Zurück in die Zukunft oder Übervater Uli

Am morgigen Montag wird Uli Hoeneß aus seiner Haft entlassen und verlässt das Gefängnis als freier Mann – seine Reststrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Die Personalie Uli Hoeneß wäre nicht vollständig, wenn nicht auch jetzt, wie zu seiner Freigänger-Zeit und seiner Haftstrafe insgesamt, immer wieder und intensiv darüber berichtet werden würde. Wieso auch nicht, hat doch ein Uli Hoeneß zeitlebens als medialer Mensch gelebt und dies für seine Zwecke und die des FC Bayern genutzt.

Ich für meinen Teil habe mich in der jüngeren Vergangenheit häufiger zu Hoeneß geäußert (Links am Ende des Beitrages) und so auch dokumentiert, dass sich Meinungen ändern und einer Entwicklung unterziehen können. Aktuell habe ich ebenfalls eine Meinung zu Themen, die viele Fans, Journalisten, etc. im Zusammenhang mit unserem Ex-Präsidenten beschäftigen. Ich gehöre weder der Fraktion an, die erstens nicht geglaubt hat, dass Hoeneß überhaupt angeklagt wird, die zweitens nicht für möglich hielt, Hoeneß werde tatsächlich verurteilt, die drittens dachte, Hoeneß käme – wie so viele Promis – mit einer Bewährungsstrafe davon und viertens sowieso davon ausging, dass all die „Vergünstigungen“, die Hoeneß genießen sollte (frühes Freigängertum, Hafturlaub, vorzeitige Entlassung auf Bewährung), ja nur auf einer ebenso einmaligen wie skandalösen Bevorzugung der Justiz basieren könne (ich vertraue und vertraute schlicht unserem Rechtsstaat und der bayerischen Justiz), noch der Fraktion, die Hoeneß offenbar alles unreflektiert verzeiht und den alten Status quo seiner Ämter und seines Einfluss beim FC Bayern lieber heute als morgen wieder herstellen würde.

Ich gehöre der Fraktion an, die Hoeneß eine – ihm zustehende – zweite Chance geben will. Die ihm eine Rückkehr zum FC Bayern nicht verwehrt. „Ob Hoeneß nach seiner Entlassung als freier Mann wieder zum FC Bayern zurückkehren soll / muss / darf, vermag ich jetzt noch nicht zu bewerten.“ schrieb ich im Juni 2014, als er seine Haft antrat. Die Zeit für Bewertungen ist gekommen.

Man kann sich dem Thema „Hoeneß Rückkehr zum FC Bayern“ nicht entziehen. Dabei ist er ja längst wieder da. Spätestens seit seiner Tätigkeit im Jugendbereich des FC Bayern, die er für seine Freigänger-Zeit ausüben musste (nicht zwingend beim FC Bayern, aber was lag näher?), ist er wieder präsent. Nicht so wie früher, aber es gibt eben aktuelle Bilder von ihm – in der Öffentlichkeit. Von einem Mann, der sich äußerlich spürbar verändert hat. Ob dies auch innerlich so ist, wird die Zukunft zeigen. In diesem Zusammenhang einige weitere Zitate von mir aus besagtem Beitrag:

Ein ganz anderes Thema ist das Weltbild eines Uli Hoeneß. Seine Worte auf der aoMV („Hass“) haben mir einen Menschen gezeigt, der mir – im Laufe dieses Verfahrens – zunehmend fremder geworden ist. Nichts vom „alten“ Ex-Bayern-Manager ist vergessen, seine Leistungen rund um unseren Verein bleiben unvergessen. Aber ihm, der ja dieses Argument explizit im Prozess angeführt hat, hätte das Leben des Wortes „Demut“ gut zu Gesicht gestanden. Auch für seine Zeit im und vor allem nach der Haftstrafe.

Wie gesagt, niemand weiß wirklich, ob Hoeneß hier eine Veränderung durchgemacht hat. Die zurzeit sehr intensiven Gerüchte, dass Hoeneß sich im November wieder zum Präsidenten des FC Bayern München e.V. wählen lassen wollen wird, reißen nicht ab – ich hätte damit so einige Probleme. Warum? Weil dieser Schritt eine Außenwirkung hätte, die mir ganz und gar missfallen würde. Sie würde Hoeneß Stimmung, seine Worte, seine Bitterkeit und Wut, die er auf dieser außerordentlichen Mitgliederversammlung in den Saal und die überwiegend tobende Menge rief, bestätigen. Eine schlimme Vorstellung, würde sie doch alles andere als Demut, Reue oder vergleichbare Gefühle symbolisieren und zusätzlich noch alles an Handlungsweisen eines Uli Hoeneß in den letzten Wochen und Monaten ad absurdum führen. Stößt dieser Zusammenhang ansonsten niemandem auf, wenn Hoeneß auf der aoMV „und dann, wenn ich zurück bin, werd‘ ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war’s noch nicht!“ ruft und dann tatsächlich nach seiner Haftstrafe zurück kommt und wieder das seinerzeit abgegebene Amt anstrebt? Suggeriert diese Vorgehensweise nicht recht unverhohlen, dass man die Haftstrafe nur als „Unterbrechung“ betrachtet hat und jetzt diese „Episode“ so schnell wie möglich ungeschehen machen will? Für mich ist dies ein merkwürdiges Rechtsverständnis. Aber vielleicht bin ich auch selbst nur ein wenig… weltfremd.

Ohnehin ist ja immer noch unklar, was Uli Hoeneß selbst von all dem hält. Gerüchteweise will er sich am 01.07.2016 dazu äußern, ob er wieder das Amt des Präsidenten oder eine vergleichbare Tätigkeit beim FC Bayern anstrebt – ich bin mehr als gespannt. Eine entsprechende Jahreshauptversammlung im Herbst diesen Jahren werde ich mir auf jeden Fall nicht entgehen lassen, auch wenn ich natürlich eine erneute Wahl Hoeneß‘ durch die überwiegende Mehrheit der anwesenden Mitglieder nie und nimmer verhindern könnte, ich werde anwesend sein.

Am Ende des Tages könnte aber auch eine ganz andere Utopie Realität werden.

Vielleicht hat Hoeneß ja wirklich seinen Frieden gefunden. Mit sich und all den anderen. Vielleicht gefällt ihm seine Rolle in der zweiten Reihe des FC Bayern – Familie (medial, intern wird er immer noch eine gewichtige Stimme haben)? Ich würde mir wünschen, dass Hoeneß die letzten 5, 10, 15 oder wie viele auch immer Jahre im Schoß seiner „Familie“ genießen kann, er ein für die Zukunft unseres Vereins sehr wichtiges Standbein komplett (neu) aufbauen kann – die Jugendarbeit und somit nicht nur – wie schon vor der Steueraffäre geschehen – seine Ämter für die Zeit nach dem Funktionär Hoeneß auf die Gleise stellt, sondern auch dem Verein eine Perspektive bietet, die wieder mehr „Verwurzelung“ in die Region München und Bayern mit sich führen könnte und als Gegenpol zur Internationalisierung der Bayern-AG agiert. Ferner kann und sollte Hoeneß als Elder Statesman des FC Bayern tätig sein, denn seine Erfahrungen und seine Verdienste rund um den heutigen FC Bayern sind und werden unvergessen bleiben – warum nicht diese positiven Aspekte in den Vordergrund stellen? Warum muss es jetzt ein „Reinwaschen“ der Verurteilung oder gar ein „Rachefeldzug“ werden? Eben.

Zu all diesen Punkten treibt mich noch eine weitere Frage um: Wäre der FC Bayern aktuell ein anderer Verein, wenn Hoeneß nicht verurteilt und inhaftiert gewesen wäre?

Wer will und könnte diese Frage seriös beantworten? Denn auch unter Hoeneß nahm die „Internationalisierung“ und Umstrukturierung des Vereins ihren Lauf. Noch unter Hoeneß wurden die ersten Trainingslager in Katar organisiert. Noch unter Hoeneß wurde seine Nachfolge mit neuen Vorständen der Bayern-AG geregelt. Nein, auch unter einem Präsidenten und Aufsichtsrat-Vorsitzenden Hoeneß hätte der FC Bayern sicher eine ähnliche Entwicklung genommen – die Zeiten als Fanclubs und Fanvertreter einfach so zur „Säbener“ fahren und mit Uli im persönlichen Gespräch in seinem Büro Fan-Probleme diskutieren konnten und er auf dem kurzen Dienstweg diese zu lösen vermochte, sind endgültig vorbei – machen wir uns da nichts vor.

Eine Sache allerdings – bilde ich mir ein – wäre unter einem aktiven Hoeneß anders verlaufen:

Nach den umfänglichen Protesten gegen ein Trainingslager in Katar und ein Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien Anfang 2015, hätte er – natürlich abgesehen von Verträgen oder Verpflichtungen im Hintergrund, von denen wir alle nichts wissen – Ende 2015 und Anfang 2016 mindestens eine glaubwürdigere Kommunikationsstrategie an den Tag gelegt und – da bin ich mir relativ sicher – den Deal mit dem Flughafen von Doha in dieser Gemengelage und Stimmung versucht, zu verhindern.

