T Minus 11: Energie Cottbus – FC Bayern

Peinlich, pomadig und penetrant lethargisch.

So könnte man die erste Halbzeit der Bayern in Cottbus beschreiben. Beim Gastspiel bei einem Verein, der zu Recht Tabellenletzter war und am Dienstag noch gegen den amtierenden Deutschen Meister eine Leistung gezeigt hat, die sicherlich nicht einmal für die Regionalliga reichen würde.

Schlimm.

Vom Anpfiff an waren die Bayern dann eigentlich nicht mehr auf dem Platz. Im Gegensatz zu Energie Cottbus. Die gaben einen Rückblick in ihre eigene Vergangenheit: Kampf-Fußball mit allen Mitteln.

Nix gegen solche Methoden. Mich wundert es nur, dass Schiedsrichter Kinhöfer gerade hier und in diesem Spiel die internationale Europapokal-Linie verfolgte und fast alles laufen ließ. Dabei hätte gerade Sörensen schon in der Anfangsphase Gelb-Rot verdient gehabt. Im Gegensatz dazu wurde jede (tatsächlich jede Szene, oder?) gegen Luca Toni zurückgepfiffen.

Komisch.

Ferner wurde seinerzeit im Pokal-Viertelfinale gegen 1860 ein Ribéry-Elfer zurückgepfiffen, weil diverse Spieler zu früh hineingelaufen waren – Kinhöfer sah Mitreski noch nicht einmal, als er bei Ribérys Schuss schon fast neben diesem stand.

Wie wäre das Spiel gelaufen, wenn Ribéry beim zweiten Versuch diesen Elfer, vielleicht sein ganzes Spiel ernster genommen hätte?

Womit wir wieder beim Thema wären!

Am Ende kann nur der FC Bayern den FC Bayern auf dem Weg zur 21. Meisterschaft aufhalten. Genau dies ist heute geschehen.

Niemals. Wirklich niemals hätte eine Gurkentruppe wie Energie Cottbus die Bayern teilweise derart vorführen können, wenn nicht mind. 5-6 Hitzfeld-Kicker mit ihren Gedanken ganz woanders gewesen wären!

Wer das in Abrede stellt, ignoriert die bisherige Saison.

Die Bayern haben ihre zweite Saisonniederlage nämlich nicht dem Schiedsrichter oder der plötzlichen „Stärke“ der Lausitzer zu verdanken. Nein. Das haben sie sich selber zuzuschreiben.

Grund 1: Demichelis.

Seine Suspendierung ist zum einen mehr als konsequent und richtig zum anderen der Anfang vom Ende gewesen. So war nämlich Hitzfeld gezwungen im defensiven Mittelfeld für van-Bommel-Ersatz zu suchen. Zé Roberto kam nach wochenlanger (Magen-Darm?)Grippe, offenbar lange noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte, zurück und spielte tatsächlich (habe ich gegen Ende des Spiels begriffen) neben einem Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld (Wo war Ottl? Der hat das zumindestens gelernt).

Folge: Angriff über Angriff, Konter über Konter rollten fast völlig unbehelligt auf Lucio, van Buyten und Kahn zu. Das kann nicht gut gehen.

Grund 2: Die Einstellung

Schon gegen Anderlecht war in diesem Zusammenhang einiges in Schieflage. Das verdrängte man danach schnell, denn schließlich war man auch so eine Runde weiter. Fatal. Das Gift der Überheblichkeit konnte sich so weiter fortpflanzen.

Aber auch diese Erklärung greift zu kurz, wenn ich mir die Leistung anschaue, die Spieler wie Lahm, Klose, Schweinsteiger oder Toni seit einigen Spielen abliefern. Ok. Stürmer leben von Flanken. Und was Aussenläufer wie Lahm oder Sagnol da speziell gegen die belgischen Vorstädter angeboten haben, entschuldigt diese natürlich ein wenig. Trotzdem war einmal mehr eine Szene von z.B. Klose symptomatisch: 89. Minute, fast alleine vorm Tor, freie Schussbahn und Klose vollführt trotzdem eine recht komplizierte Körperdrehung, um auf Toni zu passen, der parallel von ca 3-4 Cottbuser Spielern förmlich zugedeckt wird…

Und erst Lahm. Was erlauben Lahm?

