Wer will schon zu den Blatter-Festspielen?

Heute startete der erste Durchgang des Ticketvorverkaufs für die WM 2010. In Südafrika.

Ich erinnere mich noch an das Chaos, die Intensität und die Ereignisse rund um die letzte WM. In Deutschland. Und die Ticketvergabe. Darüber wurden sogar Bücher geschrieben. Zumindestens in Teilen. Ich sach‘ nur Goosen.

Und jetzt? Kennt irgendjemand, irgendjemanden, der sich das Thema in Südafrika antun will?

Wer bitte fährt denn freiwillig zu einer WM, wo die Nationalspieler wahrscheinlich Tag und Nacht bewacht werden müssen und man als Tourist besser ganz genau aufpasst, ob man nicht gerade falsch abbiegt?

Nein.

Ich bin immer noch der Meinung, dass Afrika – auch Südafrika – ganz andere Probleme hat und bestimmt (noch) keine Fußball-WM ausrichten muss. Als ob danach all die Probleme rund um Armut, Kriminalität, Korruption und den ganzen Rest gelöst wären…

Verschwörungstheorien sind hier zwar fehl am Platze, aber es ist doch mehr oder weniger ein offenes Geheimnis, dass Südafrika 2010 unbedingt die WM bekommen musste, nachdem der Deal (rund um Blatters Wiederwahl) 2006 schiefgegangen war. Schließlich wurde extra deshalb ja diese imho bekloppte Kontinent-Rotation eingeführt, damit es nur ja Südafrika werden kann.

Völlig abwegig? Von mir aus. Trotzdem muss ich die Blatter-Festspiele dort nicht mögen.

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0 Gedanken zu „Wer will schon zu den Blatter-Festspielen?

  1. Lieber Paule,

    seh ich ganz anders: Ist es nicht einfach mal an der Zeit, dass die weltgrössten Sportereignisse nicht immer nur einen großen Bogen um Afrika machen (mal mit Ausnahme der Rugby-WM oder der vermaledeiten Paris-Dakar)? Ich glaube, dass die afrikanischen Supporters eine ganz eigene Fan-Kultur haben, die diese WM zu einer ganz besonderen machen werden. Denn seien wir mal ehrlich: Abseits des Sommermärchens war die WM in Deutschland auch derart durchkommerzialisiert, dass es ein Graus war. Vielleicht kann Südafrika da das Ganze wieder zurück auf den grasroots level bringen.

    Zu Blatter geb ich dir natürlich völlig recht. Allerdings ist gerade die Vergabe der WM 2010 die bleibende (und sicher auch einzige) Leistung des kleinen Schweizers.

    Und die Kontinent-Rotation ist unterdessen schon wieder abgeschafft …

  2. Einen deutlichen Vorteil hat Afrika grundsätzlich ggü. Asien, Amerika und Australien, zumindest für mich als Fernsehzuschauer: so gut wie keine Zeitverschiebung.

    Also auch 2010 eine WM, wo man sich nicht 3 Wochen Urlaub nehmen muss, sondern wo es ausreicht sehr pünktlich Feuerabend zu machen 😉

    Aus allen politischen, sozialen und ethischen Diskussionen rund um die Vergabe halte ich mich jetzt mal bewusst raus.

  3. @munichbrewer
    Erstmal meine besten Wünsche: gute Besserung und immer einen Kübel in Deiner Nähe. Um die Frage zu beantworten – nichts, was mit der WM nullzehn zu tun hätte.

    @paule
    WM in Südafrika als Konzessionsentscheidung? Vielleicht, aber warum sollte man einen Kontinent, der politisch und sozial nicht mehr gefestigt ist als der asiatische diskriminieren? Eine WM hat – wie auch Olympische Spiele – immer den Vorteil, dass sie das jeweilige Land in den Blickpunkt rückt. Im Fall Südafrika glaube ich hier auch eher an einen Peking-Effekt mit viel Tünche, aber man sollte immer die Möglichkeit offen lassen, eines besseren belehrt zu werden. Langfristig sollte man die reginal regulierenden Effekte zweier Kräfte jedenfalls nie unterschätzen: Religion und Sport.

    Eine gute Bekannte hat drei Jahre in Südafrika gelebt und danach viele Vorurteile bestätigt; genausoviele widerlegt. Schau mer mal – auch in Südkorea ist seinerzeit nicht gleich der Kim während der WM einmarschiert.

  4. Ende