Bayerische Verzerrung oder Befreiende Kritik

Verrückt. Da spielt unser FC Bayern eine Saison der Rekorde, krönt diese mit dem erstmaligen Triple-Gewinn einer deutschen (Herren-) Fußballmannschaft und schickt sich nun an, nicht nur die zuvorigen Rekorde weiter auszubauen, nein, wir haben gar gute Chancen, den Triple-Gewinn zu wiederholen. Und was passiert?

Wie aus dem Nichts, kommt verloren geglaubte Unsicherheit, Fehlbarkeit und Nervosität zurück. Wie gesagt, verrückt. Aber der Reihe nach.

Der FC Bayern ist Ende März 2014 der früheste Deutsche Meister aller Zeiten. Dieser Umstand ist so unfassbar, dass wir es sicher erst mit einigem Abstand realisieren und vollends wert schätzen werden können. Der FC Bayern hat über mehr als 50 Spiele eine Serie ohne Niederlagen und überwiegend Siegen in die Geschichtsbücher gebrannt. Der FC Bayern hat dafür hart gearbeitet und auf dem Weg dorthin vieles gut und manches wunderschön gemacht.

Der FC Bayern war aber nicht der einzig Verantwortliche für diesen Erfolg und diese Serie. Auch seine Konkurrenz hatte daran ihren Anteil. Auch die Punktverluste von Dortmund, Schalke, Leverkusen und Co. in all den Nicht-Bayern-Spielen haben uns diesen frühen Triumph beschert. Wir hätten so viel dominieren und kantersiegen können, wie wir wollen, hätte Dortmund ansonsten ähnlich gepunktet wie noch 2010-12, die Meisterschaft wäre erst am 31., 32. Spieltag entschieden gewesen. Spanische Verhältnisse.

Übertreiben verdeutlicht.

Apropos übertreiben. Ich bin immer noch nervös. Rund um die Spiele meines geliebten (sic!) Vereins. Allein, seit dieser Saison bin ich über die Serie etwas ruhiger geworden. Stichwort: #Pepknowsbest. Unser Trainer vermochte uns das Gefühl zu vermitteln, dass er ständig alles im Griff hat und nur an einem kleinen Rad hier und da drehen musste, um alles gut werden zu lassen (Hinweis für später: Ich glaube dies immer noch).

Es ist eine sehr menschliche Verhaltensweise, dass sich Superlative irgendwann abnutzen. Ich freue mich über jeden Sieg meines Vereins, je höher, desto besser, aber ich gebe zu, dass es evtl. doch einen Unterschied macht, ob es das erste 6:0 ist, oder sich Kantersieg an Kantersieg reiht.

Der Bogen zu meinem Punkt ergibt sich, dass dem FC Bayern in dieser Rückrunde irgendwann die Kantersiege ausgingen. Unmerklich, aber doch auffallend. Der Serie und dem beeindruckenden Weg zur Meisterschaft der noch größeren Rekorde, tat dieser Umstand keinen Abbruch. Siehe Niederlagen der Konkurrenz.

Fakt bleibt, dass zwar die Sicherheit der “irgendwann-schlagen-wir-doch-noch-zu-und-wir-gewinnen”-Spiele blieb, wir aber doch ab und an in Rückstand gerieten. Es wurde anstrengender und wieso soll ich nicht darüber offen reden, dass ich durchaus auch den Gedanken freien Lauf lasse, dass unser Pep-Spiel die gleichen Symptome aufweist, wie der Matchplan des schwarz-gelben Klopp: Verschleiß.

Es sei, wie es ist. Viele Fußball-Fans in diesem Land, die es nicht mit dem FC Bayern halten, mögen in ihrer Abneigung gegen uns im Laufe der medialen Überhöhung ebenfalls eine Zunahme verspürt haben. Auch hier vermag ich Verständnis nicht komplett von mir zu weisen.

Was ist aber nun mein Punkt?

Es ist alles aus. Aus und vorbei. Die Serie der Bundesliga-Spiele ohne Niederlage. Nach 53(!) Spielen. Die Leichtigkeit des Seins. Die Zurückhaltung der Kritiker. Die Zurückhaltung dieser Abneigung muss geschmerzt haben. Natürlich. Aber die Kritik war nicht opportun, sie passte nicht in den Zeitgeist. Seit dem gestrigen Spiel der Bayern in Augsburg ist dies anders. Der FC Bayern hätte Eingriff genommen. In die sportlichen Entscheidungen der Fußball-Bundesliga. Der FC Bayern hat – im Sandwich der Championsleague-Viertelfinal-Spiele gegen Manchester United – gegen Augsburg eine Startelf gewählt, die viele als unfair und wettbewerbsverzerrend empfunden haben. Es war die Rede von 4.-Liga-Amateurspielern und Bankdrückern. Es war die Rede davon, dass wir gegen Mainz in voller Besetzung gewonnen und gegen Augsburg mit der Reserve der Reserve untergegangen sind und somit (in diesem Fall) das Rennen um die Europa-League-Plätze beeinflusst hätten.

Wenn wir hier einmal den suggerierten Hintergedanken der Absicht außen vor lassen, dann sind diese Vorwürfe nicht zwingend von der Hand zu weisen. Warum sollte ich das abstreiten?

Fakt ist aber: Natürlich wollte weder der FC Bayern, noch sein Trainer und auch kein einziger Spieler dieses Spiel verlieren. Unser Verein ist weder von der Wettmafia unterwandert, noch befinden wir uns in der Saison 1971/72.

Guardiola wollte lediglich mit Hinblick auf das – unerwartet – spannende Championsleague-Viertelfinal-Rückspiel am Mittwoch gegen Manchester ein paar Leistungsträger schonen und vor Verletzungen bewahren. Diese Verhaltensweise ist ebenso verständlich wie nicht neu. Nicht bei Pep, dem FC Bayern und auch nicht bei allen anderen Mannschaften, die eine diesbezügliche Mehrfachbelastung ausgleichen müssen.

Das ist keine Entschuldigung, dies ist allein die Beschreibung einer Notwendigkeit. Macht du sowas nicht, geht dir am Ende der Sprit aus. Wäre am Ende vielleicht der BVB 2013 Championsleague-Sieger geworden? Mit mehr Rotationsoptionen? Wir werden es eher nicht erfahren. Genauso wenig wie wir erfahren werden, ob ein FC Bayern mit weniger Rotation gestern in Augsburg gewonnen hätte. Wahrscheinlicher? Aber auch sicher?!

Schon in der Vergangenheit waren Spiele rund um Championsleague-Spiele für den FC Bayern schwierig. Egal mit welcher Aufstellung. Hätte Dortmund & Co. weniger Punkte liegen lassen, wären wir zurzeit sicher noch kein sicherer Meister und benötigten noch jeden Punkt. Wäre es somit für Lahm, Robben, Ribery, Müller, Götze, Alaba & Co. einfacher gewesen, sich für das Spiel in Augsburg zu motivieren, wenn man nur Manchester im Hinterkopf hat?

Das ist mir alles zu viel Boulevard, zu viel “die Bayern sind doof”.

Wer mich kennt, weiß, dass ich aus meinem Herzen selten eine Mördergrube mache. Tradition verpflichtet.

Vor dem Manchester-Hinspiel war ich relativ ruhig. Siehe oben. Frohen Mutes, dass das 3:3 gegen Hoffenheim doch für etwas gut gewesen sein musste. Die einzige kleine schwarze Stelle war die Verletzung Thiagos. Als fehlende zusätzliche Option. Um Kroos & Co. Feuer unterm Hintern zu machen. Das schaffen die auch ohne ihn, war mein Grundgefühl. Das Gefühl sollte sich verändern.

Der übliche Handball-Fußball beunruhigte mich zunächst noch nicht. Ging zuvor ja auch immer gut aus. Die Konterchancen, die zumeist Spitz-auf-Knopf für uns verliefen, verschlechterten meine Stimmung nicht nachhaltig. Der Schweinsteiger-Ausgleich und die eingebettete Drangphase ließen die Zweifel verschwinden. Die gelbe Karte und somit feststehende Sperre im Rückspiel für Martinez hatte ich ja im Hinblick auf ein mögliches Halbfinale fast erhofft. Aber das mit dem Fell und dem Bären kam dann spätestens mit dem Platzverweis für Schweinsteiger.

Urplötzlich veränderte sich alles.

Die Zuversicht, dass im Rückspiel locker nach Hause zu bringen schwand, die Sorge ob eines Mittelfeldes ohne Thiago, Schweinsteiger & Martinez stieg stündlich an. Sofort musste ich an das Spiel in Augsburg denken. Und vor allem an alle anderen Spiele gegen Augsburg. Die beinharte Spielweise des FCA, das ständige Lamentieren gegenüber dem Schiedsrichter, die versuchte Beeinflussung des Mann in Schwarz. Uff. Was würde es für #FCBMUFC bedeuten, wenn sich jetzt auch noch ein Rafinha (war da nicht was im Pokalspiel dort im Dezember?) oder Alaba oder Robben oder oder verletzen?

Welch eine Ironie des Schicksals, dass Augsburg im ersten Spiel gegen uns komplett ohne diese negativen Verhaltensweisen erstmalig als Sieger vom Platz geht…

Kurz gesagt: Spontan und direkt nach #MUFCFCB hatte ich auf eine Aufstellung wie gestern gehofft. Als ich am Samstag um 14:30 dann tatsächlich davon las, hatte sich erstens meine Aufregung, meine Sorge von Dienstagnacht schon wieder beruhigt und hatte ich – spontan und wir wollen ja bei der Wahrheit bleiben – den Gedanken: “Puh, Pep, ob Du es da vielleicht nicht doch ein wenig übertreibst?”

Bevor nun aber die Bayern-Kritiker ob dieses Geständnisses in Jubel ausbrechen, will ich direkt einen differenzierten Blick auf ein paar Aspekte werfen.

Erstens sind doch alle immer so begeistert, ob der Einbindung von Jugendspielern beim FC Bayern. Wo kamen denn Lahm, Müller, Schweinsteiger, Badstuber, Alaba & Co. her? Aus der Jugend des FC Bayern. Jungen Spielern muss man Zeit geben. Und Spiele. Sonst wird das nix. Ist das nicht auch immer ein Vorwurf? An uns? An andere?! Wir sind Meister. Wann, wenn nicht in einer solchen Situation, kann man solch jungen Spielern eine Chance geben? Außenstehende kannten Ylli Sallahi nicht? Klar, ich auch nicht. Aber Diego Contento – erste Vertretung für David Alaba – ist nun einmal verletzt. Schlecht hat Sallahi sicher nicht gespielt (gemessen an unserer Erwartungshaltung), Pep wechselte hier trotzdem Mitte des Spiels die 1a-Besetzung Alaba ein. Mitchel Weiser gehört übrigens dem Profikader an und hat am Samstag – insgesamt – tatsächlich nicht zwingend enttäuscht, auch wenn ich während des Re-Live den Eindruck hatte und er das Gegentor durch seinen Fehler einleitete. Die zweite Halbzeit war besser als die erste. Wer davon abgesehen Pierre-Emile Højbjerg noch nicht kennt, lebt bezüglich des FC Bayern ohnehin hinter dem Mond.

