Weisheiten #161

Wir haben jetzt zwei Trainer gehabt, mit Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal, die den Ansatz mit sich brachten, den Verein auch revolutionieren zu wollen und total in seinen Grundfesten zu verändern. Damit sind wir, und das muss man ganz klar sagen, nicht gut gefahren.

Christian Nerlinger, Hoeneß-light

Ist das Viertelfinale schon erreicht?

Irgendwie komisch. Ab heute steht dieses medientechnisch ebenso aufgeteilte wie aufgeblähte Achtelfinal-Event in der Königsklasse an und die Bayern haben mit dem Los Florenz eigentlich nicht unbedingt Los-Pech gehabt.

Wer aber das Achtelfinale schon als gegessen ansieht und sich bereits auf’s Viertelfinale freut, dem darf ich – ich werde diesbzgl. nicht müde – die Gruppenspiele (Hin- und Rückspiel) gegen eben jenen Gegner zur Lektüre empfehlen.

Seinerzeit lagen wir ja alle noch im Klinsmann-Delirium und glaubten tatsächlich eine mehr als überzeugende Vorrunde in der Championsleague absolviert zu haben.

Dabei war es nur pures Glück, dass wir, zum Beispiel gegen die Toskana-Kicker, nicht genauso untergegangen sind wie heuer gegen Bordeaux.

Und nur, weil Florenz der Spielmacher fehlt, ist da die Messe noch lange nicht gelesen. Ist unser Gegner im Rahmen der Konter-Aktivitäten nur halb so stark wie im letzten Heimspiel 2008, dann Gnade unser Abwehr Gott.

So meine aktuelle Stimmung.

Um die Offensive mache ich mir da nicht so viele Sorgen, da spielt die Zeit bei Rib&Rob klar für uns, aber Gegentore sind in der K.O.-Runde nun einmal tödlich.

Und das unser Heimspiel ein Schiedsrichter pfeifft, der es nicht wirklich mit italienischen Mannschaften hat, tröstet da nur am Rande.

Nein. Konzentration ist wichtig. In allen Mannschaftsteilen. Und dann ab nach vorne. Mit jeder Menge Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor (gell, Herr Gomez).

So kann man das mal machen und somit direkt für eine mögliche nächste Runde trainieren, wenn es gegen – auch auf dem Papier – die wirklich großen Teams in Europa geht!

Schwachgelbes Wettschießen um die Tabellenführung?

Sind die Bayern heute Abend Tabellenführer?

Möglich wäre das. Zum ersten Mal seit – glaubt man dem Boulevard – Jahrzehnten. Wir müssen einfach nur zwei Tore mehr erzielen als Leverkusen.

Im Weg stehen uns die schwachgelben Borussen. In der Chemiestadt ist der sog. Deutsche Meister zu Gast.

Beides sind Gegner, die man normalerweise als gefährlich bezeichnen würde. Dortmund immer und Wolfsburg, weil sie jetzt halt mal Meister geworden sind.

Blickt man auf die jeweilige Bilanz, steht uns das schwierigere Spiel bevor:

Dortmund: 2:3 (H), 1:4 (A), aber zuvor 1:0 (H), 3:2 (A), 1:0 (H) plus drei weitere Siege (einer in Wolfsburg).

Wolfsburg: 1:3 (H), 1:1 (A), 2:3 (H), 1:3 (A), 2:2 (A), insgesamt siegte man zuletzt Anfang November.

Nebenbei spielt Dortmund heuer mit dem HSV um den Europa-League-Platz, Wolfsburg als Meister dagegen hat nur acht Punkte Vorsprung auf die Relegation.

Soviel zur Theorie.

Auf der anderen Seite hat es Bayer im letzten Spiel auch nicht geschafft beim ebenfalls abstiegsgefährdeten VfL in Bochum zu gewinnen.

So ist Fußball. Und jede Vorhersage Spekulation.

Wer weiß schon, ob gerade heute bei Wolfsburg in Leverkusen der Knoten platzt, oder ausgerechnet in München eine neue Serie der schwachgelben Borussen startet?

Niemand.

Was ich weiß, ist die Tatsache, dass ich mit Hermann Gerland erneut einer Meinung bin.

Wieso mussten wir Mats Hummels tatsächlich nach Dortmund verkaufen? Warum nicht nur eine verlängerte Ausleihe?

Oder eine Rückkehr im Sommer 2010, als inzwischen etablierter Bundesliga-Profi, hätte perfekt zum Abschied eines Martin Demichelis gepasst…

Aber nein, wir mussten ihn ja unbedingt loswerden.

