Thiago or No-Go oder Arjen und der Wunderheiler

Welcher Bayern-Fan erinnert sich nicht mit Schrecken an den Sommer 2010 zurück, als wir nach dem ersten Jahr mit Luis van Gaal fast das Triple gewannen und eine – überraschend gute – WM hinter uns hatten, die unseren Shootingstar Thomas Müller als WM-Torschützenkönig krönte, unsere medizinische Abteilung aber, nach der Rückkehr des Vizeweltmeisters Arjen Robben aus Südafrika und anschließendem Urlaub, in dessen Oberschenkel ein Centimeter großes Loch entdeckte.

Fassungslosigkeit allüberall.

An diese Entdeckung schloss sich eine schier endlos wirkende Posse zwischen dem FC Bayern, dem niederländischen Fußballverband KNVB, den jeweiligen medizinischen Abteilungen und deren Ärzten an. Die Medien hatten ihren Spaß – wir Fans nur eher so mittel…

Wie komme ich aber nun dazu, dieses schmerzhafte (sic!) Kapitel noch einmal aus der bayerischen Mottenkiste zu holen?

Thiago Alcántara do Nascimento ist der Grund. Genauer gesagt sein rechtes Knie. Und dessen Bänder.

Lange Zeit war dies nur eine bittere Verletzungsgeschichte, aber so nach und nach fühlte ich mich immer ein wenig mehr an die Umstände des Jahres 2010 erinnert.

Was bisher geschah:

[29.03.2014] Thiago verletzt sich bei einem Pressschlag mit Kevin Volland im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim (3:3). Diagnose:

Thiago hat einen ausgedehnten Teilriss des Innenbandes im rechten Knie erlitten. Das Knie des Spaniers wurde mit einem Gips für 14 Tage ruhig gestellt. Anschließend bekommt Thiago eine Schiene. Insgesamt wird der Sommer-Neuzugang dem FC Bayern sechs bis acht Wochen fehlen.

[27.04.2014] Thiago nimmt das Lauftraining wieder auf.

Der spanische Nationalspieler hat vier Wochen nach seinem gegen Hoffenheim erlittenen Teilriss des Innenbandes im rechten Knie das Lauftraining wieder aufgenommen […] so dass der 23 Jahre alte Sommer-Neuzugang im Saison-Endspurt im Idealfall noch einmal ins Geschehen eingreifen kann.

[15.05.2014] Thiago verletzt sich erneut am Knie und muss – erneut – operiert werden. Die Saison, inkl. WM, ist somit beendet.

Der Mittelfeldspieler erlitt im Training am vergangenen Montag einen erneuten Innenbandanriss im rechten Knie. Thiago wird nun zeitnah operiert.

[15.05.2014] Thiago wurde – erfolgreich – operiert.

Thiago Alcántara wurde am Donnerstag am Innenband des rechten Knies operiert, der rund einstündige Eingriff ist erfolgreich verlaufen. Bis zum Wochenende muss der 23-Jährige noch im Krankenhaus bleiben. Danach wird er 14 Tage eine Gipsschiene tragen müssen, ehe er mit dem Rehabilitationsprogramm beginnen kann.

[05.09.2014] Die Heilung Thiagos läuft nicht wie gewünscht und offenbar gibt es hinter den Kulissen ferner “dicke Luft”.

Seriös können wir nicht sagen, wie lange das noch dauert. Wir können keine genaue Prognose abgeben. Die Entwicklung ist sehr bedauerlich.

So äußerte sich Sportvorstand Sammer.

Das Thema hat im Verein für mächtig Ärger gesorgt, nachdem sich Thiago auf Anraten von Guardiola im April in Barcelona behandeln ließ. Wohl eine Entzündung sorgte dafür, dass dem Spieler dort Kortison gespritzt wurde. Eine Behandlungsmethode, die äußerst umstritten ist, die aber in Fällen wie diesen, wenn es um eine Weltmeisterschaft geht, manches Mal durchaus in Kauf genommen wird.

Offenbar eine recht kurzfristige Sichtweise, denn…

Thiago […] entschied sich für die Kortisonspritzen. Inwieweit die für den erneuten Riss verantwortlich waren, ist seriös nicht zu beantworten, doch es ist bekannt, dass gespritzte Kortikoide das Gewebe angreifen können. Ein anderer Nebeneffekt ist gewiss: Man muss nun warten, bis das Kortison vollständig aus dem Knie verschwunden ist.

Bayern-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hatte vor derlei immer wieder gewarnt und deshalb offenbar Differenzen mit Guardiola gehabt, der derlei medizinische Befugnisse, bzw. “Einmischungen” von Vereinsärzten aus Spanien nicht gewohnt war:

“Frag den Doktor!

[16.09.2014] Thiago kehrt zurück in den Kreis der Mannschaft. Irgendwie.

Der Spanier betrat am Dienstag beim Abschlusstraining vor dem CL-Auftaktspiel gegen Manchester City gemeinsam mit den Teamkollegen den Rasen der Allianz Arena. Anschließend absolvierte er das Aufwärmprogramm mit der Mannschaft, ehe er sein individuelles Aufbautraining fortsetzte.

[09.10.2014] Thiago macht Fortschritte und nimmt teilweise am Mannschaftstraining teil.

Thiago absolvierte erstmals seit seiner schweren Innenbandverletzung im Knie wieder Teile des Mannschaftstrainings.

[15.10.2014] Thiago verletzt sich erneut. Bitter.

Thiago Alcantara hat sich beim Training am Dienstag erneut eine schwere Verletzung zugezogen. Aufgrund einer Narbeninsuffizienz erlitt er bei einem Zweikampf wieder einen Teilriss des Innenbandes im rechten Knie.

[16.10.2014] Thiago soll nun beim Kniespezialisten Steadman operiert werden, der schon mehrere Bayern-Spieler behandelt hat.

Er fliegt in den kommenden Tagen nach Vail im US-Bundesstaat Colorado. Der Spezialist Dr. Richard Steadman wird sich um ihn kümmern.

[17.10.2014] Weitere Experten wie der Sportmediziner Prof. Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln machen Cortison für Thiagos (Folge)Verletzung verantwortlich:

“Grundsätzlich ist Kortison nicht schlecht. Ein körpereigenes Hormon, das gegen Entzündungen wirkt. Jede Verletzung hat eine Entzündung zur Folge. Die ist wichtig für die Heilung. Möglich, dass eine zu große Kortison-Gabe einen höheren Grad der Heilung vortäuscht, ein Narbengewebe aber noch gar nicht voll belastbar ist. Dann kann es zu Folgeverletzungen kommen.”

[17.10.2014] Bayern-Trainer Guardiola selbst räumt ein, dass Thiagos Behandlung in Spanien ein Fehler war.

Wir haben großes Vertrauen in diesen Arzt [Dr. Cugat]. Vielleicht war das ein großer Fehler.

[18.10.2014] Thiagos Arzt Dr. Cugat wehrt sich gegen die Vorwürfe, seine “Kortison-Behandlung” wäre an der erneuten Verletzung schuld.

Er schrieb auf seinem Twitter-Account, dass die Medien falsch darüber berichtet hätten. “Die Behandlung, die ich bei Thiago vorgenommen habe, basierte nicht auf Kortison erfolgt, sondern auf Wachstumshormonen. Das ist eine Fehlinformation der Medien”, teilte Cugat mit.

[20.10.2014] Bayern-Boss Rummenigge dementiert so ziemlich alle bisherigen Gerüchte und Aussagen zum Thema “Thiago Verletzung”.

