Gestern. Heute. Morgen.

Es ist Sommerpause und das tut uns allen mal ganz gut. Also vielleicht nicht allen, zumindest nicht denen, die jetzt schon wieder der neuen Saison entgegen fiebern. Früher war das bei mir auch so, aber derlei ist inzwischen in den Hintergrund getreten. Nein, wir müssen das jetzt nicht schon wieder diskutieren, es ist schlicht weiterhin so, dass mein Alltag komplett ausgefüllt ist. Der Fußball im allgemeinen und der FC Bayern im Speziellen sind nur noch ein Teil davon. Es ist wie es ist.

Man merkt diesen Unterschied auch daran, dass ich a) gar nicht bemerkt habe, dass seit meinem letzten „Beitrag“ schon mehr als 31 Tage vergangen sind und somit die, im Blog hinterlegte – Anti-Spam – „Kommentare-schließen“ – Funktion greift. In den letzten Tagen erreichten mich einige besorgte E-Mails, ob es das denn jetzt endgültig mit „Breitnigge“ gewesen und dass dies ja wirklich sehr schade sei. B) definiert sich meine Sommerpause seit einem Jahr auch noch an ganz anderen Dingen. Ich traniere seit einem Jahr die E-Jugend meines Großen als sog. „Vatertrainer“ und entdeckte dabei so ganz nebenbei eine neue Leidenschaft für den Fußball, die ich schon verschüttet glaubte. Das hat mich phasenweise überrascht, begeisterte mich aber durchgehend. Die Trainings- und Spielzeiten der E-Jugend in unserem regionalen Fußballverband orientieren sich nicht an der Bundesliga oder Länderspielpausen, nein, es geht um Schulferien, denn zu diesen Zeiten pausiert der Spielbetrieb in der Jugend (macht auch Sinn) – wir als Trainerteam haben da ebenfalls ein wenig Ruhe, da wir die Schulferien jeweils auch mit einer Trainingspause belegen.

Mit anderen Worten startet meine ganz persönliche „Sommerpause“ nach dem Ende der Spielrunde Anfang Juni, dem letzten Training gestern und dem Saisonabschlussgrillen am Wochenende.

All dies ist antizyklisch zu vielen Fußballfans „da draußen“ und Bloglesern „hier drinnen“, dass ist mir bewusst, aber es führt eben zu obigen Eindrücken bei einigen Lesern dieses Blogs.

Nur ein kurzes Statement, um dann zum eigentlichen Thema dieses Beitrags zu kommen: Sollte ich mein Blog tatsächlich eines Tages schließen, werde ich dies auch sagen und nicht implizit abschalten. Dafür ist mein Mitteilungsbedürfnis viel zu groß… 😉

Der Punkt.

Ich trage seit Wochen Gedanken in mir, wie ich einen Saison-Rück- und Ausblick-Beitrag rund um den FC Bayern angehen könnte. Allerlei lose Enden schwirren in meinem Kopf umher und ich habe es bis heute nicht geschafft, mich einmal hinzusetzen und diese zu bündeln. Ich sitze zwar jetzt gerade, aber einen Plan habe ich trotzdem nicht. Ursprünglich wollte ich den 30.06., oder 01.07., dem offiziellen Ende meiner 26-jährigen Bayern-Mitgliedschaft, als Anlass nehmen, hier einen größeren Beitrag zum Besten zu geben, aber das Resultat dürfte bekannt sein.

Machen wir es also eher stichpunktartig, kurz und bündig.

Thema Ancelotti

Ich war von seiner Verpflichtung aus mehreren Gründen begeistert. Es machte mich stolz, dass ein FC Bayern im Jahre 2016 einen Trainer verpflichten kann, den wir noch vor 5-10 Jahren niemals bekommen hätten, für den ein Klub wie der unsere, niemals eine Option gewesen wäre. Ich war ferner optimistisch, dass wir mit ihm so etwas erleben könnten, wie Real Madrid unter ihm, also sie uns im Halbfinale 2014 schlugen und zum Titel stürmten. Nun, es blieb uns versagt. Aus vielen Gründen. Gründen, die teilweise im erneuten Verletzungspech (und hier muss man ja wirklich von echtem Pech reden, denn gemeinhin ist Ancelotti nicht dafür berüchtigt, seine Spieler so zu „verheizen“, wie es ein Pep Guardiola angeblich tut, oder?!) aber andererseits in – meiner Meinung nach – taktischen Fehlern des Trainers begründet lagen. Hier sei vor allem das Aufeinandertreffen mit Real Madrid erwähnt. Das Pokal-Ausscheiden gegen den BVB können wir erneut unter „gibt es doch nicht“ abspeichern.

Im Grunde also gemischte Gefühlte bei mir, was den Trainer angeht. Hoffen wir, dass er uns in dieser Saison mit seinen „Umbruch-Fähigkeiten“ überrascht…

Thema Kader & Transfers

Im Rahmen der letzten Tage und den bestätigten Transfers kehrte bei mir doch noch so etwas wie Begeisterung zurück, wie ich sie 2007, 2009 oder 2012 spürte. Natürlich ist nichts mit „Ribéry & Toni“ „Robben“ oder „JM8“ vergleichbar, oder ggf. haben wir uns in all den letzten, erfolgreichen Jahren allzu sehr daran gewöhnt, aber ich glaube durchaus, dass es gut ist, Spieler wie James Rodriguez „von der Madrider Bank“ oder auch Tolisso zu verpflichten und eben nicht einen Sánchez aus der englischen Liga, die finanziell komplett versaut ist. Ferner noch einige junge Spieler, die, mit dem absehbaren Abschied von Robben und Ribéry in mittelnaher Zukunft durchaus Perspektive in unserem Team finden werden.

All das stimmt mich optimistisch und freut mich an Mitarbeitern wie Reschke und Co.

Um aber noch einmal auf das Thema Ancelotti zurück zu kommen: Ich hoffe sehr, dass Carlo mit diesem Kader, wie er sich jetzt für die nächsten ein, zwei Jahre abzeichnet, ein neues, starkes Team aufbauen kann, welches in der Lage wäre – auf Sicht – bis, sagen wir mal 2021, erneut die Championsleague zu gewinnen. Ein FC Bayern wird sich nach dem Abgang der alten Recken, wie Lahm, Alonso und bald Ribéry und Robben verändern, verändern müssen. Sind wir auf dem richtigen Weg? Ich hoffe es und bin aktuell guten Mutes.

Und was den Rest betrifft:

Auch in der neuen Saison wird es „Platzhalter“-Artikel auf diesem Blog geben, für alle die, die weiterhin diskutieren wollen. Was mich persönlich betrifft, werde ich bloggen, sobald sich Themen aufdrängen, zu denen ich zwingend Stellung beziehen muss. Davon abgesehen, werde ich über Spiel- und Trainingsplänen für meine Jungs sitzen und mich auf unseren Kunstrasenplatz freuen, den wir im Sommer 2018 erhalten werden.

Prioritäten, Leute. 😉

Das war es noch nicht. Doch!

