Aller Ehren wert, Herr van Buyten

Unser Innenverteidiger Daniel van Buyten hat ein Interview gegeben. Ein sehr offenes noch dazu.

Dafür meinen Respekt, Herr van Buyten!

Ich habe auch das größte Verständnis für die Begründungen seiner Formkrise. Ich bin selber Vater, zweifacher sogar, und weiß, wie sich sowas anfühlt und dass man da durchaus mal Konzentrationsprobleme im Job bekommen kann. Wenn man die Nacht zuvor nicht wirklich geschlafen hat, zum Beispiel.

Ebenso ist die ausgeprägte Angst um das Leben enger Angehöriger ein guter Grund.

Andererseits reden wir hier vom professionellen Fußball. Das heißt, es ist der Beruf, ein gut bezahlter obendrein, der Herren in den kurzen Hosen, gegen diesen Ball zu treten.

Wenn ein Vater, der, sagen wir mal Herzchirurg oder Pilot oder Ingenieur im Atomkraftwerk ist, mit derlei Problemen zu kämpfen hat, dann sollte der sich krank melden, mit seinem Dienst ein wenig aussetzen. Dafür hätte doch jeder Verständnis, oder?

Schließlich will man doch verhindern, dass so eine OP schiefgeht, so ein Flugzeit abstürzt oder ein AKW hochgeht.

Wieso ich derlei erwähne?

Weil Herr van Buyten in der Halbzeitpause des letzten Heimspiels gegen Frankfurt – aus freien Stücken – zum Trainer gegangen ist und um seine Auswechslung gebeten hat.

„Ich habe mich nicht wohl gefühlt, im Kopf und auch körperlich. In der Pause habe ich gezittert, ich war einfach nicht fit. Ich wollte nicht raus, weil ich keinen Mut mehr hatte zu spielen. Ich wollte das beste für den FC Bayern – und in dieser Verfassung hätte ich der Mannschaft nicht helfen können.“

und weiter

„Es ging mir in dieser Situation um den FC Bayern, um die Mannschaft, um den Sieg. Glauben sie ja nicht, daß es einfach für mich war, mit dieser Entscheidung zum Trainer zu gehen. Aber in diesem Moment war mir nur wichtig, dass wir gewinnen. Und ich hatte das Gefühl, dass ich dazu nicht 100 Prozent beitragen konnte.“

Noch einmal: Ich habe das größte Verständnis für seine Probleme und seine Verfassung, ich kann die Gründe mehr als nachvollziehen, aber bitte, wieso hat er das nicht viel früher gemacht?

Wieso hatte er nicht viel früher diese Einsicht und somit die Chance genutzt, all die anderen Gegentore zu verhindern, an denen er mittel- und unmittelbar beteiligt war?

Das werfe ich ihm vor. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Gute Besserung, Daniel!

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21 Gedanken zu „Aller Ehren wert, Herr van Buyten

  1. @Paule: Wieso hat Robert Enke sich keine professionelle Hilfe geholt?

    Die Profis werden doch von Kindesbeinen an darauf gedrillt Siegertypen zu sein. Da ist das Eingestehen von eigenen Schwächen schwierig.

  2. Respekt für van Buyten, dass er das gemacht hat, auch wenns spät war. Aber ich denke, wenn man von privaten Problemen betroffen ist, kann man es schlecht einschätzen, ab wann die Leistung so schlecht ist, dass man die Reißleine ziehen sollte.

    Und für einen Bock oder für ein verschuldetes Gegentor war er ja immer gut, das ist auch nicht schlimm, das waren viele (Lucio, Demichelis, Kuffour, Babbel, Jeremies…) und das macht auch teilweise ihren Charme aus und schärft das Profil (das soll jetzt nicht zynisch gemeint sein, sondern vielmehr so, dass ich gerne bereit bin, solche Fehler auch zu verzeihen).

    Beim nächsten Einsatz wird er einfach wieder in der 85. eingewechselt und köpft die Bayern als Mittelstürmer zum Sieg, das wird ihm bestimmt guttun 🙂

    Wie gut jedenfalls, dass Bayern da mit LvG einen sehr verständnisvollen Trainer hat, für den immer der Spieler als Ganzes wichtig ist und der auf solche Zeichen sehr wohl auch anspricht.

