Lange habe ich mit diesem Beitrag gewartet, teils aus Zeitmangel, teils aus fehlender Muße.
So einen Beitrag schreibt man nicht mal eben so dahin, er erfordert Vorbereitung und ein klein wenig Recherche, denn er ist ein Statement – ich beziehe Stellung und zwar zum eigenen Verein!
Im letzten Monat hatte ich das Thema Gewalt unter Fans schon einmal aufgegriffen und schon da zeigte sich ein Riss im Publikum. Gewalt finden alle doof. Klar. Aber die Fans dafür bestrafen? Und dann gleich so hart?
Aber der Reihe nach.
Anlass war ein Übergriff von Bayern-”Fans” auf einer Raststätte. Das Ziel der Reise: das Auswärtsspiel der Bayern in Gladbach. Das Ziel der Attacke: Nürnberger Fans.
Resultat: Verletzte und eine Frau, die auf einem Auge den Rest ihres Lebens blind bleiben wird.
Was mich daran so betroffen gemacht hat: Auch ich war zu meiner “aktiven” Zeit oft aggressiv. Habe Zeter und Mordio geschrien, hatte Gewaltphantasien. Das spielte sich allerdings immer innerhalb einer Fankurve ab und äußerte sich in Geschrei, Lautstärke und Drohgebärden – geprügelt habe ich mich beim Fußball nie und ausserhalb des Stadions habe ich mich aus allen Konflikten sowieso herausgehalten. Beurteilen kann das jetzt jeder wie er will, von mir aus war ich spießig, aber einen Zusammenhang zwischen Fußball, Aggression und Gewalt gab es für mich nie.
Man kann sich beim Fußball herrlich abreagieren. Davon mache ich auch heute noch ausgiebig Gebrauch. Früher gab es allerdings gewisse Grenzen und wenn die überschritten wurden, wovon ich vor 10-20 Jahren oft genug Zeuge war, waren eigentlich immer nur Hooligans vor Ort.
Die an obigem Überfall hauptsächlich beteiligten “Fans” gehören der Schickeria, einer Fangruppierung an, die kein offizieller Fan-Club des FC Bayern ist, dies sicherlich auch gar nicht sein will, sich vielmehr als Ultra-Bewegung sieht.
Was sind nun wiederum die Ultras?
Die Ursprünge der Ultra-Fans gehen auf die 50er und 60er Jahre zurück, als sich in Italien Fans einzelner Vereine zusammentaten, um ihren Lieblingsclub “immer und überall bestmöglich zu unterstützen”.
Daran ist überhaupt nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil. Derlei genießt meine volle Unterstützung. Auch die Ausprägungen der Ultras mit ihren Choreographien, ihrem Support haben mir im Laufe der Jahre immer wieder Freude bereitet.
Was mich allerdings immer schon gestört hat, war der nicht nur vereinzelt geäußerte Alleinvertretungsanspruch und die eingebildete reine und wahre Lehre der Fanseele, die Teile der Ultras immer wieder propagieren.
Was qualifiziert einen Ultra dazu, ein richtigerer Fan zu sein, als jeder andere? Ich muss nicht mit Fans diskutieren, wer oder was ein richtiger Fan ist. Man ist Fan oder nicht, das kann man aber nicht begründen, man ist es einfach (wird auch noch ein eigenes Thema).
Bis zu einem gewissen Punkt hatte ich z.B. sogar Verständnis für die Wehklagen der Fans im Vorfeld der WM. Die Repressalien waren teilweise unerträglich. In vielfältiger Form.
Ich kann es ferner nicht wirklich begrüßen, dass es im Fußball immer mehr Erfolgsfans, Business-Seats oder Logen und immer weniger Stehplätze gibt. Aber irgendwo gibt es da einen Zusammenhang, oder? Wenn man die Topstars im eigenen Stadion sehen will, dann kostet das Geld und zwar jede Menge – Bosman sei Dank.
Wenn das für Euch kein Argument ist und ihr lieber nur mit Amateuren in der zweiten Liga spielen wollt, dann ist dieser Wunsch Euer gutes Recht, aber bitte stellt diese Ansicht nicht als den wahren Kern des Fanseins dar (Und nein, nicht jedes Fußball-Spiel muss Samstags um 15:30 stattfinden).
Die Zerissenheit gibt es auch oder vielleicht gerade innerhalb des FC Bayern. Im Verein und innerhalb der Fans. Und hier sind jetzt noch nicht einmal die oberflächlichen Spontan- und Erfolgs-Fans gemeint. Hier geht es um Ultras und Traditions-Fans.
