Bewährungsstrafe für ein Augenlicht

Ich will gar nicht mehr groß darüber diskutieren. Aber inzwischen gibt es für die Bayern-„Fans“, die seinerzeit auf dem Rastplatz gewütet haben, Bewährungsstrafen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Fans im Mai 2007 an einer Schlägerei mit zahlreichen Verletzten auf einem Parkplatz nahe Würzburg beteiligt waren. Ein 21-Jähriger bekam eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Der ein Jahr ältere Mittäter wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Der 26-Jährige bekam eine Strafe von eineinhalb Jahren, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt.

Zur Bewährung. Das heißt, dass das Gericht den Angeklagten die Chance gibt , ihr Verhalten zu überdenken und in Zukunft anders zu handeln. Mal schauen…

Noch ein paar Dinge hierzu von meiner Seite:

Hier tagte ein ordentliches Gericht und sprach ein Urteil auf Basis von Gesetzen. Ein FC Bayern war hier aussen vor. Dies nur für die, die immer noch an Verfolgungswahn leiden.

Ferner konnte im Prozess nicht final geklärt werden, wer nun wirklich Cola-Flaschen an Köpfe von Busfahrer-Gattinnen geworfen hat. „Augenzeugen sprechen von sechs Randalierern, andere von einem Dutzend, die nächsten von zwanzig.“ Was eventuell daran gelegen haben mag, dass, laut Polizei, die „Bayern-Anhänger blitzartig und ohne Vorwarnung“ vorgegangen sein sollen.

Das ganze Thema ist mehr als leidig. Für die sog. Bayern-„Fans“, weil sie sich wahrscheinlich immer noch für unschuldig und verfolgt halten und für uns andere auch, konnte schließlich das grundlegende Problem der Gewaltbereitschaft nicht gelöst, geklärt werden. Wiederholungen sind also auch in Zukunft möglich – oder haben die besagten „Fan“-Gruppierungen inzwischen jeglicher Gewalt abgeschworen?

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0 Gedanken zu „Bewährungsstrafe für ein Augenlicht

  1. Na ja, zum Glück ist der bei den meisten ja da. Zumindest innerhalb der oberen beiden Ligen. Darunter wird’s aber (vor allem hier im Osten) zappenduster.

    Bin mal gespannt auf meinen ersten Rostockbesuch morgen. Bin bereit, mich positiv überraschen zu lassen.

  2. Aber, zum Thema: das Problem ist, dass bei der ganzen Diskussion wahnsinnig viel nach Belieben in einen Topf geworfen wird. Man darf die Diskussion über den Sinn der derzeitigen Praxis bei der Vergabe von Stadionverboten (erschließt sich mir auch nicht immer wirklich) und über die Behandlung von Fangruppierungen durch die Polizei nicht vermengen mit einer Diskussion über den Charakter des eigenen Fan-Seins. Wer sich selber als das NonplusULTRA der Szene begreift und selbst Anhänger des eigenen Vereins ans Bein pinkelt, von dem kann man offensichtlich auch nicht erwarten, dass ein Mindestmaß an Respekt (oder auch nur Gewaltlosigkeit) gegenüber Fans anderer Mannschaften gezeigt wird.

    Ich hätte mir statt der immer hängenden „Ausgesperrte immer bei uns“ Plakate mal eins mit nem Spruch gegen die Idioten aus den eigenen Reihen gewünscht. Den Spruch von der Anti-Gewalt-Kampagne aus Sachsen find ich gut – „Schläger, zieh unser Trikot aus!“ oder so.

  3. @Joshtree: Genau. Solche Äußerungen sollte es öfter und vielfältiger geben. Dann könnte ich mit derlei Gruppierungen vielleicht auch irgendwann mehr anfangen…

  4. @ Joshtree:
    Wird es Deine Rostock-Erfahrungen irgendwo zu lesen geben?
    Würde mich interessieren.

    Zum Beitrag:
    Ja, das Thema ist wirkich leidig, im wahren Sinn des Wortes.
    Mag sein, dass es nicht rauszufinden war, wer zuschlug. Mag sein, dass das Gesetz dann vorsieht, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.
    Aber wäre es meine Frau, die durch sowas ihr Augenlicht verloren hätte, ich könnte nicht gut damit leben. Und wer so brutal vorgeht, hat meiner Meinung nach keine Bewährung – wieder im ursprünglichen Sinn des Wortes – verdient!

