Wo geht die Reise hin?

Ich bin spät dran. Aber ehrlich gesagt immer wieder erstaunt, woher andere all die Zeit nehmen. Wie auch immer. Wäre doch schon irgendwie merkwürdig, wenn alle mal was zum FC Bayern und seiner Saison zum Besten geben, von mir da aber gar nichts käme.

Also los.

Es wäre mir ein leichtes zu sagen: Die Bayern gewinnen alle Titel. Punkt.

Ganz so einfach wird das nicht werden. Wieso?

Der Meister hat sein Team zusammengehalten und ist eingespielt. Ferner wohl immer noch auf einer Euphorie-Welle. Ganz abgesehen von den punktuellen Verstärkungen.

Bei Werder sieht es ähnlich aus. Zwar hat man den Klose-Abgang zu verschmerzen, aber das Mittelfeld ist wohl noch einmal stärker geworden und kann selbst Stürmer wie Sanogo mit verwertbaren Bällen füttern. Die Abwehr hat man inzwischen auch entdeckt und Allofs&Co. schließen da gerade die Lücken.

Und Schalke?

Es mag Ultra-Fans geben, die die Königsblauen auf den ersten Platz schreiben wollen, aber im Jubiläumsjahr wird es dazu imho nicht kommen. Der interne Meister-Druck wird das verhindern. Lincoln ist weg, das hat Vor- und Nachteile – „Nachfolger“ Rakitic zeigte gestern gute Ansätze und auch das 2:2 war nicht schlecht, aber ob das Gesamtkonstrukt schon funktioniert?

Wen sollte man sonst noch auf der Rechnung haben?

Leverkusen, Hamburg, gar Nürnberg?

Mag sein, aber hier ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken, oder?

Die Bayern.

Heute werden wir gegen Rostock noch nicht die letzte Ausbaustufe sehen. Kann so nicht sein. Toni wird, wenn überhaupt, nur auf der Bank sitzen. Ein Zusammenspiel des magischen Dreiecks Ribéry, Toni und Klose gibt es frühestens, wenn der UEFA-Pokal im September anfängt. Auch ist der Leistungsstand im Kader noch viel zu unterschiedlich. Zu viele Spieler sind noch verletzt (Sagnol, Ismael, Schlaudraff, etc.), andere erst wieder kurz im Training (Toni, Podolski) – da kann noch nichts eingespielt sein.

Daher fand ich es umso erstaunlicher, dass die zur Verfügung stehenden Spieler schon so gut harmonieren. Gute Frühform hatten die Flügelzangen (Jansen und Lahm(!)), die Mittelfeld-Stars Zé Roberto und Ribéry. Schweinsteiger habe ich immer ängstlich beobachtet, ob irgendwann wieder ein Knie-Einbruch auftrat – bisher hatten wir Glück und er zeigte wieder ein wenig von seiner fast vergessenen Spielfreude rund um die WM.

Positiv überzeugt und überrascht hat uns alle wohl Altintop. In Schalke noch unterschätzt, schlug er bei uns sofort ein. Was ich da im Ligapokal gesehen habe, war schon ’ne Wucht.

Was noch Sorgen bereitet?

„Zerstörungswut“.

Ich habe tatsächlich Sorgenfalten, wenn ich daran denke, was mit Ribéry, Zé Roberto, Toni und Co. passieren wird, wenn wir gegen Teams spielen, die anders keine Chance haben. Das alte Hase-und-Igel-Spiel. Einfach mal abwarten, wer schneller sein wird…

Hier noch einmal meine Traum-Elf:

Tor: Kahn (Rensing)

Abwehr: Jansen – Lucio – van Buyten (Ismael) – Sagnol (Lahm)

Mittelfeld: van Bommel (Ottl) – Zé Roberto – Schweinsteiger (Sosa) – Ribéry (Altintop)

Sturm: Toni (Schlaudraff) – Klose (Podolski)

Alle anderen Varianten hatte ich ja schon rausgehauen.

Achso: Das Fazit:

Ich glaube, respektive hoffe, dass die Bayern Meister werden und im DFB- und UEFA-Pokal weit kommen. Ob’s klappt? Wir werden sehen.

Los geht’s!

Der einzig wahre Analyst: Karl Dall

Vergesst Lattek, Matthäus, Bierhoff und Klinsmann!

Der einzig wahre Experte im Fußball ist Karl Dall. Weshalb? Deshalb!

ABENDBLATT: Alle reden von den Super-Bayern, die 70 Millionen Euro in den neuen Kader gesteckt haben. Ist das Geld gut investiert?

DALL: Erfahrungsgemäß stecken die Jungs das wieder in Frauen und „Bauherren-Modelle“ – so kommen „soziale Fälle“ von der Straße und der Staat kassiert mit und kauft neue Panzer davon.