Ich bin mir nicht sicher, ob er überhaupt einen Zweikampf gewonnen hat? Von seinen Ballverlusten, Geschwindigkeitsdefiziten und fehlerhaftem Stellungsspiel in der Defensive ganz zu schweigen. Wieso muss z.B. ein Innenverteidiger wie van Buyten vor dem 0:1 an der Aussenlinie verteidigen, während Lahm aus 10-15 Metern Entfernung zuschaut, wie die Flanke nach innen kommt und nur noch ein IV sich zwei Gegenspielern gegenübersieht?

Man könnte ja darüber reden, wenn das einmalige Aussetzer wären, aber, und das kann selbster der größte Lahm-Fan nicht abstreiten, sowas sehen wir von ihm seit der WM 2006 fast ununterbrochen!

Grund 3: Ribéry

Ribéry ist nur ein Mensch. Für einige mag das jetzt eine Überraschung sein. Ist aber so. Und weil er auch nur ein Mensch ist, darf er auch mal einen schlechten Tag haben. Schlimm wird’s nur, wenn dann auch der FC Bayern einen schlechten Tag hat. Heute sahen wir also nach langer Zeit mal wieder die Schattenseite des Modells Ribéry.

Soll man jetz von Seiten des Vereins einfach einen zweiten Ribéry kaufen? Nochmal 25 Mio. Euro?

Nein.

Alles ganz einfach.

Rennen, Laufen, Kämpfen. Für Ribéry. Der zahlt das zurück. Jede Wette.

Aber so und mit dieser Einstellung wird das nichts mit dem Triple. So gewinnen wir kein Spiel mehr in dieser Saison!

Barcelonas Visionen

Auch dort gibt’s sowas. Visionen.

Man will mal wieder ausmisten. Das haben spanische (Top-)Vereine so an sich. Vor allem wenn sie nicht Meister werden. War in den letzten ein regelrechter Sport in Madrid. Jetzt geht’s in Barcelona los.

Man will neben Diego (von mir aus), laut des „Fachblattes Sport“ neben Sagnol und Lahm auch Ribéry verpflichten.

Lahm? Da war doch mal was.

Ganz im Ernst?

Nach der gestrigen Leistung dürfen Lahm und Sagnol gerne gehen. Wenn die zuviel Geld haben. Gerne. Wie wär’s mit 30 Mio.? Für beide zusammen?

Und Ribéry wollen sie auch?

Fein. 50 Mio. Euro? Kein Problem. Da fangen wir mal an zu verhandeln. Unter 50 Mio. gibt’s noch nicht mal Verhandlungen. Und wenn wir dann bei 95-100 Mio. Euro angekommen sind, fragen wir ihn mal, was er davon hält.

War das deutlich genug?

Was mich in diesem Zusammenhang immer wieder wundert – welche Spiele schauen sich die Spanier da immer an? Archivaufnahmen von der WM? Anders kann ich mir das Interesse an Lahm nicht erklären. Und bei Sagnol? Seine Flanken auf Michael B.?

Offensichtlich.

Für mich ist das ganze ’ne Ente. Eine spanische Boulevard-Ente.

Road to Manchester: FC Bayern – RSC Anderlecht

Tja. Irgendwann hört der Spaß auf. Der Spaß an der Rotation (9 von 11 Spieler). Und wenn man dann auch noch auf einen Gegner trifft, der zumindestens phasenweise um seine Ehre kämpft, um sich nicht vollends lächerlich zu machen, erleben wir eben solche Abende wie den gestrigen.

Zur Halbzeit war der Karren offenbar so dermaßen im Dreck, dass selbst Franck Turbo Ribéry da nix mehr dran ändern konnte.

