Fegefeuer, Eitelkeiten, Institutionen und jede Menge Emotion

Die letzten Tage rund um den FC Bayern waren wild. Viel wilder als wir es noch wenige Tage vor diesen Tagen erwartet haben. Klar, den Pessimisten war sicher schon zuvor bewusst, dass das irgendwann mit der Verletztenliste des FC Bayern mal schief gehen müsste, die, durchaus noch als nicht gerade schwach zu bezeichnende Münchner Startelf irgendwann auf dem körperlichen und mentalen Zahnfleisch gehen würde. Nach den Schlachten in Dortmund und in Leverkusen. Derlei wäre und ist nur allzu menschlich.

Das Spiel gegen Frankfurt war hier eine Verblendung, nahmen doch die Hessen an diesem Spiel eher nicht direkt teil – problematisch wurde es dann in Porto, als es gegen einen Gegner ging, der nicht nur gebrannt hat sondern auch zu 100% richtig gecoacht wurde. Dieser Gegner rannte sich von Anfang an die Seele aus dem Leib und zwang unsere wenigen Problemstellen in Probleme. Wer körperlich erschöpft ist, bei dem hinken manchmal auch der Kopf und somit noch intensiver die Beine hinterher. Eine mehr als schlüssige Erklärung für das frühe 0:2 nach 9-10 Minuten in Portugal. Lassen wir diese ersten Minuten mal außen vor, hätte der FC Bayern im Viertelfinal-Hinspiel ein durchaus verdientes Remis erzielt und so ein Fehler, wie vor dem dritten Gegentor, passiert dem Sportskameraden Boateng auch nur einmal pro Saison. Schade, dass es an diesem Abend sein musste, sonst hätte es vielleicht auch ein Auswärtssieg sein können.

So weit so schlecht die Ausgangssituation vor dem Rückspiel am nächsten Dienstag.

Wäre das Ergebnis und die aktuelle Verletztenlage nicht schon schlimm genug (danach auch noch Götze angeschlagen und seit gestern unser Kapitän mit Magen-Darm-Problemen), kam es zu einem offensichtlichen Comeback des FC Hollywood. Und zwar auf allen Ebenen: Unser langjähriger Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt schmeißt unmittelbar nach der Porto-Pleite die Brocken hin. Mit sofortiger Wirkung und sein Team gleich mit. Der FC Bayern – noch dazu in dieser, nicht gerade einfachen Situation – steht medizinisch quasi blank da. Natürlich ist dem nicht so und man hat inzwischen den Teamarzt der Amateure kommissarisch eingesetzt, aber spontan war ich sprachlos. Ähnlich sprachlos, wie ich es beim Daum-Skandal war, oder als Hoeneß’ Steuerstory publik wurde. So fühlt sich das an, wenn so langjährige Institutionen des eigenen Vereins sich von eben diesem entfernen. Bayerische Erdbeben.

Betrachten wir zunächst einmal nicht den medialen Gesichtspunkt, war ich unmittelbar danach noch viel erschrockener, wie sich einige Bayern-Fans in Rage redeten gegenüber unserem Trainer. Was da aus Einigen herausbrach, irritierte mich zunehmend. Ergänzen muss ich hier natürlich, dass ich generell mit zwischenmenschlichen Äußerungen Probleme habe, denen ich anmerke, mein Gegenüber hat nur auf eine Gelegenheit gewartet, diese Häme, Flüche, etc. los zu werden. Völlig losgelöst vom Fußball, Fans und auch ganz allgemein. Ist halt ein Wesenszug von mir und dies nur zur Erklärung meiner Einschätzung. Zurück zu den Stunden dieses sehr aufgeladenen Abends. Ich entschied spontan, mich zunächst extrem wenig, bis gar nicht zu äußern, auf keinem meiner Kommunikationskanäle. Ich verteilte nur Twitter-Sterne für die wenigen besonnenen Stimmen.

Was genau war hier eigentlich das Problem? Unser Ex-Arzt verschickt eine Pressemitteilung, die jede Menge Raum für Spekulationen bietet. Ob bewusst oder unbewusst, sei einmal dahin gestellt. Er unterrichtet darüber nicht einmal den Verein, für den er fast 40 Jahre gearbeitet hat. Die Fans, die hier unserem Trainer spontan vorwarfen, er zerstöre den Verein, wenn er nun auch noch diese Vereinsikone rausekeln würde, sollten auch einmal diesen Umstand beleuchten. Hat Müller-Wohlfarth eigentlich daran gedacht, in welche Lage er den FC Bayern bringt durch seine Entscheidung? Alles Spekulation, sicher, aber wieso sollte ich nicht auf all die ins Kraut schießenden Spekulationen mit Gegen-Spekulationen reagieren?

Gegen Pep wurde argumentiert, dass er ja noch nie mit “Mull” gekonnt hätte und er diesen, nicht nur zuletzt in Leverkusen, öffentlich angegangen wäre (“Klatsch-Szene”) – das entsprechende Video machte schnell die Runde. Die Diskussionen wurden, in meinen Augen, zu diesem Zeitpunkt immer hysterischer. Der Verein – wie gesagt, ohne Vorab-Kenntnis dieses “radikalen” Schnittes – musste sich zunächst sammeln und gab dann irgendwann eine Pressemitteilung heraus, die formal korrekt war und die Arbeit und die Verdienste von MW entsprechend würdigte. Diese Pressemitteilung enthielt weder Meinungen, noch weitergehende Informationen, bot aber vielen, die immer noch emotional aufgeladen waren und vor allem den Medien, augenscheinlich erneut eine Steilvorlage. Die (Pflicht-)Pressekonferenz vor dem Spiel der Bayern in Hoffenheim tat ihr übriges, da es in dieser PK fast ausschließlich um das nächste Bundesligaspiel ging. Man kann über die Wortwahl und die “Basta”-Verhaltensweise von Markus Hörwick denken was man will (ich denke auch, man hätte hier souveräner reagieren können, aber wer will den Stab über Hörwick brechen und wer weiß, was dieser Rücktritt intern wirklich ausgelöst hat?), aber im Prinzip war das Thema dieser PK nicht der Rücktritt des Mannschaftsarztes. Punkt. Das können die Medien gut oder schlecht finden, war aber so und ob all das mit einem Uli Hoeneß in verantwortlicher Positionen anders gelaufen wäre – wer will das wissen?

