.
    Nur wenn um einen herum die nackte Existenz auf dem Spiel steht, schmeckt in der Perspektive auch ein fünfnull gegen Chelsea doch etwas schal.

    Ich bin persönlich dankbar für jede noch so kleine Initiative, die hilft, die Leiden eines Menschen in Not zu lindern.
    Also: Danke an @hrumsch, Danke an Paule für den Artikel und Danke an all die, die helfen, ohne davon zu berichten.

  6. @all: Danke für euer Feedback. Das positive wie die leichte Kritik. Ich werde dazu – alsbald möglich – Stellung beziehen.

  7. @ Danke und Respekt für Dein Engagement.

    Habs schon mal geschrieben, aber steigende Politisierung bei wachsendem Alter finde ich bemerkenswert – persönlich bin ich eher den anderen Weg gegangen und der politische Aktionismus ist einer steten Alltagsmüdigkeit und sicherlich auch einer gewissen Abstumpfung gewichen.

    Wenn Du allerdings Infos über konkrete Flüchtlingsunterstützung in Bonn hast, dann gerne per Mail. Fürchte allerdings, dass erst mal nicht mehr als Sachspenden drin sein werden.

      • thx. Auch wenn es mich einiges an Überwindung kostet – habe meine eigene DRK-Homestory.

        Man hört halt recht wenig in Bonn. Bin nun auch nicht gerade der GA-Spezialist. Das einzig konkrete, was mir in diesem Zusammenhang bekannt ist, ist ein syrischer Junge, der seit letztem Jahr beim meinem jüngsten in der Klasse ist.

        Ansonsten meinte mal irgendwer, dass die alle im Bonner Norden untergebracht werden, was man ja schon wieder als klassischen Umgang der Thematik interpretieren könnte. Ach ja und in der Ermelkeilkaserne sollen wohl Flüchtlinge leben – These widerlegt.

  8. „Fußballer, Flüchtlinge, Menschen. Und die Anderen.“

    Wow. Schon alleine der Titel rückt dich sehr nah an die Leute, die du damit kritisieren willst. Wäre es nicht auch ne Nummer kleiner gegangen? Oder etwas differenzierter?

    • Was soll ich mit der Formulierung „schon alleine der Titel“ anfangen? Geht der Satz ggf. noch weiter? Vielleicht so: „und erst der Text…“?!

      Natürlich ist „schon allein Titel“ sehr hart formuliert. In der Tat. Die Dinge, über die ich in meinem Artikel mein Herz ausschütte, sind aber auch nicht gerade flauschig, oder?

      Ich habe Flüchtlinge, Fußballer und Menschen in einer Reihe genannt, weil ich darüber schreiben wollte, gar musste. Weil ich eine Vita, eine Familiengeschichte habe, weil ich brennende Asylbewerberunterkünfte seinerzeit schon mehr als bewusst wahrgenommen habe, weil mich die aktuellen Ereignisse so unfassbar wütend machen!

      Der Nachsatz rührt auch daher. Oder lässt es Dich kalt, wenn besoffene, eher durchschnittlich begabte Nazis auf Kinder urinieren? Für mich ist das kein menschliches Verhalten, für mich verhalten sich nur Tiere so!

      Der Begriff „Mensch“ ist hier für mich mit „Menschlichkeit“ verbunden. Und wie einige dieser Individuen, die zufällig den gleichen Pass wie ich besitzen, sich gerade in meinem Land verhalten, empfinde ich als zutiefst unmenschlich.

      Hat diese Ergänzung Dir beim Verständnis meiner Worte geholfen?!

      • Er meinte, glaube ich, dass es eine wichtige zivilisatorische Errungenschaft ist, auch absoluten Scheusalen nicht das Menschsein abzusprechen. Das gilt auch für Neonazis. Der Titel liest sich aber in seiner Gegenüberstellung anders. Daran hat er sich vermutlich gestört.

        • Ich bin weit davon entfernt, gleiches mit gleichem zu vergelten. Ich bleibe hingegen dabei, dass ich das Verhalten solcher Nazis für unmenschlich halte…

          • Ich denke die Formulierung „Menschen und die Anderen“ – also „keine Menschen“ würde dich gedanklich eher auf eine Stufe mit denen stellen, die du hier im Grunde verurteilst. Insofern etwas unglücklich. Unmenschliches Verhalten trifft es besser, meint aber etwas anderes.

        • „In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod.“

          Will sagen: Es gibt Momente im Leben, da gibt´s nichts mehr zu diskutieren. Erst recht, wenn die andere Seite gar nicht diskutieren will. Hätten die Juden noch mit Goebbels reden sollen? Soll man mit dem IS diskutieren? Manchmal ist es halt so: Wir oder die.

          Ansonsten: Guter Beitrag, Paule.
          Auch wenn es dazu noch einiges zu schreiben gäbe …
          Nur ein Beispiel: Wenn man schon grundgesetzkonform so vielen Flüchtlingen Asyl gewährt, dann wäre es auf einen mehr oder weniger nicht angekommen. Aber bei Snowden hat die Regierung nicht die Eier gehabt.
          Und wir wissen alle, warum.

          PS: Welches Tier uriniert auf welches Tier?

  9. Danke, Paule, für Dein Engagement und Deinen Beitrag!
    Wie so oft, wenn Du auch sonst über den FCB schreibst, kann ich praktisch alles unterschreiben.

    Ich finde, für unsere Zukunft gibt es nichts Wichtigeres, als Rassismus entgegenzutreten. Anscheinend kommt das in Deutschland in Wellenbewegungen immer wieder hoch – aber man kann dagegen erfolgreich Zeichen setzen, wie etwa die Lichterketten in den 90er Jahren. Denn die schweigende Mehrheit ist, da bin ich derselben Meinung, angewidert und entsetzt angesichts rassistischer Gewalt.

  10. Danke Paule, starker Beitrag.
    Ob übers Ziel hinausgeschossen oder nicht, es bleiben doch genau zwei Aussagen: Rechte Gewalt stoppen. Und Flüchtlingen helfen. Sofort und konsequent.
    Ich glaube nicht, dass Paule in unsere Schlafzimmer schaut, ob wir gerade anständige Kinder machen. Oder etwa doch??? 😉

      • Ich nehme sogar an, dass Du zustimmen wirst, dass Kinder ausschließlich Selbstzweck sind.

        • Es gibt die unterschiedlichsten Gründe für Kinder, ja. Instrumentalisierung von Kindern empfinde ich tatsächlich als nicht gut. Gemeint war ja, dass ich glaube, dass man die Welt besser machen kann, wenn man Kinder hat und alles dafür tut, dass sie selbst gute Menschen werden…

  11. Pingback: Nachdenkenswert #313 – sportinsider

  12. Guter Beitrag zu einem aktuell sehr wichtigen Thema. Dass der FC B hier ein positives Zeichen gesetzt hat, könnte eine hoffnungsvolle Dynamik unter den deutschen Fußballklubs auslösen.
    Kritisieren muss ich deine Einstellung, Nazis nicht als Menschen bezeichnen zu wollen. Genau daran scheiterte jahrelang die Aufarbeitung. Viele Nazis waren vor, während und nach ihren Gräueltaten in der Gesellschaft akklimatisiert. Ich toleriere Sympathien mit dem Nationalsozialismus keineswegs. Nazis als unmenschlich zu bezeichnen, schafft eine Distanzierung zu ihren Taten, die sie beinahe entschuldigt, da sie ja eh keine Menschen sind. Ist überspitzt formuliert und ich bin mir sicher, dass deine Intention eine andere ist. Auch ich hasse alles, was mit dem Nazi-Faschismus zu tun hat (vor allem die Leugnung des Holocaust!). Es waren aber Menschen, die diese Verbrechen begangen haben – lange Zeit wollten es viele nicht wahrhaben.

  13. Pingback: #Link11: Homo-Politicus | Fokus Fussball

  14. Für mich heißt ja das große Zauberwort „Aufklärung“. Viele angeblich besorgte Bürger wissen gar nicht, was Flüchtlinge sind. Man hört in jedem Interview, ihre Vorurteile gegen jene Flüchtlinge, heraus. Diese Meinung haben sie eben durch dubiose Medien. Nicht umsonnst singen die Ärzt: „Lass die Leute reden und lächle einfach mild
    Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild
    Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
    Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.“

    Leider ist es auch so, dass es dort wo es Hilfe gibt, eben auch Schmarotzer gibt. Leider kann man dies nicht verhindern. Nur ein Beispiel. Aktuell bekommt ein Flüchtling 350 €. Das ist zum Beispiel mehr als ein monatl. Durchschnittverdienst vieler Balkanstaaten und viele Trittbrettfahrer wollen jetzt mit absahnen.

    Nichtsdestotrotz ist es großartig, wieviel Hilfe den Flüchtlingen entgegengebracht wird, und wollen wir hoffen, dass diese Hilfe nicht so schnell abebbt.

    Ob man allerdings die Denkweise der Nazis ändern kann, wage ich zu bezweifeln. Darum ist es wichtig, sich jedem Aufmarsch dieser andersdenkenden Idioten, mutig entgegenzustellen.

    Wie gesagt, für mich muss hier eine viel bessere Aufklärung her. Die Vorurteile müssen aus den Köpfen der normalen Leute raus und ich sage bewusst „normale Leute.“ Nazis gehören für mich nicht in diese Kategorie. Wer wehrlose Menschen angreift oder ihnen Gewalt androht, hat es nicht besser verdient.

    #refugeeswelcome

  15. Ich wollte mich eigentlich zu dem Thema nicht äußern, weil schon genug gesagt wird und wurde – natürlich nicht von jedem.
    Allerdings muss ich jetzt doch mal was loswerden, wohlwissend, dass es möglicherweise einem Ritt auf der Rasierklinge gleicht kommt…

    Wie auch immer, ich bin mittlerweile einigermaßen genervt. Genervt von allen, die ungefiltert und undifferenziert ihr „Refugeeswelcome“-Fähnchen in den Wind halten. Warum sage ich euch auch. Für mich ist das mal abgesehen vom Opportunismus immer auch eine ordentliche Portion Doppelmoral. Nicht bei allen, möglicherweise, aber bei den meisten. Behaupte ich jetzt einfach mal.

    Das ein gewisser Strom von Kriegsflüchtlingen hier erstmal eine Zuflucht findet ist begrüßenswert und natürlich auch bitter notwendig. Dass diese Möglichkeit aus welchen Beweggründen heraus auch immer, auch von Trittbrettfahrern ausgenutzt wird ist ebenso klar, wie nicht begrüßenswert – allein hier ist der Gesetzgeber gefragt geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Darum geht es mir auch gar nicht. Mit geht es darum, dass es aktuell hipp ist – natürlich auch der Situation geschuldet – an jeden Brückenpfeiler dieses „Refugeeswelcome“ zu pinseln.

    Ich frage mich nur eines: Wie lange bzw. in welchem Außmaß sind die Flüchtlinge bei den Leuten ‚welcome‘? Nur solange die Zahl überschaubar bleibt und es für uns keine wesentlichen Einschnitte bedeutet? Nur weil viele von Ihnen eben gerade von „nebenan“ hierrüber kommen? Was wenn noch ein paar Hunderttausend Zuflucht in Europa und insbesondere in Deutschland suchen? Theoretisch gibt es weltweit Millionen Refugees. Sind die alle welcome wenn es hart auf hart kommt? Sind die auch noch welcome, wenn wir die Konsequenezen am eigenen Leib spüren? Oder nur die, die uns grade so auf dem Landweg erreichen? Ich muss ehrlich sagen, mir macht die aktuelle Situation etwas Angst.

    Wer sagt, dass wir irgendwann überhaupt nich genug „Ordnungspersonal“ haben, um die Situationen jederzeit im Griff zu haben? In Bezug auf Aktionen gegen Flüchtlinge haben wir sie heute schon nicht im Griff. Was wenn der Zustrom immer unkontrollierbarer wird? Was drohen uns für Konsequenzen? Ich weiß es nicht, aber es macht mir große Sorge aktuell. Und deswegen kann ich für meinen Teil nicht das „Refugeeswelcome“ Schild bedenkenlos in alle Lüfte recken. Willkommen ja, aber in welchem Ausmaß???

    Natürlich ist das etwas Schreckliches was den Kriegsflüchtlingen in ihrer Heimat passiert. Unvorstellbar schrecklich. Nur können wir nicht das ganze Leid dieser Welt lindern. Es sind immer mehrere Seiten, die es zu betrachten gilt. Ich bin mehrere Jahre im Tierschutz aktiv. Irgendwann muss man akzeptieren, dass man nicht jedes Tier der Welt retten kann. Klingt blöd, aber bei Menschen ist es natürlich genauso (natürlich mit höherer Prio, klar). Aber man muss irgendwann auch die Grenzen seiner Kapazitäten erkennen und sich dann entscheiden, was man (mehr) will.

    Wir haben seit ca. einem Jahr hier 3 syrische Kinder in der Kita. Alles in Ordnung, das ist für alle Kinder dort sicher eine wichtige Erfahrung. Aber was wenn es plötzlich 10 Kinder werden? Oder 20? Ich weiß es natürlich nicht, aber es macht mir etwas Bauchschmerzen.

    Was ich damit im Grunde nur sagen will: „Refugeeswelcome“… ich kanns nicht mehr lesen, ehrlich. Aus den genannten Gründen. Natürlich sind die willkommen, aber nicht _uneingeschränkt_. Meine Sichtweise. Und viele, die das Schildchen hochhalten sehen es genauso. Sind aber möglicherweise weit weg vom Geschehen, nicht so nah dran, wie wir hier zB in Bayern. Da fragt man sich schon, wo das noch hinführen soll.

    Und noch zur Klarstellung: meine Frau kam Ende der 80er mit ihrer Familie aus Polen. Ich kenne aus den Erzählungen die Gefühlswelt der Leute grob – wenn auch nicht ganz vergleichbar, schon klar. Aber ich bin nicht komplett unbedarft und außerdem auch weiß Gott nicht in der Nähe einer irgendwie rechts platzierten Ecke anzusiedeln und ich verabscheue das was dort teilweise passiert aufs Übelste. Nur die Entwicklung macht mir Sorge und ich kann ehrlich gesagt gewisse Interpretationen des genannten Slogans – für mich absolut undifferenziert – nicht verstehen.

    • Nein, ich teile Deine Ängste nicht. Deutschland ist eines der reichsten Länder dieser Erde, da sollten wir doch ein paar hunderttausend Flüchtlingen Zuflucht gewähren können, wenn z.B. Länder wie der Libanon ein Vielfaches an Flüchtlingen aufnehmen kann (im Verhältnis zur Einwohnerzahl).

      Die Fragen sind doch:

      Warum kommen so viele Flüchtlinge? Weil in ihren Ländern und aktuell vor allem in Syrien Krieg herrscht. Die wollen da eigentlich nicht weg. Also sollte auch unsere Regierung endlich eine klare Haltung und gesteigerte Aktivitäten an den Tag legen, dass der Krieg dort endet – dann ebbt auch der Flüchtlngsstrom ab. „Ganz einfach“.

