Autor: paule
Paule in München #01 – Folklore
Ihre Bestellung bei der FC Bayern München AG
Sehr geehrte(r) Herr Oliver Schmidt,
Ihre Bestellung konnte wie folgt gebucht werden:
(eventuell musste ihr Auftrag, aufgrund der hohen Nachfrage, kontingentiert werden. Wir bitten Sie hierfür im Namen aller Mitglieder und Fans um Verständnis.)
Spiel: FC Bayern München – Chelsea FC (UEFA Champions League Finale), 19.05.2012
Kartentyp: Tageskarte
Preiskategorie: Sitzplatz Kategorie 4
Sitzangaben: Block Auswärts Sitzplatzbereich, Reihe , Sitz
Preis: 71,00 EUR
Gesamtbetrag: 77,00 EUR inkl. Vorverkaufsgebühr und eventuell anfallende Versandkosten
Zahlart: Kreditkarte
Im Endbetrag ist die gesetzliche MwSt. enthalten.
Ihr Auftrag wird in den nächsten Tagen verschickt, bzw. liegt in unserem ServiceCenter zur Abholung bereit.
Bitte beachten Sie die veröffentlichten Spieltermine der DFL und bei internationalen Spielen der UEFA. Falls diese Buchung im Rahmen der Auswärts-Dauerkarte erfolgte, beachten Sie die Hinweise zur Abholung auf www.fcbayern.de
Wir wünschen Ihnen eine angenehme Anreise und viel Spaß beim Spiel.
Mit freundlichen Grüßen
FC Bayern München AG
Ticketservice
Sommerfußball, Schwaben, Stimmung
Ich bin mal wieder spät dran. Aber ich bin entschuldigt. Ich weile erst seit gestern wieder im Rheinlande und war zuvor – in München.
Das Gastspiel des schwäbischen VfB war tatsächlich mein erstes Live-Bundesliga-Spiel in dieser Saison. Karten für die Königsklasse des Fußball sind tatsächlich einfacher zu bekommen. Insofern es sich nicht um das Finale handelt. Eigenes Thema.
Dieser Bericht folgt spät, weil ich weder Rechner noch mobiles Endgerät zur Verfügung hatte, auf der sich für mich die Möglichkeit ergab, solche Zeilen stressfrei und ohne Finger-Folgeschäden zu digitalem Papier zu bringen. Bloggt einer von Euch übers iPhone? Meinen Respekt.
Jetzt aber.
Es war warm. Erstaunlich warm. Und auch im Vergleich zu den Tagen zuvor. Womit wir gleich mal einen der wichtigen Gründe für den Verlauf und den Ausgang des Spiels angeführt hätten.
Das hinter uns liegende Halbfinal-Rückspiel ließ unseren Trainer ferner mächtig rotieren und somit fanden sich erneut – wie vor diesem Spiel in Madrid gegen Bremen unzählige 1b-Spieler nicht nur im Kader sondern sogar in der Startelf.
Berücksichtigt man diesen Umstand muss man sich eher in Bremen und Stuttgart fragen, ob diese Liga tatsächlich so ausgeglichen ist, wie sie die Marketingprofis in den für die Außendarstellung verantwortlichen Stellen so gerne darstellen wollen.
Meiner Meinung nach nicht.
Natürlich hatten die Bayern Glück, dass Stuttgart im späteren Verlauf der ersten Halbzeit seine großen Chancen ungenutzt ließ. Und wenn die Bayern Glück hatten, dann hatten die Schwaben Pech, dass der FC Bayern ausgerechnet auf der Torhüter-Position so gar kein Bank-Problem hat.
Dumm gelaufen.
Gut gelaufen sind bei den Münchnern hingegen zwar wenige, dafür aber entscheidende Akteure. Herr Müller zum Beipiel vor dem 1:0 und zwar im Vollanschlag. Nicht anders erhielt er die Chance die Gomez-Führung zu ermöglichen.
Sind wir dankbar dafür und erfreuen wir uns, dass es ein glückliches Ende fand und der VfB im zweiten Abschnitt dann auch noch die Erschöpfungssymptome für die Bayern übernahm.
Persönlich muss ich an dieser Stelle kein Geheimnis um meine Begeisterung machen, dass dieser Drahtseilakt (B-Elf-Aufstellungen im Madrid-Sandwich) perfekt funktioniert hat. Derlei hätte ich tatsächlich nicht erwartet.