Diese Spaltung erlebte ich beim Abschied von Mehmet Scholl am letzten Spieltag der Saison. Feuerte die Südkurve während des ganzen Spiels die Mannschaft an und hatten diverse “La Ola”-Wellen ihren Ursprung dort, kippte die Stimmung tief in der zweiten Halbzeit, als von Fans, die ich zuvor in der Kurve nicht wahrgenommen hatte, völlig unvermittelt ein Transparent über die Fankurve entrollt wurde. Leider konnte ich es nicht lesen, da der Sichtwinkel zu spitz war, andere Fans berichteten von einem Protest-Banner gegen den FC Bayern, als Reaktion auf gekündigte Dauerkarten für Schickeria-Mitglieder in Folge des Rastplatz-Überfalls.
Das Banner und ein weiteres Transparent auf dem Mittelrang wurde entweder sofort von Ordnern entfernt oder verschwand innerhalb der Kurve.
In der Folge hörte man aus dem Kern der Südkurve nur noch Sprechchöre gegen den Verein generell und den Fanbeauftragten Raimund Aumann im Speziellen.
Für mich war das eine sehr bedrückende Situation, weil ich sowohl bewegt vom Scholl-Abschied als auch besorgt ob der Zerissenheit der Fans war. Wenn Teile des Vereins gegen den eigenen Verein skandieren und protestieren, dann kann mich das nicht kalt lassen.
Die Geschichte zwischen Ultras und Verein hat allerdings inzwischen schon eine langjährige “Tradition”.
Wie fing das eigentlich alles an?
Mit den vermeintlichen Störungen rund um die Meisterfeier 2003, oder den Mordrohungen gegen Raimund Aumann? Oder wissen die Beteiligten inzwischen schon gar nicht mehr, worum es einmal ging und man verharrt in seinen “Schützengräben”?
Man kann von den Verhaltensweisen des FC Bayern und seinen handelnden Personen halten was man will und ich bin auch nicht immer mit allem einverstanden, aber muss all dies unbedingt so eskalieren?
Der Verein distanziert sich von Gewalt. Vor allem, wenn die Gewalt von Bayern-”Fans” ausgeht. Schaffen das auch Gruppen wie die Schickeria? Eher halbherzig war da die Reaktion nach dem folgenschweren Überfall. So halbherzig, dass man zügig wieder in die Opferrolle zurückfiel. Tut mir leid, dafür hatte und habe ich kein Verständnis.
Man kann darüber diskutieren, ob es “Sippenhaft” war, alle Insassen des am Überfall beteiligten Fanbusses zu bestrafen, ihnen allen ein bundesweites Stadionverbot zu erteilen, noch bevor Urteile gesprochen sind, sogar über die Kündigung von Dauerkarten kann man reden, gar über das Rasenmäher-Prinzip des Vereins (auch wenn das Wort Enteignung schon eine gewisse Sichtweise erfordert, die mir im Zusammenhang mit diesen Umständen ab geht).
Aber ist das wirklich das Problem?
Wenn ich als Verein eine derartige Wahrnehmung über all diese Jahre gewonnen hätte, hätte ich wahrscheinlich genauso reagiert. Sich darüber aufzuregen, ob es gerechtfertigt ist, pauschal mit Gewalt umzugehen, weil “ja nicht alle was getan haben” und vielleicht nur aus Zufall auf irgendeiner ominösen Liste waren, ist nicht zielführend.
Zielführend wäre es, wenn sich Organisationen wie die Schickeria knallhart gegen Gewalt aussprechen und die, von mir aus wenigen Gewaltbereiten in ihren Reihen rausschmeissen würden. So einfach ist das. Nicht? Finden wir Gewalt nicht doch ein bißchen gut, tolerierbar, gar legitim? Wieso beschwert ihr Euch dann darüber, dass der Verein seit Jahren die gewaltbereiten Fans los werden will?
Man stört sich daran, dass in Deutschland immer wieder “Fans” mit Stadionverboten belegt werden, aber wie kann es dann sein, dass auf der Fahrt zu besagtem Auswärtsspiel der Bayern in Gladbach im Schickeria-Bus, “Fans” saßen, die a) überhaupt keine Karte für das Spiel und b) ohnehin ein bundesweiten Stadionverbot hatten?