      Davon abgesehen: Deutschland braucht Einwanderung! Wir brauchen Arbeitskräfte. Schon jetzt fehlen diese. Unsere Regierung muss endlich Konzepte und sinnvolle Einwanderungsgesetze entwickeln, wie dies andere westliche Industrienationen längst haben. Teile unserer Regierung bedienen aber lieber den Stammtisch. Schade, Chance nicht genutzt.

      Ferner: Nicht alle Flüchtlinge dieser Welt wollen oder kommen nach Deutschland. Das sind so Maximalszenarien, mit denen ich immer so meine Probleme habe. Wir haben hier einige hundert Flüchtlinge in Bonn. Denen helfen wir konkret. Das reicht imho zunächst…

      • So einfach ist es eben nicht, Paule.
        Wir haben dieses Jahr mit 450000 Flüchtlingen gerechnet, mittlerweile hat deMaiziere die Zahl auf 800000 nach oben korrigiert. Da kann man nicht einfach sagen „Das kriegen wir schon irgendwie hin.“

        Ganz blödes Milchmädchenrechnungsbeispiel:
        Wenn du 3 Leute zum Abendessen eingeladen hast und es kommen 7, dann wirst du keinem der 7 Leute das umfassende „All-Inclusive-Sorglos-Paket“ zukommen lassen können.
        Das scheitert nicht am Willen, sondern an der logistischen Umsetzung.

        Und unrecht hast du einfach in dem Punkt, dass so viele Flüchtlinge kommen ,weil in ihren Ländern Krieg ist. Das ist eine völlig undifferenzierte Betrachtungsweise.
        Wie schon gesagt, kommen über 40 % der Asylsuchenden aus den Balkanstaaten. Da ist kein Krieg.

        • Du hast ja Deine „Freundin die in der Flüchtlingshilfe arbeitet“ als Quelle Deiner Einschätzungen genannt. Kommt von der auch die Zahl „40% kommen eh aus dem Balkan“? Gib mir doch mal bitte eine weitere Quelle.

          Davon ab: Meinen Vergleich hast Du schon verstanden, oder? Wir sind ein Volk von 80.000.000 Menschen und haben ein Problem weil wir wahrscheinlich 800.000 statt 400.000 zunächst einmal aufnehmen und deren Asylanträge prüfen (wer weiß, wie viele davon bleiben, wollen oder dürfen). Warum schaffen viel kleinere Länder das?

          Natürlich ist dies eine sehr ungewöhnliche Situation die keiner erwartet hat und die uns alle vor Herausforderungen stellt, aber es kann imho nicht sein, dass wir als reiches Land den Hilfsbedürftigen die Hilfe verweigern. Und wie gesagt, wer – nach Überprüfung seines Antrages – kein Asyl in Deutschland gewährt bekommt, muss halt zurück.

          Davon ab: Wir können gerne auch noch darüber reden, warum auch Menschen aus wirtschaftlichen Gründen ihr Land verlassen und wer daran ebenfalls seinen Anteil hat…

          • http://www.n-tv.de/politik/Beh.....23946.html

            In dem Artikel wird sogar von „mehr als 40% der Zufluchtssuchenden“ gesprochen.

            >> Warum schaffen viel kleinere Länder das?

            Die Frage müsste eher lauten, warum schafft es der Großteil der EU nicht sich seiner sozialen Verantwortung des Dubliner Übereinkommens zu stellen?

        • Antikas, Du schreibst (#42):

          „Wenn du 3 Leute zum Abendessen eingeladen hast und es kommen 7, dann wirst du keinem der 7 Leute das umfassende „All-Inclusive-Sorglos-Paket“ zukommen lassen können.“
          Angekuendigt mit den Worten: „Ganz blödes Milchmädchenrechnungsbeispiel:“
          Stimmt.

          Eine anstaendige, redliche Vergleichsrechnung – und genau das braucht’s – lautet:
          Du gibst eine Party fuer 800 Leute. Und es kommen 8 mehr. ACHT.
          Und es geht auch nicht um das von Dir herbeifabulierte Deluxe-Paket (und ich unterstelle wohlwollend, dass Du damit NICHT in die Richtung „Nikeschuh/iPhone“ abzielen wolltest), sondern schlicht um ein halbwegs menschenwuerdiges Dasein ohne die Angst, dass Dir gleich das Bett unterm Arsch weggebombt wird.

          Mal ab davon, dass Deine Einlassung bzgl der „40% vom Balkan“ diejenigen (zB Roma) inkludiert, die dort aufgrund Ihrer Herkunft, Ethnie etc drangsaliert werden: Dein lapidares „Da ist kein Krieg.“ ist dermassen kolossal ignorant.

          Und ja: bestimmt gibt es einen Prozentsatz derer, die Geldleistungen dazu nutzen, Ihre Leute zuhause durchzufuettern. Nur sind das bestimmt nicht die von Dir genannten 40 %. Womoeglich koennte man das Verfahren auch dahingehend pruefen. Jedoch spricht so sehr viel mehr dafuer, vorher ganz andere Dinge zu pruefen: zB unser Beitrag dazu, dass es den Regionen dort so schlecht geht, dass sie Ihre Heimat verlassen wollen.
          Und zuletzt: bevor der Verwaltungsaufwand betrieben wird, diese Kostenstelle zu pruefen, fielen mir etliche andere Stellen in diesem Land ein, wo binnen weniger Zeit weitaus viel mehr Geld verbrannt worden ist.

          Im Englischen sagt man: get your head outta your ass!

          • >>Mal ab davon, dass Deine Einlassung bzgl der „40% vom Balkan“ diejenigen (zB Roma) inkludiert, die dort aufgrund Ihrer Herkunft, Ethnie etc drangsaliert werden: Dein lapidares „Da ist kein Krieg.“ ist dermassen kolossal ignorant.

            Die Roma machen ungefähr 1/3 der Flüchtlinge aus.

            Und mal ganz dumm gefragt, weil mir die Meldung ja vielleicht entgangen ist, aber wer bombt denn in den Balkanstaaten gerade irgendjemanden das Bett unterm Arsch weg?

        • Und um das mit den Balkanflüchtlingen mal erklärend abzurunden:
          Dr. Martin Schmidt(Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.) :
          Rund 40 Prozent aller Asylanträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kommen von Menschen aus Balkanländern. Jeder Fall werde geprüft, anerkannt würden aber nur höchstens 0,2 Prozent, sagte Amtspräsident Manfred Schmidt im Interview der Mediengruppe „Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung“. „Deswegen kommen wir nur verzögert an die Bearbeitung von Anträgen der Menschen, die wirklich Schutz und Hilfe benötigen. Und das ist für uns nicht akzeptabel.“

          • In Ordnung. Als Du dieses Interview erwähntest, dämmerte es mir kurz. Vor allem erinnere ich mich an mein Erstaunen ob dieser Worte. Hier im Übrigen mal ein paar Zahlen von besagter Behörde. Das mit den 40% Flüchtlingen aus dem Balkan (Zahlen von Mai, bzw. Juli) kann stimmen, hab ich jetzt nicht nachgerechnet, allerdings wird dort auch von allgemeinen Anerkennungsquoten gesprochen, die bei ca. 40% liegen…

            https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/statistik-anlage-teil-4-aktuelle-zahlen-zu-asyl.pdf

          • Versteh gerade nicht ganz, worauf du mit deinen Hinweis hinauswillst?
            Der Präsident kennt die eigenen Zahlen nicht?

          • Ich will damit sagen, dass ich mir jetzt selbst offizielle Quellen suche, bzw. die Quellen des Bundesamt selbst durchsuche.

            Davon ab: Sollte es tatsächlich so sein wie es Dein Zitat und dieses Interview darlegt, ist das bedauerlich, schränkt aber in keinster Weise meine Überzeugung ein, dass wir als Demokratie derlei aushalten müssen. Und deshalb nicht das (Menschen)Recht auf Asyl weiter einschränken. Warum nicht nur reale und aktuelle Kriege Asylgründe sein können, haben andere Kommentierer ja schon dargelegt.

          • Es geht auch nicht darum das Menschenrecht auf Asyl einzuschränken.
            Aber mit „Das müssen wir schon aushalten“ machst du es dir meiner Meinung nach zu einfach.
            So easy ist es eben nicht.

            Aber das würde jetzt zu weit führen und da ich Sarrazins Buch zwar nicht gelesen habe, aber einige seiner Befürchtungen durchaus teile, da sie sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen decken, bin ich aus dieser Diskussion auch raus.

    • Deine Angst teile ich, wenn auch aus etwas anderen Gründen.
      Manchmal denke ich, dass wir am Beginn einer neuen Völkerwanderung stehen, die die Welt, wie wir sie kennen ganz gehörig ins Wanken bringen wird.
      Lampedusa wird man kaum mit dem Konflikt in Syrien rechtfertigen können, das gabs schon vorher – die mediale Aufbereitung glänzt hier zunächst durch Ignoranz, später Gleichzeitigkeit und die übliche Reduzierung auf Klischees und Ressentiments.

      Die einzigen, von denen ich weiß, dass sie die Flüchtlingswelle seit Jahren predigen sind Hagen Rether (Vaterunser: „sie werden kommen und sie werfen mit Reis!“) und Georg Schramm, der ebenfalls seit Jahren in Südeuropa ein Heer von testosterondurchtränkten jugendlichen Armutsflüchtlingen auf ein Heer von testosterondurchtränkten jugendlichen Arbeitslosen prallen sieht.

      Komisch nur, dass unsere Politiker dass nicht sehen wollen bzw. nicht sehen wollen dürfen – #FehlerimSystem….
      Natürlich sind die genannten Kabaretisten in ihrer Darstellung etwas drastisch, aber für mich steckt da schon viel Wahrheit im Kern.

      Und diese Menschen haben jedes Recht der Welt in die reichen Länder zu kommen! Schon mal was von Jahrhunderte langer Ausbeutung durch Kolonialmächte, die später durch Geldgeber ersetzt wurden gehört? Die Weltbank vergibt Kredite an Drittweltstaaten nur unter der Bedingung, dass diese Rohstoffe zwar fördern aber keinerlei Wertschöpfung daran betreiben dürfen. Das machen dann die West-Konzerne! Man braucht nicht viel Zynismus um derlei als Armutsförderung im Deckmäntelchen der Entwicklungshilfe zu bezeichnen. Ein anderes Thema ist sicherlich die konsequente Auslagerung von Zivilisationskosten der ersten Welt an die Dritte, insbes. Umwelt- und Arbeitsschutz betreffend – nochmal Hagen Rethter: „Ein I-Phone bekommst du nicht vom eigenen Volk!“
      Das sind Tatsachen, die bei uns gerne verschwiegen werden bzw. ein Nischendasein in anspruchsvollerem Kabarett oder zwischen irgendwelchen Biolandenregalen fristen. Man könnte da sicher vieles wissen, was man aber zumeist nicht wissen möchte, weil unbequem, weil die Konsequenz daraus noch weit unbequemer ist…. Weil Angst da ist vor einer ungewissen Zukunft.

      Ein erster Schritt wird sicherlich eine offene Diskussion über die Problematik sien und ein brauchbares Einwanderungsgesetz. Letzteres schon allein aus vitalem Interesse unserer Gesellschaft – die Prognosen der Demographie sind ja auch nicht erst gestern vom Himmel gefallen.

      Die Gretchenfrage lautet wohl hier: Wer ist der Macher unseres Wohlstands? Sind es die fleißigen Häuslebauer oder die malochenden Kumpel oder die modernen IT-Leute oder vielleicht doch die historisch für Deutschland recht glückliche Fügung, dass sich die Siegermächte angesichts sich abzeichnender Blockbildung entschlossen Deutschland in nie dagewesenem Ausmaß mit Kohle vollzupumpen – Marshall-Plan anyone? Oder ist es doch die konsequente jahrhundertelange Ausbeutung ganzer Erdteile?
      Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen und ist weder einzig Produkt der fleißigen unermüdlichen Arbeit der Menschen in diesem Lande noch einzig Folge von rassistischer Ausbeutungspolitk vielen Ebenen. Ich möchte ganz sich niemanden um die Früchte seiner Arbeit bringen, aber dennoch ist es an der Zeit mal über den Tellerrand zu blicken und über das was man da so sieht zu reden und andere zu animieren auch mal nachzusehen.

      Dadurch wird man keinen Nazi in einen Humanisten verwandeln, aber vielleicht kann es so gelingen den ‚deutschen Michel‘ statt für völkische Abgrenzung für globale Integration zu begeistern.

      Zum Einstieg: ‚Let’s make Money‘, ‚The Corporation‘, mit Abstrichen ‚We feed the World‘

      @Paule: Danke für dieses OT-Diskussion.

  16. Meine Mutter ist Psychiaterin und behandelt unter anderem Menschen mit Traumata als Schwerpunkt.

    Erst diese Woche hatte sie wieder eine Familie vor sich sitzen,wo die Frau schwer traumatisiert war: sie wurde im Krieg mehrfach vergewaltigt und wird auch heute noch bedroht deswegen und als „bosnische Schlampe“ beschimpft. Daneben wird die ganze Familie auch aufgrund ihrer Herkunft bedroht.
    Obwohl sie mehr Geld hatten als andere und der Mann eine Baufirma hatte und selbstständig war,haben sie sich entschlossen,doch wieder zu fliehen,da gerade die Frau es dort nicht mehr aushalten kann. Zwischenzeitlich hatten sie mal in Spanien gelebt,waren aber wider zurückgekehrt(!),weil sie dachten,der Krieg sei ja vorbei und sie könnten dort in Ruhe leben. Können sie aber nicht.Der Frau geht es körperlich auch so schlecht,dass sie auch im Krankenhaus war. Ihr Mann hält zu ihr,obwohl sie für das ganze Dorf als vergewaltigte Frau nur „Dreck“ ist.

    Solche Menschen hat meine Mama als Gutachterin in Asylverfahren ständig vor der Nase…
    Von Asylmissbrauch kann sie in der Masse nicht reden,eher von völlig verzweifelten Menschen,die am Boden sind,weil sie nicht mehr in ihrer Heimat leben können und nicht weiter wissen.

  17. @Ribben

    Und was ist,wenn 20 syrische Kinder mit deinem Kind in der Kita sind?

    Wovor hast du denn genau Angst?
    Dass dein Kind Deutsch verlernt?
    Dass es mit zu vielen Ausländern in Kontakt kommt statt anständige deutsche Freunde zu haben?
    Dass diese Flüchtlingskinder Muslime sind?

    Solche Aussagen sind für mich völlig unverständlich.
    Natürlich ist es für alle besser,wenn diese Kinder dann schnell Deutsch lernen,aber passiert das bei Kindern mit etwas Hilfe nicht eh total schnell?

    Ich verstehe wirklich nicht,wovor man Angst haben braucht,wenn dafür gesorgt ist,dass diese Kinder schnell Deutsch lernen und so das Zusammensein besser klappt.

