Die eigene Welt

Hach. Das ist schon schöner, wenn man in seiner eigenen Welt lebt, oder? Man kann sich alles so zurechtlegen, dass das eigene Leben viel angenehmer erscheint, als es ist. Auch das Urteilsvermögen verändert sich, man ist vielmehr sogar davon überzeugt, dass das was man denkt, der Realität entspricht.

In Hamburg, wo der über Monate, gar Jahre umstrittene Manager Beiersdorfer nach dem aktuellen Zwischenhoch des Vereins, seinen Job doch noch bis 2010 retten konnte, greift dies Fieber gerade um sich.

B. sieht eine Verschwörung. Gegen seinen Verein, seine Spieler.

„Ich habe das Gefühl, dass hier willkürlich gehandelt wird.“

Und weiter:

„Vereine, die in den letzten Jahren erfolgreich waren, kommen besser weg.“

Worum geht es eigentlich?

Das HSV-Spieler Thimothee Atouba, seines Zeichens Wiederholungstäter und Zirkusartist, vom DFB-Kontrollausschuss „wegen krass sportwidrigen Verhaltens“ angeklagt wird.

Atouba hat seinem Gegenspieler Streit den Ellbogen ins Gesicht gerammt, der Schiedsrichter hat es nicht gesehen, alle TV-Zuschauer dagegen schon – Anklage. Wo ist das Problem, B.?

Das Naldo für seinen Rückentritt freigesprochen wurde?

Ebenfalls nicht. Hilpert wollte auch hier Anklage erheben, auf Nachfrage bei SR Sippel nahm er davon Abstand. Denn der hatte das Vergehen sehr wohl gesehen und nicht als bestrafungswürdig bewertet.

Da kann Hilpert dann nichts machen, denn an einer Tatsachenentscheidung lässt sich nicht rütteln. Kann man gut oder schlecht finden, ist aber so.

Und nur um Deinem Gedächtnis nachzuhelfen, B.:

Was war das noch mal im Spiel HSV gegen Bayern? Ich zitiere mich selbst:

„Was ist nur mit Spielern wie Atouba los? Zuerst tritt er den am Boden liegenden Altintop auf Rücken und Gesicht und danach noch gegen Lell nach. Mit Gelb war auch er mehr als gut bedient.“

Schon vergessen, B.?

Oder muss ich erst die letzte Saison heranziehen und nach der hanseatischen Kartenflut recherchieren? Schon einmal darüber nachgedacht, dass die vielen Sperren in der letzten Saison mit dazu beigetragen haben könnten, dass der HSV nicht „so erfolgreich war“?

Das übrigens ein van der Vaart in das gleiche Horn stößt ist verständlich, schließlich muss der nach dem Sommer-Transfer-Theater ja noch mächtig gute Stimmung für sich machen…

Ein Satz für's Argumentations-Archiv

Ich bin ein wenig erstaunt.

Hatte es zuvor von allen Seiten noch Rufe nach Bestrafung gegeben („Das kann ein Schiedsrichter nicht durchgehen lassen.“), passiert nun gar nichts. Zumindestens gegen Naldo.

Wurde nach dem Foul an Klose noch heftig diskutiert, will Hilpert nach einer Rückfrage bei Schiedsrichter Sippel von einem Verfahren absehen.

Sippel habe nach Angaben des DFB gegenüber Hilpert erklärt, er habe „gesehen, dass Naldo mit dem rechten Fuß auf den Körper von Blasczykowski gekommen“ sei. Allerdings habe er dies „als einen normalen Schritt und Bewegungsablauf bewertet.“

Im Grunde stört mich das nicht. Ich will mir nur diesen Satz für den Fall abspeichern, dass die üblichen „Hetzer“ irgendwann in vergleichbaren Situationen mal wieder argumentativ gegen die Bayern vorgehen. Nur so für mich.

„Negative Tatsachenentscheidung“ – ebenfalls zurückgelegt – für schlechte Zeiten…

Derby-Zeit

Und zwar Nord-Süd.

In den letzten Jahren haben uns die Hamburger in der Regel mächtig geärgert. Drei der letzten vier Begegnungen wurden vom HSV gewonnen. Aber dieser Eindruck täuscht, sind die Stevens-Kicker doch traditionell ein Lieblingsgegner für den FC Bayern.

