Von Elfmetern, Experten und jeder Menge Emotionen

Das Ende ist nah.

Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man die Stimmung rund um den FC Bayern in diesen Tagen beobachtet.

Wir haben in Leverkusen, einer Mannschaft, die – zugegeben – tabellarisch schon besser da stand, nur 0:0 gespielt (einem Auswärtsspiel, welches mich schon in den 90ern frustriert hat (Ulf Kirsten!)) und zuvor im Hinspiel des Championsleague-Viertelfinale zuhause gegen Real Madrid mit 1:2 verloren. WELTUNTERGANG.

Natürlich, schön ist anders, aber wie kann sich der Wind hinsichtlich Carlo Ancelotti innerhalb einer Woche zum wiederholten Male in die entgegen gesetzte Richtung drehen? Ancelotti sollte ob seiner Erfolge als Trainer im Prinzip über jeden Zweifel erhaben sein, in den Augen der Kritiker der letzten Tage wirkt er aber wie ein 25-Jähriger, der gerade seine Trainerlizenz erworben hat und jetzt unseren schönen FC Bayern pulverisiert.

Wie soll ein Trainer reagieren, wenn ein Lewandowski sich bei einem Foul im Spiel gegen Dortmund so an der Schulter verletzt, dass er tatsächlich einmal ausfällt und man sein Fehlen unmittelbar merkt, weil er schlicht nicht ersetzbar ist? Wir haben keinen zweiten Mittelstürmer im Kader? Natürlich. Spieler wie Pizarro wachsen nicht auf Bäumen und solche von der Klasse eines Lewandowski setzen sich nicht freiwillig auf die Bank. Würden sie dies tun, würden die gleichen Kritiker Ancelotti dafür kritisieren, dass man zwei solche Spieler im Kader hat und man so immer Unruhe in das Team bringt.

Wie soll ein Trainer damit umgehen, wenn ein Vidal einen (zweifelhaften) Elfmeter gegen Real in bester Uli-Hoeneß-Manier in die Münchner Umlaufbahn entsendet? Ob der Italiener derlei im Training trainieren läßt? Also Field-Goal-Versuche jetzt?! So wie ein Pep Guardiola Thomas Müller beigebracht hat, Elfmeter gegen Atletico Madrid zu versemmeln?

Wie soll ein Trainer reagieren, wenn ein Javier Martinez sich zwei dumme, gelb-würdige Fouls gegen solche Kirmeskicker wie Ronaldo leistet, seine Mannschaft in Unterzahl gegen ein Weltklasse-Team spielen muss, welches die Weltklasse besitzt, ein Überzahlspiel in Vollendung zu spielen? Hatten wir schon darüber gesprochen, wie wenig Einfluss Trainer vom Spielfeldrand – während des laufenden Spiels – auf die Spieler haben?!

Man könnte hervorheben, dass ein zuvor verletzter Weltklasse-Torhüter a la Neuer, von Null auf Hundert auf den Königsklassenplatz zurückkehrt, den Eindruck erweckt, nie weg gewesen zu sein und die Königlichen schier mit seinen magischen Reaktionen auf der Linie zur Verzweiflung bringt. Man könnte erwähnen, dass Neuer so seine Komplettheit aus „modernen Torhüter“ (Technik, Ballbehandlung, Ersatzlibero) und „Kahn’scher Liniendominanz“ präsentiert. Man könnte, es wäre aber weniger „Drama“, weniger „alles geht den Bach runter und ich publiziere als Erster die schlimmste Schlagzeile“.

Damit mich keiner falsch versteht – ich war nach #FCBRMA auch maximal enttäuscht. Wegen, weil Real halt. Und Ronaldo. Und Ramos. Und überhaupt. Aber was hätte es daran geändert, dass wir – schon wieder – zur Unzeit, Probleme mit unserem Kader bekommen (wer beide Verletzungen von Hummels & Boateng, plus Gelb-Rot-Sperre Martinez, vor der Ausleihe von Badstuber vorhergesagt hat, bitte ich um die nächsten Lotto-Zahlen), Verletzte und Sperren zu beklagen haben und im Fußball tatsächlich doch nicht alles planbar ist. Ob mit einem Trainer Guardiola oder dem aktuellen Übungsleiter Ancelotti.

Richtig genervt bin ich hingegen über die Berichterstatter, die Guardiola seinerzeit regelrecht aus dem Amt geschrieben haben für sein Training, seine Taktik, sein angebliches – rücksichtsloses – Verbrennen von Kader-Ressourcen und die nun, wo ähnliches bei seinem Nachfolger passiert, mit keiner Silbe, keinem Tastendruck einen Hauch von Selbstkritik empfinden. Das ist bedauerlich, aber auch dies läßt sich nicht ändern.

Alles in allem – zusammen gefasst – müssen wir konstatieren, dass wir selbst das Problem sind. Uns fehlt Demut, Gelassenheit und eine Prise Abstand zu all dem Zirkus. Wie wäre eine Sichtweise, dass wir gesegnet waren, diese tollen Jahre seit 2007 mit zu erleben?

Was waren wir stolz, dass endlich solche Weltstars wie Ribery und Toni, später Robben, gar Trainer vom Schlage eines van Gaal oder später Guardiola, jetzt Ancelotti, keinen Bogen mehr um München machten, um nach Italien oder Spanien zu wechseln. Sicher, auch Geld spielte da eine Rolle, aber auch hier: Begeisterung, dass auch wir mal 40.000.000,00 Euro für ein Spieler wie Martinez berappen und nicht mehr nur all die 5-bis-15-Mio-Transfers aus der Bundesliga als das Allheilmittel betrachteten. Ergebnis: Ein Triple.

Jede Ära hat ihre Zeit (sic!) und wann genau ist uns dann besagte Dankbarkeit und Gelassenheit abhanden gekommen, diese Leistung dieser Mannschaft rund um Lahm, Schweinsteiger, Ribery und Robben ausreichend zu würdigen? Es muss einfach immer nur so weiter gehen? Sieg an Sieg, Titel an Titel? Jeder Fan, jedes sonstige Mitglied des Fußball-Hamsterrad, welches inzwischen in diesem Stadium angekommen ist und alleine nicht mehr heraus findet, hat mein Mitgefühl.

Ich will mich hier gar nicht überhöhen und von all diesen Verlockungen der Erfolgssehnsucht frei sprechen, aber meine Aufgabe ist ja gemeinhin der Schritt zur Seite, zurück oder nach vorne, der Blick auf das „Große Ganze“ und dabei sehe ich einfach eine tolle Zeit, tolle Erinnerungen, die ich noch meinem Fußballnachwuchs erzählen kann. Es wird heuer wohl die fünfte Bundesliga-Meisterschaft für den FC Bayern in Folge geben. Fünf(!) Titel in Folge. Ein weiterer Rekord nach dem vierten Rekord-Titel im Vorjahr, dem wir schon vor 40 Jahren vergeblich hinterher gejagt sind. Zusätzlich stehen wir gegen Dortmund erneut mit einem Bein vor dem erneuten Pokalfinale in Berlin. Reicht es nicht irgendwann? Muss es auch die sechste Salatschüssel sein, dass x. Double? Nein, nicht für mich. Wir müssen einen Umbruch einleiten. Lahm, Alonso gehen, Ribery und Robben im nächsten Jahr. Die Jugendjahrgänge unterhalb der aktuellen Bayern-Amateure erscheinen vielversprechend – nach allem was Interessierte, Augenzeugen und sonstige Nicht-Stammtisch-Experten berichten.

Ferner das neue Nachwuchsleistungszentrum, welches seiner Fertigstellung entgegenfiebert. All das muss geschehen, all der Nachwuchs braucht Chancen, Kaderplätze, Spielzeiten, denn gehen wir den Schritt nicht, gehen ihn u.a. Hoffenheim und Leipzig. Und wer bisher noch nicht aufgewacht ist, sollte es bei der Erwähnung dieser Teams und einem Blick auf die aktuelle Tabelle schleunigst tun.

Wer sich zurücklehnt und einfach nur abwartet, wie lange die aktuelle Generation noch Sprit im Tank hat, wird morgen abgehängt. Von daher gibt es viel zu tun, ein Zerlegen des eigenen Verein, ob einer schlechten Halbzeit gegen den Championsleague-Titelverteidiger, ist keine dieser Optionen!

Beschäftigen wir uns nicht mit Dingen, die wir nicht mehr ändern können, konzentrieren wir uns darauf, dass wir am Dienstag in Madrid beim Anpfiff mit 1:2 hinten liegen und Real vor der Bestia Negra genau so viel Angst – oder von mir aus Respekt – hat, wie wir uns gerade in den Abgrund reden. Wir brauchen kein Wunder, wir müssen nur als Team zusammen stehen, wir sind keine „2008-unter-Klinsmann-gehen-wir-mit-Lell-gegen-Barcelona-im-Viertelfinale-unter“ – Kicker mehr. Es ist der letzte Ritt dieser großartigen Generation (schon wieder) und wir sollten mitreiten. Zeit für Sorgen haben wir ab Mittwoch, reissen wir uns einfach noch mal zusammen, egal ob wir mit Alaba & Kimmich in der Innenverteidigung spielen oder gelernten Kräften (muss ich hier an 2015/16 und Schlagzeilen wie „Kimmich als IV – Zu-Null-Garant“ erinnern?)!

Auf geht’s, Ihr Roten!

Der Eindrittel-Unvollendete

Schlimm. Was hat nur dieser Katalane aus unserem schönen FC Bayern gemacht? Wir waren Triple-Sieger und haben für den, unseren Don Jupp vom bayerischen Hof gejagt. Und was hat er erreicht mit unseren geliebten Jungs? Noch nicht einmal ein CL-Finale hat er erreicht! Drei Meisterschaften in drei Jahren. Pfff. Haben Lattek & der alte Mathematiker Hitzfeld schon vor 20, 30 Jahren geschafft. Und dann noch dieser langweilige Fußball. Nur noch ein Kollektiv an Stars. Wo ist der Heldenfußball geblieben, den wir alle so geliebt haben? Wo diese Grottenkicks, die immer nur 0:0 oder 0:1 ausgegangen sind, hätte der Willy nicht immer wieder diese Halbfeldflanken auf Michaels Kopf geschaufelt, oder Häuptling Stefan die Ärmel hochgekrempelt, um mal „dazwischen zu hauen“ um ein „ein Zeichen zu setzen“?!

So oder so ähnlich sieht doch das Weltbild einiger Bayernfans, Fußballfans, Medienvertreter oder schlicht Menschen aus, die sich für diesen Volkssport Nr. 1 interessieren, oder?

Meine Welt ist dies nicht. Aber wem sag‘ ich das, wir reden ja nicht das erste Mal über unseren scheidenden Übungsleiter Josep – Pep – Guardiola.

In diesen Tagen wird viel über die Ära Guardiola geredet. Obwohl diese noch gar nicht beendet ist, woll(t)en viele, auch ohne Entscheidung über Deutsche Meisterschaft und den Deutschen Pokal, schon wissen, was von Guardiola in München bleiben wird, wie seine Ära einzuordnen ist und das sie dies ja schon immer genau so gesagt haben.

Mich erinnert dies immer an diese Twitter-Fake-Accounts, die vor Championsleague-Auslosungen alle möglichen Paarungen in geschlossenen Accounts vorgezwitschert hatten und danach die falschen Tweets löschten und den Account öffentlich schalteten. Wie viele der aktuellen Abgesänge lagen gespeichert und vorgeschrieben in realen wie digitalen Schubladen und werden nun endlich hervorgeholt?!

Dieser Gedanke mag nach Verschwörungstheorie müffeln, die Vehemenz der Verurteilung des Trainers Guardiola irritiert mich nicht erst seit dem dritten CL-HF-Ausscheiden am letzten Dienstag…

Wir drehen uns im Kreis liebe Fußballverrückte. Und ich wiederhole mich – ob gern oder ungern ist hier irrelevant.

Der FC Bayern hat im Nachhinein betrachtet – nach dem Triple 2013 – genau richtig gehandelt. Auch die Ultra-Romantiker müssen doch einsehen, dass die Saison 2012/13 unter dem scheidenden Trainer Heynckes etwas sehr Außergewöhnliches war. Nach der bitteren Niederlage im Finale 2012 war der ganze FC Bayern – vom Zeugwart bis zum Präsidenten – heiss auf den Titel in der Königsklasse. Dieses Argument mag abgedroschen klingen und viele können es aus meinem Mund sicher immer weniger hören, es entspricht aber meiner Meinung nach klar den restlichen Prozenten, die oft den Unterschied zwischen Titel und Halbfinal-Aus ausmachen. Beispielhaft stehen hier alle CL-Spielzeiten seit 2010.