“Ich habe den Eindruck, da werden viele falsche Fakten und Unwahrheiten der Öffentlichkeit mitgeteilt. Fakt ist, der Spieler hat sich leider zweimal verletzt. Es gibt keinen Fehler in der ganzen Geschichte. Es gibt weder einen Fehler vom spanischen Arzt noch von einem Arzt hier in Deutschland. Das sind unglückliche Zusammenhänge, die da passiert sind. Thiago wollte schnell fit werden, speziell im Sommer. Deshalb hat er vielleicht die Dinge ein Stück vom Zeithorizont her verkürzen wollen, weil er natürlich auch zur Weltmeisterschaft wollte. Dafür haben wir Verständnis gehabt. Es war nie ein Thema, dass er in Amerika operiert wird. Es war von Anfang klar, nachdem er sich wieder verletzt hat, dass er in Spanien operiert wird. Der spanische Arzt ist ein sehr guter Arzt, der übrigens auch dieselbe Technik anwendet, die in Vail in Amerika angewandt wird. Er wird morgen operiert. Es gibt auch keinen medizinischen Dissens bei Bayern München. Es wird ein Arzt von Bayern München, Dr. Hänsel, bei der Operation in Barcelona dabei sein.”

Offen bleibt, ob die Pressemitteilung so gewollt, man eher von den Gerüchten “getrieben” war, oder einfach nur “Ruhe in das Thema” bringen wollte. Auch in den “Konflikt” zwischen Pep und den Bayern-Ärzten. Und ob es diesen Konflikt überhaupt gab oder gibt…

[23.10.2014] Thiago ist erfolgreich operiert worden. Fürs Erste.

Der spanische Nationalspieler ist nach seiner erneuten Innenbandverletzung erfolgreich am rechten Knie operiert worden. Der Eingriff in Barcelona, bei dem FCB-Teamarzt Dr. Lutz Hänsel anwesend war, verlief ohne Komplikationen.

[24.10.2014] Nach dem Dementi der Kortison-Behandlung, kamen nun Doping-Gerüchte rund um Thiagos Behandlung mit – laut seinem Arzt Dr. Cugat – “Wachstumsfaktoren” auf. Miasanrot.de sprach mit Fussballdoping.de.

Fortsetzung folgt…

Um es zusammen zu fassen: Nach Außen wird uns ja der Eindruck vermittelt, dass es so weit bestens läuft. Thiago ist nun erneut operiert, ist guter Dinge und wird – natürlich – “stärker denn je” zurück kommen.

Ich wünsche es ihm. Ich wünsche es aber mir (und dem FC Bayern), dass es hier nicht tatsächlich irgendwelche, im Hintergrund schwelende Konflikte gibt. Ich will nicht, dass das, was wir uns seit 2010 aufgebaut haben, durch solche Streitigkeiten zerstört wird. Derlei wäre vielleicht im Sinne unserer (sportlichen) Konkurrenz, aber Bayern-like und professionell wäre es nicht.

Am Ende des Tages bin ich aber auch nur ein Fan, der von Medizin, Hochleistungssport, PR & Krisenmanagement keine Ahnung hat. Ich mache mir Sorgen (sic!) um Thiago und dass wir all die bisherigen Momente des Lichts & Glücks aufgrund seines Spiels nicht noch einmal erleben dürfen. Es wäre schade. Für mich, für uns, für seine Mannschaft(en) und auch für alle Anderen, die sich – fernab der Vereinszugehörigkeit und der damit verbundenen Emotionalität – schlichtweg an schönem Fußball und mit besonderem Talent gesegneten Spielern erfreuen können.

Hoffen wir das Beste.

Weitere Links zum Thema:

Die Akte Robben 01/10 – was bisher geschah

Die Akte Robben 02/10 – es wird nicht besser

Die Akte Robben 03/10 – kurz vor der Entscheidung?

Die Akte Robben 04/10 – und die Fifa ist wie immer fein raus

Die Akte Robben 05/10 – das Hornberger Schießen und die Gerichte

Die Akte Robben 06/10 – ein wenig ist die Luft raus

Die Akte Robben 07-08/10 – es brodelt wieder

Die Akte Robben 09/10 – Ende absehbar?

Eine ultimative Pod-Hudelei

Ich liebe den Fußball, er ist Teil meines Lebens. Ebenso gerne rede ich über Fußball, meinen Verein, Spieler und vieles Drumherum. Das war “früher” so und das ist heute immer noch so. Allein, es gibt heute dank Internet und sozialen Medien viel mehr Kanäle und Optionen sich mit Menschen(!) auszutauschen, als wir das “früher” für möglich gehalten hätten. Da war es der unmittelbare Freundes- und Bekanntenkreis. Durch soziale Medien hat sich das Potential, viele neue, tolle Menschen kennen zu lernen, die die gleichen Interessen haben, vervielfacht. Toll.

Fluch und Segen zu gleich ist die Vielfalt. Aber die hat man ja größtenteils selbst in der Hand. Ich bevorzuge Blogs, Twitter und Podcasts. Ein Weblog bietet – meiner Meinung nach – immer noch die beste Plattform, längere Texte, Gedankengänge zur Tastatur zu bringen und sie im Nachgang zu verteilen. Ganz zu schweigen von solchen Communities wie meiner und den oft unterhaltsamen Diskussionen. Twitter wiederum ist ein ganz anderes Medium, welches direkter und schneller (inter)agiert. Für mich ein Nebeneinander, ein Ergänzen. Womit wir zum roten Faden kommen – den Podcasts.

Neben Blogs und Twitter, die den klassischen Medien und (Fußball)Berichterstattern zunächst sicher mehr als suspekt waren, mittlerweile aber längst nicht mehr nur kritisch aus Elfenbeintürmen beäugt werden, waren, bzw. sind Podcast noch das ähnlichste Medium zwischen “klassisch” und “2.0”. Warum? Weil es am Ende des Tages um Sprache, um Information geht. Lassen wir die Qualität mal außen vor – ein Kratzen, ein Rauschen hier und da, ist für mich kein Grund, nur öffentlich-rechtliche und keine privaten Podcasts zu konsumieren. Im Gegenteil.

Nein, mir sind einige Podcasts sehr ans Herz gewachsen und darum soll es in diesem Beitrag tatsächlich gehen. Seit Anfang dieser Saison ist der Rasenfunk online und meine Eindrücke dazu, motivierten mich zu diesem Beitrag (klare Motivation zum Bloggen – getwittert hätte das niemand lesen wollen). Aber der Reihe nach.

Das Podcast-Thema kam in meiner Twitter-Timeline schon vor vielen Jahren hoch. Man diskutierte, plante, allein, das Projekt kam nicht zustande. Andere Geschichte. Selbst meine eigenen Versuche waren mangels Zeit und als Einzelkämpfer zum Scheitern verurteilt.

Herr @fehlpass zog es durch und wurde mein erster, regelmäßig konsumierter (FC Bayern)Podcast. Ich kenne und schätze ihn seit vielen Jahren und mag seine Art zu podcasten. Er ist meine klare Podcast Nr.1 wenn es um launige, emotionale, meinungsstarke Gespräche rund um meinen Lieblingsverein geht. Was an ihm und oft auch seinen guten Gästen liegt.

Ein weiterer Nr. 1 Podcast für die Themen Information, Hintergrund, Taktik und Analyse rund um die Mannschaften des FC Bayern (Bundesliga, Amateure, etc.) ist Miasanrot.de. Wobei der Podcast nur ein Teil dieses Projektes ist, welches spätestens nach der Fusion mit derbayernblog.com zum diesbezüglichen “Marktführer” geworden ist. Ich will gerne zugeben, dass ich ob dieser Präsenz und den Möglichkeiten, die die Jungs anbieten, ein klein wenig neidisch war. Weil es mir – aus vielen Gründen – leider nicht möglich ist, derlei selbst auf die Beine zu stellen. Aber genau so stell(t)e ich mir immer meine eigenen Aktivitäten vor. In einer fernen Welt ohne sonstiger Verpflichtungen. ;-)

Wie auch immer. Inzwischen genieße ich die Informationsvielfalt von miasanrot.de. Klasse, macht so weiter Jungs!