Am heutigen Tag wird Ulrich Hoeneß erneut zum Präsidenten des FC Bayern e.V. gewählt werden. Zwar steht die Wahl auf der Jahreshauptversammlung des eingetragenen Verein FC Bayern München noch aus, aber Hoeneß ist erstens einziger Kandidat und zweitens – sind wir einfach mal ehrlich – Meinungen und Überzeugungen wie die meine sind in der eindeutigen Minderheit. Für 1-3 Sekunden hatte ich zwischenzeitlich mit dem Gedanken gespielt, mich selbst als Präsident zur Wahl zu stellen. Ist natürlich Unsinn und war auch nur eine kurze Tagträumerei über diesen speziellen Moment und die imaginären Gesichtszüge unseres Vorstandes. Illusorisch ist es ohnehin, da man bei einem Weltverein wie dem FC Bayern nicht „einfach so“ Präsident des e.V. werden kann. Die Kandidaten / der Kandidat werden / wird vom Verwaltungsbeirat vorgeschlagen und die JHV darf dann abnicken. Deutsches Vereinsrecht in Kombination mit einer Fußball-AG.

Es schließt sich für mich ein Kreis, habe ich doch als Bayernfan die Steueraffäre, den Prozess, die Verurteilung, die Haftzeit und seine Rückkehr verfolgt. Ich war – bekanntermaßen – Augen- und Ohrenzeuge von Hoeneß‘ letzter Rede in Freiheit auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung 2014. Ich bin immer noch schockiert, wenn ich daran denke. Seine Erregung, seine Vehemenz und die Stimmung unter der Mehrheit der anwesenden Bayernmitglieder. „Das war es noch nicht!“ waren seine abschließenden Worte und ich befürchtete, dass es genau zu diesem Punkt kommt, an dem wir uns heute befinden. Hoeneß kehrt zurück in alle Ämter, die er nach seiner Verurteilung abgeben musste. „So, als wäre nichts gewesen.“ ist mein diesbezüglicher Satz, der mir immer wieder in den Sinn kommt.

Wir müssen das nicht immer oder schon wieder durchkauen, ich weiß, dass es hier durchaus jede Menge gegensätzliche Meinungen gibt, aber für mich gibt es einfach gewisse Dinge in der Gesamtkonstellation Hoeneß und FC Bayern, die für mich nicht gehen (und damit ist nicht das Thema „Zweite Chance“, „Strafe abgesessen“ oder „Resozialisierung“ gemeint). Warum muss es diese Rückkehr sein? Damit es Hoeneß wirklich „allen gezeigt hat“? Braucht ein Hoeneß dies für sich? Braucht ein FC Bayern solch einen Hoeneß? Offensichtlich. Beides.

Kommen wir aber zu mir.

Nicht nur die Personalie Hoeneß hat mich in der jüngeren Vergangenheit meines Vereins umgetrieben. Es geht nicht weniger um Katar und den Umgang des FC Bayern damit. Sicher, einige Leser dieser Zeilen werden all das nicht mehr hören können. Damit muss und kann ich leben. Womit ich nicht leben kann, wäre eine gewisse Inkonsequenz meinerseits. Im Blog, auf meinen Social Media – Kanälen oder persönlichen Gesprächen, habe ich viel über Kausalitäten und Konsequenzen geredet – irgendwann muss man liefern, um glaubwürdig zu bleiben.

Lange Zeit stand der Besuch der heutigen JHV, gar eine Rede, eine Wortmeldung im Raum. Am Ende wurde es weder noch. Dies hat multiple Gründe, welche abendfüllend sind. Es hat mit dem Alltag als berufstätiger, zweifacher Vater und intensiver Ehrenämtler, Zeit, Geld und vielen anderen persönlichen wie privaten Dingen zu tun, die auszubreiten, ich noch nicht bereit bin. Kurzum: Ich schaff(t)e es schlicht nicht. In den letzten Wochen kam aber noch ein weiterer – stetig kräftiger werdender – Grund hinzu:

Seit Anfang der Saison bin ich Trainer – sog. „Vatertrainer“ – der Fußball-Mannschaft unseres Großen. Da trainiert man nicht nur die (seine!) Jungs, da ist man auch bei den Spielen mit Leib und Seele dabei. Am Tag nach der JHV findet um 12:00 das letzte Spiel der Hinrunde unserer E-Jugend statt. Wie sollte ich das schaffen? JHV in München besuchen und dann am Samstagmorgen den normalen Spielvorbeitungsrhythmus hier in Bonn? Für diesen Stress bin ich zu alt. Nein, als ich diesen Spielplan sah und die emotionale Bindung zu den Jungs spürte, war mir klar: Ich will auch gar nicht (mehr) zur JHV.

Andere – kritische – Bayernfans sind sowohl vor Ort als auch in der Lage und gewillt ihre Meinung dem Vorstand auf der Bühne mitzuteilen. Meine Unterstützung und Solidarität aus der Ferne ist ihnen gewiss!

Einen letzten Grund habe ich noch: Resignation. Meine Euphorie, kritische Stimmen zu sammeln, zu bündeln und zu verbreiten, hat spürbar nachgelassen. Ich hatte das schon auf dem Gipfel meiner Erregung, meiner Wut befürchtet (glaube gar, dass der Verein solche überaus menschlichen Verhaltensmuster bei uns „Wutfans“ einkalkuliert hat), aber ich erinnere mich eben noch ganz genau an meine damaligen Emotionen. Meine Meinung hat sich im Übrigen kein bisschen geändert, allein mir fehlt inzwischen die Kraft, diese offensiv zu vertreten. Einen Entschluss im Falle der heutigen Ereignisse habe ich hingegen schon vor längerer Zeit gefasst und setze diesen nun in die Tat um:

Nach über 25 Jahren Mitgliedschaft im FC Bayern München e.V. habe ich am heutigen Tag der JHV und Hoeneß-Wiederwahl meinen Austritt erklärt.

Einige Fans / Mitglieder werden nun fragen, weshalb ich diesen Schritt des Rückzug gehe und z.B. diesen „Status“ der niedrigen Mitgliedsnummer „einfach so“ aufgebe (Für manche Bayernfans ja Hauptgrund für eine Mitgliedschaft). Nun, erstens mache ich dies nicht „einfach so“ (siehe oben und die vielen Artikel unten) und zweitens sind wir da wieder beim Thema Resignation. Resignation ggü. diesem FC Bayern (seiner Führung!) im Speziellen und dem heutigen Fußball im Allgemeinen. Ferner erhält man auch mit niedrigen Mitgliedsnummern Absagen auf Ticketanfragen. Die „Garantieregionen“ (unter 3.000 oder 1.000) werde ich zu Lebzeiten ohnehin nicht mehr erreichen. Nicht ausgeschlossen ist hingegen eine Rückkehr. Mit einem neuen Vorstand und neuen Ansichten zu, mir wichtigen Themen. Die Hoffnung stirbt zuletzt und bis dahin bin ich halt raus.

Karten bekommen zu können, um mit meinen Jungs zu Bayernspielen zu gehen, war ein weiterer Aspekt, den ich bewertet habe. Sagen wir es so: Sind die Jungs alt genug, können sie selbst eintreten oder ich nutze eine der vielen – legalen – Optionen, an Tickets zu gelangen. All das war aber nicht Grund genug, diesen Schritt nicht zu gehen. Jeder geht anders mit diesen Themen um, für mich ist dies die richtige Konsequenz.