Ohne den Wechsel auf dem Trainerstuhl hätte der FC Bayern eine ähnliche Entwicklung wie 2001/02 genommen, davon bin ich überzeugt. Niemals hätte ein Trainer Heynckes das Niveau halten können, was er in seiner letzten Saison erreichte. Der Trainer Guardiola hingegen brachte neue Reize, neue Konzepte, neue Ideen, einfach jede Menge Know-How mit, welches jeden Spieler jeden Tag ein wenig besser machte. Was der Trainer Klinsmann seinerzeit nur formulieren konnte, brachte Guardiola auf den Rasen. Und jetzt soll mir niemand daher kommen und all diese grandiosen Spiele ignorieren, die wir seit 2013 als Bayernfans erleben durften!

Guardiola ist immer auf der Suche nach der Perfektion und diese Entwicklung hat mich bis heute fasziniert. Für Außenstehende mag der Status quo langweilig sein, aber ich bin immer wieder begeistert, wenn ich meine Mannschaft mit einer Vielzahl von Lösungen auf dem Spielfeld sehe. Haben wir alle diese Spiele vergessen, als unser Team mit exakt einer Spielidee versuchte, destruktive Gegner zu besiegen? Mit einer Spielidee, deren einziger Inhalt lautete: „Irgendwann schießen wir schon ein Tor. Mit einer Einzelleistung.“ Haben wir all diese Spiele der 00er – Jahre unter Trainern wie Hitzfeld und Magath vergessen? Ich mein‘ klar, vergessen haben diese Art des Fußball auf jeden Fall die Ex-Trainer und Jetzt-Experten Hitzfeld und Magath, die zurzeit über den Trainer Guardiola und seine Bayern-Ära urteilen…

Man kann – ich wiederhole mich schon wieder – viel am Trainer und Menschen Guardiola kritisieren (Katar-Botschafter, Einstellung zur Rückkehr verletzter Spieler, Trainingsintensität und damit einhergehende mögliche Verschleisserscheinungen, etc.), aber es ist doch bitte unstrittig, dass durch die Anwesenheit und die Arbeit Guardiolas in München, Verein und Mannschaft auf noch höhere Höhen gehoben wurden. Wer hätte noch zwischen 2001 und 2013 gedacht, dass wir uns in der Weltspitze etablieren würden und – relativ – ungefährdet unter die letzten acht oder vier Mannschaften Europas kommen – jede Saison? Ich vergleiche hier nicht 2010-13 mit Guardiolas Zeit sondern mit all diesen Zitterpartien um die Qualifikation für die K.O.-Phase oder bittere Niederlagen gegen absolut überlegene Gegner, wo wir damals schon vor den Auslosungen Sorge ob der möglichen nächsten Gegner hatten.

Wo bleibt hier die Wertschätzung? Haben uns die berauschenden Jahre seit 2010 inzwischen so „versaut“ in Bezug auf unsere Erwartungshaltung? Natürlich haben wir einen sehr guten Kader und wurde dieser seit 2013 auch noch einmal verstärkt, aber warum gewinnt dann ein Messi oder Ronaldo nicht jedes Jahr die Championsleague? Unter Guardiola galt der FC Barcelona doch als das Nonplusultra. Gewonnen haben sie auch unter ihm nicht jedes Spiel. Fußball ist am Ende des Tages vielleicht doch nicht planbar, ein Sieg in der Königsklasse auf jeden Fall nicht. Aber wir erwarten nichts weniger als das?

Guardiola hat – ich glaube hier einfach mal der Biografie von Intimus Perarnau – im 2014er Halbfinale beim 0:4 im Rückspiel gegen Real auf seine Spieler gehört und die eigene Taktik über den Haufen geworfen. Ein Fehler, den er danach nicht noch einmal begangen hat. Das Ausscheiden gegen Barcelona 2015 hatte exakt zwei Gründe: Man wollte im Hinspiel nach dem 0:1 unbedingt auf das Auswärtstor gehen und fing sich noch zwei Gegentore (es bleibt unbewiesen, ob Pep dies anordnete oder die Spieler dies eigenmächtig versuchten (ich glaube an letzteres)) – zweitens hatten wir massive Verletzungsprobleme und Barca agierte in Bestbesetzung und -form (genau entgegen gesetzt zum 2013er Halbfinale)).

Das Aus gegen Atletico 2016 ist sicher noch nicht in Gänze analysiert, aber irgendwann, ist auch der stärkste Trainer mit seinem Latein am Ende. Das 1:0 im Hinspiel war eine schier unglaubliche Kette von verlorenen Zweikämpfen, die es dem Schützen ermöglichten dieses Traumtor zu erzielen. Eine zweite Halbzeit, wie die der starken Bayern in Madrid, hat unter Guardiola auch oft genug zu 1-2 Toren geführt. Sei es drum, wie man aber nach dem Rückspiel in München, in dem ein Thomas Müller einen Elfmeter verschießt und dem bärenstarken Boateng (einer der Gründe für manch fades Spiel in der Rückrunde. Also dessen Abwesenheit jetzt) dieser Fehlpass vor dem 1:1 passiert, dem Trainer vorwerfen kann, er hätte sich erneut „vercoacht“ erschließt sich mir einfach nicht.

Am Ende fehlte den Bayern in der Addition ein Tor und musste selbst Atletico-Trainer Simeone zugeben, gegen den bisher stärksten Gegner seiner Karriere ausgeschieden zu sein (und damit war neben der Championsleague auch eine spanische Liga mit Real und Barca gemeint). Geschenkt, ob dies nur „Fishing for compliments“ war, aber dieser Eindruck drängte sich auch Außenstehenden auf, wenn man das andere diesjährige Halbfinale verfolgen musste…

Jedem steht seine eigene Meinung zu. Jedem Fan, jedem Journalisten und auch jedem Experten, aber wir alle werden Guardiola noch vermissen lernen. Aus vielen Gründen. Persönlich bin ich, der sich seinen Verbleib bis zu seiner Entscheidung gewünscht hatte, inzwischen froh, wenn das Kapitel Guardiola – aus medialer Sicht – beendet ist. Ich kann all diese Experten, diese offensichtlich verletzten Eitelkeiten nicht viel länger ertragen. Alles ist mir immer einen Tick zu viel. Erst die Überhöhung zum quasi Trainergott, dann die Verteufelung zum Depp der Nation. Das ist mir alles zu deutsch, zu sehr geschlossener Männer(fußball)club, zu viel Boulevard.

Man kann nur hoffen, dass zumindest dieser Aspekt unter Trainer Ancelotti besser wird, allein, mir fehlt der Glaube. Es wird andere Dinge an ihm zu kritisieren geben. Als Selbstzweck. „Sie wissen ja, ich muss das fragen.“ Schlimm.

Ich habe nur einen Satz im Kopf: „Gracias, Sr. Guardiola, und beschenken Sie sich und uns zum Abschied mit dem Double!“

Weisheiten #334

„Ich bin hungrig nach mehr Titeln! Ich bin bald neun Jahre hier und werde im April 33 Jahre, da bleibt nicht mehr so viel Zeit. Zwei, drei Jahre vielleicht. Ich habe schon ein bisschen mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge über einen neuen Vertrag gesprochen. Ich will gerne noch ein, zwei Jahre länger bleiben. Ich bin glücklich, freue mich, in München zu leben. Es ist schön für meine Kinder und meine Frau. Die Leute lieben mich. Ribéry und Bayern, das gehört zusammen. Das ist ganz speziell und emotional. Es ist einfach schön. Geld ist nicht das Wichtigste für mich. Wenn ich viel mehr Geld wollen würde, hätte ich nach China gehen müssen. Ich hatte ein Angebot. Das interessiert mich nicht! Ich will jetzt Spaß hier mit den Fans und Titel gewinnen bei Bayern – das ist mein Klub!“

Franck Ribéry, begeistert.

Offener Brief an den Vorstand

Sehr geehrte Herren des Vorstandes der FC Bayern München AG,

ich bin heute auf den Tag genau seit 25 Jahren Mitglied des FC Bayern München e.V. und seit über 35 Jahren Fan unseres FC Bayern. Mein erstes Spiel sah ich 1989 im Münchner Olympiastadion und bin seit damals zu Dutzenden Spielen gereist, kaufte mir 1992 gar eine Dauerkarte für die Südkurve, obwohl ich 620 km vom Stadion entfernt wohnte. Über all diese Jahre konnten wir einige Titelgewinne feiern, erlebte ich aber auch schmerzliche Niederlagen wie „Barcelona“ oder „Wien“ oder „Rotterdam“. 1999 im Berliner Pokalfinale oder 2012 im „Finale Dahoam“ war ich gar live vor Ort.

Warum leite ich meinen Brief an Sie mit diesen Beschreibungen ein? Weil ich Ihnen verdeutlichen will, wie viel wir alle zusammen mit dem FC Bayern erlebt haben, wie sehr mir mein Verein ans Herz gewachsen ist, wie viel und wie lange er mir schon so viel bedeutet. Ich wähle meine Worte aus diesem Grunde nicht unüberlegt oder leichten Herzens.

Meine Liebe zum FC Bayern entdeckte ich, als Uli Hoeneß Manager unseres Vereins wurde und diesen „aus den Schulden“ geholt und zum modernen FC Bayern gemacht hat – einem der größten und erfolgreichsten Fußballvereine Europas, wenn nicht gar der Welt. Ein vorbildlicher Verein. Diese Entwicklung geschah nicht von heute auf morgen, sondern stetig und kontinuierlich – gesund würde man heutzutage wohl sagen. Für diese Art des Wachstums wird ein Uli Hoeneß immer einen besonderen Platz im Herzen eines jeden Bayernfan haben.

Zum Zeitpunkt meines Vereinseintritts – vor 25 Jahren – war der FC Bayern schon ein gestandener Club, in vielen Punkten aber trotzdem noch ein anderer Verein als er es heute ist. Veränderung ist zunächst einmal per se nichts Schlechtes, es stellt sich nur die Frage, welche Art von Veränderung man als Fan gerade so noch akzeptieren kann und wo es zu weit geht. Diese Grenze zieht jeder Fan für sich und seinen Verein sehr persönlich.

Für mich hat diese Grenze mit dem Thema Katar zu tun.

Ich verstehe, dass, insofern die FC Bayern München AG ihren Status quo bewahren oder gar ausbauen will, Wachstum oder die Generierung neuer Geldströme vonnöten sind – allein, weil es „die Anderen“ gleichermaßen tun, die mit uns international in Konkurrenz stehen. Eine Sichtweise, die diesen Zusammenhang ignoriert, wäre mehr als weltfremd. Mir ist ferner klar, dass ein Unternehmen wie die FC Bayern München AG – was seinen Anspruch an seine Sponsoren oder Geldgeber angeht – eher nicht agieren kann wie z.B. der FC St. Pauli – ich habe aber nun einmal – als Fan wie als Mensch – ein Problem damit, dass ausgerechnet der FC Bayern, als Verein mit einer großen jüdischen Tradition – zu der sich der Verein ja (inzwischen) bekennt und diese lebt („Kurt-Landauer-Platz“, Ausstellungen israelischer Künstler in der Allianz-Arena, etc.) – mit Ländern wie Katar geschäftliche Beziehungen unterhält. Einem Land, welches Israel – gelinde gesagt – ablehnt und u.a. israelischen Sportlern die Einreise verwehrt.

Für mich ist dies ein Widerspruch – wie stehen Sie dazu?

Des Weiteren stört es mich, wie Sie argumentativ mit diesem Problem umgehen bzw. umgegangen sind. Nach den – erstmaligen – größeren öffentlichen Protesten im Rahmen des Trainingslagers des FC Bayern in Katar im Jahr 2015 (sicherlich auch in Bezug auf das Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien), entschieden Sie sich Ende 2015, erneut Teile der Winterpausen-Vorbereitung dort zu absolvieren. Einerseits gibt es Äußerungen, dass ein Trainingslager in Katar per se keine politische Äußerung sei (Frage: Akzeptiert oder zumindest toleriert man aber die Zustände in einem solchen Land nicht doch, insofern man sich als weltweit einflussreiche Marke „FC Bayern“ dort präsentiert?), andererseits erfahren wir vor dem Trainingslager, dass sich Spieler des FC Bayern laufend über die politische Lage in diesem Land informieren und entschieden hätten trotzdem dorthin zu reisen, man vor Ort „die Augen aufhalten“ und mit der Regierung sprechen wolle.

Ob all dies geschehen ist, erfuhren wir im Nachgang nicht. Was die Öffentlichkeit erfuhr, ist, dass die FC Bayern München AG nicht nur nicht nach alternativen Reisezielen für Trainingslager gesucht, sondern sich stattdessen – durch die Partnerschaft mit dem Flughafen von Doha – wirtschaftlich noch enger an Katar gebunden hat.