So gewannen wir im Laufe der Jahre über 75% aller Heim- und über 45% aller Auswärtsspiele.

Nun. Das ist Vergangenheit. Die Bayern haben ein neues Team. Der HSV kämpfte sich unlängst nach dem van-der-Vaart-Getöse doch noch in den UEFA-Pokal. Mit van der Vaart. Lebensversicherung nennt man sowas.

Jetzt also das Nord-Süd-Derby. Nicht nur der HSV, nein, die ganze Liga hofft endlich auf einen Ausrutscher der Bayern. Helfen können ihrem Team nicht die Sportskameraden Demel und Kompany. Die halbe Abwehr.

Kompany für ein Spiel (gegen den FC Bayern) nach seiner „Notbremse“ im Spiel beim VfL aus Bochum und Demel für vier Spiele nach Sportgerichtsurteil nach seinem „absichtlichen Tritt mit dem Stollen auf einen am Boden liegenden Gegner ohne Kampf um den Ball“.

Da er „seinen Gegner nicht verletzt habe, und dieser nur kurzfristig leichtere Schmerzen verspürt hat, liegt allerdings nur ein leichterer Fall einer Tätlichkeit vor“.

Ein schwerer Fall hätte zu mind. 6, ein leichterer eben zu mind. 3 Spiele Sperre geführt.

Erschwerend kommt wiederum hinzu, dass Demel „Wiederholungstäter“ ist – drei Vorverurteilungen wegen Tätlichkeiten in den letzten fünf Jahren sprechen da eine eindeutige Sprache, oder?

In meinen Augen ist das nicht diskutabel.

Im Gegensatz zur roten Karte für Kompany. Die war nicht so rot, wie es schien, da noch ein, zwei andere Spieler hätten eingreifen können und das Foul auch knapp hinter der Mittellinie stattfand.

Was allerdings einzelne Wirrköpfe im Kreise der HSV-Fans dazu verleitet, zu mutmaßen, dass hier im Vorfeld des Derbys die Äusserungen eines Hoeneß, gar Hitzfeld zum Thema „Artenschutz“ zu diesen „fragwürdigen“ Urteilen gegen HSVer geführt hätten, vermag ich nicht nachzuvollziehen.

Echt nicht. Ist ein Hoeneß daran schuld, dass Demel in dieser Regelmäßigkeit „aus der Rolle fällt“? Kompany rot bekam, bevor es diese Diskussion überhaupt gab?

Achso. Stimmt ja. Der Vorsitzende des Sportgerichtes wohnt in der Nähe von München und ist Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes – Skandal! Verschwörung!

Aber eigentlich sollte man dazu gar nichts mehr sagen, sich nicht provizieren lassen. Und nur noch auf das Spiel freuen. Egal ob als Bayern- oder HSV-Fan!

Der Sieger, der nicht sein durfte

Gestern war Championsleague. Das Finale.

Ich habe kaum was gesehen. Nur kurz einen Ticker. Da stand es 2:0 für Milan. Als ich den Fernseher anmachte, stand es nur noch 2:1, aber meine Hoffnung war trügerisch. Wenn in einem Spiel Inzaghi zwei Tore macht, noch dazu so eins wie das 1:0, dann kann für Milan nichts schiefgehen.

Jetzt könnte man als Bayern-Fan natürlich sagen: Hey, wir sind gegen den späteren Sieger rausgeflogen. Derlei beschäftigte mich nach dem Spiel aber mitnichten. Ich musste einmal mehr zurückdenken. An den letzten Sommer.

Kann sich eigentlich noch jemand daran erinnern, dass Milan mehr als tief im Sumpf des italienischen Ligaskandals steckte?

Milan, neben Juve Nummer 2 der Beschuldigten, sollte zunächst gar aus der Serie A absteigen, zumindestens ein saftiger Punktabzug stand auf der Agenda.

Aber was passierte dann?

Schon in der ersten Instanz lächerlichen Urteilen, folgte Berufung auf Berufung. Sogar die UEFA ließ sich zu einem Gnadenurteil hinreissen und Milan in die Qualifikation zur Championsleague. Zwar wollte kurzfristig die Fifa noch eingreifen, dies zeugte allerdings einmal mehr nur von blindem Aktionismus.