    • Unverständlich für dich warum? Weil du kein Kind hast? Oder weil du nicht direkt betroffen bist?

      Und nein, entgegen der landläufigen Meinung lernen diese Kinder eben nicht schnell die deutsche Sprache, da zu Hause natürlich weiter die Heimatsprache gesprochen wird und sich die Eltern natürlich sehr viel schwerer tun, wenn sie es denn überhaupt (nachhaltig) versuchen.

      Das Hauptstichwort ist Integration.
      Bei Flüchtlingen aus Syrien fehlen ja die Erfahrungswerte, allerdings gibt es sie im Allgemeinen für muslimische Gruppen. Und darum steht es nicht gut. In meinen Augen ist das wie bei allen anderen Zuwanderern aber Bedingung für einen Verbleib.

      Ängste? Ich weiß nicht inwieweit ich dir hier Rechenschaft ablegen muss, da du sonst auch nicht hier aktiv bist, noch dazu wenn du meinst, dass das vollkommen unverständlich sei und dabei offenbar nicht berücksichtigst, dass ich das nicht einfach so daher plaudere sondern eben aus ureigenster Erfahrung spreche… aber mal ein Auszug:

      Es geht damit los, dass man Kindergartenkindern erklären muss, was Kriegsflüchtlinge sind. Das ist weniger dramatisch, da sie da ohnehin noch wenig bis keinen Bezug dazu haben. Es geht dann vom Morgengebet übers Mittagessen, bestimmten gewohnten Ritualen, sonstige Dinge, die in anderen Kulturen halt anders sind, müssen dann beachtet werden. Gemeinsame Aktivitäten, die über die normale Zeit hinaus gehen, gibt es nur unter den einheimischen Kindern. Betreuer sind nicht geschult, überfordert (verdienen gemessen an der Verantwortung ohnehin viel zu wenig – aber das ist ein anderes Thema) müssen nun auch noch Integrationsbeauftragte sein. Sind dermaßen versucht nichts falsch zu machen, dass kaum zwangloses Spielen mehr möglich ist. Die ganzen Konzepte, Programme müssen auf „allgemeingültig“ angepasst werden.
      Wenn es zwischen den Kindern oder allgemeine Probleme / Themen gibt, die zu besprechen sind. Mit wem spricht man dann? Verständigung mit den Eltern ist nicht möglich. Übersetzer rar. Selbst dann gibt es zu vielen Themen eine komplett andere Einstellung. Macht man irgendwann getrennte Gottesdienste, wenn die Gruppen größer werden? Was bei der Einschulung? Nimmt man Rücksicht auf sprachliche Defizite oder nicht? Es sind tausend Fragen die da auftauchen, über die man sich keinen Kopf macht, wenn man nicht betroffen ist.
      Wenn die Anzahl dann immer größer wird, bzw. die Zuwander-Kinder nicht entsprechend aufgeteilt werden, leiden definitiv die einheimischen Kinder darunter. Auch im Vergleich zu den Regionen (oder Ländern), die das „Problem“ nicht haben (und sich deutlich weniger drum scheren als Deutschland es tut). Bildungstechnisch wird uns im internationalen Vergleich ohnehin seit langem der Rang abgelaufen, was sich dadurch verschärfen wird. Undundund.

      Mein Standpunkt ist eindeutig: Nicht wir müssen uns anpassen, sonder die Menschen die hier her kommen und sich ein besseres Leben versprechen.

      Natürlich kann man jetzt sagen: da muss man halt etwas weltoffener sein, da darf man sich nicht so anstellen, es wird eh alles globaler etc. Das gilt dann erstens für beide Seiten und zweitens hat dazu jeder eine andere Einstellung. Wie oben erwähnt: meine ist es nicht. Ich will nicht viel von Sarrazin erzählen, der das ja auf fast 500 lesenswerten, hochinteressanten Seiten predigt. Es geht um die deutsche Kultur und Werte, die verloren gehen. Es geht nicht darum, dass man keine Zuwanderung will, sondern dass man will, dass sich die Leute intergrieren und anpassen. Wenn das nicht geschieht haben wir in wenigen Jahrzehnten eine ganz andere Kultur und Religion in diesem Land. Im besten Falle noch multi-kulti, tendenziell aber islamisch / muslimisch.

      Schon klar, dass man mit solchen Aussagen tendenziell als rechts abgestempelt wird, aber das ist halt in Deutschland auch sehr sensibel und ausgeprägt. Aber es ist ganau das, was mir Sorge macht. Das die Kultur, mit der wir geboren und aufgewachsen sind wurden verloren geht. Ich will das nicht. Wenn ich das wollte, wäre ich längst von selbst gegangen.

      • Uff.

        Nur so viel: Ich _kann_ mitreden, da wir unsere beiden Kinder durch den Kindergarten gebracht haben, der Kleine sogar noch 1-2 Jahre dort hat. Beide Kinder hatten permanent Kontakt zu ausländischen und islamischen Kindern und deren Eltern. All das lief problemlos ab. Mag sein, dass wir dann – in Deinen Augen – schlicht Glück gehabt haben und es ansonsten in Deutschland so aussieht, wie Du es beschreibst oder erfahren hast. Da Du einen Sarrazin gerade als „lesenswert“ bezeichnet hast, möchte ich Dich um Verständnis bitten, dass ich dieses Thema mit Dir nicht weiter vertiefe.

        • Ok, das lässt zum Thema Toleranz und Diskussionsbereitschaft tief blicken.

          Aber das ist auch das was ich wiederrum nicht verstehe: Es wird Toleranz und ähnliches gepredigt, aber etwaige Bedenkenträger werden mindestens nicht beachtet oder sogar als untauglich hingestellt. Da sehe ich es ähnlich, dass auf der Basis nicht weiter diskutiert werden braucht.

          Ich sehe im übrigen – ob lesenswert oder nicht – an dem Buch nullkommanull verwerfliches. Es orientiert sich an Fakten und ich befürchte, dass nicht wenig der Szenarien eintreffen wird und unsere Kinder sich damit auseinanderzusetzen haben. Ich beneide sie darum nicht.

          Und: ich habe nicht aktuell von wirklichen „Problemen“ mit unseren 3 syrischen Kindern gesprochen. Die Frage war – und das sind meine Bedenken – wenn die Zahl entscheidend (!) zunimmt…

          • Du meinst, ich sollte ggü. den Stammtisch-Parolen eines Sarrazin toleranter sein?

            Nein, tut mir leid, dazu fehlt mir aktuell wirklich die Kraft…

      • Vielleicht hilft es, wenn man offen an ‚die anderen‘ rangeht und sie zuvorderst als Menschen betrachtet und erst dann als Hindu, Zeuge Johovas oder Piusbruder, danach kann man die mitgebrachten Bräuche und Sitten in Augenschein nehmen, zum Schluss, wenn denn noch notwendig ist, die Hautfarbe etc.

        Wenn man das tut, dann geht das. Auch meine Kinder waren und sind in Kindergärten und Schulen permanent in Kontakt mit Menschen anderer Herkunft. In einem Kindergarten, wo der Anteil türkischstämmiger Kinder relativ hoch war, lief der Kontakt der Kinder untereinander völlig problemlos, ja sogar bereichernd für meine Kinder – wo bitte ist das Problem, wenn im Kindergarten das Zuckerfest gefeiert wird statt Fronleichnam, oder anders, findest du es toll, ab Anfang September Christstollen kaufen zu können?
        Ich war damals sehr stark in die Elternarbeit involviert, was zugegebenermaßen nicht so ganz einfach war. Wenn aber Feste gefeiert wurden waren _alle_ mit dabei und zwar richtig. Und du kannst mir nicht erzählen, dass es deinem Kind nicht egal ist, ob die Bratwurst vom Grill halal oder haram ist.

        Alle deine Ängste sind in gewisser Weise nachvollziehbar, stellen aber bei weitem keine unlösbaren Probleme dar. Das kann man alles regeln und besprechen, wenn man den von allen beteiligten Seiten offen ist. Ich sehe da als einziges Problem die Politik, die eben hingegangen ist, und die Integrationsaufgabe einzig denen überlassen hat die gekommen bzw. dem Ruf der dt. Wirtschaft gefolgt sind – dummerweise hat sich dieses krude Verständnis von Integration in der Gesellschaft weit verbreitet.
        Das geht so aber nicht, wenn eine Gesellschaft lebendig sein soll und nicht nur die Profite der Wirtschaftsunternehmen im Vordergrund stehen (tw. 30% geringeres Einkommen für Gastarbeiter, Gettoisierung, kein Sprachunterricht etc. pp.).

        Ganz abgesehen davon empfinde ich den kulturellen Wandel der von einer kleinen Gruppe zumeist im Silicon Valley angesiedelter hipper Unternehmer augenblicklich betrieben wird weit gravierender und bisweilen auch beängstigender als eine steigende Anzahl von Menschen mit Kopftuch oder von mir aus Moscheen.

        Ja und Sarrazin – eine wirklich zutiefst bedauernswerte Figur.

        Edit: ups, sollte eigentlich eine Ebene höher.

      • >> Es geht dann vom Morgengebet übers Mittagessen, bestimmten gewohnten Ritualen, sonstige Dinge, die in anderen Kulturen halt anders sind, müssen dann beachtet werden. Gemeinsame Aktivitäten, die über die normale Zeit hinaus gehen, gibt es nur unter den einheimischen Kindern. Betreuer sind nicht geschult, überfordert (verdienen gemessen an der Verantwortung ohnehin viel zu wenig – aber das ist ein anderes Thema) müssen nun auch noch Integrationsbeauftragte sein. Sind dermaßen versucht nichts falsch zu machen, dass kaum zwangloses Spielen mehr möglich ist. Die ganzen Konzepte, Programme müssen auf „allgemeingültig“ angepasst werden.

        Zu dem Punkt kann ich noch was beisteuern, nachdem diese Diskussion auch mich das Wochenende beschäftigt hat.
        Meine aktuelle Lebensgefährtin arbeitet als Erzieherin in einem Kindergarten und ich hab sie mal nach ihren Erfahrungen mit der Thematik befragt.
        Die Quote der Kinder mit Migrationshintergrund liegt bei 86 %.´in ihrer Einrichtung.

        Und es ist schon wie Ribben sagt( und mir ist absolut klar, dass das nicht für jeden Kindergarten Deutschlands gilt):
        Die Probleme sind vielfältig. Das fängt bei kulturellen Problemen an („Du bist nur eine Frau. Von dir muss ich mir nichts sagen lassen“), geht dann über in Religion („Ihr Deutschen seid unreine Schweinefleischfresser“) und endet im übelsten Punkt, nämlich das selbst die deutschen Kinder in ihrer Sprachentwicklung gehemmt sind. Wie Ribben sagt, müssen die ganzen Programme auf „allgemeingültig“ umgestellt werden und dann kannst du halt nicht mal eben aus einem Buch vorlesen.
        In der Einrichtung meiner Freundin ist das jetzt so schlimm, dass eine externe Sprachförderungskraft beantragt werden musste.

        Ich will hier gar keine Bewertung vornehmen, zumal mir auch Lösungsansätze fehlen, sondern nur mal aufzeigen das Ribbens Sorgen nicht aus der Luft gegriffen sind.

        • Hier nochmal ein Versuch (der definitiv letzte), als wörtliches Zitat aus dem FAZ.net Artikel, s.o., gerade auch @antikas:

          >>Wie sehen uns die anderen? Wirklich als diejenigen, die in Europa ein „Viertes Reich“ errichten wollen? Oder wie sie uns sahen, als wir 2006 in warmer Sommersonne die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichteten, wie sie uns sahen, als die deutsche Mannschaft 2014 den Titel gewann – rundum sympathisch. Die ganze Welt hat es uns gegönnt! Bestimmt haben viele Flüchtlinge solche Bilder in den Köpfen, wenn sie an Deutschland denken. Die lesen doch nicht Sarrazin. Und war das nicht auch schon so, als wir 1990 gleichzeitig mit der Wiedervereinigung Fußball-Weltmeister wurden, unversehens Glückskinder der Geschichte? Auch damals setzte eine Völkerwanderung nach Deutschland ein, und ebenso wenig wie heute war Deutschland damals deren Ursache.

          Es ist sonderbar, dass Deutschland von innen heraus betrachtet so ganz anders scheint. Viele glauben und fürchten in immer neuen Schreckensvisionen, dass es sich abschafft. Und auch hier gilt, wie bei Orbán, der im selben Muster argumentiert: Man kann es so sehen. Wenn man sich die Fußballmannschaft von 1990 anschaut – erinnern Sie sich noch, wie viele Einwanderer darin waren?

          Keiner. 2014 waren es sechs. Schon daran erkennt man, dass Deutschland sich in diesen knapp 25 Jahren enorm verändert hat. Das Deutschland von 1990 ist bereits abgeschafft. Es existiert nicht mehr. So vieles, was es damals gab, gibt es nicht mehr. Vieles, was es heute gibt, gab es damals noch nicht. Aber Weltmeister kann Deutschland noch werden (und wäre es ohne die sechs nicht geworden). Als Weltmeister ist es also nicht abgeschafft. Das kann man doch ertragen.

          Wer vor fünfundzwanzig Jahren Kind war, hat schon Mühe, zu erklären, wie anders das Leben damals gewesen ist. Wer vor fünfzig Jahren Kind war, lebte tatsächlich in einem anderen Land, in einer anderen Welt. Es ist mehr fort als blieb. So groß sind die Unterschiede, dass es kaum möglich ist, sie den Jungen zu erklären, ohne komisch zu wirken. Unsere Kinder können unsere Kindheit nicht mehr verstehen. Aber wir können auch die Kindheit unserer Kinder nicht wirklich verstehen. Die Welt schafft sich ab.<>In modernen Staatswesen findet ein unaufhörlicher Veränderungsprozess statt. Sie sind offen, weil sich technologische, ökonomische und soziale Entwicklung, also der Fortschritt, nur in geschlossenen Systemen verhindern lässt (etwa Japan vom 16. bis zum 19. Jahrhundert). Das Leben in offenen Gesellschaften ist für jeden mit riesigen Vorteilen, aber auch erheblichen Verlusten verbunden. Denn offene Gesellschaften schaffen sich sozusagen ständig ab.

          Jung und Alt als Parallelgesellschaften

          Viel von dem Unbehagen in der Kultur, von den Ängsten und mitunter dem Zorn, rührt aus diesen Verlusten. Altern in einer solchen Gesellschaft bedeutet: lange gesund bleiben, lange leben, neue Gelenke für die Hüften bekommen und neue Hornhäute für die Augen – ja. Aber es bedeutet auch, einer Welt, der man traute, beim Untergehen zuzusehen. Es gibt nämlich nicht nur eine horizontale Segregation in „Parallelgesellschaften“, sondern auch eine vertikale. Die Älteren stehen zumindest mit einem Bein in einer Welt, die nachlässt, untergeht oder schon gar nicht mehr existiert. Und so schmerzlich die Einsicht auch sein mag: Mitunter verteidigen sie eine Wirklichkeit, die bereits enteilt ist, schütteln Würfel im Becher, die schon gefallen sind. Die Jüngeren können die Welt in den Köpfen der Alten nicht sehen, und den Wert dieser Welt auch nicht.

