T Minus 28: FC Bayern – Energie Cottbus

Die Bayern auf Rekordjagd.

Erst ein 4:1 beim Aufsteiger Karlsruhe und gestern ein standesgemäßes 5:0 gegen den Tabellenletzten aus Cottbus. 9:1 Tore und 6 von 6 Punkten aus diesen beiden Spielen. Dazu ein Klose, der mit 8 Treffern die beste Start-Bilanz eines Torjägers seit 14 Jahren ausweist.

Klingt alles mehr als gut und könnte uns als Bayern-Fans schwärmen lassen.

Schwärmerisch war mir tatsächlich gestern bis zum 1:0 in HZ 2 nicht wirklich zumute. Ganz im Gegenteil. Wie schwach und verwirrt Energie aktuell tatsächlich ist, zeigt die Tatsache, dass es den Bayern in 30 Minuten gelang 5 Tore zu schießen. Das hätte auch schon in HZ 1 so sein können, als sich die Lausitzer mit ihrem Pleiten, Pech und Pannen-Spiel tatsächlich mit einem 0:0 in die Pause retteten, weil die Bayern erneut Präzision und Konsequenz vermissen ließen.

Ok. Es gibt einen großen Unterschied zur letzten Saison – wenn die Bayern Spaß am Spielen haben, treiben sie es heuer auf die Spitze. Spielen es zu Ende. Bis zu einem 5:0 eben. Noch vor Jahresfrist hätte man sich mit einem 2:0 zufrieden gegeben (oder eben mit einem 2:1 gegen Cottbus). Nicht so in dieser neuen Zeit. Da werden die Bayern plötzlich ob eines – zu Recht – nicht gegebenen Tores richtig wütend und fangen „plötzlich“ an Ernst zu machen.

Armes Cottbus. Auseinandernehmen wäre hier wohl das passende Wort gewesen – aber eben erst nach der 54. Minute und Ribérys Nicht-Tor.

Überhaupt Ribéry.

Klar. Er hat zu Saisonstart die Latte mehr als hoch gelegt. Aber umso deutlicher wird so seine aktuelle – nennen wir es – Lustlosigkeit?!

Irgendwie wirkt was er macht leidlich uninspiriert. Zum Glück klappt das mit den Toren der anderen dann doch. Reicht ja. Und hatten wir ernsthaft erwartet über 34 Spieltage nur noch Zauberfußball zu sehen?

Ich geb’s zu. Ein wenig war mir danach. Aber reine Ergebnisse machen auch Spaß. Wie jede Woche wechselnde Verfolger. Derlei boulevardeskes kann ich eh nicht ernst nehmen.

Was das gestrige Spiel für mich allerdings zu etwas ganz Besonderem machte, war das Debüt von Toni Kroos!

Ich weiß. Wir alle wollen und sollten bei ihm auf der Euphorie-Bremse stehen. Machen wir ja auch. Aber was war das denn bitte gestern?

Der jüngste Newbie in der Geschichte des FC Bayern (17 Jahre, 8 Monate, 22 Tage) kommt rein, spielt so, als würde er dies seit Jahren machen und holt sich gleich mal zwei Scorerpunkte ab?

Unglaublich.

Und morgen direkt wieder ab zu Gerland, „Kopf waschen“. So die Strategie des Vereins. Ganz zu schweigen von Interviews. Verboten. 😉

Fassen wir es mal so zusammen:

Cottbus war der erwartet schwache Gegner, die Bayern haben diesen am Ende verdient und ausreichend geschlagen, einige B-Spieler zeigten, dass man doch mit ihnen rechnen kann und die Zukunft einiger Nachwuchsspieler scheint sich prächtig zu entwickeln.

Am Samstag geht’s zum nächsten Bayern-Jäger…

Bayern-Jäger

Spieltag 1: „Bielefeld jagt die Bayern!“

Spieltag 2: „HSV jagt die Bayern!“

Spieltag 3: „Bielefeld jagt die Bayern!“

Spieltag 4: „Bochum jagt die Bayern!“

Spieltag 5: „Bielefeld jagt die Bayern!“

Spieltag 6: „Hertha jagt die Bayern!“

Spieltag 7: „Schalke Bayer jagt die Bayern!“

Spieltag 8-34: ?