Eine ganz andere Erweiterung meines Horizontes gaben mir die Erben Collinas. Auch ich habe “früher” oft und intensiv über die Schiedsrichter geschimpft. Völlig verständlich übrigens aus meiner Fan-Sicht. Die regelmäßigen Erklärungen der beiden Protagonisten aus Schiedsrichter-Sicht änderten die Perspektive. Jede strittige Szene des eigenen Vereins anhand der Regeln seziert zu bekommen hilft enorm. Es hilft, Spiele des eigenen Vereins entspannter zu betrachten. Vor allem in Hinsicht auf die Entscheidungen der Schiedsrichter. Wer gerne weiter schimpfen können will, sollte auf keinen Fall diesen Podcast konsumieren.

Zum Abschluss schließt sich nun der Kreis. Der Rasenfunk. Ein Podcast zweier – aus meiner Sicht – immer gern gehörter Gäste des obigen Fehlpass-Podcast. Die ersten Tage der Präsenz des Rasenfunk konnte ich aus zeitlichen Gründen nur am Rande verfolgen. Die ersten beiden Ausgaben sind inzwischen nachgehört und ich habe die Sprachlosigkeit und Irritationen überwunden. Seit heute weiß ich, was mich nicht in die allgemeinen Lobeshymnen zum Start des Podcast einstiegen ließ. Ich vermutete erneut den oben schon erwähnten und erklärten Neid. Tatsächlich ist es das Gefühl gewesen, dass es sich hier – meiner Meinung nach – um den Prototyp eines Podcast handelt!

Es gibt Struktur, einen souveränen, mit durchaus trockenem Humor ausgestatteten Moderator, Gäste, die interviewt werden und die vom Moderator nicht nur Fragen vorgelesen, sondern auch passende Nachfragen gestellt bekommen, zugeschaltete Experten, einen Sidekick, der social Media Feedback unterbringt und und und.

Im Rahmen des Nachhörens der zweiten Ausgabe kamen mir heute urplötzlich diese Gedanken und ich erfuhr etwas, von dem ich vorher noch nicht wusste, dass ich es genau so sehen würde:

Exakt so habe ich mir immer einen perfekten Podcast für mich vorgestellt und besser könnten es die sog. klassischen Medien auch nicht machen! Glaubt ihr nicht? Dann hört mal selber rein.

Danke @gnetzer und @helmi.

Kampf der Lager oder Fallhöhen-Bayern

Dies ist ein Erdungsbeitrag. Für meine Leser, für mich, für alle Bayernfans. Die jetzigen und die, die schon 2011 dabei waren und auch sonst alle, die es brauchen.

Wie ist der Stand? So:

Der Spanier muss auch in Münster auf zahlreiche Leistungsträger verzichten. Bastian Schweinsteiger, Franck Ribéry, Thiago, Martínez, Rafinha und Mitchell Weiser werden verletzungsbedingt sicher fehlen.

Lassen wir Weiser mal außen vor *hust* sind die Ausfälle beim FC Bayern aktuell schon ein Brett. Die Erschütterungen in den taktischen Saisonplanungen vor allem durch den Ausfall von Martinez sind sogar hier im Rheinland noch zu spüren, die Unsicherheit vieler Anhänger bezüglich der Verletzungsfrequenz bei Ribery & Schweinsteiger greifbar.

Was liegt dem zugrunde? Was macht diese Ausfälle, diese Verletzungen so besonders? Vor allem im Vergleich zu Verletzungen anderer Spieler anderer Vereine? Weshalb bilden sich im (Fan)Umfeld des FC Bayern zweierlei Lager? Die Paniker und die Beschwichtiger?

Das Stichwort ist Fallhöhe.

Der FC Bayern hatte zwischen 2012 und 2014 Weltklasse-Jahre. Und – sind wir mal ehrlich – mit Meisterschaften, Pokalsiegen und gar drei (in Worten: Drei!) Championsleague-Endspielteilnahmen hatten wir seit 2009 doch eigentlich fünf(!) Klasse-Jahre. Oder?

Wo ist also das Problem?

Fallhöhe. Man gewöhnt sich sehr schnell an die Gipfelluft. Je länger man dort oben verweilt, desto mehr muss einem offenbar aber auch die dünne Luft zusetzen. Die Wahrnehmung beeinflussen. Anders ist kaum die fehlende oder geringe Demut für die letzten fünf oder zumindest zwei bayerischen Jahre zu erklären.

Wir täten gut daran, uns dies immer wieder vor Augen zu führen. Ganz bewusst erwähne ich, dass ich mich – natürlich – auch mit einbeziehe in die Zielgruppe. Denn selbst mir fällt es oftmals schwer, ein Schritt beiseite zu treten und diese unfassbare Zeit fassbar zu machen. Selbst als jemand, der zwischen 2012 und 2014 ab und an auf die Endlichkeit der Herrlichkeit hinwies und seit dem CL-Halbfinal-Aus gegen Madrid immer wieder von Dankbarkeit sprach – selbst mich beschlich in den letzten Tagen zeitweise dieses Zwicken, welches man spürt, wenn man Verlust empfindet. Oder befürchtet.

Natürlich treffen uns die Ausfälle der obigen Sportskameraden und ja, die Saisonvorbereitung hätte insgesamt besser laufen können. Wie alle zwei Jahre. Aber das Triple wurde auch in einer Post-EM-Saison gewonnen. Punkt 1.

Punkt 2: Titel werden im (späten) Frühjahr, nicht im August, September, Oktober gewonnen.

Punkt 3: Was sollen uns die Dortmunder Würdenträger über Verletzungen erzählen?

Punkt 4: Muss es 2014/15 wirklich wieder das Triple sein?

Punkt 5: Demut, Leute. Ärmel hoch, Stutzen runter. Arbeiten, Trainieren, Stück für Stück vorwärtsgehen und die Spät-Frühjahr-Ziele nicht aus den Augen verlieren. Das Erntedank- war noch nie das Pfingstfest (um einen berühmten Sohn der Stadt Ulm abgewandelt zu zitieren)!

Wir haben Verletzte, aber noch keine Sportinvaliden zu beklagen und unsere Führungsebene hat ja die Zeichen dieser Tage erkannt und will den Kader ergänzen. Spät und wohl teurer als geplant, aber nur hohe – teure – Qualität sollte uns weiter bringen.

Hören wir auf unseren Trainer, der weiß es sicher wieder einmal am besten:

Wir müssen mit dieser Situation klarkommen, wir können das alles in den nächsten Wochen nur mit unserer Mentalität und Leidenschaft kompensieren. Aber ich bin optimistisch, dass das klappt.

In diesem Sinne: Auf geht’s, Ihr Roten! Und zwar direkt mal gegen die Preussen.

Alles bleibt anders. Vorerst.

Seit meinen Blog-Jubiläumsbeiträgen ist nun auch wieder einige Zeit vergangen. Fast unbemerkt für mich, möchte ich hinzufügen. Ihr kennt das.

Ich hatte gefragt, ihr habt geantwortet. Das Ergebnis ist relativ klar. Aktuell 70% der Teilnehmer könnten sich Co-Autoren auf Breitnigge.de vorstellen. Auf den Plätzen “Teaser als Nachbericht” und “Weiterführende Links”. Im Prinzip ein Ergebnis mit dem ich vor der Umfrage gut hätte leben können, zog ich doch – wie erwähnt – weitere Autoren auf meinem Blog in Erwägung.