Von Seiten der Medien wird dann gar von einem Bruch der “Pressefreiheit” gefaselt, weil die öffentliche Kommunikation des FC Bayern zu diesem Thema nicht die gewünschte Richtung hat und man darum bittet, in der PK keine weiteren Fragen zu diesem Thema zu stellen – geht es auch eine Nummer kleiner? Ich als mündiger Bürger würde von der freien Presse schlichtweg erwarten, dass man sich nicht nur in eine PK setzt und dann darauf wartet, dass hier der Verein die Schlagzeilen produziert – ich erwarte von “den Medien”, dass diese die Produktion der Storys, die Recherche, die handwerklich erforderliche Arbeit selbst übernimmt! Das ist meine Erwartungshaltung an “die Medien” – auch und gerade wenn es um Fußball und meinen Verein geht.

Meine Erwartungshaltung ist im Übrigen auch – und jetzt kommen wir zu meinem roten Faden – das wir nicht nur Berichte über die Sprachkünste, die Kleidung oder andere triviale Themen zu Pep Guardiola lesen, hören, vorgelegt bekommen, sondern auch einmal selbst recherchiert wird, wie die Gemengelage im Team so aussieht, schlichtweg kritisch gearbeitet wird. Die journalistische Arbeit kann ja nicht darin bestehen, dass man zunächst den Trainer Guardiola zu einer Ikone, zu einem Welttrainer hochjazzt, um ihn dann irgendwann, in vergleichbaren Situationen wie der jetzigen, “vom Hof zu schreiben”. Natürlich leben wir in einer “Medienwelt”, die offenbar immer seichter wird, aber gut finden muss ich das nicht und kritisieren darf ich dann auch, dass einzelne Medienvertreter mit Geschützen wie “Gefahr für die Pressefreiheit” ein wenig sparsamer umgehen sollten. Danke.

Apropos Kritik.

Am Trainer Guardiola ist sicher nicht alles Gold was glänzt und nicht alles an diesem Trainer gefällt mir vorbehaltlos (wie z.B. seine Katar-Tätigkeit), aber ich versuche zumindest derlei Bedenken nicht zu sammeln, um sie dann irgendwann komplett auf den Tisch zu legen, nein, ich versuche, kritisches auch schon einmal aktuell zu äußern. Viel wichtiger finde ich in diesem Zusammenhang aber, dass man auch die Person der “Klub-Ikone” Müller-Wohlfahrt einmal etwas kritischer beleuchtet. Es geht mir nicht darum, dass ich in Abrede stellen will, dass MW auch für mich eine sehr große Identifikationsfigur ist/war (er ist/war quasi so lange Arzt beim FC Bayern wie ich Fan dieses Vereins bin) und schon gar nicht will ich seine Verdienste rund um den Klub schmälern, es muss aber durchaus auch erlaubt sein, kritisch mit dem Mediziner MW umzugehen.

Warum zum Beispiel muss ich bei unabhängigen Medienvertretern, die sich teilweise mühsam durch Crowdfunding finanzieren müssen, von den – bei anderen Medizinern und Experten durchaus – umstrittenen Behandlungsmethoden lesen und hören? Warum lese ich derlei nur sehr wenig bei “alteingesessenen” Journalisten und auch nicht zwingend in Münchner Medien? Warum erfahre ich aus eben diesen unabhängigen Kanälen, dass unser Ex-“Medizinmann” Kontakte hatte zum Doping-Arzt Klümper?

Worauf ich hinaus will: Ein Müller-Wohlfahrt ist kein “Heiliger”, auch wenn ihn einige (Bayern)Fans in den letzten Tagen dazu machen wollten. Wir Außenstehende wissen weder Details noch Fakten – wir spekulieren nur (s. oben). Ins Bild passt da, dass es – gerüchteweise – gar nicht Guardiola sondern Rummenigge war, der MW nach dem Porto-Spiel noch in der Kabine Vorwürfe machte hinsichtlich der Ribéry-Verletzung. War das wirklich der Anlass für seine fristlose Kündigung? Was ist da zuvor gelaufen? Der Streit mit Guardiola hinsichtlich Teamärzten, die direkt an der Säbener Straße arbeiten und Verletzungen (im Training) direkt vor Ort behandeln können? Aus meiner Sicht hat hier Pep Recht. Oder der Streit um die Thiago-Verletzung? Hier hatte aus meiner Sicht wiederum unsere medizinische Abteilung Recht und Pep hat dies im Nachhinein auch akzeptiert und sich entschuldigt (oder etwas nicht?).

Nein – meiner spekulativen Meinung nach – geht es hier ganz viel um verletzte Eitelkeit, um Machtspiele, um das Verteidigen des eigenen Einflussbereiches. Ich muss das in keinster Weise gut finden, denn alles was dem Verein schadet lehne ich ab, aber offenbar stimmte hier die Chemie nicht. Und da hat dann auch unsere Führung versagt, denn die ist für das interne Betriebsklima verantwortlich und hätte hier evtl. bei Problemen einschreiten müssen. Ob sie diese Probleme gesehen hat oder nicht und ob sie versucht hat, diese Probleme auszuräumen oder eben nicht – wir wissen es nicht! Wir wissen aber, dass daran nur und ausschließlich unser Trainer Schuld trägt? Atmet mal bitte ganz tief durch.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Gesamtsituation mehr als bedenklich ist. Der Verein sieht sich nun gezwungen seine komplette medizinische Abteilung neu zu strukturieren, noch dazu mit einer größeren Verletztenliste von Weltklasse-Spielern, deren Rückkehr mehr als sehnlich erwartet wird. Im Worst-case-Szenario scheiden wir am Dienstag schon im Viertelfinale aus der Königsklasse aus, weil unser Team körperlich wie mental angeschlagen ist. Wie das Pokal-Halbfinale gegen die Dortmunder Borussia verlaufen soll mit dieser Ausgangslage, wo die Anzahl der abwesenden Spieler eher größer als kleiner wird (noch dazu, weil dann die Belastung für die Spieler, die noch spielen, sich aber gar nicht mehr ausruhen können, immer größer wird, usw.) und der Gegner – nach dem bevorstehenden Abschied seines Kulttrainers zum Saisonende – mit Sicherheit noch einmal zu maximal möglicher Leistung aufschwingen wird, um Klopp zum Abschied einen Titel zu schenken – Puh.

Wer auch immer für diese komplexe Ausgangslage verantwortlich ist – Vielen Dank. Nicht.

Natürlich kann man nun argumentieren, dass auch schon das aktuell Erreichte mit diesem Kader und der Verletztenliste eine ganz ordentliche Leistung ist, aber dann kommen wir zum nächsten Punkt, den ich auch nicht müde werde zu erwähnen: Erwartungshaltung!