Update (28.10.):

Spieltag 8: „Schalke jagt die Bayern!“

Spieltag 9: „Karlsruhe jagt die Bayern!“

Spieltag 10: „Bremen jagt die Bayern!“

Spieltag 11: „Hamburg jagt die Bayern!“

T Minus 29: Karlsruher SC – FC Bayern

Wie schnell das doch gehen kann. Nach dem UEFA-Pokal-Spiel vom letzten Donnerstag hatte ich noch vier grundsätzliche Forderungen aufgestellt, wie die aktuell fehlende Inspiration beseitigt werden kann und kaum ist es Sonntag, werden 2-3 davon sofort und eine weitere zumindestens teilweise umgesetzt.

Laufbereitschaft und Konsequenz vor dem Tor war im Vergleich zum Spiel gegen Lissabon um ein Vielfaches verbessert worden – wer würde das ernsthaft bestreiten, wenn die Bayern aus fünf oder sechs Chancen gegen Karlsruhe vier Tore erzielen. Nah an Perfektion. Und was fast die gleichen Spieler auf einmal laufen konnten – ein Fingerzeig auf den Rest der Saison?

Zwar blieb ein Ribéry gestern – für seine Verhältnisse – recht blass. Aber die Maßnahme Hitzfelds, einen Schweinsteiger zunächst mal auf der Bank zu lassen und dafür Turbo-Hamit nach längerer Zeit eine Chance in der Startformation zu geben, erwies sich als genialer Schachzug. Hatte so doch die gesamte Offensive eben viel mehr Zug zum Tor.

Dem Spiel der Bayern kam sicher das frühe Toni-Tor entgegen. Auch wenn ich einige Sekunden brauchte, um dieses zu realisieren, als nämlich die Bayern-Spieler jubelnd abzogen und keiner sie daran hinderte oder protestierte. Keine Reaktion der Fans und plötzliche Stille.

Muss man über dieses Tor diskutieren?

Nur ein wenig. Zum Beispiel über einen van Bommel, der erneut eine perfekte Torvorlage lieferte und einen Luca Toni, der den Ball unnachahmlich aus der Luft fischte und auch danach filigrane Technik offenbarte. War sein Bein beim Annehmen zu hoch? Ich denke nicht, denn der Kopf des Gegenspielers war im Gegensatz zu ein, zwei anderen Situationen im späteren Spiel einen geschätzen halben Meter entfernt.

Was mich in der Folgezeit „begeisterte“ (wie auch schon im Ligapokal): der KSC spielte unbeirrt weiter munter nach vorne, ließ sich nicht vom Rückstand abhalten sein Spiel aufzuziehen, dass seinerzeit schon die Schalker vor Probleme stellte.

Deshalb war ich auch nervös, dass die irgendwann den Ausgleich schießen würden. Und selbst das 2:0 – ein perfektes Abstaubertor von Klose, der immer mehr zum neuen Effektiv-Star im FCB-Sturm wird – ließ mich nicht entspannt zurücklehnen. Mit diesem Dampf hätte es mich nicht gewundert, wenn die Badener nach einem 1:2 noch vor der Pause den Ausgleich geschafft hätten…

Nach dem Wechsel dann erneut ein schulmäßig vorgetragener Angriff der Bayern, mit einem gewohnt strammen Schuss durch Altintop (ob einige Schalker immer noch an ihrer These festhalten, dass wir den falschen (Ersatzbank-)Altintop gekauft haben?). Eine Aktion, die man hätte vorhersehen können, aber zu diesem Zeitpunkt zeigten sich eben schon erste Defizite beim Aufsteiger, der, entgegen meiner Erwartung, auch nach einem 0:3 zuhause immer noch nicht aufgab und weiter alles probierte. Bestärkt wurde er dann tatsächlich durch das Anschlusstor zum 1:3 – fast eine Kopie des Hamit-Tores (für alle die, die dies Tor einmal mehr Kahn anlasten wollen: Ebenso stramm geschossen und wie für Miller unhaltbar plus der Abfälschung durch Lucio, was man, zugegeben, erst in der dritten Inner-Tor-Wiederholung erkennen konnte). Ein 2:3 und auch für mich hätte festgestanden, dass es noch zum Ausgleich gekommen wäre.

