BL 2012/13 #25 FC Bayern – Fortuna Düsseldorf

Spiel: FC Bayern – Fortuna Düsseldorf
Wettbewerb: Bundesliga
Historie: Spiele gegen Düsseldorf

Gegner:

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Bilanz Spiele: 28/9/12
Bilanz Übersicht: Link

Tatsächlich ist diese Paarung etwas Besonderes für mich. Nicht nur, weil meine Frau Fortunin ist, nein, weil es anfangs eines der häufigsten Live-Spiele meines FCB-Fan-Lebens war. Mein erstes Auswärtsspiel, mein erstes Bundesliga-Heimspiel. Lange her. Und mein, in Grundsatz-Diskussionen, am liebsten erwähntes Heimspiel im verschneiten und bitter kalten Dezember-Olympiastadion. Mit 10.999 anderen – frierenden – Fans.

Zwischen all diesen Anekdoten und der Gegenwart liegen 1,5 Jahrzehnte und eine Fortunen-Reise in den Abgrund und zurück. Was hat uns Düsseldorf damals oft… genervt. Derlei ist für das anstehende Heimspiel eher nicht zu erwarten. Will ich hoffen.

Ich rechne mit einer 1a-Aufstellung. Und einer 1-Plus-Einstellung!

Auf geht’s, Ihr Roten!

Im Auge des Sturms oder Paule & Robert

Er ist vorbei. Der Sturm. Das „Twitter-Gewitter“ (Zitat Sport 1), das los brach, als ich am Montagabend einen Tweet zu den neuerlich aufkommenden Gerüchten rund um eine „feststehende“ Verpflichtung von Robert Lewandowski durch den FC Bayern schrieb. Gleichwohl möchte ich noch einmal – auch hier im Blog – ein wenig Dokumentation betreiben und persönliche Würze ins Spiel bringen. Der Reihe nach.

04.02.2013, 23:17. Erste Diskussionen schließen sich direkt an den Tweet an. Auch die Antwort des Users @petar68 aka Pietro Nicolodi, der sich als Mitarbeiter von „SkyItalia“ zu erkennen gibt und erwähnt, dass man meinen Tweet in der Sendung „Sky Calcio Mercato“ zitiert habe.

So weit so schmeichelhaft. Ich spiele im Nachgang auch ein wenig mit dem Gerücht, ich hätte etwas mit dem Gerücht zu tun. Dabei habe ich die ganze Zeit den Hashtag #Ironie im Hinterkopf. Zumeist und auch in besagtem Tweet aber eben nur im Hinterkopf. Die Lawine rollt so langsam an. Warum? Weil die Befindlichkeiten in der Bayern-Welt, also den Fans, den Medien, die sich mit Fußball im Allgemeinen und dem FC Bayern im Speziellen befassen, doch sehr sprunghaft sind. Nach zwei Jahren der schwarz-gelben Dominanz. Nach der Hysterie rund um den #Martinez-Transfer und die Euphorie der #Guardiola-Verpflichtung. Hätte ich wissen können, aber ich(!) bin ja hier nicht der Journalist, der der Sorgfalt verpflichtet ist und dafür ein Gehalt bezieht. 😉

Ins Bett ging ich in dieser Nacht mit dem Unwissen, was am folgenden Tag folgen sollte.

Die Zahl meiner Mentions („Erwähnungen“) auf Twitter schoss in die Höhe. Mehr als zu #JM8- oder #Pep-Zeiten. Die Zitate meines Tweets nahmen zu und erreichten die „richtigen“ Medien. Ich stand all dem belustigt gegenüber. Ein befreundeter BVB-Blogger fasste erstmals die Ereignisse zusammen. Zunächst noch in einer launigen Atmosphäre einer Gerüchteküche, wie sie auf Twitter häufiger vorkommt.

„Ernst“ wurde es dann, als ich per Twitter eine erste Interviewanfrage von der Abendzeitung erhielt. Ein erstes Telefoninterview folgte. Dieser Artikel war das Resultat davon. Über diesen Artikel – einer der ersten, der mich Namentlich erwähnte, wurde vehement auf Twitter diskutiert. Und weil die AZ das mit dem Social Web durchaus lebt, gab es Korrekturen. Auch eine, die durch mich veranlasst wurde, denn in der ersten Version konnte der Eindruck entstehen, ich würde SkyItalia-Vollzugsmeldungen genauso ernst nehmen wie die einzig wahren – die des FC Bayern.