          Älter werden bedeutet in einer solchen Gesellschaft: Man wird zum Fremden in der eigenen Heimat, und nicht etwa nur, weil Fremde zuwandern, sondern weil das ganze Land von einem weg wandert. Deutschland schafft sich ab. Das ist kein moralischer oder unmoralischer Prozess. Es ist naiv, manchmal geradezu boshaft dumm, so zu tun, als gehe dabei nur Schlechtes verloren – wie es Progressisten tun. Und es ist genauso dämlich oder finster zu glauben, man könne diesen Vorgang rückgängig machen – wie es Reaktionäre anstreben. Die Bewegung einer offenen Gesellschaft gleicht dem Wachstum der Weinpflanze: Im Zeitraffer tasten die Ranken wie suchend hin und her. So ähnlich tastet der Fortschritt. Versuch und Irrtum, Versuch und Erfolg. Aber es geht nicht zurück.

          Das heißt.

          Der konstruktive Umgang mit der Völkerwanderung unserer Tage ist vorgezeichnet. Man darf sie nicht passiv hinnehmen, weder verteufeln noch benedeien. Ethnisch korrekte Nationen auf unserem Kontinent sind allerdings Schnee von vorgestern. Die Freizügigkeit in Europa kann nur aufrechterhalten werden, wenn es seine Grenzen kontrolliert und schützt. Zuwanderung muss nach Kräften in legale Bahnen gelenkt werden. Es kann nicht sein, dass Europa über die Einwanderung nicht mitbestimmt. Sie muss möglich bleiben, nicht nur zähneknirschend ertragen werden, sondern aus vielen guten Gründen auch gewollt. Aber sie kann sich ihr Recht nicht wildwüchsig selber schaffen, weil sonst die Optionen guten Regierens verschlissen würden. Wir können es schaffen, aber wir können nicht alles schaffen. Flüchtlinge und Asylbewerber müssen in Europa nach Quoten auf die einzelnen Staaten gerecht verteilt werden. Nationale Selbstbestimmung kann es auch in dieser Frage nicht mehr geben. Deutschland schafft sich ab, ja. Und leuchtet bitte weiter.<<

          Vielleicht hilft das, den Blick mal etwas weiter, weniger Angst gesteuert – und offener – zu halten.

          • Was willst du mir sagen?

            Steht doch genau das drin, was ich hier schon vorher gesagt habe, nämlich “ Flüchtlinge und Asylbewerber müssen in Europa nach Quoten auf die einzelnen Staaten gerecht verteilt werden.“

            Dafür gibt es u.a. das Dubliner Abkommen und dann muss man halt dafür sorgen, dass es auch konsequent umgesetzt wird.

  18. @all: Ich muss jetzt noch mal dringend was Allgemeines los werden.

    Ich weiß, dies ist ein Fußballblog, eine Fußballcommunity. Und ich kann mir vorstellen, dass viele Leser vor allem für die Fußballbeiträge und die -Diskussionen hier sind.

    Gleichwohl ist dies mein Blog und dieser Beitrag lag und liegt mir nun einmal auf der Seele. Einige mag die Politisierung hier stören, mir war dieses Statement aber wichtig. Wichtig, um zum Ausdruck zu bringen, dass nicht die „Lauten“ gerade in der Mehrheit sind, sondern die, die sich gegen Ausländerhass, Gewalt und brennende Asylbewerber-Wohnheime aussprechen.

    Ich denke, hierzu gibt es keine zwei Meinungen.

    Mir ist es nicht so wichtig, dass wir immer alle einer Meinung sind und erst Recht nicht, dass alle _meiner_ Meinung sind. Die „Kämpfe“ fechte ich in anderen Socialmedia-Kanälen aus. Auch und gerade hier auf meinem Blog herrscht Meinungsfreiheit.

    Von dieser Grundvoraussetzung einmal abgesehen machen mich einige Argumente – ich bin da jetzt mal ganz ehrlich – echt fertig. Und das in einer Grundstimmung, die ohnehin schon am Boden ist, wenn ich _jeden_ Tag zurzeit einen neuen Tiefpunkt der Menschlichkeit in unserem ach so toleranten und weltoffenen Europa erlebe und sehe. Mag sein, dass ich da aktuell ein wenig emotionaler reagiere, als ich es ansonsten tun würde.

    Ferner liegen mir meine Leser, noch dazu langjährige und treue, sehr am Herzen. Und die Fußballdiskussionen mit all diesen vielen Lesern halten dieses Blog schließlich am Leben.

    Wem es zwischen den Zeilen schon aufgefallen ist, der hat Recht: Ich bin sehr zerrissen in diesen Tagen in diesem Moment. Ich weiß nicht, wie ich mit manchem Kommentar umgehen soll und meine Gefühlslage pendelt aktuell von „das muss man aushalten“ bis „ich zieh mich ganz zurück“. Und diesmal hilft mir auch kein, ansonsten gern genutzter Spruch „Ist ja bald wieder Fußball (FC Bayern)“. Schlimm. /O\

    • s.o., meine Dank…..

      Ich finde es gut und wichtig, dass Du Dich so engagierst – von Deinen anderen Social-Media-Kanälen kriege ich allerdings nicht so viel mit.

      Ich selbst habe mich sehr angesprochen gefühlt von Deinem Text und der anschließenden Diskussion und beginne beispielsweise gerade damit Kinderbücher und einfache Spiele zur Förderung des Spracherwerbs bei Freunden, Bekannten und in den Klassen meiner Kinder zusammenzuklauben um diese dann in die Ermelkeilkaserne – dort zentrale Sammelstelle – zu bringen. Die Idee kam mir durch deinen DRK.Bonn – Link, da diese Sachen dort als akut beschrieben wurden.

      Auch rege ich mich gerade tierisch darüber auf, dass von den Schulen nichts zum Thema kommt. Meine Großen besuchen die 7. Klasse der Gesamtschule Beuel – immerhin 1400 Schüler – aber mir ist nichts bekannt, was von Schulseite aus zu dem Thema passiert. Die Mails an Schulleitung und Klassenlehrer sind in Arbeit.
      Allerdings ist die Motivation der Beiden etwas schwierig, da sie momentan irgendwo zwischen pubertärer Unlust und möchtegern-Coolness hin und herschwanken, was keine guten Vorraussetzungen für intrinsische Motivation und Eigeninitiative darstellt. Aber wenn da was läuft, werden sie dabei sein, da bin ich mir sicher. Oft braucht es nur einen kleinen Anstoß.

      Dies nur um Dir ein paar Früchte Deines Engagements zu zeigen und Dich zum weitermachen zu ermutigen.
      Wenn Du oder sonst irgendwer aus dem Bonner Raum sich an meiner Sammlung beteiligen möchte, schreibt mir ne Mail. Ich hoffe so innerhalb der nächsten 1,5 Wochen was zusammen zu haben.

  19. Und eines noch an alle, die der Taschengeldmär das Wort reden:

    Schon mal darüber nachgedacht warum sich tw. 70 Menschen auf ein 5m langes Schlauchboot zwängen um das Mittelmeer zu überqueren? Oder warum sich 71 Menschen in einen Kühlwagen (geschätzte Fläche 5x2m) zwängen?
    Wenn man so was macht, dann weiß man vermutlich, dass das eine sehr gefährliche Nummer ist.
    Glaubt ihr wirklich, dass das lächerliche Taschengeld der Grund für derartige Himmelfahrtskommandos ist?

    Kann nicht euer Ernst sein!

    • Für dich mag das ein lächerliches Taschengeld sein.
      Für die Jungs aus den sozialschwachen Ländern ist es das sicherlich nicht.
      Wenn du das Thema einfach als „Mär“ abkanzelst, machst du es dir zu einfach.
      Und nicht falsch verstehen, mir ist durchaus klar, dass nicht alle Flüchtlinge hier herkommen nur um die Kohle abzugreifen, aber es ist naiv so zu tun als wenn das Problem pauschal nicht existent wäre.

      http://www.augsburger-allgemei.....03402.html

      • Tue ich nicht. Es gibt die ganz sicher. Aber analog beipielsweise davon zu sprechen, dass alle deutschen Nazis sind, nur weil in Sachsen und andernorts ein paar Idioten ausflippen und wer weiß was tun ist genauso eine unzulässige Verallgemeinerung wie eben die, dass alle Flüchtlinge wegen des Taschengeldes herkommen.

        Der feine Unterschied liegt eben darin, das im von mir geschilderten Beispiel der Aufschrei groß und unmittelbar ist, vgl. die Kommentare zu Paules Formulierung zum dt. Michel. Im anderen Fall dagegen wird dann basierend auf mehr oder weniger harten Fakten, Annekdoten aus dem Bekanntenkreis etc.auf der die Verallgemeinerung implizierenden These beharrt.

        Das ist sehr gefährlich und verlangt Fingerspitzengefühl und Differenzierungsvermögen. Das sind leider Aspekte, die in der medialen Aufbereitung völlig fehlen. Dann bleibt am Ende das Ressentiment stehen.

        Und mal ganz ehrlich, wie verzweifelt muss man sein um einen Transportweg zu wählen der im Normalfall den sicheren Tod bedeutet? Wenn man sich vorstellt, das diese Menschen auch noch vermutlich ein bis mehrere Jahresgehälter (ihre Heimatländer) an die Schlepper bezahlen, spätestens dann wird diese ganze Debatte ums Taschengeld doch obsolet.

        Ich bezeichne dies als Mär, weil es imho nur einen sehr kleinen Teil der Realität wiedergibt und in der Konsequenz die Argumente derer befeuert, die ich in keinem Land der Welt sehen will: #Nationalchauvinisten, #Faschischisten, #Rassisten #…..

        • Könnte ich dir jetzt auch nur mit Annekdoten aus meinem persönlichen Umfeld antworten, also lass ich es lieber 😉

          Das alle Flüchtlinge nur wegen dem Taschengeld herkommen ,war übrigens nicht meine Aussage.

          • Habe ich Dir auch nicht unterstellt.
            Dachte meine Dirfferenzierung wäre deutlich geworden.

        • Edit: Man könnte ja auch mal die Relation aufmachen zwischen den Abermilliarden, die wir seit 2008 in die Rettung mehr oder weniger fragwürdiger Banken gesteckt haben und den Ausgaben für die Flüchtlinge. Zur Erinnerung: Die Banken wurden gerettet, weil sie von Angela Merkel als systemrelevant bezeichnet wurden. Dies vermeintliche Begründung ist aber nichts anderes als totale Willkür und entbehrt bis heute eine schlüssigen Erklärung.

          • Dieses „aber in die Banken haben wir viel mehr Geld gesteckt“ ist übrigens eines der allerdümmsten Argumentationsmuster überhaupt.

          • Das einzige was daran dumm ist: Die Begründung der Systemrelevanz ist Willkür unserer Kanzlerin.

            Vielleicht weißt Du ja mehr, aber ich habe da keine Erklärung für mitbekommen, warum eine Bank Geld erhalten hat und eine andere nicht.

            Das hat davon ab auch nichts mit Demokratie zu tun. Und diente hier weniger als Argumentationslinie denn als Beispiel, wo weit höhere Summen aus der Staatskasse geflossen sind.

            Man hätte als Staat ja auch anders reagieren können. Die Holländische Regierung hat nach der geplatzten Tulpenblase im 17.Jh. in etwa so reaagiert: Die Investitionsblase ist in einer Art Zustand des Wahnes entstanden. Dafür ist der Arzt zuständig und nicht der Staat. 😉

          • Die Gründe, warum es dumm ist:
            – Bankenrettung und Flüchtlingspolitik haben erst einmal nichts miteinander zu tun. Jede Ausgabe sollte erst einmal aus sich selbst heraus begründet werden.
            – Der Politik waren „die Banken“ herzlich egal, aber nicht das Funktioneren des Finanzsystems mitsamt Spareinlagen der Kunden . also den von uns allen. Man kann darüber diskutieren, ob das alles im Einzelnen immer optimal gemacht war (sicher nicht, aber wie will man in so einer Situation schon optimal agieren). Aber es war keine Jux-Ausgabe, die man mal so aus Spaß gemacht hat.
            – Die Begründung „systemrelevant“ ist natürlich keine Willkür, sondern hat einen wahren Kern. Leider haben wir alle keine Glaskugel und können mit Sicherheit vorhersagen, was passiert, wenn z.B. eine HRE zusammenbricht. Das kann immense folgen haben, Lehman hat das ja eindrucksvoll gezeigt. Das Risiko wollte die Politik nicht eingehen – das mag eine Entscheidung sein, die man nicht teilt, aber willkürlich ist sie auch nicht.
            – Welche deutsche Bank hätte denn Deiner Meinung nach „noch Geld bekommen“ sollen? Einen echten Bankenzusammenbruch hatten wir doch nicht, also sehe ich nicht die Notwendigkeit für weitere Rettungen.
            Deine Äußerung zu Banken bleibt bisher derart an der Oberfläche, dass es auch nicht besser ist als Linkspartei-Geschwätz („Banken verstaatlichen!“ – na super, mit die dämlichsten Banken waren übrigens die Landesbanken und ihre Ableger).

          • – Richtig, beide Themen haben nichts miteinander zu tun. Ich war im Eifer der Diskussion, die mich echt mitgenommen hat, auf den Geld-Zug aufgesprungen. Grundsätzlich finde ich es aber legitim Haushaltsausgaben miteinander zu vergleichen.

            – Ich finde es nach wie vor wünschenswert, dass eine gewisse Transparenz in der Politik herrscht, immerhin schimpfen wir uns Demokratie. Gleichwohl kann ich ich mich nicht an klare Kriterien erinnern, die die Systemrelevanz begründet hätten. Das berührt sicherlich auch Fragen des Merkelschen Politikstils, was es aber auch nicht besser macht. Es bleibt der Beigeschmack eines intransparenten Verfahrens welches ich in seiner Ausprägung als gigantische Umverteilungsmaschine wahrgenommen habe – man nehme relativ wenig von millionen Steuerzahlern und gebe es vergleichsweise Wenigen. Natürlich ist da Polemik mit dabei, aber verstehe sie einfach als Antwort auf die Intransparenz.

            – Sicherlich gibt es Banken die tatsächlich systemrelevant sind und sicherlich war das das Hauptaugnmerk der Politik anno 2008/09 auf Erhaltung des Finanzsystems und Sicherung der privaten Einlagen gerichtet, aber man darf dann auch schon zwischen bspw. Investmentbanken und Banken die Endkunden und deren Ersparnisse verwalten unterscheiden.