Für Details zu diesen Spielern empfehle ich die Lektüre von Leuten, die sich damit auskennen.

Zweitens wäre es doch eigentlich zu einfach, die Niederlage allein an diesen drei jungen Spielern festzumachen, oder? Da waren immer noch acht andere Top-Spieler auf dem Platz, die mit dem Anspruch des modernen FC Bayern eine Mannschaft wie den FC Augsburg – bei allem Respekt – schlagen können müssen.

Neuer – Weiser, Van Buyten, Martinez, Sallahi (51. Alaba) – Kroos, Schweinsteiger – Shaqiri (46. Götze), Pizarro (62. Müller), Højbjerg – Mandzukic

Jetzt mal ehrlich: Diese Spieler verzerren den Wettbewerb? Muss ich die Marktwerte dieser Spieler zusammenrechnen? Und wo sind plötzlich die Lobeshymnen geblieben, dass es beim FC Bayern überhaupt gar keine “Stammspieler” gäbe? Plötzlich sind Van Buyten, Shaqiri, Pizarro “Bankdrücker” und z.B. Højbjerg, der beste Spieler von FCB II, der in HZ2 zentral zeigte, was er drauf hat, nur noch ein “Jugendspieler”? Ist klar.

Drittens hatte dieses so “verzerrende” Team in der zweiten Halbzeit genügend Chancen das Spiel mindestens ausgeglichen zu gestalten. Ein 1:1 wäre genauso möglich gewesen wie ein 2:1 oder 2:2. Würden wir dann überhaupt diskutieren?

Viertens finde ich es mehr als belustigend, wer nun alles eine Meinung zur Startelf des FC Bayern gegen Augsburg hat. Armin Veh zum Beispiel.

Natürlich kann man gegen Augsburg verlieren. Aber wenn ich mir die Aufstellung ansehe, muss ich schon sagen, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Wenn man das gegen Mannschaften macht, die um die Europa-League-Plätze oder gegen den Abstieg spielen, und du schenkst nur ab, dann finde ich das nicht gut.

Für die Älteren unter uns, Herr Veh ist der Trainer, der dank seiner Aufstellung das Spiel seiner Frankfurter Eintracht in München “abgeschenkt” hatte.

“Die Bayern spielen in einer anderen Liga”, sagt Frankfurts Trainer Armin Veh und denkt bei Aufstellung und Einstellung schon an das nächste Spiel am Samstag darauf gegen Eintracht Braunschweig. In München wird es nur darum gehen, einigermaßen ungeschoren vom Platz zu kommen. Vehs Aussage, “ich möchte trotzdem gewinnen”, ist nur der Pflicht gegenüber den eigenen Fans und der Verantwortung gegenüber der Liga geschuldet, die Flinte nicht schon vorher ins Korn zu werfen. Der Glaube daran aber ist bei keinem Frankfurter besonders ausgeprägt.

Noch Fragen?

Fünftens wurde heute medial der Einwurf getätigt, “der FC Bayern möge nie am Ende der Saison mal auf andere angewiesen sein”. Wer dies gesagt hat (Bremens Dutt), muss an selektiven Erinnerungslücken leiden. Oder einfach die Gnade der späten Geburt besitzen. Beides kann bei Herrn Dutt nicht vorliegen und dass ausgerechnet von einem Bremer Trainer solch eine Aussage kommt, hat schon ein gewisses Geschmäckle. Außenstehenden seien hier Bremer Meisterschaften und einzelne Spiele gegen Hamburger Erzrivalen kurz vor Saisonende als Beleg-Exemplare ans Herz gelegt.

Sechstens. Was heißt hier überhaupt Rotation?

Starke – Rafinha, van Buyten, Dante, Contento – Thiago (25. Lahm), Schweinsteiger – M. Götze (46. Mandzukic), Shaqiri, Ribery (76. Robben) – Pizarro

Von dieser Aufstellung vom vorletzten Spiel sind inzwischen Starke & Contento & Thiago & Shaqiri verletzt. Die oben beschriebenen Sorge und Nöte sind also nicht mehr nur Gefasel, sie sind real und könnten, wenn sie sich ausweiten, zu einem echten Problem werden. Wir werden, sollte sich derlei fortsetzen, ganz von selbst und aus völliger Kader-Notwendigkeit, “Verzerrungs”-Spieler auf dem Rasen sehen müssen. Schwarzmalerei? Vielleicht. Oder besser: Hoffentlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man derlei Aufstellungen kritisieren kann, sie für mich aber nicht die angebotene Schärfe rechtfertigen. Ihren Sinn hat diese Kritik und die anschließende Diskussion aber imho erfüllt:

Die Kritisierer konnten sich mit ihrer Kritik ebenso “befreien” von der ungeliebten “Schönmalerei” rund um den FC Bayern, wie Leute wie ich sich durch solche Antworten wie diese erleichterten.

Am Mittwoch erreichen wir dann das Halbfinale und alles löst sich in Luft auf. Schaun mer mal.

Ach, Uli #2 oder Stunde Null

Nicht, dass ich es nicht schon vorher gewusst hätte, wie das so ist, wenn Journalisten oder Schriftsteller oder eben Blogger vor dem weißen Screen sitzen und es nicht fließen will. Schließlich war und ist dies einer der vielen Gründe für mein Blog-Sabbatical.

Aber selbst, wenn ich geordnete Gedanken zur Akte Hoeneß in diesen wilden Tagen gehabt hätte (was ich selbst beim Schreiben dieser Zeilen noch nicht habe) – ich hätte diese Gedanken in dieser Woche viermal verworfen und von vorne angefangen.

Da war die Motivation, etwas zum Prozessauftakt, der Anklage der Staatsanwaltschaft und zur Erhöhung der Steuerschuld – durch Hoeneß selbst – zu Screen zu bringen. Montags. Da war die Sprachlosigkeit über die weiter explodierenden Summen und die aufkommende Wut über unseren Präsidenten, dass er augenscheinlich immer noch nicht vollständig realitätsnah agierte. Dienstags. Da war die Verwirrung, dass es eventuell doch nicht so schlecht für ihn ausgehen könnte, da die Zwischen-Endsumme in der Selbstanzeige genannt war und der ominöse USB-Stick doch kein Belastungszeuge gegen ihn wurde. Mittwochs. Da waren die Plädoyers, die entgegengesetzter nicht sein konnten und da war das Urteil, mit dem viele inzwischen rechneten, dessen Gewissheit aber für uns (Bayernfans) alle epochale Bedeutung bekam. Hoeneß verurteilt. Zur Freiheitsstrafe. Abschließend die Aussicht auf weitere Monate der Hängepartien, der Häme, Hetze, Polarisierung, der Talkshows, Springerschlagzeilen. Schaudern, ob dieser Perspektive. Donnerstags.

Und dann, dann der Freitag, als Ulrich, genannt Uli Hoeneß die Strafe akzeptierte, wenigstens am Ende scheinbare Reue zeigte und nun vor einem Entzug seiner Freiheit steht. Punkt.

Wir lassen all die Nebentöne mal weg, dass die Stellungnahme ja überhöht wäre, er sich schon wieder selbst – ein letztes Mal – in den Mittelpunkt stellt und allein das Unvermeidliche als seine aktive Handlung darstellt (so die Überzeugung vieler Außenstehender). Wir reden hier mal nur über uns oder über mich.

Ich habe gerade noch einmal bisherige Beiträge zum Thema quergelesen und musste feststellen, dass ich mich an vielen Punkten nur wiederholen würde. Ich will dies nicht tun, werde stattdessen am Ende dieses Beitrages darauf verweisen. Nur ein einziges Zitat will ich nutzen, um hier drumherum ein wenig Einschätzung abzugeben:

All das ist schwere Kost für mich. Ich bin im vierten Jahrzehnt Fan des FC Bayern und ich lasse einen Uli Hoeneß nicht fallen. Nicht nach nur einem Tag dieser Meldungen. Ich würde ihn auch nach einer Verurteilung nicht fallen lassen, denn derlei ist ja auch immer sein Credo gewesen. Eine endgültige Bewertung dieser Geschichte sollten wir uns alle bis zum Ende aufbewahren. Aber mein Fan-Dasein würde sich verändern. Mehr noch als es sich ohnehin verändert hätte, wenn er so oder so in wenigen Jahren von der großen Bühne abgetreten wäre.

Mein Fan-Sein würde sich verändern, habe ich dies tatsächlich vor einem Jahr geschrieben? Nun, wir befinden uns faktisch in dieser – damals nur schwer vorstellbaren – Situation, dass Hoeneß tatsächlich in die JVA einzieht. Ich kann also nun endgültig bewerten, was dies mit mir macht.

Es ist merkwürdig, aber ich war heute, als ich die Meldungen vom Verzicht auf Revision (Status einer möglichen Revision durch die Staatsanwaltschaft ausblendend) durch Hoeneß las, berührt. Die normative Kraft des Faktischen trieb mir Tränen in die Augen. Es kam nicht “zum Äußersten”, aber es ging mir nahe, wie auch anders, bei einer Person, die fast mein ganzes fußballerisches Leben der Fixpunkt im Verein meines Herzens war. Welcher Fan würde dies für eine diesbezügliche Konstellation in seinem Verein ausschließen wollen?

Vor dem Prozess war, und auch jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, ist dieses Gefühl abgeschwächter. Warum ist das so? Weil uns dieses Thema über einen solch langen Zeitraum begleitete, wir deshalb regelrecht emotional abgestumpft sind? Nein, weil Hoeneß nicht mehr der Hoeneß war und ist, der er früher einmal war. Der FC Bayern ist nicht mehr allein Uli Hoeneß. Er hat, allein aus biologischen Gründen, sein Feld bestellt, seine Nachfolge geregelt. Seine Positionen sind nachbesetzt. Nicht von allen Funktionären fällt mir spontan der Name ein, aber so ist der moderne Fußball und nur so kann es (offenbar) bei dieser Größenordnung funktionieren. Abteilung Attacke findet heute nicht mehr zwingend vor den Mikros sondern eher auf dem Rasen statt. Betrachten wir die aktuellen Erfolge – wer sind wir Bayern-Fans, diese neue Philosophie zu kritisieren?