Unter einem Präsidenten Uli Hoeneß hätte der FC Bayern keinen „Leiter Public Affairs“ einstellen müssen, der den Vorstand – wie man damals gerüchteweise hörte – in ethischen Fragen berät…

In diesem Sinne: Mach‘ es* nicht noch einmal, Uli!

*Präsidentschaft

Weitere Links zum Thema:

Ach, Uli #1 (20.04.2013)

Von Wagenburgen, Medien, Tränen, dem Mob. Und Uli. (15.11.2013)

Ach, Uli #2 oder Stunde Null (14.03.2014)

Ach, Uli #3 (14.06.2014)

Offener Brief an den Vorstand

Sehr geehrte Herren des Vorstandes der FC Bayern München AG,

ich bin heute auf den Tag genau seit 25 Jahren Mitglied des FC Bayern München e.V. und seit über 35 Jahren Fan unseres FC Bayern. Mein erstes Spiel sah ich 1989 im Münchner Olympiastadion und bin seit damals zu Dutzenden Spielen gereist, kaufte mir 1992 gar eine Dauerkarte für die Südkurve, obwohl ich 620 km vom Stadion entfernt wohnte. Über all diese Jahre konnten wir einige Titelgewinne feiern, erlebte ich aber auch schmerzliche Niederlagen wie „Barcelona“ oder „Wien“ oder „Rotterdam“. 1999 im Berliner Pokalfinale oder 2012 im „Finale Dahoam“ war ich gar live vor Ort.

Warum leite ich meinen Brief an Sie mit diesen Beschreibungen ein? Weil ich Ihnen verdeutlichen will, wie viel wir alle zusammen mit dem FC Bayern erlebt haben, wie sehr mir mein Verein ans Herz gewachsen ist, wie viel und wie lange er mir schon so viel bedeutet. Ich wähle meine Worte aus diesem Grunde nicht unüberlegt oder leichten Herzens.

Meine Liebe zum FC Bayern entdeckte ich, als Uli Hoeneß Manager unseres Vereins wurde und diesen „aus den Schulden“ geholt und zum modernen FC Bayern gemacht hat – einem der größten und erfolgreichsten Fußballvereine Europas, wenn nicht gar der Welt. Ein vorbildlicher Verein. Diese Entwicklung geschah nicht von heute auf morgen, sondern stetig und kontinuierlich – gesund würde man heutzutage wohl sagen. Für diese Art des Wachstums wird ein Uli Hoeneß immer einen besonderen Platz im Herzen eines jeden Bayernfan haben.

Zum Zeitpunkt meines Vereinseintritts – vor 25 Jahren – war der FC Bayern schon ein gestandener Club, in vielen Punkten aber trotzdem noch ein anderer Verein als er es heute ist. Veränderung ist zunächst einmal per se nichts Schlechtes, es stellt sich nur die Frage, welche Art von Veränderung man als Fan gerade so noch akzeptieren kann und wo es zu weit geht. Diese Grenze zieht jeder Fan für sich und seinen Verein sehr persönlich.

Für mich hat diese Grenze mit dem Thema Katar zu tun.

Ich verstehe, dass, insofern die FC Bayern München AG ihren Status quo bewahren oder gar ausbauen will, Wachstum oder die Generierung neuer Geldströme vonnöten sind – allein, weil es „die Anderen“ gleichermaßen tun, die mit uns international in Konkurrenz stehen. Eine Sichtweise, die diesen Zusammenhang ignoriert, wäre mehr als weltfremd. Mir ist ferner klar, dass ein Unternehmen wie die FC Bayern München AG – was seinen Anspruch an seine Sponsoren oder Geldgeber angeht – eher nicht agieren kann wie z.B. der FC St. Pauli – ich habe aber nun einmal – als Fan wie als Mensch – ein Problem damit, dass ausgerechnet der FC Bayern, als Verein mit einer großen jüdischen Tradition – zu der sich der Verein ja (inzwischen) bekennt und diese lebt („Kurt-Landauer-Platz“, Ausstellungen israelischer Künstler in der Allianz-Arena, etc.) – mit Ländern wie Katar geschäftliche Beziehungen unterhält. Einem Land, welches Israel – gelinde gesagt – ablehnt und u.a. israelischen Sportlern die Einreise verwehrt.

Für mich ist dies ein Widerspruch – wie stehen Sie dazu?

Des Weiteren stört es mich, wie Sie argumentativ mit diesem Problem umgehen bzw. umgegangen sind. Nach den – erstmaligen – größeren öffentlichen Protesten im Rahmen des Trainingslagers des FC Bayern in Katar im Jahr 2015 (sicherlich auch in Bezug auf das Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien), entschieden Sie sich Ende 2015, erneut Teile der Winterpausen-Vorbereitung dort zu absolvieren. Einerseits gibt es Äußerungen, dass ein Trainingslager in Katar per se keine politische Äußerung sei (Frage: Akzeptiert oder zumindest toleriert man aber die Zustände in einem solchen Land nicht doch, insofern man sich als weltweit einflussreiche Marke „FC Bayern“ dort präsentiert?), andererseits erfahren wir vor dem Trainingslager, dass sich Spieler des FC Bayern laufend über die politische Lage in diesem Land informieren und entschieden hätten trotzdem dorthin zu reisen, man vor Ort „die Augen aufhalten“ und mit der Regierung sprechen wolle.

Ob all dies geschehen ist, erfuhren wir im Nachgang nicht. Was die Öffentlichkeit erfuhr, ist, dass die FC Bayern München AG nicht nur nicht nach alternativen Reisezielen für Trainingslager gesucht, sondern sich stattdessen – durch die Partnerschaft mit dem Flughafen von Doha – wirtschaftlich noch enger an Katar gebunden hat.

Diese Zeilen sollen Ihnen einen unmittelbaren Eindruck darüber vermitteln, wie sehr Fans wie ich darüber enttäuscht sind, dass der Verein es weder geschafft hat, die Bedenken der Fans über diese Vorgehensweise (und diese Probleme sind Ihnen bekannt, wie wir aus veröffentlichten, direkten Gesprächen mit einzelnen Fans wissen) in seine Handlungsweisen einfließen zu lassen, noch den Eindruck widerlegen konnte, dass die Krisenkommunikation wirklich nachhaltig war, will sagen, dass der FC Bayern hier tatsächlich meint oder tut, was er sagt.

Ich möchte als jahrzehntelanger Fan und Mitglied meines FC Bayern nicht die unausweichliche Entwicklung im modernen Fußball stoppen, ich will nur wieder den Eindruck gewinnen, dass mein Verein auch in der Gegenwart oder Zukunft noch ein Stück von dem Verein repräsentiert, dem ich 1991 beigetreten bin:

Nicht um jeden Preis den Erfolg zu suchen, sondern neben einem sozialen auch ein moralisches Gewissen zu haben – ist dies der Fall?

Mit rot-weißen Grüßen
Oliver Schmidt

Bayernfan (seit über 35 Jahren) und
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Jedem Abschied wohnt eine gewisse Taktik inne

Ganze drei Berichte wollte ich im Trubel der letzten Wochen schreiben. Einen nach der Championsleague-Niederlage gegen Arsenal, einen nach dem Entschluss meines Herzensverein – trotz der massiven Proteste Anfang 2015 – nun doch 2016 erneut zum Trainingslager nach Katar zu fahren und einen eben jetzt, nach dem Feststehen, der Gewissheit, dass uns unser Trainer doch zum Ende seiner Vertragslaufzeit verlassen wird.

Da wir wissen, dass nicht nur im Leben sondern auch im Fußball alles irgendwie zusammen hängt, wird es nun nur ein Bericht werden.

Es soll sowohl um die Wertschätzung für unseren Trainer Pep Guardiola – vor allem durch uns Bayernfans – als auch um eine Einschätzung über ihn gehen. Ich will meine Gedanken und Zerrissenheit beim Thema Katar zum Besten geben und meine Leser ggf. an schmerzlichen Entschlüssen teilhaben lassen.

Zum Schluss geht es mir darum noch einmal zusammenfassend meine Gefühlslage zum Irrsinn rund um das Thema Vertragsverlängerung Guardiolas, den Medien, seinem Abschied und jeder Menge offensichtlich alter Rechnungen darzustellen.

Viel Stoff, legen wir los.

Das ist nicht mehr mein, Dein, unser FC Bayern!

Es begann schon in Guardiolas erster Saison in München, als ich aus Fankreisen erste Kritik an Guardiola vernahm. Zumeist leise und im direkten Gespräch, fühlte man sich doch – nicht ganz zu Unrecht – ob der erfolgreichen Saison 2013/14 nach der Triple-Saison in der Minderheit. Ich hörte zum ersten Mal diesen Satz, den ich noch öfter hören sollte:

Der macht unseren Verein kaputt!

Damals wie heute bin ich mir nicht sicher, was damit gemeint war. Ich kann mich zumindest an kein Argument erinnern, welches mich zu überzeugen vermochte. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich an gar kein Argument erinnern.

Dann versuch‘ ich es einfach selbst. Was könnte einen Bayernfan am Menschen / Trainer Guardiola stören?