Jetzt bin ich natürlich per se ein offener Typ und wenn ich mir – wie in der Situation meines Bloggerlebens – nicht zu 100% sicher bin, lasse ich mich gerne von Meinungen Anderer inspirieren. So auch hier. Nach dem Erwähnen der Zwischenergebnisse bzgl. der Co-Autoren kam das Feedback erst richtig in Fahrt. Ein Feedback, dass mir erneut zu denken gab.

Mehr Autoren? Dachte das wäre dein persönliches Bayernimweb-Zuhause?

Deine Community ist da wegen dir. Neue Autoren bergen immer auch die große Gefahr den Entfremdung.

es gibt keine Breitnigge-Autoren. Es gibt nur Breitnigge.

Finde auch, dass es eher ein persönliches Blog ist. Mit versch. Autoren ist es nicht mehr “Du”. Lieber selten…

ich bin gegen co-Autoren und habe auch so abgestimmt. Ich lese es wegen Oliver S. und mache nur für Paula eine Ausnahme ;) ich lese Breitnigge ausdrücklich wegen deiner Beiträge und diese sind auf einem Level das wenige haben.

Und zum Abschluss:

Also mach einfach das, bei wem du dich am wohlsten fühlst.

Ohne jetzt noch lange darüber diskutieren zu wollen – so mache ich es dann jetzt auch. Es wird – vorerst – keine Co-Autoren geben und auch keine Blogzusammenlegungen, wie bei den fabulösen Kollegen von miasanrot.de. Nein, ich überlege mir anhand des Feedbacks ein leicht angepasstes Format der Spieltagsvorberichte, werde weiter Weisheiten posten und zu einzelnen Themen auch weiter Stellung beziehen. So machen wir das, so gefällt es mir am besten.

Das Wichtigste für alle Breitnigge.de – Leser:

Es geht weiter!

Danke. Danke sehr, Herr Lahm

Ich bin kein Fan der deutschen Nationalmannschaft. Ich bin Fan meines Vereins. Für die Nationalmannschaft interessiere ich mich, weil sie mein Land vertritt, weil dort die besten deutschen Spieler spielen und weil es – am Ende des Tages – immer noch um Fußball geht.

Sicherlich merkwürdige Zeilen dieser Tage, wo wir doch alle weltmeisterlich begeistert sind. Oder sein sollten. Was ich auch bin. Irgendwie. Weltmeister zu werden ist schon auch irgendwie geil. Und die hinter uns liegende Weltmeisterschaft hat uns natürlich begeistert. Auch aus deutscher Sicht. Auch mich. So nach und nach halt. Turnierfan eben.

Worum es aber eigentlich geht, ist Philipp Lahm.

Herr Lahm (schließlich ist er Weltmeisterkapitän, also ‘n bißchen mehr Respekt, bitte) hat seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Für alle überraschend, nach eigener Aussage aber schon seit der gesamten im Laufe der letzten Saison geplant. Was für ein seltenes Glück für ihn, dass es auf dem Höhepunkt seiner (Nationalmannschafts)Karriere passieren konnte. Nach dieser Vielzahl von zweiten und dritten Plätzen bei all den WMs & EMs seit 2006 muss einem diese Entscheidung Respekt abnötigen, hatte er doch in Kauf genommen, als Sinnbild der “unvollendeten Generation” abgestempelt zu werden. Einerseits. Andererseits wissen wir nicht, ob er tatsächlich auch ohne WM-Titel abgetreten wäre und da die Entscheidung offenbar nach “Wembley 2013″ gereift ist, kann von “unvollendet” ja nicht zwingend die Rede sein.

Wie auch immer, sein Drehbuch erwies sich als perfekt und ich bin ihm dankbar. Aus vielen Gründen.

Dankbar – beispelhaft – für ein 1:0 gegen Costa Rica oder ein 3:2 gegen die Türkei 2008.

Dankbar für seine Qualität. Auf dem Rasen. Rechts, links, hinten, vorne, in der Mitte oder Außen. Und all dies, obwohl ich ihn nicht nur einmal in Blogbeiträgen kritisiert habe. Damals. Asche. Auf mein Haupt.

Dankbar, dass er der Generation angehörte, die beteiligt war, den deutschen Fußball nach 2000 und 2004 wieder “auferstehen” zu lassen (unter Ribbeck verlor ich erstmals ernsthaft das Interesse an der Nationalmannschaft).

Und letztlich grenzenlose Dankbarkeit, dass er ab sofort nur noch meinem, unserem Verein zur Verfügung stehen will. In den ganz offensichtlich letzten vier Jahren seiner Karriere.

Danke, Philipp Lahm. Danke für einen Abgang mit Stil und Klasse.

Paules Decima: Gastbeitrag: 10 Jahre mit einem Bayernblogger

Es war das erste Mal, dass ich so etwas getan habe. Aber was macht man nicht alles aus Liebe. Ich stellte mich also an und fragte nach einem Autogramm. “Was soll ich schreiben?” “Für Breitnigge.” Den Blick, mit dem mich Paul Breitner daraufhin anschaute, werde ich nicht vergessen.

Morgens in der Kita. Eigentlich will ich nur das Kind hinbringen, mit der Erzieherin noch kurz klären, dass K1 heute mit einem Freund nach Hause geht, während das Kind lauthals “Stern des Südens” in mein Ohr schmettert. “Hat er meiner Tochter beigebracht, finde ich super”, erzählt mir ein Vater. “Und ich wusste ja gar nicht, dass du mit Breitnigge verheiratet bist.”

Ich eigentlich auch nicht. Denn auf der Heiratsurkunde steht, ich hab extra noch einmal nachgeschaut, ein anderer Name. Obwohl er da schon unter dem Pseudonym gebloggt hat.

Wenn ich in Worte fassen soll, wie es ist, mit dem Blogger Breitnigge verbandelt zu sein, dann treffen es die beiden Beispiele am besten. Irgendwas zwischen ahnungsloser Fassungslosig- und Was-soll-das-keit und “den-les-ich-doch-den-gibt’s-in-echt?”

Ja, den gibt es in echt. Und als ich ihn kennenlernte, da war er noch kein Blogger. Allerdings schon Bayern-Fan. Von Beginn an war klar: Es gab vor mir schon eine andere Liebe. Die in Frage zu stellen, hätte bedeutet, die Beziehung in Frage zu stellen. Ich musste also lernen – und das als Fortuna-Düsseldorf-Kind – mit dem FCB zu leben. In der ersten gemeinsamen Wohnung einigten wir uns darauf, dass Devotionalien auf das Arbeitszimmer beschränkt blieben. Als ich dann soweit war, gelernt hatte, dass neben meinem Schreibtisch FCB-Schals und Mannschaftsposter hingen und dass ich mir für den Samstagnachmittag alles Mögliche vornehmen konnte, nur keine Zweisamkeit – da verwandelte sich der Mann in den Blogger.

Es war eine schleichende Verwandlung, fing an mit mal einem Bericht. Dann einem zu jedem Spiel. Statistiken, Quizfragen, Tippspielen, Layout Entwürfen, Diskussionsrunden mit Kommentatoren und und und. Und der wochenendlichen Frage: Können wir was unternehmen oder musst du noch schreiben?