Kurz nach diesem Artikel erhielt ich zwei weitere Anfragen: Für ein Telefon-Interview mit einem Sportredakteur der Ruhr Nachrichten Dortmund und eine Live-Telefon-Schalte in die Sport1-Sendung „Bundesliga Aktuell“. Zu diesem Zeitpunkt ging es in den Interviews noch darum, dass ich a) meine Sicht der Dinge darlege und b) den Journalisten dabei helfe, Licht in die Verwirrung zu bringen (dass ich nicht die Ursache für das Gerücht war).

Mein Telefonat mit dem RN-Redakteur floss in diesen Artikel ein, mein Teil der Sport1-Sendung ist hier zu sehen.

Parallel kam eine Anfrage der 11Freunde. Dieses letzte Interview des Tages fasst es dann wohl am besten zusammen.

Mehr Links will ich zu diesem Thema nicht posten, da sie sich erstens zumeist ähneln und zweitens obige Seiten, Sendungen eben direkt von mir, von meinem Feedback befüllt wurden. Das Echo war mehr als breit. Ich habe auf Twitter Erwähnungen erhalten in Sprachen und mit Schriftzeichen, die ich zuvor noch nie gesehen habe – allein dies zeigte mir einmal hautnah und ganz persönlich, welche Verbreitung und thematische Durchdringung das Thema FC Bayern, Europa- oder gar Weltweit hat. Beeindruckend.

Was es von mir nun – auch zwei Tage später – noch zu sagen gibt, was ich oder andere nicht längst gesagt haben?

Vielleicht, dass ich unterstreichen will, das niemand von uns das Rad der Zeit zurück drehen will oder kann. Der aktuelle „Zustand“ des (Fußball-, Sport-)Journalismus hat viele Ausprägungen. Es ist sicherlich gut, dass es heutzutage in dieser Branche viel transparenter zugeht als früher. Dem Internet und den sozialen Medien sei Dank. Andererseits hat, nicht nur meiner Meinung nach, sicherlich aufgrund der Geschwindigkeit, die die große Masse an Medien oder eben das Medien selbst erzeugt, dazu geführt, dass journalistische Grundprinzipien (nachhaltige und belastbare Recherche, Bestätigung eines Gerüchtes durch mehrere Quellen, etc.) in den letzten Jahren – bei einigen(!) Vertretern der Zunft ein wenig „gelitten“ hat. Dies soll bewusst keine Pauschalkritik sein und irgendwo sind wir, bin ich ja auch Teil dieses Konstrukts, aber mein Beispiel, die Entwicklung, die mein Tweet genommen hat, zeigt dies doch eigentlich recht deutlich auf. Und da kann auch der „Nährboden“, den Gerüchte rund um den FC Bayern haben, keine Entschuldigung sein. So sehr mich – als Bayern-Fan – auch Gerüchte um Neuverpflichtungen interessieren, so sehr bin ich doch manchmal von dieser Jagd nach der exklusiven Schlagzeile genervt.

Was für mich am Ende des Tages (sic!) übrig blieb?

Zahlen. Und Reichweite.

400.000 TV-Zuschauer während meiner Live-Schalte bei Sport1.
– Über 10.000 Hits, 5.000 PIs (Seitenaufrufe) und 2.000 Besucher auf meinem Blog an einem Tag (doppelt so viel wie am Tag der Guardiola-Verpflichtung oder dem #FinaleDahoam).
– Inzwischen über 3.000 Follower auf Twitter (10% Zuwachs an einem(!) Tag).
– 10% mehr Fans auf meiner Facebook-Seite.

Ich kenne, schätze und glaube (an) das berühmte Warhol-Zitat. Und habe immer daran gedacht, wie das wohl sein müsste, wenn man diese „15 Minuten“ erlebt. Ganz realistisch und nüchtern habe ich meine „Chance“ darauf an dieser Stelle genutzt. Meine Frau hat am Abend Termine verschoben, weil mir (und ihr) z.B. völlig klar war, dass dieses Sport1-Fernseh-Interview nur zu diesem Zeitpunkt stattfinden konnte. Einen Tag später wäre das Thema schon tot gewesen. Zu Recht (siehe „Schnelllebigkeit“). Gleichwohl habe ich es genossen, allein schon, weil ich so was sowieso nicht täglich gebrauchen könnte, denn an „normalen Tagesablauf“ war nicht mehr zu denken.