Als ich diesen Punkt zum ersten Mal anbrachte, antwortete man mir, dass “diese Fans vielleicht einfach nur ihre Freunde treffen und den FC Bayern unterstützen wollten”. Achso. Es ist mir gestattet, dass ich das ein wenig anders einschätze? Da zieht auch imho das klassische Gegenargument Willkür des Fußball-Establishment nicht mehr.
Andere Aspekte, die mich immer wieder an der Ultra-Bewegung stören, waren z.B. die Ereignisse rund um ein, von BVB-Fans gebuchtes Flugzeug mit Werbebanner, das sich ganz offensichtlich mit der einmal mehr erfolglosen Meisterschaft der Schalker befasste und in deren Folge Schalke-”Fans” ein Jugendpokalspiel der Dortmunder Borussen stürmten. Schalker aus ganz NRW hatten sich zu dieser gezielten “Aktion” zusammengefunden.
So etwas macht das Ultrasein aus, ja?
Was hat das mit Fansein zu tun? Bei allem Respekt, sind das nicht eher Verhaltensweisen von Hooligans? Gewalt um der Gewalt willen?
Aber zurück zum FC Bayern:
Wie erwähnt, geht durch die Fans des FC Bayern ein Riss. Die Ultras, die in den letzten Jahren immer stärker und lauter geworden sind auf der einen und die Traditionalisten auf der anderen Seite. Zu Letzteren zähle ich mich im Übrigen und das nicht nur, weil ich schon in der Südkurve des Olympiastadions bei Minusgraden und mit geschätzten 10.000 weiteren Fans während eines Winterspiels um die Wette zitterte, als viele heutige Ultras noch… Nein, das will ich nicht ernsthaft als Argument anbringen. Das wäre unsachlich.
Was wollte ich sagen?
Zu dieser Zerissenheit haben die 11Freunde einen hervorragenden Bericht in ihr aktuelles Heft gehoben. Auch wenn es eigentlich nur um die Fehler des FC Bayern ging und die fehlerhaften Einschätzungen der eigenen Fankultur.
Ich stimme diesen Thesen zu.
Es war ein Fehler, dass der Verein die alte Südkurve aufteilte, weil er sich eine Verdopplung der Stimmung erhoffte.
Es war ein Fehler, bis heute keinen reinen Fan-Block für die Bayern-Fans einzurichten.
Es war ein Fehler, die gegnerischen Fans unter das Dach zu “verbannen” – die Akkustik ist dort um Längen besser, die Lautstärke übertönt die Südkurve deutlich.
Es war ein Fehler, Fankurven-Fans mit “Familien”-Fans zu mischen – im Kino würde ich mich auch über vor mir stehende Zuschauer aufregen.
In Folge all dieser Fehler, kann man nicht erwarten, dass die Arena dauerhaft zum phonetischen Tempel wird!
Was kann also in dieser verfahrenen Situation getan werden?
Man kann aufeinander zugehen. Der FC Bayern hat einen ersten Schritt gemacht, indem er Fans, die zunächst eine Dauerkartenkündigung erhalten hatten, diese zurückgeben will, sollten sich diese von Gewalt distanzieren.
Dazu gibt es ohnehin keine Alternative.
Genauso handeln sollten alle Fanclubs und Fangruppierungen, ob Ultra oder nicht.
Der Verein muss sein Konzept der “Überall-Fankurve” schleunigst überdenken, die gesamte Südkurve zur, von mir aus, Klappsitz-Kurve machen und die Gästefans nicht weniger schnell in die geräuschneutralste Ecke stecken.
All das wäre ein Anfang. Nicht mehr und nicht weniger. Es würde allerdings langfristig u.a. dazu führen, dass ich derlei Berichte nicht mehr schreiben muss.
Packen wir es an. Gemeinsam. Für unseren Verein.
2 Trackbacks für “Der FC Bayern, seine Fans und die Gewalt”
20 Kommentare zu “Der FC Bayern, seine Fans und die Gewalt”
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1. Arno Says:
Juni 15th, 2007 at 22:38Amen. 100%ige Zustimmung!
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2. Los Holstos Says:
Juni 15th, 2007 at 23:52Hoffentlich bekommen die Herren Hoeneß und Rummenigge deine Zeilen mal zu Gesicht… viel wahres und der richtige Anfang!
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3. chris Says:
Juni 16th, 2007 at 03:45Ich finde deinen Artikel hervorragend formuliert. Genau wie Du, habe auch ich eine klare Distanzierung von diesen Gewaltexzessen deutlich vermisst.