Der Super-GAU wäre es jetzt noch, wenn Hummels, der – analog zu van Buyten – in Dortmund seine Torjäger-Fähigkeiten gefunden hat, gegen Demichelis ein Gegentor gelingt. Soo abwegig ist das in der aktuellen Forum unseres Weltstars-für-eine-Saison nicht. Definitiv nicht.

Dachte man von Seiten des FC Bayern, dass ein guter Innenverteidiger aus der eigenen Jugend, mit Potential die etablierten Kräfte zu verdrängen, reicht?

Falsch gedacht.

Und die Rechnung werden wir auch noch serviert bekommen. Spätestens wenn die Bayern-Serie aufgrund des nächsten hanebüchenen Fehlers Demichelis’ reisst.

Zum Glück hat man aus den Fehlern der (Klinsmann-)Vergangenheit gelernt. Gibt Spielern – unabhängig vom Alter – Vertrags-Verlängerungen. Wenn die Leistung stimmt. Und bindet junge Spieler mit mehr als großem Potential an den Verein. Nachdem man ihnen zuvor auch mal Chancen gegeben hat, ihr Potential zu präsentieren.

Siehe van Buyten, Badstuber und Müller.

Unserem Trainer van Gaal sei dank.

Ich weiß, dass ich derlei auch mal anders gesehen habe. Im Falle der Nicht-Vertragsverlängerung von Zé Roberto und der Verpflichtung von Timoschtschuk. Aber all das sind Altlasten aus der ebenso kurzen wie schmerzlichen Klinsmann-Ära beim FC Bayern.

Schlimm.

Die Tage dann eine Meldung, dass ein weiterer Jugendspieler des FC Bayern – zuvor ausgeliehen – den Verein nun endgültig verlässt. Georg Niedermeier wird für die nächsten vier Jahre ein Schwabe.

Natürlich ist klar, dass das FCB-übliche Ausleih-Modell nicht ewig funktioniert. Also für den jeweiligen Spieler jetzt. Irgendwann muss eine Entscheidung her. Die ist nun gefallen.

Was hat das allerdings für Hintergründe und war die Entscheidung richtig?

Niedermeier ist überwiegend Innenverteidiger. Mit einem rechten Fuß. Per van-Gaal-Definition haben wir da ja schon einen Spieler. Daniel van Buyten. Und auch noch Martin Demichelis. Beide Spieler sind inzwischen bis 2012 an den Verein gebunden. Das war als Perspektive Niedermeier wohl zu wenig. Und dem Verein auch.

Etwas anderes wäre es, wenn intern längst klar wäre, dass das mit Demichelis nichts mehr wird und er seine Form auch in dieser Saison nicht mehr findet.

Eventuell haben die Bayern aber längst einen Plan-B in der Hinterhand. Demichelis weg, Badstuber wieder nach innen, Breno in Top-Form vom Club zurück und auf links Contento. Oder so.

Hätte was.

Aber jetzt erstmal den BVB putzen. Ob mit oder ohne starkem Hummels.

Meister werden ist nicht schwer, Meister sein dagegen…

Das Thema ist nicht neu. Aber es steht an.

Die Bayern gastieren beim sog. deutschen Meister. In Wolfsburg.

Sowohl das letzte Gastspiel als auch die Meisterschaft der Wolfsburger liegen gefühlte Lichtjahre zurück.

Die Verhältnisse scheinen sich komplett gedreht zu haben. Wolfsburg hat inzwischen den Magath-Nachfolger entlassen, ist aus der Championsleague ausgeschieden und in der Bundesliga liegt man auf Platz 11, am 20.Spieltag mit sagenhaften 19 Punkten Rückstand auf die Spitze. Alle Achtung.

Auf der anderen Seite: Die Wolfsburger sind da in bester Gesellschaft. Weil’s mich interessiert hat, habe ich mal schnell eine Statistik aufgesetzt. Der ersten seit längerer Zeit. Man muss nur ein Thema haben.

Die Bayern sind natürlich auch vertreten. Kunststück, wenn man Rekordmeister ist. Der schlimmste Absturz (1. auf 10.) stammt aber aus einer Zeit, als es noch keine Kader gab, wo jede Position doppelt besetzt war. Und die Konzentration auf dem ersten Sieg im Europapokal der Landesmeister lag.

Davon ab gab’s zuvor drei Meisterschaften in Folge. Egal, keine Rechtfertigungen…

Der all-time-Leader ist natürlich der Club aus Nürnberg. Unvergessen und bislang unerreicht: Abstieg nach Meisterschaft. Auf Platz 2 gemeinsam der schwäbische VfB und eben der FC Bayern.

