Bayern doch noch Vizemeister!

Wahnsinn. In einem spannenden Endspurt sicherte sich der FC Bayern hinter dem neuen deutschen Meister VfB Stuttgart doch noch die Vizemeisterschaft!

Bei Tor- und Punktgleicheit entschied im Duell mit den Königsblauen tatsächlich nur die Anzahl der geschossenen Tore. Somit muss der S04 in die Championsleague – Qualifikation.

Im UEFA-Pokal spielen Werder Bremen, Leverkusen und der 1.FC Nürnberg.

Das Rennen um die UI-Cup-Plätze machte die Borussia aus Dortmund dank der wesentlich besseren Tordifferenz im Vergleich zu Hannover 96.

Absteigen müssen neben Gladbach und Mainz die Eintracht aus Frankfurt. Im Niemandsland bleiben also Wolfsburg, Bielefeld, Hamburg, Hertha, Cottbus, Bochum und Aachen.

Und jetzt mal im „Ernst“… 😉

Hier die Auflistung der durch Fehlentscheidungen in dieser Saison gewonnenen (+) oder verlorenen (-) Punkte:

VfL Bochum +6 Punkte
Hamburger SV +4 Punkte
Werder Bremen +4 Punkte
Eintracht Frankfurt +4 Punkte
Hertha BSC +3 Punkte
FSV Mainz 05 +3 Punkte
Schalke 04 +2 Punkte
1.FC Nürnberg +1 Punkte
Energie Cottbus +1 Punkte
Arminia Bielefeld +0 Punkte
Borussia Mönchengladbach +0 Punkte
Borussia Dortmund -2 Punkte
Hannover 96 -2 Punkte
Alemannia Aachen -3 Punkte
Leverkusen -3 Punkte
VfL Wolfsburg -6 Punkte
VfB Stuttgart -6 Punkte
FC Bayern -6 Punkte

Erstaunlich, dass in dieser Saison zum ersten Mal seit Jahren die Schalker nicht das Schlusslicht dieser Tabelle sind. Prompt wurden sie Vizemeister und nicht der FC Bayern. Der übliche Spitzenplatz für Bremen brachte in dieser Saison die CL statt des UEFA-Pokals – dem anderen Nordlicht aus Hamburg immerhin den UI-Cup, statt des Niemandlandes. Immerhin.

Bitter ist es natürlich für Aachen, die ohne Fehlentscheidungen den Frankfurtern die Zweitligaqualifikation überlassen hätten – so spielt das Leben…

Wahre Tabelle, Saison 2006/07, Spieltag 34

Frankfurt +1: Nach Foul von Fiedler an Köhler (9.) hätte es Elfmeter geben müssen.
Dortmund +1: Die Aberkennung von Gordons Tor (68.) erfolgte zu Unrecht.
Hannover +1: Der Treffer von Brdaric (46.) war kein Abseits.

Team Spiele gew./un./verl. Tore Differenz DFL MB
VfB Stuttgart 34 24/4/6 65:39 +26 70 76
Bayern München 34 20/6/8 62:39 +23 60 66
FC Schalke 04 34 20/6/8 57:34 +23 68 66
Werder Bremen 34 19/5/10 73:45 +28 66 62
Bayer Leverkusen 34 16/6/12 55:49 +06 51 54
1. FC Nürnberg 34 11/14/9 43:36 +07 48 47
Borussia Dortmund 34 13/7/14 47:46 +01 44 46
Hannover 96 34 13/7/14 43:51 -08 44 46
VfL Wolfsburg 34 10/13/11 41:44 -03 37 43
Arminia Bielefeld 34 10/12/12 50:50 +00 42 42
Hamburger SV 34 9/14/11 44:41 +03 45 41
Hertha BSC 34 10/11/13 53:59 -06 44 41
Energie Cottbus 34 11/7/16 39:54 -15 41 40
VfL Bochum 34 10/9/15 50:55 -05 45 39
Alemannia Aachen 34 10/7/17 49:69 -20 34 37
Eintracht Frankfurt 34 7/15/12 47:62 -15 40 36
1. FSV Mainz 05 34 8/7/19 35:57 -22 34 31
Borussia M’gladbach 34 6/8/20 25:47 -22 26 26

Chapeau!

Man hätte was ganz anderes erwarten können. Frustrierte, aggressive Fans eines Vereins, der praktisch abgestiegen ist.

Nicht so die Mainzer.

Das ist irgendwie schon ein lustiges Völkchen. In der U-Bahn trafen wir sogar einen Fan in Lederhosen – ich hatte die ganze Fahrt Probleme, zwischen Kleidung und Dialekt zu unterscheiden…

Keine Trübsal, keine Pöbel – nur Lachen und Frohsinn.

