Vollzug zu melden!?

Nachdem ich ja zuletzt schon die ersten Meldungen bzgl. Willy Sagnol angesprochen hatte, hat er offenbar tatsächlich wirklich um vier Jahre beim FC Bayern verlängert!

Die restlichen Hintergrund-Informationen sind ebenfalls nicht uninteressant:

Hoeneß: Seine Zusage hatten wir schon vor Weihnachten.

Ach was?

Hoeneß: Willy ist ein spezieller Fall, ein sehr emotionaler Typ. Bei unserem ersten Gespräch hat er viel Geld verlangt. Wenn wir ihm das bezahlt hätten, hätte er wohl sofort unterschrieben. Aber das konnten wir nicht gleich machen, ich hab‘ Bedenkzeit erbeten. Dann hat er wohl gedacht: Das bezahlen die sowieso nicht, jetzt entscheide ich mich anders. Er hat ja lauter Pläne, und er meinte, er müsse noch mal was anderes machen, bevor er später nach Korsika zieht. Ich glaube, der entscheidende Punkt war, dass ich ihn angerufen und das Angebot aufrechterhalten habe, nachdem er uns abgesagt hatte. Das hat ihm unheimlich imponiert, dass wir nicht die Tür zugeschlagen haben.

Es geht hier ja schließlich auch um den FC Bayern – der eine begreift das früher, der andere später!

SZ: Das war dann wohl der Heimweh-Faktor – obwohl er noch nicht weg war.

Hoeneß: Das ging ja dann erst richtig los. Mit den Fans, die ihn gefeiert haben, und in der Mannschaft, in der Willy unglaublich beliebt und der Leader der Ausländer ist. Spieler sind zu mir gekommen und meinten, wir müssten Willy unbedingt halten. Und seit er nicht mehr in Grünwald, sondern in der Stadt wohnt, ist er Münchner geworden. […]

SZ: Das sind aber weit reichende Prozesse, um die Spieler zu überzeugen.

Hoeneß: Es ist halt ein Problem, wenn der Herr Capello (Trainer Juventus Turin) extra nach München kommt, und der Herr Moggi (Manager Turin) im Privatjet anreist. Da muss ich sagen, es ist einfach nicht in Ordnung, wenn man einen Spieler eines anderen Klubs vor der offiziellen Frist am 1. Januar so intensiv anspricht. Da kann man doch mal anrufen. Chelsea hat im Fall Ballack angerufen, Manchester, Milan auch – Juve hat wegen Sagnol nie angerufen, obwohl sie am konkretesten mit ihm verhandelt haben.

SZ: Wollten Sie Juve mal zeigen, dass Sie mithalten können, nachdem Turin im letzten Jahr Robert Kovac weglockte?

Hoeneß: Die durften uns nicht wieder eine Flanke aufreißen mit ihren Fernsehgeldern, die sie dort reingeschaufelt bekommen, ohne was dafür zu tun. Wir wollten Flagge zeigen: Ein FC Bayern lässt sich nicht permanent vorführen. Das haben wir uns was kosten lassen.

Fragt sich nur, woher das Geld kam?

Hoeneß: Nein. Wir sind gerüstet für die Zeit ohne ihn. (Ballack) Aber wir würden ihm auch nicht die Tür zuschlagen und sagen: Jetzt ist es vorbei. Wir werden immer gesprächsbereit sein – doch wie die Gespräche dann laufen sollen, dazu habe ich im Moment keine klare Idee. Eines ist aber klar: Wir haben nun Gelder verlagert, auf andere Spieler, die wir unbedingt halten wollten. Willy Sagnol zum Beispiel.

Das habe ich ja immer schon gesagt! Es liegt bei Ballack, was er nun macht, ob er bleibt oder geht…

Will er unbedingt weg, dann kann er gehen, will er doch bleiben, dann wird neu verhandelt , aber auf einem wesentlich niedrigeren Niveau!

Zum aktuellen Thema PrinzPoldi kommt auch noch was:

SZ: Und jetzt müssen Sie sich mit Werder Bremen und dem Hamburger SV kabbeln. Auch diese beiden Klubs wollen Lukas Podolski. Wird der Norden frech?