Besser so als anders herum.
Besser ist es übrigens auch, wenn der FC Bayern nach dieser Saison dem einen oder anderen Spieler eine gute Reise wünscht, bzw. seine Position qualitativ hochwertiger besetzt.
Da ich ja dafür bekannt bin, in letzter Zeit, viele Spieler-Bewertungen anti-zyklisch zur generellen Meinung abzugeben, war ich froh hier endlich einmal die perfekte Gesamt-Übersicht zu erhalten.
Was soll ich sagen?
Die AVs Lahm und vor allem Alaba sind derzeit nicht zu ersetzen.
Für das Finale ist Herr Alaba natürlich gesperrt, aber an Herrn Lahm führt diesbezgl. kein Weg vorbei. Er muss spielen. Wer sein Partner sein sollte, steht für mich seit Samstag ebenfalls fest: Herr Contento.
Warum?
Nicht nur machte er kaum Fehler, nein, seine Quoten im Pass- und Zweikampf-Spiel müssen deutlich besser gewesen sein als bei unserem Ex-Hoffnungsträger auf dem rechten Flügen, Herrn Rafinha.
Erst ganz spät in der ersten und zu Teilen in der zweiten Halbzeit, konnte man so etwas wie Sicherheit in den Aktionen unseres Brasilianers erahnen. Der Rest war Fahrigkeit und Mitspieler-gefährdende Diagonalpässe. Schlimm.
Unser ukrainische 6er als IV-Vertretung hat – im Großen und Ganzen – einen ganz guten Job gemacht. Recht solide und nur mit einem einzigen Fehlpass an den ich mich erinnern würde. Ob es an der Seite unseres IV#2 auch so flüssig läuft, würde ich noch einmal in Frage stellen, denn er profitierte am Samstag sicherlich von der sicheren Ausstrahlung eines Holger Badstuber. Aber dieses Problem ist ja bekannt. Hoffen wir hier das Beste.
Eine Reihe weiter vorne findet unserer – heimliche – Kapitän immer mehr zu seiner alten Form. Alles andere wäre auch denkwürdig bei einem Spieler seiner Klasse. Sein Partner – war es Pranjic? – hingegen, nun, decken wir lieber den Mantel des Schweigens darüber.
In der Offensive lief in Abwesenheit der Sportskameraden Ribéry und Robben zunächst nicht viel zusammen. Die Vertretungen zeigten sich bemüht, aber im Rahmen der Personalie Olic zeigte sich erneut, dass eine Schwalbe tatsächlich noch keinen Form-Sommer macht.
Schade. Aber allein die Erinnerung an 2010 und ein gutes Heimspiel in der CL (Marseille) ist keine Rechtfertigung für eine Weiterbeschäftigung. So undankbar das klingen mag, aber dankbar sind wir dem Ivica ja durchaus für alles, was er jemals für uns geleistet hat, nur hat man doch ganz offensichtlich nicht mehr den Eindruck, dass wir – in absehbarer Zeit – noch einmal den 2010er Olic erleben dürfen.
Fassen wir es also zusammen: Zwei B-Elf-Spiele = 6 Punkte. Derlei Effizienz hätte es den Dortmundern schwieriger machen können. Geschichte.
Worüber gibt es ansonsten noch etwas zu berichten?
Über alles, was man am TV nicht erleben kann. Den Eindruck im Stadion. Beobachtungen, die den Kameras verborgen bleiben.
Hier ist in erster Linie die Stimmung und die Südkurve zu nennen, links oberhalb derer ich sitzen durfte. Beste Sicht.
Es gab erneut den zwölf-minütigen Stimmungsboykott. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und man kann davon halten was man will. Die, diesen Boykott durchführen, haben dafür scheinbar gute Gründe und aus Sicht des Vereins (oder der sog. Fan-Betreuung) sollte man tatsächlich darüber nachdenken, ob man derlei aussitzen kann.
Warum? Bin ich jetzt plötzlich der Ultra-Versteher?
Nein. Zumindest nicht vollumfänglich.
Aber eins muss auch klar sein. Abgesehen von den Leuten, denen es völlig egal ist, was es in unserer Arena für eine Stimmung gibt, muss es jedem Fan Sorge bereiten, wie die Stimmung ist, wenn der harte Kern der Südkurve schweigt.