Diese Zeilen sollen Ihnen einen unmittelbaren Eindruck darüber vermitteln, wie sehr Fans wie ich darüber enttäuscht sind, dass der Verein es weder geschafft hat, die Bedenken der Fans über diese Vorgehensweise (und diese Probleme sind Ihnen bekannt, wie wir aus veröffentlichten, direkten Gesprächen mit einzelnen Fans wissen) in seine Handlungsweisen einfließen zu lassen, noch den Eindruck widerlegen konnte, dass die Krisenkommunikation wirklich nachhaltig war, will sagen, dass der FC Bayern hier tatsächlich meint oder tut, was er sagt.

Ich möchte als jahrzehntelanger Fan und Mitglied meines FC Bayern nicht die unausweichliche Entwicklung im modernen Fußball stoppen, ich will nur wieder den Eindruck gewinnen, dass mein Verein auch in der Gegenwart oder Zukunft noch ein Stück von dem Verein repräsentiert, dem ich 1991 beigetreten bin:

Nicht um jeden Preis den Erfolg zu suchen, sondern neben einem sozialen auch ein moralisches Gewissen zu haben – ist dies der Fall?

Mit rot-weißen Grüßen
Oliver Schmidt

Bayernfan (seit über 35 Jahren) und
Mitglied (seit 25 Jahren (Nr.: 8.813))

Unterstützer und Mitzeichner:

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Fegefeuer, Eitelkeiten, Institutionen und jede Menge Emotion

Die letzten Tage rund um den FC Bayern waren wild. Viel wilder als wir es noch wenige Tage vor diesen Tagen erwartet haben. Klar, den Pessimisten war sicher schon zuvor bewusst, dass das irgendwann mit der Verletztenliste des FC Bayern mal schief gehen müsste, die, durchaus noch als nicht gerade schwach zu bezeichnende Münchner Startelf irgendwann auf dem körperlichen und mentalen Zahnfleisch gehen würde. Nach den Schlachten in Dortmund und in Leverkusen. Derlei wäre und ist nur allzu menschlich.

Das Spiel gegen Frankfurt war hier eine Verblendung, nahmen doch die Hessen an diesem Spiel eher nicht direkt teil – problematisch wurde es dann in Porto, als es gegen einen Gegner ging, der nicht nur gebrannt hat sondern auch zu 100% richtig gecoacht wurde. Dieser Gegner rannte sich von Anfang an die Seele aus dem Leib und zwang unsere wenigen Problemstellen in Probleme. Wer körperlich erschöpft ist, bei dem hinken manchmal auch der Kopf und somit noch intensiver die Beine hinterher. Eine mehr als schlüssige Erklärung für das frühe 0:2 nach 9-10 Minuten in Portugal. Lassen wir diese ersten Minuten mal außen vor, hätte der FC Bayern im Viertelfinal-Hinspiel ein durchaus verdientes Remis erzielt und so ein Fehler, wie vor dem dritten Gegentor, passiert dem Sportskameraden Boateng auch nur einmal pro Saison. Schade, dass es an diesem Abend sein musste, sonst hätte es vielleicht auch ein Auswärtssieg sein können.

So weit so schlecht die Ausgangssituation vor dem Rückspiel am nächsten Dienstag.

Wäre das Ergebnis und die aktuelle Verletztenlage nicht schon schlimm genug (danach auch noch Götze angeschlagen und seit gestern unser Kapitän mit Magen-Darm-Problemen), kam es zu einem offensichtlichen Comeback des FC Hollywood. Und zwar auf allen Ebenen: Unser langjähriger Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt schmeißt unmittelbar nach der Porto-Pleite die Brocken hin. Mit sofortiger Wirkung und sein Team gleich mit. Der FC Bayern – noch dazu in dieser, nicht gerade einfachen Situation – steht medizinisch quasi blank da. Natürlich ist dem nicht so und man hat inzwischen den Teamarzt der Amateure kommissarisch eingesetzt, aber spontan war ich sprachlos. Ähnlich sprachlos, wie ich es beim Daum-Skandal war, oder als Hoeneß‘ Steuerstory publik wurde. So fühlt sich das an, wenn so langjährige Institutionen des eigenen Vereins sich von eben diesem entfernen. Bayerische Erdbeben.

Betrachten wir zunächst einmal nicht den medialen Gesichtspunkt, war ich unmittelbar danach noch viel erschrockener, wie sich einige Bayern-Fans in Rage redeten gegenüber unserem Trainer. Was da aus Einigen herausbrach, irritierte mich zunehmend. Ergänzen muss ich hier natürlich, dass ich generell mit zwischenmenschlichen Äußerungen Probleme habe, denen ich anmerke, mein Gegenüber hat nur auf eine Gelegenheit gewartet, diese Häme, Flüche, etc. los zu werden. Völlig losgelöst vom Fußball, Fans und auch ganz allgemein. Ist halt ein Wesenszug von mir und dies nur zur Erklärung meiner Einschätzung. Zurück zu den Stunden dieses sehr aufgeladenen Abends. Ich entschied spontan, mich zunächst extrem wenig, bis gar nicht zu äußern, auf keinem meiner Kommunikationskanäle. Ich verteilte nur Twitter-Sterne für die wenigen besonnenen Stimmen.

Was genau war hier eigentlich das Problem? Unser Ex-Arzt verschickt eine Pressemitteilung, die jede Menge Raum für Spekulationen bietet. Ob bewusst oder unbewusst, sei einmal dahin gestellt. Er unterrichtet darüber nicht einmal den Verein, für den er fast 40 Jahre gearbeitet hat. Die Fans, die hier unserem Trainer spontan vorwarfen, er zerstöre den Verein, wenn er nun auch noch diese Vereinsikone rausekeln würde, sollten auch einmal diesen Umstand beleuchten. Hat Müller-Wohlfarth eigentlich daran gedacht, in welche Lage er den FC Bayern bringt durch seine Entscheidung? Alles Spekulation, sicher, aber wieso sollte ich nicht auf all die ins Kraut schießenden Spekulationen mit Gegen-Spekulationen reagieren?

Gegen Pep wurde argumentiert, dass er ja noch nie mit „Mull“ gekonnt hätte und er diesen, nicht nur zuletzt in Leverkusen, öffentlich angegangen wäre („Klatsch-Szene“) – das entsprechende Video machte schnell die Runde. Die Diskussionen wurden, in meinen Augen, zu diesem Zeitpunkt immer hysterischer. Der Verein – wie gesagt, ohne Vorab-Kenntnis dieses „radikalen“ Schnittes – musste sich zunächst sammeln und gab dann irgendwann eine Pressemitteilung heraus, die formal korrekt war und die Arbeit und die Verdienste von MW entsprechend würdigte. Diese Pressemitteilung enthielt weder Meinungen, noch weitergehende Informationen, bot aber vielen, die immer noch emotional aufgeladen waren und vor allem den Medien, augenscheinlich erneut eine Steilvorlage. Die (Pflicht-)Pressekonferenz vor dem Spiel der Bayern in Hoffenheim tat ihr übriges, da es in dieser PK fast ausschließlich um das nächste Bundesligaspiel ging. Man kann über die Wortwahl und die „Basta“-Verhaltensweise von Markus Hörwick denken was man will (ich denke auch, man hätte hier souveräner reagieren können, aber wer will den Stab über Hörwick brechen und wer weiß, was dieser Rücktritt intern wirklich ausgelöst hat?), aber im Prinzip war das Thema dieser PK nicht der Rücktritt des Mannschaftsarztes. Punkt. Das können die Medien gut oder schlecht finden, war aber so und ob all das mit einem Uli Hoeneß in verantwortlicher Positionen anders gelaufen wäre – wer will das wissen?

Von Seiten der Medien wird dann gar von einem Bruch der „Pressefreiheit“ gefaselt, weil die öffentliche Kommunikation des FC Bayern zu diesem Thema nicht die gewünschte Richtung hat und man darum bittet, in der PK keine weiteren Fragen zu diesem Thema zu stellen – geht es auch eine Nummer kleiner? Ich als mündiger Bürger würde von der freien Presse schlichtweg erwarten, dass man sich nicht nur in eine PK setzt und dann darauf wartet, dass hier der Verein die Schlagzeilen produziert – ich erwarte von „den Medien“, dass diese die Produktion der Storys, die Recherche, die handwerklich erforderliche Arbeit selbst übernimmt! Das ist meine Erwartungshaltung an „die Medien“ – auch und gerade wenn es um Fußball und meinen Verein geht.

Meine Erwartungshaltung ist im Übrigen auch – und jetzt kommen wir zu meinem roten Faden – das wir nicht nur Berichte über die Sprachkünste, die Kleidung oder andere triviale Themen zu Pep Guardiola lesen, hören, vorgelegt bekommen, sondern auch einmal selbst recherchiert wird, wie die Gemengelage im Team so aussieht, schlichtweg kritisch gearbeitet wird. Die journalistische Arbeit kann ja nicht darin bestehen, dass man zunächst den Trainer Guardiola zu einer Ikone, zu einem Welttrainer hochjazzt, um ihn dann irgendwann, in vergleichbaren Situationen wie der jetzigen, „vom Hof zu schreiben“. Natürlich leben wir in einer „Medienwelt“, die offenbar immer seichter wird, aber gut finden muss ich das nicht und kritisieren darf ich dann auch, dass einzelne Medienvertreter mit Geschützen wie „Gefahr für die Pressefreiheit“ ein wenig sparsamer umgehen sollten. Danke.

Apropos Kritik.

Am Trainer Guardiola ist sicher nicht alles Gold was glänzt und nicht alles an diesem Trainer gefällt mir vorbehaltlos (wie z.B. seine Katar-Tätigkeit), aber ich versuche zumindest derlei Bedenken nicht zu sammeln, um sie dann irgendwann komplett auf den Tisch zu legen, nein, ich versuche, kritisches auch schon einmal aktuell zu äußern. Viel wichtiger finde ich in diesem Zusammenhang aber, dass man auch die Person der „Klub-Ikone“ Müller-Wohlfahrt einmal etwas kritischer beleuchtet. Es geht mir nicht darum, dass ich in Abrede stellen will, dass MW auch für mich eine sehr große Identifikationsfigur ist/war (er ist/war quasi so lange Arzt beim FC Bayern wie ich Fan dieses Vereins bin) und schon gar nicht will ich seine Verdienste rund um den Klub schmälern, es muss aber durchaus auch erlaubt sein, kritisch mit dem Mediziner MW umzugehen.

Warum zum Beispiel muss ich bei unabhängigen Medienvertretern, die sich teilweise mühsam durch Crowdfunding finanzieren müssen, von den – bei anderen Medizinern und Experten durchaus – umstrittenen Behandlungsmethoden lesen und hören? Warum lese ich derlei nur sehr wenig bei „alteingesessenen“ Journalisten und auch nicht zwingend in Münchner Medien? Warum erfahre ich aus eben diesen unabhängigen Kanälen, dass unser Ex-„Medizinmann“ Kontakte hatte zum Doping-Arzt Klümper?

Worauf ich hinaus will: Ein Müller-Wohlfahrt ist kein „Heiliger“, auch wenn ihn einige (Bayern)Fans in den letzten Tagen dazu machen wollten. Wir Außenstehende wissen weder Details noch Fakten – wir spekulieren nur (s. oben). Ins Bild passt da, dass es – gerüchteweise – gar nicht Guardiola sondern Rummenigge war, der MW nach dem Porto-Spiel noch in der Kabine Vorwürfe machte hinsichtlich der Ribéry-Verletzung. War das wirklich der Anlass für seine fristlose Kündigung? Was ist da zuvor gelaufen? Der Streit mit Guardiola hinsichtlich Teamärzten, die direkt an der Säbener Straße arbeiten und Verletzungen (im Training) direkt vor Ort behandeln können? Aus meiner Sicht hat hier Pep Recht. Oder der Streit um die Thiago-Verletzung? Hier hatte aus meiner Sicht wiederum unsere medizinische Abteilung Recht und Pep hat dies im Nachhinein auch akzeptiert und sich entschuldigt (oder etwas nicht?).

