T Minus 13: Schalke 04 – FC Bayern

2:2, 1:1, 0:1, 0:2, 0:1, 1:5, 2:3, 1:1.

So die Bilanz der letzten 10 Jahre. In Schalke. Für die Bayern. Waren ein paar „lustige“ Spiele dabei. Gestern allerdings ging diese humoreske Serie zu Ende. Und obwohl ich nur die ersten 35 Minuten verfolgen konnte, war der Spaß gestern endlich mal wieder ganz auf unserer Seite.

Ich kannte das Gefühl, nah am Auswärtsssieg zu sein, schon aus den letzten Jahren, als die Königsblauen ihre Serie gegen uns nur noch unter Anstrengungen aufrecht erhalten konnten (gab’s nicht im vorletzten Spiel beim 1:1 einen umstrittenen Elfer für Schalke, in der 93. Minute?), aber diesmal war ich mir ziemlich sicher, dass es klappen würde. Ich wurde nicht enttäuscht. Selbst in den Zusammenfassungen, die ich später am Abend verfolgte, hatte mein Eindruck vom Spiel Bestand, dass Schalke aktuell kein wirklicher Gegner für uns ist.

Vielmehr war ich einmal mehr vom Zauber des Ribéry beeindruckt. Von seiner Dynamik, seinem Spiel, der Gefahr, die er dem Gegner einbrockt und gegen die dieser nichts ausrichten kann.

Totale Dominanz. Die einen reden darüber, die anderen haben sie.

Allerdings: Ist es nicht erschreckend, dass die Bayern tatsächlich so abhängig von ihm sind?

Das macht mir ein bißchen Sorge. Vor allem auf die nächste Saison bezogen. Die wird für uns, da bin ich mir inzwischen relativ sicher, bei 9 Punkten auf Platz 3, ja in der Championsleague stattfinden. Und da gibt es in der Endphase der K.O.-Runden nur noch Teams, die sogar mehrere „Ribérys“ haben. Ob das gut geht? Wir werden sehen. Bis dahin zaubert ja schon Klinsi bei uns auf dem Trainingsplatz und in den Köpfen der Spieler…

Zum Spiel fällt mir ansonsten kaum noch was ein. Richtig gute Chancen für Schalke? Also welche, wo wir tatsächlich um ein Gegentor bangen mussten? Eine, vielleicht zwei? Helft mir, Ihr Schalker.

Ok. Die Bayern hatten auch nicht wirklich dutzende Gelegenheiten (nur so ein halbes…). Aber neben der Defensivstärke (trotz Lucio und Jansen) und dem üblichen Abseitstor von Toni, gab’s genug gefährliche Situationen im 16- oder 5-Meter-Raum der Schalker (auch mal wieder für Klose, der nach gefühlten Monaten sein erstes Tor mache und auch sonst viel lebendiger wirkte – weiter so, Miro. Nur noch 15 Tore…), die durchaus zu mehr Toren hätten führen können. Fehlende Konsequenz. Das alte Thema. Gegen gestrige Knappen reichte es auch so. Schlimm vor allem für die Slomka-Kicker. In der Aussenwirkung. Dass es gegen 75%-Bayern nicht reichte.

Apropos Slomka.

Ich persönlich halte es für mehr als unprofessionell, provinziell und daneben, wie der GerneGroß im Schalker Vorstand den Trainer demontiert. Den Trainer, der die Schalker in seinen zwei Jahren in der nationalen Spitze hält und sogar in die Championsleague geführt hat. Ich mag den Slomka. Das hat mit Schalke gar nix zu tun, das vermag ich zu trennen. Wenn ich allerdings die üblichen „Daum-“ und „internationaler-Top-Trainer“-Fantasien im Umfeld des Meisters-der-Herzen höre, kommt es mir schon wieder hoch.

Mal eine klar Aussage eines Aussenstehenden: Schalke hat kein Problem auf dem Rasen oder auf der Bank. Schalke hat nur an zwei Stellen ein Problem: In der Führungsebene und in der Erwartungshaltung, der Tradition.

Beides übrigens seit vielen Jahrzehnten.

Für vernünftige Schalker ist das sicherlich keine Neuigkeit, aber gefangen ist der Verein trotzdem in dieser Spirale.

Wenn Schalke weniger an, über und in Bezug auf Szepan, Kuzorra, 1958, 2001 und den Pott denken, reden, fühlen, hängen und handeln würde, wären sie wahrscheinlich schon längst da wo sie hinwollen. Bei der Meisterschaft. Man steht sich einfach selbst im Weg.

Eichberg, Assauer, Schnusenberg und Co. – vom Sonnenkönig bis Schattengewächs ist alles dabei gewesen. Aber das Problem gibt’s ja in Lautern auch. Ergebnis bekannt (für Schalke dagegen imho so nicht möglich).

Nein. Der Zug zum 50-jährigen Jubiläum ist mit nun 12 Punkten Abstand für Schalke abgefahren.