Innerhalb dieser 12 Minuten gab es mehrmals das Bestreben auf den äußeren Seiten des Unterrang hinterm Tor und auch vom Mittelrang aus, für eine gewisse Stimmung zu sorgen und Gesänge anzuregen, aber nichts, wirklich gar nichts ist mit der Macht zu vergleichen, die plötzlich in meinem hörbaren Teil des Stadions entstand, als die Boykotteure ihre Stimme erhoben.
Man kann jetzt – natürlich – anführen, dass ein Verein sich nicht von seinen Ultras/Fans/Südkurven-Anhängern „erpressen“ lassen kann, aber am Status quo nichts zu verändern oder verändern zu wollen, kann doch bitteschön keine Alternative sein.
Ich hatte während des Spiels desöfteren meine Augen und Ohren auf der Südkurve und ich hatte nicht nur einmal eine Gänsehaut bei dem Gedanken, was mit unserer Südkurve möglich wäre, wenn diese Power über den gesamten Unterrang oder gar über die ganze Wand im Süden ausgedehnt werden könnte. Der Wahnsinn. Ein wahnsinniger Traum.
Ist es deshalb aber nicht unser aller Pflicht diesen Traum zu verwirklichen? Sollten wir hier nicht alle ein wenig über den eigenen Schatten springen?
Nein? Ok. In Ordnung. Dann möchte ich aber niemals wieder von irgendeinem Verantwortlichen – auf welcher Seite auch immer – auch nur eine Beschwerde über das Thema Stimmung hören!
In diesem Sinne:
Fiiiiinaaaaaaleeeeeee. Ooooohooooooo. Fiiiiinaaaaaaaleeeeeee. Ooooohoooohoooohooooo.
Weisheiten #207
„Ich habe kurz vor meinem Elfmeter meine Eier verloren, aber sie rechtzeitig wiedergefunden.“
Bastian Schweinsteiger, Osterhase.
Weisheiten #206
„Der Trainer fragte, ob ich als Erster schieße. Da habe ich gesagt: ‚Passt!“
David Alaba, Shooting-Star.
Königlicher David oder 15 Minuten reichen nicht für ein Finale, Real
Was für eine Saison. Was für Höhen, was für Tiefen.
Am besten spart man sich die Höhen für das Ende der Saison auf. Ein Berg- und Talfahrt waren auch die beiden Halbfinale-Spiele gegen die Königlichen aus Madrid.
Ich hatte über die vollen 210 Minuten die Sorge, dass Real irgendwann Ernst macht, uns irgendwann einfach überrennt.
So wie in den ersten 15 Minuten am gestrigen Abend.
Was aber passierte in den restlichen 205 Minuten? Weniger als befürchtet und man muss abschließend einräumen, dass sich hier zwei gleichwertige Teams gegenüberstanden und sich kaum etwas schenkten.
Ein Elfmeterschießen im Rückspiel spricht da ebenfalls eine deutliche Sprache. Eine Sprache über Helden und tragischen Helden.
Aber der Reihe nach.
Was Real in den ersten 15 Minuten auf den Rasen von Santiago Bernabéu brannte, ließ mich sprachlos zurück. Sprachlos ob dieser Dominanz und unserer Hilflosigkeit.
0:2 lagen wir nach 15 Minuten hinten. Und unsere Defensive stolperte von einer Verlegenheit in die nächste.
Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen in der Vergangenheit fing diese Elf aber an sich zu wehren. Wie groß muss da der Wille ausgeprägt gewesen sein? In einer solchen Situation.
Das erinnert irgendwie an 1975 oder 1976, als die Bayern in der Liga schwächelten, aber Landesmeister-Pokale in Serie gewannen. Bis dahin sind es zwar noch 90-120 Minuten, aber so wortlos wie ich am Anfang der Rückspiels war, so begeisterte mich diese Charakterstärke.
Natürlich darf Herr Robben seine Chance allein vorm Tor verwerten und Herr Gomez darf ruhig noch öfter direkt und ohne Ballannahme aufs Tor schießen, aber dass unser niederländischer Flügelflitzer sich den Ball beim Elfmeter schnappte, dass hatte was. Er wollte den Ball, er wollte das Tor, er wollte die Chance aufs Finale am Leben erhalten.