Der Aufsteiger hat (mich) also einmal mehr begeistert. Und nicht nur die Mannschaft, nein, auch die Fans zeigten wie in Düsseldorf einwandfreien Support – erneut könnten sich davon einige Fans eine Scheibe abschneiden (sogar die Bayern-Heimfans *g*).

Das dann nach dem 1:4 endgültig der letzte Wille gebrochen war. Geschenkt. Vielleicht auch eher die Tatsache, dass ein Zé Roberto dies Tor erzielt hat, so nach Motto: Ja, wenn jetzt der auch schon trifft…

Ein 4:1 spricht in der Regel eine deutliche Sprache. Auch in diesem Fall. Aber weder waren die Bayern soo stark, noch der KSC soo schwach. Man sollte von Seiten des Aufsteigers die Köpfe nicht allzu hängen lassen und dieses Spiel als Erfahrung an Effektivität verbuchen und die Bayern sollten schleunigst weiter an einigen Schwächen arbeiten.

Gab es auch Negatives?

Durchaus. Zwei Namen: Ottl und Podolski. Leider.

Ottl vertrat zunächst Zé Roberto neben van Bommel und spielte später neben ihm. Korrigiert mich, aber für mich war Ottl während des ganzen Spiels irgendwie nicht auf dem Platz und ein ständiger Unruheherd im 6er-Bereich. Schade. Hätte ich nicht erwartet. Wahrscheinlich war er aufgrund der Bankdrückerei ein wenig eingerostet.

Apropos eingerostet:

Lukas Podolski.

Sehen wir es positiv. Es gab Verbesserungen. Er war an ein, zwei (sehr) guten Aktionen beteiligt und so auch am 4:1. Aber nach seiner Einwechslung gab es einen kleinen Bruch im Sturm der Bayern. Und nur weil Toni immer noch bei höchstens 60-70% liegt, kam es überhaupt dazu. Parallel konnten wir einem Klose dabei zuschauen, wie er immer anspielbar war, um viele Bälle kämpfte und gegen vielleicht abbauende Karlsruher noch einiges an Techik zeigte.

Sei es wie es sei. Jetzt geht’s erstmal gegen den Tabellenletzten, der einmal mehr (unabhängig von Cottbus) direkt vor dem Bayern-Spiel den Trainer ausgetauscht hat. Ein Stolperstein im Glauben an eigene, übermächtige Stärke?

Wollen wir es nicht hoffen.

Road to Manchester: FC Bayern – Belenenses Lissabon

Die Bayern haben ihr Heimspiel gegen Lissabon gewonnen. Zu Null. Und Jan Schlaudraff hat ein ordentliches Comeback/Debüt absolviert.

Damit hätten wir aber auch schon alles an positiven Punkten aus diesem Spiel aufgezählt.

Offenbar haben die Bayern mit ihrem Start in Ligapokal und Bundesliga halb Europa aufgeschreckt. Denn nicht nur der HSV und Schalke, nein, auch Lissabon hat sich wohl nächtelang Videos von Ribéry und Co. „reingezogen“.

Anders ist nicht zu erklären, dass jetzt schon im dritten Spiel in Folge der Gegner genau so spielt, wie es uns nicht zu liegen scheint und unser, in wenigen Spielen lieb gewonnenes Kombinationsspiel vollständig zum Erliegen bringt.

Gegen uns (erfolgreich) zu spielen, scheint ganz einfach zu sein:

– Räume defensiv eng machen
– Ribéry mit zwei bis drei Spielern attackieren
– aggressives Pressing und
– schnelles Konterspiel

So haben zumindestens Hamburg und Schalke nicht gegen uns verloren und Lissabon ein 0:1 über die Zeit gebracht.