Man kann Hoeneß vieles vorwerfen – in Sachen Zockerei, Selbstanzeige, Prozess. Naivität zum Beispiel. In Bezug auf die Zukunft des – seines – FC Bayern gehört(e) Naivität sicher nicht zu seinem Portfolio. Gut so. Und all die üblichen Verdächtigen, die ob der “Hoeneß-Affäre” ein Ausstrahlen auf den ungeliebten Münchner Großverein erhofft hatten, müssen wir offensichtlich enttäuschen. Was haben wir seit Bekanntwerden der Selbstanzeige gewonnen? Alles. Schlichtweg alles. Das (-> Hoeneß’ Einfluss) ist in so viele Richtungen anders als es noch vor 10, 20 Jahren gewesen wäre. Meiner Meinung nach. Schlecht für 80er-Nostalgiker, gut für den FC Bayern. Wer mir jetzt vorwirft, ich würde ob dieser Worte Hoeneß “fallen lassen”, dem kann ich nicht helfen.

Ich kann und konnte mir nicht vorstellen, dass es Verbindungen zwischen Ulis Zockerei und Finanzen des FC Bayern gab. Soweit ich es verstanden habe, haben die Ermittlungsbehörden derlei im Rahmen der Anklage auch nicht gefunden. Die obige Zielgruppe wird einwenden, dass ja sicher nicht alles untersucht und jeder Stein umgedreht wurde. Sicher. Aber wer will nach diesem Prozess und diesem Urteil von einem Deal oder Promi-Bonus reden? Eben. Und das ist das Gute im Schlechten.

Apropos unerträglich.

Dieser Prozess erzeugte ein Echo, wie es wohl selten zuvor eins gab. So auf jeden Fall der Eindruck. Nicht nur bei mir. Ich ahnte dies und traf Vorkehrungen. Die von mir so arg geliebten sozialen Kanäle wurden neu strukturiert und auf die erwiesenen rationalen Befüller reduziert. Dies rettete meine Woche und lieferte mir sogar Analysen aus erster Hand. Im Bilde war ich die meiste Zeit in den letzten Tagen. Danke an alle, die ihre Emotionen im Griff hatten.

Andere hatten da weitaus größere Probleme. Schlimm. In erster Linie sind hier Radikal-Ulianer ebenso gemeint wie all die Hobby-Juristen und hauptberuflichen Hoeneß-Gegner (Fäkalsprache bewusst gestrichen). Ich kann mit beiden Richtungen nichts anfangen. Über Hater müssen wir nicht reden, aber auch mit komplett unkritischen und undifferenzierten Hoeneß-Verteidigern kann ich nur schwer umgehen. Wie (in anderen Beiträgen) erwähnt, ich bin weit davon entfernt ihn zu verstoßen. Er hat gegen Gesetze verstoßen und dies nicht zu knapp. Er muss, dies hat sein Richter entschieden, dafür ins Gefängnis. Sein bisheriges Leben ist ab sofort beendet. All dem stimme ich zu. Und seine Schuld wird auch nicht geringer, weil andere Schuldige schuldiger sind. Was soll ich mit Vergleichen mit Kinderschändern anfangen? Es wird sich immer ein Vergleich finden, der ins eigene Weltbild passt. Was sind 28,4 Mio. Euro im Vergleich zu den Verlusten, die der Berliner Flughafen täglich anhäuft?

Was soll das, ist Hoeneß deshalb weniger schuld? Lasst mich damit in Ruhe.

Kümmert euch lieber darum, dass die anderen Missstände in diesem Land ebenfalls(!) verschwinden. Geht wählen, wählt Parteien, die sich gegen Korruption aussprechen, Gesetze erlassen, die Kinderschänder härter bestrafen als Steuerhinterzieher. Wählt Herrn Wowereit ab. Kauft keine Springer-Erzeugnisse mehr, dann müsst ihr weniger debile Schlagzeilen lesen. Unternehmt etwas, werdet aktiv, gründet Parteien, demonstriert. Eure “Kritik” vom Sofa aus werde ich aber auch in Zukunft ignorieren. Danke. Bitte.

Wie geht es jetzt weiter?

Der FC Bayern ist zwar imho – wie oben beschrieben – von Hoeneß in den letzten Jahren gut aufgestellt worden, aber tatsächlich befinden wir uns doch jetzt in der Stunde Null, oder?

Heute trat er von allen Ämtern zurück. Wenig später wurden die Interims-Nachfolger benannt. Hainer wird neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates, Hopfner in den Präsidialausschuss des Aufsichtsrates gewählt worden. In der Hektik dieser Stunden und Tage haben einige die Pressemitteilung des FC Bayern unvollständig gelesen, denn Hopfner ist tatsächlich NICHT zum neuen Präsidenten des FC Bayern e.V. geworden. Dieser Posten ist aktuell unbesetzt. Ferner gibt es Hinweise, dass in einer solchen Situation eine außerordentlichen Jahreshauptversammlung einberufen werden muss. Und zwar innerhalb von vier Wochen. Ich bin gespannt und warte auf Post von der Mitgliederverwaltung. Seit Jahren trage ich den Gedanken in mir, allein für eine JHV nach München zu reisen. Für mich hat all das nun auch für den Verein historische Dimensionen. Nicht mehr nur in Bezug auf die Mannschaft, Pep & Co.

(UPDATE: Inzwischen hat der FC Bayern eine weitere PM publiziert. Der Verwaltungsrat schlägt Hopfner für das Präsidentenamt des FCB e.V. vor. Gewählt werden soll er auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 02.05.2014, 19:00 im Audi Dome in München. Einladungen per Bayern-Magazin oder per Post, falls BM abbestellt. BTW: Erwähnte vier Wochen beziehen sich auf Einberufung / Einladung der/zur MV – die MV selbst kann später stattfinden. Eintritt sollte – wie immer – mit gültigem Mitgliedsausweis möglich sein.)

Den ersten Präsidenten meines FC Bayern nach Uli Hoeneß will ich mit wählen. Dem Ex-Präsidenten wünsche ich für seine Zukunft alles Gute und eine gute Resozialisierung. Klingt komisch, aber er ist inzwischen in viele Richtungen nur noch “Ex” und für einige Zeit (je nach Spekulation zwischen “ein paar Monaten” und 3,5 Jahren) eher am Rande der Gesellschaft. Wie jeder andere verurteilte Straftäter auch. Weil wir aber – zum Glück – in einem Rechtsstaat leben, muss Hoeneß nicht den Rest seines Lebens, sondern nur bis zum Ende seiner Strafe büßen.

Und das ist auch gut so!

Weiterführende Links:

Einmal Ulianer, vanGaalist, FCBler und zurück

Ach, Uli #1

Von Wagenburgen, Medien, Tränen, dem Mob. Und Uli.

BL 2013/14 #18 Borussia Mönchengladbach – FC Bayern

Spiel: Borussia Mönchengladbach – FC Bayern
Wettbewerb: Bundesliga
Historie: Spiele gegen Gladbach

Saison 2012/13
18.05.2013 Borussia Mönchengladbach – FC Bayern 3:4 (3:2)

Der Jupp’sche Kreis oder Rekord-Aus

Frauen von Fußball-Fans haben es nicht leicht. Gibt es Nachwuchs wird es kompliziert. Erst Recht, wenn der Nachwuchs noch nicht im “ich bin mit Papa beim Fußball” – Alter ist. Dann muss Sie immer einspringen, wenn Er in Ruhe Fußball schauen will. Ganz zu schweigen von der Kinderbetreuung bei Live-Spielen.

Meine Frau ist so eine Frau. Und sie leidet still. Es gibt natürlich Reparationsleistungen meinerseits, aber rund um die Spiele unseres FC Bayern steht sie parat. Ich hingegen fand es nun einmal an der Zeit in den Rückzahlungsmodus einzusteigen. Die Saison kurz vor der Ziellinie und wenn man die technischen Möglichkeiten hat – warum nicht der Liebsten mal anbieten, ein 15:30-Spiel erst am Abend zu konsumieren? Wer konnte denn so was ahnen?!

Ich versichere an Eides statt, dass ich um 15:30 meinen letzten Tweet las und in die Lego- und Playmobil-Problematik einstieg. Bis 17:15 fasste ich mein Smartphone nicht an. Herrje. Ich fing an, die ersten 10, 15 Tweets von 15:31 nachzuscrollen und starrte schockiert auf mein Display – Null zu Zwei?? Schneller Wechsel zur Ticker-App, zwecks Beleg, was danach passiert war. 4:3? Und Dortmund? Gegen Hoffenheim?! Die Fortuna meiner Frau abgestiegen? Dann das 2:2. Relegation. Was? Abseits? Also doch P17? Puh. Wer bitte denkt sich so was aus? Aber gut, dass ich in aller Ruhe die Eroberung der Löwenburg verhinderte und den Bauernhof inkl. Weide und Tiere noch fertig gebaut bekam. Wer braucht schon solch einen Stress?

Im Ernst: Man kann es ja eh nicht ändern und am Ende des Tages war mir nur wichtig, dass wir in Mönchengladbach dann noch gewonnen haben. Über das Wie habe ich mich im Nachgang informiert. Und nur weil der Ablauf “ein wenig” dramatischer verlief als erwartet, ändere ich doch nicht mehr meine Überschrift, die ich mir vor dem Spiel zurecht gelegt hatte (ein Novum).

Es schloss sich ja tatsächlich ein Kreis für unseren Trainer. Den gebürtigen Mönchengladbacher, der hier als Spieler seine größten Erfolge feierte und die ersten Jahre seiner Trainerlaufbahn verbrachte. Nicht nur einmal wird er in diesen Tagen auf sein (sportliches) Leben zurückgeblickt haben – sicher nicht ganz ohne Stolz (lassen wir die BL-Intermezzo (Intermezzi?) in Frankfurt, Schalke & Gladbach mal außen vor)!

Dann diese Begrüßung und Verabschiedung in Gladbach. Derlei ist dort wohl noch keinem Bayern-Trainer zuteil geworden. All das und noch viel mehr wird auch so einen erfahrenen Haudegen wie Heynckes bewegt haben. Seine Tränen während der Nach-Spiel-PK waren eindeutiges Zeichen dieser Emotionen. Ein rundum gelungener Tag im Borussia-Umfeld. Denn auch seine Spieler wussten um die “historische” Bedeutung dieser Stunden – für ihren Trainer. Anders ist kaum zu erklären, wie die Bayern nach einem 1:3-Rückstand nach 10, 11 Minuten noch so dermaßen sowohl Gegner als auch Spiel dominieren sollten und völlig verdient (sogar um ein, zwei Tore zu niedrig) das Spiel für sich entscheiden konnten. Ein letzter Sieg, ein paar letzte Rekorde. Für den Trainer, für die Ewigkeit. Also die echte jetzt, nicht die von 2012.

Saison 2011/12
20.01.2012 Borussia Mönchengladbach – FC Bayern 3:1 (2:0)

Gegen Gladbach kann man mal verlieren.

