Wie die Faust auf's Auge

Ich bin diese Woche ehrlich gesagt kalt von der Meldung erwischt worden, dass der selbsternannte (Fußball-)Gott seinen Hut beim englischen Spielzeug des Herrn Abramowitsch nehmen musste.

Einige Tage habe ich überlegt hier meine Mourinho-Highlights zu posten. Schließlich war da vom Verfolgungswahn bis zur Anstiftung zur Körperverletzung alles dabei (das Raussuchen der Links hole ich vielleicht noch nach).

Wie die Faust auf das berühmte Auge passten da allerdings dann die (Boulevard-)Gerüchte, dass Chelsea nun an Daum als Nachfolger „dran sein soll“.

Herrlich.

Haltet mich selbst für verrückt, aber ich denke nicht, dass dieses Szenario soo unrealistisch ist. Der Karren beim FC ist imho so gut „wie im Dreck“ (spätestens, wenn Köln in dieser Saison erneut nicht aufsteigt) und dem Ego eines Christoph Daum käme Chelsea doch gerade recht, oder?

Davon abgesehen halte ich bei Daum inzwischen alles für möglich… 😉

Road to Manchester: FC Bayern – Belenenses Lissabon

Die Bayern haben ihr Heimspiel gegen Lissabon gewonnen. Zu Null. Und Jan Schlaudraff hat ein ordentliches Comeback/Debüt absolviert.

Damit hätten wir aber auch schon alles an positiven Punkten aus diesem Spiel aufgezählt.

Offenbar haben die Bayern mit ihrem Start in Ligapokal und Bundesliga halb Europa aufgeschreckt. Denn nicht nur der HSV und Schalke, nein, auch Lissabon hat sich wohl nächtelang Videos von Ribéry und Co. „reingezogen“.

Anders ist nicht zu erklären, dass jetzt schon im dritten Spiel in Folge der Gegner genau so spielt, wie es uns nicht zu liegen scheint und unser, in wenigen Spielen lieb gewonnenes Kombinationsspiel vollständig zum Erliegen bringt.

Gegen uns (erfolgreich) zu spielen, scheint ganz einfach zu sein:

– Räume defensiv eng machen
– Ribéry mit zwei bis drei Spielern attackieren
– aggressives Pressing und
– schnelles Konterspiel

So haben zumindestens Hamburg und Schalke nicht gegen uns verloren und Lissabon ein 0:1 über die Zeit gebracht.

Na fein.

Und jetzt?

Ganz einfach. Die Lösung für die obige Vorgehensweise des Gegner ist ebenso schnell wie simpel erklärt:

– Schnelles Spiel nach vorne
– Laufbereitschaft aller Spieler
– Sicheres Kombinationsspiel und
– Konsequenz vor dem Tor

Was haben die Bayern gestern stattdessen gespielt?

– Querpässe
– Schlafwagen-Fußball
– Zweikampfschwäche und hohe Fehlerquote
– Vorsätzliche Tötung von Chancen

In Schönheit sterben. Das scheint das Ziel einiger Spieler zu sein. Leider kommt ihnen zu gute, dass in der Offensive gerade dünne Luft herrscht (Klose (gesperrt), Sosa (verletzt), Schlaudraff (erster Einsatz seit April, Mai)) – defensiv sieht es allerdings nicht viel besser aus: Lahm und Sagnol noch länger verletzt, van Buyten ausser Form und Ismael?!

Zé Roberto und van Bommel, unsere beiden 6er, empfinden das wohl ähnlich, sitzt doch nur ein Ottl als Alternative für diese Position auf der Bank – super Aussichten.

Ok.

Wollen wir mal nicht allzu schwarz malen.

Im Rückspiel muss Lissabon „noch mehr“ kommen. Passiert da nichts, scheiden sie aus.

Zusätzlich kommt Klose zurück und Toni wird bis dahin hoffentlich mehr Fitness, Frische und Spielstärke entwickelt haben – insofern sich keiner der beiden erneut verletzt!!

Denn eins steht für mich seit gestern fest: Das mit Poldi wird kurz- bis mittelfristig nichts mehr. Ich habe ja Verständnis dafür, dass er ein Spieler ist, der erst einen Lauf bekommen und deshalb längere Zeit mal von Anfang an spielen muss. Aber wie lange sollen wir solche Spiele wie gestern erleben? Noch so eins und wir sind für die ganze Saison aus dem Europapokal raus! Wäre es das wert? Vor allem, wenn man bedenkt, was Schlaudraff nach dieser noch längeren und eventuell schwereren Verletzung auf dem Rasen angeboten hat. Ganz zu schweigen von einem Klose oder Toni, die keine 90 Minuten brauchen, um auf Touren zu kommen.