Am Geldtropf des Medienmoguls und Ex-Ministerpräsidenten hängend, der seinerzeit drauf und dran war, sich neben den Medien und der Justiz, gleich ganz Italien unter den Nagel zu reissen, schaffte es Milan seine Stars zu halten, die sich tatsächlich durch eine holprige Vorrunde schleppten, um dann mit Glück das Achtelfinale zu überstehen, ausgerechnet gegen den FC Bayern im Rückspiel in München zu alter Stärke zurückzufinden und in der Vorschlussrunde als Gipfel die zuvor bärenstarken Engländer aus Manchester auszuschalten.

Im Finale war es dann zu spät Milan noch aufzuhalten, dafür war Liverpool einfach nicht frisch genug und vielleicht einen Tick zu britisch.

Wie auch immer: Diese ganze Entwicklung ist für mich mehr als bedauerlich, habe ich doch den Weg Milans seit dem Skandal verfolgt und konnte immer wieder nur mit Entsetzen feststellen, dass der AC Hürde über Hürde nahm, zunächst vor ital. Gerichten (schon in sich ein Widerspruch), dann auf dem Rasen.

Schlimm.

900.000 Euro gespart

Da haben die Bayern mal richtig Geld gespart: 900.000 Euro. Soviel hat ein vergleichbarer Fall Chelsea gekostet. Aber vergleichbar ist der Fall Klose mit derm Fall Cole ja offensichtlich nicht, ansonsten hätte nach der DFL jetzt auch der DFB wohl nicht die Segel gestrichen.

„Nach Prüfung der von der DFL überlassenen Erkenntnisse kann dem FC Bayern München auch aus Sicht des DFB-Kontrollausschusses in subjektiver Hinsicht kein Vorwurf gemacht werden“

So der Kontrollausschuss-Vorsitzende Horst Hilpert.

Worin die gesparten Euro jetzt investiert werden?

Na in Kloses Gehalt, ab 2008 – was denn sonst? 😉

Geldstrafe

Die DFL ermittelt. In Sachen Geheimtreffen. Zwischen Klose und den Bayern.

Das Geheimtreffen zwischen Miroslav Klose und Vertretern des FC Bayern München hat sowohl für den Spieler als den Verein ein Nachspiel. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat sich in die offensichtlich nicht regelkonformen Transferbemühungen der Bayern um den Stürmer von Werder Bremen eingeschaltet.

Flugs werden auch Summen ins Spiel gebracht.

Bei einem ähnlichen Fall in England mussten Chelsea und der umworbene und später verpflichtete Spieler Ashley Cole eine Geldstrafe von zusammen 900.000 Euro zahlen.

Naja. Bei der Transfersumme, die im Raum stehen dürfte, ist das zu verschmerzen. War es für Chelsea und Cole ja auch. Und Cole ist inzwischen eine der Säulen im Team.

Aufgrund der im Raum stehenden Verpflichtung von Luca Toni sehe ich einen Klose ohnehin nicht mehr für 2007 im Bayern-Trikot. Ich könnte mir da aktuell viel eher einen Vorvertrag vorstellen. Für 2008. Da läuft nämlich sein Vertrag aus. Und dann hätte Herr Allofs ohnehin keinen Einfluss mehr auf das Transferziel… 😉

Klose sieht die Sache ohnehin anders, als der Verein das gerne hätte:

Auf die Frage, ob er das Treffen mit den Bayern bereue, antwortete der Profi am Samstag nach dem Abschlusstraining für das Bielefeld-Spiel: „Nein.“

Eben.

Peanuts!

Tatsächlich. Milan hat tatsächlich mit der in Deutschland kontrovers diskutierten Trikotwerbung gespielt und die Stadt München will jetzt tatsächlich Kohle sehen. 100.000 Euro.

Lustig. Zwei Welten prallen aufeinander.

Die Strafe werde über die Stadtkasse der Stadt München in Italien eingezogen. Gegen dieses Vorgehen Rechtsmittel einzulegen, sei nicht möglich