Zeit um Geschichte zu schreiben

Es kommt heutzutage ja nur noch selten vor, dass Rekorde in der Bundesliga purzeln. Den Bayern ist das gestern gelungen, wenn es mir auch zunächst nicht aufgefallen wäre:

Der höchste Sieg eines FC Bayern in Bremen seit 1963.

Bisher lag die Bestmarke bei 3:0 aus der Saison 1997/98 (29.Spieltag, 04.04.1998).

Viele von euch werden das für banal oder albern halten, aber in Bremen gab es zu viele Klatschen, als das ich das als Bayern-Fan so einfach vorbeilaufen lassen könnte.

Man muss auch Augenblicke genießen können.

T Minus 33: Werder Bremen – FC Bayern

Bomchickawahwah.

Ehrlich gesagt habe ich lange hin und her überlegt wie ich diesen Beitrag schreiben soll.

Voller Euphorie ob der Zauberkünste eines Franck Ribéry?

Voller Hass ob der derben Fouls gegen Klose und die darüber jubelnden Werder-„Fans“?

Voller Häme ob eines Tim Wiese?

Nach einem Tag Pause liegt die Wahrheit vielleicht in der Mitte.

Die Bayern haben die Bremer gestern teilweise vorgeführt. Die Bremer hätten aber auch ihrerseits in Führung gehen können. Der Elfmeter war sowohl schlitzohrig als auch sehr „selbstbewusst“ geschossen. Herausgeholt wurde er zum Teil völlig berechtigt, zum Teil italienisch gewollt.

Sicher haben die Bremer selber sogar offensiv nach vorne gespielt, hat Diego tatsächlich was zum Spiel beigetragen, auf der anderen Seite hätte es aber auch fünf oder sechs Tore für Werder geben können.

Nach dem Rostock-Spiel haben wir alle noch gesagt, dass „Hansa ja kein richtiger Gegner war“ und „wir erstmal das Spiel gegen Bremen abwarten müssten.“

Und was sagen wir jetzt?

Wahrscheinlich dass Werder kein richtiger Gegner war und wir erstmal das Spiel gegen x abwarten müssten…

Schalke wird allgemein als Mr. X bezeichnet. Zum Glück spielen wir gegen die ebenfalls schon zeitnah: Am 5.Spieltag. Vielleicht dürfen wir ja dann endlich sagen, wo die Bayern stehen.

Ich versteh‘ das ja.

Würde man zugeben, was alle denken – auch ich – dann würde es heißen von Angst zu sprechen.

Der Angst, dass die Bayern tatsächlich einmal die Liga komplett dominieren. Die wieder einmal herangezogene „Spannung in der Liga“ fehlen würde. womit die Angst aufkäme, das Produkt Bundesliga nicht mehr ausreichend und ähnlich gewinnbringend verkaufen zu können. Die Angst zugeben zu müssen, dass man (Verein xy) wirklich hoffnungslos unterlegen ist, dass (selbstverdientes) Geld vielleicht doch Tore schießt?

Könnte es sein, dass ich damit nicht komplett falsch liege?!

Wie auch immer. Die Bayern spielen aktuell erschreckend stark. Damit hätte selbst ich mit meinem Ligapokal-Optmismus nicht gerechnet. Aber ob das immer so bleibt? Es müsste wohl nur einmal einer kommen (oder zwei), die sich Ribéry vornehmen und dem „Spuk“ ein Ende setzen.

So ein Spieler vom Typ Naldo vielleicht.

Ok. Ich weiß. Die Bayern sind auch ganz doll böse und van Bommel und überhaupt.

Aber:

1. Hat van Bommel zuletzt öffentlich verkündet (Blickpunkt Sport), dass es „den van Bommel der letzten Saison nicht mehr geben wird“, er sich seinerzeit dazu animiert gefühlt hat, um „die tote Mannschaft wachzurütteln“. Sein Bilanz im gestrigen Spiel spricht da übrigens eine deutliche Sprache.

2. Jeder, wirklich jeder aus der Werder-Sympathisanten-Ecke beeilt sich seit dem Spiel klarzustellen, dass Naldo doch eigentlich ganz lieb ist und wir gestern nicht den wahren Naldo gesehen haben.