Im Stadion setzte sich das fort: So um die 10.000-15.000 Fans waren Gast in der Allianz-Arena und feierten ihre Helden, die sie zum letzten Mal in der 1. Bundesliga bewundern durften. Ein besonderes Verhältnis.

Der 05er-Support spiegelte die Einstellung seiner Anhänger wider: Kein Schmähgesänge gegen die Bayern, reine Anfeuerung der eigenen Mannschaft und Begeisterung ob des forschen Mitspielens zu Beginn der Partie – ob sich da einige Fans diverser anderer Vereine mal eine Scheibe von abschneiden könnten? Ich nenn‘ jetzt keine Namen…

Zum späteren Zeitpunkt, als es schon klar in Richtung Scholl-Abschiedssieg lief, stiegen die Mainzer trotz Abstiegsgewissheit mit in die Feierlaune der Bayern ein, erwiderten die Arena-Welle und erwiesen ihrerseits Scholl auf seiner Ehrenrunde nicht weniger Respekt als die Bayern-Fans. Großes Kino!

Wir werden Euch vermissen, ihr Mainzer!

Rote Zebras

Wie üblich bekommen die Bayern auch in der neuen Saison wieder ein neues Trikot. Diesmal was für zuhause.

Über Geschmack lässt sich ja bekannterweise trefflich streiten, was Addidas aber hier geritten hat, ist mir aktuell nicht wirklich klar.

Zebrastreifen? Sind wir der neue MSV Duisburg?

Mag sein, dass man sich irgendwann dran gewöhnt, muss man ja auch, denn erst 2009 gibt’s ’ne Ablösung, aber mir gefällt das nicht wirklich. Zum ersten Mal sah ich es in der U6 auf dem Weg ins Stadion (manche Fans wollen sowas ja immer als erste haben, auch wenn dann keine Beflockung drauf kommt – wie auch wenn noch nicht mal der neue Kader feststeht…) und war wirklich zum ersten Mal an diesem Tag sprachlos.

Ok. Wenigstens nur zwei Farben. Da haben andere Fans (mal wieder) ganz andere Probleme…
😉

Das Spiel

Ganz nebenbei war ja das letzte Spiel von Mehmet Scholl auch noch ein Bundesliga-Pflichtspiel.

5:2 hört sich an wie ein fröhlicher Sommerkick. Und das war’s auch.

Die Mainzer, im Grunde schon vor dem Spiel abgestiegen, spielten munter mit und hatten die ersten Chancen im Spiel. Im Bayern-Tor stand nicht Kahn, sondern der 40-jährige Dreher (Rekord für einen Bayern-Spieler in der Bundesliga-Geschichte). Wer Rensing vermisst hatte: Der war für die Regionalliga vorgesehen und gar nicht im Kader. Die 40 Lenze merkte man Dreher zunächst auch an, bei den Mainzer Frühchancen fühlte man sich an Bahnschranken erinnert. Ging aber gut.

Bayern hatte mehr vom Spiel, die unbelastete Spielfreude rund um den Motor Scholl wirkte mehr als inspirierend auf alle auf dem Platz stehenden Bayern-Profis. Schon komisch: Seit den Beschimpfungen (auch durch mich) spielen diverse Abschiedskandidaten im Kader plötzlich wie im Rausch. Das fiel schon in Gladbach, erst Recht in Cottbus und gegen Mainz sowieso auf.

Karimi zauberte, Santa Cruz und Pizarro schießen Tore in Serie als pure Selbstverständlichkeit. Bizarr.

Vielleicht aber nur Empfehlungen für neue Arbeitgeber…

Welche Gründe dieser merkwürdige Leistungssprung auch immer haben mochte, es lieferte den Fans eine Klasse-Spiel. Spätestens ab der 30. Minute kochte das Stadion, als zunächst Santa Cruz seine Saisonausbeute verdoppelte und Scholl kurze Zeit später zum 2:0 einnetzte. Orkan im Stadion.

Dem 3:0 durch van Bommel (dem einzigen Bayern-Tor des Tages von einem Bestandsspieler) folgten beinah‘ noch das vierte und fünfte Tor in HZ1. Die Bayern ließen es dabei bewenden.

Nach dem Seitenwechsel aber ein ähnliches Bild: Mitspielenden Mainzer wurden zwei Tore gegönnt, Karimi und Pizarro schossen ihre endgültigen Abschiedstore.

Selten passiert es allerdings, dass derlei fast untergeht, hatten wir doch alle nur Augen für Scholl, seine Ehrenrunde, das schwäbische 2:1 auf der Anzeigentafel und zum Schluss noch unsBrazzo, der ebenfalls im Stadionrund stimmungsvoll verabschiedet wurde. Das ging alles unter die Haut.

