Die Oper ist erst zu Ende wenn die dicke Frau gesungen hat.

Kaum ist der Urlaub zu Ende und man arbeitet wieder, kommt man einfach nicht dazu, solche Gedanken mal zu Papier zu bringen.

Vielleicht war ich nach den letzten Spielen ein wenig zu, wie soll ich es nennen, vielleicht panisch? Weil ich davon ausging, dass bei Bayer und Schalke die ganze herbei geredete Souveränität und Stärke tatsächlich der Realität entspricht. Was es für uns echt gefährlich machen würde. Also wenn beide wirklich Sieg auf Sieg abliefern und die Bayern an all diesen 11-Verteidiger-Teams scheitern sollten.

Es kam anders.

Schalke verlor am Sonntag, Bayer spielte in Bremen nur remis.

Im Endeffekt also nach oben alles beim Alten und nach unten noch einen weiteren Punkt Abstand gewonnen.

Direkt nach dem Spiel in Nürnberg hätte ich das nicht für möglich gehalten.

Aber die Oper ist eben erst zu Ende… wenn das letzte Spiel abgepfiffen ist.

So auch am Sonntagabend, als Bayer in der 92. Minute den Ausgleich kassierte.

Das allein ließ mich beim Abendessen schon vor’m Videotext schmunzeln, als ich dann aber das lokale Print-Boulevard am Montag las, war es mir dann sogar ein Quell der Freude.

Dort ist man inzwischen derart im Bayer-Adrenallin-Bad, dass man dem Schiedsrichter Schiebung unterstellte (dabei unterschlug man einfach mal die Verletzungsunterbrechung des blutenden Bremers). Wohlgemerkt in einem Print-Medium. Die sich selbst als Hüter des Journalismus definieren. Hätte ein Blogger so was geschrieben, naja…

Wie auch immer. Ich war nach den Sonntagsspielen deutlich entspannter. So insgesamt. Nicht nur ob der aktuellen Tabellensituation. Denn spontan wurde mir klar, dass auch unsere beiden letzten Konkurrenten um den Titel gegen Betongegner Probleme kriegen werden. Bei aller Offensivpower (Bayer) oder destruktiven Effizienz (Schalke).

Nein. Nach dem Spiel gegen Hamburg, dass ich als (möglicherweise vor)entscheidenden Wendepunkt für uns sehe, werde ich mal wieder einen Blick in die Glaskugel werfen.

Aberglaube hin oder her.

Wir brauchen einen Spielmacher

Es wird schlimmer, oder? Und die Entwicklung ist auch klar zu erkennen.

Da kann van Gaal noch so sehr am Sky-Mikro explodieren, das war großer Mist.

Mist war die erste Halbzeit, Mist war, dass wir nach dem 1:0 nicht noch in HZ1 nachgelegt haben und Mist war auch die zweite Halbzeit, weil wir zwar gefühlt über 90% Ballbesitz hatten, daraus aber rein gar nix gemacht haben.

Nürnberg ermauerte sich einen Punkt, der allein noch nicht zum Klassenerhalt reicht. Vor allem wenn der Club sich darauf jetzt was einbildet.

Die einzigen, die sich gerade vor Lachen nicht mehr einkriegen sind die Schalker und Vizekusen.

Um was wollen wir wetten: Morgen liefert Bremen ’ne grottige Heimpartie ab und breitet den Heynckes-Kickern den roten Teppich aus. Würde passen.

Aber dass der FC Bayern sich nur auf sich selbst verlassen kann, ist ja schon länger bekannt.

Kleiner Trost: van-the-Man verletzt und der HSV prompt nur Remis.

Läuft es insgesamt so weiter, ist der aber nächste Woche in München wieder dabei und agiert sicher ähnlich wie in Stuttgart.

Genug der Jammerei.

Den Bayern fehlt in diesen Tagen so einiges.

Erstens Konsequenz.

Ansonsten hätte Gomez kurz vor Schluss freistehend den Siegtreffer erzielt.