Und jetzt ist es auch mal gut.

Für wen es noch nicht gut ist und wer meine gesammelte Vorgeschichte noch einmal nachlesen will – bitteschön:

20.04.2013 Ach, Uli #1
15.11.2013 Von Wagenburgen, Medien, Tränen, dem Mob. Und Uli.
14.03.2014 Ach, Uli #2 oder Stunde Null
14.06.2014 Ach, Uli #3
07.05.2014 Paule, Uli, Karl, Pep und jede Menge Versammlungen
21.01.2015 Mia san mia oder Practise what you preach
17.01.2015 Fußball ist unpolitisch oder Ein Leben in der Blase
22.02.2015 Next stop: China
22.12.2015 Jedem Abschied wohnt eine gewisse Taktik inne
01.02.2016 Offener Brief an den Vorstand
28.02.2016 Zurück in die Zukunft oder Übervater Uli

Konsolidierung

Dem einen oder anderen aufmerksamen Breitnigge-Besucher ist es ggf. schon aufgefallen: Seit Anfang des Jahres hat sich dieses Weblog ein wenig verändert, vielmehr ist sein Umfang noch einmal massiv gewachsen.

Was genau ist passiert?

Ich will nicht all zu weit ausholen was die Vorgeschichte betrifft, denn dies habe ich über die Jahre schon mehrfach gemacht – machen wir es diesmal kurz: Es gab neben diesem Weblog noch weitere Webseiten, Blogs, die mit der „Marke“ Breitnigge zu tun haben. Dabei geht es um „Archiv“, „Podcast“ und „Statistik“. All diese Inhalte sind nun (wieder) auf einem Blog, auf Breitnigge.de vereint (oder werden nach und nach hier eingepflegt).

Mein damaliger Ansatz, über getrennte Domains eine größere Reichweite zu erzielen, etc. hat sich verlaufen, bzw. führte zuletzt vor allem dazu, dass meine Wartungsaufwände massiv gestiegen waren.

Kurzum: Viel Spaß bei den nun gesammelten Inhalten in der gewohnten Umgebung!

Paules Decima: Gastbeitrag: 10 Jahre mit einem Bayernblogger

Es war das erste Mal, dass ich so etwas getan habe. Aber was macht man nicht alles aus Liebe. Ich stellte mich also an und fragte nach einem Autogramm. „Was soll ich schreiben?“ „Für Breitnigge.“ Den Blick, mit dem mich Paul Breitner daraufhin anschaute, werde ich nicht vergessen.

Morgens in der Kita. Eigentlich will ich nur das Kind hinbringen, mit der Erzieherin noch kurz klären, dass K1 heute mit einem Freund nach Hause geht, während das Kind lauthals „Stern des Südens“ in mein Ohr schmettert. „Hat er meiner Tochter beigebracht, finde ich super“, erzählt mir ein Vater. „Und ich wusste ja gar nicht, dass du mit Breitnigge verheiratet bist.“

Ich eigentlich auch nicht. Denn auf der Heiratsurkunde steht, ich hab extra noch einmal nachgeschaut, ein anderer Name. Obwohl er da schon unter dem Pseudonym gebloggt hat.

Wenn ich in Worte fassen soll, wie es ist, mit dem Blogger Breitnigge verbandelt zu sein, dann treffen es die beiden Beispiele am besten. Irgendwas zwischen ahnungsloser Fassungslosig- und Was-soll-das-keit und „den-les-ich-doch-den-gibt’s-in-echt?“

Ja, den gibt es in echt. Und als ich ihn kennenlernte, da war er noch kein Blogger. Allerdings schon Bayern-Fan. Von Beginn an war klar: Es gab vor mir schon eine andere Liebe. Die in Frage zu stellen, hätte bedeutet, die Beziehung in Frage zu stellen. Ich musste also lernen – und das als Fortuna-Düsseldorf-Kind – mit dem FCB zu leben. In der ersten gemeinsamen Wohnung einigten wir uns darauf, dass Devotionalien auf das Arbeitszimmer beschränkt blieben. Als ich dann soweit war, gelernt hatte, dass neben meinem Schreibtisch FCB-Schals und Mannschaftsposter hingen und dass ich mir für den Samstagnachmittag alles Mögliche vornehmen konnte, nur keine Zweisamkeit – da verwandelte sich der Mann in den Blogger.

Es war eine schleichende Verwandlung, fing an mit mal einem Bericht. Dann einem zu jedem Spiel. Statistiken, Quizfragen, Tippspielen, Layout Entwürfen, Diskussionsrunden mit Kommentatoren und und und. Und der wochenendlichen Frage: Können wir was unternehmen oder musst du noch schreiben?

Meine Geduld, eine Stärke für die ich eh bekannt bin, wurde das ein oder andere Mal… sagen wir… strapaziert. Er hat es mit Tricks probiert, ich begann also irgendwie auch zu bloggen. Und konnte den Spaß, auch wenn es bei mir nichts mit Fußball zu tun hatte, für das Hobby verstehen. Dann kamen K1 und K2. Aus Breitnigge wurde eben auch Papa. Der lernen musste, wie man mit einem schlafenden Baby auf dem Bauch ganz leise jubelt. Und dass man einen Blogbeitrag schieben muss, weil K1 Fieber oder K2 Bauchschmerzen oder die Frau extremen Schlafentzug hat.

Und Frau hat gelernt, dass – obwohl es nicht in der Heiratsurkunde steht – sie eben auch mit Breitnigge verheiratet ist. Deswegen stellt sie sich auch an, nimmt den Blick von Paul Breitner gelassen hin und lässt sich sogar mit ihm fotografieren. Sie übt mit K2 den Text von Stern des Südens, damit er mit K1 mitschmettern kann. Und wartet neugierig, wie es wohl sein wird, wenn K1 schreiben gelernt hat. Und neben Fußballer, Schauspieler, Musiker und Astronaut auch Blogger werden will.

Paules Decima: Block-Dekade! Block-Blockade?

Wahnsinn. Immer wieder Wahnsinn, wie selektiv die doch eigentlich immer gleiche Zeit auf uns Menschen wirkt. Für mich vergeht sie oft wie im Fluge. Sowohl die Zeit meines selbstgewählten Sabbatical als auch die letzten 10 (zehn!) Jahre meines Blogger-Lebens. Der Entschluss für eine Blog-Auszeit basierte auf Gründen. Der Druck des regelmäßigen Bloggens und dann auch noch auf einem gewünschten Niveau wurde am Ende einfach zu stark. Da musste Luft aus dem Ballon. Dieses eine Jahr ist rum. Für viele Außenstehende mag sich nun die Frage aufdrängen: „Und? Geht es jetzt wieder los mit der alten Frequenz, der alten Qualität?“

Die kurze Antwort wäre einfach und schnell gegeben, sie würde aber in keinster Weise die Gedankengänge der letzten 12 Monate widerspiegeln und deshalb folgt sie erst am Ende dieses Beitrages.