Mag alles sein. Und ja. Ich akzeptiere auch gerne, dass Naldo nach den Copa-Einsätzen noch nicht wieder der Alte sein kann. Aber er spielt und er wusste um die Brisanz im Fall Klose. Er wusste vor dem harten Foul in der zweiten Minute(!) des Spiels was er auslösen würde. Er hat es in Kauf genommen. Und Merk hat ihn leben lassen mit der mehr als dunkelgelben Karte. Für mich kommt Naldo auch nicht zu spät. Er knallt einfach nur in Kloses Knie. Punkt.

Absicht will ich ihm da nicht unterstellen, auch wenn einige das jetzt wieder von mir erwarten, aber mir ist erstens völlig schleierhaft, was einen Menschen wie ihn dazu bringt, mit dieser Story aus der zweiten Minute im weiteren Verlauf des Spiels Klose rund um den Mittelkreis ein zweites Mal völlig übermotiviert, wenn auch etwas weniger hart zu attackieren? Und was geht in Markus Merk‘ Kopf vor, hier Naldo, selbst wenn man die Vorteilsregel anwendet, nicht ein zweites Mal mind. Geld zu geben??

Denn eins steht fest: Der FC Bayern spielte 43 Minuten lang mit 10 Mann. Oder will irgendjemand ernsthaft abstreiten, dass Klose schon nach dem ersten Foul nur noch humpeln konnte? Und wie hätte Bayern mit 11 Mann und einem Klose in der Rostock-Form gespielt? Hätte Werder die Bayern dann immer noch „im Griff gehabt“?

Aber belassen wir es dabei. Die Diskussion hebe ich mir für den Fall auf, dass die versammelte Mannschaft der grün-weißen Gutmenschen mal wieder über böse, böse Fouls gegen Werderaner schimpft.

Was es aber wirklich asozial und unappetitlich hat werden lassen, waren dies sog. „Fans“ in grün-weißen Trikots, die bei den beiden Fouls an Klose voller Ekstase aufsprangen und sich jubelnd die Seele aus dem Leib geschrieen haben.

Dafür fehlt mir das Verständnis, auch wenn ich sowohl Kloses Rolle im Transfergezerre als auch die Story insgesamt aus Werder-Sicht für bitter und ernüchternd halten würde.

Diese Judas-Geschichten sind immer sehr persönlich und speziell, aber Leute: Dieser Klose, der für Euch nun der Antichrist ist, hat Euch (mit Hilfe anderer natürlich) überhaupt erst in die Lage versetzt, auf dem Entwicklungsstand zu sein, auf dem sich der Verein aktuell befindet. Seht das endlich mal ein: Es lag nicht nur an Klose, dass ihr nicht Meister geworden seid!

Wie auch immer (jetzt ist es doch mit mir durchgegangen…):

Einigen Werder-Spielern hat irgendetwas die Sinne vernebelt. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich ein Tim Borowski, ansonsten immer völlig unarrogant in seinem Auftreten, in der Halbzeitpause hinstellt und davon faselt, dass „Werder das Spiel im Griff hat“, der Elfmeter „völlig unberechtigt war“ und die Ausführung „total arrogant“? Ferner der sog. Kapitän Frank Baumann sich zu einer Aussage hinreissen lässt, dass „er keine Übermannschaft des FC Bayern“ und „ein ausgeglichenes(!) Spiel gesehen habe“.

Schlimm genug, dass ich eine Charakterbrazze wie Tim Wiese heranziehen muss, um eine ehrliche Einschätzung zu bekommen:

„Wenn die Bayern so weiterspielen, stoppt sie keiner.“

Genau das ist der Punkt: wenn wir so weiterspielen. Aktuell glaube ich das noch nicht.

Übrigens: Was völlig untergegangen ist: Die Bayern haben die Bremer schon zum zweiten Mal in diesem Jahr 2007 dominiert, mit dem Unterschied, dass diesmal auch tatsächlich Tore dabei herausgesprungen sind.

Was mich ganz allgemein begeistert: Ribéry, Toni, Altintop & Co. ziehen die Pflaumen der Vorsaison wieder mit auf Normal- bis Top-Niveau.

Die bisherige Saison-Leistung eines Lahm, Schweinsteiger oder Demichelis ist etwas, dass ich so nicht mehr für möglich gehalten hätte. Klasse.

Jetzt geht es gegen Hannover. Ob wir da den Einbruch erleben? Ob Klose bis dahin wieder gesund ist? Wer in diesem Spiel versuchen wird, Ribéry, Klose oder Toni zu verletzen? In 7 Tagen sind wir schlauer.