  3. sprichst mir aus der seele.
    letztes jahr nach dem enke-tod regten sich viele leute auf, warum denn niemand in hannover etwas bemerkt hat von seinen problemen.
    bei der grossen familie fcb wäre sowas nicht passiert…

    jetzt hat einer der „unsrigen“ offensichtlich probleme und wird trotzdem kritisiert?
    „gejammer“ sei das nur…da fehlen mir die worte!
    gibt es sie also doch noch, die „erfolgsfans“?
    auch unter uns?
    vbuyten der fels in der brandung, der siegtorschütze in der 92.
    …geiler macker! schulterklopfer überall.

    aber es gibt auch den vbuyten wie wir ihn jetzt (leider) sehen.
    völlig von der rolle; weshalb auch immer…
    indiskutable leistungen zum teil, klar:
    ABER: er stellt sich der situation, gibt fehler zu, geht zum trainer und sagt
    „es geht nicht mehr“.
    DAS ist für mich wahre stärke, und kein gejammer!
    (auch wenn er ca. 2.450.000 euro mehr verdient als ich 😉 )

    respekt von meiner seite für die ehrlichen und selbstkritischen äusserungen.
    kopf hoch daniel! wir brauchen dich!

  4. In dem Interview spricht er auch seine nicht optimale körperliche Verfassung (aufgrund von diversen Problemen zu Saisonbeginn) an. Wie passt denn das mit van Gaal’s genereller Ansage, dass nur fitte Spieler auf den Platz kommen, zusammen?
    Ich habe für DvB ebenfalls absolutes Verständnis, aber die Erkenntnis, dass er momentan nicht in Topform ist, könnte er auch durchaus schon vor dem Spiel gehabt haben, oder? Gerade bei Bayern werden spezielle Umstände im Bedarfsfall auch diskret behandelt (siehe Tymoschtschuk, Deisler, Hashemian und wahrscheinlich noch ein paar andere, die wir nie erfahren haben).

    Aber sei’s drum, alles Gute, Daniel!

  5. Ich finde, man verlangt zu viel von einem Fußballprofi, wenn man erwartet, dass er wegen persönlicher Probleme plus einiger Fehler auf dem Platz freiwillig auf seinen Platz in der Mannschaft verzichtet. Vielleicht hat DvB den Fußball zuletzt als Korrektiv begriffen, durch das er sich aus seiner privaten Krise freispielen wollte. Wenn seine Leistungen auf dem Platz nicht ausreichend waren, hätte ihn der Trainer nicht aufstellen dürfen (natürlich weiß ich nicht, was intern besprochen wurde). Dass van Buyten nun beim letzten Spiel von sich aus gesagt hat, es habe keinen Sinn, finde ich aller Ehren wert. Er hat das jetzt realisiert – früher hätten das andere entscheiden müssen.

  6. Was soll denn diese endlose Argumentation mit der hohen Bezahlung? Es ist ja nicht so, dass auch nur einer der Fussballprofis daran beteiligt waere, dass das Profifussballgeschaeft sich so entwickelt hat, wie es sich entwickelt hat. Nicht einer war daran beteiligt, ueber die Fernseheinnahmen zu verhandeln, ueber die Sponsorenvertraege oder ueber die Merchandisestrategien.

    Die, die da gerade Fussball spielen, nehmen die Gehaelter, wie sie sind. Und daraus kann man keinem einen Strick drehen, so ist das Geschaeft.

    Und es ist verlogen, deswegen bessere Leistungen von ihnen zu verlangen. Nur weil sie mehr Geld verdienen, sind sie noch keine Maschinen. Auch die Profis haben nur 24 Stunden Zeit am Tag, sind nur Menschen, und nicht schon deswegen zu konstanten Topleistungen verpflichtet, weil sie ueberdurchschnittlich viel Geld verdienen.

    Wenn wir einem Polizisten, einem Bergmann, einem Programmierer oder einem Bankier mehr Geld geben, arbeitet derjenige auch nicht automtisch besser.

    Die Gehaelter werden nicht anhand der Laufleistung, der Passgenauigkeit oder der Konstanz der Spieler festgelegt, sondern an der gesamtwirtschaftlichen Situation einer handvoll erster Ligen.

    Aus den Gehaeltern die Forderung zu ziehen, permanent Hoechstleistung zu bringen, ist absurd. Auf dem Platz entscheidet nicht der Kontostand darueber, ob jemand Hoechstleistungen bringt, es ist nichtmal entscheidend, ob derjenige 5 oder 50 Millionen im Jahr verdient.

    Was entscheidet, ist die persoenliche Fitness, die momentane persoenliche Situation und der Umgang im Verein. Und die sind bei nahezu allen Bundesligaspielern vom Kontostand unabhaengig.

  7. Ich bin in der vB Frage ehrlich gesagt hin- und hergerissen. Auf der einen Seite: Ja, wir sollten nach der Enke-Geschichte auch Fehler zugestehen und so weiter.