Hier hat eine Frau ihr Augenlicht verloren und das ist schon eine sehr schockierende Sache, das Bayernfans zu so etwas fähig sind.
Wobei ich die Reaktion des Vereins auch nicht gut finde, weil es sicher auch viele Unschuldige getroffen hat.
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4. paule Says:
Juni 16th, 2007 at 10:42@chris: Ich habe auch nicht bestritten, dass man über die Maßnahmen des FC Bayern diskutieren darf. Teilweise wurden die spontanen Reaktionen eben ja schon gemildert bzw. zurückgenommen.
Was mich irritiert sind u.a. Ansichten aus der Ultra-Ecke, dass der Verein hier eine gezielte Kampagne gegen seine eigenen Fans fahren soll. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass UH, KHR, FB und Co. überhaupt kein Interesse daran haben nur noch stille Konsumenten im Stadion sitzen zu haben. Aber Gewaltbereitschaft ist nun einmal keine Eigenschaft, die einem Bayern-Fan zugeschrieben werden darf.
Ob dem Vorstand und der Fan-Betreuung da an mancher Stelle vielleicht das richtige Augenmaß oder die Verhältnismäßigkeit ab geht, darüber darf man ebenfalls sehr gerne reden.
Ich bin ferner weit davon entfernt, den (Bayern-)Fan für unmündig zu halten oder Kritik am eigenen Verein zu verurteilen – ganz im Gegenteil! Aber es kann hier auch keine Stimmung herrschen: Wir sind die Fans und übernehmen jetzt den Verein.
Wer das alles übrigens für zu weich, zu sehr Pro-Vorstand hält, wer meine Urteilsfähigkeit oder gar meine Legitimation, über diese Dinge zu urteilen, in Frage stellt, der darf mit mir stattdessen gerne über die letzten 30 Jahren Bayern-Fan-sein diskutieren – nur zu!
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5. Torsten Wieland Says:
Juni 16th, 2007 at 22:43Prinzipiell bin ich da ganz bei Dir.
Die Ultras in GE beispielsweise halte ich für eine riesige Bereicherung was Stimmung und Unterstützung im Stadion angeht; die Aktion “Nordkurve in Deiner Stadt” fand ich z.B. grandios. Aber als nun die Schlägereien in Wattenscheid mit Ultras in Verbindung gebracht wurden, blieb jeglicher Kommentar auf deren Homepage aus! Das ist übel.
Ob Rummenigge nicht vielleicht doch lieber gut situierte Familienväter statt von Sozialhilfe lebende Kuttenträger im Stadion sieht, lasse ich mal dahingestellt.
Allerdings denke ich, dass Aumann vielleicht besser Torwarttrainer und Junghans Fanbeauftragter werden sollte. Wenn ein Fanbeauftragter bei den Fans dermaßen unten durch ist, macht die Funktion an sich keinen Sinn.
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6. paule Says:
Juni 17th, 2007 at 11:49Ich habe Aumann mal beim Tag der offenen Tür 1996 (als ich den UEFA-Pokal in Händen hielt) live getroffen. Der saß da und kaum einer hat ihn erkannt (ausser mir natürlich *g*). Als ich von ihm ein Autogramm geholt habe, sprachen mich andere Fans an, wer dass denn sei (zugegeben, er hatte nach seiner Zeit bei Fener ganz kurze Haare und keinen OliBa mehr)…
Aumann hatte ich immer als unscheinbar in Erinnerung, deshalb ist er wohl 1994 auch vor dem extrovertierten Kahn in die Türkei “geflüchtet”.
Ob er der “richtige” Fan-Beauftragte für den FC Bayern ist, ist eine schwierige Frage. Er war zu seiner Zeit Liebling der Fans, ähnlich wie Scholl jetzt (ok, nicht ganz so beliebt…). Die Frage bliebe, ob Scholl es auch noch in 10 Jahren wäre, wenn er in Aumanns Position käme…
Das Problem bei der Beantwortung dieser Frage ist imho, ob Aumann tatsächlich so unbeliebt ist und das Kind bei allen Bayern-Fans in den Brunnen gefallen ist, oder ob all dies nur auf die Ultra zutrifft und die damit ihre “Macht” demonstrieren wollen, den Fan-Beauftragten des Vereins quasi “abgesetzt” zu haben.
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Vorstand vielleicht gerade deshalb an ihm festhält, was fatal wäre, denn bei diesen “Machtspielen” kann niemand gewinnen!
