T Minus 22: VfB Stuttgart – FC Bayern

Na bitte. Soll bloß keiner sagen, ich hätte das nicht vorhergesehen.

Zwei Spiele in knapp über 40 Stunden. Dazu noch eine Rotation, die offenbar fehlgeschlagen ist. Am Donnerstag ein Gegner, der sich mausetot in die Niederlage fügte, um dann doch noch per Geschenk zum nicht wirklich verdienten Punktgewinn zu kommen und gestern ein Deutscher Meister, der in der Championsleague den deutschen Fußball inzwischen vier Spieltage lang blamiert hat (und somit die Ballack-Bayern ablösten), nur um sich offenbar für dieses Spiel aufzuheben.

Der FC Bayern ist und bleibt immer der perfekte Aufbaugegner. Auch gestern wieder. Für Mannschaften. Für Spieler. Ludovic Magnin. Am Mittwoch wollte man ihm noch seinen erlernten Beruf absprechen. Gestern spielt er auf seiner Seite einige Bayern schwindelig. Das er mir nach dem letzten Gastspiel im Frühjahr nun erneut als sterbender Schwan in Erinnerung bleibt. Geschenkt. Aber der Reihe nach.

Aufgrund von familiären Verpflichtungen konnte ich vom Spiel keine Live-Bilder sehen. Der Sms-Ticker reichte mir aber völlig, um zu erkennen, dass ich offenbar nichts verpasst hatte. Zum Glück erwischte ich dann noch die Sportstudio-Wiederholung auf 3Sat und zog mir zusätzlich noch die nächtliche Arena-Wiederholung (der zweiten Halbzeit) rein.

Zusammen mit den DSF-Berichten heute morgen zeigte sich mir allerdings ein differenzierteres Bild als es Sms-Ticker zu sagen vermögen.

Die Bayern geraten also früh in Rückstand, weil sich der zuvor bärenstarke und am Donnerstag geschonte Demichelis bei der Magnin-Flanke (die Lell verhindern muss) völlig verschätzt und der Ball Gomez auf den Bauch und von da ins Tor fällt. Das auch Herr Kahn, ebenso wie Herr Rensing nicht vor sich drehenden oder springenden Weitschüssen sicher ist, zeigte sich beim 2:0. Fein. Auch diesen Schuss muss eine unserer Defensivkräfte zuvor verhindern. Hätte sie wohl auch. Vor 2-3 Wochen…

Trotz des 2:0 spielten die Bayern aber weiter. Überraschend, oder? Und jetzt kommt’s. Meiner Meinung nach hätten sie zeitnah den Ausgleich erzielt. Denn nach Studium der TV-Bilder und diverser Zeitlupen, würde ich sowohl das abgepfiffene Toni-Tor (das war ein Aufstützen? So so. Werd‘ ich mir mal für später abspeichern) als auch den völlig zu Unrecht zurückgepfiffenen Abseits-Kroos mit seinem Pfostenschuss und einem danach vor dem leeren Tor stehenden Zé Roberto, als potentielle Wende im Spiel betrachten.

Beiden sah der Schiedsrichter leider anders. Und so kam es, wie es kommen musste, die Bayern fangen sich noch ein drittes Gurken-Tor. Schlimmer geht’s nimmer. Demichlis (heute nur ein Schatten, auf 2006er-Niveau) bleibt nach seinem Luftzweikampf liegen und gibt Gomez so die Möglichkeit, völlig frei vor Kahn, nach den Billiard-Kombinationen der Stuttgarter im 5-Meter-Raum, den Ball ein zweites Mal über die Linie zu stochern.

Im Nachhinein ein merkwürdiges 3:0 zur Pause.

Aber es hilft ja nichts. Was ich heute Nacht in der Arena-Wiederholung der zweiten Halbzeit gesehen habe, hat mich auch nicht wirklich glücklich gestimmt. Irgendwas ist da in den letzten beiden Spielen passiert. Die Spieler, die vor drei Tagen noch geschont werden sollten, spielten tatsächlich aber ganz und gar nicht ausgeruht, sondern eher rhythmusgestört.

Klar verzockt, Herr Hitzfeld, oder?

Soll man jetzt von Glück oder Pech reden, dass erneut eine 14-tägige Länderspielpause auf dem Plan steht? Keine Ahnung.

Noch ein paar Restgedanken:

Toni Kroos.

Gut, dass er endlich mal von Anfang an ran durfte. Aber wieso dann gerade in diesem Spiel? Auch hier ein Risiko, was Hitzfeld einholte. Zwar war er noch einer des Besten, aber Kroos ist trotz Lobeshymnen (auch von mir), immer noch erst ein 17-jähriger, dabei aber kein Raul. Noch nicht.