Nein – meiner spekulativen Meinung nach – geht es hier ganz viel um verletzte Eitelkeit, um Machtspiele, um das Verteidigen des eigenen Einflussbereiches. Ich muss das in keinster Weise gut finden, denn alles was dem Verein schadet lehne ich ab, aber offenbar stimmte hier die Chemie nicht. Und da hat dann auch unsere Führung versagt, denn die ist für das interne Betriebsklima verantwortlich und hätte hier evtl. bei Problemen einschreiten müssen. Ob sie diese Probleme gesehen hat oder nicht und ob sie versucht hat, diese Probleme auszuräumen oder eben nicht – wir wissen es nicht! Wir wissen aber, dass daran nur und ausschließlich unser Trainer Schuld trägt? Atmet mal bitte ganz tief durch.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Gesamtsituation mehr als bedenklich ist. Der Verein sieht sich nun gezwungen seine komplette medizinische Abteilung neu zu strukturieren, noch dazu mit einer größeren Verletztenliste von Weltklasse-Spielern, deren Rückkehr mehr als sehnlich erwartet wird. Im Worst-case-Szenario scheiden wir am Dienstag schon im Viertelfinale aus der Königsklasse aus, weil unser Team körperlich wie mental angeschlagen ist. Wie das Pokal-Halbfinale gegen die Dortmunder Borussia verlaufen soll mit dieser Ausgangslage, wo die Anzahl der abwesenden Spieler eher größer als kleiner wird (noch dazu, weil dann die Belastung für die Spieler, die noch spielen, sich aber gar nicht mehr ausruhen können, immer größer wird, usw.) und der Gegner – nach dem bevorstehenden Abschied seines Kulttrainers zum Saisonende – mit Sicherheit noch einmal zu maximal möglicher Leistung aufschwingen wird, um Klopp zum Abschied einen Titel zu schenken – Puh.

Wer auch immer für diese komplexe Ausgangslage verantwortlich ist – Vielen Dank. Nicht.

Natürlich kann man nun argumentieren, dass auch schon das aktuell Erreichte mit diesem Kader und der Verletztenliste eine ganz ordentliche Leistung ist, aber dann kommen wir zum nächsten Punkt, den ich auch nicht müde werde zu erwähnen: Erwartungshaltung!

Die letzten Jahre(!) waren für viele Bayernfans (auch für mich) einfach nur ein Weltklasse-Traum. Da ich nun aber durchaus Tendenzen zum Pessimismus habe, hatte ich immer im Hinterkopf, diese Phase bloß nur so maximal wie möglich genießen zu wollen, denn irgendwann ist all das auch mal wieder zu ende. Die, die die Phrasen dreschten „die Bundesliga ist tot“, hatten diese Fähigkeit offenbar nicht, aber Fakt ist, dass all diese Erfolge, all diese Dominanz, irgendwann einmal zu einem Ende kommen müssen. Der FC Bayern ist allenfalls in der sehr komfortablen Lage, nach einer längeren Hochphase und einem kleinen „Tief“ die nächste Hochphase einzuleiten. Hoffentlich, muss man als Bayern-Fan sagen, aber wenn man sich die Historie anschaut, dann war es ja oft so. Gegenbeispiel ist hier Borussia Dortmund, die diese Hochphase nicht beliebig verlängern konnten und tatsächlich Schwankungen nicht so gut auffangen können, wie ein FC Bayern durch seine Jahrzehntelange sehr gute Arbeit. Ich schweife ab.

Mit einem Fazit komme ich zum Schluss dieses Beitrages: Es gibt für diese Situation nicht den Verantwortlichen. Es gibt in München viele Alphatiere in verantwortlichen Positionen. Derlei war immer die Strategie und die Ausrichtung bei meinem Verein, damit sind wir Zeit meines Fan-Lebens gut gefahren. Aber die Welt entwickelt sich weiter, auch der Fußball. Wer glaubte ernsthaft, dann wir das 2013er Triplejahr beliebig verlängern hätten können? War nicht gerade der Weg hin zu Guardiola der entscheidende Unterschied zu 2001, als uns nur ein „Weiter so“ einfiel? Denkt mal drüber nach, aber nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte – als einzelnes Jahr betrachtet, größer als andere Jahre des FCB zuvor – hätten wir, wenn wir im CL-Halbfinal-Rückspiel gegen einen brennenden Gegner nicht die falsche – vom Team gewünschte – Taktik genutzt hätten, beinah eben dieses Triple verteidigt! So falsch kann also diese Weiterentwicklung hin zu Pep Guardiola nicht gewesen sein, oder? Und jetzt müssen wir wieder zurück in Prä-Pep-Ära? Wird dann alles wieder gut? Was ist denn gerade schlecht?!

Menschen machen Fehler. Fans, Journalisten, Trainer, Präsidenten und Vereinsärzte. Derlei sollten wir bei unserer Einschätzung des aktuellen FC Bayern immer berücksichtigen und wer weiß, irgendwann einmal, wenn alle Beteiligten an dieser Situation einmal ihre Memoiren geschrieben haben, werden wir eventuell die wahren Hintergründe erfahren. Bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig, als zu versuchen, über die Gräben hinweg zu sehen und zusammen für den Erfolg des Vereins alles zu geben. Denn der Erfolg dieser Saison steht gerade auf der Kippe – wer will am Ende des Tages für ein Scheitern mitverantwortlich sein? Ich nicht.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Krassiko-Rollentausch oder Peps B-Pläne

Mit Sabbaticals ist das so eine Sache. Macht man so etwas mit seinem Blog, wird die Zeit, die dadurch frei wird, schnell wieder mit anderen Dingen gefüllt, eh klar. Und es ist ja auch nicht so, dass man permanent und komplett von völliger Unlust am Bloggen geplagt ist – im Gegenteil. Dem entgegen stehen aber viele andere Probleme. Man „rostet ein“, findet keinen Ansatz oder „resigniert“ ab und an, weil andere in der Zwischenzeit den „eigenen Platz“ eingenommen haben, vieles vielleicht gar „besser“ machen. Wo ordnet man sich da selbst noch ein?

Fragen über Fragen. Auf die ich immer noch keine erschöpfende Antwort gefunden habe. Wie auch immer, ich habe gerade Urlaub und das frühere „Gipfeltreffen“ meines FC Bayern bei der Dortmunder Borussia war für mich Anlass genug, sich mal wieder hin zu setzen und Gedanken zu… Papier zu bringen. Los geht’s. Auf meine Art.

Seit einiger Zeit ist vielen Bayern-Fans die Sorge vor einem Spiel ihrer Mannschaft abhanden gekommen. Die Sorge, dass mit dem Ergebnis etwas schief gehen könnte. Man kann derlei gut oder schlecht finden (vor allem als Nicht-Bayern-Fan), allein es bleibt die Realität. Ab und an auch meine (meine Spannung zieht sich aus anderen Punkten und wir spielen ja nicht immer gegen den Sportverein aus Hamburg). Im Vorfeld des Auswärtsspiel in Dortmund kam ein Stück weit diese Sorge zurück. Aus mehreren Gründen.

Da wäre zunächst unsere Verletztenliste zu nennen. Einen Robben, einen Alaba, einen Badstuber, einen Ribery und auch einen Martinez ersetzt selbst ein FC Bayern nicht gleichwertig. Da kann man uns Bayern gerne Jammern auf hohem Niveau vorwerfen und die eigene Verletztenliste gegen rechnen, es bleibt dabei, dass sich unser Trainer für dieses Spiel eine neuen Plan ausdenken musste. Natürlich ist mir klar, dass a) eine Dreierkette, b) ein solches Defensivkonzept gegen die aktuelle Borussia und c) Peps Plan nicht spontan bei einem Glas Rotwein aufpoppte sondern vielmehr auf der ohnehin vorhandenen, vollumfänglichem Datenanalyse der entsprechenden Zulieferer (intern wie extern) basiert, aber weder muss ich das künstlich klein reden noch emotional überhöhen. Pep hat hier schlicht seinen Job gemacht und der hat gefruchtet.

Es ist inzwischen fast zum Ritual geworden, dass wir Fans (und ggf. Teile der Fachpresse) ob solcher Aufstellungen wie vor dem Spiel – sagen wir mal – stutzen, hinterher hat man aber zumeist Probleme, die entsprechenden Gründe dafür nachzuvollziehen. Es geht uns Bayern in der aktuellen Ära einfach nur sehr gut. Wir sollten dies ab und an dankend berücksichtigen, wenn es erneut Kleinigkeiten gibt, die zu Großigkeiten aufgeblasen werden.

Zurück zum Spiel, zur Aufstellung.

Ich gebe zu, dass auch ich stutzte und ob der unklaren Borussenstärke (ein Spiel gegen uns ist für den BVB immer etwas Besonderes, da in 90 Minuten Rückstände in Punkten und Platzierungen vergessen gemacht werden können) mit einem Remis zufrieden gewesen wäre. Einfach so und weil wir genug Vorsprung hatten. Aber ein Götze auf der Bank, dafür Dante in der 3er-Kette und ein Mittelfeld aus Alonso, Schweinsteiger und dem Rückkehrer Lahm? Uff.

Die erste Halbzeit strafte uns Lügen und verdrehte die gewohnten Rollenbilder: Die Münchner defensiv, auf Konter lauernd und der BVB mit dem Ball. Gift für die Dortmunder in 2014/15. Und sicher auch sonst unter Klopp. Zumindest gegen Mannschaften mit der Stärke des FC Bayern. Thema „Plan B“.

Ich will hier nicht das große Fass aufmachen hinsichtlich Götze & Lewandowski, dafür stecke ich im fragilen Gebilde einer anderen Mannschaft als meinen Münchner Bayern zu wenig im Detail, aber es ist ja allgemein bekannt, welchen Fußball Klopp am liebsten spielen lässt und wofür er geeignete Spieler besitzt.

Insgesamt neutralisierten sich beide Teams ganz gut, die Bayern hatten den BVB in HZ1 überwiegend im Griff, nutzten eine ihrer beiden Chancen, ließen gleichzeitig, soweit ich mich erinnere, kaum gefährliche Situationen vor dem Neuer’schen Tor zu. Beruhigend derlei als Gast im Westfalenstadion zu erleben.

Die zweite Halbzeit brachte aktivere Borussen, häufigere schwarz-gelbe Chancen und tapfer agierende Bayern. Der knappe Auswärtserfolg war nicht unverdient, die Verletzung Schweinsteigers ist zu bedauern, Einiges hätte aber auch anders verlaufen können. Womit wir beim Thema Schiedsrichter sind – man kann sich dem Thema ja nicht entziehen und wenn es nur sein muss, um ein Gegengewicht in der öffentlichen (schwarz-gelben) Einschätzung zu bilden.

Ein Teil der BVB-Anhängerschaft konnte mit der Niederlage einigermaßen gut leben und hatte mit der Akzeptanz am wenigsten Probleme. Andere sahen sich in ihrer Sichtweise bestätigt, dass ein FC Bayern systematisch bevorteilt wird. Über das letzte Drittel, die weder ihre Emotionen, ihren Hass noch ihr Aussagen im Griff hatten, decke ich einmal den Mantel des Schweigens (im Prinzip habe ich Verständnis, allein die Art und Weise stieß mich ab).

Kommen wir also zum mittleren Drittel. Es liegt mir aktuell noch fern, derlei Sichtweise mit Zahlen und Recherche zurückliegender Aufeinandertreffen zu widerlegen oder wenigstens abzuschwächen. Nicht weil ich nicht will, sondern weil es den Rahmen dieses Berichtes und auch mein heutiges Zeitfenster sprengen würde. Wird ggf. später nachgeholt.

Insgesamt hat mir SR Kircher in diesem Spiel gut gefallen. Seine Linie war zunächst lockerer und als es zur Klopperei zu werden drohte, stieg er in die individuellen Strafen ein – danach beruhigten sich die Gemüter wieder, gut gemacht. Pech für Schweinsteiger, dass die erste Kuba-Grätsche gegen ihn nicht geahndet wurde und er später gar deshalb ausgewechselt wurde. Jeder hatte hier offenbar „einen Tritt frei“ bis Kircher einschritt. Diese Linie bewahrte andererseits auch Herrn Alonso vor einem Platzverweis, da beißt die Maus keinen Faden ab (eigenes Thema, da öfter in der Gefahr).

Den größten Frust auf Seiten der Borussen-Fans erzeugten wohl die Sichtweiten des Schiedsrichtergespann auf die strittigen Strafraum-Szenen der zweiten Spielhälfte. Kürzen wir es ab: Obwohl diverse Experten, ob nun Ex-Schiedsrichter oder Sportjournalisten (und auch betroffene BVB-Spieler) hier nicht zwingend von Muss-Elfmetern sprachen, hätten wir Bayern uns ebe nicht beschweren können, wenn es mindestens einen Elfmeter für Dortmund gegeben hätte. So auch mein Eindruck als Live-Bildbetrachter. Aber gut, Foul ist, wenn der Schiedsrichter pfeift und selbst ein Arjen Robben, seines Zeichens – unter den Verschwörungsfanatikern – der Kronzeuge für eben diese Theorie, hat in dieser Saison schon Elfmeter zu Unrecht nicht bekommen.

Belassen wie es im Moment dabei. Der Bayern-Sieg war, wie gesagt, nicht unverdient, es hätte aber zu einem Remis für Dortmund reichen können, was ebenfalls nicht völlig abwegig gewesen wäre. Die Aussagen eines Mats Hummels nach dem Spiel („waren heute die klar bessere Mannschaft“) oder gar die entsprechenden Klopp-Interviews nach BVB-Niederlagen, lasse ich bewusst außen vor – ich denke, die Dortmunder tun ab sofort ohnehin gut daran, in der Bundesliga die letzten notwendigen Punkte zu holen und im Pokal „mal zu schauen“, was noch geht. Echte Augenhöhe in der Tabelle dann vielleicht ab 2015/16 wieder.

