Kaufmann, konservativ und Sicherheitsfanatiker

In der letzten Zeit und über all die Jahre wurde und wird immer wieder das Transferverhalten der Bayern als räuberisch gebrandmarkt!

Man wolle die Konkurrenz nur schwächen und habe selbst kein Interesse an dem Spieler selbst!

Ganz so abwegig mag dieses Vorurteil nicht sein, wenn man sich die Reihe der (Top-)Transfers in den letzten Jahren anschaut:

Ballack, Zé Roberto, Lúcio, Frings, Ismaël, van Buyten und Podolski!

Podolski?

Wieso sollte der FC Bayern den FC aus Köln schwächen wollen, vor allem nachdem dieser ohnehin inzwischen nur noch eine Fahrstuhlmannschaft ist?

Nun, Podolski passt nicht in die Theorie der Verschwörungsfanatiker, wie auch, gibt es diese Verschwörung ja gar nicht!

Des Rätsels Lösung ist etwas ganz Anderes:

Uli Hoeneß ist ein Kaufmann – wer die aktuellste Bayern-Biografie gelesen hat wird dies bestätigen – und als solcher ist er zusätzlich nicht nur konservativ, sondern liebt er ferner das sichere Geschäft und mag Überraschungen überhaupt nicht!

Was bedeutet das jetzt für die Transferpolitik der Bayern?

Dass die Bayern und Hoeneß bei ihren Transfers immer auf Nummer Sicher gehen wollen!

Sie geben 1.) kein Geld aus, das sie nicht haben und 2.) nur für Spieler die sie kennen!

Daher kauft der FC Bayern auch zumeist in der Bundesliga – die ausländische Konkurrenz kauft überall.

Klar hätte ich z.B. einen Diego gerne im Bayern-Team, aber Bremen ist zum einen auf diese Transfers unbekannter Spieler angewiesen (positives Transfersaldo) und geht zum anderen eben dadurch auch mehr Risiko.

Die Bayern wollten dieses Risiko in dieser Saison auch einmal gehen – van-the-Man sollte mehr internationalen Glanz bringen, allein die sich immer höher schaukelnde Transfersumme im Wettbieten mit Real ließ Hoeneß und die Bayern die Reissleine ziehen!

Mit dieser Einstellung sind die Bayern natürlich der Gegenentwurf zu Vereinen wie Real oder Chelsea, die nicht mit der Wimper zucken, wenn ein Spieler einen zweistelligen Mio.-Betrag gekostet hat, sich dann aber als großer Flop herausstellt – die Bayern bevorzugen statt dieser Risikoinvestition die sichere Anlage. Wird ein interessanter Spieler mehrmals beobachtet und für nicht gut, oder konstant genug bewertet, dann kaufen ihn die Bayern nicht – sollen es doch die anderen probieren…

Der Kern der Geschichte ist: Hoeneß gibt nicht acht Millionen Euro für einen Spieler aus, wenn er sich nicht absolut sicher ist. Ähnlich geht die Geschichte mit Sergio Agüero, der als Riesentalent des argentinischen Fußballs gilt. „Alle haben gesagt, dass der fantastisch ist“, sagt Hoeneß. Also fuhr er hin, und was sah er? „Der hatte in 90 Minuten zwei Ballkontakte. Das ist ein ganz fauler Hund. Am Ball war er super, aber sonst?“

Felix Magath fuhr dann noch einmal hin, sah ein Spiel, flog zurück und sagte: „Was soll ich sagen über einen, der zweimal am Ball war?“ Agüero wechselte für angeblich 23 Millionen Euro zu Atletico Madrid, und nun sagt Hoeneß: „Es kann sein, dass der in zwei, drei Jahren richtig gut ist. Aber so lange haben wir nicht Zeit. Wenn wir einen Transfer dieser Größenordnung machen, dann muss der sitzen.“

Das sagt im Grunde alles über die Bayern-Politik aus.

Aber Hoeneß schließt derlei Aktionen nicht völlig aus, vielmehr wartet er nur darauf:

„Ich stelle mir einen 25-Jährigen mit einem tollen Charakter vor“, sagt er, „von der Qualität her einen jungen Ronaldinho. Da kann man dann schon mal an 25, 30 oder 40 Millionen Euro denken.

Alle müssten von ihm überzeugt sein, und er müsste sagen: Ich will zum FC Bayern. Dann müsste man mit Sponsoren reden und ihn als Figur aufbauen. Wenn das alles passt – dann kann man schon einmal so einen Höllenritt machen.“ Was Hoeneß beschreibt ist allerdings eher ein Höllenritt unter Umgehung der Hölle – es ist ein nachgerade himmlischer Transfer. Ein Traum.

Ein Traum den alle in der Bayern-Familie haben, hoffen wir weiter!

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0 Gedanken zu „Kaufmann, konservativ und Sicherheitsfanatiker

  1. Und genau deshalb regieren sie – bis auf manche wohltuende Ausnahme – die Liga, abe reben auch nur diese.
    Denn – Achtung, kühne These – um auch europäisch ganz vorne dabei zu sein, muss man vielleicht mal das ein oder andere Risiko gehen. Sonst wechlsen die SPielr, dei ein UH nicht kennt, woanders hin, überproportional oft zu anderen internationalen Spitzen-Mannschaften. Und spätestens hier hinkt die ganze Geschichte ein wenig, wenn man die Kaufkraft völlig außer Acht lässt.
    Andererseit passen so Typen wie RSC oder dos Santos da prima rein in die Theorie, die kannte man wohl noch nicht gut genug.

    Andererseits werden sie wohl den einen oder anderen noch kennenlernen *kaluerundwech*….

  2. Eine Abkehr von dieser Politik wurde ja nun einmal vollzogen. Ob’s was bringt, werden wir sehen. Auf jeden Fall ist mal der Scheinwerfer wieder ein wenig mehr auf den FC Bayern und die Bundesliga gerichtet.

    Das Problem mit Südamerikanern ist oft die Mentalität, die Sprache und das Klima. Vor allem, wenn sie jung nach Europa wechseln, gibt es viele Probleme. Speziell bei Sosa hat UH aber endlich mal explizit gesagt, dass es ein Versuch und ein Risiko ist, man es allerdings eingehen wolle…

    Warten wir einmal ab, ob’s klappt.

    Gerade Werder hat zwar immer einen guten Riecher, was nachrückende Spieler betrifft, bedient sich aber in der Regel auch nur im europäischen Ausland – und wann gab es beim HSV den letzten Spieler aus Ãœbersee, der erfolgreich war?

  3. HSV, Ãœbersee, erfolgreich? Du machst Witze, oder? 😉
    Kennst Du noch Nando? Ãœberse: ja, HSV: dito, erfolgreich *hüstel*…

    Mir fällt spontan keiner ein, zumindest keiner, der nicht vorher in D /EU spielte. Moment mal, da war doch Ledesma, 5 mio. und nix gebracht… Davon fallen mir jede Menge ein..

  4. hab den Artikel gerade wiedergefunden und freu mich diebisch über das Hoeneß-Zitat über den 25-jährigen mit tollem Charakter: Ham wir ja jetzt!

  5. Ende