Kraftloser FC Bayern und ein Punktverlust mit Ansage

Was für eine Saison.

Ich für meinen Teil habe den Kaffee auf. Fast jeden Spieltag fühl‘ ich mich genötigt, nicht nur einen reinen Spielbericht sondern auch noch Statements zu irgendwelchen Randthemen rund um den FC Bayern zu verfassen. Über den Trainer, unsere Führungsriege oder unsere Fans.

Mir reicht das langsam.

Der liebe Kaisergrantler hat dies sehr schön zusammengefasst.

Bisher hat mich ausschließlich interessiert, was auf dem grünen Platz passiert. „Randgeschichten“ […] haben mich nicht die Bohne interessiert. […] Seit ca. 15 Monaten blogge und twittere ich rund um den FC Bayern. Und plötzlich fühle ich mich gezwungen, mich mit Themen zu beschäftigen, die ich wahrscheinlich vor dieser Zeit nur am Rande wahrgenommen hätte.

So isses. Und manchmal bin ich deshalb richtig angenervt.

Heute ist das erneut so und deshalb gibt es – einmal mehr – mehr als einen Bericht.

Dieser hier beschäftigt sich nur mit dem Spiel. Punkt.

Vor dem Spiel hatte ich gemischte Gefühle. Auswärtsspiel in Franken. Immer mit Brisanz verbunden. Von Seiten der Clubberer. Wieso und weshalb erschloss sich mir viele Jahre nicht. Irgendwann habe ich aufgegeben. Und es akzeptiert.

Zu Beginn des Spiels erweckte alles den Anschein, dass es endlich einmal wieder was werden könnte mit einem Sieg in der bayerischen Fremde. Es kam anders. Und das hat Gründe.

Diese Gründe will ich heute, in diesem emotional aufgeladenen Umfeld, in dem wir uns befinden, nicht werten, sie lediglich auflisten.

Da wäre zunächst einmal die Tatsache, dass Herr Gomez durchaus seine beiden mehr als 100%-tigen Chancen verwerten darf. Mehr oder weniger alleine auf Herrn Schäfer zulaufend und ca 4,5m vor dem Tor, den Ball auf dem Fußball – wäre unser Torero mental und auch sonst auf der Höhe, wäre alles in Butter und ich müsste keinen weiteren Bericht schreiben. Hat er aber nicht und somit fiel unsere saisonale Defensivschwäche erneut einfach recht übel auf.

Des Weiteren spielen wir zwar seit einigen Wochen schon (wieder) mit der berühmt-berüchtigten Flügelzange Robbéry, aber so richtig Weltklasse ist das aktuell nicht immer, oder?

Wo ist die Weltklasse auf dem Platz, die Spieler dieses Kalibers einfach (zumeist) draufhaben (sollten)?

Sind es am Ende doch nur Menschen, die nach ca. 5 Minuten ohne Übersteiger und Tempoläufe über 25 Minuten ohne direkten Gegenspieler genervt das Handtuch werden?

Schlimm, das.

Nun. Bewusst habe ich die Defensive nicht als ersten Punkt gewählt – wäre mir zu plump, zu offensichtlich gewesen.

Fakt ist aber, dass Herr Kraft imho nun den zweiten spielentscheidenden Fehler in dieser – seiner – Rückrunde gemacht hat. Auch für einen jungen Spieler, sei er argumentativ noch so sehr von großen Teilen in den Reihen des FC Bayern beschützt, ist das zuviel (Wenn man den Anspruch hat, „jedes Spiel gewinnen zu wollen“. Wie das beim FC Bayern ja zu sein scheint.)

Vor allem, weil er auch schon vor dem unfassbaren Fehler vor dem 1:1 – für alle ersichtlich – ein extremes Nervenbündel war.

Ich bin weit davon entfernt, Thomas Kraft für unsere aktuelle Situation verantwortlich zu machen – er ist imho sogar die ärmste Sau in diesem Spannungsfeld Trainer und Führung, aber auf diese Art und Weise hat er zumindest schon mal das Thema „Druck beim FC Bayern“ kennengelernt. Auf die harte Tour. Da lernst du was fürs Leben.

Persönlich war ich vom Torhüter-Tausch überrascht und irritiert. Aber ich habe ihm ’ne Chance gegeben…

Persönlich hätte ich kein Problem damit, wenn Kraft jetzt eine überragende Rückrunde spielt und uns mit seinen Paraden in allen Wettbewerben nach vorne bringt. Was wäre ich für ein Fan, wenn ich ihm Fehler, Pech und Pannen wünsche, nur um Recht zu behalten? Nein, derlei käme mir nicht in den Sinn. Wenn das Spiel in Wolfsburg angepfiffen wird und er steht wirklich im Tor, dann will ich trotzdem, dass wir zu Null gewinnen. Und zwar so was von.

…und er hat sie phasenweise ja auch mehr als genutzt. Am Ende des Tages werden wir es ohnehin nie erfahren, ob mit Butt alles anders gelaufen wäre, allein, es musste van Gaal doch klar sein, dass es eng für ihn werden könnte, als er diesen Schritt so durchzog?!