Was bleibt für die Pep-Kicker nach diesem Spiel?

Das schwere Pokalspiel in Leverkusen im Mittwoch – wohl ohne Schweinsteiger – und die Kunst von Pep, mit allen gesunden und fitten Profis im Kader das Triple anzugreifen. Diese Aufgabe wird schwer genug, wenn sich hier weiterhin täglich die Parameter ändern.

Apropos Rückkehrer.

Wie viel Sorge hatte ich, als ich las, dass Thiago schon wieder auf der Bank saß und erst recht, als er wirklich in dieses knappe Spiel geworfen wurde. Aber was kam dann? Drei Spielzüge, die uns alle erneut verzauberten – was ist dieser Spanier nur für ein begnadeter Fußballer. Und was hat seine Rückkehr für Emotionen frei gesetzt. Bei ihm, beim Team und bei uns. Ferner hat er sich, Stand jetzt, 24h nach dem Spiel, nicht erneut verletzt. Gut, sehr gut.

Der Faktor Thiago könnte diese Seuchen-Saison doch noch retten. Übertreiben verdeutlicht. Aber offenbar steigt bei einigen Teilnehmern am Zirkus Fußball die nervliche Belastung mit fortwährender Dauer der bayerischen Dominanz ebenso kontuierlich an.

Auch hier fasse ich mich kurz: Hinsichtlich der #Krassiko-Aufregungsrituale haben wir jetzt ca. 1/2 Jahr Pause und zum Pokalspiel in Leverkusen werden wir wohl doch antreten und entgegen der allgemeinen Erwartungen das Team nicht vom Spielbetrieb zurück ziehen.

Auf geht’s, Ihr Roten!

P.S. Sonderlob für die Sportskameraden Lewandowski und Boateng – echt krasse Leistung im #Krassiko, Respekt!

Ein unfassbar langweiliger Scheißverein

Die Winterpause in der Bundesliga ist endgültig vorbei. Wurde auch Zeit, die Langeweile drohte schon Überhand zu nehmen. Nein, spätestens seit dem neuesten Transfers von Joshua Kimmick von Red Bull Leipzig, äh dem VfB Stuttgart zum FC Bayern sind einige Fans, Berichterstatter schon wieder auf Betriebstemperatur.

Aber nicht nur das ist schlim, auch die Dominanz des FC Bayern so insgesamt, führt den Fußball in den Abgrund. Zu allem Überfluss ist Uli Hoeneß seit Anfang des Jahres quasi wieder ein freier Mann. Das geht doch nicht, das wird man doch noch sagen dürfen.

Der Reihe nach.

Die Überschrift ist ein Zitat aus einer Twitterdiskussion, in Folge einer Mitteilung meinerseits, ein Re-Live von #Wembley2013 durchzuführen (nach einem sehr anstrengenden Tag). Es geschah noch vor der Winterpause, am Abend eines erneuten Punktverlustes der Dortmunder. Aus dem Mund eines Dortmunders. Verständlich, begutachtet man die Anspannung, die man aushalten muss, steht der eigene Verein am Tabellenende. Zu dumm aus zwei Gründen. Erstens wusste ich zum Zeitpunkt des Tweets (noch) gar nix von diesem erneuten Nackenschlag und zweitens liegen die Zeiten lange hinter mir, als ich mich trotz einer solchen Kenntnis derart geäußert hätte.

Tja, ‚bin halt einfach zu zahm geworden und ist der Ruf erst ruiniert…

Mit in diese Beschreibung floss aber sicher ebenso der aktuell und allseits gern kolportierte Frust über die gesamte Gemengelage zum Thema FC Bayern und Bundesliga-Meisterschaften mit ein. In einem Wort: Die fehlende Spannung, noch besser: Langeweile.

Jetzt ist es ja nicht so, als wäre diese, durchs Dorf gejagte Sau noch taufrisch, ganz im Gegenteil und einige (mehr oder weniger intime) Vertreter des FC Bayern haben sich ja nun auch schon dazu geäußert, aber eins fehlt eben noch: Mein Senf! Und deshalb müsst ihr da jetzt durch.

Ich will nicht abstreiten, dass sich selbst bei mir ein gewisses Gefühl der… Gewohnheit einstellt, wenn ich an die aktuellen und jüngeren Erfolge meines Vereins denke. Ganz blind bin ich schließlich noch nicht. Und auch viel weniger ideologisch, mit Bayern-Brille rumlaufend, undifferenziert und Vereins-hörig, wie sich das andere gerne als Weltbild zurechtlegen.

Nein, ich sehe selbst durchaus die (langfristige) Gefahr auch für uns, sollten wir uns wirklich „zu Tode siegen“, oder jeglicher Konkurrenz entledigen (siehe CL-Halbfinale 2013/14). Es ist ferner unbestritten, dass die Jahre von 2010 bis 2012 und die seinerzeitige… Dominanz (sic!) des BVB meinen Verein und seine Führung im besonderen Maße zum Schritt ins Risiko motiviert haben. Wo stünde der FC Bayern heute, ohne diesen starken BVB? Das weiß zwar niemand, aber ich vermute anders als aktuell.

Die Dominanz des FC Bayern kam weder aus der Luft noch über Nacht – das ist mal klar. Die (aktuelle) Dominanz basiert auf vielen (richtigen) Entscheidungen innerhalb des FC Bayern. Meiner Meinung nach fand der heutige FCB seinen Ursprung 2007, als man erstmals bereit war „mittlere Wahnsinnspreise“ für auch international gute Spieler zu investieren (Ribery, Toni) und nicht nur „niedrige Wahnsinnspreise“, um gute bis sehr gute Bundesliga-Spieler an der Säbener Str. zu versammeln. Neben dem Spagat internationale Top-Stars mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu ergänzen, versuchte man mit Klinsmann erstmals Innovation auch ins Spielsystem einzuführen. Aus diversen Gründen schlug dies fehl und sollte erst mit Luis van Gaal ab 2009 Früchte tragen (Fast-Triple 2010). LvGs Demission, aufgrund von Problemen eher auf der menschlichen Ebene, führte 2011 zu Heynckes, der sich selbst im „hohen“ Traineralter nach dem Vize-Triple 2012 noch einmal „neu erfinden“ konnte und uns 2013 den sehnsüchtig erhofften Dreifach-Triumph bescherte. Jeder Spielzeit der letzten Jaher lag eine gewisse Anpassung oder besser Weiterentwicklug im Spielsystem der Münchner zugrunde. Jedes Mal harte Arbeit für die jeweilige sportliche Führung.

Eine der besten Entscheidungen (oder Erfolge) unter vielen guten der letzten Jahre war dann aber der Vertrag mit Pep Guardiola 2013. Auch wenn die üblichen Verdächtigen im Überschwang der bayerischen Triple-Begeisterung noch posaunten „Was soll Pep da noch verbessern? Er kann nur verlieren.“, erinnerte ich mich noch genau an die Saison 2001/02, als man beim FC Bayern genau diese Linie des „Weiter so“ verfolgte und die Quittung am Saisonende erhielt.

An dieser Stelle springen wir direkt zum nächsten Punkt, fand ich mich doch vor Tagen in einer Diskussion mit Bayern-Fans, die ihrerseits eine gewisse Langeweile verspüren. Anbei meine diesbzgl. Äußerungen noch einmal digital:

Langweilig war für mich der Hitzfeld’sche Fußball (nix gegen Ottmar!), der Ballbesitz um seiner selbst Willen propagierte und ansonsten sehr von der Stärke einzelner Spieler abhing. Diese damaligen Spiele nebst Taktik empfand ich als langweilig.

Die Gegenwart – mit dem „Tiki-Taka“-hassenden Guardiola – hingegen ist für mich Spannung pur.

Für wen dieser Satz merkwürdig wirkt, dem sei gesagt, dass ich meine Faszination hier aus dem sich ständig weiter entwickelnden System unseres Trainers und den maximal flexiblen Spielabläufen beziehe. Mit jeder Verletzung, jeder Aufstellung, jedem Spielstand, jeder Halbzeitpause bin ich gespannt, welche Lösungen Guardiola jetzt nun wieder findet. Natürlich wird es wohl so kommen, dass Bayern heuer zum dritten Mal in Folge Meister werden kann, aber erstens gab es diese Phasen in der Bundesliga auch schon früher und zweitens wird es imho nicht immer so bleiben. Aus Gründen. Womit wir zur mittleren bis langfristigen Zukunft kommen.

Es gibt jede Menge Hoffnung für Nicht-Bayern.

1. Pep Guardiola

Ich habe das – inhaltlich – sehr empfehlenswerte Buch „Herr Guardiola“ gelesen, besser: Verschlungen. Es ist der Wahnsinn, wenn man liest, mit welcher Leidenschaft, Akribie und Intensität dieser Katalane den Fußball lebt und liebt.

Diese Arbeits- und Lebensweise von Pep ist eine weitere Basis für unseren aktuellen Erfolg. Jeder Bayern-Fan, der diese Phase gerade miterleben darf, sollte dankbar, denn – meiner Meinung nach – hält Guardiola dieses Fußballtrainer-Leben auf der Überholspur nicht viel länger als seine Vertragslaufzeit bei uns aus. Der menschliche Körper und Geist stößt irgendwann an seine Grenzen und wird beides dauerhaft derart belastet, läuft Pep auch bei uns in seine nächste Erschöpfung. Wobei er bei uns natürlich weniger gegen (nach innen) und für (nach außen) den Club kämpfen muss (Insider).

Meine Prognose: Guardiola bleibt insgesamt maximal 4, vielleicht 5 Jahre in München. Gerüchteweise zieht es ihn dann in den englischen Fußball, danach noch eine Nationalmannschaft und dann ist auch schon Schluss. Ohnehin ein Zeichen des modernen Fußball. Alles geht früher los, läuft intensiver und ist früher zu Ende als in der „guten, alten Zeit“. Kein aktiver Spieler erreicht heute noch die 40, kein Trainer (wie Pep) die 50 oder gar 60.

Nach einem möglichen Abschied von Pep stellt sich die Frage nach einem Nachfolger. Wer soll dieses Erbe antreten und in seine Fußstapfen treten? Ein Weiterführen auf diesem, aktuell erreichten Level?! Nicht in meiner Vorstellungskraft.

2. Der menschliche Körper, der menschliche Geist

Wie lange sollen die derzeitigen Stützen des FC Bayern eigentlich so weiterspielen? Wie lange schaffen es Lahm, Schweinsteiger, Ribery, Robben & Co. noch, auf diesem Niveau ihre Weltklasse-Leistungen abzuliefern?!

Das Bayernblog Miasanrot.de analysierte in diesem Zusammenhang den Transfer von Joshua Kimmich mit einigen mittelfristigen Perspektiven. Besser hätte ich die Umstände dieses Transfers kaum beschreiben können.

Im Zusammenhang mit der Restleistungsfähigkeit der Granden unserer goldenen Generation und den Vertragslaufzeiten liegt auf der Hand, dass der heute so unschlagbar wirkende Verein aus München vor entscheidenden Umwälzungen steht. Wie von Miasanrot.de erwähnt, gibt es imho zwei Wege die Probleme des überaus natürlichen Alterungsprozesses zu lösen: Hauruck (Ausscheiden alter und Verpflichtungen neuer Spieler parallel) oder planvoll und mittelfristig. Natürlich kann man diese Probleme auch aussitzen, aber insofern wir unser nun erreichtes Level (auch in der Championsleague!) halten wollen, würde es nächstes (2016) oder übernächstes (2017) Jahr Transferanstrengungen vom Ausmaße Real Madrids oder Manchester Citys bedürfen. Selbst unser Festgeldkonto wäre dafür zu gering…

Nein, man muss hier planvoll vorgehen. Aus körperlichen(!) Gesichtspunkten würde ich hier zunächst Schweinsteiger, dann Ribery, ggf. danach Robben und abschließend Lahm (insofern sein Spiel als 6er den Verschleiss-Prozess nicht doch beschleunigt) als Abschiedskandidaten sehen (müssen). Ergo müssen wir jetzt nach Perspektivspielern Ausschau halten, die hier mittelfristig nachfolgen können.

3. Eigener Nachwuchs vs. Transfers Kurt, Kimmich & Co.

Machen wir uns nichts vor – aus der eigenen Jugend, den Bayern-Amateuren kommt aktuell kaum ein Nachwuchsspieler nach, der das Niveau eines Thomas Müller, Holger Badstuber, Alaba oder all der anderen aktuellen Profi-Stammspieler aus der „Tigerschmiede“ hätte. Diese Entwicklung in Zukunft umzudrehen, daran wird ja massiv mit dem neuen Jugendzentrum gearbeitet. Für den Umbruch 2016-2017 und die folgenden Jahre kommt das definitiv zu spät.