Der FC Bayern hat zum Rückrundenauftakt beim Tabellenvierten verloren.

Das ist schlecht. Hat aber ebenso eindeutige wie belegbare Gründe. Den Verein aus dem Spielbetrieb zurückzuziehen wäre gleichwohl nicht zielführend.

Einige Gedanken schossen mir während und nach dem Spiel bezüglich dieses Beitrages, seines Titels und Inhaltes durch den Kopf. Einige wurden wieder verworfen andere werden sich wieder finden.

Ein Gedanke war “Murmeltiertag”.

Herr Neuer machte seinen zweiten spielentscheidenden Fehler in der Bundesliga seit er beim FC Bayern spielt. Zum zweiten Mal verlieren wir gegen Mönchengladbach, obwohl wir uns zuvor eines Sieges mehr als sicher waren.

Falsch gedacht.

“Werden wir jetzt am Ende der Saison mit sechs Punkten Vorsprung Meister?” war der nächste Gedanke. Wieso sollte es nicht so kommen, wenn doch die Rückrunde eine Kopie der Hinrunde zu werden droht?

Droht sie denn?

Eher wohl nicht. Denn die Borussias sind nach 17-18 Saisonspielen in einer anderen Verfassung als noch im letzten Sommer oder Frühherbst. Und wer garantiert uns jetzt die zurückliegende zu-Null-Serie?

Eben.

Genug der Gedankenspiele und zurück zum Spiel. Und meinen Empfindungen.

Ich war nicht im Stadion. Obwohl ich kurzfristig sogar Karten angeboten bekommen hatte. Aber als zweifacher Vater organisiert man nicht mal schnell einen Babysitter-Ersatz. Anderes Thema.

Weshalb ich das überhaupt erwähne?

Weil ich im Stadion, oder in Gesellschaft, oder ohne schlafende Kinder bestimmt aufbrausender und extrovertierter auf das Spiel meines FC Bayern reagiert hätte. Mit Sicherheit.

Saison 2010/11
06.11.2010 Borussia Mönchengladbach – FC Bayern 3:3 (1:2)

Von Dominanz, Arroganz und jeder Menge Fohlen-Dusel

So was macht mich richtig wütend. Immer wieder. Auch nach fast 35 Jahren als Bayern-Fan.

Erstaunlich oft überkommt mich dieses Gefühl, wenn meine Bayern in Mönchengladbach spielen. So wie heute.

Nach einhelliger Meinung wollten die Bayern gegen den Tabellenletzten ihre Aufholjagd fortsetzen.

Ein albernes Unterfangen und ich hätte es besser wissen müssen.

“Klar weiß ich, dass solche Planspiele zumeist Unglück bringen”

Andererseits sah es in der kompletten ersten Halbzeit so ganz und gar überhaupt nicht danach aus, als würde der FCB den Platz als Verlierer oder mit einem Remis verlassen.

Schon der frühe Rückstand war an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Lässiges, allzu lässiges Defensivverhalten einiger bayerischer Akteure an der Seitenauslinie und dann eine Flanke, ein Torschuss, der – natürlich in einem Spiel gegen uns – diese ach so tollen Flugeigenschaften dieses neuen Ligaballes repräsentieren muss.

Über die Flugbahn des Balles wird Butt wohl noch seinen Enkeln erzählen.

Trotzdem ließ die Antwort der Münchner nicht lange auf sich warten. Schon wenige Minuten später wuchtete Mario – Tor-Phönix – Gomez den Ball – aus dem Stand – in die Maschen des Fohlentores.

Hier offenbarte sich eine Gladbacher Defensivschwäche in der ersten Halbzeit, die in der bayerischen Gegnerschaft dieser Saison ihresgleichen suchte.

So unfassbar schlecht agierte noch keine Abwehr gegen uns. So harm- und hilflos, dass es uns zwar eine Freude war, für die Gladbacher aber größte Befürchtungen bezüglich des Verbleibs in der höchsten deutschen Spielklasse wecken musste.

Allein Herr Altintop überlief seinen Gegenspieler dermaßen, wie es sonst nur ein Robben in Bestform vermag. Logische Konsequenz war das Führungstor. Auch in seiner Ausführung. Diese Leichtigkeit des Seins sollte Herrn Schweinsteiger kurze Zeit später aber noch zum Verhängnis werden, als er den Elfmeter – in seiner Entstehung der Höhepunkt der Gladbacher Hilflosigkeit – gegen den Pfosten setzte.

Domains, Domains, Domains

Nicht alle meine Leser werden wissen, was eine Domain ist. Oder doch? Entschuldigung.

Domains haben sich bei meinem Provider über die Jahre eine ganze Menge angesammelt. Diese Liste aufzuräumen steht schon länger auf meiner Agenda. Allein, weil ich es nicht noch einmal zu einem solchen Problem kommen lassen will, wende ich mich jetzt _vor_ dem Aufräumen an eine – hoffentlich – interessierte Öffentlichkeit.

Drei Domains möchte ich hiermit an den Mann oder die Frau bringen. Mit der Bitte damit sorgsam – und der Vorgeschichte würdig – umzugehen.

bayernrules.de
mythosbayern.de
o-sch.de

Jemand unter meinen Lesern, der/die mit diesen Domains etwas anfangen kann/will?

Anfragen per E-Mail oder über die Kommentare.

Das FC Bayern – Trinkspiel

Ihr kennt das. Falls nicht, dann jetzt.

Aufgrund einiger Blogbeiträge, die ich in der letzten Zeit zum Thema FC Bayern las, kam mir vor ein paar Tagen die Idee zu einem FC Bayern – Trinkspiel (genügend der aufgelisteten Phrasen kamen zumindest in diesen Beiträgen vor).

Anzuwenden auf das nächste Bayern-Spiel, den nächsten Bayern-Beitrag, worauf auch immer.

Prost.

Im Süden nichts Neues

Selten zuvor war es schwerer einen Rückblick zu schreiben. Was sollte auch noch erwähnt werden, was im Laufe dieses Jahres 2013 nicht schon gesagt wurde? In epischer Breite. Wer bin ich, dass mir da noch etwas Neues einfällt? Eben.

Ziehen wir es also auf die persönliche Ebene. 2013 – nicht nur 2012/13 und 2013/14 – war ein Jahr der Wiedergutmachung, des Friedenmachens mit den Geistern der Vergangenheit, jüngeren Vergangenheit.

Dieser Tage wird viel über die “Dominanz des FC Bayern” geredet, auch hier. Man vergisst dabei sehr schnell die Narben und Närbchen, die wir erst vor 18 Monaten bekamen und die uns in der Folge antrieben.

Rekord-Saison des BVB 2011/12? Bestätigung des “Überraschungsmeisters von 2011? Demütigung im Pokalfinale 2012 mit anschließenden schwarzgelben Doublefeiern? Unfassbare Niederlage im Finale Dahoam? All dies liegt gefühlt noch sehr viel länger als 1,5 Jahre zurück.

Der bayerische Phönix stand im Herbst 2012 wieder auf. Unerwartet in seiner Konstanz, Zielstrebigkeit, Schnelligkeit und Schönheit. Erste emotionale Höhen nach Dauertälern. Gleichwohl Unsicherheit, da wenige Monate zuvor schon einmal ein Triple verspielt wurde. Der Weg als Ziel beseitigte zunehmend restliche Zweifel, beim Zählen der Rekorde hatten wir damals alle noch unsere helle Freude. Wieso auch nicht, war es doch eine direkte Replik auf den Klopp’schen Stolz, Beckenbauer-esk die eigenen Bestleistungen längerfristig als unerreichbar zu klassifizieren. Erstes Erstaunen auf breiter bayerischer Ebene, so kurzfristig wie möglich zu reagieren.

Ziel Nr.1: Reaktion auf BVB-Bundesliga-Rekorde. Check.

Das nächste Ziel lag nahe. Es ist das Standardziel, wenn die Bayern mal irgendwas nicht gewonnen haben: Sich den Titel zurück holen. Eh klar. Im Falle der Dortmunder Borussia ist die Gemengelage ein wenig komplexer als bei Werder, Lautern, Stuttgart oder Wolfsburg. Der Pottkonkurrent wuchs zum echten Konkurrenten heran und diese Stärke zeigte sich in der Spielweise, den Ergebnissen, den Titeln und dem Gefühl. Dem Gefühl eines jeden Anhängers des FC Bayern, egal, ob inner- oder außerhalb des Vereins: Leute, die machen uns fertig und wir können nix dagegen machen. Klar, die Niederlage in Dortmund im 2012er-Bundesliga-Endspurt war mehr als unglücklich für uns, aber sie bestätigte nun einmal besagte Serie.

Derlei muss man im Hinterkopf behalten, wenn man die Verbissenheit betrachtet, mit der die Bayern die folgende Bundesliga-Saison angingen und die symbolhafte Erleichterung bei Arjen Robben sah, als er nach dem Schlusspfiff des gewonnenen DFB-Pokalspiel gegen den BVB auf den Boden sank und diesen wild bearbeitete. Wer würde zumindest in der Stunde des Sieges abstreiten wollen, dass Minuten der Niederlage schmerzen? Der Rest der Double-Geschichte lief recht flüssig, wenn man davon absieht, dass die Bayern ganz zum Schluss der Triple-Komplettierung – im “einfachsten” Spiel – fast noch dieses historische Erlebnis aufs Spiel gesetzt hätten, als sie einen zunächst überforderten schwäbischen VfB, im Gefühl des sicheren Triumphes, beinah noch einmal vollumfänglich ins Spiel zurück kommen ließen. Nach so viel, fast unmenschlicher Konzentration, sei Lahm, Müller, Schweinsteiger & Co. diese Schwäche zugestanden.

Ziel Nr.2: BVB als Double-Sieger ablösen. Check.

Selten zuvor war ein Tal tiefer als nach der Niederlage im Championsleague-Finale 2012. Sei es durch die Überhöhung dieses Ereignisses (Medien), oder durch die körperlich durchlittene Dramaturgie (ich). Nach diesem Spiel wusste ich, wie jeder andere Bayern-Fan auch, natürlich nicht, wie wir da jemals wieder raus kommen würden. Erneut in der Königsklasse antreten, logisch, qualifiziert waren wir ja. Gruppenphase, klar, Achtelfinale, mhm, dann mal schauen, yep. Aber gewusst, geahnt hat doch nun wirklich niemand, was uns in den nächsten 12 Monaten bevorstehen würde. Eine Gruppenphase ist eine Gruppenphase. Und das Rückspiel gegen Arsenal war mein bis dato letztes Livespiel des FC Bayern. Von daher war mir auch und gerade an diesem bitterkalten Februarabend so ganz und gar nicht klar, wohin all das noch führen würde.