Wie auch immer, vielleicht tun wir ihm ja Unrecht und er schießt uns in 14 Tagen in die Gruppenphase. Wer das am Ende macht, ist mir sowieso egal und andere deutsche Mannschaften haben aktuell noch ganz andere Probleme…

Meine Top-10: FC Bayern – FC Valencia

Top-10-Platz: 5
Spiel: FC Bayern – FC Valencia
Datum: 23.05.2001
Ort: Mailand, Giuseppe Meazza Stadion

Viele werden erstaunt sein, dass der 2001er-Sieg in der Championsleague nur auf Platz 5 meiner persönlichen Top-10 auftaucht. Aber diese Liste ist eben subjektiv und das Spiel durchaus nicht das schlimmste oder schönste in meiner Fan-Laufbahn.

Es ist wohl insgesamt unbestritten, dass dieser Sieg nur möglich war aufgrund der Niederlage in Barcelona, zwei Jahre zuvor. Die „jetzt-erst-Recht“-Mentalität versetzt bekanntlich Berge. So auch bei den Bayern. Scheiterte man 2000 nach knapp und im Halbfinale an Real Madrid (vielen Dank übrigens noch an Babbel und Kuffour, die die entscheidenden Duelle gegen Torschütze Anelka verloren), so zog sich die Willenskraft der Bayern wie ein roter Faden durch die CL-Saison 2000/01.

Jens Jeremis hat seine Sportinvalidität und Mehmet Scholl gefühlte 5 Jahre seiner Laufbahn, diesen entscheidenden Spielen im Frühjahr 2001 zu „verdanken“. Alle wollten endlich diesen Pott und viele haben sich mehrmals fit spritzen lassen.

In dieser zweiten Effenberg-Ära hatte man sich fast schon daran gewöhnt immer mindestens unter den letzten vier Teams in der CL zu sein (ganz anders als übrigens zu Zeiten eines Ballack…) und so war es auch diesmal.

Aber zum Spiel:

Die Fans spürten offenbar den Geist von Mailand, die Choreographie wurde legendär („Heute ist ein guter Tag um Geschichte zu schreiben“). Der Schock kam dafür mehr als schnell über uns alle: Hand-Elfmeter in der dritten Minute!

Schiedsrichter Dick Jol, offenbar chronisch geltungsbedürftig, erkannte auf Strafstoß, nachdem der am Boden liegende Patrik Andersson, mit angewinkeltem Arm von seinem (stehenden) spanischen Gegenspieler im Gemenge angeschossen wurde!

Spielmacher Mendieta verwandelte vom Punkt und versetzte uns in einen Schockzustand. Sollte es ein zweites Barcelona geben, diesmal mit einer Entscheidung in den ersten drei Minuten?

Nun. Valencia stand ebenfalls unter Druck, hatten sie doch ein Jahr zuvor in innerspanischen Duell im Endspiel von Paris gegen Real den Kürzeren gezogen.

Wie schnell Druck und Erleichterung beeinander liegen, erfuhren wir nur vier Minuten später, als Jol, offenbar bewusst, was er zuvor verbrochen hatte, den Bayern einen eher umstrittenen Elfmeter schenkte, den Scholl tatsächlich verschoss – die Welt ging mehr oder weniger unter.

Unterschätzt hatten wir alle aber in diesem Zusammenhang den gefestigen Charakter unseres Teams, das solange weiterkämpfte, bis es Stefan Effenberg vorbehalten war, einen weiteren Elfmeter für die Bayern (50.) tatsächlich zum Ausgleich zu verwandeln.

Der Rest der regulären Spielzeit plus Verlängerung war geprägt von Spannung, Hoffnung und Panik. Ein Elfmeterschießen wurde unausweichlich.

Die Geburt der Legende „King Kahn“.

Sagenhafte drei Elfmeter vereitelte Oliver Kahn und machte so die Bayern nach 25 Jahren endlich wieder zu Europas Königen.

Dieses Spiel hat es nur zu Platz 5 geschafft und selbst wenn ich damals die eine oder andere Freudenträne verdrückt habe (wie schon wenige Tage zuvor, aber das ist eine eigene Geschichte), so wäre es ein perfektes Spiel nur dann geworden, wenn wir erneut gegen ManU gespielt und sie dank zweier Nachspielzeit-Tore besiegt hätten. Oder auf irgendeine andere, vergleichbar dramatische Art. So war der Sieg eben nicht vergleichbar mit dieser Mutter aller Niederlagen.