    ABER: Dieser Bock, den er gg. Frankfurt geschossen hat war ja nicht aus heiterem Himmel sondern nur einer von vielen, das ändert nichts daran, dass vB in meinen Augen mittelfristig im Kader nichts mehr verloren hat.
    Und warum – da steh ich bei Paule – sagt er nichts vorher? Wie’s Timoschtschuk damals bei seinen Zwillingen gemacht hat…

  8. Das Verständnis für van Buyten ist mit Sicherheit vorhanden. Der Schutz sollte oder müsste hier dann vom Verein kommen. Was man uns und der Öffentlichkeit dann vermitteln würde wäre ja „theoretisch“ egal.

    Wichtig wäre das der Spieler geschützt ist und die Phase unbelastet von der Öffentlichkeit durchbringen kann.

    Leider ist dies ja ein sehr heikeles Thema, bei dem jeder Beteiligte sehr vorsichtig vorgehen sollte.

  9. Zur Frage, warum er nicht früher was gesagt hat: wir sollten da alle ganz vorsichtig sein mit Kritik. Ich vermute (und ich weiß wovon ich rede), daß unser Belgier gerade ein wirklich ernsthaftes gesundheitliches Problem hat. Und ein Symptom dieses Problems ist es, daß es fast unmöglich ist, anderen und vor allem sich selbst gegenüber einzugestehen, daß es nicht mehr geht. Ein weiteres Symptom ist, daß man lernt, gewisse Dinge prima vor anderen zu verstecken. Immer weiter roboten, so läuft unsere schöne neue Arbeitswelt, nicht nur in der BuLi…bis der Körper dann mal ERROR sagt und NICHTS mehr geht…und dann wundern sich alle…und der Betroffene oft selbst am meisten.

    Wer das nicht bei sich selbst oder bei anderen Menschen, die man wirklich gut kennt, erlebt hat, kann sich schlicht keine Vorstellung davon machen, WIE furchterregend das sein kann.

    vB hat diesen Punkt letzten Samstag so gegen 16.17 Uhr erreicht und die Notbremse gezogen. Das war (in ersten Linie) Selbstschutz und erst dann Schutz der Mannschaft.

    Mich würde es nicht wundern, wenn für vB dieses Jahr erst einmal Pause wäre…wahrscheinlich wäre es das Beste für ihn.

  10. Wenn er unter Depressionen leiden würde, hätte er sich ganz bestimmt nicht an die TZ oder eine andere Zeitung gewandt.
    Er hat nun mal eine schlechte Zeit – wie sie jeder von uns wohl mal – und wollte sich für sein schlechtes Spiel rechtfertigen. Daraus jetzt etwas zu stricken, halte ich für gefährlich.

    Anderes Thema: Neuer ist laut vG am Samstag abend auf dem Prüfstand. Ein ganz interessantes Störfeuer, dass er da anbringt. Es könnte natürlich auch nach hinten losgehen und Neuer hält wie ein Weltmeister. Aber dann kommt er wenigstens zu uns.

  11. @Paule:
    Keiner von uns beiden kann beurteilen ob, oder woran vanBuyten leidet. Also ich kann es zumindest nicht.

    Aber du wirfst ihm vor,die Reissleine zu spät gezogen zu haben. Und das kann man so nicht,meiner Meinung nach. Zumindest nicht wenn er krank sein sollte. Wie Jennifer schon geschrieben hat. Wir sind ja erstmal alle gedrillt zu funktionieren.Das Eingeständniss des Problems ist meistens das schwierigste am kompletten Heilungsverlauf.

  12. @Schirmkino: Meinst Du mich damit? Ich habe nur bewertet, was er über das Frankfurt-Spiel gesagt hat, seinem, nach eigener Aussage, schlechtesten Spiel seiner Karriere. Vor Depressionen habe ich den größten Respekt und ich würde dann auch jegliche Kritik der letzten Wochen und Monate zurücknehmen. Offenbar war seine Motivation auf Ansprache des Trainers bzgl. seiner Leistung aber wohl nur gegen Frankfurt vorhanden, von den anderen Spielen sprach er nicht. Deshalb habe ich das getan, denn „scheinbar“ fühlte er sich in diesen Spielen ja besser. Wie auch immer, wir können nicht in seinen Kopf schauen…

    @antikas: s.oben

    Von mir aus, können wir es auch darauf reduzieren: Wenn wir davon ausgehen, dass van Buyten nicht depressiv ist sondern nur Konzentrationsprobleme aufgrund der von ihm beschriebenen Probleme hat und auch schon vor dem Frankfurt-Spiel hatte, dann finde ich, hätte er diesen Schritt doch schon eher machen können. Vor allem – und das ist der entscheidende Punkt – er nur das Wohl des FC Bayern im Auge. Zum Wohle des FC Bayern war es doch nicht gerade, dass er – wenn es so war – um seine Form und Konzentrationsschwäche wusste und trotzdem gespielt hat, oder??