Mein Puls war am Anschlag, als ich sah, dass Casillas in die Richtung des Schusses sprang und seine Hände immer länger wurde. Nein, nicht schon wieder, Arjen.
Und dann: Drin! 1:2. Verlängerung wieder möglich.
Bis zum Seitenwechsel gestaltete sich das Spiel dann mehr als ausgeglichen. Ein 2:2 hätte fallen können, aber ein 1:2 lag ja ebenfalls im Plan.
Nach dem Seitenwechsel wurde es zunehmend ein Spiel der Nerven. Die Galaktischen hatten wohl plötzlich die Möglichkeit des Ausscheidens auf dem Plan. Und so spielten sie auch. Was unsere eigenen Schwächen überdeckte.
Ich bin mir natürlich total im klaren, dass sich in solch‘ einer Stimmung, die wir Bayern-Fans nun nach dem Erreichen des Championsleague-Finales – im eigenen Stadion! – haben, kritische Töne fast verbieten. Aber wieso sollte ich verheimlichen, dass mich Schlampigkeiten im Spiel immer noch wahnsinnig machen?
Nennt es die besondere Anspannung, aber nach jedem Fehler von Kroos, Gustavo, Gomez, Lahm oder wem auch immer etwas Derartiges unterlief, sah ich den Ball imaginär schon im Netz zappeln.
Da drehst Du durch.
Andererseits gab es – natürlich – auch jede Menge Licht.
Herr Lahm drehte zumindest gegen Ende des Spiels noch einmal mächtig auf. Herr Gustavo hatte ein paar
exzellente Steals (die nur leider von seinem miserablen Zweikampfverhalten überschattet wurden). Der Kroos‘ Toni zeigte einige gute Pässe, und unser Teilspanier im Sturm hatte es einfach recht schwer so allein auf weiter Flur.
Apropos Gomez.
Klar ist Gomez Weltklasse. Was allein die Torausbeute betrifft. Was wäre aber noch alles möglich, wenn er Bälle nicht so annehmen oder unter Kontrolle bringen müsste?
Zwei Tore hätte er in Madrid sicher machen können, vielleicht müssen. Und dann reden wir von keiner
Verlängerung und wahrscheinlich von keiner Gustavo- und erst recht von keiner Badstuber-Sperre.
Diese Sperren tun uns richtig weh. Sicher, Chelsea hat das auch zu verkraften, aber Badstuber ist einer der Spieler unserer Saison. Selten in der Geschichte des FC Bayern hat ein Spieler in einer Spielzeit einen solchen Sprung in seiner Entwicklung vollzogen. Dafür meinen Respekt. Und auch dafür, dass er nach seiner Karte unvermindert weiter machte. Immer weiter.
Der Plan ist nun diese Sperren zu kompensieren.
Contento – Boateng – van Buyten – Lahm?
Lahm – Boateng – van Buyten – Rafinha?
Unser Trainer wird die richtige Entscheidung treffen.
Zurück zum Licht.
Unsere Flügelzange hatte schon lichtere Momente, aber sie beschäftigen die königliche Defensive über die volle Distanz beider Spiele.
Ribery wollte dieses Finale. Robben merkte man die Galligkeit ebenfalls an. Gut so.
Vorne drin war Kroos für mich – wie erwähnt – durchaus mit Licht und Schatten. Ebenso wie der frische Thomas Müller.
Wir sind eben nicht Real und bringen einen Kaka von der Bank. Derlei ist medial und politisch in Deutschland und der Bundesliga nicht zu vermitteln. Warum? Weil die Bayern trotzdem ein Real Madrid niedergerungen haben. Segen und Fluch zugleich.
Um es zusammen zu fassen:
Die Schwächen einzelner Spieler wurde über das Kollektiv aufgefangen. Und Real Madrid vermochte es eben nicht uns entscheidend zu treffen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Real ins Finale wollte. Gerade beim zu erwartenden Gegner. Sie WOLLTEN. Aber sie KONNTEN nicht.
Weil die Mourinho-Kicker – ich wiederhole mich – auf den ersten richtig schweren Gegner der (CL-)Saison trafen. Eine andere Einschätzung fällt mir dazu nicht ein, sorry.