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7. Dülp Says:
Juni 17th, 2007 at 20:34Gut Oliver, dass du dich mit einem solchen Thema so dezidiert auseinandersetzt. Ich stimme dir in fast alen Punkten zu. Gewalt ist in jedem Fall zu verurteilen, und darf eine Ultra-Bewegung auch nicht ausmachen.
Allerdings glaube ich, dass (ohne es als positiv zu bewerten) die teilweise gewalttätige Ultra-Bewegung eine zwangsläufige Antwort auf die Entwicklung des Fußballs in Richtung “Familien-Unterhaltung” ist. Diese ist von oben diktiert und für die “Betroffenen”, pauschal beschrieben als die proletarische Anhängerschaft, ein klarer Angriff auf ihre “soziale Nische”. Diese zu bewahren, suchen sie sich die geeigneten Mittel. Was schreckt eher ab, als eine gewisse Unsicherheit, wenn man mit den Kiddies ins Stadion geht. ?
Von den Vereinen erfordert es also der Balance die “neuen” und die “alten” Fans unter einen Hut zu bringen. Dazu muss man den Ultras Freiraum geben, sich zu entfalten. Von daher finde ich die Aktion sehr gut und pragmatisch, denen, die sich von Gewalt lossagen, eine neue Chance einzuräumen, die Spiele im Stadion zu verfolgen.
Ich fürchte auch, dass sich oft Leute unter dem Deckmäntelchen der Ultras verstecken, die eigentlich der Hooligan-Tradtion entspringen. Da ist es an den Ultras, sich klar abzugrenzen.
Meine Schlussfolgerung lautet: Wenn ein Verein es schafft, die Ultras zu zähmen und ein Klima zu schaffen, in denen sich diese Fans ernstgenommen und respektiert fühlen, lässt sich die Gewalt minimieren.
In Sachen Aumann kann ich nur sagen: Ich hab’s nie verstanden, warum Vereine Ex-Profis zu Fan-Beauftragten machen. Solche Positionen sollten mit Leuten besetzt werden, die organisch aus den Reihen der Anhänger hervorgehen, die sich als vernünftige Führungspersönlichkeiten herauskristallisiert haben. Das ist glaubwürdig und mit denen können sich auch Ultras identifizieren. Alles andere ist von oben aufgepfropft.
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8. Michi Says:
Juni 18th, 2007 at 10:06Sehr gut geschrieben, Kompliment dafuer. Aber man sollte bei den ganzen Forderungen auch etwas weiter denken…
Was gibt es denn fuer konkrete Vorschlaege was eine Umsetzung des Gaesteblocks betrifft…? Dass West- und Osttribuene schonmal ausscheiden, ist wohl klar… In der Sued moechte man sie auch nicht haben, logisch. Also bleibt nur der Norden…. Mit dem Eck im Oberrang hat sie der FCB auf eine guenstige Kategorie mit moeglichst weiter Distanz zum Nord Unterrang gesetzt …
Sollen wir sie in den Mittelrang stecken, dass sie gute Sicht haben und der Aussenstelle Nord direkt auf den Kopf spucken? Sollen wir sie neben die Nordlern in den Unterrang stecken??
Meiner Meinung nach ist es gerade “in” den Verein in allen Belangen zu kritisieren… Wir sind nunmal mit die leisesten Fans der Bundesliga… Wir haben nunmal die meisten VIP und “Ich-moechte-das-Spiel-sehen, sei-still-und-hock-dich-hin” Fans… Wir haben eine zerstrittene Fanszene und die meisten Erfolgsfans in unseren Reihen… Da kann man eine 6000 Mann starke Gaestemeute hinstecken wo man will, die werden derzeit immer lauter und aktiver sein als wir… Das war auch im Olympiastadion in den letzten Jahren im Ansatz zu erkennen. Nur ist der Gaestesupport verflogen, bevor er ueberhaupt erst im Sueden ankam und umgekehrt.
Genauso find ich es unverstaendlich, die Aufteilung in Nord und Sued als Fehler anzusehen. Was waere denn gewesen, wenn alle JKler in Sued Unter- und Oberrang gekommen waeren? Die einen haetten sich beschwert, weil sie unten sein moechten, die anderen haetten lieber oben stehen wollen (da ist die Akkustik ja gleich sooooviel besser) und die Dritten haetten sich (zurecht) darueber aufgeregt, dass man den Gaestefans akkustisch den kompletten Norden kampflos ueberlassen hat.