Zweitens Unabhängigkeit von Ribéry und Robben.

Sind beide oder zumindestens Robben nicht dabei, läuft bei uns nix zusammen. Vor allem gegen stark defensive Team. Wie Nürnberg. Aber so spielen ja im Grunde alle Teams gegen uns. Selbst Schalke. Bei ihrem München-Gastspiel.

Deshalb drittens ein Spielmacher. Wenn die Flügel dicht sind, oder einfach die komplette Zange fehlt, wo bleibt dann die Kreativität in der Mitte? No chance. Ob das Flügel-System aber jetzt schon gescheitert ist? Abwarten.

Zum Glück hat weder Demichelis ein Tor verschuldet noch Ottl oder Breno eins erzielt.

Trotzdem darf man den Ball vor dem Nürnberger Ausgleich mehrfach klären. Scheibenschießen im Bayern-Strafraum. Lächerlich.

Bemerkenswerter Nebeneffekt: Die Diskussion um unsere Siegesserie ist zu Ende. Können wir uns also wieder um das Wesentliche kümmern. Tatsächlich Siege zu feiern.

Bitte direkt gegen den HSV wieder damit anfangen. Doppelt wichtig.

Mehr fällt mir momentan nicht ein. Leergeschrieben. Nach meinem Twitter-Ticker. Einzelkritik ist da ebenfalls schon geäußert.

Gute Nacht.

Der Franck, der Daniel, der Breno und der Andreas

Na bravo.

Der liebe Froonck ist mal wieder verletzt.

Auf den ersten Blick spricht das für die Nürnberger, Bayerns nächsten Gegner in der Bundesliga. Auf den zweiten Blick aber klar gegen sie.

Wieso?

Na weil unsere „Probleme“ erst mit der aufkommenden Re-Integration Ribérys aufkamen.

Ist ja keine Frage, dass uns ein Spieler wie Ribéry mittel- bis langfristig mehr als gut tut. Aber kurzfristig wurde hierfür das funktionierende Gebilde auseinander gerissen.

Die Bayern – angeführt vom starken Robben und untermauert vom dichten defensiven Mittelfeld um van Bommel und Schweinsteiger – pflügten durch die Bundesliga, dass es eine wahre Freude war.

Und jetzt fehlt Franck – Glasknochen – Ribéry uns Bayern erneut. Das ist Pech. Eben für die Bayern und für Nürnberg.

Wenn da das Wörtchen wenn nicht wäre.

Erstens: Nicht alle Protagonisten des One-touch-Football a la Bremen-Spiel sind noch in dieser atemberaubenden Form.

Zweitens: Ich glaube irgendwie dann doch nicht, dass obige These einfach 1:1 umsetzbar ist. Laufen einige Bayern jetzt plötzlich wieder so viel wie ohne Ribéry im Team? Schwierige Umstellung.

Drittens: Unsere Abwehr ist seit Wochen immer löchriger geworden und jetzt fällt mit van Buyten auch noch der Turm in der Schlacht des Hinspiels aus.

Klar. Der eine oder andere wird mir jetzt wieder künstlichen Pessimismus vorwerfen. Aber das musste ich mir schon vor dem Florenz-Auftritt anhören, damit kann ich umgehen.

Lieber erwarte ich nix – in einem Spiel gegen abstiegsgefährdete Nürnberger, die wahrscheinlich nur noch ein ernstzunehmendes Ziel haben: Den Bayern in die Suppe zu spucken.

Aber all das hilft ja nix. Wenn ich an das übernächste Spiel gegen Hamburg denke, dann haben wir morgen im Vergleich tatsächlich so etwas wie einen Schongang vor uns.

Selbst wenn Breno und Ottl im Clubberer-Dress die jeweiligen Spiele ihres Lebens machen.

Ach was red‘ ich. Dann wird’s halt ein mühsames 3:2. Tore Bayern: Robben, Olic, Eigentor Nürnberg / Tore Nürnberg: 2x Bunjaku.