Ich antworte mit meinen Gedanken:

1. Sein Engagement als Werbeträger / Botschafter für Katar?

2. Sein politisches Engagement für ein unabhängiges Katalonien?

3. Seine Vorgeschichte zum Thema Doping?

Könnte andere Bayernfans ferner gestört haben, dass wir auf einmal so viele Spanier im Team hatten?

Ist es für Einige ein Problem, dass Guardiola rigoros einige absolut abgeschottete Trainingseinheiten eingeführt hat?

Ist das vermeintliche „Absägen“ des langjährigen Mannschaftsarztes Müller-Wohlfahrt oder des Publikumslieblings Schweinsteiger ein No-Go gewesen?

Guardiolas nicht gerade überschäumende Liebe gegenüber der Presse und den Medien im Allgemeinen ist sicher nur für Presse und Medien ein Problem gewesen und nicht für die Fans des FC Bayern – da bin ich mir sicher.

Zur Auflösung obiger Punkte:

Ganz, ganz selten habe ich Fans einmal über die Themen 1-3 reden hören, zumeist brachte ich selbst derlei zu Wort, wenn es in Diskussionen um Pep ging.

Hispanisierung.

Wie viele Spanier sind in Abstimmung und vor allem auf ausdrücklichen Wunsch von Guardiola verpflichtet worden?

Thiago, klar. Dazu noch Bernat. Und Alonso. Tatsächlich? Ich bin mir nicht sicher, lasse mir gerne Belege vorlegen. Verifiziert ist, dass Guardiola gegen den Verkauf von Kroos war. Er wurde überstimmt. Davon ab: Martinez und Reina waren schon da, als Pep kam (wobei ich mir bei Reina auch nicht sicher bin)…

Wie „machtvoll“ der Katalane also beim FC Bayern war (denn Machtfülle, bzw. zu viel davon, soll ja der Begriff „Hispanisierung“ suggerieren, oder?), zeigt sich sicher auch anhand des einen oder anderen Transfer eines Spielers, der nicht zwingend dem Prototypen des Guardiola’schen Spielers entspricht. Metaebene.

Der Abschied des HWMW von der Säbener Straße war sicher unschön, aber im Großen und Ganzen doch ohnehin geplant. Vergleicht man die medizinische Abteilung des FC Bayern bei Peps Ankunft in München mit der Versorgung bei anderen europäischen Großclubs, dann hatte (und hat) unser Verein da immer noch Nachholbedarf, um es einmal freundlich auszudrücken. Bei all den Verdiensten, die sich Müller-Wohlfahrt rund um den FC Bayern erworben hat – es war schlicht nicht mehr zeitgemäß. Für höchste europäische Ansprüche. Natürlich können wir uns gerne über eines der Lieblingszitate von Pep unterhalten, welches ich auch immer wieder höre („Ist ein Spieler nach 4 Wochen wieder fit, will ich ihn nach 3 Wochen schon wieder auf dem Platz sehen.“) – vor allem von Pep-Gegnern, ob inner- oder außerhalb des FC Bayern.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Selbstverständlich bin ich ebenfalls total dagegen, dass wir Spieler einsetzen, die noch nicht wieder 100% gesund sind (von „fit“ wollen wir hier gar nicht erst reden), aber ich bin schlicht davon überzeugt – solange mir nichts Gegenteiliges belegt wird, dass selbst ein Guardiola nicht das Risiko einer erneuten Verletzung eines frisch genesenen Spielers eingeht. Was hätte er davon – er ist schließlich auf einen ebenso gesunden wie vollständigen Kader angewiesen. Dieser Hintergedanke ist imho genauso absurd wie das frühere Gerücht, die Bayern würden Millionen für Spieler ausgeben, die sie dann nur auf die Bank setzen, weil es ihnen reicht, die Konkurrenz zu schwächen. Betriebswirtschaftlicher Wahnsinn, imho.

Nein, obiges Zitat (Lost in Translation?!) will – meiner Meinung nach – nur zum Ausdruck bringen, dass Guardiola seine Verletzten so schnell wie möglich(!) wieder zurück haben will. Wer würde das nicht wollen – inklusive des Spielers?

Apropos Spieler. Wir sollten in diesem Zusammenhang beizeiten auch einmal beleuchten, warum es immer wieder die gleichen Spieler trifft und Andere, die ja unter dem gleichem Trainer spielen und trainieren, viel weniger Probleme mit dieser ach so desaströsen Vorgehensweise haben…

Thema Bastian Schweinsteiger.

Schweinsteiger wurde zum und ist immer noch ein Liebling der (Fußball)massen in Bayern wie in Deutschland. Er wurde von 2012 über 2013 bis 2014 vom tragischen zum alles überstrahlenden nationalen Helden. Solche Geschichten und Lebensläufe lieben wir Deutschen. Ich auch. Und Schweinsteiger hatte unter Guardiola immer seinen Platz im Team, auf dem Rasen. War er gesund – oder zumindest spiel fit – stand er in seiner Startelf. Gerne lasse ich mich überzeugen: Aber wann drückte Bastian Schweinsteiger unter Guardiola die Bank?

Sein Abschied zu Manchester United, zu seinem Förderer – und „Entdecker“ ob seiner Idealposition – Louis van Gaal, geschah doch auf ausdrücklichen Wunsch Schweinsteigers. Nichts und niemand konnten ihn vom Gegenteil überzeugen.

Wieso also Guardiola diesen Transfer anlasten? Ganz abgesehen davon, dass der Spieler (nicht der Mensch) Schweinsteiger heuer schon gar nicht mehr vermisst wird, oder täuscht da mein Eindruck der gerade abgelaufenen Hinrunde?

Ein anderer Spruch, der mir zu Ohren kam, lautete:

Das ist nicht mehr mein FC Bayern!

Von all den Sätzen, die mir beim Thema Guardiola aus bayerischem Munde entgegnet wurden, verstehe ich diesen Satz am wenigsten. Was soll das sein, „mein FC Bayern“? Die Antwort ist doch immer sehr individuell und für jeden Fan etwas anderes.

Was stört denn am aktuellen FC Bayern? Ist er zu langweilig, zu dominant, zu erfolgreich, zu Spanisch, zu was weiß ich?! Nicht falsch verstehen, ich will es wirklich gerne einmal wissen, was mit diesem Satz gemeint ist.

Soll der FC Bayern wieder so werden, wie er unter Felix Magath war? Mit desaströsen Championsleague-Gruppenphasen? Mit rein nationaler Stärke und den Ängsten vor jeder Auslosung, bloß nicht schon zu früh auf einen der „Großen“ zu treffen? Mit dem – tatsächlich – oft langweiligen Fußball eines Ottmar Hitzfeld, wo wir über Jahre von Einzelleistungen abhängig waren (Flanke Sagnol, Kopfballtor Ballack; Roy Makaay, etc.)? Wo uns ein echtes Spielsystem fehlte und wir all diese hässlichen Heimremis erleben mussten?

Soll es so sein, wie damals, als ich es als Sensation empfand, dass ein Jürgen Klinsmann in einem Spiel in Köln in der Halbzeit die spieltaktische Aufstellung umstellte? Wahnsinn und das beim FC Bayern. Wir reagieren auf das Spiel, stellen von Vierer- auf Dreierkette um! Nun, es blieb ein Experiment. Nicht nur in diesem Spiel, nein, die ganze Klinsmann-Story.

Oder geht es eher um den Verein an sich, seine Struktur, seine Gesellschaftsform, seine Führungskräfte? Nun, bei dieser Sehnsucht könnte ich mitgehen, allein, von regelmäßigen Meisterschaften, Teilnahmen am Europapokal müssten wir uns dann verabschieden. Können wir Bayernfans derlei überhaupt noch? Sind wir Misserfolg überhaupt noch gewohnt?

Ich habe da meine Zweifel, wenn ich mich an manche Kommentare nach obiger Niederlage (der einzigen, ansonsten nur Siege, inklusive neuem Gruppenphasenrekord) gegen Arsenal denke…

Noch einmal – ich bin offen für Argumente. Wer sich oben angesprochen fühlt, darf seine Sicht der Dinge gerne in die Kommentare schreiben.

Katar und ich.

Mein FC Bayern hat sich – nach einigem Hin und auch Her – dazu entschlossen, erneut sein Wintertrainingslager in Katar abzuhalten. Dies tat der Verein im Wissen ob der multiplen Proteste – auch in meinem Blog – zu dieser Reise. Wir müssen nicht alle Fakten erneut durchgehen, die wir schon im Januar in epischer Breite durchgegangen sind, es hat sich hinsichtlich Katar und der dortigen Situation ohnehin nichts (zum Besseren) geändert. Ich will hier auch nicht noch einmal, die anstrengenden Diskussionen führen, wer, wann, wen, wie intensiv kritisieren darf und wer nicht. Ich will nicht klären, bis zu welchem Grad man sein eigenes Leben ändern muss oder sollte, bis man den FC Bayern dafür kritisieren darf, was er dort im Januar schon wieder veranstaltet.

Es geht mir auch nicht darum, wie oft nun der FC Bayern schon in Katar war und dass es „früher ja auch niemanden gestört hat, als der FC Bayern dort sein Trainingslager abgehalten hat“.