Wie sollte er auch alleine etwas gegen die Malesse unternehmen?

Mit einem Torhüter, der seine erste Niederlage im einem Bayern-Pflichtspiel erlebte, parallel allerdings sein lustlosestes Spiel ablieferte, einem Stamm-IV, der zwar Kapitän war, aber ansonsten nicht viel daran ausrichten konnte, dass er mit einem absoluten Nervenbündel zusammenspielen musste und zwei Aussenverteidigern, die tatsächlich (spontan zuckte ich ein wenig zusammen, als diese Formulierung über die Bildschirme strömte) aktuell nicht zum Stamm gehören (dürfen)!?

Mit einem Mittelfeld, das zwar ganz ordentlich kickte, aber nach den ersten 15 Minuten Zauberfußball keinerlei Gefahr mehr ausstrahlte und einem Sturm, in dem sich Podolski noch redlich mühte, aber ein Klose inzwischen imho ein Kandidat für Bank und Couch (wer soll nochmal der Psychologe im Klinsmann-Team werden? Wie wäre es mit einem Vorabgespräch?) ist?!

Eben.

Schlimm.

Und dabei hatte Anderlecht seinerseits auch nicht die besten 11 aufgeboten.

Zwei Szenen reichten somit, um die Bayern zu schlagen. Zwei Szenen in denen sowohl Lahm als auch Breno mehr schlecht als recht aussahen. Ok. Breno ist 18 Jahre alt, hatte 4 Monate keinen Fußball mehr gespielt und besitzt noch deutlich sichtbare Defizite. Aber ein Herr Lahm? Was soll das? Immer noch im Loch? Es wird Zeit, daran was zu ändern!

Eigentlich wollte ich diese beiden zu den schlechtesten Bayern-Akteuren küren. Dann entschied ich mich allerdings um und übergab diesen Pokal einstimmig an Herrn Sagnol.

Alter!

WAS WAR DAS DENN WIEDER?

Ist das hier bei uns ein Trainingslager? Übung 36: Wie schlage ich Flanken höher als 1,25m? Wie lange will uns Willy noch mit seinem Feldversuch quälen??

Das geht gar nicht!

Schluss. Aus.

Vizekapitän? Führungsspieler? Angebote von großen Vereinen? Abwanderungsgedanken?

In welcher Welt lebt Herr Sagnol eigentlich?

Gestern zumindestens nicht in unserer, in meiner.

Auch hier muss sich was ändern.

Nein. Der Experimente waren es jetzt genug!

Das Positive:

1. Wir stehen im Viertelfinale (war ja auch kaum noch zu verhindern).

2. Wir erlebten den hoffentlich endgültigen Abschied von Pro7 als Fußballsender.

Die Qual hat ein Ende. Ich bin erleichtert. Denn auch hier gab es gestern einen neuen Höhepunkt. Co-Kommentatoren Elber und Schweinsteiger. Mein Gott. Sind wir hier bei der Wok-WM? Unfassbar schlecht.

Was ich befürchte: Ab Viertelfinale geht’s bei SAT1 genauso weiter…

Mein Trost: Ab nächster Saison bin ich (wahscheinlich) wieder (richtig) bei Premiere (und nicht nur über Premiere-Kanal bei arena).

Kurz noch was zu möglichen Gegner. Bisher stehen folgende Teams fest:

Leverkusen, Florenz, St.Petersburg, Eindhoven und Getafe. Ferner kommen heute Werder/Glasgow und Sporting/Bolton hinzu.

Wen ich am liebsten hätte? Ist mir sowas von egal. Denn rotiert wird ja jetzt ohnehin nicht mehr, ergo erleben wir einen Abend wie den gestrigen nicht noch einmal!

T Minus 12: FC Bayern – Karlsruher SC

Wer spielt den schönsten Fußball in Deutschland?

Auf diese Frage geben die meisten Fußball-Fans, wohl aus reiner Gewohnheit, Werder Bremen als Antwort. Ich seh‘ das nicht immer so. Wieso? Na weil ich neben dem Ligapokal, jetzt zwei weitere Spiele in dieser Saison einen KSC bewundert habe.