  13. Ich vermute mal, dass van Buyten es einfach immer wieder versuchen wollte, auch wenn es bei ihm gerade nicht lief.

  14. @Paule: Jetzt mal davon ausgehend,das er nicht krank ist.

    Wer geht schon zu seinem Chef und sagt, das es einem nicht gut geht,und das man ne Pause braucht?
    Bei der nächsten Kündigungswelle,steht man dann ganz oben auf der Liste,weil der Chef einen für nicht belastbar hält.
    vanBuyten hofft doch auch auf einen Nachfolgevertrag beim FCB,sieht aber auch das junge IV´s in den Startlöchern stehen,um ihm seine Position streitig zu machen.
    Ich kann das schon verstehen,das er sich länger “ durchgebissen“ hat,als es für den Verein gut war.

  15. Das ist doch wirklich an sich ein bemerkenswertes Interview. Warum er es nicht früher gemacht hat? Angesichts mancher Kommentare seiner „Fans“, die für ein hohes Gehalt die Verwandlung eines Menschen in einen Roboter erwarten, scheint mir das nicht weiter verwunderlich. Und auch wenn die ärztliche Schweigepflicht im Profifussball permanent ausgesetzt wird – seine privaten Probleme gehen die Öffentlichkeit überhaupt nichts an, und wir Außenstehende sollten auch nicht über hypothetische Diagnosen spekulieren. Lasst das mal den Uli machen, der hat das bei Sebastian Deisler, Lars Lunde (ja den gabs mal) und vielen anderen auch ganz gut gemanagt.

    Auf jeden Fall Kopf hoch, Daniel!

  16. @ paule

    Nein, war nicht auf dich gemünzt. Ich meinte eher Jennifer8. Mit solchen Ferndiagnosen sollte man sich einfach zurückhalten. Man kann ja weiterhin seine Leistungen auf dem Platz bewerten, wenn sie schlecht sind, so hat er es ja ausdrücklich gesagt.

  17. da der begriff „gejammere“ von mir kam:

    zunächst hatte ich von den aussagen im teletext gelesen da war vom vater keine rede. als ich dann das originalinterview gelesen habe, habe ich meine aussage relativiert und auf die vaterfreuden bezogen.

    und ähnlich wie paule halte ich den vergleich mit enke für überzogen. man kann das ziehen von konsequenzen aus dieser tragödie damals auch dadurch verwässern, dass das wort „enketod“ zum totschlargument gebraucht wird. nicht jeder profi, dessen privatleben seine leistung beeinflusst (war bei enke außerdem ja garnicht der fall) schwebt direkt über jeder kritik.

    und meine kritik bezieht sich v.a. auf zeitpunkt und art des interviews.

    soweit ich das sehe hat dvb sich auch nicht auswechseln lassen, weil er sich zu schlecht fand, sondern mies gefühlt hat. ich sehe da keinen großen untersched zu einem zwicken in der leiste o.ä.
    das wird man doch erwarten dürfen ohne direkt in jubelschreie auszubrechen. und was haben wir hier alle uns über lucio aufgeregt, als er damals in wolfsburg unbedingt auf dem platz bleiben wollte.
    aber genau das hat das interview erreicht und deshalb sehe ich die ganze sache kritisch.

    nochmal: jeder kann probleme haben und dann soll ihm auch geholfen werden. das hat aber mit der rein sportlichen seite nix zu tun.

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  19. hätte – wäre – wenn
    Ich tendiere in diesen Situationen immer zum „besser spät als nie“.
    Der Mensch neigt nun einmal dazu, Probleme zunächst zu verdrängen oder klein zu reden, aus verschiedensten Gründen.
    Oder auch „nachher ist man immer schlauer“.
    Von daher alles Gute Herr van Buyten, kommen Sie bitte zu unserer aller Wohl wieder schnell (im Kopf) auf die Beine!

  20. …grenzelose Wut im Bauch!So´ne 2te HZ. habe ich lange nicht gesehen,das kam ja einer Arbeitsverweigerung gleich…!30 Punkte holen,das ich lache,so nicht!

    Da muß man erstmal ne Nacht drüber schlafen!

  21. Ende

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