Die letzten Jahre(!) waren für viele Bayernfans (auch für mich) einfach nur ein Weltklasse-Traum. Da ich nun aber durchaus Tendenzen zum Pessimismus habe, hatte ich immer im Hinterkopf, diese Phase bloß nur so maximal wie möglich genießen zu wollen, denn irgendwann ist all das auch mal wieder zu ende. Die, die die Phrasen dreschten “die Bundesliga ist tot”, hatten diese Fähigkeit offenbar nicht, aber Fakt ist, dass all diese Erfolge, all diese Dominanz, irgendwann einmal zu einem Ende kommen müssen. Der FC Bayern ist allenfalls in der sehr komfortablen Lage, nach einer längeren Hochphase und einem kleinen “Tief” die nächste Hochphase einzuleiten. Hoffentlich, muss man als Bayern-Fan sagen, aber wenn man sich die Historie anschaut, dann war es ja oft so. Gegenbeispiel ist hier Borussia Dortmund, die diese Hochphase nicht beliebig verlängern konnten und tatsächlich Schwankungen nicht so gut auffangen können, wie ein FC Bayern durch seine Jahrzehntelange sehr gute Arbeit. Ich schweife ab.

Mit einem Fazit komme ich zum Schluss dieses Beitrages: Es gibt für diese Situation nicht den Verantwortlichen. Es gibt in München viele Alphatiere in verantwortlichen Positionen. Derlei war immer die Strategie und die Ausrichtung bei meinem Verein, damit sind wir Zeit meines Fan-Lebens gut gefahren. Aber die Welt entwickelt sich weiter, auch der Fußball. Wer glaubte ernsthaft, dann wir das 2013er Triplejahr beliebig verlängern hätten können? War nicht gerade der Weg hin zu Guardiola der entscheidende Unterschied zu 2001, als uns nur ein “Weiter so” einfiel? Denkt mal drüber nach, aber nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte – als einzelnes Jahr betrachtet, größer als andere Jahre des FCB zuvor – hätten wir, wenn wir im CL-Halbfinal-Rückspiel gegen einen brennenden Gegner nicht die falsche – vom Team gewünschte – Taktik genutzt hätten, beinah eben dieses Triple verteidigt! So falsch kann also diese Weiterentwicklung hin zu Pep Guardiola nicht gewesen sein, oder? Und jetzt müssen wir wieder zurück in Prä-Pep-Ära? Wird dann alles wieder gut? Was ist denn gerade schlecht?!

Menschen machen Fehler. Fans, Journalisten, Trainer, Präsidenten und Vereinsärzte. Derlei sollten wir bei unserer Einschätzung des aktuellen FC Bayern immer berücksichtigen und wer weiß, irgendwann einmal, wenn alle Beteiligten an dieser Situation einmal ihre Memoiren geschrieben haben, werden wir eventuell die wahren Hintergründe erfahren. Bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig, als zu versuchen, über die Gräben hinweg zu sehen und zusammen für den Erfolg des Vereins alles zu geben. Denn der Erfolg dieser Saison steht gerade auf der Kippe – wer will am Ende des Tages für ein Scheitern mitverantwortlich sein? Ich nicht.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Pep kommt. Paule geht.

Ich bin mir noch nicht sicher, welchen Weg dieser Beitrag gehen wird, aber die Inhalte stehen fest. Es geht nicht um unseren neuen Trainer. Allein den Zeitpunkt seiner Vorstellung fand ich passend für meinen Beitrag.

Worum geht es? Zunächst einmal muss ich erwähnen, dass es sicher nicht in meiner “Tradition” gewesen wäre, von diesem Problem in meinem Blog nicht zu berichten. Schließlich lasse ich meine Community ja sonst auch ein Stück weit an meinem Leben teilhaben.

Der Reihe nach.

Als unser erster Sohn geboren wurde, hatte ich Bedenken ob meiner Blog-Produktivität. Zu Unrecht. Es waren zwar nicht immer 70, 80 Berichte pro Monat wie zu Spitzenzeiten, aber das “normale Tagesgeschäft” konnte aufrecht erhalten werden. Und ein wenig mehr.

Als unser zweiter Sohn geboren wurde, sah ich endgültig den Untergang des Blog-Abendlandes vorraus. Resultat? Ich bloggte wie zuvor und fing sogar an, wieder regelmäßig Live-Fußball zu genießen. In München wie anderswo. Niemand war darüber erstaunter als ich.

Wann genau der Bruch kam, kann ich nicht mehr reproduzieren, vielleicht verlief der Prozess auch eher schleichend, im Hintergrund. Es fiel mir zunehmend schwerer mich zeitnah “aufzuraffen”, an Rechner oder sonstige Blog-technisch geeignete Geräte zu setzen. Der Alltag mit zwei heranwachsenden Kindern, die zunehmend ihr Recht am Papa einforderten, eine Frau, zwar nicht Fußball-fern, aber doch immer wieder großzügig über mein zeitintensives Hobby hinwegsehend, die auch mal einen Samstag-, Sonntag-, Montag-, Mittwoch-, oder Donnerstagabend mehr von ihrem Mann hätte, steigende Belastung im Job, nicht geringer werdende Erwartungshaltung der treuen Breitnigge-Gemeinde, eigener Druck bezüglich Beitrags-Frequenz und -Qualität erzeugten irgendwann das Gegenteil. Kreativität lässt sich nicht auf Kommando produzieren. Nicht durch mich, den “Hobby-Journalisten” und auch nicht in dem Spannungsfeld, in dem ich seit Monaten lebe.

Oft ließen meine Berichte zu den Spielen länger auf sich warten, als viele meiner Leser dies gewohnt waren (weil die meisten die Anfangszeiten nicht mehr kennen gelernt haben), oft waren mir Details zum Spiel gar schon entfallen, oft schrieb ich Berichte über das iPhone. All dies wurde bemerkt. Und die (berechtigte) Qualitätskritik zog mich weiter runter. Erste Gedanken an Veränderung brannten sich in meinen Kopf. Dann Gegengedanken, doch zumindest bis zum 10-jährigen Blog-Jubiläum 2014 “durchzuhalten”, um eine runde Zahl zu haben, für eine mögliche Veröffentlichung in meinem Buch-Projekt. Wohlgemerkt weitere 40-50 Berichte. Ungeschriebene Berichte. Ein Graus, wenn schon die aktuellen Berichte mehr Anstrengung als Freude sind.