Somit liegt der Wolfsburger VfL aktuell auf klarem Kurs Richtung Vize-Absturz-Meister.

Was das alles soll? Nix. Hat einfach nur Spaß gemacht.

Und so wie ich unsere Bayern kenne, bringen die es bestimmt auch fertig morgen in Wolfsburg mit einem Chancenplus von 20:2 mit 2:1 zu verlieren. Weil Deutschland-weit und auch in der VW-Kabine das Grafite-Tor 24h rauf und runter läuft.

Oder sind die neuen, alten Bayern vielleicht doch ganz neu?

Breitnigge – Podcast 09/10 #8

Dieser Inhalt ist umgezogen. Er befindet sich jetzt hier.

Und noch einmal: Wer hätte das vor Wochen gedacht?

Eigentlich war das anders geplant. Am Freitag war mein erster Urlaubstag und da wollte ich sogar mal wieder live bloggen. Oder twittern.

Auf jeden Fall aber die Gelegenheit nutzen, eine Championsleague-Auslosung live mitzubekommen.

Es kam anders. Bekannt.

Den Freitag lag ich schon mehr oder wenig komplett im Bett und erst am späten Nachmittag fiel mir das mit der Auslosung wieder ein.

Videotext an und dann das. Das erste Lächeln des Tages.

Sollte es wirklich möglich sein? Das die alten Bayern wieder die Alten sind? Erfolgreich, mit Losglück und jetzt auch noch mit schönem Spiel?

Wer hätte dies vor Wochen noch erwartet? Oder befürchtet, wie z.B. das Boulevard, dass sich auf van Gaal eingeschossen hatte?

Adenauer. Sag ich da nur.

Dann also gegen Florenz.

Dabei drohte uns neben Barca auch Real, ManU oder Chelsea. Mit dieser Perspektive sah ich vor der Auslosung das Achtelfinale als Endstation an. Dann ist eben im Viertelfinale Schluss. Bis ich sah, welche Partien noch so in der Runde der letzten 16 Teams zustandekommen:

Milan – ManU und Inter – Chelsea?

Also entweder räumen sich in der ersten K.O.-Runde direkt mal zwei von vier Schwergewichten selbst aus dem Weg, oder zumindestens findet der ital. Fußball in der CL bald gar nicht mehr statt.

Beides keine schlimmen Szenarien für mich…

Der dritte Grund, für mein Schmunzeln war das Los des anderen deutschen Vertreters, da der sog. deutsche Meister ja – wie erwartet – seine Segel schon hat streichen müssen.

Wie geht man mit einem Barca-Los im Achtelfinale um? Einfach durch und darauf hoffen, dass es nicht so schlimm wird? Verzweifeln?

Für uns Bayern ist das eine klassische Win-win-Situation: Entweder scheidet der Top-Konkurrent auf dem eigenen, ebenso möglichen, wie irrationalen Weg zum CL-Titel aus, oder wir sind ab dem Viertelfinale (mal wieder) der letzten deutsche Vertreter der Bundesliga in der Königsklasse (ich liebe diesen Satz noch mehr, seit ich erfahren habe, dass er anderen so sehr auf die Nerven geht *g*). Nicht unerheblich, wenn man an die TV-Gelder aus dem größten Topf in Europa denkt (das ist nämlich der deutsche).

Alles Spekulation.

Was fällt mir zum eigentlichen und nächsten Gegner Florenz ein?

Das dieses Los einfacher aussieht als es ist. Und viele wahrscheinlich im van-Gaal-Krisen-und-Klinsmann-CL-Vorrunden-Verherrlichungs-Wahn vööllig verdrängt haben, welch’ unfassbare Chancen Florenz in beiden Gruppenspielen in Florenz und vor allem in München hat liegen lassen.

Alles schon weg? Keine Erinnerungen mehr? Na dann mal viel Glück, dass die nicht plötzlich wiederkommen, wenn die Italiener das wiederholen und diesmal das Scheunentor auch treffen.

Warten wir es ab und freuen wir uns bis dahin, dass es ingesamt nach dieser Auslosung für den FC Bayern weitaus schlimmer hätte kommen können!

Ein Verein kurz vor der Implosion?

Lahm führt Interviews, die laut Boulevard so gut wie alles und jeden im Verein in Frage stellen und Herr Toni verlässt noch während des Spiels das Stadion.

Ein Verein am Abgrund der Disziplin?

Lächerlich.

Zunächst einmal Luca Toni.

So ein Verhalten geht nun einmal gar nicht. Und ich weiß auch nicht, ob sowas in Italien üblich ist.

Allein der Grund will mir immer noch nicht einleuchten. Hatte er noch Termine? War ihm langweilig, so allein in der Kabine?