Franck Ribéry.

Spielte er in den letzten beiden Spielen noch mehr oder weniger stark und hatte die Mannschaft an einigen Stellen einfach nur Pech, sahen wir gestern wohl einmal die Schattenseite dieser Personalie. Bayerns Gegner scheinen inzwischen ein ganzes Arsenal an Anti-Ribéry-Maßnahmen zu besitzen und dies nervt selbst ihn mehr und mehr. Anders kann ich mir die eine oder andere Aktion nicht erklären, die man früher nur van Bommel oder Effenberg zugeschrieben hätte. Das muss sich wieder ändern. Und noch etwas muss sich (in der nächsten Saison) ändern: Wir brauchen einen zweiten Ribéry. Als Fallback.

Lucio.

Energisch wie immer. Siegeswille pur. Willenskraft. Und angefressen. Das alles war Lucio gestern. Und dazu ein Magnin. Das konnte nicht gut gehen. Verdiente rote Karte. Allein wegen der Dummheit, sich so provozieren zu lassen. Ich rechne mit einer Sperre von zwei Spielen. Was wiederum ganz andere Fragen aufwirft. Demichelis in der gestrigen Form und daneben ein van Buyten? Gute Nacht.

Miroslav Klose.

Was ist los? Ich weiß es einfach nicht. Liegt es nur an der aktuell schwächelnden Kreativ- und Pass-Abteilung? Ein Toni spielt mit den gleichen Problemen doch auch immer noch einigermaßen auf Normalform. Woher kommt also diese Lethargie? Schlummernde Verletzungen? Sonstige Probleme? Die sollten schleunigst gelöst werden!

Und sonst?

Wir sind immer noch Tabellenführer. Immerhin. Durch einen erneut zu hohen Heimsieg hat Werder allerdings inzwischen mehr Tore erzielt als die Bayern. Vor Wochen schien mir das für diese Saison noch völlig unmöglich. So schnell kann’s gehen. Was mir aber am Bremer 4:0 besonders gut gefallen hat war der Gegner. Der KSC hat auch im Heimspiel gegen uns deutlich und ein wenig zu hoch verloren. Aber die haben gespielt. Offensiv. Fußball eben. Gegen die Top-Teams geht das schon mal nach hinten los. Aber dahinter steckt ein Konzept. Ein Plan. Ein moderner gar (mit Erfolg, wie die Tabelle zeigt). In jedem Punkt ist der KSC das Gegenteil von Vereinen wie Eintracht Frankfurt. So etwas habe ich letzte Woche auch gemeint.

Karlsruhe. Eine Mannschaft, die jeder braucht!

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0 Gedanken zu „T Minus 22: VfB Stuttgart – FC Bayern

  1. Da ich gestern auch die erste Halbzeit sehen musste, habe ich einige Dinge anders wahrgenommen:

    Stuttgart machte gestern sicher sein bestes Spiel seit dem 2:0 gegen Bayern in der Vorsaison. Überragend. In den ersten 10 Minuten war Bayern faktisch nicht auf dem Platz. Das habe ich in dieser Deutlichkeit seit Jahren nicht gesehen. Stuttgart gewann alle Zweikämpfe, spielte so, wie sonst Bayern gegen unterklassige Gegner. Mit dem Unterschied, dass jede Torchance auch drin war.

    Ich würde nicht sagen, dass Bayern durch den Schiri der Ausgleich verwehrt wurde. Man muss so fair sein zu sagen, dass Stuttgart in diesem Fall wohl direkt nachgelegt hätte. So war auch die zweite Halbzeit nur deshalb neutral von den Spielverhältnissen, weil Stuttgart nichts mehr machte. Beschämend sowas für Bayern, wenn der Gegner sich sowas leisten kann.

    Es war natürlich entsetzlich gestern, sich das anzusehen, aber jetzt im nachhinein war es schlicht und einfach die erste Saisonniederlage am 13. Spieltag. Immer noch Erster. Immer noch die meisten Siege, die wenigsten Niederlagen, die beste Abwehr. Platz 1 und 2 in der Torschützenliste.

    Wovor ich mich eigentlich jetzt fürchte:

    Van Buyten für Lucio in den nächsten vier Spielen (Ich glaube nicht, dass Lucio als Wiederholungstäter mit nur 2 Spielen Sperre davon kommt. Ich gehe von 4 Spielen aus.)

    Der wildgewordene Rummenigge. Glaubt eigentlich irgend jemand hier noch, dass Hitzfeld verlängert? Nach dem Spruch von KHR gestern „Es gibt immer zwei Vertragspartner.“
    Da integrierst du (bis auf Sosa) alle Neuzugänge auf Anhieb, bist Tabellenführer in BuLi und Uefa-Cup, änderst deinen Stil vom „1:0 Hitzfeld“ auf „Hurrafußball“, verlierst das erste Spiel seit 23 Pflichtspielen und prompt wird dir von deinem Chef der Sachverstand abgesprochen.