Der Entschluss, in der nächsten Saison kürzer zu treten, fiel in diesem Frühjahr. Sabbatical. Ich gehe an dieser Stelle nicht näher auf all die ermüdenden Diskussionen rund um Monetarisierung, sinkende Werbeeinnahmen, Wertschätzung von geistiger Arbeit und all diesen Themen ein, weil es unerheblich war für meine Entscheidung. Denn Geld hätte mich nicht davor schützen können, was mir später den Rest gegeben hat.

Ich will eher darüber reden, dass es mich selbst verblüffte, dass plötzlich meine Berichte – auch vor meinem eigenen kritischen Auge – wieder besser wurden. Imho so gut, wie ich sie bei all diesen neuen – jüngeren, frischeren – Bayern-Bloggern zu lesen bekam. Noch so ein Thema (“andere können es inzwischen viel besser“, etc.). Natürlich mag es am wachsenden Erfolg unseres Teams gelegen haben, oder dass die angehende Triple-Saison in die Zielgerade abbog und sich nicht nur ein “ermüdender” BL-Sieg an den anderen reihte (was sollte man da auch jede Woche kollossal Neues schreiben?!). Es gibt dafür einen medizinischen Fachausdruck. Also diesen positiven, emotionalen Schub, bevor es dann zu Ende geht. Irgendwie fühlt sich das für mich nun so an. So glücklich ich als Fan meines Vereins bin, so ausgebrannt bin ich es als Blogger.

Dann unser Urlaub. Auf die exakten Details will ich hier aus persönlichen Gründen nicht näher eingehen, aber tatsächlich trat meine totale Erschöpfung aufgrund des obigen Mix offen zu Tage. Ein überdeutliches Warnsignal für mich. Und ich habe verstanden. Veränderung tut Not. Radikaler und nachhaltiger als zuvor geplant. Es ist schlichtweg notwendig – im wahrsten Sinne des Wortes.

Was bedeutet dies aber nun konkret? Für euch? Für mich?

Ich werde weiterhin Fan des FC Bayern sein.

Ich werde weiterhin voller Freude und Inbrunst über meinen Verein reden, schimpfen, schreiben.

Ich werde weiterhin bloggen. Über Fußball, über den FC Bayern, über alles was mich bewegt.

Ich werde weiterhin mit meinen Lesern diskutieren und vielleicht sogar mehr als zuvor. Wer weiß.

Ich werde aber nicht mehr über jedes Spiel einen eigenen Beitrag schreiben, mich diesem Publikationsdruck aussetzen.

Ich werde (versuchen) nur noch Dinge zu tun, die mir Freude bereiten, werde Prioritäten setzen. Und das betrifft meine gesamten Social-Media-Aktivitäten.

Ich werde mir keinen Termin für das Ende dieser Auszeit setzen, wie ich es zunächst geplant hatte.

Ich werde einfach mal abwarten, was passiert. Es bleibt mir eh’ nichts anderes übrig.

Und auf Verständniss werde ich hoffen. Von euch.

JuppJuppJuppJupp

Hallo Jupp (ich darf doch Jupp sagen, Herr Heynckes?),

der Gewinn des Triples ist – wunderbare, immer noch unglaubliche – bayerische Geschichte. Die mediale Aufarbeitung weitestgehend abgeschlossen (aus der ich mich überwiegend herausgehalten habe – aus Gründen) und in dieser Sommerpause, spätestens aber zum Jahresende, wird die Saison, werden die Protagonisten geehrt, gewürdigt.

Ich befinde mich da eher zwischen den Stühlen. Zu spät dran für aktuelle Analysen, zu früh für das ganz große Jahresenden-Rückblick-Rad. Mir geht es aber eher um eine persönliche Note. Ein Dankeschön. Von mir selbst. Los geht’s.

Danke, dass Du es mir nicht übel genommen hast, dass ich nicht immer vollends von Dir überzeugt war, von Zeit zu Zeit a weng an Dir gezweifelt habe.

Danke, dass Du Deine offenbar vorhandene Enttäuschung nach unserer Pep-Verpflichtung nicht in Resignation, sondern in noch größere Motivation, Zielstrebigkeit und Arbeitseifer auf dem Weg zu unserem gemeinsamen Triple-Ziel kanalisiert hast.

Danke, dass Du so flexibel warst, im “hohen Alter” noch einmal Dich und unser Spielsystem anzupassen.

Danke, dass Du es als Verantwortlicher geschafft hast, die Enttäuschung nach der letzten Saison in eine so unfassbar positive Energie zu wandeln, die uns die gesamte Spielzeit begleitet hat.

Danke, dass Du es geschafft hast, den letzten Rest an Egoismus aus unserem Team zu vertreiben und sogar die Diven Ribéry und Robben zu perfekten Mannschaftsspielern umzuformen.

Danke, dass Dein Umgang mit den Medien sich so wohltuend von vielen Deiner (jüngeren) Kollegen unterscheidet.

Danke, dass Du in der Öffentlichkeit immer sparsam mit Emotionen umgegangen bist, denn so konnte ich Deine Tränen in Gladbach voller Respekt und Demut sehen.

Danke, dass Du Dich zum Ende der Bayern-Zeit endlich mal so locker zeigen konntest, wie Du – nach eigener Aussage – immer bist. Es macht Dich mir noch sympathischer.

Danke, dass Du Dein Marienplatz-Versprechen nach 23 Jahren eingelöst hast.

Danke, dass Du 5 1/2 Jahre unser Trainer warst und für mich immer ein Teil unserer Bayern-Familie bleiben wirst.

Danke, Jupp!

Samma, hamma ‘n Sammer Hamma?

Unglaublich.

Gestern noch mein Abschluss-Beitrag zu dieser EM mit der Freude auf die neue Saison und dann heute diese Meldung.

Matthias Sammer wird Teil der FC Bayern-Familie. Oder zumindest Teil des FC Bayern, denn ob es den Begriff “Familie” in diesem Zusammenhang in Zukunft noch geben wird, weiß aktuell keiner so genau.

Was die Personalie Sammer für den FC Bayern bedeuten wird, erfahren wir ebenfalls erst später.

Nicht alles war schlecht, was man so über Christian Nerlinger sagen kann. Und ob jetzt alles gut wird, bleibt noch verborgen.

Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich heute – mit dieser Entscheidung – etwas Entscheidendes beim FC Bayern getan hat. Wollen wir es hoffen, wir werden es erleben.

Herzlich willkommen in München, Matthias und Danke für alles, Christian!

Sandwich-Wochen beim FC Bayern, Die

Die Saison biegt auf ihre endgültige Zielgerade. Und schon ist die Luft raus aus der Meisterschaft.