Meine Geduld, eine Stärke für die ich eh bekannt bin, wurde das ein oder andere Mal… sagen wir… strapaziert. Er hat es mit Tricks probiert, ich begann also irgendwie auch zu bloggen. Und konnte den Spaß, auch wenn es bei mir nichts mit Fußball zu tun hatte, für das Hobby verstehen. Dann kamen K1 und K2. Aus Breitnigge wurde eben auch Papa. Der lernen musste, wie man mit einem schlafenden Baby auf dem Bauch ganz leise jubelt. Und dass man einen Blogbeitrag schieben muss, weil K1 Fieber oder K2 Bauchschmerzen oder die Frau extremen Schlafentzug hat.

Und Frau hat gelernt, dass – obwohl es nicht in der Heiratsurkunde steht – sie eben auch mit Breitnigge verheiratet ist. Deswegen stellt sie sich auch an, nimmt den Blick von Paul Breitner gelassen hin und lässt sich sogar mit ihm fotografieren. Sie übt mit K2 den Text von Stern des Südens, damit er mit K1 mitschmettern kann. Und wartet neugierig, wie es wohl sein wird, wenn K1 schreiben gelernt hat. Und neben Fußballer, Schauspieler, Musiker und Astronaut auch Blogger werden will.

Paules Decima: Umfrage

Was soll sich in Zukunft auf Breitnigge.de verändern? Was liegt den Lesern am meisten am Herzen?

Es ist mal wieder Zeit für eine Umfrage auf meinem Weblog. Ich brauche einfach euer Feedback um hier die Zukunft zu planen. Die Punkte der Umfrage (Mehrfachauswahl bitte gerne nutzen) sind mögliche Optionen, die ich mir über diesen langen Zeitraum der Konzeptphase überlegt habe. Tatsächlich wären inzwischen Co-Autoren auf meinem Blog eine Option für mich. Der Grund dafür ist simpel: Wenn ich es nicht mehr schaffe, regelmäßige Beiträge zu jedem Spiel zu erstellen, dann schafft(en) das vielleicht (ein) andere(r) – zukünftige(r) – Blogger, der(die) nicht nur Interesse am FC Bayern sondern auch noch “eine gute Schreibe” hat(haben).

Ich lass’ mich überraschen, ob das auch für meine Leser eine mögliche Vision für Breitnigge.de ist…

Welche Veränderungen auf Breitnigge.de sind eine Option?

  • Zusätzliche Autoren (69%, 129 Votes)
  • Beitragsstruktur: Teaser Nachbericht (35%, 66 Votes)
  • Beitragsstruktur: Weiterführende Links (Beiträge zum FCB-Spiel) (32%, 60 Votes)
  • Beitragsstruktur: Teaser Vorbericht (25%, 46 Votes)
  • Beitragsstruktur: Teaser Historie (wie bisher) (23%, 43 Votes)
  • Keine Veränderungen zum Status quo (19%, 36 Votes)
  • Reaktivierung Soziale Kanäle (Facebook, Google+ und Co.) (6%, 12 Votes)

Total Voters: 186

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P.S. Ergänzungen für weitere Veränderungen auf diesem Blog dürfen sehr gerne in die Kommentare geschrieben werden.

P.P.S. Schon jetzt kann ich erwähnen, dass ich das alte Tippspiel wieder reaktiviert habe. Allerdings komplett ohne eigene Beteiligung – ihr schafft auch das sicher ohne mich.

Paules Decima: Block-Dekade! Block-Blockade?

Wahnsinn. Immer wieder Wahnsinn, wie selektiv die doch eigentlich immer gleiche Zeit auf uns Menschen wirkt. Für mich vergeht sie oft wie im Fluge. Sowohl die Zeit meines selbstgewählten Sabbatical als auch die letzten 10 (zehn!) Jahre meines Blogger-Lebens. Der Entschluss für eine Blog-Auszeit basierte auf Gründen. Der Druck des regelmäßigen Bloggens und dann auch noch auf einem gewünschten Niveau wurde am Ende einfach zu stark. Da musste Luft aus dem Ballon. Dieses eine Jahr ist rum. Für viele Außenstehende mag sich nun die Frage aufdrängen: “Und? Geht es jetzt wieder los mit der alten Frequenz, der alten Qualität?”

Die kurze Antwort wäre einfach und schnell gegeben, sie würde aber in keinster Weise die Gedankengänge der letzten 12 Monate widerspiegeln und deshalb folgt sie erst am Ende dieses Beitrages.

Vor einigen Wochen traf ich auf eine Diskussion, die kurz zuvor auf der re:publica 14 stattgefunden hatte. Einige meiner Probleme mit dem Bloggen wurden dort besprochen und deshalb fließen einige Aspekte in meinen Beitrag mit ein.

#1 Sportblogs sind tot

Diese Hauptthese galt es zu diskutieren und ich stelle mir die Frage für mein Blog ab und an auch. Beleuchtet wurde die These mit allerlei Beispielen von geschlossenen Fußball-/Sportblogs, die mir in sehr guter Erinnerung sind, aus diversen Gründen aber nicht mehr betrieben werden. Man sezierte angeführte und zitierte Gründe für das (angebliche) Scheitern der Sportblogs in Deutschland.

Blogs über Fußball “stellen eine Nische dar”, ihnen “fehle die Akzeptanz der klassischen Medien, des eigenen Vereins” und “sie erfahren somit – zumindest auf höherer Ebene (Bundesliga 1-3) – kaum Unterstützung”. Viele Fans, bzw. Blogleser “interessierten sich ferner nicht für reine Spielberichte, wenn sie das Spiel schon selbst gesehen haben” und ganz generell “seien Fußballfans ohnehin eher nicht internet-affin”. Abschließend “hätten sich einige Blogs” (durch Sponsorenevents, -aktivitäten) “kaufen lassen und somit Vertrauen verspielt” oder eben die mangelnde “Qualität der eigenen Texte” zum Verlust an Lesern geführt.

So sehr mich diese Punkte als im Internet aktiver Mensch ansprechen und ich ihnen zumeist zustimmen möchte, so abstrakt kam mir diese Argumentation als Betreiber von Breitnigge.de vor und so wenig trifft sie konkret den Kern meiner Probleme als Blogger. Im Detail werde ich dazu in den weiteren Punkten noch Stellung beziehen, aber auf Breitnigge.de gibt es die meisten dieser Probleme nicht. Sicher habe auch ich schon an Sponsorenevents teilgenommen (mehrmals) und darüber berichtet, aber weder hat es meine Community gestört, noch habe ich dadurch Leser verloren. Letzteres mag daran gelegen haben, dass meine Beiträge darüber keine Werbung darstellten und ich in den Texten keine verdeckten Sponsorenlinks eingebunden hatte…

Nein, mir leuchtet ein, dass obige Punkte durchaus für einige andere Blogs gelten mögen, aber mein Ziel war es damals eher nicht, dass mein Verein mich beachtet, oder ich “in die (klassischen) Medien komme” – vieles davon hat sich im Laufe der Zeit vielleicht ergeben, aber die Grundlage meiner Aktivitäten war eine andere (siehe Motivation). Weshalb Breitnigge.de aus meiner Sicht nicht tot ist – auch dazu später mehr.

#2 Überleben

Als ich vor zehn Jahren mit dem Bloggen anfing, waren “wir Fußballblogger” fast unter uns. Die wenigsten hosteten ihre Weblogs selbst, die meisten bedienten sich der, wie Pilze aus den Boden sprießenden Bloghoster. So lerne man sich virtuell kennen und las sich gegenseitig. Jeder einzelne Kommentar freute jeden Blogger ganz außerordentlich. Wir dachten uns nichts dabei und bloggten, weil wir Spaß daran hatten. In der Natur der Sache (hier: Internet) liegt es aber nun, dass die Aufmerksamkeit irgendwann steigt, wenn man etwas regelmäßig und nicht allzu schlecht betreibt. Als Anhänger / Blogger eines Bundesligaverein ist das Potential an möglichen Lesern / Interessenten natürlich größer als die Reichweite beim Bloggen über ein Team aus der Kreisliga B. Somit wuchs das Thema Bloggen kontinuierlich und überstieg sicher irgendwann bei dem einen oder anderen den Hobbystatus. Die einen motiviert dies, noch mehr zu tun, die anderen entscheiden für sich, dass es nur ein Hobby bleiben soll und lassen ihr Blog vielleicht irgendwann ganz einschlafen. Alles über die Jahre nicht nur einmal passiert (Beispiele: “Königsblog”, “Fernglas FCB”).