Zurück zum Spiel.

Das es nicht (nur) an Krafts Fauxpas lag, lässt sich daran ablesen, dass auch seine direkten Vorderleute ihre Nerven und Fähigkeiten nicht im Griff hatten. Es war den Clubberern (die seit einigen Spielen schon nicht mehr diesen Drive haben, der sie auf diesen Tabellenplatz gebracht hat) sogar möglich, die bayerische 4er-Kette am eigenen Strafraum zu pressen und das Versagen des Deos war dabei bis unters Tribünendach zu müffeln.

Dies ist nun schon länger bekannt und doch ist seit Wochen nun auch in der Zentrale Sand im Getriebe. Herr Schweinsteiger, seines Zeichens Ex-WM-Held, läuft und läuft und läuft. Ums Verrecken will er seine Form aber nicht mehr wiederfinden (habe ich das nicht schon einmal geschrieben?).

Sein Pendant Kroos? Himmel. Jetzt hätte er sich vor der Halbzeit fast schon selbst mit Gelb-Rot aus dem Spiel genommen. Das übernahm dann – völlig zu Recht unser Trainer.

Damit das klar ist: Ich möchte bitte bis Saisonende Herrn Kroos nicht mehr wiedersehen, ok?

Der Sportskamerad Timoschtschuk war – meiner Wahrnehmung nach – das einzige Münchner, der sich in HZ2 bedingungslos in die Schlacht geworfen hat. Alle anderen versuchten zumeist noch Herr ihrer Nerven zu werden oder all unsere Probleme spielerisch zu lösen.

Womit wir bei unserer Offensive wären.

Ansatzweise habe ich meine Enttäuschung ja schon zum Ausdruck gebracht. Dabei fing alles doch sehr gut an.

Die Balleroberung Robbens, dessen genialer Pass auf Müller und das 0:1 waren erste Sahne. So Rückrunde 2009/10.

Und dann?

Nix mehr – unglaublich.

Wären die heutigen Bayern noch die alten Bayern hätte ich mir überhaupt keine Sorgen über eine 1:0-Führung gemacht. Diese Zeiten sind allerdings schon lange vorbei. In jeder Hinsicht.

Die Clubberer selbst verzweifelten doch schon fast und dann half ihnen unser Torhüter aus der Patsche – anders wäre doch auch kein Tor mehr gefallen, oder?

Weder Bayern noch Nürnberg waren dazu in der Lage – ein ganz schwaches Spiel.

Von daher hätte es ein dreckiges 1:0 werden können, alle wären damit zufrieden gewesen. Wurde es aber nicht.

Zu allem Überfluss verloren wir nach dem Schlusspfiff noch Herrn Robben. Glatt Rot.

Egal was unser Flügelflitzer nun gesagt hat oder nicht und egal wie man das findet – der Schiedsrichter hielt es für rot-würdig. Derlei ist zu akzeptieren. Ein solches Verhalten passt – so bitter das klingt – zu allem Überfluss auch total in unseren Gesamtzustand.

Muss man über den Schiedsrichter noch weitere Worte verlieren?

Selektiv hatte er zunächst die Franken-Brille auf. Später glich sich dieser Eindruck aus. Thema Kroos und der nicht gegebene 2:1-Siegtreffer. Über das nicht gegebene Handspiel im Club-Strafraum will ich gar nicht erst reden. War erstens nur angeschossen und zweitens gab es genug Chancen, nicht auf derlei angewiesen sein zu müssen. Siehe oben.

Nein. Im Fußball bekommt man zumeist, was man verdient, oder?

Wenn man nicht läuft, nicht kämpft, sich seinem Mitspieler nicht anbietet, dann kann man so viele Dreiecke trainieren, wie man will, es klappt halt nicht. Mit keinem System dieser Welt.

Was das alles jetzt für das nächste Spiel gegen Leverkusen bedeutet?

Keine Ahnung.

Im Hinspiel hat es – bis zum Ausgleich – auch prima ohne Robben geklappt.

In diesen Tagen ist jede Hoffnung hilfreich.

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10 Gedanken zu „Kraftloser FC Bayern und ein Punktverlust mit Ansage

  1. Ich habe bisher noch nichts vom Spiel gesehen und nachdem ich Deine Zusammenfassung gelesen habe, kann ich es mir wohl auch sparen. Ist mir auch schon sehr, sehr lange nicht mehr passiert, dass ich einfach keinen Bock mehr darauf habe, ein Bayern-Spiel (oder wenigstens eine Zusammenfassung) anzugucken.