Es kann ja wohl nicht sein, dass einLucaToni nach einer Auswechslung zur Halbzeit (im Übrigen nicht unbedingt zu Unrecht) dermaßen eingeschnappt ist. Wo sind wir denn?

Dann soll Herr Toni einfach mal anfangen seine Torchancen zu verwerten. Gelegenheit bekam er dazu vom Trainer zuletzt mehr als genug. Fragt mal bei Herrn Gomez nach, was der davon hält.

Wer Tore schießt hat jede Menge Argumente. Wer nicht, der nicht.

Also bitte. Saftige Geldstrafe und gut iss.

Will er darüberhinaus im Winter weg? Biddeschön. Verhandlungen starten ab Ende der Hinrunde.

Thema Lahm.

Gestern habe ich mir mal sein Interview durchgelesen.

Erstens: Sowas in dieser Deutlichkeit in der Öffentlichkeit zu sagen, geht nicht. Kann der Verein sich eigentlich nicht bieten lassen. Sonst implodiert hier bald wirklich alles. Ein entsprechendes Strafmaß wäre hier wohl eine Geldstrafe. Mittlerer fünfstelliger Betrag.

Zweitens: Total falsche Sachen hat er jetzt auch nicht unbedingt gesagt, oder? Obwohl. Ich bin jetzt natürlich kein Intimus des FC Barcelona, um beurteilen zu können, ob man – analog zu Ajax – von der F-Jugend das gleiche System spielen lässt und ob Herr Messi rein zufällig in dieses Spielsystem passt. Oder wurde da vielleicht doch ein System um Starspieler gebaut? Eher so, wie der FC Bayern wohl vorgeht?

Drittens: Es gibt keine Kahns und Effenbergs mehr im Team. Derlei wird gerade neu gebildet. Lahm ist Vize-Kapitän. Also in der Hierarchie nicht so ganz unten. Da haben solche Worte schon eher Gewicht und kann er eben dieses wohl auch einsetzen. Zumal er weiß, dass sich der Verein eine Degradierung Lahms nicht leisten kann. Spieler, die Verantwortung übernehmen, sind ja nicht im Überfluss vorhanden. Aktuell.

Was genau hat er aber gesagt?

Das Beste in diesem Zusammenhang, habe ich ja schon zitiert. Herrlich wie hier unser Ex-Visionär unterschwellig auseinandergenommen wird.

Zitat 2:

“SZ: Massiv investiert hat der Verein ja in den vergangenen Jahren durchaus.

Lahm: Aber ich glaube, in der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich. Sicher lag es auch daran, dass wir in den letzten Jahren verschiedene Trainer mit verschiedenen Vorstellungen hatten. Aber man muss auch ganz klar feststellen: Vereine wie Manchester oder Barcelona geben ein System vor – und dann kauft man Personal für dieses System. Man holt gezielt Spieler – und dann steht die Mannschaft.”

Problem 1: zuviele Trainer, Problem 2: zuviele Transfers für diese Trainer. Da ist die Systemfrage zunächst einmal sekundär.

Im Kern gebe ich ihm Recht. Aaber: Unser (jetziger) Trainer hat ein (Lieblings-)System: 4-3-3. Dafür fand er bei seinem Antritt nur leider nicht die entsprechenden Spieler vor. Also hat er sich diese zunächst mal angeschaut. Auf verschiedenen Positionen, in unterschiedlichen Systemen und schließlich dem bewährten 4-4-2 vertraut. Bis zum desaströsen Saisonstart, im Gipfel die erste Halbzeit in Mainz. Mit entsprechendem Druck (31.08.) und der passenden Gelegenheit (Real braucht dringend Geld zur Refinanzierung) kam Robben. Einem perfekten Spieler für van Gaals 4-3-3. Ribéry passt da sowieso rein. Der passt fast in jedes System, mit seiner Dynamik, seiner Schnelligkeit und seinen Dribbling. Ribéry würde lediglich als Mittelstürmer in einem Flügel-Flanken-System nicht passen…

Lahm sagt nun, dass diese Umstellung die Spieler verunsichert hätte. Mag sein. Ist aber kein Weltuntergang oder etwas, dass man nicht erlernen könnte. Schließlich ist sowas der Beruf einen Profifußballers.

Zitat 3:

“Wir brauchen im Mittelfeld Spieler, die man aus der Abwehr immer anspielen kann. Das muss gar nicht jemand sein, der auch mal einen ausspielt, wie Xavi oder Iniesta beim FC Barcelona. Schauen Sie Chelsea an: Ein Frank Lampard, ein Michael Ballack, die spielen auch nicht wirklich einen aus – aber sie interpretieren so routiniert ihre Position, dass du sie immer anspielen kannst. Ich glaube einfach, unser größtes Problem liegt im Mittelfeld.”