    Wenn ich Hitzfeld wäre, würde ich NIEMALS meinen Vertrag verlängern wollen. Nicht bei einem Verein, der einen erst rausschmeißt, dann sich wieder ranschleimt, damit man wieder zurück kommt und einen dann direkt wieder bei der ersten Gelegenheit in die Pfanne haut.

    Das hat Hitzfeld nicht nötig, das wird ihm auch seine Frau sagen. Schön den Schweizer Nationaltrainer machen, wo keiner einen Titel von ihm erwartet, alles anständig und korrekt im Umgang miteinander und diese Bayern-Führung (KHR vor allem) mal spüren lassen, wie es ist, sich einen neuen deutschsprachigen Trainer (Vorgabe UH) mit internationaler Expertise suchen zu müssen, der ab Sommer auf dem Markt ist und Bock auf die zweitklassige Bundesliga hat.

    Ich bin vor 28 Jahren wegen Rummenigge Bayern-Fan geworden. Aber das, was er jetzt so stillos und undankbar abzieht, kotzt mich wirklich an.

  2. Die Außendarstellung des FCB mit solchen ad-hoc-Aussagen von Rummenigge, sonst meist Beckenbauer, ist manchmal beschädigend – so wie in diesem Fall. Ich verstehe sicher die erste Erregung von Karl-Heinz Rummenigge – aber es ist einfach schlauer, erstmal den Mund zu halten und dann – nach einer kleinen Denkpause – sich etwas differenzierter zu äußern.
    Es ist noch nichts passiert, es gibt noch keine Krise – lediglich ein Trainer-Experiment ist nicht aufgegangen (wie Hitzfeld ja zugab), also wird es höchste Zeit für Herrn Rummenigge etwas zurück zu rudern und sich vielleicht sogar zu entschuldigen. Das hätte Stil.

    zu Van Buyten: Der Junge sollte sich einen anderen Verein suchen, wenn er mit einer solchen Versagensangst sich auf dem Platz verkriecht. Wo ist da eine Zukunft in dieser Mannschaft?

    zum VfB:
    Ich muss ehrlich gesagt kotzen, wenn ich sehe wie erbärmlich sich die meisten deutschen Vertreter im Europa-Cup präsentieren, und dann aus heiterem Himmel gegen die Bayern zeigen, was sie könnten. Das gilt nicht nur für den VfB, aber ich frage mich doch, ob die nicht mehr mit dem Kopf beim Bayern-Spiel waren als in der Champions League. Eine seltsame Einstellung ist das.

  3. Ich schütte lieber Wasser in die Isar, als über Rummenigge respektvolle Worte zu verlieren. Sein Harmoniegeschwätz gestern in der Sportschau – einfach unterirdisch. Aber der Spitzname „Killer-Kalle“ kommt nicht ungefähr…

    Zum Spiel: Eine Niederlage, die überflüssig, ärgerlich und vor allem mit Ansage kam.
    Die Art und Weise war ärgerlich, auch wenn ich eine Niederlage beim Leihmeister an sich für keinen Beinbruch halte. Gerade in der ersten Halbzeit war Bayern wirklich schlecht. Keine gewonnenen Zweikämpfe, Luschigehabe im Spiel nach vorne – daran ändern auch die zweifelhaften Entscheidungen des Schiris nix (wobei Rot wirklich gerechtfertigt war). Kahn war auch wirklich nicht der Bringer.

    Sei’s drum: die Niederlage geht in Ordnung. Bayern bleibt Tabellenführer, was angesichts der zweiwöchigen Pause psychologisch ganz wertvoll sein kann.

    …und in zwei Wochen werden Magaths Wölfe aus dem Stadion gefegt…

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  5. Absolut verdiente Niederlage nach sehr schlechtem Bayernspiel. 🙁
    .
    Ich finde es allerdings gut, dass Oliver hier die beden kritischen Situationen um Toni-Tor und Kroos-Abseits anspricht. 🙂
    Ersteres hat die Sportschau ja gar nicht auf die Reihe gebracht und der frei vor dem Tor stehende Ze beim Kroos-Pfostenschuss wurde auch von niemandem erwähnt.
    *Vielleicht*, aber wirklich nur vielleicht, wären genau das die Impule gewesen die Bayern gebraucht und den VfB in seiner Euphorie gebremst *hätten*. Aber egal.
    Hoffentlich war das die lehrreiche Niederlage zum (3€ einwerf) richtigen Zeitpunkt. 😉

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  7. Ende