Wehmütig wurden dann zusätzlich noch die Mainzer, als ihr Abstieg unwiederbringlich feststand. Auch das berührte mich – aber was nicht an diesem sonnigen Samstag in Fröttmaning??

Moment mal, irgendwas passt da nicht

Die Saison ist morgen zu Ende und für die Bayern wird es auch höchste Zeit. Schaut man sich die aktuelle Verletztenliste an, pfeiffen die Münchner auf dem letzten Loch:

– Willy Sagnol (Knie)
– Lukas Podolski (Knie)
– Valerien Ismael (…)
– Owen Hargreaves (Pattellasehnen-Reizung)
– Bastian Schweinsteiger (Knie-Entzündung)
– Lucio (Adduktoren-Probleme)
– Daniel van Buyten (Wadenzerrung)

Die Liste an sich ist ja jetzt nicht so ungewöhnlich, die Probleme haben andere wohl inzwischen auch, aber bei uns fehlt die komplette Innenverteidigung!

Lucio, van Buyten und Ismael – alle krank.

Und jetzt?

Ok, mir fällt da spontan Aushilfs-IV Demichelis ein, aber sonst?

Kommt da tatsächlich mal wieder Mats Hummels ins Spiel?

Werder im UEFA-Cup, HSV wohl gerettet!

Die wahre Tabelle für den vorletzten Spieltag ist online und die Nebel lichten sich:

Stuttgart vergrößert seinen Vorsprung auf kaum für möglich gehaltene 10 Punkte und Schalke kann sich nur noch dank einer um 2 Toren besseren Tordifferenz auf dem zweiten Platz und vor den Bayern halten.

Werder und Leverkusen spielen definitiv in der nächsten Saison im UEFA-Pokal, Nürnberg ist dankbar dies über die Teilnahme am Pokalendspiel ebenfalls geschafft zu haben, denn in der Liga liegen Hannover und der BVB vor demClub.

Um den UI-Cup-Platz streiten sich noch Hannover, der BVB und Wolfsburg.

Abgestiegen sind neben den Gladbachern die Mainzer. Eintracht Frankfurt hielt sich mit dem Sieg in Bremen am Leben. Der HSV ist dank der um 14 Tore besseren Tordifferenz wohl aus dem Schneider. bleiben als noch Aachen, Bochum und Frankfurt, die sich um den 16. Platz streiten.

Also immer noch genug Rest-Spannung für den letzten Spieltag…
😉

Wahre Tabelle, Saison 2006/07, Spieltag 33

Aachen -1: Der Handelfmeter (65.) war unberechtigt.

Team Spiele gew./un./verl. Tore Differenz DFL MB
VfB Stuttgart 33 23/4/6 63:38 +25 67 73
FC Schalke 04 33 19/6/8 55:33 +22 65 63
Bayern München 33 19/6/8 57:37 +20 57 63
Werder Bremen 33 18/5/10 71:45 +26 63 59
Bayer Leverkusen 33 16/5/12 53:47 +06 47 53
Hannover 96 33 13/7/13 42:48 -06 44 46
Borussia Dortmund 33 13/6/14 45:44 +01 44 45
1. FC Nürnberg 33 10/14/9 40:35 +05 45 44
VfL Wolfsburg 33 10/13/10 41:42 -01 37 43
Arminia Bielefeld 33 10/12/11 49:48 +01 42 42
Hertha BSC 33 10/10/13 51:57 -06 41 40
Energie Cottbus 33 11/7/15 38:52 -14 41 40
Hamburger SV 33 8/14/11 40:41 -01 42 38
Alemannia Aachen 33 10/7/16 49:65 -16 34 37
VfL Bochum 33 9/9/15 48:55 -07 42 36
Eintracht Frankfurt 33 7/14/12 45:60 -15 40 35
1. FSV Mainz 05 33 8/7/18 33:52 -19 34 31
Borussia M’gladbach 33 6/8/19 25:45 -20 26 26

Wunschspieltag – wie in alten Zeiten

Wenn man sich mal daran gewöhnt hat, dass die Musik woanders spielt, dann kann man auch als Bayern-Fan ganz gut damit umgehen, mal kein Meister geworden zu sein. Zumal z.B. die frechen Rauten-Blogger nach dieser Horror-Saison viel weniger frech waren, als noch für einem Jahr – auch so etwas machte es mir leichter den Titel mal anderen zu gönnen… 😉

Die Entwicklung geht sogar soweit, dass ich mir inzwischen gut vorstellen kann, eine Saison im UEFA-Pokal zu spielen und das mitunter phasenweise spannend finde. Seltsam.

Vielleicht war es aber auch tatsächlich so, dass wir uns in den letzten Jahren zu Tode gesiegt haben. Kein Problem, dass wir in dieser Saison hatten.