Ja hallo? Was red’ ich seit Monaten, Jahren?

Ein van Bommel, ja. Ein Müller heuer, ebenfalls. Aber ein Schweinsteiger? Ein Altintop seit seiner Verletzung nach der EM? Gar ein Sosa und wie sie alle heißen.

Denen kann man nicht ruhigen Gewissens den Ball überlassen. Der Gegner kommt und die Nervösität bricht aus. Schlimm.

Das wir übrigens zu wenig nach vorne spielen, hat sich im Vergleich zur letzten Saison vollends geändert. Die lief – meiner Meinung nach – exakt gegenteilig ab. Und dafür hat man uns dann ebenfalls kritisiert. Wir wären zu offen und ohne Defensive kann man keine Titel gewinnen. Blablabla.

Wie man es macht, ist es falsch, liebe Sportjournalisten?

Zitat 4 (RV-Position seit Sagnols Ausscheiden):

“Lahm: Ja, es kam jetzt Edson Braafheid, Massimo Oddo wurde mal ausgeliehen, Marcell Jansen war kurz da, Christian Lell kam hoch und Andreas Görlitz aus Karlsruhe zurück. Doch es kam seither kein Spieler mehr, dem das Vertrauen ausgesprochen wurde oder der seine internationale Klasse bereits unter Beweis gestellt hat.

SZ: Sie spielen zurzeit auch deshalb auf rechts, weil es dort keine hochwertige Alternative gibt. Wollen Sie das wirklich, wie es sich zuletzt anhörte?

Lahm: Rechts oder links, darüber lasse ich mit mir diskutieren – man sollte sich nur mal auch dort für die nächsten Jahre festlegen, wo ich spielen soll. Ich traue mir zu, auf beiden Seiten den Anforderungen des FC Bayern mehr als zu genügen. Dass man bei 50 Spielen rechts oder links auch mal ein paar schlechte macht, ist ganz normal. Aber ob Philipp Lahm beim FC Bayern links oder rechts spielt, hat nichts mit der momentanen Situation zu tun.”

Das Wichtigste ist hier der Teil mit der fehlenden “internationalen Klasse”. Das ist das Entscheidende. Neben der Mischung aus “Lahm ist doch auch rechts ganz gut” und van Gaals Wunschspielern (Brafheid, Pranjic).

Dabei hatten die Bayern doch vor nicht allzu langer Zeit mit Lahm, Zé Roberto und Ribéry die beste linke Flanke der Welt. Meiner Meinung nach. Irgendwo haben wir auf der Strecke hier den Faden verloren. Es gab nur auf der rechten Seite Handlungsbedarf. Links hätten wir alles so lassen können. Schade.

Insgesamt steht ja ohnehin noch die Antwort auf die Frage aus, ob Lahm wirklich glaubt, dass er rechts besser oder zumindestens gleich gut wie links sei oder man ihm das nur immer und immer wieder eingeredet hat…

Davon abgesehen ist das Interview doch eher positiv. Er hält van Gaal für einen guten (“Er ist einfach ein Lehrer, den ich so noch nicht hatte.”) und zum FC Bayern passenden Trainer. Nerlinger findet er gut und hält es sogar für möglich, dass die beiden – van Gaal und Nerlinger – Chance und Mut zur Veränderung beim FC Bayern haben.

Sowas tut nun einmal weh. Veränderung. Und Angst kann/darf man davor auch haben. Das ist normal. Und ich denke, wir sollten dieses Risiko eingehen.

Von daher: Wo ist das Problem? Mit diesem Interview?

Weisheiten #121

“Nein, da gab es so etwas nicht, da wurde nicht mal drüber gesprochen. Deswegen ist das jetzt auch eine große Umstellung. [...] Was wir jetzt haben, ist das absolute Gegenteil von dem, was wir letztes Jahr hatten. Aber wenn ich selbst kritisiert werde und im Video sehe: Die Flanke hätte früher oder weiter nach vorne geschlagen werden müssen – dann muss ich sagen, ja, der Trainer hat recht! Der Trainer, das sagt er uns auch immer, kritisiert doch nur, damit es der Spieler besser machen kann. Und wir wollen doch besser werden! Alles muss besser werden.”

Philipp Lahm, FCB-Vizekapitän, über van Gaals Analysen nach dem Spiel. Vergleichend mit der Vorsaison.

Der Weltuntergang steht unmittelbar bevor. Oder so.