Sicher. Werder spielt vielleicht noch einen Tick zauberhafter. Soviel zum Thema Autosuggestion. Der KSC hat aber viel weniger Möglichkeiten als die Bremer. Zwar stellen sich die Werderaner immer noch gerne als Underdogs dar, aber wirkliche Underdogs sind eben Teams wie der KSC.

Im Hinspiel haben die Badener (richtig?) trotz 1:4 wirklich nicht schlecht gespielt gegen uns. Gestern ebenfalls. Und was vollends begeistert: Die spielen offensiv, ohne die Defensive zu vernachlässigen. Der nahe UEFA-Pokal-Platz kommt imho nicht zufällig zustande.

Was das beweist: Man kann erstens als Aufsteiger (oder Underdog) auch ohne Ultra-Mauer-Taktik gegen die großen Teams der Liga bestehen und erfolgreich sein (merken, Ihr Frankfurter und Duisburger!) und zweitens mit erfrischender Offensivtaktik und Konzept offensiv begeistern. Da stören auch Rückschläge nicht. Karlsruhe war eine der wenigen Mannschaften, die gegen uns in zwei Spielen nie aufgegeben habe (merken, Ihr Bremer und Hamburger). Die haben immer weiter gespielt. Respekt.

Aber für sowas braucht man nun einmal ein Konzept. Karlsruhe hat eins. Darüber hinaus einen guten, gar sehr guten Torhüter. Womit wir beim Spiel wären.

FC Bayern – Miller 2:0.

Könnte man so sehen. Vor allem in Halbzeit 1 rettete Miller desöfteren das 0:0. Insgesamt war aber auch ein Klose, einmal mehr, nicht wirklich in Bestform. Dem Mann fehlt schlicht Selbstvertrauen. Seit Wochen gehen Dinge nicht mehr, die zu Anfang der Saison wie von selbst liefen. Geduld muss man haben.

Andere sind dagegen aktuell in Top-Form. Ribéry. Zum Beispiel.

Er macht im Moment sowas von den Unterschied aus. Sein Solo und Tonis Gerd-Müller-Gedächtnis-Tor. Das war’s. Hätte mehr werden können. Aber der KSC wäre auch in der Lage gewesen, was zu schaffen. Naja. Wichtig war irgendwann im Spiel ohnehin nur noch die Anzeigetafel. Irgendwie hatte ich es geahnt, mehr allerdings gehofft, später auch gezittert, weil in Stuttgart wohl phasenweise alles möglich war.

Jetzt sind es 7 Punkte Abstand auf Werder. Besser als 7 Punkte Rückstand. Eine Entscheidung im Titelkampf?

Ganz im Ernst: Wer stellt solche Fragen?

Es sind noch 11 Spieltage übrig. Das sind 33 Punkte. Zum Titel brauchen wir jetzt nur noch 27 Punkte. Müssen ergo noch 9 von 11 Spielen gewinnen. Nicht mehr und nicht weniger. Insofern Werder alles gewinnt. Gewinnt dagegen heute der HSV in Nürnberg, haben die ihrerseits nur 6 Punkte Rückstand. Kommt alles im Grunde aber aufs Gleiche raus.

Imho ist diese Diskussion sinnfrei. Schauen wir vielleicht in ein paar Wochen argumentativ noch einmal vorbei.

So. Fehlt noch was?

Ach ja. Vielleicht das vermeintliche Klose-Handspiel im Strafraum? Ich habe jetzt insgesamt 4 Berichte dazu gesehen und ich würde der Tendenz zustimmen: 3:1 gegen absichtliches Handspiel.

Ganz schön mutig, Herr van Bommel!

Ob Uli Hoeneß da schon etwas geahnt hatte, als er Mark van Bommel die vereins-interne Geldstrafe nach seiner Gelb-Roten Karte gegen Hamburg ersparte, um ihn „nicht zum Sozialfall“ zu machen?