Vor einigen Wochen traf ich auf eine Diskussion, die kurz zuvor auf der re:publica 14 stattgefunden hatte. Einige meiner Probleme mit dem Bloggen wurden dort besprochen und deshalb fließen einige Aspekte in meinen Beitrag mit ein.

#1 Sportblogs sind tot

Diese Hauptthese galt es zu diskutieren und ich stelle mir die Frage für mein Blog ab und an auch. Beleuchtet wurde die These mit allerlei Beispielen von geschlossenen Fußball-/Sportblogs, die mir in sehr guter Erinnerung sind, aus diversen Gründen aber nicht mehr betrieben werden. Man sezierte angeführte und zitierte Gründe für das (angebliche) Scheitern der Sportblogs in Deutschland.

Blogs über Fußball „stellen eine Nische dar“, ihnen „fehle die Akzeptanz der klassischen Medien, des eigenen Vereins“ und „sie erfahren somit – zumindest auf höherer Ebene (Bundesliga 1-3) – kaum Unterstützung“. Viele Fans, bzw. Blogleser „interessierten sich ferner nicht für reine Spielberichte, wenn sie das Spiel schon selbst gesehen haben“ und ganz generell „seien Fußballfans ohnehin eher nicht internet-affin“. Abschließend „hätten sich einige Blogs“ (durch Sponsorenevents, -aktivitäten) „kaufen lassen und somit Vertrauen verspielt“ oder eben die mangelnde „Qualität der eigenen Texte“ zum Verlust an Lesern geführt.

So sehr mich diese Punkte als im Internet aktiver Mensch ansprechen und ich ihnen zumeist zustimmen möchte, so abstrakt kam mir diese Argumentation als Betreiber von Breitnigge.de vor und so wenig trifft sie konkret den Kern meiner Probleme als Blogger. Im Detail werde ich dazu in den weiteren Punkten noch Stellung beziehen, aber auf Breitnigge.de gibt es die meisten dieser Probleme nicht. Sicher habe auch ich schon an Sponsorenevents teilgenommen (mehrmals) und darüber berichtet, aber weder hat es meine Community gestört, noch habe ich dadurch Leser verloren. Letzteres mag daran gelegen haben, dass meine Beiträge darüber keine Werbung darstellten und ich in den Texten keine verdeckten Sponsorenlinks eingebunden hatte…

Nein, mir leuchtet ein, dass obige Punkte durchaus für einige andere Blogs gelten mögen, aber mein Ziel war es damals eher nicht, dass mein Verein mich beachtet, oder ich „in die (klassischen) Medien komme“ – vieles davon hat sich im Laufe der Zeit vielleicht ergeben, aber die Grundlage meiner Aktivitäten war eine andere (siehe Motivation). Weshalb Breitnigge.de aus meiner Sicht nicht tot ist – auch dazu später mehr.

#2 Überleben

Als ich vor zehn Jahren mit dem Bloggen anfing, waren „wir Fußballblogger“ fast unter uns. Die wenigsten hosteten ihre Weblogs selbst, die meisten bedienten sich der, wie Pilze aus den Boden sprießenden Bloghoster. So lerne man sich virtuell kennen und las sich gegenseitig. Jeder einzelne Kommentar freute jeden Blogger ganz außerordentlich. Wir dachten uns nichts dabei und bloggten, weil wir Spaß daran hatten. In der Natur der Sache (hier: Internet) liegt es aber nun, dass die Aufmerksamkeit irgendwann steigt, wenn man etwas regelmäßig und nicht allzu schlecht betreibt. Als Anhänger / Blogger eines Bundesligaverein ist das Potential an möglichen Lesern / Interessenten natürlich größer als die Reichweite beim Bloggen über ein Team aus der Kreisliga B. Somit wuchs das Thema Bloggen kontinuierlich und überstieg sicher irgendwann bei dem einen oder anderen den Hobbystatus. Die einen motiviert dies, noch mehr zu tun, die anderen entscheiden für sich, dass es nur ein Hobby bleiben soll und lassen ihr Blog vielleicht irgendwann ganz einschlafen. Alles über die Jahre nicht nur einmal passiert (Beispiele: „Königsblog“, „Fernglas FCB“).

Womit wir bei einem der größten Themen in diesem Zusammenhang angekommen wären. Es gibt an einer gewissen Stelle dieser Geschichte einen Punkt, an dem man sich entscheiden muss: Mache ich so weiter, kann ich überhaupt so weitermachen, mich dem Druck (von einem selbst oder von außen) weiterhin stellen oder muss ich etwas verändern. Oben erwähntes Königsblog von Torsten Wieland hat bis vor seiner Blogpause den Plan verfolgt, jeden Tag einen Beitrag zu veröffentlichen, ist dafür teilweise vor der Arbeit früher aufgestanden um zu bloggen. Diesem Anspruch hielt er irgendwann nicht mehr stand und beendete seine Blogaktivität. Weil er aber einige Zeit später entdeckte, dass er das Bloggen eigentlich viel zu sehr mag, fand er Mittel und Wege (nämlich einfach weniger zu bloggen), den Druck zu reduzieren. Sein Blog lebt weiterhin, als „Einzelkämpfer-Blog“.

Breitnigge.de ist auch so ein „Einzelkämpfer-Blog“. Mit den bekannten Konsequenzen. Andere Blogs – so auch der Tenor in obiger Diskussion – haben vor allem deshalb überlebt, weil es ein Team von Autoren gibt. „Fokus Fußball“ sei hier erwähnt oder „Mia san rot„, die sogar als Team gestartet sind und den entsprechenden Output liefern können – für organisches, gesundes Wachstum, welches nachhaltig wirkt und keine Probleme bei den einzelnen Autoren erzeugt. Nicht jeder muss die Fehler der anderen wiederholen.

Was mir im Kopf herumschwebt, liest man eventuell zwischen diesen Zeilen…

#3 Motivation

Kommen wir also zum Thema Motivation. Die Reihenfolge mag irritieren aber die Struktur, die ich hier wähle, entspricht nicht der, wie sie die Diskussion hatte – ich versuche nur anhand der Menge an Informationen meinen roten Faden beizubehalten.

Warum bloggt man, warum blogge ich? Ich habe mit dem Bloggen eigentlich gar nicht irgendwann „angefangen“. Ich habe lediglich eine schon zuvor vorhandene Leidenschaft in ein anderes Medium, in eine größere Reichweite gehoben. Lust über Fußball zu reden hatte ich schon immer. Schon vor Blogs, vor Foren, vor dem Usenet und auch schon vor dem Internet. Diese Motivation wird nie versiegen. Ich werde immer über Fußball, über meinen Verein reden, diskutieren, streiten wollen. Und im Prinzip sind Blogs ja eine perfekte Platform um über Fußball zu diskutieren. Es gibt die Meinung des Autors, der Autoren, man kann diese konsumieren, selbst kommentieren, diskutieren, Verweise setzen, etc.