Mein Sohn hat weit über 39 Grad Fieber. Die Mandeln sind ebenso entzündet wie unsere Nächte kurz.

DAS sind Probleme.

Was kümmern mich da ein paar Millionäre, die ihrem Hobby nachgehen und in kurzen Hosen einen Lederball über gepflegte Grashalme stolpern?

Hier könnte dieser Beitrag beendet sein.

Wenn es da nicht doch noch eine andere Wahrheit gäbe. Die eines Fans. Eines Fans, der mittlerweile eigentlich keine Lust mehr hat, nach jedem Spiel seiner Mannschaft ein Grundsatzmanifest zu veröffentlichen.

Der erste Entwurf für diesen Beitrag enthielt – in meinem Kopf – viele Kraftausdrücke. War eher als destruktiv und aufrührerisch zu bezeichnen.

Jetzt 24 Stunden später, nach dem ausgiebigen Studium diverser Kommentare und Berichte zum Thema bin ich eher ruhig.

Ich bin’s leid. Nach jedem Spiel alles grundsätzlich in Frage zu stellen. Was soll das auch bringen? Soll 2009 als 4-Trainer-Jahr in die Geschichte des FC Bayern eingehen? Muss ich nicht haben.

Sollen wir einfach nur weiter Kapital vernichten? Spieler überteuert kaufen, um sie nach einer Hinrunde mit massivem Verlust zu verschenken?

Wohin soll das führen? Ist die (Fußball-)Welt inzwischen so schnelllebig geworden? Oder ist das nur beim FC Bayern so? Inzwischen?

Die Bayern haben immer noch die Chance die Gruppenphase der Championsleague zu überstehen und in die K.O.-Runde einzuziehen.

Zwei Siege der Bayern, kein Juve-Sieg in Bordeaux und der zweite Platz geht klar.

Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob man es mit derlei Leistung überhaupt “verdient” hat, weiter an der Königsklasse teilzunehmen.

Gegenfrage: Wieviele Mannschaften würden diesbezüglich gerne mit dem FC Bayern tauschen, die Millionen der Championsleague zu bekommen – egal mit welcher Leistung oder Ergebnissen in dieser Vorrunde?

Dazu gibt’s sicherlich keine zwei Meinungen unter uns Bayern-Fans. Es doch noch zu schaffen, würde mich nicht stören.

Klappt es nicht, geht dann die Welt unter? Offensichtlich. Wenn man einige Kommentare in unserem Umfeld zu liest.

Für mich nicht.

Wieso?

Weil die Bayern diese Gruppenphase schon im Heimspiel gegen Juve vergeigt haben. Ein Sieg dort und man hätte sicherlich gestern ganz anders gespielt. Von der Belastung, von der Perspektive her.

Aber diese Verschwendung stört mich schon die ganze Saison. Klar. Ist schon immer ein Problem des FC Bayern gewesen. Aber wo würden wir stehen, wenn wir nur ein bißchen mehr Kaltschnäuzigkeit an den Tag gelegt hätten. Nur in den Spielen, als wir die Chancen und die Überlegenheit hatten.

Im Heimspiel gegen Bremen, gegen Juve. Die Liste erscheint endlos.

Ist aber alles müßig.

Und in meinen Augen auch nicht das Problem des Trainers.

Ich denke nämlich nicht, dass van Gaal seinen Spielern verbietet Tore zu schießen. Oder sich einen Spaß daraus macht, mal eine passende Einstellung an den Tag legen zu lassen (wie im Pokal in Frankfurt). Und mal nicht (wie in HZ1 in Bordeaux).

Die Klasse, die in jedem Spieler im Kader des FC Bayern steckt, wurde sicherlich nicht von einem van Gaal abgesaugt. Oder wegtrainiert.

Aus meiner Sicht gibt es “lediglich” folgende Probleme:

- Vorbereitung & Verletzungen

Beim FC Bayern häufen sich in den letzten Jahren die miserablen Vorbeitungsphasen. Und das liegt nicht nur an EM- und WM-Turnieren.

Was wäre zum Start der Saison möglich gewesen, wenn van Gaal den kompletten Kader gesund und über die vollen vier Wochen zur Verfügung gehabt hätte? Aha.

- Systeme

Louis van Gaal hat eine bestimmte Vorstellung von Fußball. Ein System vor Augen. Dummerweise ist das eins, dass beim FC Bayern so in den letzten Jahren nicht gespielt wurde.

Dieser Punkt wurde aber offenbar von den Verantwortlichen des FC Bayern bewusst in Kauf genommen. Also diese notwendige Umstellungsphase. Es wird zwar langsam, aber zäh ist’s trotzdem. Was haben wir aber von einem funktionierenden System, wenn wir in allen Wettbewerben nur noch um die goldene Ananas spielen? Schwierig.