Bis dahin: Wunden lecken, Zusammenspiel verbessern, Rekonvaleszenten einbauen.

Deeskalation und Hetze

Die Bayern spielen in Bremen. Morgen. Das steht schon länger fest. Klose kehrt zurück zu dem Verein, für den er in den letzten Jahre Tore auf Tore erzielt, ihm in die Championsleague geholfen hat.

Umstände und Ablauf seines Transfers zum FC Bayern waren diskutabel. Jetzt ist es halt so und die Vergangenheit sollte man nicht plötzlich auslöschen.

Die Werder-Verantwortlichen sehen das wohl ähnlich, denn vor dem Spiel gibt es eine offizielle Verabschiedung des Bayern-Stürmers.

Bremens Geschäftsführung wird überraschend den Abtrünnigen vor der Partie offiziell verabschieden. Mit Ansage und Präsenten. Der Vorschlag ging kurzfristig an den FC Bayern, den Spieler und dessen Berater – alle willigten ein. „Ein ganz normaler Vorgang“, beschied Allofs bei der gestrigen Pressekonferenz, „ich bin optimistisch, dass Vernunft einkehrt.“

Keine Spur mehr von dem Streit, der zuletzt in der Halbzeitpause des Ligapokals noch einmal aufgeflammt ist…

Nun ist Deeskalation angesagt. Werder gegen Bayern, sagt Allofs, das sei von jeher mit Emotionen besetzt. „Es gibt eine sportliche Rivalität, es darf auch jemand ausgepfiffen werden, aber Begriffe wie Hass lehnen wir ab.“

Soviel zur Theorie.

Es gibt aber auch noch eine andere Seite, für ich teilweise sogar Verständnis habe…

„Ich fürchte, dass viele Fans hier nur darauf aus waren, ihrem Unmut Luft zu machen“, sagt Arnd Zeigler, Stadionsprecher Werders.

Ich persönlich rechne sogar damit. Das ist normal. Das ist verständlich. Das ist fast schon Tradition. Gerade gegen die Bayern.

Was aber mal wieder gar nicht geht, ist die Hetze des Boulevard.

Bremen war drei Jahre lang seine Fußball-Heimat. Nun wird es für ihn die Hölle…

Als ob van Bommel und Kahn Klose „beschützen“ müssen. So’n Schwachsinn. Und gerade die beiden, über die das gleiche Boulevard regelmäßig Kübel der Ausraster-Häme ausschüttet.

Nein. Es wird im dem Spiel zur Sache gehen. Aber es wird keine Jagd aus Klose geben. Auch wenn das einige verwirrte Gestalten im Werder-Trikot mal angedeutet haben. Ich persönlich hoffe ja ohnehin, dass die Bayern viel zu dominant sein werden, als das es eng und emotional werden könnte. Aber das ist eben nur eine Hoffnung.

Die Wahrheit liegt überraschenderweise auf dem Platz.

Gestatten, mein Name ist Köpfchen, Wadenbeinköpfchen.

So langsam geht’s uns auf die Nerven. Das Wadenbeinköpfchen.

Erst Luca Toni, jetzt Marcell Jansen.

Linksverteidiger Marcell Jansen von Rekordmeister Bayern München hat am Donnerstagabend eine Verletzung am Wadenbeinkopf erlitten und muss für die anstehenden Topspiele passen.

Das Spiel in England könnte ich verschmerzen, aber in Bremen wird er uns fehlen. Jetzt bleiben nämlich nur Lell und Lahm für die Flügel – eine klare Schwächung.

Aber wir wollen uns nicht beschweren, die Bremer haben ganz andere Probleme, oder?

Update: Es ist dann doch ein Einriss des Syndesmosebandes. Der Klassiker. Und passiert ist plötzlich doch gegen Barcelona…

Von der Championsleague in die Amateurklasse

Und das in 5 Tagen.

Wer das geschafft hat? Der Daum’sche FC.

Am Dienstag noch (in Köln) umjubelter Sieger gegen die bayerische C-Elf, fliegt der gefühlte Europapokalteilnehmer aus der Domstadt tatsächlich in der ersten Runde des DFB-Pokals aus dem Wettbewerb.

Kann man solche Geschichten besser erfinden?

2:4 nach Verlängerung bei den Amateuren von Werder Bremen. Zum Schluss mit 10 Mann und offensichtlich keiner Chance.

Wenn es nicht so bitter wäre, würde ich sagen: Typisch Köln.