  5. @Herrn Wieland: Klar werd ich mit meinen Erfahrungen hier rumprotzen! Ich plapper bei dem Paule seinen schönen Blog doch eh ständig mit rum! 😉

    Und, zum Thema: Das Problem ist aber ganz allgemein immer da, wenn das persönliche Leid juristisch bewertet werden muss. Das fängt damit an, das ich stocksauer bin, dass die Berliner Polizei keine Sonderkommission gebildet hat, um mein schönes Fahrrad wieder zufinden. Ernster wird’s zum Beispiel, wenn Vergewaltiger nicht geteert und gefedert werden (und zwar wörtlich), weil sie einem anderen Menschen das Leben zur Hölle machen. Und irgendwann hört es dann mit der Diskussion Terrorismusbekämpfung vs. Menschenrechte auf. Also: würde ich die Ideen von Herrn Schäuble und den „Patriot Act“ auch so grauenhaft finden, wenn meine Frau oder jemand aus meiner Familie auf der Opferseite steht? Schwierig zu sagen!

    In der Theorie bin ich davon überzeugt, dass wir eine sehr unabhängige und gute Justiz in Deutschland haben und, dass das ein ganz wahnsinnig hohes Gut ist, das dieses Land lebenswert macht. Insofern muss man mit ihren Entscheidungen leben. Wenn man an Gott glaubt, kommt dazu noch die Gewissheit, dass es eine höhere Gerechtigkeit geben wird.

    Jetzt hat’s aber endgültig nix mehr mit Fußball zu tun…

  6. ..der liebe Gott wird’s schon richten, genau…

    Das Problem war doch eher, daß die Person, die die Flasche auf die Frau geworfen hat, nicht genau zu ermitteln war. Und da kann das Verbrechen noch so tragische Folgen haben, wenn man es niemandem beweisen kann, kann man es auch nicht bestrafen, ganz einfach. Auch wenn man sich darüber ärgern kann, so arbeitet die Justiz, und das ist ja auch gut so.

    Deppen gibt es halt überall, und da die Bayern die meisten Fans haben, haben sie auch die meisten Deppen. 😉

    Das hat m.E. überhaupt nichts mit den Vereinen zu tun. Fußballfan sein ist für manche Leute einfach etwas Identitätsstiftendes, sowas wie Stammeszugehörigkeit oder ne Religion. Und da gehört es wohl für die Stammes- / Herden- / Religionsmitglieder irgendwie dazu, daß man manchmal auf die anderen losgeht, das hat was mit Genetik und irgendwelchen Verhaltensmustern zu tun, die vielleicht vor einigen tausend Jahren das Bestehen der Art gesichert haben. Saublöd, ist aber leider so.

  7. @Torsten: Ich hätte den Bericht auch ganz anders schreiben können, mit ein wenig mehr Emotion. Aber da ich weiß, dass es immer noch genug Leser gibt, die dieses Thema anders beurteilen, habe ich Rücksicht auf deren Meinung und Überzeugungen genommen. Unter uns: Wenn meine Frau oder mein Kind davon betroffen gewesen worden, wäre ich selber „zum Tier“ geworden, das kannst Du mir glauben!

    @Josh: In meinem alten Blog hätte ich derlei politische Diskussionen auch hier weitergeführt, mit offenem Visier… Aber das hier ist mein neues Blog, wo es nur um Fußball geht – meistens zumindestens… 😉

  8. @ralla: Nein! Ist überhaupt nicht so. Ich persönlich würde mich als höchst emotionalen und jähzornigen Fan meines Vereins betrachten, aber ich habe noch nie, weder zu meiner Stadionzeit noch danach, einen anderen Fan, Zuschauer, etc. körperlich attackiert oder sonstigen Schaden zugeführt. Ehrlich gesagt halte ich eben diesen Aspekt für sowas von keinen Teil des Fan-Seins, dass es kracht. Vielmehr spreche ich derlei Verhaltensweisen die geistige Reife und jegliche Qualifikation zur seriösen Argumentation im Fußball-Umfeld ab.

  9. @Paule: ich wollte nix misbrauchen, sorry! Bin bloß bei genau diesem Thema ziemlich schnell auf 180 und prinzipiell – hat halt jeder so seine Geschichte.

    Ich halt mich jetzt wieder zurück!

  10. @Josh: Keine Sorge. Ich bin ja deshalb kein unpolitischer Mensch geworden, nur weil ich in meinem (neuen) Weblog darüber nicht mehr diskutiere… Von daher kein Fehler Deinerseits… 😉

  11. @paule: Ich glaube, du hast das falsch verstanden, bin genau deiner Meinung. Ich habe diesen Zustand beklagt, ich versuche (mir) nur zu erklären, woher dieser Wahnsinn wohl kommt. Diese Gewaltaktionen halte ich für das Letzte, genau wie Du.

  12. Ende