So muss es sich anfühlen, wenn man gegen den FC Bayern spielt

Die Spanier sind gestern verdient in das Endspiel dieser Weltmeisterschaft eingezogen. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte. Aber sie waren ja auch zum ersten Mal in einem Halbfinale.

Kann man sich kaum vorstellen. Vor allem wenn man gestern diese Dominanz, Ballsicherheit und Geschwindigkeit bewundern durfte.

Da hatte Deutschland keine Chance. Nicht das Deutschland von gestern. Ohne Müller und mit Trochowski. Statt Kroos.

Schade.

Denn Kroos war der Müller vom Championsleague-Finale.

Hätte er den Ausgleich geschossen, dann…

Hat er aber nicht. Und somit nahm das Spiel seinen Lauf.

Davon ab: Selbst wenn die Spanier den Ausgleich hätten hinnehmen müssen – die hätten dann halt einfach eine ihrer vielen Chancen verwertet. So einfach ist das.

Womit wir beim FC Bayern sind.

Wie die Deutschen gestern, mussten sich wohl einige unserer Gegner in der letzten Saison gefühlt haben. In manchen Spielen. Dieses Kaputtspielen, dieser 90%-Ballbesitz.

Interessante Erfahrung. Für Bayern-Fans.

Trotz allem: Von dieser deutschen Mannschaft war es eine klasse WM. Wohlgemerkt von Deutschland. Der Rest war eher fad.

Vor allem aber, weil es unerwartet kam. Alles andere an dieser WM war ja konstruiert. Die Stimmung, das Sommermärchen und all die vielen Fußballfans. Kaum zwei Jahre rum und plötzlich waren sie wieder da.

Die Fans, die man sonst nie sieht. Die Autokorsos. Schon nach dem ersten Spiel.

Ich habe/hatte dafür nix übrig. Sorry. Es kann ja jeder machen, was ihm gefällt, aber ernst nehmen muss ich das nicht.

Auch nicht die Tränen. Den Herzschmerz.

Wer Barcelona erlebt hat, ok.
Wer mit seinem Verein, nach verzweifelten Kampf über eine ganze Saison, dann doch noch absteigt, ok.
Wessen Mannschaft aussichtslos zurücklag und dann doch zum Aufstieg, zum Titel stürmte, ok.

Aber weil in einer vom Boulevard aufgeheizten Stimmung eine deutsche Mannschaft gegen den Top-Favoriten des Turniers über das gesamte Spiel so gar keine Chance hatte?

Nö.

Wer es mag, gerne, ich nicht.

Und bald is sowieso wieder a Ruah.

Mein Tipp für das Finale? Eigentlich ja Holland. Aber dann verliere ich mein Tippspiel. Also Spanien? Um gegen den Weltmeister ausgeschieden zu sein?

Keine Ahnung, Ihr?

So kann man sich irren.

Vor der WM war ich, was die Deutschen betraf, eher skeptisch.

Inzwischen muss man das anders sehen, oder?

Gestern war wieder einer dieser Tage, in die man mit einem gemischten Gefühl hinein und einen Grinsen heraus geht.

Dabei ist es ferner ganz hilfreich, wenn man vor dem eigenen Bericht noch mal schnell liest, was die lieben Kollegen so schreiben.

Das entspannt und lässt einen den Beitragstitel ändern…

Noch unmittelbar vor der Anfahrt zum Privat Viewing las ich Schlagzeile des Boulevard. Ganz schön mutig. Und trotzdem sollten sie Recht behalten. Ok. 50% ist keine schlechte Quote, aber sollte es wirklich so sein?

Das die deutsche Nationalmannschaft inzwischen einen Fußball spielen kann, wie ich ihn nur vom FC Bayern in Phasen der letzten Saison kenne?

Unfassbar.

Ist somit mein 2000er-EM-Ribbeck-Trauma überwunden?

Es scheint so.

Auf der anderen Seite: Wieviele Bayern stehen denn da auf dem Platz? Und wer sind die Chefs und Shootingstars? Allein, ich hätte nicht gedacht, dass all dies auch ohne Robben und Ribéry funktionieren kann.

Jetzt also schon Halbfinale. Gegen Spanien. Meinen WM-Tipp. Wahnsinn. Und danach ein mögliches Finale gegen die Holländer!

Trotz Blatter, trotz Afrika-Gutmenschen, fällt mir da nur ein Satz ein: Was für eine WM!

Fußball. Wetten. Mafia. FCB.

Wir haben’s doch immer gewusst.

Der FC Bayern gehört zur Mafia. Nein. Der FC Bayern IST die Mafia!

Könnte man meinen, wenn man dem spanischen Boulevard Glauben schenken mag.

Wenn.

Das die RP aus Düsseldorf nicht unbedingt als bayerisches Propaganda-Blatt bekannt ist, zeigt sie übrigens in ihrem Beitrag zum Thema. In der Überschrift.