Na fein.

Und jetzt?

Ganz einfach. Die Lösung für die obige Vorgehensweise des Gegner ist ebenso schnell wie simpel erklärt:

– Schnelles Spiel nach vorne
– Laufbereitschaft aller Spieler
– Sicheres Kombinationsspiel und
– Konsequenz vor dem Tor

Was haben die Bayern gestern stattdessen gespielt?

– Querpässe
– Schlafwagen-Fußball
– Zweikampfschwäche und hohe Fehlerquote
– Vorsätzliche Tötung von Chancen

In Schönheit sterben. Das scheint das Ziel einiger Spieler zu sein. Leider kommt ihnen zu gute, dass in der Offensive gerade dünne Luft herrscht (Klose (gesperrt), Sosa (verletzt), Schlaudraff (erster Einsatz seit April, Mai)) – defensiv sieht es allerdings nicht viel besser aus: Lahm und Sagnol noch länger verletzt, van Buyten ausser Form und Ismael?!

Zé Roberto und van Bommel, unsere beiden 6er, empfinden das wohl ähnlich, sitzt doch nur ein Ottl als Alternative für diese Position auf der Bank – super Aussichten.

Ok.

Wollen wir mal nicht allzu schwarz malen.

Im Rückspiel muss Lissabon „noch mehr“ kommen. Passiert da nichts, scheiden sie aus.

Zusätzlich kommt Klose zurück und Toni wird bis dahin hoffentlich mehr Fitness, Frische und Spielstärke entwickelt haben – insofern sich keiner der beiden erneut verletzt!!

Denn eins steht für mich seit gestern fest: Das mit Poldi wird kurz- bis mittelfristig nichts mehr. Ich habe ja Verständnis dafür, dass er ein Spieler ist, der erst einen Lauf bekommen und deshalb längere Zeit mal von Anfang an spielen muss. Aber wie lange sollen wir solche Spiele wie gestern erleben? Noch so eins und wir sind für die ganze Saison aus dem Europapokal raus! Wäre es das wert? Vor allem, wenn man bedenkt, was Schlaudraff nach dieser noch längeren und eventuell schwereren Verletzung auf dem Rasen angeboten hat. Ganz zu schweigen von einem Klose oder Toni, die keine 90 Minuten brauchen, um auf Touren zu kommen.

Wie auch immer, vielleicht tun wir ihm ja Unrecht und er schießt uns in 14 Tagen in die Gruppenphase. Wer das am Ende macht, ist mir sowieso egal und andere deutsche Mannschaften haben aktuell noch ganz andere Probleme…

Meine Top-10: FC Bayern – FC Valencia

Top-10-Platz: 5
Spiel: FC Bayern – FC Valencia
Datum: 23.05.2001
Ort: Mailand, Giuseppe Meazza Stadion

Viele werden erstaunt sein, dass der 2001er-Sieg in der Championsleague nur auf Platz 5 meiner persönlichen Top-10 auftaucht. Aber diese Liste ist eben subjektiv und das Spiel durchaus nicht das schlimmste oder schönste in meiner Fan-Laufbahn.

Es ist wohl insgesamt unbestritten, dass dieser Sieg nur möglich war aufgrund der Niederlage in Barcelona, zwei Jahre zuvor. Die „jetzt-erst-Recht“-Mentalität versetzt bekanntlich Berge. So auch bei den Bayern. Scheiterte man 2000 nach knapp und im Halbfinale an Real Madrid (vielen Dank übrigens noch an Babbel und Kuffour, die die entscheidenden Duelle gegen Torschütze Anelka verloren), so zog sich die Willenskraft der Bayern wie ein roter Faden durch die CL-Saison 2000/01.

Jens Jeremis hat seine Sportinvalidität und Mehmet Scholl gefühlte 5 Jahre seiner Laufbahn, diesen entscheidenden Spielen im Frühjahr 2001 zu „verdanken“. Alle wollten endlich diesen Pott und viele haben sich mehrmals fit spritzen lassen.