Ich will darüber reden, wie mein Verein auf die – wahrnehmbaren – Proteste im Januar reagiert hat und was er im Nachgang gesagt hat, wie er sich zukünftig verhalten will. All das will ich in Relation setzen zu dem, was mein Verein im Rahmen des nächsten Trainingslagers dort gesagt oder getan hat, denn darum geht es mir:

Kann ich meinen Verein noch ernst nehmen bei solchen Themen und falls nicht, wie gehe ich persönlich damit um und kann ich es noch ertragen oder ist dort eine Grenze überschritten. Konsequenzen muss immer jeder mit sich selbst ausmachen und diese Entscheidung kann dir auch niemand abnehmen.

Hier die aktuellen Aussagen des Vereins:

Aus der Politik gibt es bereits erste Attacken gegen die Bayern-Entscheidung. Befürchten Sie noch mehr Kritik?

Wir wissen, dass wir in ein Land fahren, in denen die Menschen teilweise eine andere Kultur als in Deutschland pflegen. Wir informieren uns. Aber ein Trainingslager ist keine politische Äußerung. Niemand sollte Dinge vermischen, die nicht zusammen gehören.

Menschenrechtsorganisationen verurteilen vor allem die Willkür, der ausländische Arbeiter im Gastgeberland der WM 2022 ausgesetzt sind.

Der FC Bayern hat, begünstigt durch die Erfolge seit 2010 in der Champions League, viele Anhänger in der ganzen Welt dazu gewonnen. Wer sich dann um diese Fans bemüht und in die Welt begibt wie wir, wird lernen müssen, auch mit anderen Kulturen umzugehen. Wir kommen als Sportler ja immer mit der Botschaft von Integration und freier Lebensgestaltung. Das wissen unsere Partner in Katar. Sie kennen unsere Überzeugungen, zum Beispiel bei der Frage von Arbeiterrechten. Aber sie werden uns nur zuhören auf der Grundlage von Respekt und Vertrauen. Deshalb sprechen wir mit ihnen und nicht über sie. Der Sport kann Brücken bauen und Partnerschaften entwickeln, das ist eine seiner Stärken, aber er muss es immer mit den Mitteln des Sportes versuchen. Wenn es eine Chance auf Veränderungen durch Sport gibt, dann liegt sie in Partnerschaften.

So unser AG-Vorsitzender Rummenigge am 13.12.2015 im Springer-Blatt „Sportbild“.

Am 15.12.2015 legt man – ebenfalls in der „Sportbild“ – nach und zieht die Spieler mit hinein:

Die Spieler hatten sich mit der Lage in Katar beschäftigt, erkundigten sich auch bei der internen Klub-Abteilung „Public Affairs“. Bei der internen Diskussion kamen nicht nur die sportlichen Rahmenbedingungen, sondern auch die Menschenrechte, die politische Haltung und die aktuelle Terrorgefahr nach den IS-Anschlägen in Paris zur Sprache. Die Bayern-Stars waren sich am Ende einig: Ein Boykott des Trainingslagers wäre die falsche Botschaft. Durch Präsenz vor Ort würden Diskussionen über Veränderungen im Land des WM-Gastgebers 2022 eher angestoßen.

Auf einmal sind Bayern-Spieler, sind Sportler doch politisch interessiert und äußern sich politisch? Wem will man hier einen Bären aufbinden?

Diese Äußerungen muss man in einen Kontext zur eigenen jüdischen Vergangenheit des FC Bayern setzen, denn der Verein steht ja nun seit einigen Jahren offen dazu – was von all dem unabhängig sehr lobenswert ist, auch im Vergleich zu früheren Zeiten. Aber wie passt ein Trainingslager in einem Staat / einer Region, der ganz offenbar Probleme mit Israel und Juden hat (um es einmal beschwichtigend zu beschreiben), zusammen mit dem Engagement des FC Bayern?

‚Art Works‘-Ausstellung in der Allianz Arena eröffnet

Spielerische Kunst zeigt die Mannschaft des FC Bayern regelmäßig auf dem grünen Rasen. Aber auch abseits des Spielfeldes werden in der Allianz Arena ab sofort künstlerisch neue Akzente gesetzt. Am Samstag eröffnete Andreas Jung, Vorstandsmitglied des FC Bayern, gemeinsam mit Dr. Dan Shaham, Generalkonsul des Staates Israel, im Logengang der Ebene 5 eine Ausstellung des Projekts Art Works – junge israelische Kunst auf Welttournee. Rund 200 Bilder und 60 Skulpturen werden auf dem Logengang der Allianz Arena mindestens bis Ende Februar zu sehen sein. Art Works hat es sich zur Aufgabe gemacht, einzigartige Kunstwerke auf der gesamten Welt zu präsentieren. An drei Publikumstagen (3. Januar, 24. Januar und 14. Februar 2016) haben die Besucher die FC Bayern Erlebniswelt die Möglichkeit, die Ausstellung zu besichtigen.

Oder eben seiner Historie?

Mit der privaten Namensgebung des Platzes durch den FC Bayern soll an die Lebensleistung von Kurt Landauer erinnert werden, der zwischen 1913 und 1951 insgesamt 19 Jahre das Amt des Präsidenten bekleidete und dessen Liebe zum Verein zwei Weltkriege und den Holocaust überdauerte. „Kurt Landauer ist für mich persönlich mit seiner Weltoffenheit der erste moderne Präsident gewesen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, „ich bin stolz, dass ich Vorstandsvorsitzender eines Vereins bin, der heute für Internationalität, Offenheit, Professionalität und Standfestigkeit steht, weil uns Kurt Landauer mit seiner Kultur der Versöhnung vorangeschritten ist. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir heute einen Kurt-Landauer-Platz bekommen, der sowohl Erinnerung als auch Auftrag sein soll für uns und unsere Anhänger.“

Seit dem feststeht, dass der FC Bayern erneut nach Katar reisen wird, bin ich zerrissen. Ich schwanke zwischen mehreren Szenarien hin und her. Es ist für mich keine Option, dass ich einfach weitermache als sei oder werde nichts geschehen. Derlei Verhalten würde meine Worte und Überzeugungen, die ich in diesem Zusammenhang zu digitalem Papier gebracht habe, konterkarieren. Gleichwohl sind meine Handlungsoptionen als Fan begrenzt. Ich weiß zwar, dass mein Blog an der Säbener Straße gelesen wird, aber für öffentlichen Aufruhr ist meine Reichweite dann doch viel zu gering.

Im Januar waren einige Fans viel weiter, als ich es immer noch nicht bin. Sie traten aus dem Verein aus, entsagten gar ihrer Zuneigung zum Club ihrer Jugend. Konsequenz, Überzeugung oder Haltung sind Worte, die mir in diesem Zusammenhang einfallen. Ich trat nicht aus, hielt mir aber einen Auftritt auf der JHV offen. Als die JHV anstand, fiel mir diese (angekündigte) Option wieder ein und ich ertappte mich dabei, dass ich nicht mehr so wütend war, wie noch 10 Monate zuvor. In Kombination mit unserem anstehenden Umzug (Kind & Kegel) und (nicht nur deshalb) fehlenden finanziellen Mitteln (plus einigen anderen Gründen, die sehr persönlich und (noch) nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind), entschied ich mich gegen eine Anreise und Katar-Rede.

Als ich Kommentare nach dieser JHV las, wo denn all die bayerischen Protestler auf der JHV gewesen seien und vor allem zusammen mit der Gewissheit, dass der Verein „es“ doch wieder tun würde, fühlte ich mich richtig schlecht. Dieses „schlecht“ steht in keiner(!) Relation zu den Problemen, die Menschen haben, die ganz real unter den Umständen zu leiden haben, die in Katar herrschen, ich möchte lediglich an dieser Stelle eingestehen, dass ich hier eigentlich hätte anders handeln müssen, als ich es getan habe und dass ich dies im Nachhinein bedaure.

Die Bayernfans, die sich, wie ich, für einen Verbleib im Verein entschieden haben, aber teilweise noch ernsthafter an z.B. einer Rede auf der JHV gearbeitet haben, bedauerten es sicher ähnlich wie ich, nicht dort aufgetreten zu sein, aber hinterher ist man – wie so oft – schlauer als zuvor.

Für mich persönlich bietet die Zukunft nun mehrere Optionen:

Ich trete aus dem Verein aus und setze so ein Statement. Den Verein wird es bei seiner Mitgliederzahl nicht sonderlich jucken und viele der Bayernfans, die nach mir in den Verein eingetreten sind, wird es eher freuen (niedrige Mitgliedsnummer, etc.). Den Mitgliedsbeitrag könnte ich stattdessen spenden und in den Spiegel könnte ich dann auch wieder besser schauen (ok, das ist vielleicht doch etwas pathetisch).

Eine weitere, unmittelbare Konsequenz eines Austritts ist die nicht mehr vorhandene Option selbst und offiziell an Karten für Spiele des FC Bayern zu gelangen.