Der Verein hat uns ein neues Stadion und neue Moeglichkeiten bereit gestellt. WIR sind es, die diese Moeglichkeiten nicht annehmen! WIR haben mit diversen Fangruppierungen gebettelt, zusammen zu stehen, WIR haben einen reinen Stehplatzblock gefordert… Der Verein kam uns ein paar mal entgegen, wenn auch nicht immer… Vielleicht sollten wir aber mal erkenne, dass es jetzt an uns liegt, was daraus zu machen…
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9. paule Says:
Juni 18th, 2007 at 14:32@Christian: Ursprünglich hat die Ultra-Bewegung ihre Wurzeln woanders. Das Kommerz-”Problem” gibt es erst seit den 90ern. Davon abgesehen kann ich natürlich diese Begründung durchaus nachvollziehen. Ich bin auch nicht mit allen Auswüchsen einverstanden, akzeptiere sie aber als Konsequenz der Einnahmen im Zusammenhang mit den Ausgaben.
Hier muss man eben einen Mittelweg finden, ebenso wie bei der Integration der Ultras. Distanz zur Gewalt vorausgesetzt.
@Michi: Ganz so Fan-kritisch würde ich es allerdings auch nicht sehen…
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10. kurtspaeter Says:
Juni 18th, 2007 at 17:16Wahre Worte Oliver.
Auch wenn es vielen komisch erscheint, ich persönlich kann mit dem Begriff und der Formulierung “Ultras” als Fan-Bewegung nix anfangen.
Weil ich in dem Fall ebenfalls Traditionalist bin und weil ich persönlich keine Choreographie mitsamt der Idiotie bengalischer Feuer in einer engen Kurve benötige.Interessanterweise sind es dann besagte “Ultras”, die mir quasi in die Karten spielen, meine Vorurteile bestätigen, indem solche Vorfälle wie in Nürnberg oder beim Dortmunder Jugendspiel vorkommen und Distanz nicht entstehen will. Aber wen wunderts? Ich würde Wetten eingehen, das viele aus dem alten Block I im Oberrang des Parkstadions heute bei den Ultras sind bzw in Verbindung stehen.
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11. paule Says:
Juni 18th, 2007 at 17:37Den Block kenne ich noch. Wohl war mir dabei im Gästeblock nicht immer. Und ganz abstreiten will ich Deine Vermutung der “Infiltration” in diesem Zusammenhang auch nicht…
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12. Steckschuss Says:
Juni 19th, 2007 at 01:11Wahre Worte, und derer viele!
Nur würde ich gerne als Außenstehender auf eine sache hinweisen:
Ich kenne niemanden von der Schickeria persönlich, hab die Burschen auch nie als Gruppierung im Stadion (habe DK in Gladbach) wahrgenommen.
Aber nach allem, was man so aus zweiter Hand hört, ist die Schickeria so wenig Ultra wie die Gelsenszene in Schalke oder seinerzeit das Scenario Fanatico in Gladbach.Was man sich so erzählt, kommt der Sammelbegriff “Kirmesschläger” der Schickeria wohl noch am nächsten.
Dass die Bayern hilflos zur Rasenmäher-Taktik greifen, ist nicht den Bayern anzukreiden. Man darf sich getrost direkt an Herrn Blatter wenden, in dessen Sinn die Bayern da handeln. Und Herr Beckenbauer will ja auch noch was werden.
Und das ist IMO auch schon die Erklärung für die “Überall-Kurve”.
Hauptsache, die Prolls sind überall verteilt. Dann können sich die Familien mit Kindern nämlich Sonntags den Besuch im Zoo sparen und gleich die doppelte Kohle in Fröttmaning lassen…Aber das nur nebenbei…
Trotzdem ein hervorragender Beitrag. Und wenn ich hier mal wieder verstehe, wie twoday geht, werde ich gerne darauf verlinken!