Kaum erholt vom Gastspiel in Dortmund, enttäuschte uns Schalke 04 mit seiner Heimniederlage und gipfelte alles im Heim-Remis unseres Vereins gegen den Karnevalsverein aus Mainz.

Die schwarzgelbe Borussia braucht noch einen (oder von mir aus zwei aufgrund der Tordifferenz) Punkt zur Titelverteidigung. Eine Gratulation kommt dann, wenn es fest steht.

Respekt muss man allen Beteiligten aber jetzt schon zollen.

Den Dortmundern für ihre unfassbare Serie. Und hier ist nicht gemeint, dass sie so lange ungeschlagen sind (eine Niederlage ist schließlich kaum schlechter als ein Remis), nein, diese vielen Siege stehen für die Dominanz der bekloppten Kicker. Ein “abgeschlagener” Zweiter mit inzwischen schon 64(!) Punkten am 31.Spieltag (am Ende um die 70 Punkte möglich!) sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache.

Den Bayern müssen wir hier auch anderweitig gratulieren. Diesen emotionalen (sic!) Absturz über das Mittwoch-Spiel bis hin zum 0:0 gegen Mainz, den hätten nicht alle so verkraftet. Andere hätten wahrscheinlich nach der Ansicht und Kenntnis des Sieges im Revierderby noch das eigene Heimspiel verloren. Mehr Luft-raus geht imho nicht.

Wie sehr wir jetzt wieder die Kurve kriegen für die restlichen Spiele muss man abwarten. Der Fluch der guten Tat hat die Bayern aber nun endgültig eingeholt. Wir sind mitten drin in den Sandwich-Wochen und der nächste Gegner, der in der Bundesliga davon profitieren könnte, sind die Bremer. Wobei dies natürlich vom Hinspiel-Ergebnis am Dienstag abhängt.

Liefert uns dieses Ergebnis eine gute Chance für das Rückspiel wird wieder kräftig rotiert. Ist schon vorher (fast) alles verloren (Heimniederlage gg. Real, etc.) sieht das vielleicht anders aus.

Also so würde ich das zumindest machen (die Bundesliga abschenken). Aber ich habe ja weder Ahnung von, noch Verantwortung im Fußball.

Trotzdem kurz ein paar Sätze zum Heimspiel gegen die Mainzer.

Die Mainzer haben aus meiner Sicht ihren Höhenflug beendet. Zwar sieht sich Herr Tuchel wohl immer noch eigentlich in der Championsleague, aber was seine Spieler in München ablieferten, hatte mit deren Auftritt in der letzten Saison rein gar nichts mehr zu tun. Das war wieder das Mainz, das wir zuvor gerne mal 5:2 oder 4:0 geschlagen haben.

Etwas Ähnliches räumte Herr Tuchel nach dem Spiel ein. Ein Anfang.

Defensiv stand unser Gegner zwar gut, hier kam ihnen aber entgegen, dass DonJupp für die Startelf massiv die Rotationsmaschine angeworfen hatte und z.B. ein Herr Olic für sein – wie man so hört – neues Vertragsangebot nur exakt ein gutes Spiel absolvieren musste in dieser Saison.

Und dabei war seine vergebene Monsterchance kurz vor dem Halbzeit-Pfiff noch das Highlight. Ferner noch der Pfosten-Knaller von unserem ebenfalls verlängerten ukrainischen 6er. Fertig ist die erste Spielhälfte. Schlimm.

Nach der Einwechslung der Sportskameraden Ribéry, Gomez und Kroos wurde es phasenweise besser, am Ende reichte es aber nicht. Es reichte nicht einen Gegner wie Mainz zu besiegen. Einen Gegner, der über 31 Spieltage vielleicht doch nicht nur Pech hatte, um jetzt völlig zu Recht auf Platz 12 zu stehen. Wie gesagt. Ein Schatten der letzten Saison. Auch gegen dieses Team haben wir nur einen von möglichen sechs Punkten geholt. So wird man Vizemeister.

Ich persönlich hoffe doch mal das Allerbeste, dass unsere sportliche Führung es schafft unsere Spieler für das Spiel am Dienstag auf ein ganz anderes, in dieser Saison noch nicht gekanntes Niveau zu heben. Von der Einstellung, der Physis, dem Biss, dem Willen. Denn derlei wird es brauchen um gegen das Mourinho’sche Real zu bestehen.

Herr Heynckes behauptet ja, “Real aus dem Effeff zu kennen”. Vielleicht das Real aus dem Jahre 1998. Aber gegen ein derartiges Real würde ich mir auch weniger Sorgen machen. Nein, das ist natürlich Unsinn. Herr Heynckes weiß hier goar nüscht. Er kennt Videos, er kennt Analysen, Spielbeobachtungen seiner Scouts. Aber innerhalb von 14 Jahren verändert sich ein Verein wie Real ein wenig. Zumindest mehr, als man in einer Spielzeit erfährt, oder?

Wie auch immer.

Dieser Tage sind die Spiele unseres Vereins eine Wundertüte. Und einfacher wird es sicher nicht. Totalrotation in der Bundesliga? Geht dann der Spielfluss verloren? Stammkräfte nicht schonen? Dann gehen wird bald endgültig am Krückstock.

Ein Mittelweg ist wichtig. Zur Abwechslung mal Herrn Lahm zu schonen war ein erster richtiger und wichtiger Schritt. Zum einen weil dann endlich mal der “echte” Kapitän auf dem Platz stand und zum anderen weil mir schon länger kein konkreter Grund für diese Rekord-Startelf-Serie unseres Kapitänchens mehr einfiel.

Erneute Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es ihm gut getan hat und er in der Championsleague seine bessere Seite zeigen kann.

Ob Herr Gomez jetzt wirklich eine Schonung gebraucht hätte, kann ich “von außen” nicht beurteilen. Erstens weil er sicher nicht der Spieler im Kader ist, der traditionell am meisten läuft und zweitens weil er die Olic-Chance der ersten Halbzeit mit Sicherheit verwertet hätte. Und bevor jemand fragt: Seine vergebene “Heber”-Chance war sicherlich komplexer als die von Herrn Olic. Ivica lief schon allein auf das Tor zu. Gomez musste in Bruchteilen von Sekunden eine Entscheidung treffen, da der Abwehrspieler kurz davor war, an den Ball zu kommen.

Nun, es nützt ja nix.

Einfach beim nächsten Mal besser machen. Und das nächste Mal steht am Dienstag an. Mit dem bislang schwersten Spiel für Real in der laufenden Championsleague-Saison. Klingt komisch, ist aber so. Oder würde jemand behaupten wollen, dass Madrid in der bisherigen Saison Gegner vom Kaliber der Bayern vor den Stiefeln hatte?