Derlei Generösität machte unseren holländischen 6er wohl übermutig. Wie sonst ist zu erklären, dass er in Anderlecht mit unserem Super-Franzosen um 100,- Euro wettete, dass sein Freistoß nicht im Tor landen würde?!

Der hat tatsächlich zuviel Geld, oder? In der aktuellen Form trifft Ribéry alles. Wo und wann er will. Wahnsinn wie vorhersehbar das alles wirkt und wie wenig der Gegner trotzdem dagegen tun kann!

Hoffentlich hört diese Serie so bald nicht auf. Macht mächtig Spaß.

Road to Manchester: RSC Anderlecht – FC Bayern

Null zu fünf. Alter. Das erinnert ja bald schon an den europäischen Triumphzug 1995/96.

Zugegeben. So deutlich sah es über lange Strecken der ersten Halbzeit nicht aus. Auch wenn die Bayern Spiel und Gegner da schon zumeist im Griff hatten.

Mit ein bißchen Glück hätten die Belgier schon in den ersten 45 Minuten den Ausgleich erzielen können. Die Unkonzentriertheiten im Team kosten uns vielleicht irgendwann noch einmal Kopf und Kragen. Nicht so heute Abend. Anderlecht war einfach zu schwach (umso erstaunlicher, dass die Bordeaux rausgehauen haben…). Und mit 10 Mann erst recht nicht in der Lage den aktuellen Bayern Paroli zu bieten. Den Bayern der zweiten Halbzeit. Als Hitzfeld mal eben 37 Mio. Euro einwechselt und die Bayern richtig aufdrehen. Phasenweise zaubern.

Und ja, auch hier muss man ergänzen, dass sich spätestens nach dem 0:3 im Vorort-Team aus Brüssel Auflösungserscheinungen breit machten.

Trotzdem muss man sagen, dass einen ausgeruhten Ribéry weder Ochs noch Esel aufhalten!

Allein. Wir können es uns, je weiter wir im UEFA-Pokal kommen sollten, sicherlich nicht mehr leisten unseren Superstar 45 Minuten auf der Bank zu schonen…

Wie schon gegen Schalke machte unser kleine Franzose auch hier wieder den Unterschied. An allen Toren der zweiten Halbzeit war er direkt beteiligt. Zweimal perfekter Vorbereiter und einmal Kunstschütze mit Traumfreistoß. Berauschend wie gefährlich zugleich. Abhängigkeit kann süß und bitter sein. Im gleichen Moment.

Ich beginne langsam mich daran zu gewöhnen. Man muss sich offenbar nur einfach dieser Tatsache stellen. 25 Mio. sind 25 Mio. und er ist jeden Euro wert. Nicht weniger und nicht mehr. Punkt.

Zum Spiel:

Lahm fiel mir unangenehm auf, da seine Fehlpassquote irgendwann richtig weh tat. Beim Zuschauen. In der ansonsten sicheren Abwehr gab es ferner einige haarsträubende Fehler und in der Offensive wurde mal wieder jede Menge direkter Offensivgelegenheiten ausgelassen. Verbesserungswürdig.

Der Rest war heute Abend aber durchaus ansprechend. Wirklich. Sogar ein Schweinsteiger spielt nicht schlecht. PrinzPoldi wusste ebenfalls zu gefallen. Und Luca Toni? Gelbe Karte. Gesperrt. Spontan dachte ich: „Supi“. Spätestens nach dritten Tor allerdings: Ok. Wird schon klappen, ohne ihn… 😉

Das Rückspiel sollte also als weitere Entspannung einer weiteren englischen Woche dienen, zumal es ein Mittwochsspiel werden wird. Glücklich, wer solche Chancen bekommt. Oder lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich nicht glaube, dass Anderlecht gegen uns 5 oder 6 Tore schießt? In München? Und selbst wenn. Dann müssten sie ja derart offensiv spielen, wie wir Bayern das in der Arena seit Monaten von keinem Gegner mehr gesehen haben. Was uns dann sicherlich ebenfalls so um 4-8 Tore bringen dürfte.