Jetzt, liebe (leicht vergrößerte) Community sind wir wieder „unter uns“ – und Samstag ist das nächste Spiel.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Guardiola.

Keine Wortspiele von mir zu diesem Thema. Sind ja eh alle schon gemacht worden. Von fast allen.

Der FC Bayern bekommt zum 01.07.2013 einen neuen Trainer. Josef – Jupp – Heynckes beendet seine dritte Amtszeit bei unserem Verein, Josep – Pep – Guardiola i Sala tritt seine Nachfolge an. Der – was man so liest – begehrteste Trainer auf dem Erdball. Ich kann nicht abstreiten, dass mich dieser Umstand stolz macht. Und ich dieser Tage viel Freude in mir trage. Aber wie ich es – auf Twitter, auf dem #tkss oder sonst wo – gesagt habe: #Pep ist nicht gleich #JM8. Will sagen, die Hysterie – auch und gerade von mir – rund um die Verpflichtung von Javier Martinez war eine ganz andere Liga als das Thema Guardiola. Und das hat gar nix mit ihm zu tun, dass liegt an mir.

Ich bin dazu in der Lage total durchzudrehen, völlig auszuflippen und alle Grenzen fallen zu lassen. Wer mir in diesen wilden Tagen auf Twitter folgte, weiß wovon die Rede ist. Selbst einige langjährige Verfolger folgen mir seitdem nicht mehr. Aus Gründen. Kein spanischer Tweet, keine Übersetzung, keine Meldung von Flughäfen, kein Bild eines FCB-Autos war vor mir sicher. Die Euphorie überstieg alles je da gewesene. Warum? Weil sich bei mir / bei uns Bayern-Fan eine wochenlang aufgebaute Erwartungshaltung, Enttäuschung, Hoffnung und Frust auf einmal entluden. Wenn ich an den Bilbao-Präsident denke, spüre ich schon wieder dieses Zucken.

Und dann diese Verdichtung der Emotionen. Sollte es wirklich sein, dass der FC Bayern „mal was Verrücktes“ machen würde? So wie all die Reals, Milans und ManUtds? JA! Groß. Nun, dieser (Höhe)punkt liegt hinter uns. Und wer einmal den höchsten Hohepunkt erlebt hat, der empfindet einen normalen Höhepunkt nur noch als… Punkt. Mit dieser Analogie will ich in keinster Weise die Großartigkeit dieses Transfers kleinreden, aber ich muss ja auch nicht 24 Stunden schenkelklopfend auf dem Boden liegen vor Lachen. Manchmal reicht auch ein Schmunzeln. Loriotesk.

Ich bin begeistert. Davon, dass Guardiola sich tatsächlich für den FC Bayern und nicht für das Geld entschieden hat. Selbst wenn dieser Satz aus dem Munde eines Bayern-Fans bizarr klingt. Es geht um dieses Scheich- oder Russen-Geld, dass – und da sind wir uns ja alle einig – nicht nur „böse“ ist sondern auch jedes seriöse Wirtschaften im Fußball endgültig ad absurdum führte. Ich find es klasse, dass unser neuer Trainer tatsächlich ein Mensch ist, dem andere Sachen wichtiger zu sein scheinen. Und dass diese „guten Sachen“ nun mit meinem Verein verbunden werden.

Ich bin begeistert wie mein Verein diesen Transfer abgewickelt hat. Es drang nichts(!) nach außen. Und was waren wir ahnungslos als der Vertrag – nachweislich – längst unterschrieben war. Herrlich. Ich finde auch den Stil der Pressemitteilung meines Vereins klasse. Derlei war ich in den letzten Jahren bei Trainerwechseln nicht (mehr) gewohnt. Danke dafür.