In der Verlängerung merkte man beiden Teams die Halbfinal-Spiele an. Der Wille musste die Entscheidung bringen – das Fleisch schaffte das nicht mehr.
Riberys Fleisch vor allem. Dessen Körner reichten nämlich nur für 90 Minuten. Etwas was ich viel eher von Lahm und erst Recht von Schweinsteiger erwartet hätte.
Respekt für diese Leistung, denn es war mehr als wichtig, dass wir dieses Spiel ins Elfmeterschießen brachten.
So richtig erklären kann ich es nicht, aber ich war mir sicher, dass Neuer es richten würde. Aus Prinzip. Weil es an der Zeit war, dass er neben dem Halbfinale in Gladbach ein weiteres Highlight setzen würde.
Was sind seine „Patzer“ in der Bundesliga wert? Seine Kollegen hatten genügend Chancen diese mehr als
menschlichen Dinge auszugleichen.
Einen richtigen Wert entwickelt man als Torhüter, wenn man in solchen Momenten Entscheidendes leistet. Wie lange war Oliver Kahn in München als er zum Titan wurde? Standen wir in seiner ersten Saison mit ihm im Finale der Championsleague?
Ihr haltet dies für nicht vergleichbar? Was ist daran falscher als die Vorwürfe gegen ihn, er dürfe keine Fehler machen und der Verein hätte dies den Fans auch versprochen?
Unfassbar wie er die ersten beiden Elfmeter von Ronaldo und Kaka entschärfte. Nicht minder unglaublich, wie lässig Kroos und Lahm vergaben. Perfekt wurde dieses Drehbuch ohnehin erst als uns derBastian ins Finale schoss. Wahnsinn. Explosion. Ein Hauch von 2001. Pure Freude.
Pure Freude auch – und jetzt komme ich zum Höhepunkt dieses Beitrages – wie ein David Alaba spielt. Eine Verlegenheitslösung in der Abwehr wird zum größten Gewinn des FC Bayern seit Müller und Badstuber 2010.
Allein sein Sololauf über den größten Teil des Platzes hätte ein (Robben-)Tor verdient gehabt. Der Typ geht so steil, dass ich ihm nur alles erdenklich Gute für die Zukunft wünschen kann. Was auf den nach dieser Saison einbrechen wird, muss man mit 19 Jahren erst einmal verkraften.
Welch‘ ein Satz, wenn ich schreibe, dass die Abwesenheit von Alaba neben Badstuber eine massive Schwächung des FC Bayern im Finale bedeuten wird.
Aber es hilft ja nichts.
Wir werden – sehr wahrscheinlich – erneut mit elf Spielern im Finale antreten. Unsere Offensive erscheint lückenlos zum Dienst und muss eben dafür sorgen, dass wir in diesem einen Spiel, ganz ohne Hin- und Rückspiel und ohne Auswärtstore und Taktik, ein Tor mehr erzielen als Chelsea. Punkt.
Und jetzt bitte alle einmal durchatmen. Ich reise morgen zum VfB-Spiel nach München – die Atmosphäre wird gelöster sein als erwartet und ab sofort beginnen ohnehin die Vorbereitungen auf unsere beiden Pokalendspiele.
In diesem Sinne:
Auf geht’s, Ihr Roten! Weiter, immer weiter!
Weisheiten #205
„Bayern München ist einer der drei, vier größten Clubs der Welt. Bei den Bayern habe ich die Chance, auf allerhöchstem Niveau zu spielen und Titel zu gewinnen.“
Dante, Bald-Bayer
Wenn wir wollen, machen wir Euch platt, mein lieber Willi.
Selten zuvor war mir der Ausgang eines Gastspieles meines FC Bayern in Bremen egaler.
Ich hätte mit einem Remis oder gar einer Niederlage leben können. Allein, um alle relevanten Spieler für das Championsleague-Halbfinale gegen Real am Mittwoch in Madrid in die größtmögliche Form zu bringen.
Meine Wünsche wurden weitestgehend erhört. Und all denen, die diesbzgl. im Vorfeld von „Wettbewerbsverzerrung“ faselten sei gesagt:
Neuer, Schweinsteiger, Müller?
Dazu noch fünf weitere Nationalspieler aus Brasilien, Kroatien und der Ukraine?
Aber lassen wir das.