Wieso nicht? Würd‘ doch Spaß machen.

Der Spaß hört dann spätestens im Viertelfinale auf. Ich bin da ganz realistisch. Wenn ich an das Rückspiel gegen Aberdeen und an heute Abend denke, dann muss ich sagen, dass der Wettbewerb für uns Bayern jetzt erst ernsthaft losgeht, oder?

Schön.

Kein zweiter Ribéry

Zumindestens nicht in München. In der nächsten Saison.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte der „Sportbild“: „Ob Verteidigung, Mittelfeld oder im Angriff – ich sehe in keinem Mannschaftsteil irgendwelche Baustellen. Der Kader ist komplett.“ Wenn überhaupt, müsse man nur geringfügige Veränderungen vornehmen.“ […] „Jedes Jahr ein Kraftakt wie in der vergangenen Saison ist nicht möglich“, sagte Hoeneß.

Selbst unser neuer Trainer soll das so sehen.

Bei einem Gespräch mit Jürgen Klinsmann, der ab Juli neuer Trainer in München ist, habe er nicht das Gefühl gehabt, dass dieser große Forderungen habe, was Neuverpflichtungen betreffe.

Na dann kann ja nix mehr schiefgehen…

T Minus 13: Schalke 04 – FC Bayern

2:2, 1:1, 0:1, 0:2, 0:1, 1:5, 2:3, 1:1.

So die Bilanz der letzten 10 Jahre. In Schalke. Für die Bayern. Waren ein paar „lustige“ Spiele dabei. Gestern allerdings ging diese humoreske Serie zu Ende. Und obwohl ich nur die ersten 35 Minuten verfolgen konnte, war der Spaß gestern endlich mal wieder ganz auf unserer Seite.

Ich kannte das Gefühl, nah am Auswärtsssieg zu sein, schon aus den letzten Jahren, als die Königsblauen ihre Serie gegen uns nur noch unter Anstrengungen aufrecht erhalten konnten (gab’s nicht im vorletzten Spiel beim 1:1 einen umstrittenen Elfer für Schalke, in der 93. Minute?), aber diesmal war ich mir ziemlich sicher, dass es klappen würde. Ich wurde nicht enttäuscht. Selbst in den Zusammenfassungen, die ich später am Abend verfolgte, hatte mein Eindruck vom Spiel Bestand, dass Schalke aktuell kein wirklicher Gegner für uns ist.

Vielmehr war ich einmal mehr vom Zauber des Ribéry beeindruckt. Von seiner Dynamik, seinem Spiel, der Gefahr, die er dem Gegner einbrockt und gegen die dieser nichts ausrichten kann.

Totale Dominanz. Die einen reden darüber, die anderen haben sie.

Allerdings: Ist es nicht erschreckend, dass die Bayern tatsächlich so abhängig von ihm sind?

Das macht mir ein bißchen Sorge. Vor allem auf die nächste Saison bezogen. Die wird für uns, da bin ich mir inzwischen relativ sicher, bei 9 Punkten auf Platz 3, ja in der Championsleague stattfinden. Und da gibt es in der Endphase der K.O.-Runden nur noch Teams, die sogar mehrere „Ribérys“ haben. Ob das gut geht? Wir werden sehen. Bis dahin zaubert ja schon Klinsi bei uns auf dem Trainingsplatz und in den Köpfen der Spieler…

Zum Spiel fällt mir ansonsten kaum noch was ein. Richtig gute Chancen für Schalke? Also welche, wo wir tatsächlich um ein Gegentor bangen mussten? Eine, vielleicht zwei? Helft mir, Ihr Schalker.