Ging zwar um die Bayern, war aber noch nicht mal der beste Spruch, der hier ist mein Favorit:

ABENDBLATT: Spätestens in vier Wochen wird in der unteren Tabellenhälfte vom Abstiegsgespenst gesprochen, das bei einigen Klubs gesichtet worden sein soll. Wen wird das Ihrer Meinung nach betreffen?

DALL: Ich freue mich schon drauf, dann werden wieder abgehalfterte Trainer hochgelobt – Paceman Neururer gegen Gespenster! Kuno Klötzer hat übrigens ’ne neue Handy-Nummer! Kleiner Tipp für Bielefeld, Rostock, Frankfurt und Duisburg…

Knapp vor diesem hier:

ABENDBLATT: Nun mal im Ernst: Es gab ja schon häufiger Überlegungen, den Abstieg wie etwa in der Deutschen Eishockey-Liga auch in der Fußball-Bundesliga abzuschaffen oder nur einen Klub absteigen zu lassen. Was halten Sie davon?

DALL: Ich bevorzuge das System Schalke: Wenn die absteigen müßten, wird die Liga aufgestockt – das hatten wir ja schon mal.

Schön, dass die Saison wieder anfängt…

Meine Top-10: Bayer Leverkusen – FC Bayern

Top-10-Platz: 9
Spiel: Bayer Leverkusen – FC Bayern
Datum: 21.11.1992
Ort: Leverkusen, Ulrich-Haberland-Stadion

Leverkusen war für die Bayern immer ein heißes Pflaster. Die Bilanz ist dort, glaube ich auch ausgeglichener als anderswo. Ich persönlich habe dort ebenso rauschende Feste gefeiert wie ernüchternde Niederlagen ertragen müssen.

Besagtes Spiel gehörte zur ersten Kategorie, auch wenn die Vorzeichen nicht die besten waren. Die Bayern hatten mit Platz 10 eine Horrorsaison hinter sich und wagten den Neuanfang. Viele Spieler zogen zum ersten Mal das Trikot des FC Bayern an, andere erneut. Lothar Matthäus, zwei Jahre zuvor umjubelter Weltmeister in Italien geworden, gehört dazu.

Für damalige Verhältnisse war das eine Sensation: Anfang der 90er-Jahre wechselte man nach Italien und nicht aus Italien in die Bundesliga. Aber Matthäus traute Inter wohl nach seiner schweren Verletzung die Rückkehr zu alter Stärke nicht mehr zu.

Nicht so die Bayern. Trotzdem war bis zu diesem Spiel im November, dem 14.Spieltag nicht alles im Lot beim Verein:

War man vor Matthäus‘ Rückkehr mit 11:1 und 15:3 Toren in die Saison gestartet, gelang mit ihm nur eine Bilanz von 9:5 Punkten und 11:10 Toren. In Leverkusen lag man nun auch schon wieder 0:1 hinten. Erste Zweifel am Weltstar-Transfer kamen auf. In den Medien, im Umfeld.

Meine Gefühlslage muss man nun wie folgt einordnen:

Selber voller Zweifel, noch dazu in diesem Stadion mit allerlei Klatschen im Gepäck, sah ich den Ausgleich durch Christian Ziege (58.) doch eher neutral, nicht darauf hoffend, dort noch ein Feuerwerk zu erleben.

Dann dieser Eckball. Der Ball fliegt diagonal über den Strafraum der Leverkusener. Jeder fragt sich was das soll. Und plötzlich steht er da, Matthäus, nimmt kurz Anlauf und alle denken: „Der wird doch nicht?“… Doch, der wird und wie.

Lothar nimmt den Eckball direkt aus der Luft und knallt den Ball vom Strafraum-Eck in den Winkel zum 2:1 für die Bayern (69.).

Explosion. In meinem Kopf. Im Bayern-Block. Auf dem Platz. In der Saison. Für Matthäus‘ zweite Bayern-Amtszeit.

Dieses Tor war so unglaublich (wurde, glaube ich, auch Tor des Monats), dass Leverkusen danach mehr als geschockt war. Die Bayern hatten danach leichtes Spiel und fegten die Konzernkicker noch mit 4:2 aus dem Stadion.

Für diese Momente geht man ins Stadion, ist man Fan. Wie aus dem Nichts prasselt urplötzlich alles auf dich ein. Geil.

Oh mein Gott, was ist nur mit den Bayern los?

Panik. Angst. Alles geht zu Ende.

Was ist nur mit den Bayern los? Erst im Pokal bis auf die Knochen blamiert, die schlechteste Leistung seit Jahrzehnten abgeliefert und gestern, satte 20 Stunden später, gleich die nächste vernichtende Klatsche. Oh mein Gott!

Zitterpartie gegen Burghausen, 0:3 gegen Mallorca – Bayern München enttäuscht wenige Tage vor dem Saisonauftakt.