  2. Wahrscheinlich ist das zum vorigen Text alles ausgiebig kommentiert und diskutiert worden, aber falls nicht – hier mal die Zahlen:
    mit Butt 20 Gegentore in 17 Spielen, mit Kraft 15 in 12 Spielen. Tja, wo da „auf einmal“ die ganze Abwehr laut UH durch den TW-Wechsel in Mitleidenschaft gezogen wurde, erschließt sich mir bei allem Respekt für UH nicht.
    Aber zum Spiel, alles soweit in Ordnung, was Du schreibst, nur: ein Tor für Nürnebrg wäre in jedem Fall noch gefallen. Als unsere nach dem frühen Tor nicht nachsetzten, dämmerte uns doch allen spätestens ab der 15. oder 20. Minute, dass das nicht für einen Sieg reichen wird.

  3. Nun ja, an Zahlen ist unser Abwehr-, oder sogar Gesamtproblem nicht zu messen. Wir stellen die drittbeste Abwehr der Liga nach Gegentoren (und übrigens die beste Offensive(!)). Ist sie also nicht total verunsichert? Doch, und es führt dazu, dass man gegen schwache Gegner super spielt, man aber mit Druck, Gegenwehr und starken Mannschaften nicht umgehen kann. Das kann man, wie den Torwartwechsel, schlecht an den Zahlen ablesen.

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  5. Respekt für UH sinkt bei mir von öffentlicher Aussage zu öffentlicher Aussage immer mehr ins Bodenlose.
    Hmmm, musste ich einfach mal schreiben.
    Bitteres Wochenende.

  6. An der Niederlage hat auch „das Kapitänchen“ seinen Anteil… Bei Geistesgegenwart und richtig Biss hätte er nämlich den Gegentreffer verhindern können. Aber das hätte vermutlich eine gelbe Karte zur Folge gehabt… Und so vielleicht irgendwann mal „200 Spiele in Folge“ verhindert…

  7. @Pascha: Sehe ich genauso. Das Tor muss sich Lahm mit ankreiden lassen, der nicht mal halbherzig zum Ball und Gegenspieler geht, sondern zaghaft abbremst. Vielleicht wollte sich der Schülersprecher aber auch einfach nicht verletzen oder hofft auf die Fairplaywertung für die Bayern. 😉

  8. Was Lahm und Schweinsteiger spielen, geht doch mittlerweile schon seit Monaten nicht mehr.
    Seit van Bommel nicht mehr da ist, spürt man, dass sie dieser Aufgabe nicht gewachsen sind.

    Heynckes wird viele Einzelgespräche führen müssen, um die Hierarchie wieder geradebiegen zu können. Wahrscheinlich wird er ähnlich wie Hitzfeld schalten und walten. Viel Rotation, viel gute Laune, die Stars bekommen das, was sie wünschen; sodass man am Ende von einer richtigen Mannschaft sprechen kann, Erfolg eint ja. Hochkarätige Neuzugänge wie Neuer werden nicht lange benötigen, um sich zu akklimatisieren. Ob die Abwehr schon in der Hinrunde sicher stehen wird, hängt m.E. von der zukünftigen Spielweise ab. (Ich muss mir mal ein Spiel von Leverkusen angucken, ah! Vielleicht ja nächste Woche.)

    Im Ernst: Ich würde lieber heute als morgen die neue Saison begrüßen.

  9. @Fußballfreund: Ich denke, es geht UH nicht darum, ob der eine TW jetzt mehr Tore kassiert hat als der andere, sondern darum, dass LvG seinen Bossen zeigen wollte, dass er Kraft so stark sieht, dass seine Bosse unnötig Geld für Neuer ausgeben (werden), und die einzige Chance zu zeigen, dass er recht hat, war halt Kraft spielen zu lassen, obwohl leistungstechnisch überhaupt kein Grund bestand, den spielerisch wie charakterlich einwandfreien Jörg Butt aus dem Tor zu nehmen. Dieser Wechsel diente also nicht der Stärkung der Mannschaft (was das vorrangige Ziel eines Trainers sein sollte) sondern der Stärkung des van Gaalschen Egos. Ähnliche Spielereien gab es dann ja (nicht nur) mit Gustavo (nach dem Motto: Glaub bloß nicht Du spielst die Position, von der Du denkst, dass sie Deine beste ist.Ich weiß da viel besser Bescheid – also spiel auf der (kurz überlegen) – äähh – IV. Bringt zwar der Mannschaft nix, aber meinem Ego tut’s gut.)

    @david: Wie schön, dass Du es dann mal losgeworden bist. Warum auch immer. Was würdest Du machen, wenn aus reiner Sturheit und Egomanie jemand das ignoriert bzw. verstümmelt, was Du (nicht nur für Dich, sondern für andere) über die Jahre aufgebaut hast??? Kein Thema, UH schießt manchmal deutlichst übers Ziel hinaus, und oft wünsch(t)e ich mir er würde schweigen können – aber van Gaal bekommt doch im Endeffekt nur, was er über die letzten Monate gesät hat.

    Zum Tor: Den Ball darf Kraft natürlich so nicht spielen, aber PLs Komplettverweigerung den Schaden zu begrenzen / verhindern spricht Bände.

  10. Pingback: Angst essen Championsleague auf oder Ihr seid uns was schuldig! - Breitnigge.de - Ärmel hoch. Stutzen runter.

  11. Ende

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