            – Keine Ahnung, welche Bank man nicht hätte retten müssen/dürfen. Aber gerade am Beispiel Lehman sieht man doch, dass es trotzdem weiter geht. Meines Wissens nach prosperiert die Amerikanische Wirtschaft seit geraumer Zeit wieder. Ironischerweise waren dazu in den härtesten Krisenzeiten Maßnahmen aus dem linken Werkzeugkasten gerade richtig im Mutterland des Neoliberalismus. Wenn ich mich Recht entsinne wurden Fanny May und Freddy Mac teilweise verstaatlicht und vom Finanzministerium gesteuert.

            – Zum Schluss noch ein ethischer Aspekt: Wenn Du oder ich uns finanziell vergallopieren, dann ist das unser persönliches Risiko. Ein Maßstab, der, wenn ich dich richtig einschätze, dir sehr zusagen dürfte. Findest Du in dieser gesamten Finanzkrise auch nur irgendwo eine Entsprechung?
            Ich seh da nichts. Einzig ein, ‚ihr seid systemrelevant‘, deshalb macht ruhig weiter. Insbesondere die dt. Verhinderungspolitik in puncto europäische Bankenkontrolle im Gefolge der Krise zielt genau in diese Richtung.

  20. Und das du auf Twitter direkt von „Abgründen“ sprichst. Abgründen! Nur weil man deine Meinung nicht teilt, Bedenken äußert und andere Bücher liest, die „not welcome“ sind… puhh!

    Es führt kein Weg daran vorbei, dass ich hier raus bin. Schade. War eigentlich ne schöne Zeit…

    • Diesen Zusammenhang hast Du jetzt konstruiert. Ich habe das Wort „Abgründe“ benutzt, weil ich tatsächlich mehr als irritiert bin, was ich teilweise in diesem Thread – zugegeben abseits des Fußballs – lese. Es tut mir leid, dass das für Dich den Abschied von diesem Blog bedeutet, aber ich bin auch nur ein Mensch und die aktuellen Themen in diesem Land befördern vor allen den politischen Teil von mir zu Tage. Ich bin immer für eine Diskussion zu haben und die habe ich hier (auch mit Dir) versucht zu führen, aber dass die Thesen eines Sarrazin auch Deine Thesen sind, hat mich sogar erschüttert. So erschüttert wie damals, als ich sie von Sarrazin zum ersten Mal hörte. Da ist bei mir tatsächlich die Grenze der Toleranz irgendwo überschritten, ja. Diese Grenze ist bei jedem persönlich durchaus anders gesetzt, aber meine ist nun einmal wo sie ist.

      • Mit mir kannst du die Diskussion nicht geführt haben, da ich mich erst gestern Abend zum ersten Mal mit einer Meinung zu Wort gemeldet habe. Egal.

        Und zum Abschluß: Mich erschüttert viel mehr diese Arroganz und Ignoranz gegenüber anderer Ansichten. Das wird dann immer schnell als Stammtischgeschwätz abgetan. Die „Thesen“ sind einfache mathematische Hochrechnungen. Da muss man schon ziemlich naiv sein, wenn man das alles von sich weist. Oder es ist einem egal oder willkommen. Dann kann man es zumindest ignorieren, aber alles einfach abzutun als wäre es dummes Geschwätz…hmmm. Wie auch immer – und da werde ich nie die Klappe halten: einerseits Toleranz einfordern, sie aber selbst nicht aufbringen. Wie auch immer. Alles Gute hier!

        • „Die „Thesen“ sind einfache mathematische Hochrechnungen. Da muss man schon ziemlich naiv sein, wenn man das alles von sich weist.“

          Mathematische Hochrechnungen an Hand erfundener Zahlen. Hat Sarrazin doch selbst zugegeben, dass er „gefühlte Statistiken“ nutzt.

          Wenn man keine Zahl habe, sagt er, dann müsse „man eine schöpfen, die in die richtige Richtung weist, und wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch

          (Süddeutsche vom 01.03.2010 Interview von Stefan Klaus mit Sarrazin)

          Dass Sarrazin hier ernsthaft als jemand angesehen wird, der einen sinnvollen Debattenbeitrag abgegeben hätte, ist traurig.

          Das ist wie die „Wahrheiten“ auf FoxNews, bei denen Studien zeigen, dass deren Zuschauer schlechter informiert sind, als Menschen die gar keine Nachrichten sehen.

      • Ich lass alles Inhaltliche raus, aber ich kann Ribben verstehen.

        Paule, es stößt echt übel auf, wie du hier im Brustton moralischer Überzeugung Ribben und andere abkanzelst, die hier auch einmal das ein oder andere Problem ansprechen wollen und vielleicht auch Sorgen formulieren. Ich habe das Sarrazin-Buch nicht gelesen, hast Du es? Offenbar ja, denn so schnell wie Du mit einer moralischen Vernichtung („Abgründe“) dabei bist, muss Dein Urteil hoffentlich wohlbegründet sein.

        Und komm mir nicht mit den Emotionen oder der Erschütterung, die das Thema bei Dir auslöst. Wir alle sind erwachsen, man kann sich beim Tippen von Text durchaus mal im Griff haben.

        • Wir (Antikas, Ribben, ich und einige andere) waren in dieser Diskussion imho eigentlich schon einen Schritt weiter – in Sachen Emotion, Sprache und Wortwahl. Ich habe gelernt und akzeptiert, dass die Meinungen, Emotionen und wohl auch Sorgen hier in der Breitnigge-Community unterschiedlicher sind, als ich dies zuvor dachte. Das ist für mich in Ordnung, meine(!) Wortwahl mag ob dieses Prozesses vielleicht vor allem in persönlicher Hinsicht teilweise zu emotional gewesen sein, ok. Ob bei den Beteiligten diesbzgl. etwas zurückbleibt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil bin hier aus der Diskussion raus und werde mir in Zukunft tatsächlich überlegen, ob ich mich derlei Diskussionen noch einmal aussetze, sie starte, oder tatsächlich nur begleite.

          Mach‘ Du damit, was Du für richtig hälst.

    • @Ribben& Antikas: Es war abzusehn, das es so endet. Bei dem Thema wird es nur schwarz / weiß geben. Schade, ist aber wohl so.

      Meine letzte Aussage hier zu dem Thema: Die Frauen des FCB haben übrigens schon vor 2-3 Jahren in Jordanien ein Flüchtlingscamp von Syrern besucht. Das nur mal am Rande.

      • „Meine letzte Aussage hier zu dem Thema: Die Frauen des FCB haben übrigens schon vor 2-3 Jahren in Jordanien ein Flüchtlingscamp von Syrern besucht. Das nur mal am Rande.“

        Was genau willst Du damit sagen? In welchem Kontext steht das zur bisherigen Diskussion?

        • Für mich hat das damit zu tun, das es damals die Probleme der Menschen schon gab, was aber scheinbar niemanden- auch hier- nicht wirklich interessiert hat. Ich weiß gar nicht mehr ob und wie damals darüber berichtet wurde. Hatte die Weltgemeinschaft nicht genug Zeit etwas zu unternehmen? In welcher Richtung auch immer?

          Ist halt (wie so oft) auch oft nur ne Frage der Schlagzeilen/Auflage.

          Mehr wollte ich damit, zugegebenermaßen sehr kurz, nicht sagen.

          • Ok, in Ordnung. Tatsächlich habe ich damals schon wahrgenommen und glaube mir, mich beschäftigt das Schicksal dieser Menschen schon länger. Erst diese massive Konzentration der Probleme hat mich dazu gebracht, solch ein Thema in mein „Fußballblog“ zu heben. Mir ist klar, dass das durchaus OT ist, sein kann, aber es lag/liegt mir nun einmal am Herzen…

  21. Manche der Kommentare hier sind wirklich schwer zu ertragen. Wo ist denn das Problem, wie schon an anderer Stelle erwähnt, wenn es Leute gibt, die an anderen Tagen andere Feste feiern oder sich anders ernähren oder was weiß ich? Es ist ja nicht so, als ob diese Menschen nicht an die gleichen Gesetze wie jeder andere Mensch in Deutschland gebunden wären, und innerhalb dieser Gesetze sollte jeder Mensch hier leben können, wie sie/er will, oder nicht?
    Ich verstehe noch weniger, wie man bei dieser Problematik, bei all den Bildern, bei all den Schilderungen, die jedem einfach zugänglich sind, zuerst an seinen eigenen Geldbeutel denken kann, anstatt Mitgefühl zu empfinden. Deswegen kann ich durchaus verstehen, wie man denjenigen, die darauf sogar mit Brandsätzen reagieren vielleicht nicht das Mensch sein, aber durchaus die Menschlichkeit absprechen kann. Und da würde ich auch die verbalen Brandsätze à la Sarrazin einschließen, einfach weil sowas auch von sowas kommt.

    • Schön gesprochen, leider an der Realität vorbei.
      Schau dir das mal an und frag dich, ob sich die neuen Mitmenschen genauso gut integrieren werden wie Ihre Vorgänger die z.T. seit Jahrzehnten bzw. seit Generationen hier sind.

      • Dieser Parallelgesellschaftsmist interessiert mich in diesem Falle ziemlich wenig. Da spielen so viele Faktoren eine Rolle, auch oder vielleicht sogar zu einem großen Teil auf der Seite des aufnehmenden Staates.
        Wichtig ist: Das zieht für mich nicht als Argument gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, weil die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben ist. Damit wiegt man potentielle gesellschaftliche Probleme gegen das Leben von Menschen auf.

        • Parallelgesellschaftsmist?
          Ist schon ein Problem und würd ich nicht so einfach abtun.

          >>“Das zieht für mich nicht als Argument gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, weil die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben ist. “

          Aktuell wäre es wichtig für eine kontrollierte Aufnahme der Flüchtlinge zu sorgen, aber die findet de facto nicht statt.
          Grenzkontrollen gibt es im Moment nicht und ich kenne kritische Stimmen des Verfassungsschutzes, die die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wer momentan alles unkontrolliert in unser Land kommt(Stichwort Taliban, Stichwort IS, Stichwort Terrorismus).
          Auf meine Frage, wie die aktuelle Situation bewertet wird, wurde mir knallhart gesagt, dass in BND-Kreisen davon ausgegangen wird, dass wir innerhalb einiger Jahre den Preis zahlen werden für das momentane Geschehen.

          • Du scheinst ja echt überall Insiderwissen zu haben. Aber wie viele Anschläge gab es bis jetzt nochmal in Deutschland?

          • Ich bin ganz gut vernetzt, stimmt.

            Wie viele Anschläge es in Deutschland gab ist ziemlich uninteressant, wenn man sich Sorgen darum macht, ob das in Zukunft auch so bleibt, oder?
            Der letzte bekannte Versuch, der mir spontan einfällt, war 2012 im Kölner Bahnhof.

          • Wie du selbst schon sagst, „Versuch“. Scheinbar muss man also nicht gleich die Grenzen zu machen, um so etwas zu verhindern.

        • Du kannst auch gerne „kontrollierte Aufnahme“ erläutern, ich habe das jetzt mal etwas überspitzt formuliert.

          • Was verstehst du denn daran nicht?
            Ich halte es für extrem gefährlich unkontrolliert Massen von Leuten in das Land zu lassen

          • >>Naja, bessere Kontrollen heißt also mehr Geld für die Behörden, damit alle Flüchtlinge erkennungsdienstlich erfasst werden.

            Wie soll mehr Geld für die Behörden, die aktuellen Probleme bei der gesetzlich verankerten Registrierung beheben?

            >>Ich persönlich bin auch nicht gegen Wirtschaftsflüchtlinge, diese Diskussion möchte ich hier & jetzt nicht auch noch führen.

            Aber gerade die verhindern doch eine optimale Versorgung der Kriegsflüchtlinge.

            >>Ich finde das übrigens nicht blauäugig und naiv, ich setze einfach die Prioritäten anders.

            Wenn du sagst, unter den Massen von Leuten, die gerade unsere Grenzen überschreiten sind nur „einige schwarze Schafe“ hat das nichts mit Prioritäten zu tun, sondern ist einfach eine unglaublich naive und blauäugige Einschätzung.

            >>Und wie passt der Teil mit den Kulturunterschieden etc. jetzt da rein? (Von Sarrazin ganz zu schweigen.)

            Was verstehst du denn daran jetzt nicht?
            Hier sind die Probleme der Integration von Ribben angesprochen worden und ich habe darauf Bezug genommen.

        • http://www.tz.de/muenchen/stad.....03635.html

          Letzter Satz ist der Entscheidende:

          „Die meisten sicherlich aus Syrien. Eine Registrierung findet ja derzeit nicht mehr statt. Und das macht die Arbeit nicht leichter. Wir verzeichnen einen beträchtlichen Schwund. Wir fahren 1000 Menschen in die Messe hinaus und ein paar Stunden später fehlen 200 oder 300. Sie bestellen sich ein Taxi und fahren auf eigene Faust weiter – keiner weiß, wohin.“

          Wer hier keine potentielle Gefahr für die innerdeutsche Sicherheit erkennt, dem ist nicht mehr zu helfen.

          • Aber was genau willst du da machen? Mehr Geld in Registrierung und Kontrolle und Hintergrunddurchleuchtung stecken? Kann gerne getan werden, aber erst, nachdem die nötigsten humanitären Fragen wie Unterkunft, Ernährung und Betreuung geklärt sind, oder? Wegen einigen schwarzen Schafen, und selbst, wenn es 30 % sein sollten, wobei man da ja erstmal unterstellen muss, dass die angeblichen 300, die da mit dem Taxi weiterfahren, Böses im Sinn haben, willst du doch die restlichen 70% sicherlich nicht unterversorgen, oder?

            Um das klar zu machen, ich sehe schon potentielle soziale Probleme und sage nicht, dass alle Flüchtlinge Engel sind – es gibt eben überall Arschlöcher – aber es ist eben für mich ein Zeichen von Unmenschlichkeit, wenn man bereit ist, wegen dieser potentiellen Schwierigkeiten oder Gefahren hilfebedürftige Menschen aussperren, drangsalieren oder erstmal pauschal in eine Ecke stellen will.

            Und nach der ganzen Diskussion frage ich mich, was genau du eigentlich als konkrete Handlung von wem erwartest? Du kommst nämlich mit einem ganz schönen Durcheinander aus Terrorangst, Angst vor der Verdummung deutscher Kinder, Angst vor Asylmissbrauch, Angst vor der nicht passenden Kultur, Angst vor Frauenfeindlichkeit und vielleicht noch mehr Dingen, die ich übersehen habe, daher. Und da liegt dann eben irgendwann auch einfach der Verdacht nahe, dass hinter den ganzen Bedenken, Ängsten und Geschichten, die Leute, die deiner Ansicht nach ganz nah dran am Geschehen sind, dass hinter all diesen Dingen einfach nur Fremdenfeindlichkeit liegt.

          • 😀
            Ich hab drauf gewartet.
            Wer Probleme anspricht und Sorgen äußert, muss sich aktuell halt den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit gefallen lassen.
            Armselig. Echt armselig.

            Kleine Info: Meine Lebensgefährtin ist Ausländerin und ein Großteil meines sozialen Umfelds hat Migrationshintergrund.