Für die Bayern nimmt er jetzt erst richtig Fahrt auf, der Meister-Express. Vier Heimspiele in den nächsten sechs Partien. Das hört sich gut an (wenn wir keine Heimschwäche hätten, aber jetzt gibt’s ja wieder den kleinen Franzosen). Allerdings sind das fast alles englische Wochen und wenn sich Ribéry nur einmal schlecht aufwärmt – aber die Temperaturen steigen ja jetzt wieder. Werden wieder mehr wie Marseille. Mehr wie August.

Fühlt sich gut an diese Perspektive.

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0 Gedanken zu „T Minus 13: Schalke 04 – FC Bayern

  1. Pingback: God verdammich! Breitnigge.de - Ärmel hoch. Stutzen runter. – Das Weblog über Bayerns Traumduo der 80er, die Bundesliga und den ganzen Rest.

  2. Meiner Meinung haben wir gar keine Heimschwäche. Wer würde davon reden, hätten die Schiris in den Spielen gegen Hamburg und Bremen jeweils nur einen Fehler weniger gemacht und jeweils das 2:1 für Bayern gegeben?!
    Dann hätten wir jetzt ein 6:0 gegen Piräus, ein 2:1 gegen Hamburg und Bremen und ein 5:1 gegen Aberdeen. Nicht wirklich ne Heimschwäche, oder?

    Ich hab keinen Bock, eine Heimschwäche zu haben, weil Schiedsrichter regulären Toren die Anerkennung verweigern.

    Wie Oli sagt: Bis auf die Chancenverwertung ist Bayern am Optimum. Zuhause und auswärts.

    Zu Ribery: Ich finds im Augenblick nicht schlimm, von Ribery abhängig zu sein. Er ist in etwa so wichtig für die Mannschaft, wie sich seine Ablösesumme zu den Geldern verhält, die der Rest des Teams gekostet hat. Sonst wäre er auch zu teuer gewesen. Ich freue mich über jedes Spiel, in dem er dabei ist. Ohne ihn hat Bayern ja nun auch nicht gerade in Serie verloren 😉 bei der einzigen Niederlage in Stuttgart stand er ja sogar auf dem Platz. Ja, ideenmäßig sind sie total abhängig von ihm. Total. Aber das war zu Ronaldinhos Topzeiten in Barcelona genauso, dass die regelmäßig ohne ihn sehr einfallslos gespielt haben (da gabs da noch keinen Messi). Ebenso Real Madrid mit Zidane. Selbst die waren über 1, 2 Jahre abhängig von seinen genialen Momenten und Einzelaktionen. Bestes Beispiel das CL-Finale gegen Leverkusen, was ohne Zidane niemals gewonnen worden wäre.

    Ich glaube auch nicht unbedingt, dass andere Mannschaften in der CL mehrere „Riberys“ haben. Von Real (Robinho, Robben) und Barca (Messi, Iniesta, Ronaldinho) mal abgesehen. Ribery ist aktuell unbestritten einer der besten Spieler der Welt, die Mannschaft um ihn rum wird in der kommenden Saison noch besser zusammenwachsen, und mit Klinsis Hilfe ein klasse Team werden, um in der CL (mit etwas Losglück) sehr sehr weit zu kommen.

  3. Eine Heimschwäche sehe ich auch absolut nicht, dazu müsste mal eine Niederlage und ein, zwei nicht gewonnen Spiele kommen, die gravierende Auswirkungen auf den Vorsprung gegen über dem Rest hätten. Und in Anbetracht der bisher kassierten 11 Tore in 22 Spielen (wo liegt da eigentlich der Rekord für eine Bundesligasaison?) kann man sich mit dem Toreschießen ja auch mal zurückhalten…

  4. Der Rekord liegt bei Bremen aus der Saison 88/89: 22 Tore.
    Haben sie gestern auf Premiere gesagt. Das sollte zu knacken sein!!!

  5. @ Franck: Zum Bremenspiel und den Toren: Guck mal in den anderen EIntratt über „schon komisch Herr Schaaf“ und zum HSV: Hab zwar das Spiel grad nicht mehr im Kopf, ich weiß aber noch, dass dem einzigen Bayerntor ein falscher EInwurf vorausging, der die Hamburger so verwirrt hat, dass Bayern schnell das TOr machen konnte….

    wobei wir wieder dabei wären, was du ja eh anzweifelst: Das Tore immer (oft) dann fallen, wenn der Gegner in der Vorwärtsbewegung ist (da dann die Abwehr noch nicht sortiert ist, dazu braucht sie ca. 20 Sekunden) oder auch nach schnell ausgeführten Freistößen, wo die Abwehr auch abgelenkt ist. Oder eben nach unberechtigten Einwürfen… also bleib ma auf dem Teppich. Das passt schon mit den beiden unentschieden, Bayern macht zwar das Spiel, aber eben zZ zuwenig Tore…

    Leverkusen macht eigentlich auch immer das Spiel und trifft auch oft zu selten… „das Spiel machen“ ist zwar schön anzusehen aber zählt halt im Fussball nicht… sonst wäre Leverkusen schon mal Meister geworden…

  6. Wie man in meinem Blog schon zu genüge lesen konnte, bin ich selbst Kritiker der aktuellen Vereinspolitik des FC Schalke 04.