In den letzten Tagen wurde speziell der Kimmich-Transfer für seine Jugend (19) und seine Summe (8,5 Mio. Euro) kritisiert. Es würde angeführt, dass „im Fußball“ oder „in der Bundesliga“ jetzt bald „das Licht ausginge“, wenn der FC Bayern jetzt schon 19-jährige (der Konkurrenz weg) kauft und dies für „nur“ 8,5 und eben keine 23-jährigen mehr für 35 Mio. Euro (wohl auf Götze gemünzt).

Erstens: Mario Götze hatte eine fixe Ablösesumme als Ausstiegsklausel. Ansonsten hätte der BVB von wohl Götze keine Unterschrift bekommen. Wäre diese AK nicht existent gewesen, wäre Götze nicht zum FCB gewechselt. Ein Lewandowski kam Ablösefrei zum FCB, weil der BVB mit(!) Lewandowski noch eine Saison länger eine gute Rolle in der Championsleague (auch finanziell) spielen wollte. Hat beides 2013/14 gut geklappt. Der FCB hat hier beide Male nichts gegen den Willen des BVB unternehmen können und keinen Spieler aus seinem Vertrag herausgekauft (AK bedarf ja keiner Zustimmung des abgebenden Vereins, siehe Martinez und Bilbao).

Zweitens: Natürlich ist ein Götze hier seine 35 Mio. Euro wert. So wie ein Kimmich seine 8,5 Mio. wert ist. Oder eben nicht. Wer weiß das schon bei so jungen Spielern. Derlei Preise sind natürlich auch für den kaufenden Verein ein Risiko, denn Kimmich hat noch keinerlei Erfahrung auf dem Level des FC Bayern. Er ist eine „Wette auf die Zukunft“.

Insgesamt werden sich imho hier die Transferstrategie und die Preise verschieben (nicht nur bei Bayern, nein, im gesamten Fußball). So wie immer mehr Bundesliga-Spieler immer früher an die Bundesliga herangeführt werden, so werden diese jungen Spieler aber auch immer früher im Fokus der großen Vereine stehen. Ist ja nicht so, als wäre der FCB im Fall Kimmich der einzige Interessent gewesen.

Ganz am Rande: Hat schon mal jemand beim schwäbischen VfB nachgefragt, warum man dieses Megatalent überhaupt zu Red Bull hat ziehen lassen, wenn man doch so sehr von seinen Qualitäten als zukünftiger Superstar überzeugt war? Wie auch immer, es steht ein VfB-Transfererlös von über 6 Mio. Euro im Raum. Betrachtet man die kolportierten Probleme beim – aufgrund von aktuellen Ängsten der Clubführung vor den Mitgliedern – Verschieben der Abstimmung über die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft, kommt dieser Transfer ggf. nicht zur schlechtesten Zeit.

Zurück zum Thema: Man kann das schlimm finden, dass ein 19-jähriger dem Lockruf des bösen FC Bayern erliegt, aber wir reden hier von einem mehr als talentierten Kicker, der in den Jugendmannschaften schon Titel abgeräumt hat (U21), Stammspieler in einem Zweitliga-Team ist und vom Branchenprimus zwei Optionen geboten bekommt:

a) Unter Pep Guardiola, dem wohl besten Trainer seiner Zeit, trainieren zu können und

b) der potentielle Nachfolger eines Javier Martinez oder Bastian Schweinsteiger zu werden.

Lassen wir das Thema Geld mal außen vor – ist das eine Perspektive oder ist das keine?

So ausführlich ich nun diese drei Punkte der „Hoffnung“ ausgeführt habe, am Ende des Tages bleibt, wir wollen es nicht verschweigen, die Tatsache, dass unser Duck’sche Geldspeicher von allen Speichern der Liga der wohl größte ist. Und diesen Vorsprung haben wir uns zwar erarbeitet, den wird uns aber eben auf Sicht auch niemand nehmen. Es ist also Hoffnung auf niedrigem Niveau. Einerseits.

Andererseits gibt es parallel auch Sorgen „im Kosmos Fußball“, die dazu führen könnten, dass man sich den aktuellen Status quo mittel- bis langfristig zurück wünscht: Bundesligavereine von der Struktur a la Red Bull Leipzig. Ich bin mir ja noch nicht sicher, ob all die, die dem FC Bayern den Untergang des Fußballs anheften wollen, mit einem möglichen deutschen Meister RB Leipzig besser leben können, aber interessant ist es schon, diese Entwicklung zu beobachten, zumal ja die Tendenzen stückweise in die Richtung zu gehen scheinen, eher englische Investorenverhältnisse zuzulassen, ob man das gut oder schlecht findet.

Wie auch immer. Bisher sind ja auch der VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim oder Bayer Leverkusen noch keine Dauerkonkurrenz für uns auf den Titel geworden, warten wir zunächst einmal ab was passiert.

Kommen wir zum guten Schluss zum weiteren Aufreger dieser Tage: Uli Hoeneß. So ganz losgelassen hat uns dieses Thema ja nie und seit es tatsächlich zum Freigang für unseren Ex-Präsidenten gekommen ist, schlagen die Wellen wieder hoch. Man kann es den üblichen Verdächtigen auch nicht recht machen. Erst glaubte niemand daran, dass er zur Anklage kommt. Dann war eine Verurteilung illusorisch. Im Nachgang das Strafmaß viel zu niedrig. Schon vor Haftantritt wollte man wissen, dass das ja eigentlich gar keine richtige Haft (oder Strafe) sei, die UH da erwarten würde, geradezu von „Luxus“ war die Rede. Und jetzt nun ist sein Freigang ein bayerischer Justizirrtum und sind eben nicht alle vor dem Gesetz gleich. Oder so. Himmel.

Welcher Teil in Bezug auf „Freigänger“ in diesem Bericht damals war unklar?

Er sitzt ein und dies mindestens für die nächsten 10 Monate „geschlossen“. Punkt. Die, dieser Aussage zugrunde liegende Berechnung dürfte bekannt sein (Verkürzung Strafe aufgrund guter Führung (2/3), offener Vollzug frühestens 18 Monate vor Ende Haftstrafe).

Nun, die besagten 10 Monate „Geschlossene“ sind seit Juni 2014 noch nicht verstrichen, offenbar gibt es aber in Bayern weitere Regelungen und ganz offensichtlich plant die Justiz in Bezug auf den bisherigen Haftverlauf auch eine Aussetzung von Teilen der Reststrafe zur Bewährung.

Seit der Föderalismusreform von 2006 können die Länder eigene Vollzugsgesetze erlassen. Laut Bundesjustizministerium haben das noch nicht alle Länder getan […] In Bayern werden Gefangene in der Regel mindestens sechs Monate im geschlossenen Vollzug untergebracht. Freigang kann in Bayern üblicherweise 18 Monate vor der voraussichtlichen Entlassung gewährt werden.

Fazit: Es gibt keine Lex Hoeneß. Außer man will es so sehen. Womit wir beim roten Faden dieses Beitrags sind: Vergesst all meine Argumentationsketten, wenn ihr euch eure Meinung ohnehin schon gebildet habt und die für euch gesetzt ist.

In diesem Sinne: Rückrunde, sei umschlungen!

Drittklassiger Meisterschaftsaufstiegsendspiel-Käse

Heute spielen die Amateure des FC Bayern um den Aufstieg in die dritte Bundesliga. Gegen Fortuna Köln. Womit wir schon mitten im Thema sind. Denn eigentlich sind sowohl die Bayern-Amateure als auch die Kölner Südstädter längst Meister ihrer jeweiligen Regionalliga. Ein Fehler im System. Der Verbände. Denn es gibt einfach „zu viele“ Regionalligen für die drei freien Plätze in der höchsten Klasse im Verantwortungsbereich des DFB. Erstes Problem.

Ein zweites Problem sind für viele Fans in diesem Land die „Zweitvertretungen“ von Bundesligisten in der dritten Bundesliga. Die würden „richtigen“ Mannschaften die Plätze weg nehmen. Darauf komme ich ebenfalls später zurück.

Als drittes „Problem“ ergab sich rund um das Hinspiel in Köln das übliche Schubladendenken rund um uns Bayernfans. Einige waren schnell auf Betriebstemperatur („Bayernkunden“, „Bauern“) – überrascht ob dieser Reflexe auch auf dieser unteren Ebene, hatte ich wiederum spontan Probleme, hier ebenfalls in den Oliver-Kahn-Modus zu schalten („alle sind gegen uns – herrlich“). Ferner musste ich mir – obwohl es sich um den FC Bayern handelt – anhören, dass „ich mich ja bis gestern gar nicht für diese Mannschaft interessiert hätte“.

Der Reihe nach.

1. Wer will ausgerechnet uns Bayernfans das Recht absprechen, keinen Unterschied bei der Zuneigung zwischen Amateuren und Profis zu machen? Klar, ich kenne tatsächlich Bayern-Fans persönlich, die aufgrung der Salewski-Ära beim FC Bayern den Mittelpunkt ihres Fanherzens ein wenig Richtung Hermann-Gerland-Kampfbahn (HGK) verschoben haben. Aber bitte, am Ende des Tages ist es immer noch mein, unser Verein. Und die dortigen Spieler sind – hoffentlich – die zukünftigen Schweinsteiger, Lahms, Müllers und Badstubers. Noch ein eigenes Thema.

2. Was kann ich dafür, dass mein Lebensmittelpunkt – aus vielen Gründen, die zumeist wenig mit Fussball zu tun haben – nicht München ist und ich somit kaum eine Chance habe, Spiele der Amateure live im Stadion zu verfolgen? Wir haben 2014. Und diskutieren immer noch über „richtige“ und „falsche“ Fans? Warum man Fan von Verein xy wird, obwohl man doch gar nicht in dieser Stadt lebt? Get over it, Leute.

Ich bin den sozialen Medien vielmehr unendlich dankbar, dass ich über diese Kanäle Menschen, Bayern(amateure)fans kennen lernen durfte, die mich voller Herzblut auf dem Laufenden halten, was Höjberg, Green, Schöpf und Co. so machen. Danke dafür!

3. Ja, ich habe gelernt, dass „der Kölner“ ansich offenbar nicht zwischen „dem Effzeh“ und „der Fortuna“ unterscheidet. Es gibt hier keine Konkurrenz. Man hat scheinbar die Rollenverteilung (FC = großer Bruder, Fortuna = kleine Schwester mit Zahnspange) akzeptiert. Von daher sind mir jetzt die Reflexe einiger kölscher FC-Fans hinsichtlich des Hinspiels am Donnerstag klarer.

Allein, derlei ist mir fremd. Nicht weil ich damit im Rheinland nicht gerechnet hätte, nein, weil es in München nur FC Bayern oder 1860 gibt. Punkt. Schwarz und Weiß, kein Grau. Kann man gut oder schlecht finden, wird aber von Generation zu Generation weiter gegeben.

4. „Zweite Mannschaften raus aus der dritten Bundesliga!“

Ich kann mich dem Argument nicht verschließen, dass manche Zweitvertretung als Heimspielgast weniger attraktiv ist, als ein regionales Schlagerspiel, welches seit langer Zeit die eigenen Fans elektrisiert. Wie könnte ich auch. Aber ist es immer nur die Schuld „der Großen“, dass „Tradition“ den Bach runter geht? Wie viele „Traditionsmannschaften“ sind in den letzten Jahrzehnten von der Bildfläche verschwunden? Lag das immer nur an den „Bundesliga-Amateuren“? Niemals Fremdverschulden, strukturelle Fehler, Führungsschwäche? Gegenbeispiele bitte.

Fans, die obiges fordern, sollten zu allerst einmal nachschauen, ob sie Fan eines Bundesligavereins (1. oder 2. BL) sind, der ebenfalls eine „Zweitvertretung“ sein Eigen nennt und wie dieser Verein bei der besagten DFL/DFB-Abstimmung zu vorliegender Regelung abgestimmt hat. Wenn ihr mit dem Fegen vor der eigenen Haustür fertig seid, können wir weiter diskutieren.

Gerade die „richtigen“ Fans fordern doch immer möglichst viele Identifikationsfiguren aus dem Nachwuchs in der ersten Mannschaft. Wie soll das gehen ohne Spielpraxis in der zweiten Mannschaft? Als höchste Option für Jugendspieler. Je höher die Klasse, desto besser die Spielpraxis für angehende Profis. Auch und gerade beim FC Bayern ist somit ein Spielbetrieb in BL3 besonders wichtig.