Für rund 70 Millionen Euro wurde die Mannschaft vom FC Bayern München runderneuert und schon vor Beginn der neuen Bundesliga-Saison als haushohe Meister gehandelt. Diese Vorschusslorbeeren hat der Rekordmeister jetzt erst einmal verspielt

(Psst: Da fehlt ein „r“)

Im Ernst: Als ich auf diesen Beitrag stieß, wußte ich spontan nicht, ob ich laut lachen oder weinen sollte…

So in etwa stelle ich mir das vor, wenn man einen 3-jährigen an sein Labtop lässt und danach feststellt, dass die Festplatte gelöscht wurde: Unverständiges Entsetzen.

Ich fühlte ähnlich, ob soviel Plattheit und journalistischer Schieflage.

Ganz unter uns:

Euch ist schon klar, dass die Bayern diesen Freundschaftsspiel-Termin vor ewigen Zeiten vereinbart hatten, als sie noch nicht wussten, dass kaum 24 Stunden zuvor ein Pokalspiel ansteht, oder? Das Hitzfeld aber mal locker das allerletzte Amateur- und Jugendaufgebot in den Mallorca-Flieger gesetzt hat? Am Ende standen auch hier einmal mehr Spieler auf dem Platz, die selbst ich teilweise nicht kannte und das will nach dieser Vorbereitung und gerade bei mir schon einiges heißen.

Dass das Pokalspiel der Bayern tatsächlich ein gutes Spiel war, ist inzwischen allgemein anerkannt, womit wir also zum Schluss zu der Erkenntnis gekommen wären, dass „Journalisten“ von Vanity Fair besser nichts zum Thema Fußball beitragen sollten.

Meine Güte, diese Sommerpause war wirklich lang. Aber bald ist es ja vorbei.

Na dann bin ich ja mal gespannt

Nach dem Gegenentwurf zum modernen Fußball am vorgestrigen Montag, als die Zweitliga-Absteiger von der österreichischen Grenze den Versuch durchgezogen haben mit 10 Abwehrspielern zu spielen und im Nachgang alle Medien (auch die ausserhalb des Boulevard) für den nächsten Samstag in der Allianz-Arena ein ähnliches Szenario gemalt hatten, wollen das die Koggen-Kicker nicht auf sich sitzen lassen!

„Wir wollen unsere Vorstellungen vom modernen Fußball auch in diesem Spiel umsetzen, auch wenn Bayern sicher gleich für Furore sorgen will“, sagte Trainer Frank Pagelsdorf

Das warten wir dann erstmal ab. Kann ich mir aktuell noch nicht so richtig vorstellen. Falls es allerdings ernst gemeint ist: Gerne. Kommt nur.

Fußballgroßmacht Rumänien

Die Liga hat einen neuen Präsidenten: Reinhard Rauball. Der oberste Borusse und Nachfolger vom Borsigplatz-Sonnenkönig ist jetzt neuer Wortführer der deutschen Profi-Vereine.

In dieser Eigenschaft legt es direkt mal richtig los. Er will die Winterpause abschaffen und den Ligapokal reformieren. Naja.

Die witzigste Aussage kam allerdings zum Thema Europapokal:

„Wir müssen alle Kräfte daran setzen, um zu verhindern, von Ländern wie Rumänien überholt zu werden.“

Mein Lieblingsthema.

Dann erklär‘ ich Dir das mal, Reinhard.

Das uns Länder wie Rumänien überholen, liegt daran, dass die, im Gegensatz zu den deutschen Vereinen, einen viel günstigeren UEFA-Cup-Koeffizienten haben. Weniger Teams am Start müssen weniger Belastungen aushalten. Weniger Fahrstuhlmannschaften mit durchziehen.

In Deutschland gibt es eben Föderalismus, Sozialismus und verbandsorganisierte Chancengleichheit per Definition. Will sagen: In Deutschland ist es etwas Gutes, wenn immer mal wieder irgendwelche Gurkentruppen für ’ne Saison Deutschland in Europa vertreten. Es macht der öffentlichen Meinung nichts aus, dass derlei Teams den Koeffizienten belasten, aber trotzdem in der ersten, zweiten Runde ausscheiden und so gut wie keine Punkte über den relevanten 5-Jahres-Zeitraum beisteuern.

Dabeisein ist alles. Und „oben mitspielen“ das Ziel.

Damit mich keiner falsch versteht: Sollen alle machen, ich schaue eh nur auf die Bayern. Aber das große Geheule und Gejammere, wenn immer mehr Fußball-„Großmächte“ wie Portugal, Holland oder Rumänien an uns vorbeiziehen, halte ich eben für völlig lächerlich. Siehe oben.

Ein Trost ist uns allerdings sicher: Höhere Plätze für Rumänien und Co ermöglichen mehr Startplätze. Mehr Startplätze mehr Koeffizient. Mehr Koeffizient mehr Punkte-Belastungen.

Also keine Sorge, Reinhard. Das Problem Rumänien erledigt sich in ca. 7-9 Jahren von selbst.