Womit wir bei einem der größten Themen in diesem Zusammenhang angekommen wären. Es gibt an einer gewissen Stelle dieser Geschichte einen Punkt, an dem man sich entscheiden muss: Mache ich so weiter, kann ich überhaupt so weitermachen, mich dem Druck (von einem selbst oder von außen) weiterhin stellen oder muss ich etwas verändern. Oben erwähntes Königsblog von Torsten Wieland hat bis vor seiner Blogpause den Plan verfolgt, jeden Tag einen Beitrag zu veröffentlichen, ist dafür teilweise vor der Arbeit früher aufgestanden um zu bloggen. Diesem Anspruch hielt er irgendwann nicht mehr stand und beendete seine Blogaktivität. Weil er aber einige Zeit später entdeckte, dass er das Bloggen eigentlich viel zu sehr mag, fand er Mittel und Wege (nämlich einfach weniger zu bloggen), den Druck zu reduzieren. Sein Blog lebt weiterhin, als “Einzelkämpfer-Blog”.

Breitnigge.de ist auch so ein “Einzelkämpfer-Blog”. Mit den bekannten Konsequenzen. Andere Blogs – so auch der Tenor in obiger Diskussion – haben vor allem deshalb überlebt, weil es ein Team von Autoren gibt. “Fokus Fußball” sei hier erwähnt oder “Mia san rot“, die sogar als Team gestartet sind und den entsprechenden Output liefern können – für organisches, gesundes Wachstum, welches nachhaltig wirkt und keine Probleme bei den einzelnen Autoren erzeugt. Nicht jeder muss die Fehler der anderen wiederholen.

Was mir im Kopf herumschwebt, liest man eventuell zwischen diesen Zeilen…

#3 Motivation

Kommen wir also zum Thema Motivation. Die Reihenfolge mag irritieren aber die Struktur, die ich hier wähle, entspricht nicht der, wie sie die Diskussion hatte – ich versuche nur anhand der Menge an Informationen meinen roten Faden beizubehalten.

Warum bloggt man, warum blogge ich? Ich habe mit dem Bloggen eigentlich gar nicht irgendwann “angefangen”. Ich habe lediglich eine schon zuvor vorhandene Leidenschaft in ein anderes Medium, in eine größere Reichweite gehoben. Lust über Fußball zu reden hatte ich schon immer. Schon vor Blogs, vor Foren, vor dem Usenet und auch schon vor dem Internet. Diese Motivation wird nie versiegen. Ich werde immer über Fußball, über meinen Verein reden, diskutieren, streiten wollen. Und im Prinzip sind Blogs ja eine perfekte Platform um über Fußball zu diskutieren. Es gibt die Meinung des Autors, der Autoren, man kann diese konsumieren, selbst kommentieren, diskutieren, Verweise setzen, etc.

Dieses Feuer ist ungebrochen und hat auch – man denkt es sich – nichts mit meiner Blogpause zu tun. Ohne diese Motivation hätte ich den Laden hier schon längst komplett zugesperrt, den virtuellen Stecker gezogen und mich anderen Dingen gewidmet. Aber so ist es nicht und deshalb habe ich mir Gedanken über Lösungen gemacht und zusätzlich diesen Beitrag konzipiert.

#4 Monetarisierung

Geld ist immer ein schwieriges Thema. Offensichtlich. Allein, das Thema ist allgegenwärtig, denn ohne Geld für den Lebensunterhalt bleibt kein Raum für das Hobby Bloggerei. Kreativität kann man sich mit Geld nicht kaufen, aber mit Geld kann man sich z.B. die Freiheit erkaufen, sich unbelastet von den Zwängen des Alltags nur noch seinen Hobbys zu widmen. Kausalität.

In der Vergangenheit habe ich mir nicht nur einmal Gedanken über die Refinanzierung der Aufwände des Bloggens gemacht. Blutige Nasen kann man sich auch virtuell holen. Natürlich wäre es perfekt, wenn ich für oder durch Breitnigge.de Sponsoren finden würde, die mir das Bloggen finanzieren würden. Dann müsste ich nicht mehr anderweitig arbeiten gehen und könnte mich hier ausleben. Da aber Blogger nicht nur “schlecht im Marketing sind” sondern auch kaum Zeit für Akquise haben, ruht dieses Projekt der Monetarisierung.

Eventuell ist es aber ohnehin der falsche Ansatz. “Entweder 0,- Euro oder eine Vollzeitstelle” durch das eigene Bloggen erreichen zu wollen. Einige Beispiele zeigen, dass es durchaus einen Mittelweg geben kann. Erstens kann man im Rahmen eines eigenen Blogs kleinere Einnahmen erzielen, die nicht zu vernachlässigen sind. Hier mal ein Werbebanner, dort Flattr oder Paypal Spenden. Die sog. “Lousy pennies” sollte man berücksichtigen, die können einen Faktor darstellen. Ebenfalls ist es möglich, nicht mit dem Bloggen, sondern über das Bloggen an Tätigkeiten zu gelangen, die den Lebensunterhalt sichern können. Man muss es nur machen (können), Chancen nutzen.

Bevor es jemand falsch versteht, ich habe weiterhin nicht vor, an der (finanziellen) Verfügbarkeit von Breitnigge.de etwas zu verändern (wie auch, ohne Beiträge), es geht in diesem Beitrag schlicht darum, die gesamte Bandbreite der Problematik darzulegen und dazu gehört eben auch mein Alltag, der geprägt ist von Arbeit und Überstunden. Beides Zwänge eines realen Lebens, die den Freuden der virtuellen Existenz “im Wege stehen”.

#5 Community

Eine Community zu haben ist wichtig, quasi das A und O. Wer keine Leser hat, kann zwar trotzdem bloggen (so wie wir Sportblogger in der Anfangszeit), mit vielen Lesern, die zu allem Überfluss auch noch rege über die eigenen Inhalte diskutieren, sich gar eigene Themen schaffen, ist es ein Perpetuum mobile. Sebastian Fiebrig sprach von “absurd hohen Kommentaren” bei einigen Sportbloggern, die “eigentlich” Sportjournalisten sind und über das Potential ihres klassischen Mediums natürlich eine größere Reichweite erzielen können. Er nannte in diesem Zusammenhang Blogbeiträge “mit 300, 400 oder 500 Kommentaren”. Über die Aussage “absurd” musste ich ein wenig schmunzeln, denn in der Historie von Breitnigge kam es durchaus schon – aus Gründen der fehlenden neuen Beiträge oder einfach kontroverser Themen – immer mal wieder zu solch’ hohen Kommentarzahlen (Beispiel: “Es schöner Tag Geschichte zu schreiben. Schon wieder.“: 430 Kommentare). Dabei geht es mir nicht zwingend darum, wie toll man sowas finden soll, nein, ich bin nur immer wieder sprachlos, wie groß, aktiv und diskussionsfreudig meine Community ist!