FC Bayern in Bestechungsfall verwickelt

So herrlich objektiv… 😉

Das hat's noch gebraucht

Wenn irgendjemand noch nicht gewusst hätte, was derLehmann so für ein Charakter ist, haben seine Aussagen über den EM-Final-Schiedsrichter Roberto Rosetti da hoffentlich Klarheit geschaffen.

„Je mehr ich an das Endspiel denke, desto wütender werde ich. Mit dem Schiri war etwas falsch. Man muss sehr vorsichtig sein. Aber das Mindeste was man sagen kann, ist: Der Schiedsrichter war parteiisch. […] Er hat gegen die Spanier eine Rote Karte nicht gezeigt […] Ein Handspiel gegen uns hat er auch nicht gepfiffen.“

Sicher doch. Und wie war das mit Deinem eigenen Handspiel ausserhalb des Strafraums, Jens?

Das ist schon bitter, wenn man mit Niederlagen so schlecht umgehen kann. Vor allem, wenn sie dermaßen verdient waren wie gegen die bärenstarken Spanier.

So nach und nach merkt man durchaus, was man phasenweise an einem Oliver Kahn hatte. Stichwort 2002.

Anyway.

Vieles im Leben spricht halt für sich…

Die Jugend von heute

Eigentlich wollte ich einen ganz anderen Bericht schreiben.

Über die Jungend von heute. Die deutsche. Die U19. Vor ihrem EM-Turnier. Und das die spanische Jugend seit Jahren einen Titel nach dem anderen abräumt und deshalb auch Europameister geworden ist. Bei den Erwachsenen jetzt.

Und dann?

Dann gewinnt die deutsche U19 doch tatsächlich gegen eben diese Spanier das erste Turnierspiel. Macht ferner immer so weiter.

Am Samstag steht man zu allem Überfluss im Endspiel gegen Italien.

So kann man sich irren.

Der Tim, der weiß Bescheid

In und um Bremen scheint aktuell wirklich nicht viel los zu sein. Ist mir zuletzt schon mal aufgefallen an anderer Stelle.

Jetzt erreicht diese Langeweile die Spieler. Vor allem die, die dank ihres Charakters gerne im Mittelpunkt stehen. Die Folge sind einige Äußerungen, die man einfach zitieren muss.

kicker: Manche Kritiker gingen recht sanft mit Lehmann um, indem sie ihm seine Schuld beim Tor im Finale nicht so richtig angekreidet haben. Wie finden Sie das?

Wiese: Zu diesem Tor habe ich meine Meinung, die werde ich nicht aussprechen. Sonst bin ich gleich wieder der böse Bube.

Stimmt, Tim. Sonst ja nicht. Wenn Du mal was sagst, ist das zumeist ausgewogen bis neutral. Und Dir wäre sowas natürlich nie passiert.

Überhaupt nicht dabeigewesen zu sein, damit hat sich derTim sowieso und schon längst sowas von abgefunden…

kicker: Haben Sie dieses Turnier in Ihrem Urlaub mit Wehmut verfolgt, weil Sie nicht dabei sein durften?

Wiese: Nein, das Thema ist schon lange durch. Damit hatte ich mich doch längst abgefunden, weil ich es ohnehin nicht ändern konnte.

Deswegen verteilt er auch weiter gute Ratschläge:

kicker: Sind Sie erstaunt, dass Jens Lehmann seinen erwarteten Rücktritt aus der Nationalelf noch nicht erklärt hat?

Wiese: Hat er noch nicht? Richtig, wo Sie es jetzt sagen, fällt es mir auf. Ich kann nur noch mal meinen Standpunkt wiederholen: An guten Torhütern mangelt es Deutschland nicht.

Das es ihm nicht an Selbstbewusstsein mangelt, ist ferner hinlänglich bekannt. DAS Weltbild ist für mich da aber eine neue Dimension:

kicker: Hat Sie nicht erstaunt, dass – im Gegensatz zum Turnier in Portugal – die Mehrzahl der Mannschaften offensiv angetreten ist?

Wiese: Richtig, dies ist vielleicht das Fazit, das sich ableiten lässt. Bis auf die Griechen, die Italiener, eventuell noch die Rumänen haben alle Teams sehr offensiv agiert.

kicker: Wie Werder? Haben Sie sich bestätigt gefühlt in der Bremer Interpretation von Fußball?

Wiese: Ja sicher, es war schon beeindruckend, dass viele Nationalmannschaften so gespielt haben, wie wir es im Ansatz tun.

Stimmt. Die Holländer und Spanier schauen immer ganz fleissig die Bremer Spiele…

Abschließend kommt natürlich noch ein Kommentar zu den neuen Bayern. Unvermeidlich.

Wiese: Der „Klinsi“ soll ja einen Wellness-Tempel eingerichtet haben – mit Buddha-Figuren auf der Mauer, wie ich auf Fotos gesehen habe. Schön anzusehen, das Ganze. Wie im Urlaub hat dies auf mich gewirkt. Abwarten, was es bringt.

Wir werden’s sehen. Am 5.Spieltag. Da (20.09.) sollte Ribéry auch wieder dabei sein. In voller Urlaubsstimmung…

Meine Güte. Ich sollte morgens echt keine TimWiese-Interviews lesen!