Dieses Feuer ist ungebrochen und hat auch – man denkt es sich – nichts mit meiner Blogpause zu tun. Ohne diese Motivation hätte ich den Laden hier schon längst komplett zugesperrt, den virtuellen Stecker gezogen und mich anderen Dingen gewidmet. Aber so ist es nicht und deshalb habe ich mir Gedanken über Lösungen gemacht und zusätzlich diesen Beitrag konzipiert.

#4 Monetarisierung

Geld ist immer ein schwieriges Thema. Offensichtlich. Allein, das Thema ist allgegenwärtig, denn ohne Geld für den Lebensunterhalt bleibt kein Raum für das Hobby Bloggerei. Kreativität kann man sich mit Geld nicht kaufen, aber mit Geld kann man sich z.B. die Freiheit erkaufen, sich unbelastet von den Zwängen des Alltags nur noch seinen Hobbys zu widmen. Kausalität.

In der Vergangenheit habe ich mir nicht nur einmal Gedanken über die Refinanzierung der Aufwände des Bloggens gemacht. Blutige Nasen kann man sich auch virtuell holen. Natürlich wäre es perfekt, wenn ich für oder durch Breitnigge.de Sponsoren finden würde, die mir das Bloggen finanzieren würden. Dann müsste ich nicht mehr anderweitig arbeiten gehen und könnte mich hier ausleben. Da aber Blogger nicht nur „schlecht im Marketing sind“ sondern auch kaum Zeit für Akquise haben, ruht dieses Projekt der Monetarisierung.

Eventuell ist es aber ohnehin der falsche Ansatz. „Entweder 0,- Euro oder eine Vollzeitstelle“ durch das eigene Bloggen erreichen zu wollen. Einige Beispiele zeigen, dass es durchaus einen Mittelweg geben kann. Erstens kann man im Rahmen eines eigenen Blogs kleinere Einnahmen erzielen, die nicht zu vernachlässigen sind. Hier mal ein Werbebanner, dort Flattr oder Paypal Spenden. Die sog. „Lousy pennies“ sollte man berücksichtigen, die können einen Faktor darstellen. Ebenfalls ist es möglich, nicht mit dem Bloggen, sondern über das Bloggen an Tätigkeiten zu gelangen, die den Lebensunterhalt sichern können. Man muss es nur machen (können), Chancen nutzen.

Bevor es jemand falsch versteht, ich habe weiterhin nicht vor, an der (finanziellen) Verfügbarkeit von Breitnigge.de etwas zu verändern (wie auch, ohne Beiträge), es geht in diesem Beitrag schlicht darum, die gesamte Bandbreite der Problematik darzulegen und dazu gehört eben auch mein Alltag, der geprägt ist von Arbeit und Überstunden. Beides Zwänge eines realen Lebens, die den Freuden der virtuellen Existenz „im Wege stehen“.

#5 Community

Eine Community zu haben ist wichtig, quasi das A und O. Wer keine Leser hat, kann zwar trotzdem bloggen (so wie wir Sportblogger in der Anfangszeit), mit vielen Lesern, die zu allem Überfluss auch noch rege über die eigenen Inhalte diskutieren, sich gar eigene Themen schaffen, ist es ein Perpetuum mobile. Sebastian Fiebrig sprach von „absurd hohen Kommentaren“ bei einigen Sportbloggern, die „eigentlich“ Sportjournalisten sind und über das Potential ihres klassischen Mediums natürlich eine größere Reichweite erzielen können. Er nannte in diesem Zusammenhang Blogbeiträge „mit 300, 400 oder 500 Kommentaren“. Über die Aussage „absurd“ musste ich ein wenig schmunzeln, denn in der Historie von Breitnigge kam es durchaus schon – aus Gründen der fehlenden neuen Beiträge oder einfach kontroverser Themen – immer mal wieder zu solch‘ hohen Kommentarzahlen (Beispiel: „Es schöner Tag Geschichte zu schreiben. Schon wieder.„: 430 Kommentare). Dabei geht es mir nicht zwingend darum, wie toll man sowas finden soll, nein, ich bin nur immer wieder sprachlos, wie groß, aktiv und diskussionsfreudig meine Community ist!

Neben meinem Blog nutze ich noch Twitter und früher Facebook. Diese drei Communities waren – zu meinem größten Erstaunen – nie zwingend identisch und zumeist sehr unterschiedlich. Die wenigsten Leser nutzten alle Kanäle, vor allem die direkten Blogleser hatten mit den sozialen Kanälen oft nichts am Hut. Ungewöhnlich, aber deshalb nicht weniger schön (So oder so: Danke, übrigens, Community!).

Worauf ich hinaus will: Offenbar ist dies die Zukunft. Die Fragmentierung der Community. „Man“ muss unterschiedliche Plattformen bedienen, um die eigene Blogreichweite hoch zu halten. Insofern man Wert auf Reichweite legt. Ich bin mir diesbzgl. noch nicht sicher.

#6 Zukunft

Haben sich die Blogs, die geblieben sind, entwickelt? Teilweise, würde ich sagen. Auch hier erwähnte die obige Runde, dass einige Blogger für sich andere Ausdrucksformen gefunden haben, z.B. das Podcasten. „Fehlpass„, „Collinas Erben“ und „Textilvergehen“ seien an dieser Stelle lobend zu erwähnen. Dem Zitat, dass „Podcasten ein Medium für die Faulen sei“ muss nicht nur ich widersprechen, habe ich es doch selbst vor Jahren einmal versucht und musste dabei feststellen, dass auch die Vor- (Konzept) und Nacharbeit (Schneiden) ein gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Sicher, insgesamt vielleicht weniger, als ein 2-3 stündiger Blogbeitrag, wobei man hier noch völlig außen vor lässt, welche Aufwände ein Autor hat, wenn er nicht nur „runterschreibt“ sondern ggf. zuvor noch professionelle, gar journalistische Recherche betreibt. Aber ja, natürlich ist so eine gemütliche Runde „in der Küche“ oder per Skype durchaus mal schnell produziert und drückt vielleicht die Ursprungsmotivation des „über Fußball quatschen“ noch am ehesten aus. Und klar, in einer „perfekten“ Welt, würde ich sicher neben dem regelmäßigen Bloggen noch Podcasten – denn Spaß macht das auf jeden Fall!

Wohin sich nun Sport- / Fußballblogs im Allgemeinen und Breitnigge.de im Speziellen entwickeln werden, vermag ich hier nicht abschließend zu beurteilen, selbst wenn ich mir durchaus vorstellen könnte, in Zukunft mehr zu recherchieren, professionellere Texte zu erstellen, keine Frage. Hätte ich aber den Fokus „Reichweite und Zukunftsfähigkeit“ meines Blogs in Bezug auf „den Nachwuchs“, würde ich mir, ob der Thesen und Analysen der Diskussion, ein wenig Sorgen machen. Die Fiebrigs vom Textilvergehen sprachen – für ihr Blog, für ihre Kanäle – von Zielgruppen, die ich für mich eigentlich gar nicht mehr bearbeiten wollte. Leser, Zuhörer, Interessenten kommen zunehmend nicht mehr über die klassischen Wege wie Google und Co. sondern eher über zunehmend geschlossene Systeme wie Facebook und Co.