Neben meinem Blog nutze ich noch Twitter und früher Facebook. Diese drei Communities waren – zu meinem größten Erstaunen – nie zwingend identisch und zumeist sehr unterschiedlich. Die wenigsten Leser nutzten alle Kanäle, vor allem die direkten Blogleser hatten mit den sozialen Kanälen oft nichts am Hut. Ungewöhnlich, aber deshalb nicht weniger schön (So oder so: Danke, übrigens, Community!).

Worauf ich hinaus will: Offenbar ist dies die Zukunft. Die Fragmentierung der Community. “Man” muss unterschiedliche Plattformen bedienen, um die eigene Blogreichweite hoch zu halten. Insofern man Wert auf Reichweite legt. Ich bin mir diesbzgl. noch nicht sicher.

#6 Zukunft

Haben sich die Blogs, die geblieben sind, entwickelt? Teilweise, würde ich sagen. Auch hier erwähnte die obige Runde, dass einige Blogger für sich andere Ausdrucksformen gefunden haben, z.B. das Podcasten. “Fehlpass“, “Collinas Erben” und “Textilvergehen” seien an dieser Stelle lobend zu erwähnen. Dem Zitat, dass “Podcasten ein Medium für die Faulen sei” muss nicht nur ich widersprechen, habe ich es doch selbst vor Jahren einmal versucht und musste dabei feststellen, dass auch die Vor- (Konzept) und Nacharbeit (Schneiden) ein gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Sicher, insgesamt vielleicht weniger, als ein 2-3 stündiger Blogbeitrag, wobei man hier noch völlig außen vor lässt, welche Aufwände ein Autor hat, wenn er nicht nur “runterschreibt” sondern ggf. zuvor noch professionelle, gar journalistische Recherche betreibt. Aber ja, natürlich ist so eine gemütliche Runde “in der Küche” oder per Skype durchaus mal schnell produziert und drückt vielleicht die Ursprungsmotivation des “über Fußball quatschen” noch am ehesten aus. Und klar, in einer “perfekten” Welt, würde ich sicher neben dem regelmäßigen Bloggen noch Podcasten – denn Spaß macht das auf jeden Fall!

Wohin sich nun Sport- / Fußballblogs im Allgemeinen und Breitnigge.de im Speziellen entwickeln werden, vermag ich hier nicht abschließend zu beurteilen, selbst wenn ich mir durchaus vorstellen könnte, in Zukunft mehr zu recherchieren, professionellere Texte zu erstellen, keine Frage. Hätte ich aber den Fokus “Reichweite und Zukunftsfähigkeit” meines Blogs in Bezug auf “den Nachwuchs”, würde ich mir, ob der Thesen und Analysen der Diskussion, ein wenig Sorgen machen. Die Fiebrigs vom Textilvergehen sprachen – für ihr Blog, für ihre Kanäle – von Zielgruppen, die ich für mich eigentlich gar nicht mehr bearbeiten wollte. Leser, Zuhörer, Interessenten kommen zunehmend nicht mehr über die klassischen Wege wie Google und Co. sondern eher über zunehmend geschlossene Systeme wie Facebook und Co.

Die “jüngere Generation” nimmt Blogs nicht mehr in der Form wahr, wie wir damit “aufgewachsen” sind. Blogbeiträge gehen im Strom der Informationen in sozialen Netzwerken unter und wer sichtbar ist / bleibt, bestimmen die Netzwerke und nicht mehr das Blogs selbst. Ob das gut oder schlecht, überlasse ich dem Urteil eines jeden selbst, aber so läuft offenbar die Entwicklung.

FAZIT

Breitnigge.de ist nicht tot. Breitnigge.de lebt durch seine Community, durch meine Beiträge, die ich auch in Zukunft schreiben werde. Aber ich werde eher keine regelmäßigen Beiträge mehr zu jedem Spiel meines, unseres FC Bayern verfassen – allenfalls wie zuletzt als Übersicht, als Stichwortgeber. Dies bleibt heute so und auch morgen. Was die ferne Zukunft bringt, wenn mein Alltag wieder ruhiger geworden ist, vermag ich jetzt noch nicht zu beurteilen. Wir werden abwarten müssen.

Darum zur Antwort auf die ganz obige Frage:

Nein, es geht jetzt nicht wieder los mit der alten Frequenz. Und die Qualität (hoffentlich) wird es vorerst nur in einzelnen Themenbeiträgen geben. Probleme lassen sich nun einmal nicht per Definition lösen. Im Gegenteil wurde die freie Zeit des Blog-Sabbatial relativ schnell mit beruflichen Anforderungen befüllt. Und nichts ist bekanntlich unkreativer als Müdigkeit, Erschöpfung oder sonstige “Lähmung” des Geistes. Es gibt heute noch nicht DIE Lösung für alle meine Nöte, aber im Rahmen einer Umfrage lasse ich euch mit entscheiden, wohin der Weg gehen soll / kann.

Nehmt an der Umfrage teil und lasst mich wissen, wie ihr euch Breitnigge.de vorstellt.

Danke an alle, die mich nun über 10 Jahre begleitet haben. Danke an meine Familie und vor allem meine Frau, die mich nicht nur als Bayern-Fan sondern auch als Bayern-Blogger aushalten muss. Ihre Unterstützung hat mir oft erst die Möglichkeit gegeben, mich an den Rechner zu setzen und meine Gedanken zum Spiel unseres FC Bayern zum virtuellen Papier zu bringen. Wie sich das so aus ihrer Sicht anfühlt, hat sie übrigens hier selbst beschrieben. Lesen, es lohnt sich.

Bis bald.

Ach, Uli #3

“Wo ist Uli?”

Eine völlig deplatzierte Frage, deren Wortwitz ohnehin nur ältere Leser verstehen, die in den 80er Jahren Skilanglauf im Fernsehen angeschaut haben. Aber was will man machen, dieser “letzte” Text über unseren Ex-Präsidenten schlummert seit Wochen in meinem Kopf und schreiben wollte ich ihn auch schon mehrmals. Jetzt halt zur WM und während Ulrich H. längst im Gefängnis die Strafe für seine millionenschwere Steuerhinterziehung “absitzt”.

Geplant war der Beitrag zu einer Zeit als der Haftantritt uns Außenstehenden noch völlig unklar war. Ich hatte – aufgrund besagter TV-Prägung – in diesen Tagen immer wieder dieses Zitat im Ohr. Wo ist Hoeneß eigentlich, wann muss er denn jetzt endlich ins Gefängnis? Nun, es gibt gesetzliche Fristen, vorgeschriebene Verfahren und eben auch das Recht, dass ein Verurteilter Einspruch gegen seine Haftanstalt einlegen kann. Diesen Einspruch hatte Hoeneß eingelegt, da er Sorgen hat(te), dass die mediale Aufmerksamkeit, die seine Person per se (woran er nicht so ganz unschuldig war und ist) ein Klima in der Haft schaffen könnte, in der seine Privatsphäre gestört, “ausgeschlachtet” werden könnte. Ich bin kein Jurist, aber so ähnlich war wohl die Gemengelage. Wer würde diesen Befürchtungen widersprechen wollen. Tatsächlich kann ich mir vorstellen, dass es Springer irgendwann schafft, Bilder von Hoeneß aus dem Knast zu publizieren. Zu abwegig? Lassen wir uns einfach mal überraschen.

In diese Gedanken, diese Blogbeitragvorüberlegungen, platzten an einem Donnerstagabend im Mai die Gerüchte, dass dieser Einspruch wohl abgelehnt worden sei und er seine Haft unmittelbar anzutreten habe. Dass Hoeneß am folgenden Freitag nicht wirklich antrat lag – ebenfalls gerüchteweise – daran, dass aufgrund eines Brückentages nicht genug JVA-Personal vorhanden war. Auch diesem Gerücht kann man eine gewisse Wildheit nicht absprechen, aber im Laufe der “Story Uli Hoeneß” habe ich mir angewöhnt, solchen Dingen eher zu glauben als vor dieser Zeit. Diese Geschichte hat mit uns allen was gemacht.