Sagen wir es so: Wer an einem solchen Punkt angekommen ist, dass er aus Überzeugung aus seinem Verein austritt, den sollte diese fehlende Option nicht zwingend stören. Tatsächlich gibt es hier aber eine Dimension, die mich spürbar beschäftigt. Trete ich aus, nehme ich auch meinen Kindern – hier vor allem dem Großen – eine Möglichkeit, Spiele seines Verein im Stadion live zu verfolgen, d.h. es geht nicht nur um mich, denn offenbar gibt es einen Unterschied, ob Mitglied Nr. 8.000 oder 275.000 Karten bestellt…

(Natürlich weiß ich um all die anderen Kanäle, aber zwischen Mitgliedschaft und Kartenbestellungen gibt es nun einmal einen direkten Zusammenhang.)

Ein Verbleib im Verein und somit die bestehende Möglichkeit zu nutzen, direkt und unmittelbar mit dem Vorstand des FC Bayern zu kommunizieren, steht aktuell immer noch im Raum. Im Vorfeld dieses Beitrages hatte ich zwar gehofft, bei meiner Entscheidungsfindung schon weiter gekommen zu sein, allein, es gibt noch keine Richtung. An manchen Tagen bin ich entschlossen, die „Brocken einfach hinzuschmeißen“, an anderen Tagen sehe ich mich auf der JHV. Dazwischen gibt es durchaus auch Resignation, ja, warum sollte ich das verschweigen?

Das Trainingslager findet im Januar statt, ein Austritt muss bis Ende April erfolgt sein – ich hoffe ich bin bis dahin mit mir im Reinen.

Apropos Entscheidung.

Abschied von Pep Guardiola.

Es ist vorbei. Endlich möchte ich hinzufügen. Gemeint ist damit nicht die Ära Pep Guardiola sondern der mediale Zirkus, den wir seit Monaten erleben. Einige Sportjournalisten sind meiner Meinung nach vor einiger Zeit falsch abgebogen, denn anders kann ich mir all dies nicht erklären. Sicher, es ist ein medialer, wohl auch deutscher Reflex, dass man dazu neigt, Helden zu schaffen, Helden zu verehren, wer schaut nicht gerne zu Erfolgreichen auf und hofft, dass ein wenig von diesem Glanz auf einen selbst abfärbt. Auch und gerade im Rahmen des FC Bayern trifft man derlei häufiger an. Und ich habe – trete ich einmal einen Schritt zurück und betrachte es weniger emotional – natürlich komplettes Verständnis dafür, dass man als Sportjournalist davon lebt, dass Leser die eigenen Artikel, Berichte, die eigene Arbeit lesen, anschauen, klicken, konsumieren. Man schreibt all dies ja nicht nur für sich selbst. Obwohl… Egal.

Den Umkehrschluss und die offensichtliche Kausalität – und die beobachte ich jetzt schon seit Jahren, auch und gerade beim FC Bayern – einen zuvor in höchste Höhen gehobenen Helden wieder fallen zu sehen, fallen zu lassen – dieser zwingende Zusammenhang erschließt sich mir nicht. Und einem Pep Guardiola offenbar ebenfalls nicht. Schon vor seiner Zeit beim FC Bayern – er kam ja sogar mit dieser misstrauischen Grundhaltung in München an – ein Mysterium, ein Kuriosum für die alteingesessene, über Jahrzehnte gewachsene Münchner Mediengesellschaft. Ein Unding geradezu, beinah als Beleidigung für „die Presse“ gemeinte Arroganz. Was erlaubt sich dieser Kerl, uns nicht 24/7 zur Verfügung zu stehen?

Gut, diese Haltung kam sicherlich erst später zutage, die ersten Wochen und Monate waren faszinierend, waren neu, waren so international, so glanzvoll, so Barcelona in München. Dann seine erste Rückrunde in München und die schallende Niederlage gegen Real Madrid. Pep kann die Leistung von Don Jupp tatsächlich nicht aus dem Stand wiederholen? Ist er gar menschlich? Im zweiten Jahr noch schlimmer – nur die Meisterschaft! Das skurrilste Ausscheiden in der Geschichte des DFB-Pokal-Halbfinale und einem Barcelona durch massive Verletzungssorgen im Grunde schutzlos – aber zumindest nicht kampflos – ausgeliefert. Unwichtig, Supermann hat zum zweiten Mal versagt, nicht für das dritte Triple in Folge gesorgt. Schlimm.

Die aktuelle Saison stellt hier natürlich alles in den Schatten! Dominanz und neue taktische Weiterentwicklungen hin oder her, Guardiolas Fußball ist schlicht langweilig und vor allem, wann äußert er sich endlich zu seiner Vertragsverlängerung?!

Sie wissen, ich muss das fragen…

Mir fehlen die richtigen Worte, um meine Abneigung in diesem Punkt angemessen zu artikulieren. Aber so sehr ich den Abschied aktuell bedaure und seine fehlenden Innovationen in Zukunft vermissen werde, so sehr bin ich glücklich, dass wir nun ein paar Wochen oder Monate Ruhe vor diesen Fragen haben. Damit mich keiner falsch versteht, ich bin der erste Verfechter für den Journalismus, die vierte Macht im Staate. Ich empfinde es als essentiell, dass wir auch in Zukunft guten Journalismus und gute Journalisten in diesem Land haben, aber was hat es mit (gutem) Journalismus zu tun, wenn ich über einen halbes Jahr in Pressekonferenzen der gleichen Person immer die gleiche Frage stelle, obwohl ich genau weiß, dass diese Person diese Frage nicht beantworten wird? Das hat mit Recherche, mit den originären Aufgaben von Journalisten doch nichts zu tun. Das ist noch nicht einmal „kritisches Nachfragen“, derlei könnte auch ein Papagei leisten.

Von all dem abgesehen, müssen wir der Tatsache ins Auge sehen, dass Deutschland, die Bundesliga und auch der FC Bayern einen Pep Guardiola schlicht nicht verstanden hat, verstehen wollte oder ganz offensichtlich immer noch nicht bereit ist für derlei Innovationen im Fußball. Das ist ebenso schade wie bezeichnend. Natürlich gibt es hier löbliche Ausnahmen, aber die „alte Garde“ im deutschen Sportjournalismus gab und gibt gerade mit den Äußerungen beim Thema Trainer Guardiola kein gutes Bild ab.

„In der Hälfte der Spiele hat Guardiola nach 15 Minuten die Taktik gewechselt. Wäre er der große Taktiker, hätte er sofort so gespielt.“

Waldemar Hartmann

„FC Bayern: Von Guardiola wird nicht viel bleiben“

FOCUS Online

„FC Bayern: Auch das Triple macht Pep Guardiola nicht zum Heynckes“

DIE WELT

Plötzlich will man bei Guardiola taktische Defizite entdeckt haben, soll es im Team nicht stimmen, steht quasi der Verein kurz vor dem Untergang, oder so. Ach und unser neuer Trainer Carlo Ancelotti ist natürlich der (neue) Heiland. Was sonst?! Bis auf weiteres.

Ich muss ehrlich eingestehen, dass ich nach den letzten Tagen einfach nur müde bin. Ich werde die üblichen Verdächtigen in Ihrer Art und Weise, Sportjournalismus zu betreiben nicht ändern (können), warum es also versuchen? Ich werde nach diesem Beitrag in die Winterpause eintauchen und für die Rückrunde das Schlimmste befürchten. Nicht für den FC Bayern und die anstehenden Spiele und mögliche Titel im Frühjahr – hier vermute / erhoffe ich vielmehr einen Effekt wie unter Heynckes 2013, da war schließlich von „Lame Duck“ auch nichts zu spüren (obwohl Heynckes im Sommer 2012 ebenfalls als der größte Depp unter dem Medienhimmel verunglimpft wurde). Nein, ich befürchte, dass Guardiola ab dem Auftakt der Rückrunden-Vorbereitung zum Abschuss freigegeben sein wird. „Früher“ bekamen Trainer (auch beim FC Bayern) Probleme, wenn sie Niederlagenserien produzierten, aber was unseren katalanischen Trainer angeht, ist die Messlatte so hoch, wie noch nie zuvor, d.h. jedes Gegentor, jeder Punktverlust wird ihm noch negativer angekreidet werden also zuvor und ich bin mir nicht sicher, wie sehr ihn mein Verein davor schützen wollen wird.

Es ist, wie es ist, unser Trainer wird uns verlassen, wir bekommen einen neuen, der ab 01.07. den Status quo verwalten und die Qualität hoch halten wird. Dafür ist Ancelotti bekannt und geschätzt. Er hat seine Qualitäten, er ist, sagen wir es offen, wohl der beste Mann, den wir als Nachfolger nach Pep kriegen konnten. Mein Ärger darüber, dass mein Verein nun wieder intensiver und exklusiver über Springer mit der Außenwelt kommuniziert, viele Medienvertreter endlich ihre Chance gekommen sehen, sich ausgiebig am Trainer abzuarbeiten und alles andere, was mich in den letzten Tagen massiv aufgeregt hat, wird verrauchen. Ob das nun gut oder schlecht ist, aber das Leben geht weiter und auch der FC Bayern wird weiter existieren. Ob und wie intensiv ich über 2016 hinaus noch Mitglied dieser Bayernfamilie sein werde, muss ich für mich – wie gesagt – noch herausfinden.