Sicher, der FC Bayern wäre nicht der FC Bayern und die Medien nicht die Medien, wenn am Folgetag nicht schon wieder „Zwietracht“ gesät werden würde. Oder zumindest der Versuch gestartet wird. Unser Präsident gibt dem ZDF ein Interview und die Medienvertreter, denen nach dem, für sie überraschenden #Pep-Big-Bang, die Stories auszugehen drohen, machen sich nicht die Mühe, dessen Aussagen ungekürzt wiederzugeben. So entsteht der Eindruck, man habe Heynckes doch – gegen seinen Willen – vor die Tür gesetzt. Geschenkt, man muss derlei nicht lesen. Ich für meinen Teil habe mir in der ZDF-Mediathek zumindest das Interview angesehen. Und für mich klingt das nicht unbedingt so. Für mich klingt das so, dass es natürlich ziemlich naiv gewesen wäre, erst nach der Mitteilung von DonJupp kurz vor Weihnachten in die Verhandlungen mit Guardiola einzusteigen. Definitiv. Man hat mit ihm, respektive seinen Beratern gesprochen. Ja, und? Wir hatten einen Trainer, dessen Vertrag zum Saisonende auslaufen würde und Guardiola war auf dem Markt. Ich kann ferner nicht erkennen, dass die „bisherige Sprachregelung“ des Vereins etwas anderes behauptet hat. Aber ich habe ja auch keine Ahnung.

Jetzt ist Guardiola verpflichtet, er lernt Deutsch und er tut dies in New York. Weiter weg von Heynckes und einer noch zu spielenden Bundesliga-Rückrunde geht es nicht. Mehr Souveränität und Professionalität ebenfalls nicht. All das wirkt – bis auf weiteres – perfekt.

Womit wir zu meiner Einschätzung des Trainers Guardiola kommen.

Es steht außer Frage, dass er mit Barcelona maximalen Erfolg hatte und ein großer Trainer ist. Selbst wenn man Max Merkel zitieren will, dass Messi & Co. vielleicht auch ein Spazierstock zum Championsleague-Sieg geführt hätte. Aber ist das so? Was wissen wir denn schon? Nur weil Guardiola nicht der Lautsprecher oder ein eher kein… extrovertierter Typ wie Basler, Klopp, Sammer, Lattek oder Mourinho ist / war? Wissen wir wirklich etwas zu sagen über seine Qualität als Trainer? Nein. Andererseits hat er selbst uns allen noch nicht gezeigt, dass er als Trainer auch außerhalb Barcelonas funktionieren kann. Ein Wagnis. Für ihn und für uns. Ich bin bereit dafür.

Guardiola hat für mich auch keine Auswirkungen auf die Bundesliga, deren Außenwirkung oder andere Dinge, die in den letzten Stunden kolportiert wurden. Mir als Bayern-Fan muss auch niemand auf die Schulter klopfen oder den Verein für diesen Transfer beglückwünschen, denn es steht selbstverständlich fest, dass wir Guardiola genau deshalb geholt haben, um erneut eine Ära zu prägen. Er soll für uns den Erfolg sichern und uns auch in Europa – ohne die Bundesliga zu vernachlässigen – zu höchsten Weihen führen. Warum sollten wir das abstreiten? Dafür muss uns niemand lieben – alles andere wäre sogar sehr merkwürdig!

Ob Guardiola das kann, oder wir ihm dazu die Zeit geben werden – wer weiß das schon. Aber eins steht fest: Wenn einem Trainer das möglich gemacht wird (in München) – dann ihm! Denn Guardiola ist genau der „Welttrainer“, der unsere Großkopferten in der Führungsriege ruhig stellen kann. Keine Personalie hätte hier mehr elektrisiert als #Pep. Die (Fußball)welt schaut ab sofort nach München. Noch mehr als zuvor. Und unsere Führung wird es sich gut überlegen, ob sie einen Guardiola verbrennen wollen. An dem Feuer könnten sich selbst Rummenigge, Hoeneß oder Beckenbauer die Finger verglühen. Seine Chance. Eine Chance, die Klinsmann und später van Gaal nicht hatten.

Der FC Bayern steht vor einer goldenen Zukunft. Oder epochalen Veränderungen in der Führung. Es könnte ein entscheidender Schritt in die Zukunft sein. Oder eben die Zementierung des Provinziellen.

Bienvenido a Munich, el señor Guardiola! (Pff, Google Translate)