Der Beitrag, wo keine Überschrift hat

Spanien ist Europameister. Mehr als verdient möchte man hinzufügen. Sie waren im Turnier die beste Mannschaft, sie waren es gestern.

Während des Spiels habe ich mehrfach meine Überschrift über diesen EM-Abschlussbericht gewechselt. Im Kopf habe ich sie noch alle, wäre also schade, sich für einen zu entscheiden.

Nummer 1: Teutonische Schlafmützen

Wie bieder war das denn bitte? Die ersten 15 Minuten und rund um die 60. Minute war das Spiel der Deutschen ganz ansehnlich. Ansonsten mehr als schlafmützig. Keine Laufbereitschaft und mit dem Spieltempo der Spanier mehr als überfordert. Konnten wir Portugal, eine ähnlich starke Mannschaft, noch überraschen, gelang dies mit den Iberern zu kaum einer Phase. Immer einen Schritt zu spät, im Zweikampf zu harmlos, im Spiel nach vorne oder hinten zu pomadig. So kann man keinen Erfolg haben.

Nummer 2: …wir haben nur Mertesacker“

Bevor hier wieder einige austicken: Mertesacker ist nur exemplarisch gemeint. Ich hätte viele andere nehmen können. Seine „Zweikämpfe“ gegen Torres sind mir halt noch so sehr präsent.

Um es mal ganz deutlich zu sagen: Mehr geht für die Deutschen einfach nicht. Wir haben die Spieler nicht. Die Spanier räumen seit Jahren alle Titel in der Jugend ab – was holen da die Deutschen? Viele Führungsspieler des neuen Europameisters sind wesentlich jünger als unsere Nachwuchsspieler a la Lahm, Schweinsteiger und Podolski, denen man noch so einiges an Potential zuspricht – welches Potential sollen denn dann noch Spieler wie Fabregas, Villa oder Silva entwickeln?

Ok. Um nicht vollends als Schwarzmaler dazustehen, würde ich sogar behaupten, dass die Deutschen durchaus noch Luft nach oben haben. Und Auftritte wie 2000 und 2004 werden wir imho in den nächsten Jahren nicht mehr sehen. Besser?

Nummer 3: Die Party-Könige

Dieser Gedanke kam mir spontan in den Sinn als ich Schweini & Poldi gestern spielen sah. Beim Feiern sind speziell die beiden immer ganz vorne dabei. Wenn’s hart auf hart kommt, geht’s allerdings um ganz andere Qualitäten.

Sagen wir mal so: Auch die beiden sind noch jung und haben noch Entwicklungspotential. Poldi in seinem rechten Fuß und Schweini im 1:1-Duell.

Nummer 4: Der ewige Zweite

Die unvermeidliche Überschrift. Habe viele, gerade bei mir, wohl nur drauf gewartet. Gern geschehen.

Aber im Ernst: Herr Ballack hätte uns doch alle eines Besseren belehren können. Er hatte die Chance. Mal wieder. Nur schreien und gestikulieren reicht halt nicht. Beim FCB hatte er noch nicht einmal das drauf. Von daher lernte er bei Chelsea wohl doch so einiges. Davon abgesehen: MB ist kein LM und SE. Er kann eine Mannschaft nicht mitreissen, wenn sie so etwas braucht. Liegt sie am Boden, bleibt sie am Boden, weil Spieler wie Ballack sich mittreiben lassen.

Wir werden nie erfahren, wie sehr ihn seine „Verletzung“ behindert hat. Eigentlich war davon aber nix zu sehen.

Anyway.

Er bekommt ja immer wieder neue Chancen. 2010, zum Beispiel. Wenn die Deutschen sich qualifizieren. Wovon wir zunächst mal ausgehen.

Bis denne.

Ich geh‘ jetzt wieder Klinsmann schauen/lesen.

Ab sofort halte ich die Schnauze!

Keine Angst. Damit sind nur meine Vorhersagen zu Paarungen bei dieser EM gemeint.

Gestern schied der nächste Favorit aus. Die nächste Mannschaft, die ich klar im Halbfinale gesehen habe. Das dritte Mal hintereinander.

Auf der anderen Seite: Nach dem Schweden-Spiel hatte ich die Russen zumindestens teilweise auf der Rechnung. Nur das „meine“ Holländer so klar unterlegen sein würden, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet…

Jetzt ist imho alles möglich. Sogar ein Weiterkommen der Italiener und ein Finale Türkei gegen Russland. Ich leg‘ mich ab sofort für nix mehr fest.

Was für eine merkwürdige EM.

P.S. Ob es für zukünftige „Spitzenteams“ bei einem großen Turnier eine Lehre sein wird, im letzten Gruppenspiel mit der B- oder C-Elf anzutreten? Wieso waren die Holländer so dermaßen platt? Und ob Abramowitsch über die Nationalelf zu ein bißchen Pokalsilber kommt?

Fragen über Fragen.