Hoeneß: Ach was, das ist völlig legitim, dass die jetzt Führungsanspruch in Deutschland anmelden. Es ist doch noch gar nichts passiert, es sind noch keine Summen aufgerufen. Erstmal muss sich doch der Spieler erklären, was er will.

Eben und das kann noch dauern, aber wir haben ja Zeit…

SZ: Podolski ist 20, er hat bescheidene vier Tore in der Hinrunde erzielt. Sind Sie überzeugt von seinen Fähigkeiten?

Hoeneß: Er ist auf jeden Fall das größte deutsche Stürmertalent. Aber er leidet unter dem Druck, der tagaus, tagein auf ihn einwirkt. Dem ist er nicht gewachsen. Sebastian Deisler hat das gut beschrieben, wie er damals der Alleinunterhalter für die Yellow Press in Mönchengladbach und Berlin gewesen ist. Die breiten Schultern, die es hier in der Mannschaft gibt, würden Podolski gut tun, dann könnte er sich mal wieder auf Fußball konzentrieren.

Ein Aspekt, der noch gar nicht berührt wurde!

Danach wird das Interview richtig geil, solche Sätze sagt nur ein Hoeneß:

SZ: Finanziell hätte der FC Bayern wohl Vorteile.

Hoeneß: Dass sich der HSV bemüht, ist ja legitim. Die große Frage ist, ob die – wenn’s drauf ankommt – in die Festgeld- oder in die Kreditabteilung gehen müssen, um den Spieler zu bekommen.

SZ: Und der Festgeldspeicher des FC Bayern wird immer voller, oder?

Hoeneß: Nein, aber er ist auch nicht leerer geworden.

SZ: Trotz der neuen Personalien?

Hoeneß: Zahlen wir aus dem Cashflow.

SZ: Ballack auch?

Hoeneß: Ja.

SZ: Podolski?

Hoeneß: Die Ablöse käme vom Festgeld, Gehalt nicht. Aber unsere liquiden Mittel liegen zwischen 120 und 150 Millionen Euro, die werden nicht weniger.

SZ: Was wollen Sie mit dem vielen Geld noch anstellen?

Hoeneß: Gar nichts. Liegenlassen. Und immer vermehren. Immer vermehren. Oder sollen wir’s rausschmeißen?

Herrlich solche Sätze, oder?

Zu allem Überfluss werden wir jetzt auch noch wie Werder, so familiär:

SZ: Und jetzt sind alle, einschließlich Trainer Felix Magath, zufrieden mit der neuen, alten Mannschaft?

Hoeneß: Sehr. Felix hat ja eingeführt, dass am Abend vor dem Spiel um halbzehn an der Bar zusammen ein Bier getrunken wird. Und da fühl‘ ich mich wie in einer Familie. Da hocken dann die Franzosen und die Südamerikaner mit den Deutschen und dem Holländer, und das ist richtig schön. So habe ich mir immer Bayern München vorgestellt.

Roy bekommt übrigens auch noch sein Fett ab:

SZ: Müssen Sie Roy Makaay Dampf machen?

Hoeneß: Müssen wir mal beobachten. Er hat sicherlich über seine Hinrunde nachgedacht, und er hat sicher auch darüber nachgedacht, dass sein Vertrag bisher nicht verlängert wurde. Das ist auch ein Signal: dass er wissen muss, dass es so nicht geht. Er muss dahinkommen, wo er war: dass er nicht nur Tore schießt, sondern auch mitarbeitet. Dass er in der Mannschaft wieder ein Faktor wird.

Ja! Bitte! Am besten direkt mal im Trainingslager damit anfangen!

Aber sonst sind diese Winter- / Sommerpausen-Interviews von UH immer wieder ein Genuss – für mich zumindest!
😉

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2 Gedanken zu „Vollzug zu melden!?

  1. Tja, so isser… der UH. Was daran allerdings „geil“ sein soll verschließt sich mir vollkommen. Und das „Theater“ mit Sagnol ist für mich peinlich, das trägt ja fast schon norddeutsche Züge…

  2. Geil ist, dass er so trocken mit diesen Riesensummen umgeht, andere Manager würden (und haben) in vergleichbaren Situationen das Geld mit beiden Händen zum Fenster rauswerfen und es nicht einfach nur arbeiten lassen – das ist Seriösität, oder?

  3. Ende

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