SO sieht Souveränität aus

Im Gegensatz zu einigen anderen Fußballprofis gehen Bayern-Spieler mit einer gewissen Souveränität durchs Leben. So könnte man zumindestens meinen, wenn man das hier liest:

Torsten Frings hat es ganz schwer erwischt. Ein Innenbandriss legt den Mittelfeldspieler des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen kurz vor Saisonstart lahm. […] die Konkurrenz sollte ob der plötzlichen Schwächung der Hanseaten eigentlich frohlocken. Aber dem ist nicht so. Als die Kollegen des FC Bayern München von Frings‘ Unglück im Testspiel gegen Paderborn hörten, schrieben sie ihm sofort eine SMS. „Miro, Klose, Schweini und van Bommel haben mir eine aufmunternde SMS geschickt. Das finde ich stark“, erzählte Frings

So kann das auch gehen, Herr Wiese.

Abgesehen davon wüsste ich gerne wer hier mit „Miro“ gemeint ist, wenn Klose direkt danach ebenfalls noch erwähnt wird. Oder hat die B**D mit Herrn Frings hier ein Interview im Zustand der Restbetäubung gemacht?

Jemanden fragen, der sich damit auskennt

Ich weiß. Beim Stadionbau des FC Bayern lief auch nicht alles bestens. Und langwierig war der Weg auch und nicht immer hat man derart gute Rahmenbedingungen. Aber einen Neubau würde ich immer Stückwerk vorziehen. Es muss ein Gesamtkonzept sein und sollte nicht davon gesteuert werden, wann mal wieder Geld für die nächste Ausbaustufe vorhanden ist.

Dortmund und St.Pauli sind da Negativbeispiele, Köln zur Abwechslung mal positiv zu nennen.

Durch Karsten wurde ich in den letzten Monaten immer auf dem Laufenden gehalten, was das Stadionprojekt in Bremen betrifft. Ganz ehrlich: Das Weserstadion ist ja ganz hübsch, aber dieses Rumfummeln, Logen rein, Rasenfläche absenken, etc. ist doch nichts Halbes und nicht Ganzes.

Nun schien der große Wurf gelungen: Tribünen am Spielfeldrand, neue Aussenhülle, größere Kapazität mit 50.000 Plätzen.

Das ist inzwischen Geschichte.

In den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass die Umbaupläne für das Weser-Stadion verändert werden mussten. In der neuen, abgespeckten Version ist weiterhin die Erweiterung der Zuschauerkapazität vorgesehen. Die Kurven im Stadion-Innenraum bleiben jedoch erhalten.

Weiterhin will man die Aussenhülle komplett ersetzen und das Dach bis zum Spielfeldrand verlängern. Gleichzeitig bleiben die alten Kurven erhalten(!) und der Bau neuer Spielfeldrand-Tribünen soll so schon vorbereitet sein. Ferner werden die zusätzlichen 8.000 Plätze durch einen dritten Rand unter dieses neue Dach gepresst.

Was für ein Architekt hat das bitte entworfen?

Und was passiert bitteschön mit dem Platz unter dem Dach, wenn die alten Tribünen doch irgendwann an den Spielfeldrand wandern?

Das weiß man selber noch nicht so genau…

Über das weitere Vorgehen müssen wir uns jetzt mit dem Aufsichtsrat des Bauträgers, der Bremer Weser-Stadion GmbH, abstimmen. Der Aufsichtsrat konzipiert sich bedingt durch die letzten Bürgerschaftwahlen gerade neu.

Begründet wird das Abspecken übrigens „mit den hohen Stahlkosten“, „zusätzlichen statischen Erfordernissen“ und der überraschenden „Erkenntnis, dass bei einer Umsetzung in einem Bauabschnitt, die Kapazität enorm gesunken wäre“.

All das finde ich schade, weil es Werder gut zu Gesicht gestanden hätte, ein komplettes und „rundes“ Konzept zu verfolgen. Laut Herrn Müller war auch ein Neubau keine Alternative, weil man „dies vor 30 Jahren hätte entscheiden müssen und man sowieso noch an der Finanzierung des letzten Nordtribünen-Ausbaus abbezahlt“.

Na wengistens wird über die neue „Außenverkleidung ein Beitrag zur umweltschonenden Stromerzeugung geleistet, nämlich eine Fotovoltaik-Anlage in einer Größe von 20.000 Quadratmetern“.

Täusche ich mich, oder hat Werder aktuell zu viele „Baustellen“?