    Völlig anderer Meinung bin ich aber in diesem Punkt:

    „Wenn Schalke weniger an, über und in Bezug auf Szepan, Kuzorra, 1958, 2001 und den Pott denken, reden, fühlen, hängen und handeln würde, wären sie wahrscheinlich schon längst da wo sie hinwollen. Bei der Meisterschaft.“

    Dieses denken, reden, fühlen, hängen und handeln ist ein ganz wichtiger Baustein des Kapitals des Clubs. Schalke war nicht 18 x Meister und immer oben präsent. Zweite Liga, kurz vor der Regionalliga, öfters fast Pleite, Unruhen allenthalben. Aber eben immer interessant und immer mit diesem denken, reden, fühlen, hängen und handeln!
    Nur so konnte dieses enorme Potenzial durch die drögen Jahre geschleppt werden. Ein Verein mit den sportlichen Problemen des FC Schalke 04 in den letzten 30 Jahren und gleichzeitig so sterbenslangweilig wie Werder Bremen, wäre heute ohne jegliche Perspektive.

    Und hier noch ein Lesetipp.

  7. guten morgen,
    kurzer einblick mal, ich stand nämlich im lustigen plastik-käfig in der veltins arena 😉

    ich bin grundsätzlich enttäuscht!

    1. von schalke an sich, die brachten nicht wirklich stimmung auf, und da reden sie immer von den besten fans in der liga. irgendwie wars nur immer wieder schön laut, wenn sie meinten einer der irren wäre gefoult worden oder beim einzug der bayern. ok in der zweiten hälfte waren wir nicht wirklich laut, aber wir waren da. ich war bis gestern früh heißer 😀

    2. von dem schalke außenrum! ich war bisher in vlt 3-4 stadien bei auswärtsspielen oder neutralen spielen für mich. überall wurde zumindest kurz das tor gezeigt auf der videoleinwand. schalke: fehlanzeige. es wurde nur immer hämisch werbung gezeigt, die bei fouls an schalkern die heimherren als opfer darstellt und, das find ich fies, umgekehrt immer als schwalben deklariert. sehr komische masche!

    3. von gelsenkirchen: ich dachte das wäre seit 2006 eine weltstadt! in leipzig, berlin, nürnberg und münchen hängen vom bahnhof über das gelände verteilt immernoch die schilder „da gehts zum stadion“, und das vor allem in ubahnen und so. in gelsenkirchen: fehlanzeige. weder war der gästeblockeingang ausgeschildert, naja sie wurden wohl abgebaut. dazu find ich es sehr schwach das man suchen muss wolang man gehen muss um zum parkstadion zu kommen. einfach mal hinpilgern sag ich da nur.

    das sind meiner meinung nach 3 fetter minuspunkte für ein weiteres auswärtsspiel auf schalke. die bahn hat ihr übliches dazugetan bzw emma.

  8. @Torsten: Will ich nicht abstreiten. Aber ähnlich wie in Kaiserslautern liegen der Schatten der Vergangenheit über den aktuellen Teams. Findest Du nicht, dass das ein wenig lähmt? Das ewige Gequatsche von 1958 und wann es denn mal wieder soweit ist?

    Diese Ruhrpottkiste stört, zugegeben, wohl eher nur mich…
    😉

  9. @ Zello

    Tut mir leid, dass die Fahrt für Dich enttäuschend war. Aber stell Dir mal bitte vor, wie enttäuscht unsereins wohl gewesen sein mag …
    Ansonsten kann ich nicht wirklich nachvollziehen, wie man nicht wissen kann, ob man nun in DREI oder VIER anderen Stadien gewesen ist?! Vielleicht kannst Du Dich ja auch an ein paar nette Begebenheiten einfach nicht erinnern.

    @ Oliver

    Man „verkauft“ was man hat, was einen von anderen Clubs unterscheidet. München verkauft Superlative, Bremen kokettiert bewusst mit nordische Sachlichkeit. Auch St. Pauli verdient Geld mit dem Image des achso anderen Clubs und Mainz gibt sich als Karnevalsverein.
    Schalke war ein Periode lang der stärkste Club des Landes und gibt sich als Altmeister und Arbeiterclub. Vieles dabei ist Mumpitz, aber dass das schadet, denke ich nicht. Ich denke, Ribery, Diego, Karhan, Rafinha und wem auch immer von St. Pauli ist das relativ wurscht.
    Was schon auf den Sack geht ist natürlich dieses Image des ewigen Zweiten. Und so was kann auch beeinträchtigen, denke ich. Aber das steuert der Club ja nicht.

  10. @herr wieland: schaumal auf die uhrzeit, da war ich noch im halbschlaf und hab so halb mein müsli gegessen. ich wollte nicht nachdenken bei wievielen auswärtsfahrten ich denn nun war und wann und wo.
    zugegeben, es war die weiteste bisher. und über die bahn hab ich bisher auch nicht gemeckert, und a net über emma. das sind 2 andere paar schuh.

    ich habe auch die positiven eigenschaften des stadions erstmal nach hinten gestellt bzw habe das spiel nicht weiter analysiert. das würde sonst nen eigener blog-eintrag werden 😉

  11. Ende