Von daher – und das ist jetzt mal etwas Positives – wollen wir doch erst einmal sehen, wie diese “Wundertruppe” auf eine europäische Top-4-Mannschaft wie uns reagiert. Zumal man in der eigenen Liga ja – bis auf Barca – keinerlei Konkurrenz hat.

Wer dies für das berühmte Rufen im Walde hält, sollte vielleicht doch das Spiel am Dienstag abwarten. Meine Empfehlung. Die Arena wird brennen. So wie sie dies in vergleichbaren Spielen immer tat. Auch schon im Olympiastadion.

Gehen wir also frohen Mutes in unsere Sandwich-Pokal-Wochen. Und machen wir in der Liga das Beste draus.

Auf geht’s, Ihr Roten.

Das Medium ändert sich – der Ansatz nicht.

Über die Jahre bekommt man so etwas häufiger mit. Den Abschied. Eines Bloggers.

Mal steht einem die Person näher, mal kannte man das Blog gar nicht. Bis man von dessen Abschied hörte.

In meinem Urlaub erfuhr ich über die Spox-Blogschau von zwei Abschieden. Also eigentlich nur von einem und über dessen Abschied von einem anderen. Weil der erste seine Beweggründe vom zweiten ableitete.

Die erste BloggerIn kannte ich. Seit ein paar Wochen. Zumindest ihre Stimme. Vom Fehlpass-Podcast. Den zweiten Blogger nur vom Hören sagen.

Jetzt gibt es natürlich immer sehr persönliche Gründe für das Bloggen. Und das Aufhören.

Warum @jeky (mit dem Bloggen) aufhört, wurde mir nicht ganz klar, also kann ich nur die Gründe von MauriciusQ beleuchten.

Für mich sind die durchaus einleuchtend. Aus der Sicht von MauriciusQ.

Da ich aber in den letzten Jahren bei Abschieden zunehmend derlei Begründungen gelesen habe, habe ich mich nun spontan erneut gefragt: Warum macht man sich auch diesen Stress? Weil man nur Bloggen kann, wenn es dem eigenen, vielleicht manchmal überhöhten Ansprüchen genügt?

Hohe Ansprüche hatte z.B. auch Herr Wieland (einer von denen, die mir näher stehen). Und entschied für sich, mit dem Bloggen aufzuhören.

Zum Glück vieler Leser fand er aber in Nachgang für sich eine Lösung und bloggte weiter. Warum? Weil nicht das Bloggen das Problem war.

Womit wir beim Thema und bei mir sind.

Beruflich wie privat halte ich mich seit über 15 Jahren in diesem Internet auf. Natürlich blogge ich noch nicht so lange und schon gar nicht als Breitnigge. Aber das ist nicht der Punkt.

Bloggen ist hier nur ein Medium. Die Art der Kommunikation und Verarbeitung meines Fans-Seins, die Weise, wie ich meinen Verein digital begleite ist das Entscheidende.

Es fing alles mit E-Mails an, die wir uns in den 90ern hin- und her schickten. Mit den neuesten Links über unseren Verein. Später ging ich dazu über, chronologisch abwärts sortierte Teaser auf meinen Statistik-Webseiten anzeigen zu lassen (Blog-Logik, oder?), die obige Meldungen launisch kommentierten.

Weil das irgendann nicht mehr reichte, Später [1] wechselte ich zu einem dieser – wie Pilze aus dem Boden schießenden – Bloghoster und machte dort einfach nur weiter wie bisher. Ganz am Ende der Entwicklung wollte ich mehr Freiheiten und hostete vor fast 5 Jahren mit Breitnigge schließlich mein eigenes Blog Bis ich schließlich mein eigenes Blog hostete und Breitnigge vor fast 5 Jahren seinen Anfang nahm [1].

Worauf ich damit hinaus will: Ich kommuniziere, weil ich was zu sagen habe. Wenn nicht, lasse ich es. Und ich mach’ das auch als ich. ‘Kreiere keine Kunstfigur.

Folge: Ich habe keinen Stress.

Denn mit derlei Stress hätte ich ebenfalls schon längst aufgehört.

Natürlich könnte man jetzt einwenden, dass ich ja ohnehin nur so ein Sesselfurzer bin, der nie ins Stadion geht und deshalb nicht die Probleme mit der Community hat, die einen ständig auf sein Alter Ego anspricht und die eigene Person völlig verdrängt.

Stimmt weder noch.

Fragt mal bei all den Stadion-, Logen-, Sportsbar- und #tpcgn-Besuchern nach, die mich persönlich kennengelernt haben in den letzten Jahren.

Ich diskutiere immer noch wie vor 15 Jahren. Und das wird auch immer so bleiben. Irgendwann wird vielleicht dieses Blog hier sterben (weil einfach keine Zeit mehr ist), aber ich werde ein anderes Medium finden, denn meine Meinung über meinen Verein und den ganzen Rest werde ich mein Leben lang kundtun (müssen). Sorry all denen, die was anderes erwartet hatten… 😉

Das Medium ändert sich – der Ansatz nicht!

[1] Man sollte Texte nicht zu schnell schreiben, so gefällt es mir besser.

Saltos, Chancen, Sensationen – aber der Vereins-Miro geht

Was war das damals für eine Aufregung. Als Miro Klose zum FC Bayern wechseln wollte, sollte.

Es wurde sogar seitens der DFL ermittelt (wohl auf Druck der Medien). Von Geldstrafen war die Rede. Ohne Ergebnis übrigens.

Ein Ergebnis gab es dafür im Rahmen einer Fan-Umfrage gegen einen Bayern-Spieler Klose (Der Manuel war also nicht der erste Neuzugang mit Gegenwind. Hui.). 129 Fans!

Half alles nichts. Klose wurde Bayer.

Ich würde jetzt gerne ergänzen “ein erfolgreicher”. Aber das ginge nur, wenn ich diesen Punkt an Titeln festmachen würde.

Seine eigene Leistungsbilanz ist eher ernüchternd.

Der deutsche Nationalstürmer bestritt zwischen 2007 und 2011 insgesamt 98 Bundesligaspiele für den FC Bayern und erzielte dabei 24 Tore.

Um das auch einmal ganz klar zu sagen: Ich versuche mich davon zu entfernen, hier selbst nun einen Klose zu bashen, aber wir reden hier über professionelle Fußballer. Die bekommen jede Menge Geld für ihre Arbeit. Und dabei muss man sich doch an den reinen Zahlen messen lassen müssen dürfen, oder etwa nicht?