Der Steuersünder Ulrich H. trat dann am folgen Montag seine Haft an, begleitet von einer gewissen medialen Aufmerksamkeit. Einer Aufmerksamkeit, die ich weitestgehend filtern konnte, aber meine sozialen Kanäle enthielten trotzdem noch mehr als genug davon. Ich hielt es aus. Vor allem weil ich hoffte, dass irgendwann jeder Witz und jeder lustige Spruch zum Thema gebracht war. Von jedem. Und auf die WM eben. Die verdrängt per se alles andere aus den Schlagzeilen. Kalkül von Hoeneß? Wer weiß das schon, mir wäre es ohnehin zunehmend egaler gewesen. Diese Einschätzung kann man mit Fug und Recht als den Endpunkt einer Entwicklung beschreiben.

Dies ist mein dritter konkreter Blogbeitrag zum Thema “Uli Hoeneß, der Steuersünder”. Jeder Beitrag spiegelt einen Zeitpunkt, einen Standpunkt, einen persönlichen Zustand wider.

Seit dem letzten Beitrag ist nun wieder einiges passiert, welches meine Meinung prägte und auch wenn viele ob eines weiteren Hoeneß-Berichtes gelangweilt sein mögen, mir ist es wichtig diese Zeilen zu schreiben. Weil Blogger grundsätzlich ein chronisches Mitteilungsbedürfnis haben und dies für mich einen noch offenen Abschluss darstellt. Nicht weil ich Uli “verstoße” oder mit ihm “abschließe”, sondern weil es für die nächsten Monate, Jahre einfach nix Neues, Weiteres zu berichten gibt.

Er sitzt ein und dies mindestens für die nächsten 10 Monate “geschlossen”. Punkt. Die, dieser Aussage zugrunde liegende Berechnung dürfte bekannt sein (Verkürzung Strafe aufgrund guter Führung (2/3), offener Vollzug frühestens 18 Monate vor Ende Haftstrafe). Zu den Dingen, die zuletzt passierten nehme ich wie folgt Stellung.

Sein Rücktritt nach Verurteilung erforderte formale Änderung auf Positionen im Verein. Zur außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang Mai trat ich bewusst die Reise an und nahm – zum ersten Mal in 23 Jahren Mitgliedschaft im FC Bayern München e.V. – mein Wahlrecht in Anspruch.

Viele, die mich rund um diese München Reise ansprachen, frugen mich im zweiten Satz, weshalb ich denn ohne Heimspiel der Bayern nach München reisen würde – “tatsächlich nur für die aoMV?” “Ja. Und für meine Münchner und sonstigen FCB Freunde, die ebenfalls anwesend sein würden.”

Zugegeben, die Beweggründe lagen doch etwas länger zurück, denn die letzte (ordentliche) Jahreshauptversammlung, die – nach Aussage von Augen- und Ohrenzeugen – noch emotionaler und lauter war, als diese aoMV, enthielt ja auch die Ankündigung Hoeneß’, dass “er nach dem Gerichtsverfahren sein Schicksal in unsere Hände legen würde”. Er also ein Votum der Vereinsmitglieder über den Fortbestand seiner Amtszeit durchführen lassen wollte.

Schon als ich im letzten Herbst von dieser Ankündigung hörte war ich irritiert. Weil ich es unpassend fand. Aber ich empfand es ja auch als unpassend, dass Hoeneß nicht schon bei Bekanntwerden der Gerüchte, beim Beginn der staatsanwaltlichen Ermittlungen oder aller spätestens bei Anklageerhebung von seinen Ämtern zurücktrat oder sie zumindest ruhen ließe. Gut, seine Entscheidung, aber gut finden muss ich das nicht. Also entschloss ich mich, dass ich zu einer solchen Veranstaltung anreisen würde und… gegen Hoeneß stimmen würde. Es kam anders. Ganz anders als es wohl Hoeneß selbst dachte, als er obige Ankündigung machte. Seine Einschätzung des Ausgangs des Prozesses und seine anschließende Überraschung sind ja inzwischen verbrieft.

Die Veranstaltung selbst übertraf meine schlimmsten Befürchtungen. Auch wenn es surreal war, einerseits echte Empathie zu empfinden, als Hoeneß berichtete, was seine Familie durch machen musste, schließlich habe ich selbst Familie und kann nachempfinden, wie das wohl sein müsse, derlei zu erleben. Einerseits.

Andererseits war Hoeneß Zeit seines Lebens ein Medienmensch, der eben diese immer wieder für seine Zwecke eingesetzt hat und nach meinem Verständnis von Logik und Kausalität ist es problematisch, dass man sich “über diese Medien” beschwert, wenn man sich ansonsten gerne ihrer Dienste (und Methoden?) bedient hat. Ein Thema (In dem Kontext: Warum dann am Tag des Haftantritt noch ein Interview mit der BILD, Uli?).

Ein ganz anderes Thema ist das Weltbild eines Uli Hoeneß. Seine Worte auf der aoMV (“Hass”) haben mir einen Menschen gezeigt, der mir – im Laufe dieses Verfahrens – zunehmend fremder geworden ist. Nichts vom “alten” Ex-Bayern-Manager ist vergessen, seine Leistungen rund um unseren Verein bleiben unvergessen. Aber ihm, der ja dieses Argument explizit im Prozess angeführt hat, hätte das Leben des Wortes “Demut” gut zu Gesicht gestanden. Auch für seine Zeit im und vor allem nach der Haftstrafe.

In persönlichen Gesprächen und auch digital habe ich ausgeführt, dass ich schon nicht verstehen konnte, dass Hoeneß überhaupt auf dieser Veranstaltung anwesend war, geschweige denn reden wollte und zu allem Überfluss diese Rede noch für eine Generalabrechnung mit den Medien nutzte und Journalisten, die über ihn (Bücher) schreiben, “Geldgeilheit” vorwirft. Er, der Steuerhinterzieher, der Zocker. Da musste ich dann doch schmunzeln.

Sicher, ich kann ihn total verstehen. Wenn ich mich in ihn und seine Lage hinein versetze. Dann erscheint vieles logisch und konsequent. Aber meins ist es trotzdem nicht. Er hat gegen Gesetze verstoßen, er muss dafür seine Strafe absitzen und ich hoffe für ihn, dass er aus dieser Zeit auch etwas lernt. Die Sichtweise nämlich, dass er wirklich sein Unrecht eingesehen hat und nicht mehr nur als “Fehler” sieht.

Wir Bayernfans werden sicher noch einige Zeit den einen oder anderen UH-Witz hören müssen. Folklore. Er selbst hingegen muss aber tatsächlich durch die Haft durch und ich hoffe für ihn, dass er das erstens gut schafft und zweitens nach seiner Haft auch in Teilen seines – oben beschriebenen – Weltbildes eine Korrektur erfahren hat. Und nicht eher “bedrohlich” auf das Ende seiner JVA-Zeit hinfiebert, um es “draußen” noch einmal “Allen zu zeigen”. Oder wie sonst sollte man seine Aussagen “es ist noch nicht das Ende” interpretieren?

Ob Hoeneß nach seiner Entlassung als freier Mann wieder zum FC Bayern zurückkehren soll / muss / darf, vermag ich jetzt noch nicht zu bewerten. Ich mach’ jetzt erst einmal Pause. Mit Uli. Und seiner Story.

Mach’s gut, Uli. Alles Gute für Dich und Deine Familie!