Ich war – wie erwähnt – neutral. Bis, ja bis ich die Übertragung einschaltete und unseren Freund Willi Lemke von dem Sky-Mikro erleben durfte. Murmeltiertag. Es ist Heimspiel gegen die Bayern und der Willi darf endlich auch mal wieder ins Fernsehen. Ein wohliger Hauch von eigener – erfolgreicherer – Vergangenheit. Ach, der Willi. Immerhin dient er noch dazu, dass man seine Neutralität für ein so dermaßen unwichtiges Spiel komplett vergisst.
Urplötzlich war mir der Ausgang ganz und gar nicht mehr egal. Ich wollte, dass wir es diesem s**************n D*******n doch noch einmal zeigen. Zu dumm, dass zu diesem Zeitpunkt die B-Aufstellung schon fest stand.
Dann das Spiel. Und die Verwunderung, dass die Bremer mit ihrer aktuellen Elf tatsächlich noch schwächer waren als unsere überwiegenden Ersatzbank-Kräfte (jaja, ich weiß, ein Widerspruch zu meinem Widerspruch von oben). Darüber würde ich mir Sorgen machen, mein lieber Willi. Aber gut, Hauptsache man „wollte in diesem Spiel den Grundstein legen für eine Europapokalteilnahme“. Gegenfrage Herr Lemke: Was hat solch‘ eine Mannschaft in der Europa-League verloren?
Nein, da sind mir Teams wie Schalke oder gar Hannover doch ‚zig mal lieber.
Nicht unsere Baustelle.
Das Spiel ließ sich gut an. Und immer wieder diese Gedanke: Meine Güte, sind diese Bremer schlecht. Denn – und da beißt die Maus keinen Faden ab – es war kein Ruhmesblatt bayerischer Fußballgeschichte. Aber wir hielten das 0:0 und Herr Petersen (in welcher Sprache heißt dieser Name eigentlich „Pech Marie“?) zeigte uns erneut, wie existenziell wichtig Spielpraxis für manche Spieler ist.
Ich komme mit dem Zählen durcheinander, aber wie viele Chancen hat er nun in dieser Saison vergeben wie die allererste? Fast allein vorm Tor und dann über den Ball zu treten? Und dann dieser Knaller ans Lattenkreuz?
Auf der anderen Seite: Das ist – und hier empfindet jeder Bayern-Fan unmittelbar die Dramatik – um ein vielfaches gefährlicher, als das, was Herr Olic über die gesamte Saison angeboten hat!
Allein durch ihn hätten wir Werder schon zur Halbzeit am Boden gehabt.
So wurde es noch einmal kurzzeitig spannend, als Herr Rafinha nicht auf Herrn Neuer vertraute und den Ball zum Einwurf klärte, der zu einer Ecke führte, die aufzeigte, dass die Herren Gustavo und Timoschtschuk alles andere sind, aber keine Innenverteidiger. 1:0 für Bremen. Ups. Gefühlt irgendwie aus dem Nichts. Und das im Zusammenhang mit meiner Lemke-Emotion von vor dem Spiel – man kann sich meine Gedanken vorstellen.
Real, BVB-Meisterschaft hin oder, dieses Spiel durfte nicht verloren werden!
Tatsächlich kam es dann sogar so. Und kaum ein Spiel im Weserstadion – vielleicht die erste Ribéry-Gala 2007 – zeigte deutlicher, wie viel Boden Bremen auf die Bayern seit deren letzter Meisterschaft 2004 verloren hat.
Die bayerische B-Elf wehrte sich und die Bremer konnten nichts, aber rein gar nichts dagegen machen. Und selbst die folgenden Konter beunruhigten mich nicht.
Als dann auch noch unser Trainer der gleichen Überzeugung war wie ich, kamen Kroos, Ribéry und Gomez.
Alter Schwede, hätte allein Ribéry beim Anpfiff auf dem Platz gestanden, allen Bremern auf seiner Seite müsste man immer noch die Knoten aus den Beinen friemeln. Was für ein Qualitätssprung!
Wer hier nun erneut von Bayern-Dusel schwadroniert, hat entweder das Spiel nicht gesehen, oder bleibt für den Rest seines Lebens in seiner Schublade klemmen (Elfmeter gegen Müller?).