Die „jüngere Generation“ nimmt Blogs nicht mehr in der Form wahr, wie wir damit „aufgewachsen“ sind. Blogbeiträge gehen im Strom der Informationen in sozialen Netzwerken unter und wer sichtbar ist / bleibt, bestimmen die Netzwerke und nicht mehr das Blogs selbst. Ob das gut oder schlecht, überlasse ich dem Urteil eines jeden selbst, aber so läuft offenbar die Entwicklung.

FAZIT

Breitnigge.de ist nicht tot. Breitnigge.de lebt durch seine Community, durch meine Beiträge, die ich auch in Zukunft schreiben werde. Aber ich werde eher keine regelmäßigen Beiträge mehr zu jedem Spiel meines, unseres FC Bayern verfassen – allenfalls wie zuletzt als Übersicht, als Stichwortgeber. Dies bleibt heute so und auch morgen. Was die ferne Zukunft bringt, wenn mein Alltag wieder ruhiger geworden ist, vermag ich jetzt noch nicht zu beurteilen. Wir werden abwarten müssen.

Darum zur Antwort auf die ganz obige Frage:

Nein, es geht jetzt nicht wieder los mit der alten Frequenz. Und die Qualität (hoffentlich) wird es vorerst nur in einzelnen Themenbeiträgen geben. Probleme lassen sich nun einmal nicht per Definition lösen. Im Gegenteil wurde die freie Zeit des Blog-Sabbatial relativ schnell mit beruflichen Anforderungen befüllt. Und nichts ist bekanntlich unkreativer als Müdigkeit, Erschöpfung oder sonstige „Lähmung“ des Geistes. Es gibt heute noch nicht DIE Lösung für alle meine Nöte, aber im Rahmen einer Umfrage lasse ich euch mit entscheiden, wohin der Weg gehen soll / kann.

Nehmt an der Umfrage teil und lasst mich wissen, wie ihr euch Breitnigge.de vorstellt.

Danke an alle, die mich nun über 10 Jahre begleitet haben. Danke an meine Familie und vor allem meine Frau, die mich nicht nur als Bayern-Fan sondern auch als Bayern-Blogger aushalten muss. Ihre Unterstützung hat mir oft erst die Möglichkeit gegeben, mich an den Rechner zu setzen und meine Gedanken zum Spiel unseres FC Bayern zum virtuellen Papier zu bringen. Wie sich das so aus ihrer Sicht anfühlt, hat sie übrigens hier selbst beschrieben. Lesen, es lohnt sich.

Bis bald.

Domains, Domains, Domains

Nicht alle meine Leser werden wissen, was eine Domain ist. Oder doch? Entschuldigung.

Domains haben sich bei meinem Provider über die Jahre eine ganze Menge angesammelt. Diese Liste aufzuräumen steht schon länger auf meiner Agenda. Allein, weil ich es nicht noch einmal zu einem solchen Problem kommen lassen will, wende ich mich jetzt _vor_ dem Aufräumen an eine – hoffentlich – interessierte Öffentlichkeit.

Drei Domains möchte ich hiermit an den Mann oder die Frau bringen. Mit der Bitte damit sorgsam – und der Vorgeschichte würdig – umzugehen.

bayernrules.de
mythosbayern.de
o-sch.de

Jemand unter meinen Lesern, der/die mit diesen Domains etwas anfangen kann/will?

Anfragen per E-Mail oder über die Kommentare.

9.124

Jedes Jahr im Juli. Kopfschütteln unter allen Nicht-FCB-Mitgliedern und Vorfreude unter uns Nervenbündeln, wie arg denn die eigene Mitgliedsnummer dieses Jahre wieder gefallen ist.

Meine ist gefallen. Immerhin.

Von 10.209 auf 9.999 auf 9.772 auf 9.603 auf 9.382 auf 9.249 auf nun 9.124.

Minus 125. In erfolgreichen Spielzeiten wird halt weniger ausgetreten. Aber wer – mal ernsthaft – tritt unterhalb der 10.000 freiwillig aus?

Eben.

Andererseits werde ich die ominöse 3.000er-Grenze ohnehin erst im eigenen Ruhestand erreichen. Oder so. Ob ich die „Ticket-Garantie“ dann noch brauche?

Pep kommt. Paule geht.

Ich bin mir noch nicht sicher, welchen Weg dieser Beitrag gehen wird, aber die Inhalte stehen fest. Es geht nicht um unseren neuen Trainer. Allein den Zeitpunkt seiner Vorstellung fand ich passend für meinen Beitrag.

Worum geht es? Zunächst einmal muss ich erwähnen, dass es sicher nicht in meiner „Tradition“ gewesen wäre, von diesem Problem in meinem Blog nicht zu berichten. Schließlich lasse ich meine Community ja sonst auch ein Stück weit an meinem Leben teilhaben.

Der Reihe nach.

Als unser erster Sohn geboren wurde, hatte ich Bedenken ob meiner Blog-Produktivität. Zu Unrecht. Es waren zwar nicht immer 70, 80 Berichte pro Monat wie zu Spitzenzeiten, aber das „normale Tagesgeschäft“ konnte aufrecht erhalten werden. Und ein wenig mehr.

Als unser zweiter Sohn geboren wurde, sah ich endgültig den Untergang des Blog-Abendlandes vorraus. Resultat? Ich bloggte wie zuvor und fing sogar an, wieder regelmäßig Live-Fußball zu genießen. In München wie anderswo. Niemand war darüber erstaunter als ich.

Wann genau der Bruch kam, kann ich nicht mehr reproduzieren, vielleicht verlief der Prozess auch eher schleichend, im Hintergrund. Es fiel mir zunehmend schwerer mich zeitnah „aufzuraffen“, an Rechner oder sonstige Blog-technisch geeignete Geräte zu setzen. Der Alltag mit zwei heranwachsenden Kindern, die zunehmend ihr Recht am Papa einforderten, eine Frau, zwar nicht Fußball-fern, aber doch immer wieder großzügig über mein zeitintensives Hobby hinwegsehend, die auch mal einen Samstag-, Sonntag-, Montag-, Mittwoch-, oder Donnerstagabend mehr von ihrem Mann hätte, steigende Belastung im Job, nicht geringer werdende Erwartungshaltung der treuen Breitnigge-Gemeinde, eigener Druck bezüglich Beitrags-Frequenz und -Qualität erzeugten irgendwann das Gegenteil. Kreativität lässt sich nicht auf Kommando produzieren. Nicht durch mich, den „Hobby-Journalisten“ und auch nicht in dem Spannungsfeld, in dem ich seit Monaten lebe.

Oft ließen meine Berichte zu den Spielen länger auf sich warten, als viele meiner Leser dies gewohnt waren (weil die meisten die Anfangszeiten nicht mehr kennen gelernt haben), oft waren mir Details zum Spiel gar schon entfallen, oft schrieb ich Berichte über das iPhone. All dies wurde bemerkt. Und die (berechtigte) Qualitätskritik zog mich weiter runter. Erste Gedanken an Veränderung brannten sich in meinen Kopf. Dann Gegengedanken, doch zumindest bis zum 10-jährigen Blog-Jubiläum 2014 „durchzuhalten“, um eine runde Zahl zu haben, für eine mögliche Veröffentlichung in meinem Buch-Projekt. Wohlgemerkt weitere 40-50 Berichte. Ungeschriebene Berichte. Ein Graus, wenn schon die aktuellen Berichte mehr Anstrengung als Freude sind.

