Von Ribéry, Rooney und Barcelona light

Gestern sah ich eines der entspanntesten Spiele des FC Bayern seit Jahren. Also was meinen Zustand betraf.

Vor dem Spiel erwartete ich gar nix. Eher das Schlimmste. Eine Niederlage. Ein Zerlegen meines FC Bayern. Die Vorzeichen waren einfach zu schlecht. Vor allem in Anbetracht der allernächsten Wochen.

Nach kaum mehr als 60 Sekunden fühlte ich mich bestätigt und dachte schon im Kopf daran, welche A-Junioren wir in Manchester aufstellen würden um die Stars für das Spiel in Leverkusen zu schonen.

Schon 91 Minuten nach dem 0:1 sah meine Welt anders aus.

Aber extrem war mein Jubel nun auch wieder nicht. Ob es an der fortgeschrittenen Stunde oder der erforderlichen Stille zwecks Nachwuchsschlaf lag – keine Ahnung.

Wahrscheinlich war ich einfach nur sprachlos.

Sprachlos, dass mein FC Bayern es in dieser Championsleague tatsächlich immer wieder schafft dem fußballerischen Tod von der Schippe zu springen. Nach den Niederlagen gegen Bordeaux. In Turin. Gegen Florenz.

Gegen Manchester hatte ich zunächst arge Bedenken, ob die Bayern überhaupt mal sowas wie ein Tor erzielen würden.

Vor allem weil Manchester eine Spielweise an den Tag legte, die jeder italienischen Mannschaft zur Ehre gereicht hätte. Noch dazu ein Rooney der immer wieder jede Menge Alarm in unserer Abwehr machte.

Was aber machten die Bayern?

Die spielten einfach weiter. Als ob nix passiert wäre. Diese Einstellung in der Liga und einiges in der Tabelle wäre klarer.

Nach dem Spiel brachte es unser Kapitän auf den Punkt und gab meinen Satz der Saison zum Besten:

Wir haben sie einfach kaputt gespielt.

Herrlich.

Und genauso muss man das sehen. Manchester dachte wohl – wie so ziemlich jeder, ausserhalb des bayerischen Kaders – dass dieses Spielchen ewig so weitergehen könnte.

Aber ebenso wie Rooney bei seinem Blitztor von der Kopfballverlängerung van Bommels und dem Ausrutscher Demichelis‘ profitierte, war es Ribéry, dem Rooney zur Seite sprang und seinen Freistoß unhaltbar abfälschte.

So ist Fußball. Am Samstag noch war es Badstuber, der mit seinem Rücken den schwäbischen Ausgleich verschuldete, nun brachte uns dieser Weltstar Rooney endgültig wieder ins Spiel.

Betonen möchte ich nur am Rande, dass die Tore zu einem Zeitpunkt fielen, als Sportskamerad Müller nur noch neben und Rückkehrer Gomez auf dem Platz agierte. Mehr sag‘ ich nicht.

Überhaupt war die zweite Halbzeit an Laufbereitschaft und Wille noch einmal eine Schippe mehr. Es war mehr eine Mannschaft als zuletzt. Wo man sich zu sehr auf Robbery verließ.

Sinnbildlich der Wille vor dem Ausgleich in der letzten Sekunde. Gomez will und will sich nicht vom Ball trennen lassen (genau dafür haben wir ihn geholt) und Olic läuft und läuft und läuft. Auch noch in der 92. Minute. Und ist immer noch frisch genug hier 4-5 englische Abwehrspieler auf einen Schlag zu narren.

Geil-o-mat.

Die reflexartigen Vergleiche vor, während und erst recht nach dem Spiel mit Barcelona 1999 entbehren jeglicher Logik.

Mit Barcelona 1999 ist nichts vergleichbar!

Allenfalls ein Finale gegen Manchester, dass wir als schlechteres Team und 91 Minuten Rückstand in den letzten 100 Sekunden noch mit 2:1 gewinnen. Alles andere ist nur Geschwätz.

Wie realistisch genau dieses Szenario ist, muss ich wohl nicht erklären und somit steht für jeden Bayern-Fan nur eins zur Disposition: Lernen damit umzugehen und sich neue Triumphe zu suchen.

Gestern war so einer.

Gewonnen ist trotzdem noch nichts.

Manchester hat weiterhin die Chance uns im eigenen Stadion fürchterlich zu verprügeln.

Auch wenn die Chancen dafür nach diesem Spiel geringfügig gesunken sind.

Weil Rooney sich verletzte und ausfällt.

Weil im Rückspiel ein Robben wieder dabei sein wird (es sei denn die Schalker vollenden am Samstag ihr Werk)

Weil Manchester jetzt dann doch gewinnen muss und sich nicht auf einem Auswärtssieg ausruhen kann

und

Weil man beim FC Bayern plötzlich den Glauben wiedergefunden zu haben scheint, dass es einfach geht.

Mit den Großen mitzuhalten.

Oder will jemand behaupten, Manchester hätte gestern absichtlich verloren? Und gegen die Bezeichnung „Großer“ im Zusammenhang mit United kann auch der letzte Bayern-madig-Macher nichts einwenden.

Nein. Ich bin mit dem gestrigen Abend rund herum zufrieden.

Weil Ribéry – trotz weiterhin teilweiser pomadiger Spielweise – immer noch der Mann für entscheidende Tore und genau so ein Sieg mentales Doping für die nächsten Spiele in der Bundesliga sein kann.

Gift wäre es, würden wir nun im eigenen Stadion gegen Hannover oder wen-auch-immer-in-dieser-Gewichtsklasse spielen.

Gegen Schalke dagegen können wir zum entscheidenden Gegenschlag ausholen. Auch wenn derlei Strapazen nicht beliebig reproduzierbar sind. Aber Ausruhen kann man immer noch nach der Saison. Oder in Südafrika. Je nachdem.

Auf meiner emotionalen Achterbahnfahrt in dieser Saison bin ich mal wieder oben. Hoffen wir, dass dieses Gefühl noch ein wenig anhält.