Allen meinen Lesern fröhliche und besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Weitere Links zum Thema:

FAZ: Rätsel und Faszinosum in einer Person
ZEIT: Der FC Bayern ließ sich nie ganz auf ihn ein
Miasanrot.de: Der König ist tot, es lebe der König.
MeinSportRadio.de: Fußball: Nach Pep Carlo – Was bedeutet das für den FCB? (Interview mit Breitnigge.de, .mp3-Link)

BL 2015/16 #12 FC Bayern – VfB Stuttgart

Die letzten fünf Spiele (Historie):

Saison 2014/15
13.09.2014: FC Bayern – VfB Stuttgart 2:0 (1:0)

Saison 2013/14
10.05.2014: FC Bayern – VfB Stuttgart 1:0 (0:0)

Saison 2012/13
02.09.2012 FC Bayern – VfB Stuttgart 6:1 (3:1)

Saison 2011/12
28.04.2012 FC Bayern – VfB Stuttgart 2:0 (1:0)

Saison 2010/11
14.05.2011 FC Bayern – VfB Stuttgart 2:1 (1:1)

Aufstellung:

Neuer (K) – Lewandowski, Robben, Costa, Rafinha, Boateng, Vidal, Müller, Alaba, Coman, Kimmich

Auswechselbank:

Ulreich – Benatia, Thiago, Martinez, Alonso, Lahm, Badstuber

Link zum Breitnigge-Kicktipp-Tippspiel.

Fußballer, Flüchtlinge, Menschen. Und die Anderen.

Meine Frau hat dies einmal in einem eigenen Blogbeitrag gesagt: „Fragt, solange ihr fragen könnt!“. Nun, ich kann meine Oma und meinen Opa nicht mehr fragen, wie das damals war, als sie selbst zu Flüchtlingen wurden. Die Eltern meiner Mutter wurden im Osten geboren. Im Osten des damaligen Deutschen Reiches. Meine Oma in Pommern, mein Opa in Ostpreußen.

Heute liegt ihre Heimat in Polen und der russischen Enklave Königsberg. Die Wirren des 20. Jahrhundert führten dazu, dass es keine deutsche Heimat mehr ist. Schuld daran waren in erster Linie die Deutschen selbst. Und ein sog. Führer aus Österreich.

Ich kann meine Großeltern nicht mehr fragen, wie das war als sie „vor dem Russen“ flüchten mussten. Vor Russen, die infolge der deutschen Kriegsführung in Russland nicht sonderlich gut gelaunt waren. Nicht nur deutsche Soldaten, nein, auch die sogenannte Zivilbevölkerung schwebte schlicht in Lebensgefahr. Wer blieb, musste um Leib und Leben fürchten (wie zuvor die Russen vor den deutschen Soldaten).

Von sich aus redeten Oma und Opa eher nicht über diese Erlebnisse und ich als Enkel gehörte hier auch nicht zu einer kritischen „68er-Generation“, die die Vergangenheit der Eltern / Großeltern kritisch beleuchteten. Erst als meine Oma in hohen Alter war, erfuhr ich, dass sie sich offenbar „etwas von der Seele reden wollte“ und ihre eigenen Kinder – nach Jahrzehnten – in Teile der schockierenden Details über diese schlimme und schmerzvolle Zeit eingeweiht hatte.

Nun, nicht nur meine Familie, sicher viele Deutsche haben diese Geschichten in ihren Familien. Das halbe Ruhrgebiet hat doch eine Migrantenhistorie, nicht nur mein Opa fand nach dem Krieg Arbeit im Bergbau und arbeitete sich bis zum Steiger hoch. Und auch im Osten Deutschlands gab es über viele Jahrzehnte Flüchtlinge, die im Westen herzlich willkommen waren. Der sozialistische Arbeiter- und Bauernstaat war nicht für alle seine Bürger attraktiv und so zogen es von 1945/49 bis 1961 viele, vor allem junge und gut ausgebildete Menschen vor, in die BRD überzusiedeln. Erste Wirtschaftsflüchtlinge? Ab 1961 sicher nicht, denkt man an die Mauer, den Stacheldraht rings um, die Stasi und das Denunziantentum innerhalb der DDR. Menschen verließen trotz Mauer und Selbstschussanlagen ihre Heimat. Verließen Familie, Ehepartner, Kinder, Freunde, Job und altes, gesichertes Leben. Wofür? Für so etwas Selbstverständliches wie „Freiheit“? Verrückt. Lächerlich. Kannste jeden „besorgten Bürger“ nach fragen, der wird Dir das bestätigen…

In den letzten Tagen, in denen der braune Mob wieder durch Deutschland marschiert und scheinbar ungestraft vor Asylbewerberheimen – ob bewohnt oder nicht – marodieren, mit Feuer spielen darf und der deutsche Michel mindestens schweigend zustimmend nickt, gerne applaudiert und auch wohlwollend skandiert, hatte ich einige Diskussionen mit „Asylkritikern“, mit „Ich hab‘ ja nix gegen Flüchtlinge, aber (die Wirtschaftsflüchtlinge)…“ – Wahlberechtigten. Einige von ihnen auch Fans des FC Bayern. Dies zu erkennen, bescherte mir die ersten Rückenschauer. Ein Verein mit dieser Historie, dessen Führung, Spieler und Mitglieder so unter dem Nazi-Regime zu leiden hatten? In dem Flucht und Verfolgung so präsent war? Dessen große Mehrzahl seiner Fans sich dessen bewusst sind, die sich regelmäßig gegen Extremismus positionieren, die Fanturniere zum Gedenken verfolgter Ex-Präsidenten veranstalten? Fans eines solchen Vereins sind „keine Nazis, aber“, „haben nix gegen Kriegsflüchtlinge, aber“, „werden so was ja wohl noch sagen dürfen“?

Haben diese Fans auch Spielern wie Hassan – Brazzo – Salihamidzic oder Xherdan Shaqiri zugejubelt? Spielern, die aus den Wirren der Balkankriege in den 90er-Jahren des letzten Jahrhundert nach Zentraleuropa flohen? Die hier Schutz, Sicherheit und… Freiheit suchten? Beide hatten natürlich das Glück, dass sie klasse kicken konnten und dadurch privilegiert gegenüber anderen Flüchtlingen gewesen waren, aber sie waren nun einmal Flüchtlinge. Kann man Fan eines solchen Vereins sein und trotzdem gegen Flüchtlinge motzen, hetzen und Vorurteile schüren? Ich finde, man kann, dann ist man aber leider trotzdem ein Arschloch!

Aufmerksamen Lesern wird inzwischen aufgefallen sein, dass meine Pulsfrequenz im Laufe des Schreibens dieses Beitrages wieder mehr und mehr steigt. Im Grunde ist dies ein Dauerzustand. Ich hätte nämlich nicht gedacht, dass ich die Emotionen über brennende Asylbewerberheime nach 23 Jahren, nach Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen noch einmal empfinden müsste. Ich war und bin unfassbar wütend über die zwei Nächte von Heidenau (und anderswo) als „besorgte Bürger“, Rechte, Neo-Nazis, Rechtsextreme oder, ja, auch Rechts-Terroristen ungehemmt wüten durften und „der Staat“ kaum bis gar nichts dagegen unternahm! Nicht dass ich nicht schon zuvor eine Grundwut über all die Brandstifter aus dem sog. bürgerlichen Lager etabliert hatte, wo man „Verständnis“ für all die Pegida-Wirrköpfe zeigte, versuchte sich inhaltlich an die AfD anzunähern, um deren Wähler für die nächste Wahl zu sichern, oder gar unmittelbar vor Heidenau noch – auch aus Teilen unserer Bundesregierung – von „Missbrauch von Asyl“ (Es gibt keinen Missbrauch des Grundrecht / Menschenrecht auf Asyl – nur angenommene oder abgelehnte Anträge auf Asyl!), „weniger Anreizen für die Flüchtlinge“ oder „Kürzungen des Taschengeldes“ faselte (Wider besseren Wissens über die Gesetzeslage). Schlichtes Entsetzen breitete sich bei mir aus und als die Eskalation auf die Straßen schwappte, dachte ich nur einen Satz: „Siehste, so was kommt von so was“.

Sicher, Politiker – noch dazu zumeist aus der konservativen Ecke – sind leider oft so (was habe ich da in den letzten Tagen für schlimme Aussagen im Netz gelesen). Die wollen wieder gewählt werden, aber ab und an muss man doch auch einmal über den eigenen Horizont blicken und darüber nachdenken, welchen Kräften man in diesem Land mit diesen Aussagen Vorschub leistet. Oder ich darf mich nach Anschlägen und Terrorakten nicht hinstellen und Betroffenheit heucheln.

Besonders schlimm empfand ich auch die Erkenntnis, dass wir in Deutschland ein ganz generelles Problem haben und dies seit 1945 komplett ungelöst ist. Diesen Bericht kann einen auch schockieren, ohne dass man Verschwörungstheoretiker ist. Nein, eigentlich stimmt das alles, was dort geschrieben steht. Schlimm.