Ich war weiterhin unsicher und dachte nur von Spiel zu Spiel, von Szene zu Szene. Juventus – was ein Brett. Eliminiert. Klar eliminiert. Dann Barca. Vielen Dank, war schön mit Dir, Königsklasse, wenn ausscheiden, dann wenigstens nicht im Finale. Dann diese erste Halbzeit in München. Diese zweite, diese erste in Barcelona und eine letzte im Camp Nou. Was geht ab, Leute? An dieser Stelle muss ich einschieben, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht diese “Siegessicherheit” hatte, wie sie mich derzeit beruhigt, nein, davon war ich weit entfernt und am allerentferntesten weg war ich davon im Championsleague-Finale in London. Bei allem, was ich rund um das Finale gesagt, gezwitschert oder sonstwie kundgetan habe: Ich war nervös, verdammt nervös.

Warum? Weil es tatsächlich zu befürchten stand, dass uns die Dortmunder, denen wir jeden zuvorigen Bundesligarekord unmittelbar wieder abgenommen hatten, die wir nach Belieben dominierten und einen – im Vergleich zu den tatsächlichen Kräfteverhältnissen zwischen BVB und FCB – aberwitzigen Vorsprung heraus gespielt hatten, mit einem Sieg in Wembley, alles, wirklich alles davon in der Außenwirkung negiert hätten. Ob es wirklich so gekommen wäre, werden wir zum Glück nie erfahren, aber unruhig war ich deshalb trotzdem. Mächtig unruhig. Bis zur 89.Minute. Bis Arjen Robben.

In dieser Szene liegt auch deshalb so viel Brisanz, weil sie eine Entwicklung manifestierte, die unsere – zwischen 2010 und 2012 – “geschundenen” Seelen heilte und in der aktuellen Saison noch viel eklatanter zu Tage trat: Dortmund mit seinem (fast erfolgreichen) Plan A und wir mit unseren Plänen A-Z. Für andere ein möglicherweise – ähem – tödliches Konzept, für z.B. mich ein Gefühl der Demut, Zeitzeuge dieser Ära zu sein (denn ja, auch diese Ära wird enden).

Ziel Nr.3: Championsleague-Sieg im dritten Versuch in vier Jahren. Check.

Ziel Nr.3.1: Triple-Saison mit Sieg gegen BVB “retten”. Check.

Gemäß der festgelegten Kausalkette ergab sich folgerichtig in der abgelaufenen Hinrunde die Möglichkeit, neue, bislang ungewonnene oder runderneuerte Pokale und Titel für den FC Bayern zu gewinnen. Eine “Revanche” gegen Chelsea in einem europäischen Endspiel. Diskussionswürdig einerseits, ob derlei eine Revanche für die 2012er Finalniederlage sein kann und ob es sich hier andererseits überhaupt um ein (ernst zu nehmendes) Finale handelt.

Wie so vieles liegt auch hier die Antwort im Auge des Betrachters. Dortmunder (und alle sonstigen Fußball) Anhänger werden die Bedeutung eher geringer eingeschätzt haben, Bayern-Anhänger eine Revanche-Option, da weder CL-Finale, noch in London, ebenfalls eher abschätzig bewerten. Mir war das wumpe. Spätestens als ich sah, wie wichtig Mourinho offenbar dieser Titel war, war mein Feuer vollends entflammt. Und auch hier war das Gesamtkunstwerk, aus Atmosphäre (Vorgeschichte Drehkreuze Arena, Stimmung), Spielweise, Dramaturgie (Martinez!) schlichtweg atemberaubend. Meine Explosion ebenbürtig.

Einräumen mag ich gerne, dass da der Weltpokal, äh die Klub-WM ein wenig hinten anstehen musste, aber gewinnen wollte ich sie dann doch, nicht für die Welt oder ihre unsägliche Beherrschung, nein, weil ich im Prinzip immer jedes Spiel gewinnen will und “den Medien” keine Steilvorlage geliefert sehen wollte, vielleicht doch dem FCB, unserem 2013 oder gar Pep ein zumindest graues Wölkchen anzudichten. That’s it.

Ziel Nr.4: Revanche gegen Chelsea & Erstmaliger Sieg im europäischen Supercup. Check.

Ziel Nr.5: Dritter Weltpokal- / Erster Klub-WM-Sieg. Check.

Was all das für 2014 bedeutet? Keine Ahnung. Bislang haben wir noch keinen Titel verteidigt, auch wenn es zurzeit ganz gut aussieht und vor allem seit einigen Wochen unser Spiel von einer gewissen Sicherheit durchsetzt ist, die ihresgleichen sucht.

Was uns auszeichnet? Trotz all dieser Erfolge nicht nachzulassen und weiter an den nächsten Erfolgen zu arbeiten. Mein Dank dafür an Spieler, den Stab und alle beim FC Bayern, die daran ihren Anteil haben!

Auf geht’s, Ihr Roten! Auch in 2014.

Und allen anderen Lesern und Freunden von Breitnigge einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Von bayerischen Dominas, 1979 und jeder Menge Irritation

Dieser Tage geistert eine Dominanzdebatte durch die Medien. Den sozialen wie den “richtigen” Medien. Bislang verfolgte ich diese Diskussionen kopfschüttelnd bis amüsiert. Zum Thema wurde es für mich erst, als ich irritierende Tweets las, die davon sprachen, dass “die Bundesliga tot sei”, “langeweilig sei” und “Bayern die Liga kannibalisiert”. Nun, dieser Beitrag ist das Ergebnis einer Zusammenstellung und Filterung meiner multiplen Gedanken (aktuell und früher) zu diesem Thema.

Der FC Bayern ist Marktführer in der Bundesliga, Branchenprimus – aktuelle Wirtschaftsdaten (auch im Vergleich zu allen anderen Bundesligavereinen) belegen dies. Er ist dies ferner nicht erst seit gestern. Aber war er es immer? Nein. Zum einen, weil es derlei Definition aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Wertung des Fußballs erst seit dem “Boombeginn” in den 90ern gibt (Steigerung rund um WM-Vergabe 2000) und zum anderen weil es z.B. in den 60ern in Deutschland einen 1.FC Köln unter Kremers, in München – rund um den BL-Aufstieg des FC Bayern – einen TSV 1860 und auch in den 70er und vielleicht noch 80er oder 90er – Jahren Konkurrenz auf (wirtschaftlicher) Augenhöhe gab.

Die Olympischen Spiele 1972 bescherten München und dem FC Bayern ein Olympiastadion (BTW übrigens auch 1860), welches unmittelbar die Grundvoraussetzungen für Volumen und Komfort in Sachen Zuschauereinnahmen verbesserte (unvergessen jenes ausverkaufte “Endspiel” um die Deutsche Meisterschaft 1971/72 gegen den FC Schalke 04). Einerseits. Andererseits hatte der FC Bayern bis Anfang / Mitte der 90er einen Zuschauerschnitt von zumeist 30.000 bis 40.000. Erst danach kletterte die Auslastung langsam und stetig Richtung 100 Prozent. Bleiben also die “Millionen”-Einnahmen für einzelne Top-Spiele. Natürlich. Vor allem in Anbetracht der damaligen Abhängigkeit der Vereine von eben diesen Eintrittskarteneinnahmen (um die 80%?). Mein Lieblings-Gegen-Argument in diesem Zusammenhang? Die “Heimspiele” der Gladbacher Borussen in Düsseldorfer Rheinstadion oder in Müngersdorf.

All dies beschreibt die Gesamtsituation der Bundesliga und des FC Bayern bis in die 90er-Jahre imho ganz gut. Für mich ist aber ein anderes Datum viel bedeutender: Der 01.05.1979. An diesem Tag wurde Uli Hoeneß zum Manager des FC Bayern München e.V. und übernahm den Verein mit 7 Mio. DM (3,5 Mio. Euro) Schulden und 12 Mio. (6 Mio. Euro) Umsatz (pro Jahr). Wer würde im Zusammenhang mit diesen Zahlen von einer Dominanz der Bayern sprechen? Ich spreche von der Stunde Null des heutigen FC Bayern. Warum ist mir das wichtig? Weil es mir um Arbeit geht. Und um Professionalität und Konstanz. Wie z.B. auch bei Borussia Dortmund seit 2005.

Uli Hoeneß fing an zu arbeiten. Schon ein Jahr zuvor fädelte er den Sponsorenvertrag mit dem Ulmer Unternehmen Magirus Deutz ein und ermöglichte so mittelbar die Rückkehr seines Freundes Paul Breitner zum FC Bayern. Ein entscheidender Meilenstein für die frühen Erfolgen seiner Amtszeit (Meister 1979/80, 1980/81, Pokalsieg 1982, Endspiel Europapokal der Landesmeister 1982).

Man mag es glückliche Fügung nennen, dass ausgerechnet ein Spieler, Mensch und Manager wie Hoeneß dem FC Bayern 1970 über den Weg lief, aber eben jener Hoeneß war und ist geschäftstüchtig. Als Spieler (kein Sponsorentermin war vor ihm sicher) und erst recht als Manager. Nicht umsonst wuchsen Umsatz und Gewinn unter Hoeneß beim FC Bayern in heutige Dimensionen.

Gerne kann man einwenden, dass die heutigen Dimensionen erst durch massive Unterstützung von Außen und den Einsatz von Großkonzernen zustande kam (dunkle Kapitel wie den Kirch-Skandal können wir gerne einmal getrennt diskutieren), aber Hoeneß schaffte die Rahmenbedingungen, die die Attraktivität für derlei Sponsoren ergab. Die Politik der “kleinen Schritte”, die aber stetig nur in eine Richtung gingen. Nach Magirus Deutz und Iveco Magirus kamen Commodore, Opel und später die Deutsche Telekom. Im Rahmen dieses Vertrages konnte sich der FC Bayern 2002 seinen Hauptsponsor aussuchen, man stand Schlange (obwohl der Vertrag mit Opel imho vorzeitig aufgelöst wurde).

Apropos Nachhaltigkeit. Beim FC Bayern wird langfristig gedacht. Langfristige Partner bleiben langfristig an den Verein gebunden. Warum entschied sich der FC Bayern damals für das schlechtere Ausrüster-Angebot und schlug Nike in den Wind? Weil man Adidas später dann gar Anteile an der AG verkaufte. Im beidseitigen Einvernehmen.

Warum erwähne ich all das, noch dazu in epischer Breite? Weil wirtschaftliche Stärke – von mir aus “Dominanz” – nicht aus der Luft kommt. Insofern man nicht Paris St.Germain oder Manchester City & Co. heißt. Derlei muss wachsen, vor allem muss man als Verein einen Plan und eine gewisse Struktur und Kontinuität an den Tag legen und ja, heutzutage wird es evtl. kaum mehr möglich sein, ein zweites FC Bayern München zu werden, aber man wird es sicher nicht, wenn man so agiert wie z.B. BVB & S04 vor dem großen Kollaps.