Wer diesen Bunjaku übrigens nicht kennt – das ist der hier! Wem es nicht mehr einfällt – der hier.

Schwachgelbes Wettschießen um die Tabellenführung?

Sind die Bayern heute Abend Tabellenführer?

Möglich wäre das. Zum ersten Mal seit – glaubt man dem Boulevard – Jahrzehnten. Wir müssen einfach nur zwei Tore mehr erzielen als Leverkusen.

Im Weg stehen uns die schwachgelben Borussen. In der Chemiestadt ist der sog. Deutsche Meister zu Gast.

Beides sind Gegner, die man normalerweise als gefährlich bezeichnen würde. Dortmund immer und Wolfsburg, weil sie jetzt halt mal Meister geworden sind.

Blickt man auf die jeweilige Bilanz, steht uns das schwierigere Spiel bevor:

Dortmund: 2:3 (H), 1:4 (A), aber zuvor 1:0 (H), 3:2 (A), 1:0 (H) plus drei weitere Siege (einer in Wolfsburg).

Wolfsburg: 1:3 (H), 1:1 (A), 2:3 (H), 1:3 (A), 2:2 (A), insgesamt siegte man zuletzt Anfang November.

Nebenbei spielt Dortmund heuer mit dem HSV um den Europa-League-Platz, Wolfsburg als Meister dagegen hat nur acht Punkte Vorsprung auf die Relegation.

Soviel zur Theorie.

Auf der anderen Seite hat es Bayer im letzten Spiel auch nicht geschafft beim ebenfalls abstiegsgefährdeten VfL in Bochum zu gewinnen.

So ist Fußball. Und jede Vorhersage Spekulation.

Wer weiß schon, ob gerade heute bei Wolfsburg in Leverkusen der Knoten platzt, oder ausgerechnet in München eine neue Serie der schwachgelben Borussen startet?

Niemand.

Was ich weiß, ist die Tatsache, dass ich mit Hermann Gerland erneut einer Meinung bin.

Wieso mussten wir Mats Hummels tatsächlich nach Dortmund verkaufen? Warum nicht nur eine verlängerte Ausleihe?

Oder eine Rückkehr im Sommer 2010, als inzwischen etablierter Bundesliga-Profi, hätte perfekt zum Abschied eines Martin Demichelis gepasst…

Aber nein, wir mussten ihn ja unbedingt loswerden.

Der Super-GAU wäre es jetzt noch, wenn Hummels, der – analog zu van Buyten – in Dortmund seine Torjäger-Fähigkeiten gefunden hat, gegen Demichelis ein Gegentor gelingt. Soo abwegig ist das in der aktuellen Forum unseres Weltstars-für-eine-Saison nicht. Definitiv nicht.

Dachte man von Seiten des FC Bayern, dass ein guter Innenverteidiger aus der eigenen Jugend, mit Potential die etablierten Kräfte zu verdrängen, reicht?

Falsch gedacht.

Und die Rechnung werden wir auch noch serviert bekommen. Spätestens wenn die Bayern-Serie aufgrund des nächsten hanebüchenen Fehlers Demichelis‘ reisst.

Zum Glück hat man aus den Fehlern der (Klinsmann-)Vergangenheit gelernt. Gibt Spielern – unabhängig vom Alter – Vertrags-Verlängerungen. Wenn die Leistung stimmt. Und bindet junge Spieler mit mehr als großem Potential an den Verein. Nachdem man ihnen zuvor auch mal Chancen gegeben hat, ihr Potential zu präsentieren.

Siehe van Buyten, Badstuber und Müller.

Unserem Trainer van Gaal sei dank.

Ich weiß, dass ich derlei auch mal anders gesehen habe. Im Falle der Nicht-Vertragsverlängerung von Zé Roberto und der Verpflichtung von Timoschtschuk. Aber all das sind Altlasten aus der ebenso kurzen wie schmerzlichen Klinsmann-Ära beim FC Bayern.