In den Tagen rund um #Heidenau überflutete ich meine sozialen Kanäle mit einer Menge von Tweets und Retweets über diese ungeheuerlichen Ereignisse und agierte auch als Multiplikator, da die „klassischen Medien“ zunächst gar nicht über Gewalt und Ausschreitungen berichteten. Andere Menschen in meinem Social-Media-Umfeld gingen direkt einen Schritt weiter und versuchten nicht nur vom Sofa aus mit dem eigenen Smartphone, sondern ganz real und direkt aktiv zu werden. Natürlich muss jeder sich selbst die Frage stellen, auf welcher Seite er steht, wie politisch er ist, was ihn das alles angeht und wie aktiv er sein will (Ich werte dies nicht, ich versuche zu motivieren.). Für mich steht aber Folgendes fest: Ich will nicht in einem Land leben, in dem solche Zustände herrschen!

Was aber kann ich, kann jeder von uns tun, damit diese Menschen (wobei ist „Menschen“ hier überhaupt der korrekte Begriff, wenn sich diese „Menschen“ wie Tiere verhalten in ihrem blinden Hass? Wenn diesen „Menschen“ jegliche Humanität abhandengekommen scheint?) nicht weiter glauben, sie wären in der Mehrheit und die „Revolution“, der „Umsturz“ in diesem Land steht unmittelbar bevor?

Es ist ganz einfach und die folgende Liste hält – meiner Meinung nach – für jeden etwas bereit.

1. Völlig unbestritten ist, dass es eine laute Minderheit und eine schweigende Mehrheit gibt. Fang also damit an, Dein Schweigen zu brechen. Schreib Deine Meinung. In die sozialen Netzwerke, in Leserbriefen an Zeitungen. Widersprich Menschen aus Deinem Umfeld, wenn diese ausländerfeindliche Parolen gutheißen, trete ihnen argumentativ entgegen. Mach Dich bemerkbar, schweige nicht länger.

2. Wenn Du weder die Kraft noch die Argumente für eine solche Auseinandersetzung hast, dann unterstütze doch Asylbewerber, Flüchtlinge ganz konkret. Werf‘ die Suchmaschinen an, auch in Deiner Stadt sind bestimmt inzwischen Flüchtlinge und Asylbewerber untergebracht. Informiere Dich, wie Du dort helfen könnt, ob direkt vor Ort als ehrenamtliche Helfer, oder durch Geld- und Sachspenden.

3. Geh‘ auf Demonstrationen (ich war auf einer Pegida-Gegendemonstration in Bonn – 3.000 Demonstranten ggü. 300 „besorgten Bürgern“ – ein gutes Gefühl). Gesell‘ Dich unter Gleichgesinnte. Stell‘ Dich in die Gruppe der Menschen, die noch Menschlichkeit empfinden gegen die Rechten, gegen die „besorgten Bürger“ – wir sind viele!

4. Setz‘ selbst Kinder in die Welt! Vermittel‘ Deinen Kinder, was wichtig ist, überschütte sie mit Liebe und Zuwendung, kümmer‘ Dich um sie, mache sie zu guten Menschen, damit sie ihrerseits Respekt vor anderen Menschen haben, Empathie entwickeln und sie nicht glauben, dass Fremde hier nicht hergehören sondern Vielfalt etwas Schönes, Wertvolles ist und wir Deutsche ohne Zuwanderung irgendwann aussterben.

Zugegeben, der letzte Punkt ist spontan etwas schwierig zu realisieren. Aber wenn man diesen Bericht meiner Frau gelesen habt, dann weiß man, warum sich Eltern Kinder anschaffen. Meine Frau und ich hatten uns spontan – unter den Eindrücken von #Heidenau – zu dieser Aktion entschlossen und was am Ende (hier: mit der Reaktion des Großen (s. Text)) dabei herauskam (neben der Hilfe ansich), ließ uns vor Stolz fast platzen. Aber lest einfach selbst.

Zum Thema Flüchtlinge gibt es inzwischen – Gott sei Dank – eine wahre Welle der Hilfsbereitschaft und Positionierungen. Beinahe so viel, dass ich lange kaum Motivation für einen eigenen Beitrag fand (Wurde doch alles schon gesagt, was soll ich da noch schreiben?). Aber ich ließ mich dann doch motivieren, allein mit dem Satz: „So was kann man nicht oft genug sagen!“. Word.

Dieser Beitrag sei hier erwähnt (Der Tim ist ein Guter!), weil er u.a. auch Links enthält für die Entkräftung von rechten „Kausalketten“ oder für das Gespräch im unmittelbaren Bekanntenkreis. Nämlich dieser, dieser und dieser Artikel.

Konkret beim zweiten Punkt hilft diese Webseite. Vielleicht ist ja auch Dein Ort dabei. Oder man spendet einfach ein wenig Geld. Ganz neutral und ohne weiteres Statement.

Was mir wichtig ist: Mach‘, was Du meinst machen zu können, aber lass‘ nicht zu, dass die Brandstifter gewinnen, dass die glauben, sie könnten sich in unserem Land alles erlauben! Wartet nicht ab, bis „die Politik“, „der Staat“, die Probleme gelöst haben, die zu der Flucht von Menschen führen. Die dazu führen, dass Eltern ihre minderjährigen Kinder auf eine lebensgefährliche Reise nach Europa schicken, damit wenigstens diese eine Chance aufs Überleben haben, oder dass sich 70 Menschen in einen LKW sperren lassen, nur weil sie ihre Heimat verlassen müssen, da sie dort verfolgt, bedroht oder schlicht geköpft werden. Lasst nicht zu, dass noch mehr Menschen in diesem Land die Menschlichkeit abhandenkommt.

#refugeeswelcome #mundaufmachen #bloggerfuerfluechtlinge #nazisraus #rassismusistkeinemeinung

Die Königsklasse – es geht wieder los.

Gestern fand die Auslosung für die Gruppenphase der UEFA-Championsleague statt. Endlich wird all das auch für den FC Bayern relevant. Diese Auslosung hingegen ist für mich persönlich uninteressant. So zumindest mein Gefühl in den letzten Tagen. Kling komisch, scheint aber so zu sein oder zu werden. In der Vergangenheit beschäftigte mich dies intensiver – offenbar findet hier eine leichte Abnutzung statt.

Sicher, Fans anderer Vereine mögen sich aufgrund solcher Sätze nur kopfschüttelnd abwenden, aber mir geht es hier vor allem um das Prozedere selbst, welches auf mich jedes Jahr eine größere Abneigung erzeugt. Jede Auslosung wird immer mehr zum Event. Zieht einfach die Kugeln, Ihr Bierhoff-Marketing-Funktionäre dieser modernen Fußballwelt (hatte ich schon erwähnt, dass ich vermute, dass ich „im Alter“ immer radikaler in meinen Ansichten werde?)! Wo ist Walter Baresel wenn man ihn mal braucht? Ich weiß, wir haben ja auch Bommes und keinen Huberty mehr…

Natürlich interessiere ich mich dafür, gegen wen mein Verein in dieser Königsklasse antreten muss. Aber die Emotion, hier vor allem die Sorge über ein frühes Ausscheiden, wie zu früheren Zeiten Mitte der 00er-Jahre, die ist mir in den letzten Jahren abhanden gekommen. Auch dies kann man bedauern, aber keine Sorge, diese Emotionen sind nicht gänzlich weg, sie beschäftigen sich dafür jetzt mit anderen Dingen (nein, ich fange nicht wieder von Trainingslagern in Winter- oder Sommerpausen an).

Die Analyse und Einschätzungen der Gegner überlasse ich inzwischen ohnehin anderen – die können das besser, oder haben auf jeden Fall mehr Zeit für so was als ich. Ich ertappte mich dabei, dass ich… beruhigt war, dass wir keine dieser „Hammergruppen“ erwischt haben und es somit möglich ist, dass wir nicht schon in der Hinrunde an unsere Leistungs- und Kadergrenzen gehen zu müssen. Damit will ich nicht sagen, dass unsere Spieler nicht von Anfang an konzentriert und seriös an die Spiele rangehen sollen, aber wenn ich mir anschaue, wie es – aktuell – um unsere Innenverteidigung bestellt ist, möchte ich nicht, dass wir schon aus der Winterpause „auf der letzten Rille“ herauskommen.

Aus diversen Gründen werde ich auch heuer von diesen Spielen keines im Stadion verfolgen, gleichwohl freue ich mich für diverse Allesfahrer über neue Länderpunkte und für uns wünsche ich mir den Gruppensieg – was sonst. Am intensivsten beschäftigt mich gerade ohnehin, welche Lösungen sich Pep für Leverkusen einfallen lässt. Alltag, halt.

Von Medien, Pep, dem FC Bayern und jeder Menge Vorfreude

Noch vor einigen Wochen schien die neue Saison sehr fern. Mit Job, Familie, Freunde, den sozialen Medien und anstehendem Urlaub gab es ja auch genug – sagen wir es ganz offen – Ablenkung. Sie mag fade gewesen sein, aber sie tat, was man von ihr erwartete, sie lenkte ab.

Diese Zeit ist nun vorbei. Für uns alle. Die einen (Fans, Vereine, Spieler, Medien) sagen „Gott, sei Dank“, fußball-ferne Angehörige stöhnen ebenso leise wie resignierend „Was? Schon?!“.