Was spräche dagegen, dass Hertha BSC, Frankfurt, HSV, Stuttgart oder eben Dortmund und Schalke aufgrund ihrer Stärken, die entweder im Fan-Potential, der Infrastruktur, regionaler Wirtschaftskraft oder konkurrenzlosem Einzugsgebiet zu einer konstanten Stärke finden können, die die Bayern “auf Trap” hält? Wenn man die oben beschriebenen Voraussetzungen erfüllt? Nicht viel, meiner Meinung nach (P.S. Wer von den Großkonzernen spricht, die hinter dem FC Bayern stehen, der sollte Vereine wie z.B. Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim nicht unerwähnt lassen – warum sind diese Teams aber nicht schon längst dauerhaft in der deutschen Spitze vertreten? Denkt man drüber nach).

Wäre es anders, wären die Bayern ja seit den 80ern Dauer-Meister, oder?

Ach, die aktuelle Dominanz gibt es ja erst seit dem Double des BVB 2012? Warum erst seit dieser Spielzeit (und nicht schon seit dem Einzug in die Allianz Arena 2005 mit all den Logen und Vermarktungsmöglichkeiten?)? Warum “dominieren” die Bayern erst seit 1,5 Spielzeiten? Weil die Bayern auf einmal noch viel bessere Rahmenbedingungen vorfinden als bis 2012? Die Einnahmen explodiert sind, man sich alle Stars der Welt zusammen gekauft hat? Wohl kaum. Nein, all das blieb unverändert. Es war eine Veränderung im Konzept. Nämlich tatsächlich erst einmal ein Konzept zu haben. Seit 2009 also. Seit van Gaal. Wieso aber wurden wir dann nicht wenigstens seit 2009 zum Dauermeister? Weil so eine Entwicklung wachsen muss. Auch und gerade bei einem Verein wie dem FC Bayern. Grundlagen van Gaal, Optimierung Heynckes und dann so ein Vize-Jahr wie 2012. Es war eine besondere Situation, die das gesamte Team, den gesamten Verein antrieb, eine solch fabelhafte Saison 2012/13 zu spielen. Ähnlich der Motivation nach Barcelona 1999 bis Mailand 2001.

Kritik würdig, bzw. ernüchternd erscheint offenbar, dass es den Bayern nach diesem Triple gelungen zu sein scheint, noch einmal alles zu hinterfragen und auf ein neues Level zu heben. Eine Herausforderung, an der 2001 sowohl der Verein als auch seine Führung unter Hoeneß & Hitzfeld gescheitert ist. Die Kritiker mögen einwenden, dass das ja kein Kunststück sei, wenn man dem weltbesten Team den weltbesten Trainer zur Seite stellt. Und dann noch so viel Geld beim Gehalt investieren kann. Sicher, Geld spielt immer eine Rolle, aber gerade Guardiola konnte sich jeden Verein der Welt aussuchen und viele davon hätten ihm auch noch einmal wesentlich mehr Gehalt bezahlt, aber trotzdem hat sich Pep für München entschieden. Weil er vielleicht vom Konzept überzeugt war und ist? Auch so etwas muss man sich erarbeiten und kann es sich (auf diesem hohen Niveau) nicht erkaufen.

Oder man macht es wie Borussia Dortmund, die aus einer Not eine Tugend machten und – am Boden liegend – einem jungen Trainer wie Klopp alle Freiheiten und Zeit der Welt ließen. Ergebnis? Mit nachhaltigem Aufbau aus der Asche der Fastinsolvenz (weil man mit aller Macht Jahrzehnte an Rückstand aufholen wollte und eingeplante Einnahmen wegbrachen), kreierte Klopp eine Mannschaft, die die Bayern zwischen 2010 und 2012 – Entschuldigung – dominierte. Verrückt.

Kann man imho über das Thema Geld, Sponsoren und wirtschaftliche Dominanz noch ausgiebig diskutieren, wird es beim Thema “Kannibalisierung” der Bundesliga schon enger. Fast alle Nicht-Bayern-Fans sind ja mit den gleichen Vorurteilen aufgewachsen. Vorurteile, die vieles einfacher machten und von Generation zu Generation vererbt wurden. Bitte. Danke. Ich konnte darüber immer schon nur schmunzeln. Bayern immer nur mit Glück? Über 40 Jahre Bundesliga? Vielleicht sollte man dann eher eine Lottobude an der Säbener Straße aufmachen – bräuchte man sich dann um Sponsoren doch nicht mehr so intensiv zu bemühen. Aber zurück zu “der FC Bayern kauft der Konkurrenz die besten Spieler weg, um sie zu schwächen”.

Ich kann mich nicht erinnern, wie oft ich dieses Thema schon diskutiert habe. Und es wird nicht sinnvoller. Betrachten wir es zunächst einmal von der finanziellen Seite. Wäre es nicht betriebswirtschaftlicher Wahnsinn, wenn ein Verein massiv Geld verbrennt, weil er in Spieler investiert, die er nicht braucht und sie “auf der Bank versauern lässt”, weil so der aktuelle Konkurrent entscheidend geschwächt wird? Nein? Man glaubt also ernsthaft, dass dies eine Strategie war, die hinter den Führungstüren an der Säbener Straße Sommer für Sommer neu entwickelt wurde, welchen Spieler man also als nächstes “für die Bank kauft”? Sicher.

Richtiger ist da schon eher, dass ein FC Bayern diesen Spieler immer haben wollte, weil er sich davon eine Verbesserung der eigenen Stärke versprach und im Rahmen des eigenen Scoutings traditionell immer weitaus weniger erfolgreich war, als z.B. Vereine wie Leverkusen oder Bremen. Wir legen hier besser den Mantel des Schweigens über die meisten Transfers aus Südamerika. Das Umfeld des FC Bayern ist nun einmal schwieriger als es in Leverkusen, Bremen oder sonst wo immer war, was unbekannte Rohdiamanten aus dem Ausland oder unteren Klassen betrifft. Was ist daran zu kritisieren, wenn man als Verein irgendwann diesen Umstand akzeptiert und nur noch auf “akklimatisierte” Bundesligaspieler setzt, die sich über den “Umweg” der BL-Konkurrenz etabliert und “sichere” Transfers darstellen?

Tatsächlich ist dieses Thema ambivalent, denn ein FC Bayern war ja selbst viele Jahre das “Transfer-Opfer” (ausländischer) Kannibalen-Konkurrenz. Man denke nur an die Transfers der Sportkameraden Rummenigge (1984, Inter), Brehme, Matthäus (1988, Inter), Kohler, Reuter (1991, Juve), Effenberg, Laudrup (1993, Florenz), Ziege (1997, Milan). Andere Zeiten, vor Bosman, aber der Verein war damals noch in einer völlig anderen Position als heute. Viele dieser Transfers waren Schlüsselspieler und auch ein FC Bayern brauchte im Nachgang Ersatz und suchte sich diesen in der Bundesliga, reinvestierte quasi die Transfereinnahmen und pumpte Geld in den Bundesligakreislauf. Noch ein Lieblingsbeispiel in diesem Zusammenhang: Der Karlsruher SC. Auch unter dem Aspekt, dass ein FC Bayern in der Bundesliga immer einen gewissen Zuschlag berappen musste, den andere Teams nicht hätten bezahlen müssen, vor allem, wenn man wusste, dass die Bayern mal wieder frisches Geld aus dem Ausland bekommen hatten. Kapitalismus eben, kein Ding. Sternkopf, Scholl, Tarnat, Fink und Kreuzer. Damals gab es den launigen Spruch, dass die Bayern dem KSC die neue Luxus-Tribüne finanziert haben. Mein Thema: Richtig Erfolg hatte der KSC erst nach all diesen Transfers (“Euro-Eddy” & Co.). Abwärts ging es dann im Rahmen von Konzepten a la “KSC 2000″. Wie auch immer. Ein Karl Del’Haye muss auch heute noch als Kronzeuge herhalten.

Nicht alles an diesen Transfers war schlecht für den FC Bayern. Mit dem Rummenigge-Transfer war der FC Bayern 1984 endgültig schuldenfrei, selten zuvor erzielte man einen größeren Transfer-Überschuss als beim Hargreaves-Wechsel nach Manchester. Irgendwann setzte aber auch in München ein Umdenken ein, dass man vielleicht das eigene Geld eher in den eigenen Verein investieren und nicht mehr nur an die Konkurrenz überweisen sollte. Die Geburtsstunde des heutigen Jugendkonzeptes. Die ersten Jahre brachten nicht die Erfolge wie bei der Konkurrenz in Stuttgart, Gladbach oder Leverkusen, aber gleichwohl erhöhte sich die Quote der Eigengewächse im Kader. Nachhaltigkeit führt zum Erfolg – auch hier. All die Lahms, Müllers, Schweinsteigers, Badstubers & Co. wachsen nicht auf den Bäumen und dafür braucht es vielleicht doch einige Generationen an Jugendjahrgängen, aber dort, in diesem Bereich investiertes Geld zahlt sich immer aus. Ein Vorwurf der “Kannibalisierung” der Bundesligakonkurrenz ist imho abwegig. Aus Gründen. Zum Beispiel, weil es schon immer so war, das höherklassige Vereine das Ziel von Spielern aus niederklassigen Vereinen/Ligen war. Kein Argument? Ein Mario Götze per Ausstiegsklausel aus seinem Vertrag zu kaufen ist ein schlüssiges Argument für “Kannibalismus”? Viel schlüssiger als ein AK-Transfer von Marco Reus von Gladbach nach Dortmund? Und Götze zu Bayern ist “böse”, Sahin nach Madrid, Kagawa nach Manchester aber “gut”?

Ein BVB war bei Götze gezwungen, eine Ausstiegsklausel in den Vertrag zu schreiben. Vielleicht ändert sich dies einmal grundsätzlich in der Zukunft, wie es z.B. bei den Bayern schon länger üblich ist. War er deshalb aber per se Objekt der Begierde in München? Nein, man wollte ihn, weil er in unser Konzept passt, ein Spieler für die Zukunft ist, für eine Zukunft ohne Ribery & Robben. Robert Lewandowski hat keine AK in seinem Vertrag, er spielt weiterhin für Dortmund und hilft dort, die berauschende letzte Saison zu bestätigen. So läuft’s Business. Mit den Einnahmen der letzten Saison “kannibalisierte” Borussia nun bei Shakhtar Donetsk (Mkhitaryan, 27,5 Mio. Euro), AS Saint-Étienne (Aubameyang, 13 Mio. Euro) und Werder Bremen (Sokratis, 9,5 Mio. Euro). Und jetzt? Nix.

Was ist aber jetzt mit all diesen Rekorden?