24 Tore in 98 Bundesligaspielen? Wie viele Tore haben seine (Ex-)Kollegen Gomez, Elber, Makaay und Co. so in den letzten Jahren im Trikot des FC Bayern erzielt?

Sicher. Klose ist ein Spielertyp, der “sehr mannschaftsdienlich” spielt. Geschenkt. Für mich ist diese Floskel immer die erste Entschuldigung für Stürmer, die das Tor einfach nicht treffen.

Klose soll es unter van Gaal auch nicht leicht gehabt haben. Hört man so in diesen Tagen. Entschuldigung, ich hatte immer den Eindruck, dass gerade sein Konkurrent Gomez dieses Problem mit unserem Ex-Trainer hatte, sich sogar gegen den Willen des Trainers im Kader aufhielt und diesem erst über Monate von seinen Stärken (Toren) überzeugen musste.

War es nicht vielmehr van Gaal, der Gomez schon bei seinem Dienstantritt sagte und später spüren ließ, dass er nicht “sein Transfer” gewesen sei und “er ja Klose habe”?

Also bitte.

An den ersten sieben Spieltagen der letzten Saison – als wir (statistisch) die Saison verspielten – wer war da im Sturm des FC Bayern gesetzt?

Eben.

Nein, Miro Klose hat sich viele Verdienste rund um den FC Bayern erworben und seine ersten Monate im Trio Furioso mit Ribéry und Toni setzte seinerzeit Maßstäbe. An einige (entscheidende) Momente wie das Abseitstor gegen Florenz kann ich mich ebenfalls noch sehr gut erinnern.

Aber wo war der Nationaltrikot-Klose im Shirt des FC Bayern?

Sinnbildlich sein Abschiedsspiel in der Allianz Arena…

Ich habe vielmehr Verständnis für Klose. Denn er weiß sicherlich ganz genau, dass er sich beim FC Bayern nicht noch so eine Saison wie die letzte leisten kann. Will er wenigstens in der Nationalelf eine weitere Chance haben, muss(te) er wechseln.

Ganz abgesehen von dem Gehalt was wir uns nun sparen (was imho nur in dieser 2007er-Goldgräber-Stimmung möglich war). Aber ich wollte ja nicht auf dieses Niveau abrutschen.

Uns bleibt also Gomez. Und wir bekommen Olic zurück. Dazu eine frische neue Kraft wie Petersen.

Das ist schon einmal gut.

Hintendran steht ein Thomas Müller, der offensiv flexibel ist und zukünftig bestimmt auch sein muss, um seine Position im ebenso wachsenden wie frischeren Kader zu behaupten.

Braucht es vier Stürmer im Kader? Mit unserem aktuellen Spielsystem? Ich würde sagen, nein. Aber ich hätte auch nichts gegen eine weitere Ergänzung an dieser Stelle. Allein für den Konkurrenzdruck.

Schau’n mer mal.

Bis dahin: Alles Gute, Miro. Noch ein paar schöne Jahre im Ausland.

Der Klose gibt den Gomez oder Das Hornberger Schießen

War was?

Ich weiß nicht. Irgendwas ist mit mir nach dem heutigen Schlusspfiff passiert. Irgendjemand hat bei mir einen Reset-Knopf gedrückt.

Ist die Saison meines FC Bayern schon zu Ende? Was? Wir sind Dritter geworden? Sonst nix? Ach, Torschützenkönig? Na dann.

Was sagt denn van Gaal dazu? Was? Der ist nicht mehr Trainer? Jonker? Oh. Was ist denn da passiert?

So oder so ähnlich wird man vielleicht einmal über die heute abgelaufene Saison rätseln.

Ich für meinen Teil bin total leer. Und irgendwie musste ich ja in diesen Beitrag einsteigen. Sorry dafür.

Schaut man sich unsere Statistik an, ist das alles gar nicht so schlecht. Super Rückrunde gespielt. Super Heimbilanz. So viele Tore geschossen wie seit 20, 25 Jahren nicht mehr.

Und doch bleibt ein komischer Beigeschmack zurück. Die Bayern-Familie ist gespalten, es wird mehr denn je über Ausrichtung, Philosophie und all das diskutiert, was seit 30 Jahren Erfolg über Erfolg erbracht hat. Inzwischen kommt mir das fast schon skurril vor. Was aber auch daran liegen kann, dass ich fast jeden Spieltag darüber schreiben “musste”.

Vor der Tür steht nun erst einmal eine mehr als lange Sommerpause. Und im Gegensatz zu vielen anderen Fans werde ich diese mehr als genießen. Nicht nur, weil ich aktuell arge (zeitliche) Probleme mit dem Bloggen habe, sondern weil ich ob dieser Saison erst einmal Abstand brauche.

Und unsere Führung wird diese Zeit ebenfalls bitter nötig haben. Um aufzuräumen und die Scherben dieser Spielzeit zusammen zu kehren. Aber das ist ein eigenes Thema.

Wie bekomme ich jetzt stattdessen den Bogen zum Spiel gegen den schwäbischen VfB?

Über so einige Ansätze.

War das Spiel ein Spiegelbild der Saison mit seinen Höhen und Tiefen? Mit seinen vergebenen Chancen und Gelegenheiten? Mit seinen Egoismen und seiner Erleichterung, dass es endlich vorbei ist?

So könnte man meinen.

Da war die Monsterchance des Sportskameraden Klose, der den Euro-2008er-Gomez gab (Alter!), da war der Latten- und anschließende Linienknaller von Gomez, der dann eben doch nicht ins Tor glitt (im Gegensatz zu vielen Chancen unserer Gegner), da war Contento, der bei seinem Sturmlauf kurz vor dem Strafraum den zwanzig Meter freistehenden Gomez übersah und sich stattdessen festrannte und da war der Schlusspfiff und die Gewissheit, dass es doch noch zum Sieg gereicht hat.

Ganz im Ernst: Ich kann mich nicht erinnern, ob ich in einer anderen Saison meines Bayern-Fantums mehr gealtert bin als 2010/11. Selbst 1991/92 war irgendwo entspannter und auch die zwei Pfälzer Meisterschaften – geschenkt.

Eine Pause ist für uns alle mehr als notwendig. Auch für einige Spieler. Selbst wenn man bedenkt, dass die Leistungen der meisten bayerischen Akteure heute nicht die schlimmsten der Saison waren.

Beispielhaft nenn’ ich hier mal die Herren Badstuber und Klose.