Am Freitag startet der dreimal in folgige Deutsche Meister aus München in die neue Saison und hat zu diesem Zweck einen, in den letzten Jahren gern gesehenen Gast in seiner Arena. Ob es jetzt für die Hamburger ein Vor- oder Nachteil ist, dass es das erste Spiel der Saison in und für München ist?

Wer weiß das schon? Ich nicht, aber ich bin ja auch kein „Experte“.

Die Bayern sind so frisch wie nur möglich, dafür aber ebenso uneingespielt und sicher traditionell noch nicht bei 100% im ersten Spiel. Der HSV kann sich zumindest – bis auf Weiteres – im Glauben lassen, die neue Saison verliefe besser als die letzte, oder vorletzte. Wenn auch die letzten Tage vielen hanseatischen Fans kaum Hoffnung machen. Jeder hat so seinen Rucksack, äh Päckchen zu tragen…

Andererseits: Wann sollte der HSV unbeschwerter bei den Bayern antreten als jetzt? Nein, ich habe keine belastbare Prognose parat. Ich vermute, dass zwischem knappen Bayern-Sieg und HSV-Debakel alles möglich ist.

Im Gegensatz zur oben beschriebenen Gleichgültigkeit habe ich inzwischen eine gewisse Vorfreude auf die neue Saison entwickelt. Warum? Weil ich mich nach meinem Urlaub spulend durch diverse Vorbereitungsspiel-Aufzeichnungen geschaut habe. Natürlich waren das alles „nur“ Freundschaftsspiele (den Supercup verdränge ich jetzt aktiv, habe ich auch nicht nachgeschaut), aber in Ansätzen ist da viel Gutes zu sehen gewesen, auch und vor allem, was die Neuzugänge Costa und Vidal betrifft. Diese Transfers passen wie die berühmten Nägel auf den Kopf der Wünsche, dass ein FC Bayern nicht in diese 10-15 Mio. Euro-Masse-statt-Klasse-Transfers investiert, sondern mittlere Wahnsinnssummen in die Hand nimmt (30-40 Mio. Euro) und ganz konkrete Baustellen explizit schließt. War nicht immer so. Schön.

Wenn beide Spieler erst einmal in unsere Spielweise und das Kollektiv integriert sind, werden uns diese einen Qualitätssprung einbringen, der meiner Meinung nach auch für die Bundesliga vonnöten ist (Championsleague ist ein eigenes Thema, aber bei der Form / dem Kader von Enriques Barcelona, ist eh die Frage, wie die Chancen auf den Titel sind), weil die Konkurrenz aus Wolfsburg und Dortmund (alle anderen ordnen sich für mich eher dahinter ein) ebenfalls nachgerüstet hat. Die Dortmunder mögen sich für viele in der anstehenden Post-Klopp-Ära zwar im Umbruch befinden, ich denke allerdings, dass es Tuchel durchaus schaffen kann, das Potential des BVB wieder besser abzurufen, als es Klopp zuletzt vermochte. Platz 2-3 sollte möglich sein.

Ein anderer „Ablenkungsfaktor“ war das Medienthema „Pep“.

„Die Medien“ streiten zwar vehement ab, dass sich dieses Thema nur in den Medien aufhält, aber für Außenstehende ist dies doch offensichtlich. Natürlich äußern sich auch Verantwortliche des FC Bayern zum Thema Pep. Aber ähnlich wie zur Hochzeit Beckenbauers in Führungsrollen beim FCB, ist es doch eher so, dass durch die massiv gewachsene Medienlandschaft der letzten Jahre, schlicht die Anzahl der Mixed-Zone-Mikrofone und Interviewanfragen gestiegen ist. Es gibt hier eine direkte Kausalität, die Zeiten, dass man es sich als Verein oder Sportler erlauben konnte, sich zu verschließen oder selbst zu steuern, in welchen Frequenzen man Interviews gab, sind vorbei.

Wie passt hier das Medienverhalten eines Trainers wie Guardiola ins Bild?

Ganz einfach. Zunächst einmal ist der Katalane per se kein so medien-affiner Mensch, wie die Sportskameraden Beckenbauer, Effenberg oder Matthäus. Derlei sind „die Medien“ von Vertretern des FC Bayern „gewohnt“. Und obwohl die Einstellung Guardiolas bekannt war und man auch um seine diesbzgl. Barca-Vorgeschichte wusste, zeigen sich Medien-Vertreter erstaunt, ob des Verhalten des Trainers. Man versteht nicht, weshalb Guardiola „gernervt“ ist, wenn er auf jeder PK die immer gleichen Fragen zu Themen wie z.B. seiner Vertragsverlängerung gestellt bekommt. Und dies, obwohl er sich schon – in seiner Augen erschöpfend – zu diesem Thema geäußert hat. Hier besteht ein grundsätzliches Verständnis- und Akzeptanzproblem.

Man ignoriert permanent die öffentliche Kommunikation des Verein (und des Trainers) hinsichtlich des Zeitplan der Vertragsgespräche, man läßt außen vor, dass Guardiola nie langfristige Verträge abgeschlossen hat, man suggeriert, dass dieses (Guardiolas) Verhalten die Stimmung in der Mannschaft und somit die Erfolge gefährdet, man übergeht dann – es macht in diesem Kontext sogar Sinn – Aussagen der besagten Mannschaft, dass diese das nicht stört und es „eher ein Medienthema sei“, man triezt ihn kontinuierlich und bewusst so lange, bis seine grundsätzliche Höflichkeit und Professionalität an ihre Grenzen stößt, nur um dann wiederum zu fordern, dass er (Guardiola) doch „souveräner mit diesen Fragen umgehen soll“.

Dazu fällt mir dann nichts mehr ein, liebe Medienvertreter.

Natürlich ist das Argument stichhaltig, dass man derlei als Trainer des FC Bayern einfach „ertragen“ und als Medienvertreter „ja fragen muss“. Ich persönlich habe sogar Verständnis dafür, dass es heutige Medienvertreter nicht einfach haben und in der hektischen Branche kaum Zeit für Recherche und sorgfältige, journalistische Arbeit bleibt bei der Jagd nach Auflage, Quote und Klicks. Im Zweifel ist Exklusivität und Schnelligkeit wichtiger als Qualität und Abwechslung.

Niemand soll mich hier falsch verstehen, für mich ist die Presse, der Journalismus die vierte Gewalt im Staate, die es mit allen Mitteln zu schützen gilt, aber die Entwicklung im Sportjournalismus gibt mir seit längerer Zeit zu denken, wenn inzwischen auch sog. Qualitätsmedien immer mehr und öfter auf Boulevardthemen setzen, nur weil es „die anderen“ auch machen. Boulevard kann das Boulevard besser und diese Vermischung von Sportjournalisten und „Medienvertretern, die sich auch mit Sport beschäftigen“ oder all den vielen Reportern und Experten, die mit ihren Vermutungen, Gerüchten und Stochern im Trüben versuchen, auf jeden möglichen Zug aufzuspringen, stört mich einfach.

Das Schlimmste ist für mich aber, wenn ein Journalist, ein Berichterstatter, nicht mehr nur berichtet, recherchiert, kritisch beleuchtet und nachfragt, sprich, seine journalistische Grundausbildung anwendet, sondern Teil der Story wird, also seine Rolle vom Beobachter hin zum Aktiven tauscht.

Man wundert sich, dass Pep Guardiola „gereizt“ ist, wenn er in PKs (an denen er ja pflichtbewusst und ansonsten auskunftsfreudig teilnimmt) Fragen gestellt bekommt, die auf Gerüchten basieren, die von „Journalisten“ generiert wurden? Dann weiß ich auch nicht weiter.

Erneut: Die „Saure-Gurken“-Zeit, die diese Dinge befeuert, ist nun bis zur nächsten Länderspiel- oder Winterpause beendet und somit ist allen geholfen. Ab und zu sollten wir aber vielleicht alle länger an die frische Luft gehen. Übermorgen, so gegen 20:00, können wir ja wieder rein kommen. Nicht dass wir noch die tolle DFL-Eröffnungszeremonie verpassen…

Aber das Fass „Marketing und Auslandsvermarktung“ lasse ich für heute ungeöffnet.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Paules 11Freunde-Bundesliga-Sonderheft-Verlosung

Wie auch in den letzten Jahren stellen die 11Freunde zum diesjährigen Erscheinen der Breitnigge-Antworten in der Beilage des Bundesliga-Sonderheftes fünf Ausgaben zwecks Verlosung zur Verfügung.

Freut mich. Für euch, die Breitnigge.de-Leser.

„Ohne Fleiss allerdings kein Preis“ und deshalb gibt es hier die Frage, die es zu beantworten gilt:

Wer war der letzte Torschütze für den FC Bayern in der Aufstiegsrunde zur Fußball-Bundesliga 1965?

Die Antworten bitte einfach in die Kommentare schreiben. In die Verlosung kommen alle richtigen Antworten, die bis morgen (24.07.2015) 20:00 eintreffen.

Die Gewinner brauchen mir dann nur noch ihre Postadresse an meine hinterlegte E-Mail-Adresse zu senden, die Sonderhefte werden dann direkt von den 11Freunden verschickt.

Kleiner Tipp: Aufmerksamen Lesern der Breitnigge-Statistik wird die Antwort sicher nicht schwer fallen… 😉