In dieser zweiten Effenberg-Ära hatte man sich fast schon daran gewöhnt immer mindestens unter den letzten vier Teams in der CL zu sein (ganz anders als übrigens zu Zeiten eines Ballack…) und so war es auch diesmal.

Aber zum Spiel:

Die Fans spürten offenbar den Geist von Mailand, die Choreographie wurde legendär („Heute ist ein guter Tag um Geschichte zu schreiben“). Der Schock kam dafür mehr als schnell über uns alle: Hand-Elfmeter in der dritten Minute!

Schiedsrichter Dick Jol, offenbar chronisch geltungsbedürftig, erkannte auf Strafstoß, nachdem der am Boden liegende Patrik Andersson, mit angewinkeltem Arm von seinem (stehenden) spanischen Gegenspieler im Gemenge angeschossen wurde!

Spielmacher Mendieta verwandelte vom Punkt und versetzte uns in einen Schockzustand. Sollte es ein zweites Barcelona geben, diesmal mit einer Entscheidung in den ersten drei Minuten?

Nun. Valencia stand ebenfalls unter Druck, hatten sie doch ein Jahr zuvor in innerspanischen Duell im Endspiel von Paris gegen Real den Kürzeren gezogen.

Wie schnell Druck und Erleichterung beeinander liegen, erfuhren wir nur vier Minuten später, als Jol, offenbar bewusst, was er zuvor verbrochen hatte, den Bayern einen eher umstrittenen Elfmeter schenkte, den Scholl tatsächlich verschoss – die Welt ging mehr oder weniger unter.

Unterschätzt hatten wir alle aber in diesem Zusammenhang den gefestigen Charakter unseres Teams, das solange weiterkämpfte, bis es Stefan Effenberg vorbehalten war, einen weiteren Elfmeter für die Bayern (50.) tatsächlich zum Ausgleich zu verwandeln.

Der Rest der regulären Spielzeit plus Verlängerung war geprägt von Spannung, Hoffnung und Panik. Ein Elfmeterschießen wurde unausweichlich.

Die Geburt der Legende „King Kahn“.

Sagenhafte drei Elfmeter vereitelte Oliver Kahn und machte so die Bayern nach 25 Jahren endlich wieder zu Europas Königen.

Dieses Spiel hat es nur zu Platz 5 geschafft und selbst wenn ich damals die eine oder andere Freudenträne verdrückt habe (wie schon wenige Tage zuvor, aber das ist eine eigene Geschichte), so wäre es ein perfektes Spiel nur dann geworden, wenn wir erneut gegen ManU gespielt und sie dank zweier Nachspielzeit-Tore besiegt hätten. Oder auf irgendeine andere, vergleichbar dramatische Art. So war der Sieg eben nicht vergleichbar mit dieser Mutter aller Niederlagen.

Klar. Diese wenigen Tage im Mai des Jahres 2001 waren die erfolgreichsten und dramatischsten, die ich in dieser Anhäufung jemals beim FC Bayern erlebt habe – gleichwohl müsst ihr euch noch bis zum Ende gedulden, um meine Tops zu erfahren.

Und wie man sich denken kann, sind dies offensichtlich nicht die, die man erwarten würde…

Ein Hauch von TM3

Kann sich jemand an den Clou erinnern, als der Spartensender TM3 seinerzeit plötzlich die Championsleague im Free-TV übertrug? Ich glaube es war im Jahre 2000 als wir alle erstmal schauen mussten, auf welchem Programmplatz dieser „Sender“ überhaupt lief. Mit Fußball hatten wir den zuvor nicht wirklich in Verbindung gebracht.

Ich glaube ein gewisser Herr Murdoch wollte seinerzeit den deutschen TV-Markt aufmischen und pumpte ein wenig Spielgeld in die Geschichte.