Womit wir beim nächsten Problem wären:

- Trainerwechsel

Seit Juni 2008 hatte der FC Bayern vier Trainer.

Hitzfeld – der ja in den Augen vieler Bayern-Fans immer noch als Messias gefeiert wird. Aber muss ich vielleicht all die Spielberichte raussuchen, wo ich mich über ihn aufrege? Über die Spielweise, zwar erfolgreich, aber nicht wirklich schön anzusehen? Und muss ich all die Bayern-Fans wie -Verantwortlichen zitieren, die “endlich auch mal schönen Fußball sehen wollten”? Weil sich der Erfolg beim FC Bayern ja ohnehin im Abo realisieren lässt?

Klinsmann brachte dann die (lange vermissten) Innovationen. Alle waren begeistert. Hurra-Fußball. Und alles so modern. Als alles den Bach runter ging, wollte es aber keiner gewesen sein.

Dann Heynckes. Meine Güte. Wieviele weinen jetzt DonJupp wieder hinterher? Weil er mit Leverkusen an der Spitze steht? Und will noch jemand zugeben, dass man damals dachte: “Naja, ganz nett, aber nach fünf Spielen ist Schluss, oder? Schließlich wollen wir ja einen Trainer mit Perspektive. Was Junges, Frisches…”?

Und jetzt van Gaal.

Systemfußball. Ein Hauch von Ajax und Barca beim FC Bayern. Geil.

Kurz danach sind irgendwie alle verwirrt, dass die Spieler, die vor 16 Monaten noch mit Glanz und Gloria das Double geholt haben, plötzlich alle total neben der Spur sind?

Vielleicht ein bißchen viel Wechsel in so kurzer Zeit?

Ein erneuter Trainerwechsel soll das Abhilfe schaffen? Na dann.

Nein, nein.

Ich glaube, dass das alles eine Kopfsache ist. Und auch wenn es die meisten nicht hören wollen. Weil wir Bayern so etwas niemals in Anspruch nehmen sollten, dürften: Glück kann man erzwingen. Machen wir aber zuletzt nicht mehr.

Ein Toni kann in Bordeaux statt des Pfosten auch das Tor treffen. Dann holen wir mit 10 Mann dort noch ein Remis. Ein Brafheid kann seine Flanke statt auf die Latte auch ins Tor lenken. Der Schiedsrichter kann das Handspiel auf der Torlinie als Elfmeter für die Bayern werten. Die Bayern (Butt) hätte(n) davon absehen können, sich die beiden Tore der Franzosen irgendwie selbst ins Netz zu legen. Und, und, und.

Würden wir dann jetzt den Weltuntergang in München besprechen?

Das ist mir alles zu platt. Zu einfach.

Mein Vorschlag zur Güte: van Gaal den Rücken stärken. Ihn als Perspektive für die Zukunft sehen. Auch in der Öffentlichkeit. Ihn machen lassen. Den Kader weiter auf seine Vision umstellen. Punktuell. Wie das all die Anderen machen. Im Winter und nächsten Sommer ausmisten. Vorschläge gibt’s da genug. Eine weitere Übergangssaison akzeptieren.

Insofern es nur die geringste Chance gibt, dass wir aus all dem gestärkt zurückkommen, bin ich dabei. Allein die Vision, in Zukunft solche Dinge wie den Pokalauftritt in Frankfurt auch gegen die sogenannten Topteams zu zeigen, lässt meine Gedanken fliegen.

Dafür nähme ich sogar die Europa League in Kauf. Wäre doch spaßig im Halbfinale gegen den HSV zu spielen. Würde dafür auch ‘ne Papierkugel stiften.

Vielleicht den Pokal gewinnen und in der Bundesliga irgendwie oben dran bleiben. Championsleague-Platz. Mindestens die Qualifikation.

Ist das weltfremd?

Aus meiner Sicht nicht. In den Verein muss endlich mal Ruhe einkehren!

Dafür bräuchte es allerdings noch eine weitere Veränderung: Weniger Interviews und öffentliche Statements unserer Führungskräfte. Schwer, ich weiß, aber unabdingbar für obige Ruhe.

Nur ein Beispiel: Die Torwart-Diskussion. Was soll das? Da hat man endlich mal Ruhe und einen Keeper zwischen den Pfosten, der eben diese ausstrahlt. Und was passiert? Man eröffnet diesem, dass er sowieso nur noch befristet sein Job machen darf und man Sommer so oder so ‘nen Neuen holt. Und dann ist immer wieder dieser Neuer das Thema. Was haben unsere Bosse eigentlich an dem für einen Narren gefressen? Benaglio, ok. Von mir aus auch Adler. Aber Neuer?