Wenn unsere C-Defensive die Bremer dermaßen in Schach halten kann und deren Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste tapert, dann muss der Auswärtssieg die zwingende Konsequenz sein. Selbst wenn es dazu ein Eigentor des verhinderten Helden Naldo und eines Ribéry-Treffers in der 90.Minute braucht.
Dieser Ablauf war mir eine innere Vizemeisterschaft und behält einen Platz in meinem Herzen. Ist man ehrlich gibt es ohnehin ein massives Übergewicht dieser Bremen-Momente gegenüber Lemke-Interviews. Und somit lege ich diese Emotion wieder in meine Schublade. Bis zum nächsten Jahr und einem erneuten Gastspiel an der Weser. Und dem nächsten Lemke-Interview (vorher wird es ja keins geben im deutschen Fernsehen).
Noch ein paar ergänzende Worte:
Mein Anspruch an dieses Spiel war gering. Und dieser wurde übertroffen. Ich meckere nicht. Über goar nischt. Alles was wichtig war, ist wie gewünscht eingetreten. Kein Spieler hat sich verletzt und alle für Madrid relevanten Akteure haben sich entweder komplett schonen können (Robben, Lahm, Badstuber (ok, Gelb-Sperre), Boateng, etc.) oder nicht wirklich verausgaben müssen (Gomez, Ribéry, Kroos). Ferner bekam Herr Schweinsteiger (erneut ein erhabenes Gefühl unseren „echten“ Kapitän mit der Binde zu sehen, hach) seine weitere Spielpraxis.
Alles bestens.
Ab sofort gilt dann der Fokus Madrid. Denn die Liga ist endgültig durch. Wir sind sicher Vizemeister, Stuttgart sicher in der Europa-League und kaum noch mit Chancen auf Platz 4 und die CL – somit bliebe nur noch der kölsche FC, aber der muss sich einfach mal selbst helfen. Andererseits: Übertreiben muss man es ja nicht und die englischen Wochen sind am Mittwoch ebenfalls zu Ende.
In diesem Sinne:
Auf geht’s, Ihr Roten!
P.S. Glückwunsch, BVB. Wer gewinnt hat Recht. Immer!
Königliches Wechselbad. In Toren und Qualität.
Die Bayern haben Real Madrid im Halbfinal-Hinspiel der Championsleague geschlagen.
Wer hätte dies nach der Trübsal der letzten Tage erwartet?
Ich hatte zwar meine Zweifel, aber von einem knappen Sieg war ich ausgegangen, bzw. ich hatte ihn erhofft.
Ob man das nun wirklich braucht, unserer Abwehr beim Tiefschlaf vor dem 1:1 zuzuschauen, sei mal dahin gestellt, aber man wird dann ja mit solch einer Gesamtleistung entschädigt. Und diese Leistung war aller Ehren wert.
Real Madrid traf auf den ersten schweren Gegner der Europapokal-Saison – den FC Bayern – und verlor prompt das erste Spiel. Schlimm ist das nicht.
Ob Real jetzt nicht wollte, weil sie so unfassbar auf ihre eigene Heimstärke bauen, oder wir sie nicht zur Entfaltung kommen ließen? Mir wumpe.
Ich fand das Spiel meines Vereins über weite Strecken attraktiv. Taktisch attraktiv. Wenn ich auch zwischendurch sehr desillusioniert war. So rund um den Ausgleich der Spanier.
Aber das ist eben Championsleague und nicht Bundesliga oder Spiele gegen den BVB – die Bayern kamen zurück. Und wie.
Die Aktion unseres Kapitäns vor dem 2:1 ließ ein wenig von der Klasse aufblitzen, die er einmal hatte. Hätte er nur – einmal mehr – vor dem Ausgleich nicht den Überblick und seinen Gegenspieler verloren, es hätte ein perfekter Abend werden können.
Andererseits: Kommt die Maschine Real im Rückspiel ins Rollen, ist es, glaube ich, völlig gleichgültig, ob sie ein oder drei Tore schießen müssen.
Die Frage wird jetzt nur sein: KOMMT sie ins Rollen?
So sehr ich die Leistung von einigen Bayern-Akteuren auch kritisieren muss (Schweinsteiger noch immer spürbar außer Form, Gustavo noch zu oft schlampig oder Kroos teilweise komplett untergetaucht, etc.), so sehr muss ich doch die Tatsache loben, dass wir tatsächlich Real nicht mehr als unbedingt nötig haben zur Entfaltung kommen lassen! Real Madrid. Mourinhos Madrid.