Ok. Die Bayern hatten auch nicht wirklich dutzende Gelegenheiten (nur so ein halbes…). Aber neben der Defensivstärke (trotz Lucio und Jansen) und dem üblichen Abseitstor von Toni, gab’s genug gefährliche Situationen im 16- oder 5-Meter-Raum der Schalker (auch mal wieder für Klose, der nach gefühlten Monaten sein erstes Tor mache und auch sonst viel lebendiger wirkte – weiter so, Miro. Nur noch 15 Tore…), die durchaus zu mehr Toren hätten führen können. Fehlende Konsequenz. Das alte Thema. Gegen gestrige Knappen reichte es auch so. Schlimm vor allem für die Slomka-Kicker. In der Aussenwirkung. Dass es gegen 75%-Bayern nicht reichte.

Apropos Slomka.

Ich persönlich halte es für mehr als unprofessionell, provinziell und daneben, wie der GerneGroß im Schalker Vorstand den Trainer demontiert. Den Trainer, der die Schalker in seinen zwei Jahren in der nationalen Spitze hält und sogar in die Championsleague geführt hat. Ich mag den Slomka. Das hat mit Schalke gar nix zu tun, das vermag ich zu trennen. Wenn ich allerdings die üblichen „Daum-“ und „internationaler-Top-Trainer“-Fantasien im Umfeld des Meisters-der-Herzen höre, kommt es mir schon wieder hoch.

Mal eine klar Aussage eines Aussenstehenden: Schalke hat kein Problem auf dem Rasen oder auf der Bank. Schalke hat nur an zwei Stellen ein Problem: In der Führungsebene und in der Erwartungshaltung, der Tradition.

Beides übrigens seit vielen Jahrzehnten.

Für vernünftige Schalker ist das sicherlich keine Neuigkeit, aber gefangen ist der Verein trotzdem in dieser Spirale.

Wenn Schalke weniger an, über und in Bezug auf Szepan, Kuzorra, 1958, 2001 und den Pott denken, reden, fühlen, hängen und handeln würde, wären sie wahrscheinlich schon längst da wo sie hinwollen. Bei der Meisterschaft. Man steht sich einfach selbst im Weg.

Eichberg, Assauer, Schnusenberg und Co. – vom Sonnenkönig bis Schattengewächs ist alles dabei gewesen. Aber das Problem gibt’s ja in Lautern auch. Ergebnis bekannt (für Schalke dagegen imho so nicht möglich).

Nein. Der Zug zum 50-jährigen Jubiläum ist mit nun 12 Punkten Abstand für Schalke abgefahren.

Für die Bayern nimmt er jetzt erst richtig Fahrt auf, der Meister-Express. Vier Heimspiele in den nächsten sechs Partien. Das hört sich gut an (wenn wir keine Heimschwäche hätten, aber jetzt gibt’s ja wieder den kleinen Franzosen). Allerdings sind das fast alles englische Wochen und wenn sich Ribéry nur einmal schlecht aufwärmt – aber die Temperaturen steigen ja jetzt wieder. Werden wieder mehr wie Marseille. Mehr wie August.

Fühlt sich gut an diese Perspektive.

Pokal-Derby, Elfmeter und Schwerkraft

Die Bayern stehen im Halbfinale des DFB-Pokals. Immerhin. Von allen möglichen Titeln sind wir hier also schon am weitesten. Wird ja auch allgemein so definiert. Der einfachste Weg in den Europapokal. Allerdings nicht für uns. Noch ein Jahr UEFA-Pokal brauche ich nicht…

Zum Spiel.

Bayern war Favorit. Bayern war Gastgeber. Bayern „machte“ also. Und zwar das Spiel. Immer wieder die gleiche Leier. Mit gleichem Ergebnis. Bayern rennt an. Gegner xy verteidigt. Hinzu kam noch, dass es das erste Derby unter Wettbewerbsbedingungen war. Allerdings befinden sich die Löwen schon lange nicht mehr auf Augenhöhe. Finanziell wie spielerisch. Das 1:1 im Freundschaftsspiel war nur der Trägheit der Bayern geschuldet.

