Strohfeuer über der Wupper

Das Übliche. David gegen Goliath. Goliath ist immer der FC Bayern. David in wechselnder Besetzung. Diesmal kam er von der Wupper.

Ferner keine Live-Bilder im TV, aber dafür finden Fans ja Auswege.

Ärgern würde ich mich, wenn ich für’s Bayern-TV Geld bezahlt hätte und der Stream dann beim Spiel abstürzt. Die ganze Zeit WDR2 zu hören ist andererseits auch kein Genuss. Für Bayern-Fans. Ein kurzer Wind aus den 80ern umwehte meine Erinnerungen. So haben wir hier im Westen den ersten Live-Kontakt zum Fußball, zu den Bayern bekommen (und die Schotts und Hanschs haben durch ihre Freude an der Bayern-Niederlage unsere Liebe noch verstärkt).

Frau T. erzeugte bei mir gestern die gleichen Gefühle wie damals. Ihr merkte man natürlich Freud und Leid über den Spielstand, wie immer auch in der Stimme an. Egal. Zum Spiel.

Bayern stark. Die Führung mehr als verdient. Dann der Ausgleich wie aus heiterem Himmel. Und hätte Lucio seine Gliedmaßen unter Kontrolle, hätte Wuppertal wohl jetzt noch kein Tor geschossen. So aber wurde der David-Geist geweckt und die ganze Republik witterte Morgenluft. Bleistifte wurden gespitzt, Tastaturen gequält. Was sich für den Rest der Halbzeit anschloss, ließ die ARD wohl vollends bereuen, „endlich“ mal nicht das Bayern-Spiel gezeigt zu haben. Vor allem, wenn man den Langweiler danach bewundern durfte…

Tor folgte auf Tor. Emotion auf Emotion. Natürlich auch bei mir. Vor allem Wut, weil ich nichts sehen und somit einschätzen konnte, ob uns das Spiel entgleitet, oder die Tore „aus Versehen“ fielen.

Zur Halbzeit dann also ein 2:2 und alle Aussenstehenden schwelgten in Sensationsgelüsten. Persönlich war ich da hin- und hergerissen. Ob die Bayern in HZ2 Gas geben, oder das Spiel, den ersten Titel herschenken würden.

Die Gas-Option wurde gewählt, inzwischen auch von Augenzeugen-Seite bestätigt. Stille über weite Teile der zweiten Halbzeit in der 90%tigen WSV-Arena. Recht so. Und der Torschütze zum 5:2 machte gerade in Gelsenkirchen besonders Spaß…

Jetzt also Viertelfinale. Noch zwei Siege bis Berlin.

Auslosung am Samstag. Schon wieder ein Münchner Derby? 😉

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0 Gedanken zu „Strohfeuer über der Wupper

  1. Ja. Gas gegeben in der zweiten Halbzeit stimmt. Aber nur weil a) zwei frühe Tore fielen, Wuppertal danach aufgab und b) der WSV (Stadionsprecher: „Gib mir ein W! Gib mir ein S! Gib mir ein V! Was ist das?“ Bayern-Kurve: „Winterschlussverkauf!“) offenbar nur Kondition für 50 Minuten Fußball hat.

    Die erste Halbzeit war einfach nur unterirdisch aus Münchener Sicht. Die Überlegenheit der Bayern bis zum 1:1 gründete ausschließlich auf kreisligamäßiger Ballkontrolle und Nervosität der Wuppertaler. Nicht zu vergessen gab es übrigens die ersten beiden guten Chancen durch die Wuppertaler.
    Die Bayern-Tore fielen genauso aus dem Nichts, wie die der Wuppertaler. Nur mit dem Unterschied, dass unsere Abwehrspieler etwas souveräner und talentierter und besser ausgebildet sein sollten, als die der Wuppertaler. Was Kahn sich bei dem Eckball vor dem 1:1 gedacht hat, weiß nur er selber. Was van Buyten in der Startaufstellung zu suchen hatte, weiß wohl nicht mal mehr Hitzfeld heute. van Bolzen sah man ab Minute 1 die nackte Angst an, seine allerletzte Chance auf einen Platz in der Startelf zu verbocken. Genauso spielte er dann auch. Sein Tor in der zweiten Halbzeit interessiert da nicht, sein Beruf ist Abwehrspieler und auf dem Arbeitsplatz ist er einfach eine Vollgurke.

    Bayern lieferte in der ersten Halbzeit frechen, überheblichen Standfußball ab. Es war in den ersten 30 Minuten wirklich fast keine Bewegung im Spiel. Und wenn Wuppertal mal Nadelstiche setzte, brach sofort das Durcheinander im Bayern-Strafraum aus. Beängstigend.

    Wenn man mal ehrlich ist, hat man gestern gegen eine konditionell erschreckend schwache (denn wirklich gerannt ist der WSV nur 20 Minuten in der ersten HZ) und technisch überraschend beschränkte Drittligamannschaft gewonnen. Es muss einem Angst und Bange werden vor der Rückrunde. Selbst Rostock dürfte am Freitag mit so einer Bayern-Mannschaft keine Probleme haben.

    Natürlich hat die zweite Halbzeit Spaß gemacht. Da wurde gezaubert und gewirbelt (und da wurden 37 gefühlte Torchancen im Minutentakt leichtfertig verdaddelt).

    Aber so richtig freuen kann man sich nicht über einen Sieg gegen (in der zweiten Halbzeit) 11 Slalomstangen, die vollständig anwesende Stadt Wuppertal und einen absurd überdrehten peinlichen Stadionsprecher („Kommt Jungs, die zwei Tore holen wir locker auf!“, beim Stand von 2:4…).

  2. @Oliver: Klar, ist natürlich spannender, den Bayern 35 Minuten beim Schaulaufen zuzusehen (nach dem 2:4), als ein Spiel, wo es u.a. in den letzten zehn Minuten noch zwei Elfer gibt…

  3. @Franck: Tja. Ich war nicht anwesend und hatte keine Live-Bilder. Nur überdrehte WDR-ReportInnen. Vielleicht hätte ich das sonst ähnlich gesehen. Kann man nix machen…

    Ob’s gegen Rostock so schlimm wird (bleibt), schauen wir dann endlich alle am Freitag!

    @Nick: Ich sprach aber in erster Linie von den Ereignissen in HZ1 (beim Bayern-Spiel). In Dortmund war’s auch spannend. Klar. In den letzten 10 Minuten. Oder würdest Du eventuell soweit gehen, dass Dein BVB jede Menge Dusel gegen Werder hatte?!

  4. Na ja, bis zur 80. Minute stands ’nur‘ 1:0, insofern wars ein knappes und spannendes Spiel, und die letzten zehn Minuten haben noch eins draufgesetzt. Hochklassig wars nicht, aber das Spiel in der Turnhalle ja offensichtlich auch nicht.

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  6. Ende