Der Entschluss, in der nächsten Saison kürzer zu treten, fiel in diesem Frühjahr. Sabbatical. Ich gehe an dieser Stelle nicht näher auf all die ermüdenden Diskussionen rund um Monetarisierung, sinkende Werbeeinnahmen, Wertschätzung von geistiger Arbeit und all diesen Themen ein, weil es unerheblich war für meine Entscheidung. Denn Geld hätte mich nicht davor schützen können, was mir später den Rest gegeben hat.

Ich will eher darüber reden, dass es mich selbst verblüffte, dass plötzlich meine Berichte – auch vor meinem eigenen kritischen Auge – wieder besser wurden. Imho so gut, wie ich sie bei all diesen neuen – jüngeren, frischeren – Bayern-Bloggern zu lesen bekam. Noch so ein Thema („andere können es inzwischen viel besser„, etc.). Natürlich mag es am wachsenden Erfolg unseres Teams gelegen haben, oder dass die angehende Triple-Saison in die Zielgerade abbog und sich nicht nur ein „ermüdender“ BL-Sieg an den anderen reihte (was sollte man da auch jede Woche kollossal Neues schreiben?!). Es gibt dafür einen medizinischen Fachausdruck. Also diesen positiven, emotionalen Schub, bevor es dann zu Ende geht. Irgendwie fühlt sich das für mich nun so an. So glücklich ich als Fan meines Vereins bin, so ausgebrannt bin ich es als Blogger.

Dann unser Urlaub. Auf die exakten Details will ich hier aus persönlichen Gründen nicht näher eingehen, aber tatsächlich trat meine totale Erschöpfung aufgrund des obigen Mix offen zu Tage. Ein überdeutliches Warnsignal für mich. Und ich habe verstanden. Veränderung tut Not. Radikaler und nachhaltiger als zuvor geplant. Es ist schlichtweg notwendig – im wahrsten Sinne des Wortes.

Was bedeutet dies aber nun konkret? Für euch? Für mich?

Ich werde weiterhin Fan des FC Bayern sein.

Ich werde weiterhin voller Freude und Inbrunst über meinen Verein reden, schimpfen, schreiben.

Ich werde weiterhin bloggen. Über Fußball, über den FC Bayern, über alles was mich bewegt.

Ich werde weiterhin mit meinen Lesern diskutieren und vielleicht sogar mehr als zuvor. Wer weiß.

Ich werde aber nicht mehr über jedes Spiel einen eigenen Beitrag schreiben, mich diesem Publikationsdruck aussetzen.

Ich werde (versuchen) nur noch Dinge zu tun, die mir Freude bereiten, werde Prioritäten setzen. Und das betrifft meine gesamten Social-Media-Aktivitäten.

Ich werde mir keinen Termin für das Ende dieser Auszeit setzen, wie ich es zunächst geplant hatte.

Ich werde einfach mal abwarten, was passiert. Es bleibt mir eh‘ nichts anderes übrig.

Und auf Verständniss werde ich hoffen. Von euch.

Vom Abstieg, Sandgetrieben und jeder Menge Trallala

Chronistenpflicht. So nennt man das wohl. Wenn man als Blogger auch fünf Tage nach einem Spiel noch seinen Bericht schreibt. Interesse hat daran sicher kaum noch jemand. Die wilde Karawane ist eh schon längst beim überüberüberüberübernächsten Thema. Was waren das noch Zeiten als ich für 50 Leser geschrieben habe, 5 Kommentare bekam und es niemanden interessierte, dass der Bericht zum Spiel immer(!) erst Dienstag oder Mittwoch das Licht der Welt erblickte. Nein, ich will gar nicht klagen, ganz im Gegenteil, ich muss sogar ab und an ein wenig schmunzeln. Und ich schreibe ja auch. Jetzt.

Ich denke, dass Spiel selbst können wir schnell abfrühstücken. Die Augsburger waren der erwartet schwere Gegner (sic!). Warum? Weil es das gefühlte 20. Spiel des FC Bayern in der Bundesliga war, in dem es – für den FC Bayern – um kaum noch etwas ging. Abgesehen von der verrückt-historischen Aufholjagd vielleicht. Ist natürlich Quatsch. Für mich ist diese Rekordjagd tatsächlich sehr wichtig. Als Statement. Als Reaktion. Auf die Jahre 2011 und 2012. Immer noch, eh klar. Damit will ich gar nicht langweilen. Diese „Spannung“ ist aber auch für uns wichtig, um hier vom Kopf her wach zu bleiben, den Bogen genau richtig zu spannen. Nicht zu stark und nicht zu schlaff. Für das große Ziel: Wembley. Aber zurück zu Augsburg.

Die ersten Spielminuten brachten das erwartete Bild – dominante Bayern. Mit Chancen im Minuten-Takt. Nun, zu diesem Zeitpunkt erinnerte ich mich wieder daran, was mich in den bisherigen Spielen gegen die Puppenkistenkicker schon genervt hat: Dieser Torhüter. Er hielt die Unhaltbaren. Denn eigentlich hätten wir in dieser Phase die üblichen 1-2 Tore erzielen müssen. Dann wäre es das Schützenfest geworden. Und die Düsseldorfer Fortuna müsste sich um die Tordifferenz im direkten Duell um Platz 15 keine Sorgen mehr machen. Wir überwanden ihn aber nicht. Und dann wurde es zäh, merkte man plötzlich – so wie es unser Kapitän nach dem Spiel ausdrückte – dass bei den Münchnern Sand im Getriebe war, man 10 Tage nicht mehr mit der 1a-Elf gespielt hatte. Eine wichtige Erkenntnis. Für das große Finale. Aber auch für das Spiel in Mönchengladbach.

Im weiteren Verlauf wurden die Augsburger mutiger und wieso auch nicht, mehr als in München verlieren geht ja eh nicht. Ein Elfmeter wurde ihnen versagt. Wie auch später den Jupp-Jungs. Das „Handspiel“ von van Buyten lassen wir mal außen vor – aus meiner Sicht kein Elfmeter.

Am Ende kam eh alles, wie es kommen musste und wie es heuer immer kam: Wir machten das Tor. Und noch eins und noch eins. Punkt. Das mich das Spiel trotzdem mitnahm, darüber schrieb meine Frau (dabei war sie ja teilweise daran schuld (Fortunin, you know?!))

Wie sehr so ein Tor doch beruhigen kann. Danach wurde es (ich) ruhiger. Im Anschluss unsere Meisterfeier. Lange herbeigesehnt, nicht erst seit dem Titel in Frankfurt, nein, seit 2010. Es wurde feucht. Und fröhlich. Die Bilder beeindruckten.

Frühkindliche Prägung.