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13. Zello@home Says:
Juni 19th, 2007 at 11:20sehr hübsch geschrieben, und danke für den link zu 11freunde, sollte ich wohl mal wieder zur tageslektüre machen die seite.
glaub das mit “gästefans im unterrang” geht fast garnet, da sind ja entweder die 60er oder halt bei nem 60er spiel halt dann unten in unserer südkurve die anderen.
man lebt übrigens auf der nordseite im mittelrang ganz schön gefährlich. wenn ich mir so manche duschen von oben beim milan (viertelfinal)spiel angekuckt habe, bzw was für nette grüße ich von oben bekommen habe.
gut stecken wir sie wirklich “hintern zaun auf der nordseite”, dann müssma kucken das wir sie 100% trennen können und das die ihren ausgang haben. von oben ist das einfacher, im unterrang kannst du rumlaufen und zwar komplett momentan. also wie absperren?habs beim milanspiel mitbekommen, die haben an den treppen sicherheitskräfte hingestellt und wenn nen milanfan gekommen ist hamse den erstmal in ne ecke gesetzt. der solle ja nich in der mitte sitzen. und ganz oben wurden bayern fans abgefangen.
kurz gesagt: ebay lässt grüßen!allein schon die sitzfarbe geht mir auf den senkel. wie schön ist denn ein zentralstadion mit blauen sitzen? grauer tempel, das ist doch die pure “bürokratie”-farbe schlechthin. ich hasse sie. man hätte viel draus machen können, aber kein mausgrau.
kumpel von mir hatte einen topplatz ende der saison, kategorie 1 unter den vips. er meinte die sitzen da rum und wafeln so neben champanier & co ums geschäft und verschwinden schon 3-4 min vor halbzeit in ihre logen um sich was reinzuschaufeln. ok das problem hat man ja immer und überall, vlt in münchen nur einen höheren grad.
in diesem sinne: mal kucken was noch für kommentare kommen und dann ausgedruckt dem franz übergeben
vlt später merh von mir. -
14. Michi Says:
Juni 19th, 2007 at 14:44Die Kommentare hier sind doch der beste Beweis, dass es keinen Koenigsweg gibt und dass es der FCB niemanden Recht machen kann…
Und viel zu oft werden eben auch die Umstaende vergessen, die den FCB zu Kompromissen zwingen.
nur mal kurz zu Zello@home: (nicht persoenlich nehmen)
Ich kenne spontan dutzende Bayernfans, die keinen einzigen Schritt mehr in die AA machen wuerden, waeren die Sitze blau…
Das gilt genauso fuer andere Farben (Dortmund-gelb, Bremen-gruen, usw..) Und was die Blauen wohl zu roten Sitzen sagen wuerden ist sicher auch klar… -
15. paule Says:
Juni 19th, 2007 at 14:53@Steckschuss: Zu den Details der Schickeria kann ich nix sagen, auch nicht beurteilen, vielleicht wissen da andere mehr…
Und was gibt’s für Probleme mit twoday?!
@Zello: Das mit den VIPs ist imho durchaus ein Problem, auch wenn ich selbst vielleicht ein wenig Komfort nicht abgeneigt wäre. Sich aber beim Fußball über andere Dinge zu unterhalten und ansonsten nur ans Essen und Trinken zu denken geht halt gar nicht.
Da könnte ich noch so viel Geld für eine Loge haben, ich wäre immer noch so dabei wie damals im Oly im Schneetreiben…
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16. Steckschuss Says:
Juni 20th, 2007 at 00:00@ Paule… Wie gesagt, meine Infos stammen auch aus zweiter Hand. Und mit TwoDay ist alles im Lack (soweit ich das beurteilen kann), nur fehlt mir der Peil, weil ich meinen Blog 550 Tage lang habe reifen lassen. Werde mich aber informieren, und dann kann ich auch Sachen machen
@Michi: Das mit den Farben stimmt allerdings. In Gladbach hat es das Fanprojekt sogar geschafft, dass die Bandenwerbung von Jack Wolfskin – normalerweise Gelb auf Schwarz – geändert wurde in Weiß auf Schwarz. War aber auch eine selten dämliche Idee, ganze Banden in Doofmunder Farben zu gestalten. Wo Doofmund bei vielen Gladbachern Köln doch längst den Rang abgelaufen hat als die Geht-gar-nicht-Mannschsft Nummer 1. (Wir wollen ja nicht von Hass sprechen…)
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17. Zello@home Says:
Juni 20th, 2007 at 10:41@michi: ja klar ist blau die farbe des vereins den wir sponsorn. aber blau haben beide im wappen. und so ein weiß/blaues muster, als zeichen des bayrischen in den sitzreihen hätte nicht geschmerzt. von mir aus in den logen was graues. und im oly hatma auch orange und grün! das ist jawohl mehr papageien klub als erwünscht! (weis jetz aber net wies in der südkurve aussah mit sitzfarbe.) ich nimms dir net persönlich.