Die sind für mich ein Medienthema. Inzwischen. Anfangs war es mir vielleicht noch wichtig, zuvor aufgestellte BVB-Rekorde direkt wieder zu kassieren (man darf auch davon halten, was man will), aber diese Zählung und Erfassung überlasse ich anderen. Und ja, es mögen in diesen Zeiten sog. Uralt-Rekorde fallen, aber die Listen, die man dann so über den Zaun geworfen bekommt, sind imho noch “konstruierter” als letzte Saison. Warum? Weil sich die Autoren Aufmerksamkeit, Clicks und Auflage erhoffen. Keine Frage, die Rekorde bleiben Fakt und ich will sie nicht klein reden, aber was werden diese Rekorde irgendwann für die Gegenwart aussagen, wenn die aktuellen Serien des FC Bayern enden? Wenig.

Und wer kann schon in die Zukunft schauen und garantieren, dass der Status quo auf Jahrzehnte hinaus bestehen bleibt? Wer weiß, was mit dem Verein FC Bayern nach einer Inhaftierung der Gallionsfigur Uli Hoeneß passiert? Werden wir auch in Zukunft die richtigen Entscheidungen treffen? Werden weiterhin so viele Topstars nach München wollen und wir parallel und weiterhin all die Müllers, Lahms und Schweinsteigers aus dem eigenen Nachwuchs zu diesen Weltklasse-Spielern ausbilden und formen können? Die Angst, die viele Kritiker der aktuellen bayerischen Dominanz umtreibt ist doch eher die Angst davor, dass es – zum ersten Mal in der Geschichte des Fußballs – eine Mannschaft schaffen könnte, “unschlagbar” zu sein. Übertreibe ich an dieser Stelle? Ich glaube nicht, zumindest wenn ich diese Befürchtungen beschreibe. Persönlich kann ich diese Angst nicht teilen. Zeiten kommen, Zeiten gehen. Wahrscheinlich wird es so sein, dass wir uns – sollte sich nicht etwas Grundlegendes in der Statik des Welt- oder europäischen Fußballs verändern – wohl von romantischen Märchen verabschieden können, wie “in der Bundesliga kann jeder jeden schlagen”. Geschenkt. Aber will man ernsthaft abstreiten, dass es auch in Zukunft Mannschaften, Trainer, glückliche Fügungen (als Kombinationen aus Trainer und Mannschaften) geben wird, die die Dominanzen anderer Mannschaften beenden werden? Barca hat über einige Jahre Europa dominiert. Und wurden von uns in der letzten Saison auseinander genommen. Ob es erneut dazu kommen wird, wenn wir heuer auf sie treffen? Ich bin mir da noch nicht sicher.

Ich bin mir aber sicher, dass ich als Bayern-Fan zur Zeit dankbar eine Ära erlebe, von der ich schon als kleiner Junge immer geträumt habe – dass der eigene Verein Erfolge auch auf europäischer Ebene feiern kann, dass in meiner Mannschaft Automatismen existieren, die Siege wahrscheinlicher machen. Wer hier einen Widerspruch zu obigem Absatz sieht, dem sei gesagt, dass hier nur der emotionale Teil, der Fan-Teil spricht. Logisch, dass ich derlei gut finde. Der andere, menschlich-rationale Teil, ist sich durchaus bewusst, dass alles endlich ist.

Wir Bayern-Fans hoffen darauf, dass sich dieser Zeitpunkt noch ein wenig hinauszögert, aber er wird kommen – ganz sicher.

Von Wagenburgen, Medien, Tränen, dem Mob. Und Uli.

Eigentlich hatte ich Hoffnung. Hoffnung, dass inzwischen jeder alles zum Thema Ulrich H., Präsident der FC Bayern e.V. gesagt hatte. Falsch gedacht. Natürlich hatte auch ich mich schon geäußert. Damals, als die Gerüchte um seine Steuerhinterziehung auftauchten. Im Mainstream, im Boulevard, unter den Fans.

Inzwischen sind aus Gerüchten Fakten geworden. Die Staatsanwaltschaft München hat ermittelt und Anklage gegen unseren Präsidenten erhoben, das Gericht ließ – nach einer entsprechenden Einspruchsfrist für die Verteidigung – die Anklage inzwischen zu, der Prozess wird im März 2014 stattfinden. All diese Daten erzeugten keinen vergleichbaren… Shitstorm wie im April 2013. Ich hatte Hoffnung. Das wir mit diesem Thema seriös umgehen könnten. Und keine Stellvertretergefechte austragen, keine, teilweise lebenslangen Ressentiments ausgraben müssten. Und dann kam es dieser Woche zur FC Bayern Jahreshauptversammlung. Diese Veranstaltung ließ offenbar niemanden kalt. Die Reaktionen außerhalb des FC Bayern Biotops waren dann auch meine größte Motivation mal wieder in die Tasten zu hauen. Und ich war hier nicht der einzige langjährige Bayern-Fan, der das so sah.

Aber der Reihe nach. Am Montag gab ich dieses Interview auf Sport1.fm. Meine Zeit ist begrenzt, aber wenn man mich nett fragt und mir die Möglichkeit gibt, derlei in meinen Alltag zu integrieren, dann sage ich schon mal zu. Im Gegensatz zu meiner Erinnerung an obigen Beitrag, die ich im Interview zum Besten gab, hatte ich damals tatsächlich andere Meilensteine im Hinterkopf. Meilensteine, wann ich(!) denke, dass Hoeneß wie handeln sollte.

#1 Steuerhinterziehung ist strafbar. Für Alle. Auch für einen Uli Hoeneß.

#2 Hat sich Uli Hoeneß der Steuerhinterziehung strafbar gemacht, gehört er betraft.

#3 Ob sich Uli Hoeneß strafbar gemacht hat, sollte ein Richter entscheiden.

#4 Sollte Uli Hoeneß rechtswirksam verurteilt werden, muss er – meiner Meinung nach – von all seinen Ämtern beim FC Bayern zurücktreten.

#5 Ob Uli Hoeneß schon jetzt oder zumindest vor einer rechtskräftigen Verurteilung von seinen Ämtern zurücktreten sollte, entscheiden allein er oder die Gremien der AG und des Vereins.

#6 Ob der FC Bayern hier an einer Straftat beteiligt war oder davon profitierte, muss auf jeden Fall von den Ermittlungsbehörden oder in einem möglichen Gerichtsverfahren rückhaltlos aufgeklärt werden.

Inzwischen – und so habe ich mich am Montag auch geäußert – hätte ich(!) es angemessen gefunden, wenn Hoeneß schon nach Zulassung seiner Anklage “das eine oder andere Amt” hätte ruhen(!) lassen. In erster Linie würde ich hier den Posten Aufsichtsratsvorsitzenden sehen. Vor allem, weil bei ähnlichen Vergehen – in der freien Wirtschaft – eine Person in seiner Position längst gegangen worden wäre. Wie gesagt, dass hätte ich(!) mir gut vorstellen können. Ob er oder unser Aufsichtsrat sich das vorstellen können, müssen sowohl er als auch die Aufsichtsratsmitglieder (vor allem gegenüber der eigenen DAX-Konzernbelegschaft) entscheiden und begründen.

Nicht mein Bier.

Mein Bier ist meine Einstellung zu Hoeneß.

Als ein Uli Hoeneß Manager des FC Bayern wurde, war ich schon Fan dieses Vereins. Gleichwohl ist der FC Bayern imho sehr stark mit der Person Uli Hoeneß verbunden. Für mich war und ist Hoeneß immer eine der Konstanten beim FC Bayern und für mich als Fan gewesen. Er war halt immer da. Und war der Vater des Erfolgs, der “Erfinder” des neuen FC Bayern, der sich emporschwang und über Jahrzehnte zu einem der größten Fußballvereine Europas, wenn nicht der Welt wurde. Solch ein gemeinsamer Weg schweißt zusammen. Und wenn man so eng verbunden ist, dann fällt einem eine Trennung immer schwer.

Eine Trennung, eine Abkehr von Hoeneß, die am heutigen Tag einigen anderen Bayern-Fans ganz und gar leicht fiel. Innerhalb weniger Stunden. Nachdem unser Präsident dem FC Bayern seit 1970 als Spieler, Manager und Präsident immerzu und vorbildlich gedient hat (nein, ich will jetzt nicht über Ultra- und Fanproblematiken reden). Klar, seit heute wird man sich als Anhänger der Münchner für solche Sätze immer rechtfertigen müssen, weil diejenigen, die Hoeneß und den FCB ohnehin noch nie leiden konnten jetzt – endlich – die Munition erhalten haben, auf die sie – teilweise ein Fan-Leben lang – gewartet haben. Dieser Sturm wurde für mich phasenweise so unerträglich, dass ich Twitter & Co. für Stunden schließen musste – ein echtes Novum für mich.

An diesen Worten hat sich in den letzten Monaten Null-Komma-Null geändert. Deshalb auch das 1:1-Zitat. Für mich ist es kein Widerspruch, dass ich einerseits inzwischen den Funktionär Hoeneß differenter beurteile als den Menschen. Blenden wir all die (bis zum Beweis des Gegenteils) hanebüchenen Geschichten des Boulevards aus (hunderte Millionen auf Schweizer Konten, etc.), dann hat Hoeneß durch seine Selbstanzeige eingeräumt, dass er Steuern hinterzogen hat. Punkt. Dies ist eine Straftat. Es gibt in unserem Rechtsstaat aber seit einiger Zeit die Option der Selbstanzeige. Durch dieses Instrument begleicht der geständige Steuersünder seine Schuld und geht straffrei aus. Ich halte dies für ein legitimes Mittel. Denn damit kommt ja das Geld wieder in die Staatskassen, welches durch die Hinterziehung fehlte und welches “der Staat” dann nicht für Kinderspielplätze, -Betreuung & Co. investieren kann (das Lieblingsargument der Hoeneß-/Steuerhinterzieher-Bewerter). Alles richtig. Aber – Achtung – Meinung, ggf. Polemik – Steuerhinterziehung ist für mich(!) “weniger schlimm” als jemandem körperliches Leid zuzufügen. Einzelne erwecken ab und an den Eindruck, Hoeneß hätte genau dies getan. Schlimm.

Und mal ganz ehrlich, lieber Leser dieses Blogbeitrages: Noch nie im Rahmen einer Steuererklärung das Finanzamt um Geld erleichtert? Wirklich nicht? Ganz, ganz ehrlich?! Soso. Wo ist der Unterschied zwischen einem “ganz normalen” Steuersünder und einem Hoeneß? Die Summe. Welcher “normale” Steuerzahler schafft es – in seinem gesamten Leben – so viel Geld zu verdienen, wie Hoeneß hier offenbar hinterzogen hat? Wohl kaum jemand. Deshalb ist diese Story für die Medien, das Boulevard, schlicht die gesamte Öffentlichkeit so interessant. Und ja, natürlich ist das nur die Hälfte der Wahrheit. Denn nicht minder entscheidend bei der aktuellen Einschätzung der Akte Ulrich H. ist ja auch die Tatsache, dass er – Zeit seines Fußballer-/Manager-Lebens – ein Mahner war. Ein Kritiker der Auswüchse des modernen Fußballs, ein Moralist.