Davon abgesehen muss die spezielle Situation der Bundesliga-Amateure nicht immer von Vorteil für „die Zeiten“ sein. Wie soll ein homogenes Team entstehen, wenn es immer wieder Amateure gibt, die zwischen Stammplatz in der HGK und der AA-Bank pendeln bevor sie den Sprung auf den Profi-Platz schaffen? Oder mit rekonvaleszenten Profis, die unterklassige Spielpraxis benötigen?

Ist das Jammern auf hohem Niveau? Mag sein und in der Regionalliga trat dieses Problem ob des Leistungsgefälle oft nicht zu Tage, aber ich erinnere mich durchaus noch an „Probleme“ dieser Art in der auslaufenden Zeit der dritten Bundesliga. Andere Ausprägungen des Spannungsfeldes sind die Sorgen, die wir bei den Bayern-Amateuren bekamen als die Vaterfigur Gerland zu den Profis „hochgezogen“ wurde. Nur eine Facette für unseren Abstieg und den verpassten Wiederaufstieg, aber imho sollte man es nicht unerwähnt lassen.

Gestern entbrannte dann die Diskussion erneut an genau diesem Punkt, als die Gerüchte aufkamen, dass Claudio Pizarro evtl. doch die Amateure im Rückspiel verstärken könnte. Ich persönlich halte nicht viel von dieser Option. Von Pizarros Bereitschaft zu helfen bin ich nach wie vor begeistert, aber erstens garantiert doch niemand, dass sich CP überhaupt ins Team gewinnbringend einfügen lassen würde/könnte und zweitens müssten wir Bayernfans uns – nicht komplett zu Unrecht – über längere Zeit wieder Wettbewerbsverzerrungsvorwürfe anhören.

Nein, auch ohne Profi-Verstärkung müssen die Bayern-Amateure das heutige Rückspiel gegen die Kölner Fortuna gewinnen können. Es mag für die Rheinländer aus vielen Gründen (Finanzen, Etat, Perspektive, etc.) wichtig(er) sein, heute aufzusteigen, aber auf Dauer kann auch ein FC Bayern seine Ziele in der Nachwuchsförderung nicht über die vierte Liga erreichen.

All die Aspekte und emotionalen Punkte herausgerechnet, bleibt es immer noch ein sportlicher Wettkampf auf Augenhöhe, denn beim FC Bayern stehen weder Neuer im Tor noch Lahm, Martinez, Thiago, Götze oder Robben auf dem Platz. Der Rest ist Folklore.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Von Wagenburgen, Medien, Tränen, dem Mob. Und Uli.

Eigentlich hatte ich Hoffnung. Hoffnung, dass inzwischen jeder alles zum Thema Ulrich H., Präsident der FC Bayern e.V. gesagt hatte. Falsch gedacht. Natürlich hatte auch ich mich schon geäußert. Damals, als die Gerüchte um seine Steuerhinterziehung auftauchten. Im Mainstream, im Boulevard, unter den Fans.

Inzwischen sind aus Gerüchten Fakten geworden. Die Staatsanwaltschaft München hat ermittelt und Anklage gegen unseren Präsidenten erhoben, das Gericht ließ – nach einer entsprechenden Einspruchsfrist für die Verteidigung – die Anklage inzwischen zu, der Prozess wird im März 2014 stattfinden. All diese Daten erzeugten keinen vergleichbaren… Shitstorm wie im April 2013. Ich hatte Hoffnung. Das wir mit diesem Thema seriös umgehen könnten. Und keine Stellvertretergefechte austragen, keine, teilweise lebenslangen Ressentiments ausgraben müssten. Und dann kam es dieser Woche zur FC Bayern Jahreshauptversammlung. Diese Veranstaltung ließ offenbar niemanden kalt. Die Reaktionen außerhalb des FC Bayern Biotops waren dann auch meine größte Motivation mal wieder in die Tasten zu hauen. Und ich war hier nicht der einzige langjährige Bayern-Fan, der das so sah.

Aber der Reihe nach. Am Montag gab ich dieses Interview auf Sport1.fm. Meine Zeit ist begrenzt, aber wenn man mich nett fragt und mir die Möglichkeit gibt, derlei in meinen Alltag zu integrieren, dann sage ich schon mal zu. Im Gegensatz zu meiner Erinnerung an obigen Beitrag, die ich im Interview zum Besten gab, hatte ich damals tatsächlich andere Meilensteine im Hinterkopf. Meilensteine, wann ich(!) denke, dass Hoeneß wie handeln sollte.

#1 Steuerhinterziehung ist strafbar. Für Alle. Auch für einen Uli Hoeneß.

#2 Hat sich Uli Hoeneß der Steuerhinterziehung strafbar gemacht, gehört er betraft.

#3 Ob sich Uli Hoeneß strafbar gemacht hat, sollte ein Richter entscheiden.

#4 Sollte Uli Hoeneß rechtswirksam verurteilt werden, muss er – meiner Meinung nach – von all seinen Ämtern beim FC Bayern zurücktreten.

#5 Ob Uli Hoeneß schon jetzt oder zumindest vor einer rechtskräftigen Verurteilung von seinen Ämtern zurücktreten sollte, entscheiden allein er oder die Gremien der AG und des Vereins.

#6 Ob der FC Bayern hier an einer Straftat beteiligt war oder davon profitierte, muss auf jeden Fall von den Ermittlungsbehörden oder in einem möglichen Gerichtsverfahren rückhaltlos aufgeklärt werden.

Inzwischen – und so habe ich mich am Montag auch geäußert – hätte ich(!) es angemessen gefunden, wenn Hoeneß schon nach Zulassung seiner Anklage „das eine oder andere Amt“ hätte ruhen(!) lassen. In erster Linie würde ich hier den Posten Aufsichtsratsvorsitzenden sehen. Vor allem, weil bei ähnlichen Vergehen – in der freien Wirtschaft – eine Person in seiner Position längst gegangen worden wäre. Wie gesagt, dass hätte ich(!) mir gut vorstellen können. Ob er oder unser Aufsichtsrat sich das vorstellen können, müssen sowohl er als auch die Aufsichtsratsmitglieder (vor allem gegenüber der eigenen DAX-Konzernbelegschaft) entscheiden und begründen.

Nicht mein Bier.

Mein Bier ist meine Einstellung zu Hoeneß.

Als ein Uli Hoeneß Manager des FC Bayern wurde, war ich schon Fan dieses Vereins. Gleichwohl ist der FC Bayern imho sehr stark mit der Person Uli Hoeneß verbunden. Für mich war und ist Hoeneß immer eine der Konstanten beim FC Bayern und für mich als Fan gewesen. Er war halt immer da. Und war der Vater des Erfolgs, der „Erfinder“ des neuen FC Bayern, der sich emporschwang und über Jahrzehnte zu einem der größten Fußballvereine Europas, wenn nicht der Welt wurde. Solch ein gemeinsamer Weg schweißt zusammen. Und wenn man so eng verbunden ist, dann fällt einem eine Trennung immer schwer.

Eine Trennung, eine Abkehr von Hoeneß, die am heutigen Tag einigen anderen Bayern-Fans ganz und gar leicht fiel. Innerhalb weniger Stunden. Nachdem unser Präsident dem FC Bayern seit 1970 als Spieler, Manager und Präsident immerzu und vorbildlich gedient hat (nein, ich will jetzt nicht über Ultra- und Fanproblematiken reden). Klar, seit heute wird man sich als Anhänger der Münchner für solche Sätze immer rechtfertigen müssen, weil diejenigen, die Hoeneß und den FCB ohnehin noch nie leiden konnten jetzt – endlich – die Munition erhalten haben, auf die sie – teilweise ein Fan-Leben lang – gewartet haben. Dieser Sturm wurde für mich phasenweise so unerträglich, dass ich Twitter & Co. für Stunden schließen musste – ein echtes Novum für mich.

An diesen Worten hat sich in den letzten Monaten Null-Komma-Null geändert. Deshalb auch das 1:1-Zitat. Für mich ist es kein Widerspruch, dass ich einerseits inzwischen den Funktionär Hoeneß differenter beurteile als den Menschen. Blenden wir all die (bis zum Beweis des Gegenteils) hanebüchenen Geschichten des Boulevards aus (hunderte Millionen auf Schweizer Konten, etc.), dann hat Hoeneß durch seine Selbstanzeige eingeräumt, dass er Steuern hinterzogen hat. Punkt. Dies ist eine Straftat. Es gibt in unserem Rechtsstaat aber seit einiger Zeit die Option der Selbstanzeige. Durch dieses Instrument begleicht der geständige Steuersünder seine Schuld und geht straffrei aus. Ich halte dies für ein legitimes Mittel. Denn damit kommt ja das Geld wieder in die Staatskassen, welches durch die Hinterziehung fehlte und welches „der Staat“ dann nicht für Kinderspielplätze, -Betreuung & Co. investieren kann (das Lieblingsargument der Hoeneß-/Steuerhinterzieher-Bewerter). Alles richtig. Aber – Achtung – Meinung, ggf. Polemik – Steuerhinterziehung ist für mich(!) „weniger schlimm“ als jemandem körperliches Leid zuzufügen. Einzelne erwecken ab und an den Eindruck, Hoeneß hätte genau dies getan. Schlimm.

Und mal ganz ehrlich, lieber Leser dieses Blogbeitrages: Noch nie im Rahmen einer Steuererklärung das Finanzamt um Geld erleichtert? Wirklich nicht? Ganz, ganz ehrlich?! Soso. Wo ist der Unterschied zwischen einem „ganz normalen“ Steuersünder und einem Hoeneß? Die Summe. Welcher „normale“ Steuerzahler schafft es – in seinem gesamten Leben – so viel Geld zu verdienen, wie Hoeneß hier offenbar hinterzogen hat? Wohl kaum jemand. Deshalb ist diese Story für die Medien, das Boulevard, schlicht die gesamte Öffentlichkeit so interessant. Und ja, natürlich ist das nur die Hälfte der Wahrheit. Denn nicht minder entscheidend bei der aktuellen Einschätzung der Akte Ulrich H. ist ja auch die Tatsache, dass er – Zeit seines Fußballer-/Manager-Lebens – ein Mahner war. Ein Kritiker der Auswüchse des modernen Fußballs, ein Moralist.

Das passt nicht zusammen. Irgendwo natürlich auch nicht (mehr) für mich. Logisch, ich bin ja nicht komplett meschugge. Und dann seine Tränen auf der jetzigen JHV. Da brach der Mob sich Bahn. Verteidigungsstragie! Eine üble noch dazu. Was sollen diese Krokodils Tränen?! Was soll diese schwachsinnige Rede? „Sportpalastrede“ (ich setze hier bewusst keinen Link)!

Hui. Sind wir also nicht nur auf der Fäkalebene angekommen, nein, jetzt werden auch schon NS-Vergleiche herangezogen? Ich bin raus.

Auch dies habe ich ja im Interview erwähnt – ich unterhalte mich seit Monaten (seit April) nicht mit Außenstehenden über das Thema Hoeneß. Mit Außenstehenden sind hier Personen gemeint, die mit mir über mein Verhältnis (oder die Aufgabe dieser Beziehung) zu Hoeneß diskutieren wollen, die nicht verstehen können, wie man noch Fan eines solchen Vereins sein kann. Tja. Dann lasst es auch besser. Also mich dazu zu bewegen (s. oben).

Ganz ehrlich – für mich waren die Tränen von Hoeneß nicht… inszeniert. Warum sollte er so was machen? Für seine Verteidigung? Macht euch nicht lächerlich. Welcher Richter würde derlei in seinem Urteil berücksichtigen? Ausgerechnet diese Strafkammer? Ausgerechnet diese Staatsanwälte, die Hoeneß nach dem Breno-Prozess ohnehin nicht mehr, sagen wir mal „wohlgesonnen“ waren? Ausgerechnet diese Strafermittlungsbehörde, die – in der Geschichte der BRD einmalig, oder? – Details über seine Selbstanzeige durchsickern ließ?

Nein, Hoeneß war – und das nehme ich ihm ab – wirklich emotional berührt. Kann sich irgendjemand eventuell vorstellen, dass die Story seit Monaten in ihm arbeitet und er sich ansonsten in der Öffentlichkeit nur besser unter Kontrolle hat? Ja, natürlich ist Hoeneß ambivalent. Ich verstehe auch nicht, was ihn dazu treibt, in seiner jetzigen Situation noch Wetten auf eine Niederlage der Dortmunder in Wolfsburg zu platzieren. Damit macht er viel mehr an „Verteidigung“ kaputt, als er durch Tränen auf einer JHV erreichen könnte. Nur mal so.

Wie geht es jetzt weiter?

Je mehr Anfeindungen Hoeneß widerfahren, desto geschlossener werden die bayerischen Reihen sein. Punkt. Abgesehen natürlich von den Bayern-Fans, die sich inzwischen von Hoeneß verabschiedet haben. Auch gut. Muss jeder selber wissen. Ich bin dazu noch nicht in der Lage. Ich warte immer noch das Urteil ab. Lasst mich.