          • Das schließt sich nicht unbedingt aus.

            Ich möchte dich jetzt aber auch nicht in eine Ecke stellen, ich verstehe nur einfach nicht genau, was du willst.* Welche Aufnahme befürwortest du, welche lehnst du ab, hast du ein Problem mit Wirtschaftsflüchtlingen, müssen „legitime“ Flüchtlinge erst auf etwaige Terrorgefahr überprüft werden, soll der Staat die Flüchtlinge mehr an die Hand nehmen?

            * Wobei das mit dem nicht in eine Ecke stellen schwierig ist, wenn jemand in egal welcher Form und Abschwächung Sarrazin zu legitimieren versucht. Erst zu sagen, dass man seine Bedenken teilt und sich dann zu beschweren, wenn man die selben Dinge vorgeworfen bekommt wie er, hat schon einen gewissen Beigeschmack.

          • Wenn man sich ein bisschen differenziert mit dem Thema auseinandersetzt, ist es eigentlich nicht schwierig Leute aus Ecken rauszuhalten, aber das scheint aktuell viele Leute zu überfordern.
            Wer nicht völlig unkritisch auf der „Refugees welcome“-Welle mitschwimmt, ist halt Rechts.
            Ging übrigens nie darum, die Thesen von Sarrazin zu legitimieren.
            Deine Fragen spotten jeder Beschreibung, da die Antworten darauf dem Thread längst zu entnehmen sind.

          • Ich kann dem Thread entnehmen, dass du eine Liste von Ängsten hast und für eine Art von Kontrolle bist (wie das aussehen soll, ist mir nicht klar). Das Einzige, was halbwegs konkret ist, ist die Forderung nach Umsetzung des Verteilungsschlüssels. Hab ich was übersehen?

          • 😀
            Ja, wie das aussehen soll ist mir auch nicht klar, da alle Behörden hoffnungslos überfordert sind.
            Macht das Problem aber nicht kleiner. Deine „Och, so schlimm wird es schon nicht sein/werden, sind ja nur einige schwarze Schafe“-Argumentation ist so dermaßen blauäugig und naiv, da fällt mir nichts mehr zu ein.

            Und ja, du hast was übersehen.
            Warum Wirtschaftsflüchtlinge ein Problem für die Kriegsflüchtlinge sind, hab ich erläutert.

            http://www.wz-newsline.de/home.....-1.1973331

            Der Artikel ist von Juli.
            Seitdem hat sich die Lage nicht gerade entspannt. Im Gegenteil.

          • Naja, bessere Kontrollen heißt also mehr Geld für die Behörden, damit alle Flüchtlinge erkennungsdienstlich erfasst werden. Damit habe ich jetzt erstmal kein Problem, allerdings sehe ich andere Probleme als dringender an.

            Ich persönlich bin auch nicht gegen Wirtschaftsflüchtlinge, diese Diskussion möchte ich hier & jetzt nicht auch noch führen.

            Ich finde das übrigens nicht blauäugig und naiv, ich setze einfach die Prioritäten anders.

            Und wie passt der Teil mit den Kulturunterschieden etc. jetzt da rein? (Von Sarrazin ganz zu schweigen.)

  22. Von Überflutung, Asylantenflut etc. habe ich in DO noch nichts gemerkt.

    Allerdings gibt es da diese kleine Insel im Mittelmeer, die knapp 900.000 Einwohner zählt und jedes Jahr von rund 10 Millionen Menschen aus vor allem England und Deutschland geflutet wird, weil es denen zuhause nicht gefällt, die Sonne zu selten scheint oder man sich mal wieder billigst und all-inclusive den Wamst vollschlagen will und einem dabei die niedrigen Löhne der spanischen Saisonarbeitern vom Festland ziemlich am Arsch vorbeigehen.

    Ansonsten große Zustimmung zu Nachspielzeit.

    • Danke Alexander- Darauf mußte in der aktuellen Diskussion überfällig hingewiesen werden.

      Wie ich dich mittlerweile kenne, warst du auch von beiden Fällen direkt betroffen! Als Urlauber UND als Saisonarbeiter!

      PS: Kannst Dich ja in ner ruhigen Minute mal fragen, warum du in DO nix von ner Asylantenflut merkst.

      • Ach, Vadder!

        Das Thema ist viel zu komplex, als dass man es in ein paar Zeilen beschreiben könnte, geschweige denn Lösungsansätze wüsste.
        Das weißt du doch auch, oder?
        Diese ganzen Diskussionen erinnern mich sehr an die Griechenlandkrise, wo ja auch viele glaubten, der Grieche an und für sich würde mit unserem Steuergeld gemästet, obwohl in erster Linie unsere Versicherungen und Banken gerettet wurden, die sonst wieder mal viel Geld hätten abschreiben können.
        Und bei all diesen schönen und unschönen emotional aufgeladenen Diskussionen wird hintenherum CETA abgenickt, womit de facto TTIP installiert ist. Wetten?

        Was die Flüchtlinge angeht: Ob es einem passt oder nicht, aber das Asylrecht ist nun mal bei uns im Grundgesetz verankert, auch wenn Grüne und SPD dieses Recht bereits (1993?) beschnitten haben und plötzlich von sicheren Drittländern schwadronierten. So wie es im Grundgesetz auch ein Gebot der Wiedervereinigung gegeben hat, ob es einem passt oder nicht. Andernfalls hätten wir es ja mal zur Volksabstimmung kommen lassen können: „Wolle mer se reinlasse?“
        Und diese Wiedervereinigung war auch alles andere als billig …

        Ansonsten erlebt es wohl jeder subjektiv anders, was da gerade passiert. Hängt ja auch von der jeweiligen beruflichen und privaten und örtlichen Situation ab bzw. von seinen moralischen Imperativen.
        Natürlich gibt es in diesem Deutschland die Abgehängten, die sich nur noch mit Mühe und Not über Wasser halten können. Diesen Menschen ging es hier vor Schröder/Grünen besser, bevor sie mit Hartz IV etc. über den Leisten barbiert wurden. Natürlich ist da ein riesiges Frustpotential in diesem „schönen“ Land und das sucht sich Möglichkeiten, um sich abzureagieren. Ist aber keine Entschuldigung für Brandanschläge bzw. richtet sich mal wieder nur gegen die eh schon Schwachen. Oder wieso brannte nie ein Bankenturm in Frankfurt? Zu großes Risiko, erwischt zu werden? Feigheit vor dem doch zu starken Feind?
        Und es ist meiner Ansicht nach auch nicht so, als dass sich eine Merkel sofort in der Flüchtlingssache positioniert hätte. Die hat, mal wieder, die Stimmungslage abgewartet. Um dann auf den entsprechenden Zug aufzuspringen. Meine Meinung.

        Und was Sarrazin und Konsorten angeht: Auch da muss man differenzieren. Ein Thilo Sarrazin ist für mich ein Berliner Phänomen. Die Parallelwelten, die ich live erlebt habe, sind in Berlin und Köln/München völlig andere bzw. deren Ausprägungen sind total unterschiedlich. Es gibt in Berlin Viertel, da traut sich die Polizei nicht mehr hinein – was ich von Köln oder München nicht kenne (bitte korrigieren).
        Und nein, ich würde mein Kind auch nicht auf eine Schule schicken, in dem es bei 30 Kindern das insgesamt fünfte deutsche Kind ist, während der Rest aus den existierenden bildungsfernen Schichten stammt. Tut doch nicht so, als wenn das Lernumfeld keine Rolle für die Entwicklung der Kinder spielen würde. Und dass gerade Berliner ihre Kinder mit allen möglichen Tricks vor allem auf die „richtigen“ Grundschulen bringen woll(t)en, habe ich ziemlich oft bei sonst eigentlich sehr liberal und weltoffen eingestellten Kollegen und Freunden erlebt. Die machten, wo es um die Chancen der eigenen Brut ging, in dem Punkt schnell eine 180-Grad-Wende. Aber natürlich geht man weiterhin beim Inder das Chicken Massala essen …

        Zu glauben, dass alle Flüchtlinge sich so integrieren, wie wir uns das wünschen, das halte ich für naiv. Aber ihnen die Möglichkeit zu bieten, es zu schaffen, halte ich für richtig.
        Diese Möglichkeit wurde uns allen ja auch eingeräumt und haben wir für normal und völlig selbstverständlich gehalten. Wieso sollte das dann nicht für andere Menschen gelten?

        PS: Saisonarbeiter war ich beim Straßenbau im Sauerland während meiner Schulzeit und bei der Apfelernte auf den Kanaren. Gegen die Bezahlung war aber nichts einzuwenden. Im Gegenteil.

      • Seit letzter Nacht sind unsere Einschätzungen über „die Dortmunder“ wohl insgesamt ein wenig zurecht gerückt, oder?

        Da organisieren sich spontan hunderte Bürger und empfangen um 3:00(!) den Zug mit Flüchtlingen. Und so ganz nebenbei blockieren sie noch die örtlichen Nazis. Ich weiß gar nicht, wie ich meine Bewunderung darüber angemessen Ausdruck verleihen kann…

  23. Ein wesentliches Problem ist, dass zu dieser gesamten Thematik leider gar keine sachliche, differenzierte Diskussion mehr möglich zu sein scheint. Wer ‚Refugees welcome!‘ nicht bedingungslos unterstützt, wird ja reflexartig häufig schon rechts bis rechts außen verortet.

    Facetten, Nuancen, Grautöne zwischen diesen extremen Polen und auch die Betrachtung von Dimensionen, die über heute und morgen hinaus reichen, gibt es in der Medienlandschaft und in den Diskussionen dieser Tage nur selten, und wenn, dann beschränken sie sich auf Buzzwords wie Fachkräftemangel.

    Stattdessen darfst du dich, wenn du als Politiker auch nur zwischen Kriegs- und Armutsflüchtlingen differenzierst, in ner Talkshow von den Sascha Lobos dieses Landes als Rassist beschimpfen lassen.

    Dass hier schon der Namen Sarrazin Bestürzung hervorruft, ist irgendwo bezeichnend für den aktuellen (Zu-)Stand der Diskussion. :/

    Ich habe auch das Gefühl, dass auch in meiner Twitter-TL sich viele Leute aktuell einfach aus dem allgegenwärtigen Thema raushalten, weil man nur verlieren kann, wenn man diskutiert und jenseits von ‚Refugees welcome!‘ etwas zu differenzieren versucht. Je nach Diskussionspartner hast du mindestens null Empathie und Mitmenschlichkeit, im Extremfall bist du Hetzer. Und wenn du dann vielleicht noch die Auffassung vertrittst, dass Flüchtlinge, deren Asylbegehren abgelehnt wurden, effektiv und auch effizient abgeschoben werden sollten, na dann geht’s aber los…

    Wer Zeit hat und sich etwas mit dem Thema aktuelle und künftige Flüchtlingsströme und Wanderung nach Europa und den damit verbundenen mittel- und langfristigen Dimensionen beschäftigen möchte, dem empfehle ich ein halbstündiges, dankenswerterweise ganz unaufgeregtes Interview mit Gunnar Heinsohn (Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe aus Bremen), das ich heute im RBB-Inforadio gehört habe:

    ‚Völkerwanderung? Europas Sichten und Pflichten. Wo führt unser derzeitiges Handeln hin? Welche Handlungsalternativen haben wir?‘

    http://www.inforadio.de/progra.....24732.html

    Ich hoffe, der Link geht mit diesem Kommentar durch.

    • Was bitte soll der Name Sarrazin denn bitte sonst hervorrufen ausser Mitleid/Mitgefühle (liebende Sicht), Fremdschämen und Bedauern (verständnisvolle Sicht), Ablehnung, Abscheu?
      Dies wohlgemerkt bei denkenden Menschen.

      Bei den vielen anderen wird auf simpelste und dümmlichste Art Angst geschürt die dann nicht selten zum Hass wird. Brauch ich nicht, will ich nicht und darf eine Gesellschaft wie die unsere heutzutage keinesfalls tollerieren!

      Aber leider hat da ein abgehalfterter Politiker aus der zweiten/dritten Reihe nach ner Möglichkeit gesucht, seine Pension noch etwas aufzubessern.
      Rezept so banal wie Bild: Populistischste Thesen und lautes Gebrüll. Dann geht das mit Hilfe der Empörungskultur von ganz allein, ganz gleich, was für ein Stuss auch immer da mit statistischen Hochrechnungen aufgepäppelt wird.

      Mal ne Frage: Welchen Zweck verfolgt Mr. S.? Wo ist sein Beitrag zur Lösung der Integrationsproblematik? Gibt es da was substanzielles?

    • Ich würde nicht behaupten wollen, dass die #refugeeswelcome Befürworter derart ausgrenzend allen auch nur im Ansatz nicht 100% zustimmenden Bürgern ggü stehen.

      Ich bin selbst jemand, der diesen Hashtag nutzt und die von Dir wahrgenommenen „extremen“ Reaktionen rühren bei mir aus den Eindrücken von #Heidenau, den Nazis, die dort tagelang ungestraft von den Ordnungsbehörden randalieren und Angst und Schrecken verbreiten durften, von besorgten Bürgern, die am Rand stehen und den Nazis applaudieren, von Politikern, die mit ihren Aussagen die Grundlage für diese Aktionen gelegt haben, von ungarischen Behörden, die erschöpfte, um ihr Leben schwimmende, kletternde, laufende Flüchtlinge in „Lager“ bringen – schlicht um die Eindrücke, Menschlichkeit vermissen zu lassen.

      Wir können uns gerne über die Zukunft unterhalten, wie wir diese Herausforderung bewältigen wollen / werden, aber „heute“ müssen wir zunächst diesen Menschen helfen, die unsere Hilfe benötigen. Gegen Nazis hingegen (und allen, die mit ihnen sympathisieren) muss man klare Kante zeigen.

      Sind wir uns zumindest auf diesem kleinsten, gemeinsamen Nenner einig?!

      • „Sind wir uns zumindest auf diesem kleinsten, gemeinsamen Nenner einig?!“

        Auf jeden Fall!

  24. Mir wird fehlende Toleranz vorgeworfen, weil ich es kritisch finde, dass ein Sarrazin für seine „Thesen“ Zustimmung von der NPD bekommt? Weil ich es nicht in Ordnung finde, dass er von „ausländischen Unterschichten“ spricht? Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

    Kann man machen, klar.

    • >>Mir wird fehlende Toleranz vorgeworfen, weil ich es kritisch finde, dass ein Sarrazin für seine „Thesen“ Zustimmung von der NPD bekommt?

      Ohne das jetzt bewerten zu wollen, aber die NPD stimmt auch jedem zu, der sich für eine Verschärfung des Strafrechts gegenüber Kinderschändern ausspricht, nur mal als Beispiel.
      Den Mann zu dämonisieren, weil das braune Pack den Trittbrettfahrer spielt, ist wieder sehr undifferenziert.

      >>Weil ich es nicht in Ordnung finde, dass er von „ausländischen Unterschichten“ spricht?