Das passt nicht zusammen. Irgendwo natürlich auch nicht (mehr) für mich. Logisch, ich bin ja nicht komplett meschugge. Und dann seine Tränen auf der jetzigen JHV. Da brach der Mob sich Bahn. Verteidigungsstragie! Eine üble noch dazu. Was sollen diese Krokodils Tränen?! Was soll diese schwachsinnige Rede? “Sportpalastrede” (ich setze hier bewusst keinen Link)!

Hui. Sind wir also nicht nur auf der Fäkalebene angekommen, nein, jetzt werden auch schon NS-Vergleiche herangezogen? Ich bin raus.

Auch dies habe ich ja im Interview erwähnt – ich unterhalte mich seit Monaten (seit April) nicht mit Außenstehenden über das Thema Hoeneß. Mit Außenstehenden sind hier Personen gemeint, die mit mir über mein Verhältnis (oder die Aufgabe dieser Beziehung) zu Hoeneß diskutieren wollen, die nicht verstehen können, wie man noch Fan eines solchen Vereins sein kann. Tja. Dann lasst es auch besser. Also mich dazu zu bewegen (s. oben).

Ganz ehrlich – für mich waren die Tränen von Hoeneß nicht… inszeniert. Warum sollte er so was machen? Für seine Verteidigung? Macht euch nicht lächerlich. Welcher Richter würde derlei in seinem Urteil berücksichtigen? Ausgerechnet diese Strafkammer? Ausgerechnet diese Staatsanwälte, die Hoeneß nach dem Breno-Prozess ohnehin nicht mehr, sagen wir mal “wohlgesonnen” waren? Ausgerechnet diese Strafermittlungsbehörde, die – in der Geschichte der BRD einmalig, oder? – Details über seine Selbstanzeige durchsickern ließ?

Nein, Hoeneß war – und das nehme ich ihm ab – wirklich emotional berührt. Kann sich irgendjemand eventuell vorstellen, dass die Story seit Monaten in ihm arbeitet und er sich ansonsten in der Öffentlichkeit nur besser unter Kontrolle hat? Ja, natürlich ist Hoeneß ambivalent. Ich verstehe auch nicht, was ihn dazu treibt, in seiner jetzigen Situation noch Wetten auf eine Niederlage der Dortmunder in Wolfsburg zu platzieren. Damit macht er viel mehr an “Verteidigung” kaputt, als er durch Tränen auf einer JHV erreichen könnte. Nur mal so.

Wie geht es jetzt weiter?

Je mehr Anfeindungen Hoeneß widerfahren, desto geschlossener werden die bayerischen Reihen sein. Punkt. Abgesehen natürlich von den Bayern-Fans, die sich inzwischen von Hoeneß verabschiedet haben. Auch gut. Muss jeder selber wissen. Ich bin dazu noch nicht in der Lage. Ich warte immer noch das Urteil ab. Lasst mich.

Je öfter Details von Hoeneß bekanntwerden, wie die Wette gegen Dortmund, wie so eine außerordentliche HV nach dem Urteil, wo ihm doch jetzt schon klar sein muss, dass er als verurteilter, inhaftierter(?) Steuerhinterzieher wohl kaum noch den FC Bayern als Präsident führen kann, desto mehr schadet er imho seiner Verteidigung. Keine Ahnung, ob es _jetzt_ noch Sinn macht, doch Ämter ruhen zu lassen, nieder zu legen. Echte Reue sähe anders aus, oder?

Je öfter und intensiver Fans, Leser oder ganz normale Menschen in der näheren Zukunft versuchen werden, mir ihre Hoeneß-Meinung aufzuzwingen, desto intensiver werde ich das Thema auf das Wetter lenken. Betrifft ja zum Glück zurzeit nur einen überschaubaren Teil von Menschen.

Abschließend will ich noch einmal mit dem Thema Differenzierung nerven. Die Intensität, die einige Fans anderer Vereine bei der Bewertung Hoeneß’ an den Tag legen, irritiert mich schon. Manchmal. Und dann muss ich immer an die Zeiten zurückdenken, als der BVB auch mal bei mir öfter Objekt der Beurteilung oder von Blogbeiträgen war. Lange her. Niebaum-/Meier-Zeiten. Wer Lust und Zeit hat, darf hier gerne mal mein Breitnigge-Archiv durchforsten. Viel Spaß und viel Erfolg bei der Suche. Bei der Suche nach ähnlichen Verhaltensweisen meinerseits, a la “Siehst, hast Du doch ganz genauso gemacht!”.

Ich bin gespannt.

Ode an Pep oder Emotionen sind emotional

Meine Blogbeiträge sind in meinem selbst gewählten Sabbatical reduziert. Mein Leben als Fan geht aber trotzdem weiter. Emotional wie eh und je. Apropos Emotionen. Nach dem Spiel gegen Bayer 04 twitterte ich. Ohne Filter. Einige irritierte das. Lest selber.

…oder…

Wohlgemerkt direkt nach dem Spiel. Früher bloggte ich gar zu solch frühen Zeitpunkten. Man merkte es den Beiträgen an. Adrenalin pur. Als ich am Samstag auf dem Weg nach Hause war, kam ich runter. Ließ mir das Spiel und die Gesamtsituation noch einmal durch den Kopf gehen. Wie ich es früher auch immer tat, um meine Gedanken für den ausstehenden Blogbeitrag zu sammeln, zu sortieren. Aktuell kommen dabei dann Tweets wie die folgenden zustande:

Die Essenz aus einem epischen Blogbeitrag. In jeweils 140-Zeichen-Häppchen.

Aber ist es nicht tatsächlich so, dass uns allen bei den Spielen in Manchester und Leverkusen kollektiv die Münder offen standen? Ob dieser Spielweise unserer Mannschaft? Wie war das noch in einem der Pep-Interviews? Er sagte, dass er gemerkt habe, dass es in der Bundesliga wichtig sei, dass man die schnellen Konter verhindern müsse. Ja. Sicher. Eben. Die Waffe der Dortmunder, Hannoveraner oder wer sonst noch diese Strategie fährt. Und Pep identifiziert das Problem (für uns Bayern) und löst es. Er verändert die Dinge, die noch fehlen in unserer Mannschaft. Dinge, die vielleicht viele andere Trainer auch sehen würden, aber Trainer wie er haben die Fähigkeit hier tatsächlich auch Mechanismen zu entwickeln, die als Gegenmittel funktionieren.

Was habe ich früher vor dem Fernseher oder im Stadion die bayerische Beherrschung des Spiels bewundert. Allerdings nicht ohne die Angst im Hinterkopf zu haben, dass gleich der Gegner den Ball erobert, uns überrennt und das Kontertor erzielt. Ballbesitz-Rekord hin oder her. Diese Angst ist seit Manchester & Leverkusen verschwunden. Und DAS Gefühl ist wirklich epochal. Wir sind nun wieder einmal an dem Punkt, an dem die Angst der Berichterstatter greift, dass den Bayern irgendwann die “ernsten” Gegner ausgehen. Manchester war ein “erster Prüfstein”. Dann Leverkusen. Die Überraschung der Saison. Überraschung im Sinne von: Tolles Spiel, klasse Weiterentwicklung und Eindringen in die Bayerisch – Westfälische Liga-Dominanz der letzten Jahre. Am Ende des Tages bleibt diesen Experten dann nur noch die Floskel, dass die Gegner halt einen schlechtan Tag erwischt hätten, oder Ähnliches. Im Hintergrund die Furcht, dass Pep auf dem Weg ist, die “perfekten Bayern” zu kreieren. Horror für die Spannungsfanatiker.

Ein Trainer van Gaal brachte uns die Grundlagen. Ein Trainer Heynckes optimierte dieses Grundgerüst und führte uns so zum Triple. Und der Trainer Guardiola? Kopierte eben nicht (wie kurzsichtig herbei geschrieben) das Barca-System nach München. Lässt doch kein eintöniges Ballbesitzspiel a la van Gaal spielen. Nein. Ein Trainer Guardiola etabliert seine Vorstellungen von Fußball und passt sie permanent sich verändernden Rahmenbedingungen an. Hier als Zeitzeuge dabei zu sein, beeindruckt mich und ließ mich am späten Samstag abend tatsächlich demütig werden. Und dankbar.

Seit diesem Wochenende habe ich mir vorgenommen, mich nicht mehr von “Rückschlägen” wie gegen Wolfsburg oder anderen Spielen dieser Hinrunde von der Überzeugung abbringen zu lassen, dass mein Verein mit diesen Trainer auf einem guten Weg ist. Punkt.

Mehr bleibt mir nicht zu sagen. Lest vielleicht noch, was andere – von mir geschätzte Schreiber – sich so gedacht haben:

Spielverlagerung: Bayer 04 Leverkusen – Bayern München 1:1

Der Bayern Blog: Bayer 04 Leverkusen – FC Bayern 1:1 (1:1)

Miasanrot: FC Bayern in Leverkusen – Die Geschichte vom Schwanenkönig

Fernglas FCB: Klassenunterschied

Le roi d’Europe

Wer öfter auf Breitnigge zu Besuch ist, der hat vielleicht schon einmal von diesem Twitter-Dings gehört. Ich treibe dort auch mein Unwesen. Viele Breitnigge-Leser nicht. Das ist weder schlimm noch hier das Thema. Twitter ist ein schnelles Medium und vereinigt viele Menschen, die meine Gedanken zum Fußball teilen. Und die weitaus kreativer sind als ich. Selbst wenn ich viele meiner aktuellen Probleme nicht hätte. Zeit zum Beispiel.

In den letzten Tagen entdeckte ich in meiner Twitter-Timeline eine Perle. Mir ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht die komplette Hintergrund-Geschichte präsent, aber das Werk, welches auf Basis einer Idee von kreativen Köpfen entstand, will ich euch nicht vorenthalten. Bitteschön:

Jens Peters ist Sportblogger der ersten Stunde. Ferner Mitglied weiterer fabulöser Projekte wie z.B. Fokus-Fußball. Herr Kamke ist… unbeschreiblich. Viele Twitterer hängen an seinen 140 Zeichen. Auch ich. Seine Tweets und sein Blog stellen eine Bereicherung für uns alle dar. Aus vielerlei Gründen.

Beide haben per se mit Herrn Ribéry nicht viel zu schaffen. Herr Peters ist Leverkusen-, Herr Kamke Stuttgart-Fan. Derlei Versäumnis minderte meine Gänsehaut beim Konsum dieses… Kunstwerkes in keinster Weise.

Bildet euch. Ein eigenes Bild.