In diesem Spiel war einmal mehr das Defizit der Bayern an Kaltschnäuzigkeit das Thema. Hätte Kroos völlig frei vorm Tor den Ball in eben jenes gezimmert und nicht 5 Meter drüber, wäre es ein anderes Spiel geworden. Hat er aber nicht und wurde es auch nicht. Pech gehabt.

Mit der Einwechslung von Ribery wurde es, wie schon gegen Hamburg, ein anderes Spiel. Plötzlich lief alles irgendwie schneller beim FC Bayern. Erschreckend also, dass es tatsächlich an einer Person hängt. Phasenweise sahen wir dann die üblichen Verhaltensmuster. 3-4 Gegner stürmen auf Ribéry und trotzdem sind nicht ebensoviele Bayern frei und helfen ihm. Ballverlust. Irgendwie ein-dimensional. Egal.

Abgesehen von Unzulänglichkeiten der Hitzfeld-Kicker trug der Schiedsrichter seinen Teil zum Spiel bei.

Um eins aber vorweg zu schicken: Der Schiedsrichter war nicht schuld daran, dass die Bayern sich so in die Verlängerung gequält haben, aber z.B. war das Foul an Lucio kurz vor Schluss der regulären Spielzeit imho ein klarer Elfer. Desweiteren hatte ich während des gesamten Spiels den Eindruck, das Gagelmann zwanghaft zeigen wollte, dass er kein Heimschiedsrichter ist.

Naja. Er hatte wohl einfach einen schlechten Tag.

Ob man nämlich Luca Toni beide gelben Karten geben muss, würde ich auch nicht unbedingt unterschreiben. Toni ist imho kein Stinkstiefel. Er spielt authentisch, steht ohnehin permanent unter Beobachtung. Sicherlich mag er ein wenig Frust gehabt haben, ob der Spielweise seiner Gegenspieler, die ihm permanent auf den Füßen standen. Aber auch hier wäre es hilfreich gewesen, wenn Toni ein, oder zwei wirklich gute Pässe in den Fuß bekommen hätte, dann müssten wir uns jetzt gar nicht mehr darüber unterhalten. Weder über seinen Platzverweis noch über besagte Verlängerung.

Diskutieren kann man dagegen über den ersten Platzverweis für die Löwen. Ribéry zeigte da ein Verhalten, dass ich so von ihm bisher noch nicht gesehen habe. Schinden. Imho lag das an der Atmosphäre, die Gagelmann durch seine Entscheidungen geschaffen hatte. R. hat spontan die Möglichkeit erkannt und sich fallengelassen. Verurteilungswürdig. Ob man es ihm in dieser Situation vorwerfen kann? Zumindestens nicht, bevor wir uns über vergleichbare Entscheidungen gegen uns beschweren…

Ohnehin war der späte Zeitpunkt im Rahmen der Verlängerung für das Spiel fast irrelevant. Die Löwen versuchten sich da schon ins Elfmeterschießen zu retten und die Bayern hätten den folgenden Elfer wohl auch so bekommen.

(Dagegen war der zweite Platzverweis ohne Diskussionen fast noch klarer als Gelb-Rot. Imho hätte man sich von Seiten der Löwen da auch nicht über Rot beschweren können. Dass sie trotzdem diskutierten, lag vielmehr daran, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt schon verschaukelt fühlten…)

Apropos Elfer:

In der ersten Wiederholung sah es so aus, als ob das Foul vor der Linie geschah, in der zweiten eben auf der Linie. Und die Linie gehört nun einmal zum 16-Meter-Raum. Kann man imho also durchaus geben.

Sowieso kam der Höhepunkt des gesamten Spiels erst mit der Ausführung des Strafstoßes. Mal ganz im Ernst: Ist der Ribéry ’ne coole Sau, oder nicht?

In solch‘ einer Situation, in der 122. Minute eines Pokalspiels, einen Strafstoß wiederholen zu müssen und dann wie gegen WerderWiese?

Wahnsinn.

Jedem anderen Bayern-Spieler wäre da wohl das Herz in die Hose gerutscht!

Ihm nicht und deshalb stehen wir jetzt in der Vorschlussrunde.