und ich geb auch ehrlich zu, das mir die Arroganz Arena nicht gefällt! tolle sicht, super hülle, …. hin oder her, mir gefällt das feeling garnich.@paule: ich berichte am 15. august mal aus der südkurve oder nordkurve, je nachdem wo sie mir plätze zugesteckt haben.
nochmal zu den sitzen: wenn für die CL ganze teile der säulen umgestrichen werden, da internationalisierung, ganze werbebanner umgehängt werden etc usw … da könntens auch einige tausend sitze ausbaun und zumindest rote in die fankurve basteln.
ganz fix zum thema: schickeria, das einzige was mir von denen aufgefallen ist war in der südkurve das südkurvenblattl, war auch immer online verfügbar. inwieweit die infos dadrinnen stimmten weis ich nciht. aber sie geben ein anderes licht auf die sache.
letztes spiel im oly, ich war ziemlich nah an der südkurve, gings mitte der 2ten halbzeit auf einmal los mit ordnern und polizei. die sind auch durch unseren block um die südkurve zu “stürmen”. warum die grünen den megafonmann und einige außenrum gefangen nahmen ist mir nicht schlüssig. es gab weder ne rauferei noch sind gegenstände geflogen. einfach nur paar sprüche rüber zu den glubberern und die habens auch erwidert. laut bayern war damals in einer pressemitteilung zu lesen, das es raufereien gegeben hatte und das es extrems massive sprüche gab. ich fand die zwar manchmal hirnlos aber doch eher harmlos. bei der schickeria hat man ein wenig mehr erfahren, so meine ich. so wurde z.b. vor dem spiel verkündet an die fanclubs und die südkurve, das man niemanden am feiern hintern will, man solle sich nur ruhig verhalten, keine anstalten machen die glubberer zu verbrügeln oder das “feld” zu erklimmen. so die forderung. nach meinem ersehen wollte keiner über den zaun oder ähnliches. es marschierten auf einmal um beide kurven herum mehrere voll gepanzerte grüne männchen. das dies von fans beider kurven als provokation aufgefasst ist klar. und, das habe ich noch nie erlebt: aus beiden seiten des stadions klang ein: wir wollen keine ….kurzum: ich sah keine rangeleien, keine gegenstandswürfe. kollege in der nordkurve hat es mir dort auch als friedlich beschrieben. warum marschieren dann die grünen auf? da wiederspricht sich der pressetext der bayern und mein eindruck, der sich mit der von der schickeria (fast) deckt. und ergänzung von der anderen seite.
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18. edgar Says:
Juni 20th, 2007 at 18:43@Zelloathome
Die Gründe für das überzogene Einschreiten der Polizei beim letzten Spiel im Oly dürften die Ereignisse sein, die zuvor in der U-Bahnstation rund um den Marienplatz stattfanden. Da kam es zu einigen kleineren Reibereien zwischen Bayern und Nürnbergern. Aber ob man dann bei einer guten Stimmung mittten im Spiel so eingreifen muss, das muss jeder für sich selbst beantworten. Bei einer totalen Videoüberwachung hätte man die Leute auch nach dem Spiel rausziehen können. -
19. Zello@home Says:
Juni 21st, 2007 at 13:13danke für die aufklärung, das wusste ich bisher noch nicht.
ich bin der meinung, was vor und nach dem spiel passiert ist relativ und muss nicht direkt mit den fans im stadion zusammenhängen. wie wir ja von der busfahrerei der schickeria nach mgladbach gelesen haben, scheint es ja kein problem zu sein mitzufahren und davor radau zu machen.
beim letzten spiel im oly wurden wir bereits am bahnhof gründlichst kontrolliert, und zwar alle. weiß-rot links, rot-schwarz rechts. klar saßen im zug schon glubberer neben bazis und auch schon ab regenbsburg war ein grüner-spielmanns-zug mit dabei. in der ubahn wars voll geb ich zu, sehr sehr sehr voll! und das es dabei zu reibereien kommt …. normal, selbst zwischen bayernfans.
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20. Daniel Says:
März 9th, 2008 at 20:45Gibts nix hinzuzufügen..
Prima!!
Genau meine Worte..





November 15th, 2007 at 21:29
[...] habe ich zu diesem Punkt schon geäußert, ich muss es also nicht ständig wiederholen – meine Meinung hat sich nicht [...]
April 15th, 2009 at 17:35
[...] wurde zunächst gegen den Vorstand gewettert (”Vorstand raus”) und sofort erkannte ich Stimmlage, Geschwindigkeit und Melodie [...]