      Ich weiß nicht, ob dir der Name Heinz Buschkowsky geläufig ist?
      Der Mann hat Thilo Sarrazin mehrmals heftigst kritisiert und ihm Nähe zum Rassismus vorgeworfen, spricht aber selbst von einer Unterschicht mit Migrationshintergrund zusätzlich zur schon vorhandenen einheimischen Unterschicht.

      • Wie kommen wir an diesem Punkt weiter? Was soll tun, um aus Deiner Sicht wieder differenziert zu agieren? Soll ich mir die gesammelten Schriften eines Sarrazin zu Gemüte führen? Da sag‘ ich einfach mal: Wer gibt mir die Lebenszeit wieder? Ich bin offen für eine Kurzzusammenfassung Deinerseits. Eine Zusammenfassung, die aus Deiner Sicht die – doch bestimmt – aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate auf seiner Wikipedia-Seite in den richtigen Kontext rückt. Offenbar obliegt Dir doch diese Fähigheit und das meine ich weder ironisch noch wertend. Es erscheint mir vielmehr als die Essenz unserer Diskussion, oder?

        • Ich seh ehrlich gesagt nicht, dass wir an diesem Punkt der Diskussion noch weiter kommen. Dafür seh ich dich hier einfach zu festgefahren in deiner Ansicht.
          Wenn ich auf deinem Twitter-Account was lese von „Abgründen“ und „Eskalation“ macht eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dir, für mich keinen Sinn mehr.

          Abschließend brennt mir allerdings noch eine Frage unter den Nägeln:
          Die NPD hat auch begeistert Beifall geklatscht, als Angela Merkel „Multi-Kulti“ für gescheitert erklärt hat.
          Was sagt das, deiner Logik folgend, über unsere Kanzlerin?

          • Diskutier‘ ich hier mit Dir oder auf Twitter?! Für Twitter ist diese Diskussion einfach nicht geeignet. Dort sind auch ganz andere Strömungen aktiv. Ich biete Dir an, hier mit Dir zu diskutieren. Wenn Du Dich nun zurück ziehen willst, dann ist das Dein gutes Recht, bedauern würde ich es trotzdem.

            Mit „Eskalation“ war gemeint, dass – für mich völlig überraschend – so viele Leser meines Blogs, Thesen wie von Sarrazin gut finden, ich somit in diesem Punkt so unterschiedliche Wahrnehmungen habe. Und hier mir/uns SW-Denken vorgeworfen wird, was ich nicht so empfinde, weil ich hier im Blog schließlich ausgiebig diskutiere. Allein, es gibt gewisse Grenzen, über die ich persönlich nur schwer diskutieren kann und offenbar sind diese Grenzen bei Teilen der Breitnigge-Community unterschiedlich gesetzt. Damit muss ich erst einmal umgehen lernen…

            Zu Deinem Merkel-NPD-Vergleich: Natürlich hast Du Recht, die NPD findet vieles gut, was Andere sagen und in Ihre Ideologie passt, es bleibt aber kein Ruhmesblatt, dass man etwas vertritt, was sogar die NPD gut findet. Und dann gilt es auch für einen Satz der Kanzlerin, ja.

          • >>Diskutier‘ ich hier mit Dir oder auf Twitter?!

            Auf Twitter nimmst du eine Bewertung dieser Diskussion vor, da musst du schon damit rechnen, dass darauf Bezug genommen wird.

            >>Mit „Eskalation“ war gemeint, dass – für mich völlig überraschend – so viele Leser meines Blogs, Thesen wie von Sarrazin gut finden, ich somit in diesem Punkt so unterschiedliche Wahrnehmungen habe.

            Wo liest du denn raus, dass irgendjemand die Thesen gut findet?
            Es wird hier doch viel mehr die Befürchtung geäußert, dass einige seiner Thesen wahr werden könnten.

            >>Natürlich hast Du Recht, die NPD findet vieles gut, was Andere sagen und in Ihre Ideologie passt, es bleibt aber kein Ruhmesblatt, dass man etwas vertritt, was sogar die NPD gut findet.

            Die NPD spricht sich für mehr KITA-Plätze in Deutschland aus.
            Wollen wir in Zukunft jetzt alle mal dagegen sein, weil es ja schließlich kein Ruhmesblatt wäre sich dafür einzusetzen?

          • Ich habe bewusst eine Nacht drüber geschlafen nach den gestrigen Diskussionen und heute morgen wirklich versucht noch einmal offen in die Diskussion zu gehen. Ich merke aber, dass das offenbar schwierig ist und muss Dir leider zustimmen, dass uns die Diskussion nicht weiter führt, ja. Niemand bedauert das mehr als ich.

        • Also wenn du eine Zusammenfassung von Sarrazin lesen willst, schau doch einfach bei Amazon nach. Da haben sich einige Leser die Mühe gemacht – von Zustimmern und Ablehnern – und ihre Kommentare geliefert. Da kann man auch ganz gut herauslesen, was bei Sarrazin bisweilen aus dem Zusammenhang gerissen wurde und was er so meint, wie es kolportiert wird.
          Was die ominösen „ausländischen Unterschichten“ betrifft:

          Karl Marx hat damals den Begriff „Lumpenproletariat“ geprägt: unzuverlässig, passiv, reaktionär, vor allem weil es meist ungebildet ist. Mit denen war, laut Marx, kein Staat zu machen, da für den Klassenkampf zu blöd, zu träge usw.
          Und dieses „Lumpenproletariat“ sehe ich auf beiden Seiten. Bei Zuwanderern, die nicht integriert werden oder sich integrieren lassen, wie bei einigen „Einheimischen“ bzw. „Zuerstdagewesenen“. Und wenn solche Gruppen aufeinandertreffen und sich um die letzten (vermeintlichen!) Almosen prügeln, wird´s brenzlig. Vielleicht nicht gerade im noch beschaulichen Bonn.

          Ansonsten verstehe ich nicht, wieso vor allem Sarrazin so ausführlich hier diskutiert wird. Michel Houellebecq ist doch mit seiner „Unterwerfung“ viel näher dran am Geschehen
          (aber die Franzosen sind mit ihren Problemen in den Banlieus etc. ja auch schon viel weiter, möchte man zynisch kommentieren).

      • Ist halt manchmal so.
        Es tut meiner Wertschätzung, deiner Person gegenüber, keinen Abbruch.

        Wär schick, wenn du, vielleicht per Mail oder so, nochmal das Gespräch mit Ribben suchen könntest.
        Wäre schade um seine Beiträge.

        • Ich habe mit @Ribben per se keine Probleme. Wir sind uns offenbar einig, in diesem Punkt unterschiedlicher Meinung zu sein. Das hat für mich mit den sonstigen Themen rund um Fußball und FC Bayern nichts zu tun.

          Er ist hier weiterhin und jederzeit willkommen.

          • Ohne jetzt nochmal den Versuch zu starten alles verargumentieren zu wollen:

            Ich bin der letzte, mit dem man sich nach einer Diskussion nicht die Hand geben und in die Augen schauen kann – sei sie auch noch so hitzig.

            Ich lege dann auch selbst nicht jedes Wort auf die Goldwaage und wenn das andere auch nicht tun, ist das für mich in Ordnung.

            Vlt. nur noch soviel: @paule, ich glaube gar nicht, dass wir in allen Punkten dieses komplexen Themas komplett unterschiedlicher Auffassung sind. Bei einer vernünftigen Diskussion – die im Internet per se schwer möglich scheint – denke ich, dass wir durchaus auf mehrere gemeinsame Nenner kommen würden. Aber das vielleicht ein andermal. Für den Moment denke ich sollten wir es mal so stehen lassen.

            Insofern werde ich mich jetzt wieder auf die fußballerischen Themen konzentrieren und hoffe dass mir niemand Inkonsequenz unterstellt. Politische Themen werde ich dann möglicherweise nicht mehr kommentieren.

            An der Stelle auch ein Danke an die Beiträge und das ein oder ander warme Wort: @Antikas, @Herr Schaften, @Nordbayer, @vadder, @Tokyostegi, @TWD

          • Ich bin fast 44 Jahre alt und lerne trotzdem noch täglich dazu. An diesem Wochenende habe ich gelernt, dass meine homogene Breitnigge-Community bei Fußball-fernen Themen gar nicht so homogen ist, will sagen, dass wir bei besagten Themen offenbar unterschiedlichste Meinungen haben. Mein Eindruck hinsichtlich unserer Fußball-Diskussionen war zumeist ein anderer.

            Für mich stellt dies aber – im Großen und Ganzen – für das Blog und unsere Diskussionskultur kein Problem dar.

            Von daher können wir uns durchaus virtuell die Hand reichen.

            Auf in die nächste Länderspielfreie Fußballzeit!

    • Es scheint vielen (auch außerhalb deines Blogs) nicht klar zu sein, das es Leute wie Sarrazin sind, die mit ihren auf den ersten Blick(!) vernünftig und sachlich vorgetragenen Thesen den geistigen Nährboden bereiten für ein Klima aus diffuser Angst, Intoleranz und Ignoranz. Von hier bis zum stillschweigendem Schulterzucken oder – einen Schritt weiter – offenem Applaus, wenn wieder mal ein Brandsatz in das Wohnzimmer einer Flüchtlingsfamilie fliegt, ist es nicht mehr weit.

      Ich habe selber beruflich immer wieder mit verschiedenstenen Aufklärungsversuchen zu tun und weiß daher, wie schwer es ist, mit schlichten Fakten gegen vorgefertigte (Stammtisch)Meinungen, undefinierbare Ängste bis hin zu absurden Verschwörungstheorien („…die Statistiken sind doch alle gefälscht“ etc) zu bestehen.

      Um so wichtiger sind Beiträge wie deiner, Paule! Gerade weil sie uns den Spiegel vorhalten und vom bequemen Sofa runterholen.

      Dafür noch einmal Danke!

    • Mensch, Paule,

      Natürlich gibt es soziologische Begriffe wie Mittelschicht, Oberschicht und Unterschicht.
      Warum dann nicht „ausländische Unterschicht“? So wie es in Südafrika (und anderen Staaten) auch die „weiße Oberschicht“ gab und gibt und so tituliert wurde – oder sind solche Begriffe plötzlich auch tabu oder rassistisch? Wäre mir neu.
      So eine These von der „ausländischen Unterschicht“ aufstellen zu dürfen, ist erst mal völlig legitim.
      Ob der „gute“ Sarrazin mit seinen Thesen Recht hat und ob es beispielsweise eine Abgrenzung zwischen seiner „ausländischen Unterschicht“ und dem sogenannten „White Trash“ gibt oder ob es vielleicht auf beiden Seiten einen Zusammenhang zwischen Armut und wenig Bildung gibt: das fände ich mal spannend zu eruieren.
      Aber gut möglich, dass Sarrazin diesen Schritt aus grundsätzlich xenophoben Gründen nicht mehr gehen wollte.
      Was ich Sarrazin jedoch in erster Linie vorwerfe, ist seine protestantisch-asketische Haltung (und die war und ist ihm richtig ins Gesicht geschrieben): Da ist nichts, aber auch gar nichts von Lebensfreude zu sehen. Das ist für mich die Fresse des Calvinismus: Lebe, um zu arbeiten. Von Genuss keine Spur.
      Und davor wird mir viel mehr bange als vorm ganzen Rest, den der Herr zum Besten gibt.

      • Die angeführten Punkte waren Beispiele. Ich habe seine Bücher nicht gelesen, ich habe – seinerzeit – die Diskussionen verfolgt, habe Rezensionen gelesen und über seine Thesen den Kopf geschüttelt. Natürlich ist das ein schmaler Grad, meine Ansichten, mein Weltbild, mein Vokabular ist es nicht. Verurteilt mich, weil ich nicht jedwede Literatur jedwedes Autors vom rechten, linken, besorgten oder sonstwie Rand konsumiere, bevor ich mir eine gewisse Meinung zu gewissen – selbst getätigten – Aussagen derlei Autoren bilde. Im Prinzip wäre ich bereit, für einen Ansatz einen tieferen Einblick. Habe ich @Antikas ja drum gebeten, aber ob uns das weiterbringt, vermag ich jetzt noch nicht zu beurteilen. Vor allem unter dem Eindruck, den seine Thesen und Bücher – über die gesamte Gesellschaft – an Ablehnung erzeugt haben.

  25. Ich weiß schon, warum ich mich aus Diskussionen zu politischen bzw. religiösen Themen raushalte. Solange man sich nicht unter absolut Gleichgesinnten befindet, kann eine solche Diskussion nur im Streit enden, weil – wie wir hier gerade sehen können – diese Themen emotional zu stark aufgeladen sind. In diesem Zusammenhang vielen Dank für den Beitrag, Herr Schaften. Ich finde es jedenfalls sehr schade, dass ich in Zukunft auf (fußballbezogene) Kommentare eines Ribben verzichten muss.

    • Ist es nicht ein Armutszeugnis, dass alle immer gleich so emotional werden, dass eine vernünftige Diskussion zwischen Erwachsenen nicht mehr möglich ist? ich finde, dass diese „Diskussion“ hier zu dem Thema ein ziemliches Armutszeugnis für die Fähigkeit zum offenen Diskurs ist.

  26. @Paule

    Ein Vorschlag meinerseits: magst Du einen neuen Thread für ein Fussballthema aufmachen?

    Dann könnte man auch wieder über andere Themen diskutieren (z. B. dass Robben schon wieder verletzt ist und deshalb die Verpflichtung von Coman eine weitsichtige Entscheidung war).

    Das wird vielleicht ein bisschen die Schärfe rausnehmen. Sonst geht hier bald wirklich was irreparrabel in die Brüche, was das Zwischenmenschliche angeht.

    Und das wäre schade und würde wirklich niemandem irgendetwas nutzen.

      • Was hat das mit aufgeben zu tun?

        Es geht mir darum, dass alle Beteiligten die Gelegenheit bekommen, einmal durchzuatmen und etwas Abstand zu gewinnen.

        Nur weil man bei einer hochemotionalen Diskussion eine Pause einlegt, damit sich die Gemüter beruhigen, ist das doch nicht gleichbedeutend damit, dass die Diskussion damit beendet ist..

        • „Aufgeben“ im Sinne von, dass ich akzeptiere, dass es unterschiedliche Meinungen gibt und ich nicht mehr weiter nach Argumenten suchen muss / will, meine Position zu unterstreichen. Ich beende hier nicht die allgemeine Diskussion (für euch), derlei liegt mir fern.