Respekt.
Ein Ronaldo hat sich hier bestimmt nicht mit Absicht abmelden lassen. Der wollte sicherlich so oder so glänzen, dem Spiel seinen Stempel aufdrücken und mehr als diesen Assist mitnehmen. Wir reden hier schließlich vom Championsleague-Halbfinale.
Nein, im Großen und Ganzen war das mehr als ordentlich.
Unsere linke Seite hat erneut richtig Alarm gemacht – Alaba und Ribéry funktionieren immer und immer besser. Selbst unsere rechte Seite wurde – als es gegen Ende darauf ankam – noch mal richtig stark (Stichwort Lahm, siehe oben)!
Zur Abwechslung sahen wir selbst einen Herrn Müller mal wieder erfrischend agil. Ob dies seine neue (Bank-)Rolle sein könnte? Zumindest bis er wieder NM-Form im Verein zeigen kann? Könnte sein.
Was wir alle über den Sportskameraden Schweinsteiger zu sagen haben, haben wir inzwischen wohl gesagt. Unser Ex-Trainer Hitzfeld hat ja mal zum Besten gegeben, dass ein verletzter Spieler immer so lange bis zur Topform braucht, wie er verletzt war. Prost Mahlzeit.
Andererseits hätte es vielleicht für unsere Saison-Endphase gereicht, wenn nicht ein schwäbischer Holzhacker mit bayerischen Wurzeln zugelangt hätte – aber lassen wir das…
Dafür spielt derBastian dann halt die 90 Minuten in Bremen durch. Als einer der wenigen Stammspieler. Oder wie will unser Trainer sonst mit dieser sehr speziellen Situation umgehen?
Das Rückspiel in Madrid wird ein echtes Schweinespiel (sic!) werden. Viel schlimmer als ein mögliches Endspiel gegen Barca (da werden wir ohnehin nur hinterher laufen). In Madrid, das wird richtig übel. In jeder Hinsicht. Da braucht es ausgeruhte, körperlich intakte Spieler, damit auch mental alles im Reinen ist. Denn wer dort nur mit 80% antritt, kommt zumeist zu spät und holt sich schnell die Gelbsperren ab, denn davon haben wir immer noch ’ne Menge zu befürchten.
Im Umkehrschluss kann uns die Bundesliga doch jetzt mal wirklich egal sein, oder? Wen interessiert Bremen? Und deren Gegner um die Europa-League-Plätze?
Da bin ich mal ganz arrogantes Erfolgs-Bayern-Fan-Arschl**h! Hier geht’s um die inzwischen 50:50-Chance (vor dem Spiel eher 40:60) ein Finale im Europapokal im eigenen Wohnzimmer zu erreichen. Punkt. In anderen Ligen wird deshalb ein ganzer Spieltag verschoben und noch nicht mal drüber diskutiert. Also bitte.
Zurück zum Spiel.
Insgesamt und in der Summe bin ich zufrieden.
Man kann das 1:0 durch Ribéry aufgrund einer Abseitsstellung abpfeifen. Man muss allerdings auch mindestens einem Spanier ’ne rote Karte geben. Und manch‘ nervöser Bundesliga-Schiedsrichter gibt in diesem Spiel auch ’nen Elfmeter.
Aber wie gesagt, ich bin zufrieden wie es gekommen ist. Und nicht eine(!) Gelb-Sperre haben wir zu beklagen – wohl das größte Kunststück nach diesem Spiel.
Was es jetzt zu tun gilt?
Voller Fokus auf das Rückspiel in Madrid, Abschenken des Bremen-Spiels und weitere Steigerung der eigenen Effizienz. Wir werden nicht viele Chancen in Bernabeu bekommen, da muss die erste, oder spätestens zweite Chance schon sitzen. Bämm.
Wir können das, wir haben es nicht nur einmal bereits bewiesen. Also nicht diese Mannschaft. Aber diese Mannschaft kann so ebenfalls zur Legende werden. Und wie geil wäre es, zwei Endspiele in drei Jahren erreicht zu haben? Kahn-, Effenberg- und Elber-Niveau!
Auf geht’s, Ihr Roten!
P.S. Meine Aufstellung für das Bremen-Spiel.