Je öfter Details von Hoeneß bekanntwerden, wie die Wette gegen Dortmund, wie so eine außerordentliche HV nach dem Urteil, wo ihm doch jetzt schon klar sein muss, dass er als verurteilter, inhaftierter(?) Steuerhinterzieher wohl kaum noch den FC Bayern als Präsident führen kann, desto mehr schadet er imho seiner Verteidigung. Keine Ahnung, ob es _jetzt_ noch Sinn macht, doch Ämter ruhen zu lassen, nieder zu legen. Echte Reue sähe anders aus, oder?

Je öfter und intensiver Fans, Leser oder ganz normale Menschen in der näheren Zukunft versuchen werden, mir ihre Hoeneß-Meinung aufzuzwingen, desto intensiver werde ich das Thema auf das Wetter lenken. Betrifft ja zum Glück zurzeit nur einen überschaubaren Teil von Menschen.

Abschließend will ich noch einmal mit dem Thema Differenzierung nerven. Die Intensität, die einige Fans anderer Vereine bei der Bewertung Hoeneß‘ an den Tag legen, irritiert mich schon. Manchmal. Und dann muss ich immer an die Zeiten zurückdenken, als der BVB auch mal bei mir öfter Objekt der Beurteilung oder von Blogbeiträgen war. Lange her. Niebaum-/Meier-Zeiten. Wer Lust und Zeit hat, darf hier gerne mal meine alten Beiträge von vor 2007 durchforsten. Viel Spaß und viel Erfolg bei der Suche. Bei der Suche nach ähnlichen Verhaltensweisen meinerseits, a la „Siehst, hast Du doch ganz genauso gemacht!“.

Ich bin gespannt.

Super. Super. Super. Cup.

Mir ist danach. Dann wollen wir mal.

Die Saison 2013/14 ist noch nicht sonderlich alt und nicht wenige Fans des FC Bayern hängen noch an den Gesängen, an den Erlebnissen und Bildern der so herrlich erfolgreichen Vorsaison. Nicht, dass wir Erfolg nicht schon länger kennen würden, aber dieser Erfolg war größer. Und vor allem schöner (erspielt) als zuvor.

Es gehört zum Leben, dass, wo Licht ist, auch Schatten sein kann. Nicht anders ist dies bei uns. Gar erscheint es so, als suche man Schatten, wenn das Licht zu grell erscheint. FC Bayern eben. Fans, Verantwortliche, Medien.

Was ist denn aber nun so schattig bei unserem Lieblingsverein? Viel, sagen die Einen. Wenig, die Anderen. Ich bin, ihr kennt mich, in der Mitte.

Für mich war das Remis in Freiburg weder der Untergang des bayerischen Abendlandes, noch habe ich „diese Entwicklung kommen sehen“. Ich sehe vor allem eine Sache: Entwicklung. Im Team, im Umfeld, in systemrelevanten Elementen. Und das ist mehr, als ich 2001/02 sah. Ergebnis: bekannt.

Wer jetzt glaubt, dass wir besser alles so belassen hätten wie im Mai, um einfach nur weiter, immer weiter zu siegen, ist einerseits naiv oder in anderer Form in der jüngeren Vergangenheit hängen geblieben. Nicht, dass das schlimm ist. Ich schau‘ mir immer noch alle paar Wochen das Finale an, oder besser die Aufzeichnung der letzten Minuten. Aber ich bin auch Fan. Wäre ich hingegen Verantwortlicher beim FC Bayern, wäre diese Nostalgie doch eher fahrlässig.

Nein, meiner Meinung nach gab es nie einen besseren Zeitpunkt als jetzt, die Schneisen zu schlagen, wie wir sie gerade sehen und erleben. DonJupp wurde zu Lebzeiten zur bayerischen Legende und verbrauchte seinen CL-/Triple-Ruhm nicht im profanen Tagesgeschäft. So wie es Hitzfeld nach 2001 erleben musste. Also zumindest bei den… sportlich Verantwortlichen in München. Und – ganz ehrlich – wie perfekt passt da ein Neu-Trainer wie Guardiola ins Mosaik? Welcher Großverein (mit entsprechender Vakanz und Öl- oder Sonstwas-Millionen im Hintergrund) wollte Pep nicht haben? Wohin ging er? Zum FC Bayern. Unserem FC Bayern. Noch bevor wir mit dem Triple im Kreis der Großen weitere Stufen nach oben stiegen. Er wollte explizit zu uns, verzichtete auf viel Geld, begründete seine Entscheidung u.a. damit, dass „er in München die Spieler vorfindet, die er für _seine_ Idee von Fußball braucht“. Noch mehr als in Barcelona. Ungläubiges Staunen bei mir, als ich dieses Zitat zum ersten Mal las.

Seine Kritiker (also die, deren Uhr am 26.05. stehen geblieben ist), werfen ihm ja u.a. vor, dass er im Prinzip nur das Barca-System auf den FC Bayern übertragen will. Mhm. Allein diesen Ansatz halte ich fast undurchführbar. Die Bayern sind – in Deutschland – was den Output ihrer Jugendabteilung betrifft sicher keine kleine Nummer, aber hinter Barca kann man sich verstecken. Kaum ein aktueller Bayern-Spieler (wenn überhaupt mit Jugend-Historie beim FCB), spielte doch seit frühester Jugend das System, welches beim FC Bayern seit van Gaal oder von mir aus Heynckes gespielt wird. Woher soll diese fundamental wichtige Barca-Grundlage kommen?

Dann, weitere Zitate von Pep, die mehr als nahelegen, dass er sich dem FC Bayern anpassen, seine Idee von Fußball im Rahmen der Münchner Verhältnisse umsetzen will. Wir sind gerade Zeuge dieses Prozesses.

Guardiola lässt langweiligen van-Gaal-Fußball spielen? Die Dortmunder sind drauf und dran uns zu enteilen? Let’s face it, Leute: Der BVB ist ein ernst zunehmender Konkurrent! Wer geglaubt hat, dass wir die Dortmunder ein zweites Jahr so unfassbar dominieren würden, der hebe bitte die Hand… Ah, ok. Danke. Bitte. Jürgen Klopp muss man nicht mögen. Aus allen denkbaren Gründen. Aber ein Hasardeur ist er nicht. Sein Erfolg in Dortmund ist kein, ich wiederhole kein Zufall. Und warum sollte nur der FC Bayern die Fähigkeit zur Selbstreflexion gepachtet haben? Wir haben vor der Saison 2012/13 an den entscheidenden Schrauben gedreht, der BVB nun an seinen. Ergebnis: Weniger Punktverluste. It’s that simple, stupid.

Wir spielen Europäischen Supercup (s. unten), erleben Terminverschiebungen und ein Flutlichtspiel in Freiburg. Hatten wir in dieser Konstellation dort schon mal Probleme? Ja? Ach?!

Im Ernst: Der FC Bayern befindet sich in einem Prozess des Umbruchs. Am Ende dieser Entwicklung werden wir imho stärker sein als je zuvor. Daran glaube ich. Hätten wir uns in 12, 18, 24 Monaten verbessert, wenn wir nichts verändert hätten? Hätte sich der Jupp-Jubel-Hero-Effekt nicht doch irgendwann abgenutzt? Wäre die wir-haben-das-Finale-Dahoam-verloren-und-zeigen-es-jetzt-allen – Motivation nicht irgendwann abgeebt? Nein, diese Veränderung jetzt ist erforderlich. Und weil ich davon überzeugt bin, macht mir so ein Remis in Freiburg auch nicht so viel aus, wie offenbar einigen Bayern-Fans, die das Verlieren verlernt haben. Kein Vorwurf, ich brauchte auch einige Zeit, um vom Triple-Trip wieder herunter zu kommen…

Sollte am Ende des Tages der BVB nun eine Saison hinlegen, wie wir sie in die Annalen gebrannt haben, dann gratuliere ich artig und bin beeindruckt (weil ich eine solche Saison schlichtweg für nicht reproduzierbar halte (ähnlich wie Klopp 2012 (*g*))). Es wird imho nicht passieren. Beim FC Bayern ist aktuell viel mehr Luft nach oben als beim BVB. Womit ich nicht in Abrede stellen will, dass sich der BVB nicht noch weiter steigern könnte, aber bei uns gibt es einfach zurzeit noch mehr Baustellen. Irgendwann wird sich Peps System implementiert haben. Irgendwann werden (alle!) unsere Spielstützen fit sein. Irgendwann wird Götze die erwartete Verstärkung sein. Irgendwann werden wir weiter sein als jetzt.

Ob der BVB dann schon uneinholbar enteilt sein wird? Unsinn. Die Marketingstrategen des Produktes „Bundesliga“ werden das nicht gerne hören, aber die beiden Topteams der Liga können inzwischen ihre Standard-Punkte auch mit 70-80% ihrer Leistungsgrenze einfahren. Im direkten Duell und für höhere Aufgaben, oder einzelmotivierte Partien (Freiburg) wird es vielleicht mal eng, aber ansonstem läufts. Imho.

Apropos Freiburg (und um das Thema abzuschließen):

Dieses Spiel darf ein FC Bayern auf gar keinen Fall mit einem Remis beenden. Gescheitert ist der 3-Punkte-Plan in erster Linie an der bayerischen Überheblichkeit vor dem Breisgau-Tor. Und dem Matchplan für das Endspiel um den europäischen Supercup. Denn der warf hier schon seine Schatten voraus. Punkt.

Womit wir wieder beim Thema „Licht“ wären. Grellem Licht. Flutlicht in den Wohnzimmern der Nation gar. Hatten wir noch Zweifel, ob Peps offensichtlicher Plan für Freitag aufgehen würde – das Gesamtkunstwerk strafte uns Lügen. Diese Emotion hatte ich zuletzt beim Finale in Wembley. Sicher, so arg lang ist das noch nicht her, tatsächlich reihte sich dieses Endspiel aber in meine All-time -Topspiele ein. Auf dem Level all der Endspiele zuvor. Hier gab es aber noch eine Steigerung, die die anderen Erlebnisse nicht in den Schatten stellt, meine Erinnerungen aber zu etwas Speziellen macht.

Unsere Fans. Vor Ort.

Ein Erlebnis, welches „die Prag-Fahrer“ ihr Leben lang nicht vergessen werden (ich kenn‘ inzwischem eine Handvoll dieser „Allesfahrer“ und kann sie deshalb ein bißchen einschätzen). Warum? Weil man die Vorgeschichte berücksichtigen muss. Die Ambivalenz des FC Bayern und seiner Fans. Auch und gerade in der jüngeren Geschichte. Bewertet man den Abend in Prag mit all diesen Hintergründen, muss man als Bayern-Fan nur sprachlosest begeistert sein. Selbst der – zuletzt etwas verkümmerte – Fan in Uli Hoeness ließ sich hier mitreissen. Nicht überliefert ist bislang, was die Salweski-Fraktion emotional von diesem Abend hält…

Nicht alles am und im Spiel gegen Chelsea war perfekt oder in einer Form, wie wir sie vielleicht einmal unter Pep erleben werden, aber große Teile des Spiels und der Dramaturgie bilden mit Sicherheit die Grundlage für mögliche künftige Legenden. So sehen diese Initialzündungen aus. Für eine echte Bindung zwischen Team und Neu-Trainer. Für zukünftige Mechanismen. Für das Erreichen unserer Ziele. Für unsere Entwicklung.

Nach Freiburg kam Prag. Und für mich fing die Saison jetzt noch einmal an. Schon jetzt ist hier eine Veränderung zu 2001 zu spüren. Nicht nur weil ich bemerke, dass der FC Bayern der Neuzeit inzwischen ein Level erreicht hat, welches auch Europa dominieren könnte und ich kann nicht behaupten, dass mich das stört. Chelsea ist – und das war deutlich zu sehen – 2013 stärker als 2012. Gleichwohl haben wir sie kontrolliert, phasenweise (gegen ihren Willen) beherrscht. Schon jetzt, in unserem „unfertigen“ Zustand. Gut. Sehr gut.

Man mag einwenden, dass ich mich in Jubelarien versteige. Nun, ich gehe einfach nicht davon aus, dass der, offenbar weltweit erfolgreichste Trainer der letzten Jahre, ein Hochstapler ist. Ein FC Bayern muss die anstehenden Veränderungen aushalten können. Und wenn hier und da einmal Punktverluste drohen, dann kann ich damit gut leben. Für ein höheres Ziel. Auch wenn wir nicht jedes Mal wenige Tage später einen europäischen Pokal gewinnen werden.

Woher diese Gelassenheit kommt? Ich bin Triple-Sieger-Fan! Eeeuuurooopaaapoookaaal, Eeeuuurooopaaapoookaaal, Eeeuuurooopaaapoookaaal, EEEUUUROOOPAAAPOOOKAAAL!