Wenn nun also diese Entwicklung abläuft, dann sucht man sich eben andere „Schlachtfelder“. Was liegt da näher als die Zukunft, sprich Transfergerüchte?

Und in der Meisterschaft kann man endlich mal völlig losgelöst seinen sonstigen Sympathien frönen. So geschehen auch bei mir. Deshalb habe ich mich frühzeitig auf den VfB aus Stuttgart festgelegt und das obwohl, oder vielleicht gerade weil die gegen uns, in unserer Katastrophen-Rückrunde, mehr als verdient gewonnen haben, im Gegensatz zum FC Gazprom 04 und den Ex-Vorrunden-Himmelsstürmern aus Bremen.

Mein Meistertipp hätte mir natürlich um die Ohren fliegen können, aber jetzt fliegt halt den Schalkern 2001 um die Ohren…

Auch faszinierend: Ich fühle mich selbst ein wenig wie der Meister. Warum? Na weil der Spieltag ablief wie ein Wunschspieltag und sowas kenne ich emotional in den letzten Jahren nur von meinem eigenen Verein.

Irgendwann auf die Arena-Konferenz umzuschalten und auf das Bayern-Spiel zu verzichten, dazu braucht es schon einiges bei mir. Aber mit jedem Tor, dass meinen Wünschen entsprach, brach es emotionaler aus mir heraus. Ein Aufschrei folgte dem anderen – dabei waren die Bayern sowas von nicht beteiligt (allein der Geräuschpegel beim Zappen über die Arena-Optionen sprach da schon Bände), aber all das störte mich nicht: „Mein Verein“ war drauf und dran dem Titel ganz nah zu sein!

Am Ende einer Saison wird eben alles etwas heftiger. Das ganze Jahr, die ganze Saison nähert sich dem Höhepunkt. Versagt man, muss man ein ganzes Jahr bis zur nächsten Chance warten. Und ja, auch zwischendurch schließe ich schon einmal Zweckbündnisse, wenn es geht, dass ein Konkurrent an Boden verlieren soll, aber das mich ein jubelnder Doll nicht mehr störte, das hatte schon eine ganz besondere Qualität. Diese Entscheidungen am Saisonende haben halt immer wieder diesen Hauch der Ungläubigkeit, weil Ergebnisse zustande kommen, die man nicht für möglich gehalten hatte und die zuvor nur den eigenen Wünschen entsprach.

Schön war’s.

Aber zuende ist’s noch nicht. Noch nicht.

Die Meisterschaft, wo keiner wollte!

Jetzt mal ehrlich: Was ist das für eine Saison (gewesen)?

Jeder der großen Vier hatte phasenweise die Chance die Vorreiterschaft an der Spitze der Bundesliga zu übernehmen. Und bis zuletzt war sogar der ehemals große FC Bayern noch beim Konzert dabei.

Wieviele Spieltage gab es, an denen man glaubte, jetzt hat xy die Chance sich abzusetzen / vorbeizuziehen. Gerade wir Bayern-Fans waren da in der Rückrunde phasenweise fieberhaft dabei. Umsonst, wie sich herausstellte.

Ich war allerdings auch von den „grandiosen“ Siegen der Bremer in der Hinrunde nicht so beeindruckt wie andere, schaut man sich das nämlich genauer an, waren die 6:x-Sieg zumeist gegen Laufkundschaft erzielt, sowohl gegen Schalke (0:2, 0:2) als auch gegen Stuttgart (2:3, 1:4) verlor man dagegen beide Spiele, selbst im Rückspiel in München holte man nur mit ganz, ganz viel Glück einen Punkt. Zu wenig für den Titel.

Und Schalke?

Gerne will ich zugeben, dass ich zuletzt unsicher wurde, ob die Königsblauen inzwischen ihr 2001er-Trauma überwunden haben. Die Siege in Mainz, den Helden von 2005, und zuhause gegen den VfB ließen das schlimmste befürchten. Seit gestern wissen wir: alles nur Augenwischerei!

Nie war es so einfach Meister zu werden, wie in dieser Saison!

Gewinnt Stuttgart am nächsten, dem letzten Spieltag sein Spiel gegen Cottbus, dann wird eine Mannschaft mit 70 Punkten Deutscher Meister! Spielt Schalke nur Unentschieden reichen schon die aktuellen 67…

Ähnlich wenig Punkte reichten zuletzt 2002 (BVB, 70) oder 2001 (Bayern, 63) zum Titel.

Bei all dem vergisst man ja natürlich, dass, abzüglich der Fehlentscheidungen, der VfB schon längst Meister wäre – mit Vorsprung.

Noch ist nicht aller Tage Abend, aber ich denke, das geht nicht mehr schief. Wer sich mit mir mit aus dem Fenster lehnen will, ist gerne eingeladen.