  27. @Paule
    Dein Post ist ehrenwert und auch die Geisteshaltung, die dahintersteht. Einem Menschen, der offensichtlich so viel Empathie empfindet wie du, muss es, kann es und wird es wehtun und aufwühlen, wenn andere dies mit sachlichen, statistischen und gefühlskalt anmutenden Argumenten konterkarieren oder zumindest ein „aber“ verlauten lassen.
    Dass dich das überrascht, ist vielleicht ein wenig blauäugig gewesen. Uns hier verbindet die Leidenschaft für den FC Bayern und die Fähigkeit mehr oder weniger intelligent über den Verein und das Drumherum zu diskutieren. Das heißt noch lange nicht, dass wir in anderen Themen konform sind. Es gäbe da noch einige Stichworte wie Ukraine, Putin, Obama und ähnliches, bei denen hier auch Meinungen aufeinanderprallen würden. Zugegeben (und das ist beruhigend) geht es tiefer, wenn man statt über 3er oder Viererkette über menschliche Schicksale diskutiert. Aber ich fände es unglaublich schade, wenn die Community hier dadurch Schaden erführe. Der Verlust von Ribben ist ein Jammer, es ist seine Entscheidung zu gehen, aber wenn er noch mitliest würde ich mich freuen, wenn er dies rein fußballkommentartechnisch überdenken würde. Ich persönlich trenne den FC Bayern dann doch ein wenig vom richtigen Leben. Wenn ich meine politischen Ansichten da wirklich ernstnehmen würde, wäre mein Verhältnis zu dem Verein auch getrübt.Wir erinnern uns an Trainingslager und Testspiele im Arabischen, die hier wenn auch nicht ganz so vehement konträr diskutiert wurden…
    Was will ich eigentlich sagen? Vermutlich, dass die Erkenntnis, dass Bayernfans mit denen man sich auf Grund seiner Fußballeidenschaft verbunden fühlt durchaus andere Meinungen haben können nicht zwingend einem – wie du es bezeichnest – „Aufgeben“ entspricht.
    Wir lieben diesen Blog. Auch für diesen Thread.

  28. Ich hab heute doch noch einmal einige neue Posts hier durchgelesen, obwohl ich nach der initialen Diskussion gemerkt habe, dass das Thema für einen Fußballblog zu komplex und zu vielschichtig ist.
    Es es ist zudem in diesen hochemotionalen Zeiten (Dauerbeschallung der Medien sei Dank) schlicht und einfach kaum möglich, rein sachlich zu argumentieren.

    Eines haben der Blogeintrag bzw. die Kommentare aber auf erschreckende Weise gezeigt: Dieses Thema treibt einen Riss quer durch unsere Gesellschaft, ja teils quer durch (unsere) Familien. Wir haben keinen wirkliches Konzept, wie wir mit der Situation umgehen sollen, die sich aufgrund das Dynamik auch in Zukunft weiter verschärfen kann und vermutlich auch wird.

    Natürlich wird Deutschland nicht wegen 800.000 Asylbewerbern untergehen. Aber das sind ja nicht alle, am 1.1.2015 waren ja schon 600.000 hier. Und von den angenommenden Anträgen ist dann auch der Familiennachzug dazuzuaddieren, und da werden aus einem gerne mal acht. Und was, wenn sich die Zahlen in den nächsten Jahren weiter vervielfachen? Sind dann immer noch alle Refugees welcome?

    Was, wenn die Millionen Flüchtlinge in Jordanien oder im Libanon Merkels Aufruf folgen, weil sie lieber in Deutschland schon am Bahnhof bejubelt und beschenkt werden wollen, statt dort weiter in – von der UNHCR finanzierten – Zeltstädten zu leben?

    Wenn es so kommt werden wir uns früher oder später entscheiden müssen, wie viel von unserem Wohlstand wir bereit sind auf- bzw. abzugeben. Anders wird es nicht gehen. Aber diese Diskussion wird nicht geführt, und so werden wir wenn der Tag kommt genauso unvorbereitet sein wie jetzt.

    Man muss sich bewusst machen, dass wir hier keine einmalige Situation erleben, sondern das diese Flüchtlings- bzw. Migratonsströme mit steigender Weltbevölkerung zunehmen.
    Der Soziologe Gunnar Heinsohn hat das schon 2005 in einem längeren Artikel in der ZEIT in einen größeren historischen Kontext eingebettet, bei dem einen im Blick auf die Zukunft schonmal der Optimismus abhanden kommen kann bei Sätzen wie: „Gleichwohl, wer heute in Kontinentaleuropa jünger als 40 ist und nicht alsbald den Weg nach Nordamerika findet, wird sich später nur selbst Vorwürfe machen können.“
    Die Ereignisse seit dem Erscheinen des Artikels haben seine Theorien leider auch eher bestätigt denn widerlegt.

  29. Hallo Jungs,
    ich habe die Diskussion erst richtig mitbekommen, als schon einiges an Porzelan zerdeppert war. Ich werde jetzt auch nicht anfangen knapp 120 Post nachzulesen. Nur eine Anmerkung: ich weiss, warum ich mich hier nur zu fussballerischen Themen äußere und ich hoffe, dass jetzt – möglichst alle Beteiligten – wieder zu diesen Thema zurückfinden.
    Ich eröffne die Diskussion und biete als gemeinsames Feindbild die Presse als Zielscheibe an, die – nachdem sie Mario Götze – von Anbeginn seiner Zeit beim FC Bayern – schlecht „geschrieben“ hat, nun erkannt hat, dass ihm lediglich die Unterstützung und das Vertrauen im Verein fehlt. also ich kann sagen, bestimmte Journaillen lese ich gar nicht mehr (z.B. Focus) – das ist meine Art der stillen Verweigerung wider dem professionellen Schwachsinn. Und nun vertragt euch bitte wieder, Buben!

  30. Ich habe zu diesem Thema einfach mal meine Gedanken runtergeschrieben, es soll einfach einen weiteren empathischen Blickwinkel darstellen.

    Wir haben seit ca. drei Monaten Flüchtlinge (eine syrische Familie und ein einzelner syrischer Mann) bei uns.
    Wir haben uns vorher mit diesen Personen unterhalten, da sie extrem schlecht untergebracht waren, nur wir schon entscheiden wollen wen man in sein privates Refugium lässt und wen nicht.

    Ihre Erzählungen haben mich zu dem Schluss gebracht, dass wir alles tun müssen um diesen Menschen zu helfen, die Aussagen über ihre Flucht und wie es ihnen währenddessen ergangen ist, lässt Wut und Frustration in mir aufsteigen und ich hoffe wirklich das die Politik, jetzt endlich den Diensten und der Polizei das „Go“ gibt um diesem Abschaum an Schleusern/Schleppern das Handwerk zu legen. Diese Mär des Fluchthelfers (wie es ih früher einmal gab) kann man getrost begraben.

    Alle mit denen ich bis jetzt gesprochen habe, hatten eine Arbeit, ein zu Hause, ein geregeltes Leben und war zufrieden. (alles Syrer)

    Das schreckliche ist, es könnte auch ich sein oder jeder andere der nur ein bisschen was aus seinem Leben gemacht hat und nicht im Hass ertrinkt.

    Jede dieser Personen hat sich direkt versucht einzugliedern, sie wollten eine Arbeitsstelle (was aufgrund der langwierigen Aufnahmeprozedere extrem schwer ist, aber Praktika dürfen sie machen und alles um ihre vorhandene Qualifikation nachzuweisen), Deutsch lernen und das Leben wieder in eine „normale“ Bahn bekommen. Keine dieser Personen will für immer hierbleiben.

    Für sie ist ihr Smartphone alles, auf diesen Geräten ist teilweise ihr komplette Leben gespeichert und sie sind die einzige Verbindung zu denen die noch leben. Diese Geräte sind von aussen mit unseren gleichzusetzen, im inneren ist es wie Nacht zu Tag, ein himmelweiter Unterschied.

    Diese Personen bereichern das Leben in unserem Umfeld ungemein und senken Hemmschwellen, sie sind offen und geben antworten auf alle möglichen Fragen.

    Das macht es einfach ein #RefugeeWelcome in die Welt hinauszuschreien.

    Jetzt kommt die Kehrseite, selbst unsere Untermieter sagen das es viele schwarze Schafe gibt, die nur wegen der Kohle nach Deutschland wollen. Wo sie selbst sagen, das diese nirgendwo aufgenommen werden, da sie nur Unruhe stiften.
    Sie haben Syrer. Iraker, Kurden Bulgaren, Albaner und andere Araber genannt, also genauso wie bei uns auch. Ein Teil ist gut und ehrlich und ein Teil will dich nur ausnehmen.

    Hier hoffe ich eben, das die BAMF und die Polizeien enger zusammenarbeiten und die die nur Abzocken wollen sehr schnell rausbekommt, diese werden nie etwas für dieses Land machen. Hier geht es auch nicht ums aushalten, sondern um Chancenermöglichung und Ressourcenverschwendung.
    Alle vom Balkan können ohne Probleme sich ne Arbeitsstelle hier holen oder halt in Österreich oder sonst wo, wenn sie ihrer Armut entfliehen wollen.

    Für diese Menschen die geringen Ressourcen der Asylpolitik zu verschwenden finde ich falsch.

    Die Kriegsflüchtlinge sind heilfroh hier zu sein und es liegt an der Politik, jetzt rechtliche Möglichkeiten zu schaffen, damit die Menschen in Lohn und Brot kommen und sich hierdurch auch wieder ein Stück Würde zurückholen können.

    Es gibt in dieser Frage kein Weiß und kein Schwarz, viele werden das System ausnutzen, aber genausoviele werden auch dankbar sein.

    Man kann nur offen sein und schauen wie sich die Menschen einem gegenüber verhalten, nicht jeder wird dein Freund, aber jeder hat ne chance verdient. Wie bei jedem anderen der das Glück hatte in diesem Land aufzuwachsen.

    Das was Ost-/Südosteuropa momentan von sich gibt, finde ich persönlich mehr als erbärmlich und ich hoffe für sie das es ihnen nicht mal so ergeht….

  31. „Vereint in der Farbe“ – ist offenbar wenig wert bei Themen, die wirklich wichtig sind.
    Wenn es uns im insgesamt doch relativ homogenen Kosmos von breitnigge (trotz aller in diesem und ansatzweise schon im Trainingslager-Katar-Thread erkennbaren Unterschiede) – derart beutelt und übertfordert, wie soll dann in Deutschland, in Europa und dem Rest der Welt das gelingen, was an Herauforderungen und Aufgaben auf uns zukommt (etwas pathetisch formuliert: Uns alle, die, die im Wohlstand schwelgen und jene, die in Not sind, kurz die Menschheit).
    Macht nicht gerade optimistischer. Hat es die Diskussion hier für diese „Erkenntnis“ gebraucht? Vielleicht.

  32. @seit1982: Was genau meinst du mit „Vereint in der Farbe“- und in dem Zusammenhang „wenig wert“? Kannst du das bitte etwas genauer formulieren?

    • Das dachte ich mir auch- nur was hat das mit der aktuellen Diskussion zu tun? Heißt „vereint in der Farbe“ zB: wir wählen hier alle die gleiche Partei? Nur weil wir alle Bayern Fans (überwiegend sogar Mitglieder) sind? Sind wir irgendwie besser/anders als Fans von anderen Farben?
      Wie gesagt, ich möchte nur verstehen,was das mit der aktuellen Diskussion zu tun hat.

    • Versachlichen? Dann einfach mal ein paar Fakten auf den Tisch:
      Arbeitgeberverbände haben schon laut darüber nachgedacht, Flüchtlinge einzustellen. Aber natürlich nicht zwingend zum Mindestlohn …

      „Mindestlohn soll für Flüchtlinge nicht gelten:
      IHK-Chef Peter Kulitz forderte am Montag den Mindestlohn für Asylbewerber aufzuweichen.
      So sollen sie auf Stundenbasis im Haushalt, im Garten oder bei der Familienbetreuung helfen. Die Nähe zur Bevölkerung würde der Integration dienen.
      Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro müsse dafür aber ausgesetzt werden, meinte Kulitz.“

      Und das wird der einheimischen Bevölkerung dann als humanitäre Maßnahme verkauft. Obwohl … – Zynismus an – jetzt könnten wir uns alle vielleicht statt der teuren polnischen eine billige syrische Putzfrau leisten?! Zynismus aus.
      Aber wenn das schon so losgeht, wird´s hier noch richtig lustig werden in good old Germany. Und an die Märchen vom Arbeitsmarkt, in dem alle hier unterkommen, glaube ich nicht. Funktioniert doch heute schon nicht mehr.

      Zumal es bestimmte Probleme, die wir sicherlich wiederholt hier erleben werden, auch schon vor einem Jahr gab (damals war nur noch nicht der große Treck nach Deutschland unterwegs und da rechnete man wohl noch nicht mit dem, was wir nun mengenmäßig erleben):
      http://www.welt.de/politik/deu.....-Hass.html
      Und irgendjemand sagte vor kurzem, man müsse die Flüchtlinge hier nach Ethnien aufteilen, ach ja, der Ramelow war´s, und das hört sich so gar nicht nach gemeinsamer Basis und Integration an, jedenfalls nicht nach kurzfristiger …

      Mag alles pessimistisch klingen und ist auch ganz bestimmt nicht das, was ich mir wünsche. Doch ich habe Freunde, die in der Betreuung von Kindern aus Flüchtlingsfamilien arbeiten (in Schulen) und da kenne ich aus erster Hand genügend Geschichten, anhand derer ich sagen würde: So naiv sollte man an das ganze Thema in Bezug auf die Flüchtlinge und locker-flockigem Zusammenleben bitte nicht herangehen.
      Und man sollte auch ganz bestimmt nicht, wie Merkel, die ganze Welt zu sich einladen und sich dann wundern, wenn das in vielen Ländern als der große Startschuss ins Glück angesehen wird. Das halte ich einfach nur für dämlich.

      Ändert aber alles nichts daran, dass die Flüchtlinge erst einmal hier betreut werden müssen – wenn schon sonst niemand bzw. kaum jemand sich die Hände schmutzig machen möchte (aber liebend gerne in die prall gefüllten EU-Fördertöpfe greift). Und dann lasse ich mich mal überraschen, was unsere Politiker für tolle Ideen entwickeln werden. In der Zwischenzeit räume ich mal mit meiner Tochter den Keller auf und schaue, was bei uns eh nur rumsteht und Flüchtlinge derzeit gut gebrauchen könnten ….

      Das mal so als Stimmungsbild aus einer Stadt, die gefühlt aus 15 Prozent Lewandowskis und 10 % Gündogans besteht.

      By the way: Vor nicht allzu lange Zeit hat Merkel noch den EU-Beitritt der Türkei abgelehnt – von wegen „zu wenig christliche Werte“. Wie waren damals die Meinungsumfragen? „Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger lehnt einen Türkei- Beitritt ab.“ (Die ZEIT, 2010). Gut, gegen Özil und Co hatte man natürlich nichts einzuwenden …
      Wie auch immer: Mein türkischer Nachbar ist jedenfalls mittlerweile mächtig angepisst von der Frau Merkel.

  33. Hallo Paule,

    ich habe gerade erst diesen Eintrag, auf den ich woanders aufmerksam wurde, gelesen. Und die nachfolgende, nunja, Diskussion überflogen.

    Ich möchte Dir einfach für Deine Worte danken. Und für Deine Mühe. Das ist alles.

  34. Ende

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