Wäre derHolger nicht so jung und wären alle im Verein (vor allem der Tiger) nicht so überzeugt von ihm, würde ich knallhart für eine Ausleihe plädieren. Es ist ja nicht so, als hätten wir in dieser Spielzeit nicht ausgiebig auf der IV-Position im Trüben gefischt, aber das Aufbrechen der gegen Saisonende stabilen Kombination van Buyten / Gustavo zeigte einmal mehr, wie viel Glück wir hatten, über diese Schwachstelle im Kader nicht viel öfter von Gegnern verprügelt worden zu sein.

Eine gute Aktion habe ich von Badstuber gegen Ende des Spiels gesehen als er seinen Gegenspieler ablief. Aber was das wieder in HZ1 sein sollte, will mir einfach nicht einleuchten. Echt nicht.

Apropos einleuchten.

Ich bin ebenfalls total ratlos, was mit Herrn Klose so in den letzten Jahren geschehen ist. Für alle die, die es vergessen haben: Klose ist Stürmer. Per Definition und Position. Ab und an zeigte er dies im Rahmen seiner FCB-Zeit ja im nationalen Trikot.

Nun, sein Vertrag bei uns läuft aus. Da ist er in guter Gesellschaft (was im Übrigen die Transfer-Einnahmen in dieser Saison recht überschaubar werden lässt). Aber was war das bitte wieder für eine Geschichte 50cm vor dem Tor?

Mehr als “in Fuß spielen” kann Herr Robben da nicht. Und was macht er? Zimmert den Ball 1-2 Meter über das leere Tor?

Meine Güte.

Meine Gedanken in diesem Moment?

“Mach’ es gut, Miro. Und viel Glück in Deinem nächsten Verein. Ich wünsch’ Dir ehrlich alles Gute, aber es wird Zeit zu gehen.”

Diese Gedanken flossen mir ganz ohne Häme, Groll oder Bitterkeit durch den Kopf. Eher wie beim auslaufenden Vertrags-Podolski.

So funktioniert es einfach nicht (mehr) und es wird sich auch nicht mehr ändern (P.S. der Beitrag über die aktuellen Transfergerüchte folgt. Geduld).

Anderes Thema.

All denen, die Herrn Ribéry im Angesicht des strahlenden Rückrunden-Robben für überflüssig halten, wurde sein Fehlen heute einmal mehr vor Augen geführt.

Der Ego-Robben ist nicht ohne Ribéry möglich. Wieso? Weil sich der Gegner so dem verbliebenen Weltstar widmen kann. Und eine echte Alternative haben wir auf links vorne eben auch nicht.

Thomas Müller? Übel. Falsche Seite, Trainer. Dann besser schon wild durcheinander spielen, wie wir dies später recht wirkungsvoll zeigten.

Allen Neuer-Zweiflern hingegen seien einige Butt-Szenen ans Herz gelegt. Mehr sag’ ich dazu nicht.

Gut das wir einen Gomez im Kader haben (und er sich gegen den eigenen Trainer van Gaal durchsetzte) und Herr Kroos nach seiner Einwechslung zum ersten Mal(?) seit seiner Rückkehr aus Leverkusen Ansätze davon zeigte, wozu er im Stande ist. Denn seine Freistoßvorlage auf den Kopf(!) Herrn Schweinsteigers war wirklich Bayern-like. Also wie ich mir Bayern-like vorstelle. Wenn es sonst nicht läuft, muss man wenigstens Standards drauf haben!

Fein. Somit haben die Bayern also die Saison mit einem Sieg beendet. Herr Jonker hat 13 von 15 möglichen Punkten geholt. Hätte Herrn van Gaal das auch geschafft? Wir werden es nie erfahren. Ebenso wie die Antwort auf die Frage, ob Leverkusen auch in Freiburg gewonnen hätte, wenn Herr Klose das frühe 1:0 erzielt hätte.

Ein bisschen viel Konjunktiv und jede Menge Stoff für die nun folgenden Saisonrückblicke. Wir können es nicht mehr ändern. Nehmen wir es wie Männer und freuen wir uns über die Championsleague-Qualifikation. Punkt.

Persönlich wünsche ich mir und uns nun, dass sich in dieser Sommerpause rund um den FC Bayern alles wieder ein wenig beruhigt und unsere Führung zünftige Vertragsgespräche führt, um uns allen in der neuen Saison, mit neuem Trainer einen runderneuerten und leistungsstarken Kader zu präsentieren.

Nicht mehr und nicht weniger.

Der aktuell beste deutsche Torhüter verlässt Schalke 04

Leute, Leute. Wer ob dieser Worte überrascht ist, kann nicht von sich behaupten, den Durchblick zu haben.

Ich habe den Verantwortlichen auf Schalke mitgeteilt, dass ich meinen Vertrag nicht verlängern werde. Ich weiß, dass das bei Euch auf Unverständnis stößt. Ich habe Schalke und den Fans viel zu verdanken, möchte mir aber nach 20 Jahren Treue die Chance zur Veränderung offen halten. Ich habe die Entscheidung getroffen und wollte sie jetzt bekanntgeben. Jetzt gilt die volle Konzentration den Saisonzielen von Schalke 04!

Diese Sätze veröffentliche Manuel Neuer heute auf Facebook.

Der Verein hat dies inzwischen bestätigt.

Damit wäre eine Sache geklärt. Neuer verlässt Schalke 04 spätestens am 30.06.2012. Ob, wann und wohin er dies früher macht, ist weiterhin “völlig” unklar.

Wir sind gespannt. Einfach war dieser Schritt für Neuer sicherlich nicht. Und einfach ist dieser Fakt nun auch nicht für viele Schalke-Fans. Wie man schon an entsprechenden Kommentaren unterhalb der Facebook-Meldung sehen kann.

Was ihn nun allerdings erst in der “Realität”, in den Fußballstadien dieser Republik erwarten wird, darauf ist er hoffentlich gefasst und vorbereitet.

Ich befürchte, dass er jetzt sowohl von den eigenen als auch zukünftigen Fans attackiert werden wird (insofern es vor dem 14.05. eine diesbezügliche Entscheidung gibt). Ob damit Teile der Bayern-Fanschaft gemeint sind, wissen wir nicht. Abgesehen von dem Teil, der so oder so gegen ihn protestieren wird.

Wer meine Meinung wissen will: Ich würde mich über Neuer im Bayern-Tor freuen. Weil auf dieser Position dann nämlich auf Jahre hinaus keine Baustelle mehr vorhanden sein wird.

Aber ich bin ja auch kein Ultra. Der vom königsblauen Pendant immer verhauen wird…