Das Vorprogramm des ersten Bayern-Spiel mutete ziemlich skuril an. Ein TM3-Moderator, dessen Name ich schon lange vergessen habe, nervte uns mit allerlei Spielchen, in Erinnerung ist mir nur dieser Slogan geblieben (wahrscheinlich, weil er ihn alle 3-4 Minuten wiederholte):

„T mmmmmm 3“

Heute starten wir in ein ähnliches Zeitalter. Fußball auf Pro7. Bisher fand dieser Sender in meiner Wahrnehmung nur statt in Bezug auf US-Serien und Raab-Events (macht der eigentlich überhaupt noch seine ursprüngliche Sendung?) und als ich von der Wahl der Bayern hörte, die UEFA-Pokal-Heimspiele von Pro7 übertragen zu lassen, dachte ich spontan an schicke Interviews Raab vs. Hoeneß…

Inzwischen wissen wir: Es kommt viel schlimmer!

Die Untoten der Arena-Auflösung springen in die Bresche. Ex-Chef-Rampensau Olli Welke gibt sein Comeback, am Spielfeldrand stammelt Mathias Opdenhövel, Ex-Stadionsprecher in Mönchengladbach, einmal mehr seine Gegenüber an und Holger Pfandt kommentiert.

Wollen wir hoffen, dass uns die Herren Sport-„Journalisten“ in unserer Wahrnehmung des Spiels und der Bayern nicht allzusehr behindern.

Klasse statt Masse

So die neue Einstellung des FC Bayern.

Hatte man vor Monaten noch davon gesprochen, dass die Transferwelle vor der Saison eine Ausnahme bleiben würde, spricht man nun, wohl ob des Erfolgs, offen davon, dies auch in Zukunft fortzusetzen.

Zumindestens was die Qualität der Neuverpflichtungen betrifft – 70 Millionen Investitionssumme sollen es nicht jedes Jahr sein.

„Transfers in der Größenordnung Klose, Ribéry und Toni sind der neue Weg […] Wir sind uns im Klub alle einig, dass allein die Qualität der entscheidende Faktor ist. Dem wollen wir nun in Zukunft Rechnung tragen.“

Nun ja. Das hätte ja auch früher schon der Gradmesser sein können, oder?

Man will die Winterpause abwarten und dann neu entscheiden, wer bleibt und wo noch Bedarf ist. Gerne. Allein auf einer Position wird an der aktuellen Planung nichts verändert: Rensing folgt in der neuen Saison Kahn.

Noch ein Argument weniger für die üblichen Kritiker: die Bayern geben trotzdem jeder Menge jungen Spielern eine Chance.

Alle Mann an Bord?

Na was habe ich gesagt?

Es ist Mittwoch und alle Montag-Verletzten sind spielfähig…

[…] sind Mark van Bommel, Christian Lell und Lucio am Dienstag ins Training zurückgekehrt und dürften damit auch einsatzbereit sein für das Spiel am Donnerstag.

Ferner steht Podolski in der Startelf – na bitte.

Ein Einsatz von Luca Toni wäre auch für ihn selbst nicht unwichtig – hat doch der Weltmeister noch überhaupt kein Europapokalspiel in den Knochen!

Kaum zu glauben. Schon eher dagegen die Premiere von Marcell Jansen.

Viel Spaß.

Grün-weiße Nachwehen beim FC Bayern

Hatte ich ganz vergessen: Miro Klose ist für das Hinspiel in der ersten UEFA-Pokalrunde gesperrt. Grund dafür ist die gelb-rote Karte im Halbfinale der letzten Saison als Werder gegen Espanyol Barcelona ausschied.

Späte Rache an den Bayern… 😉

Ob Podolski jetzt endlich einmal in der Startformation der Hitzfeld-Elf aufläuft?

Sehr wahrscheinlich. Zumal selbst der Einsatz von Luca Toni noch fraglich ist.

Der Italiener, der gerade erst einen Muskelfaserriss auskuriert hat, beschränkte sich auf eine regenerative Einheit und drehte ein paar Runden um die Trainingsplätze.

Dabei ist er aber aktuell in guter Gesellschaft:

Lucio wird von einem grippalen Infekt geplagt, Lell (Sprunggelenk) und Van Bommel (Schleimbeutel-Entzündung) kamen angeschlagen aus dem Spiel gegen Schalke heraus.