Klar. Diese wenigen Tage im Mai des Jahres 2001 waren die erfolgreichsten und dramatischsten, die ich in dieser Anhäufung jemals beim FC Bayern erlebt habe – gleichwohl müsst ihr euch noch bis zum Ende gedulden, um meine Tops zu erfahren.

Und wie man sich denken kann, sind dies offensichtlich nicht die, die man erwarten würde…

Frisch, neu und belebend

Das hat mich gestern während des Spiels am meisten gefreut: Jan Schlaudraff kann wieder Fußball spielen.

Und das gar nicht mal schlecht, hauchte er doch trotz fehlender Spielpraxis und langer Verletzung dem darniederliegenden Spiel der Bayern in der Schlussphase teilwese neues Leben ein.

Das lässt hoffen. Vor allem auf die Zeit, wenn alle Hoffnungsträger endlich fit und in Form sind und trotzdem noch ein Schlaudraff existiert, der mächtig Druck machen wird – auf die Konkurrenz innerhalb des Kaders.

Eine Leistung wie gestern Abend werden sich einige, offenbar recht sicher fühlende Kollegen der bayerischen Offensiv-Abteilung, dann nicht mehr erlauben können…

Weiter so, Jan.

Ein Hauch von TM3

Kann sich jemand an den Clou erinnern, als der Spartensender TM3 seinerzeit plötzlich die Championsleague im Free-TV übertrug? Ich glaube es war im Jahre 2000 als wir alle erstmal schauen mussten, auf welchem Programmplatz dieser „Sender“ überhaupt lief. Mit Fußball hatten wir den zuvor nicht wirklich in Verbindung gebracht.

Ich glaube ein gewisser Herr Murdoch wollte seinerzeit den deutschen TV-Markt aufmischen und pumpte ein wenig Spielgeld in die Geschichte.

Das Vorprogramm des ersten Bayern-Spiel mutete ziemlich skuril an. Ein TM3-Moderator, dessen Name ich schon lange vergessen habe, nervte uns mit allerlei Spielchen, in Erinnerung ist mir nur dieser Slogan geblieben (wahrscheinlich, weil er ihn alle 3-4 Minuten wiederholte):

„T mmmmmm 3“

Heute starten wir in ein ähnliches Zeitalter. Fußball auf Pro7. Bisher fand dieser Sender in meiner Wahrnehmung nur statt in Bezug auf US-Serien und Raab-Events (macht der eigentlich überhaupt noch seine ursprüngliche Sendung?) und als ich von der Wahl der Bayern hörte, die UEFA-Pokal-Heimspiele von Pro7 übertragen zu lassen, dachte ich spontan an schicke Interviews Raab vs. Hoeneß…

Inzwischen wissen wir: Es kommt viel schlimmer!

Die Untoten der Arena-Auflösung springen in die Bresche. Ex-Chef-Rampensau Olli Welke gibt sein Comeback, am Spielfeldrand stammelt Mathias Opdenhövel, Ex-Stadionsprecher in Mönchengladbach, einmal mehr seine Gegenüber an und Holger Pfandt kommentiert.

Wollen wir hoffen, dass uns die Herren Sport-„Journalisten“ in unserer Wahrnehmung des Spiels und der Bayern nicht allzusehr behindern.

Klasse statt Masse

So die neue Einstellung des FC Bayern.

Hatte man vor Monaten noch davon gesprochen, dass die Transferwelle vor der Saison eine Ausnahme bleiben würde, spricht man nun, wohl ob des Erfolgs, offen davon, dies auch in Zukunft fortzusetzen.

Zumindestens was die Qualität der Neuverpflichtungen betrifft – 70 Millionen Investitionssumme sollen es nicht jedes Jahr sein.

„Transfers in der Größenordnung Klose, Ribéry und Toni sind der neue Weg […] Wir sind uns im Klub alle einig, dass allein die Qualität der entscheidende Faktor ist. Dem wollen wir nun in Zukunft Rechnung tragen.“

Nun ja. Das hätte ja auch früher schon der Gradmesser sein können, oder?

Man will die Winterpause abwarten und dann neu entscheiden, wer bleibt und wo noch Bedarf ist. Gerne. Allein auf einer Position wird an der aktuellen Planung nichts verändert: Rensing folgt in der neuen Saison Kahn.

Noch ein Argument weniger für die üblichen Kritiker: die Bayern geben trotzdem jeder Menge jungen Spielern eine Chance.

Alle Mann an Bord?

Na was habe ich gesagt?