Egal. Eigenes Thema.

Kann sich in diesem Zusammenhang aber vielleicht jemand vorstellen, dass ein Butt sowas nicht völlig egal ist? Er sich einfach so – nach Wochen der Sicherheit im Tor – zwei Klöpse erlaubt? Da besteht kein Zusammenhang? Nein? Ach so. Na dann.

Muss ich noch mehr zum gestrigen Spiel sagen?

Nö. Keine Lust.

Ich erwarte jetzt für Samstag einfach nur eine Steigerung. Egal in welcher Form. Und natürlich einen Sieg. Alles andere bringt uns nicht weiter.

Punkt.

Michael Rensing – Fußballgott!

Nein. Wir wollen jetzt mal nicht übertreiben!

Trotzdem muss ich zugeben, dass ich zunächst, ob ein, zwei Abschlägen ins Seitenaus, auch im gestrigen Spiel beim Sponsoren-Cup die Befürchtung hatte, dass wir tatsächlich mit einem massiven Torwart-Problem in die Saison gehen.

Der – offenbar fast feststehende – Stammtorhüter Butt mit zwei, drei größeren Patzern im Spiel gegen Milan – einer davon führte zum 1:2 – und anschließend dieses Nervenbündel Rensing gegen ManU.

Und dann das.

Rensing rettete zweimal mit sehr gutem Stellungsspiel gegen Owen und Rooney das 0:0 und hielt im Elfmeterschießen einen Schuss mehr als der alte Hase van der Sar.

Respekt.

Bekommt van Gaal jetzt ein Problem, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken? Sicher. Offiziell ist noch nix entschieden, aber seit gestern würde ich plötzlich wieder Rensing vorne sehen. Im “offenen” Duell.

Der Miene Butts im Rahmen der Siegerehrung nach zu urteilen, hat der plötzlich Angst vor der Bank.

Wie auch immer. Das sich plötzlich unsere beiden Torhüter aufgrund ihrer “Leistung” für einen Platz in der Startelf aufdrängen, ist für mich eine ganz neue Erfahrung nach der letzten Saison. Schadet nicht.

Was drängt sich mir aber sonst noch so auf, an Gedanken, nachdem der FC Bayern diesen Sponsoren-Cup tatsächlich gewonnen hat (hätte ich zuvor echt nicht mit gerechnet)?

Das wir gegen einen mehr als schwachen und gestressten AC Mailand phasenweise berauschend gespielt haben?

Na fast. Aber immerhin besser als andersherum, oder?

Da ist weniger offensive Hau-drauf-alle-Mann-nach-vorne – Klinsmann – Philosophie und mehr van Gaal’sche Sicherheit im Pass-, Struktur im Stellungspiel und vor allem: Jede Menge Laufbereitschaft. So zumindestens meine Beobachtung.

Das finde ich zunächst mal gut. Vor allem, weil es zur Saison hin immer besser wird. Und Milan und ManU sind tatsächlich ernstzunehmendere Gegner – in dieser Phase – als Hamburg, Schalke, Köln oder die Pocher’schen Allstars…

Bei aller positiven Stimmung muss ich aber auch mal meckern.

Neben Gewinnern wie Badstuber (sicher wie ein alter Hase (allein der Elfer gestern, klasse)), van Buyten (alte HSV-Stärke zurückgewonnen?), van Bommel (kein Vergleich zur Vorsaison, spielt Tymo an die Wand, in jeder Hinsicht), Altintop (wahnsinn, wie der teilweise aufdreht) und Sene (Wo war der nur die ganze Zeit?) gibt es auch Verlierer wie Brafheid (ist das Tempo selbst in Freundschaftsspielen immer noch zu hoch?) und Tymoshchuk/Timoschtschuk (Wo ist dessen Selbstbewusstsein? Warum hat er Angst vor dem tödlichen und spielt lieber den Sicherheits-Pass?).

Komisch.

Und genau das werden sich einige im Kader jetzt wohl selbst auch denken.

Aus meiner Sicht läuft das aber alles richtig. Selbst wenn jetzt plötzlich nur noch Spieler aus dem Alt-Kader in der Startelf stehen werden, haben sich doch die Investitionen schon gelohnt, wenn die wieder annähernd 100% ihrer Stärke abrufen, oder?

P.S. Ich werde übrigens nicht den Fehler machen und Dinge schreiben wie “und wenn jetzt erstmal noch Ribéry zurückkommt, dann…”.