Apropos Prägung. Für meine Kinder war es zwar die erste bewusst erlebte Meisterfeier des FC Bayern, für mich die 17. (1980,81,85,86,87,89,90,94,97,99,2000,01,03,05,06,08,10) – und jede habe ich genossen. Auch wenn ’85,’86,’89,’00 und ’01 vielleicht spontaner waren als alle anderen, mir ist jeder Titel, jeder Feier recht. Welcher (Bayern-)Fan würde diesen Satz nicht für sich unterschreiben?

Die Saison biegt in schneller Fahrt in die Zielgerade ab. Am Samstag steht das letzte Spiel in Mönchengladbach an. Hier gilt es einerseits erneut sich vor Verletzungen zu schützen, andererseits aber in Form zu kommen und sowohl all unseren Rekorden die letzte Spitze aufzusetzen als auch das 1:1 im Hinspiel zu „korrigieren“. Dabei sind übrigens die 91(!) Punkte am Saisonende realistischer als noch sechs weitere Tore für die 100-Tore-Marke. Ein Sieg, keine Verletzungen und nah an die Topform für den 25.05. zu kommen reicht mir aber vollkommen aus.

In diesem Sinne:

Auf geht’s, Ihr Roten!

Von Bastian, Thomas, Franck, Javier, Arjen. Und meiner Oma.

Ich könnte darüber schreiben, wie stolz ich auf meine Mannschaft bin. Wie stolz, dass wir gegen die – namentlich – stärkste Mannschaft der Welt mit einem 7:0 in das Finale der Championsleague eingezogen sind.

Ich könnte darüber schreiben, wie begeistert ich vom Spiel des FC Bayern in Barcelona war und bin. Wie begeistert, dass wir nicht nur das Hin- sondern auch das Rückspiel zu Recht gewonnen haben.

Ich könnte darüber schreiben, wie stark Schweinsteiger, Müller, Alaba, Lahm, Ribery, Martinez, Robben und all die anderen gespielt haben. Zumindest in der Summe und nur mit kleinen Schwächen zwischendurch.

Ich könnte darüber schreiben, dass das nun für mich natürlich noch keine Wachablösung im europäischen Fußball war. Weil Barcelona in keinem der beiden Spiele „Normalform“ hatte, nie in Topbesetzung spielte und auch ein Messi faktisch nicht anwesend war.

Ich könnte über die taktische Meisterleistung unseres Trainers referieren. Wie er gegen Barcelona(!) einen Matchplan und Alternativen dazu entwickelt hat. Wie er quasi die Basis von van Gaal veredelte, hoffentlich versilbern wird.

Ich könnte darüber schreiben, wie sehr mich diese Rekordsaison schon jetzt begeistert. Wie klasse es ist, dass der „FC Bayern der Neuzeit“ dazu in der Lage ist, in vier Jahren dreimal(!) in ein Championsleague-Finale einzuziehen. Sollten wir – der Fußballgott möge es verhindern – das Finale in London verlieren – wer glaubt inzwischen nicht, dass wir auf neue Chancen nicht lange warten werden müssen? Eben.

Ich könnte über all dies schreiben. Könnte.

Ich schreibe stattdessen über meine Oma, meinen Opa. Und über mich. Als ich vor 41 Jahren geboren wurde, war der Vater meines Vaters schon einige Jahre tot. Die Mutter meines Vaters starb, als ich sieben Jahre alt war. Meine Kindheit über hatte ich nur einen Opa. Und nur eine Oma. Eine ganze erfüllte Kindheit lang. Ferien voller Spaß, Fahrradtouren zum Töppersee, ins Hallenbad, mit selbst gemachtem Quark mit Schnittlauch aus dem eigenen Garten. Zechensiedlungsgarten. Getoastetes Brot. Verwöhnprogramm. Spannende Entdeckungstouren in der Mansarde auf dem Dachboden, wenn in der Mittagspause unten alles schlief. Ein paar Groschen, um am Büdchen was Süßes zu kaufen. Geschichten aus Ostpreußen. Opas Heimat. Der Heimat meiner Vorfahren. Zumindest von Teilen meiner Vorfahren.

Mein ostpreussischer Opa, Jahrgang 1923, gelernter Kaufmann, konnte nach dem Krieg nicht mehr in eben diese Heimat zurück. Er landete, mit seiner Frau, meiner Oma, im Ruhrgebiet. Wurde Bergmann, brachte es bis zum Steiger. Mehrere Zechen, mehrere Umzüge, jedes seiner vier Kinder wurde in einer anderen Stadt geboren. Ich, sein erster Enkel, in Rheinhausen, später Duisburg-Rheinhausen, seiner letzten Station. Er hat die letzten 20 Jahre meines Lebens nicht mitbekommen. Nicht die Liebe meines Lebens, meine Hochzeit, seine Ur-Enkel.

Aber mein Opa hat mitbekommen, wie ich zum Bayern-Fan wurde. Und hat sich mit mir oft über Fußball unterhalten. Über meine Bayern, oder seine Schalker. Oder Duisburger.

Als ich 22 Jahre alt war, starb ein großer Teil dieser Kindheit und ich vermisse es nun schon seit 20 Jahren. Ich glaube aber, dass er von oben all das verfolgt hat und glücklich war, was er da alles gesehen hat. In meinen Gedanken war er zumindest immer dabei.

Der andere Teil meiner Kindheit – meine Oma – blieb zurück. Am Abend des Todes meines Opas versammelten sich große Teil der Familie um meine Oma. Auch ich. Da fiel es mir zum ersten Mal auf. Dieses Zittern. Parkinson. Fortan der „Begleiter“ meiner Oma. Wer Parkinson kennt, weiß was das bedeutet. Es geht bergab. Fortlaufend. Und ganz langsam. Bei meiner Oma über 20 Jahre. Und trotzdem hat meine Oma oft noch ihren Witz, ihre Ironie zum Besten gegeben. Ein Lächeln. Auf unseren und ihrem Gesicht. Sie hat all das miterlebt, was meinem Opa verwehrt blieb, ich glaube, das hat sie gefreut. Wer würde sich nicht über Ur-Enkel freuen.

In der 5.Spielminute des gestrigen Halbfinalspiels erhielt ich einen Anruf. Zu sehr von der Anspannung des Spiels gefesselt, ging meine Frau ans Telefon. Mein Ärger darüber, wer mich während eines solchen Spiel anruft, wich unmittelbar dem Gefühl der Trauer. Natürlich war mir der Zustand meiner Oma bekannt, auch dass „es“ bald passieren würde – es dann aber tatsächlich zu empfinden, ist doch ein Unterschied. Ein Zwiespalt, der mich 92 Minuten beschäftigen sollte. Gibt es eine größere emotionale Klippe als zwischen dem Erreichen eines Championsleague-Finales und dem Tod der Oma? Wohl kaum. Tränen kamen erst später. Heute. Nach all der Empathie meiner Twitter-Timeline. Oder als ich am Abend mit meiner Mutter die Beerdigung in der nächsten Woche besprach. Oder als ich im Kopf diesen Beitrag zusammenbaute.

Für den Rest meines Lebens werde ich an diese 5.Spielminute denken. Und an das endgültige Ende meiner Kindheit.

Ich hab‘ Dich lieb, Oma. Mach’s gut.