Es ist Mittwoch und alle Montag-Verletzten sind spielfähig…

[…] sind Mark van Bommel, Christian Lell und Lucio am Dienstag ins Training zurückgekehrt und dürften damit auch einsatzbereit sein für das Spiel am Donnerstag.

Ferner steht Podolski in der Startelf – na bitte.

Ein Einsatz von Luca Toni wäre auch für ihn selbst nicht unwichtig – hat doch der Weltmeister noch überhaupt kein Europapokalspiel in den Knochen!

Kaum zu glauben. Schon eher dagegen die Premiere von Marcell Jansen.

Viel Spaß.

Die eigene Welt

Hach. Das ist schon schöner, wenn man in seiner eigenen Welt lebt, oder? Man kann sich alles so zurechtlegen, dass das eigene Leben viel angenehmer erscheint, als es ist. Auch das Urteilsvermögen verändert sich, man ist vielmehr sogar davon überzeugt, dass das was man denkt, der Realität entspricht.

In Hamburg, wo der über Monate, gar Jahre umstrittene Manager Beiersdorfer nach dem aktuellen Zwischenhoch des Vereins, seinen Job doch noch bis 2010 retten konnte, greift dies Fieber gerade um sich.

B. sieht eine Verschwörung. Gegen seinen Verein, seine Spieler.

„Ich habe das Gefühl, dass hier willkürlich gehandelt wird.“

Und weiter:

„Vereine, die in den letzten Jahren erfolgreich waren, kommen besser weg.“

Worum geht es eigentlich?

Das HSV-Spieler Thimothee Atouba, seines Zeichens Wiederholungstäter und Zirkusartist, vom DFB-Kontrollausschuss „wegen krass sportwidrigen Verhaltens“ angeklagt wird.

Atouba hat seinem Gegenspieler Streit den Ellbogen ins Gesicht gerammt, der Schiedsrichter hat es nicht gesehen, alle TV-Zuschauer dagegen schon – Anklage. Wo ist das Problem, B.?

Das Naldo für seinen Rückentritt freigesprochen wurde?

Ebenfalls nicht. Hilpert wollte auch hier Anklage erheben, auf Nachfrage bei SR Sippel nahm er davon Abstand. Denn der hatte das Vergehen sehr wohl gesehen und nicht als bestrafungswürdig bewertet.

Da kann Hilpert dann nichts machen, denn an einer Tatsachenentscheidung lässt sich nicht rütteln. Kann man gut oder schlecht finden, ist aber so.

Und nur um Deinem Gedächtnis nachzuhelfen, B.:

Was war das noch mal im Spiel HSV gegen Bayern? Ich zitiere mich selbst:

„Was ist nur mit Spielern wie Atouba los? Zuerst tritt er den am Boden liegenden Altintop auf Rücken und Gesicht und danach noch gegen Lell nach. Mit Gelb war auch er mehr als gut bedient.“

Schon vergessen, B.?

Oder muss ich erst die letzte Saison heranziehen und nach der hanseatischen Kartenflut recherchieren? Schon einmal darüber nachgedacht, dass die vielen Sperren in der letzten Saison mit dazu beigetragen haben könnten, dass der HSV nicht „so erfolgreich war“?

Das übrigens ein van der Vaart in das gleiche Horn stößt ist verständlich, schließlich muss der nach dem Sommer-Transfer-Theater ja noch mächtig gute Stimmung für sich machen…

Ein Satz für's Argumentations-Archiv

Ich bin ein wenig erstaunt.

Hatte es zuvor von allen Seiten noch Rufe nach Bestrafung gegeben („Das kann ein Schiedsrichter nicht durchgehen lassen.“), passiert nun gar nichts. Zumindestens gegen Naldo.

Wurde nach dem Foul an Klose noch heftig diskutiert, will Hilpert nach einer Rückfrage bei Schiedsrichter Sippel von einem Verfahren absehen.

Sippel habe nach Angaben des DFB gegenüber Hilpert erklärt, er habe „gesehen, dass Naldo mit dem rechten Fuß auf den Körper von Blasczykowski gekommen“ sei. Allerdings habe er dies „als einen normalen Schritt und Bewegungsablauf bewertet.“

Im Grunde stört mich das nicht. Ich will mir nur diesen Satz für den Fall abspeichern, dass die üblichen „Hetzer“ irgendwann in vergleichbaren Situationen mal wieder argumentativ gegen die Bayern vorgehen. Nur so für mich.

„Negative Tatsachenentscheidung“ – ebenfalls zurückgelegt – für schlechte Zeiten…