Irgendwie finde ich diese Meldungen immer recht komisch. Denn sowas lese ich Montags oder Dienstags recht häufig. Zumeist spielen die Spieler dann aber doch. Was entweder für Wunderheilung oder gelangweilte Online-Redakteure beim FCB spricht…

T Minus 30: FC Bayern – Schalke 04

Ich kann nicht wirklich abstreiten, dass das Unentschieden gegen die Knappen gerecht ist. Die Bayern haben zwar weitestgehend das Spiel beherrscht – war ja auch zu erwarten bei einem Heimspiel – aber die Schalker haben es ihrerseits verstanden, den Angriffswirbel der Bayern zum Erliegen zu bringen und trotzdem nicht nur defensiv und zerstörerisch zu spielen.

Sie sind die beste Kontermannschaft der Liga und das hat man am Samstag auch gesehen.

Die Bayern waren müde von all den Länderspielen.

So hieß es zumindestens mal entschuldigend nach dem Spiel.

Na fein. Richtig Stress hatten doch wohl nur Lucio (USA) und Demichelis (Australien), die teilweise erst am Freitag, einen Tag vor dem Spiel, wieder in München eintrafen (über die Vermarktungsstrategie der Brasilianer und Argentinier kann man gesondert unterhalten), oder?

Aber was war mit Zé Roberto, Schweinsteiger, Lell, Ribéry und Co. los?

Von „kein Nationalspieler (mehr)“ bis „nur Heimspiele gehabt“ ist da alles dabei – weshalb also die Müdigkeit? Mumpitz.

Das ist eine Sache des Kopfes.

„Gib Ribéry den Ball, dann klappt der Rest von ganz alleine.“

Nein! Eben nicht. Laufen müssen die anderen Spieler auch ein wenig.

Wir haben am Samstag den FC Bayern 2006 gesehen – im 2007er-Gewand.

So kann das nicht funktionieren. Sicher. Ribéry hat inzwischen 1-2 Sonderbewacher. Aber mal ehrlich: Dann sind doch rein mathematisch gleichzeitig auch 1-2 Bayern-Spieler ungestört von Gegenspielern – die könnten sich anbieten, freilaufen, nicht wahr?

Ebenfalls nicht unterhalten müssen wir uns über das diesmal gescheiterte Experiment, einen körperlich nicht fitten Luca Toni aufzustellen. Trotz seiner seit drei Wochen(?!) andauernden Malesse, hätte er beinah früh die Führung erzielt. Charakteristisch für das Spiel war die größte Bayern-Chance in HZ1 durch Lell(!).

Nein. Das mit Toni ging in die Hose. Ich persönlich hätte mit dem WM-Sturm spätestens ab HZ2 gerechnet. Ebenso wie wohl auch Podolski selbst. Aber Hitzfeld gab die Hoffnung auf Toni nicht auf und wechselte erst spät, imho zu spät, in der 70.Minute, denPrinz ein, ohne dass der in seinen 20 Minuten eine Bindung zum Spiel fand.

Tja. Und so kam es, dass dies Spitzenspiel keinen Sieger fand. Bayern blieb Tabellenführer, Schalke freute sich zur Abwechslung mal über eines seiner vielen Remis, muss aber nun aufpassen, dass die Zwischeneuphorie nicht im nächsten Spiel verpufft. Slomka sollte mal in Hamburg nachfragen, wie sich das anfühlt – Breitnigges Law.

Die Bayern spielen nun endlich mal UEFA-Pokal und zwar gegen Lissabon. Keine Ahnung, ob das schwerer oder leichter wird als gegen die Königsblauen – am Sonntag dann gegen die nächste Wundertüte KSC.

Im Ligapokal war ich über weite Strecken vom Team beeindruckt, setzte sich Finalist Schalke doch nur mit Glück durch. In der Bundesliga dagegen gleicht der Weg der Karlsruher wohl eher einer Berg- und Talfahrt – ein gefährlicher Gegner.