Schlimm.

Die Tage dann eine Meldung, dass ein weiterer Jugendspieler des FC Bayern – zuvor ausgeliehen – den Verein nun endgültig verlässt. Georg Niedermeier wird für die nächsten vier Jahre ein Schwabe.

Natürlich ist klar, dass das FCB-übliche Ausleih-Modell nicht ewig funktioniert. Also für den jeweiligen Spieler jetzt. Irgendwann muss eine Entscheidung her. Die ist nun gefallen.

Was hat das allerdings für Hintergründe und war die Entscheidung richtig?

Niedermeier ist überwiegend Innenverteidiger. Mit einem rechten Fuß. Per van-Gaal-Definition haben wir da ja schon einen Spieler. Daniel van Buyten. Und auch noch Martin Demichelis. Beide Spieler sind inzwischen bis 2012 an den Verein gebunden. Das war als Perspektive Niedermeier wohl zu wenig. Und dem Verein auch.

Etwas anderes wäre es, wenn intern längst klar wäre, dass das mit Demichelis nichts mehr wird und er seine Form auch in dieser Saison nicht mehr findet.

Eventuell haben die Bayern aber längst einen Plan-B in der Hinterhand. Demichelis weg, Badstuber wieder nach innen, Breno in Top-Form vom Club zurück und auf links Contento. Oder so.

Hätte was.

Aber jetzt erstmal den BVB putzen. Ob mit oder ohne starkem Hummels.

VW-Betriebsausflug – und trotzdem bin ich richtig wütend.

Nein. Da kann ich nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Klar. Die Konkurrenz hat zur Abwechslung mal geschlossen für uns gespielt, aber gereicht hat es eben trotzdem immer noch nicht zur Tabellenführung.

Sage und schreibe zwei lächerliche Tore fehlen uns dafür immer noch.

Eins hat Herr Demichelis im heutigen Gastspiel in der Fußballprovinz Herrn Grafite geschenkt (wieviele Kerzen und Luftlöcher kann man eigentlich in einem einzigen Spiel so fabrizieren?) und mind. ein anderes hätte man doch wohl selbst in diesem, Bayerns schlimmsten Rückrundenspiel noch erzielen dürfen, oder?

Manmanmanman.

Irgendwann, irgendwann platzt mir ob dieser Lässigkeit der Bayern nochmal die Galle.

Eigentlich war mir klar, dass sowohl Schalke als auch Leverkusen mit absoluter Sicherheit ihre eigenen Spiele irgendwie nach Hause schaukeln. War ja in den letzten Wochen so Standard. Als ich aber tatsächlich bei alle-Spiele-alle-Tore sah, dass unsere letzten beiden Konkurrenten um die Meisterschaften endlich einmal Punkte ließen, schäumte meine Wut über die Chancenverwertung der Bayern erneut hoch.

Natürlich reden wir hier nicht vom Gastspiel der Bayern in Bremen, als die Münchner die Heimmannschaft förmlich und überwiegend vorführten, 100%-tige Chancen für 10-12 Tore liegen ließen. Nein, wir reden von einem eher schlechtem Spiel. Von Arroganz, von fehlender Konzentration. Von zuviel Hinrunde, zuviel Klinsmann-Rückrunde.

Aber diese beiden Tore hätten es doch nun wirklich sein können, oder? Selbst gegen Wolfsburg. Den kommenden Ex-Meister und baldigen Vize-Rekordhalter. ODER??

Blenden wir dies alles einmal aus und bleiben wir beim Positiven.

Robben war mal wieder Weltklasse. Nach seiner Auswechslung wurde deutlich, wie wichtig er ferner für uns und unser Spiel ist. Obwohl (oder gerade weil) Ribéry da schon auf dem Feld stand.

Aber ein Ribéry, der erst bei deutlich sichtbaren 40-50% seiner Leistungsfähigkeit liegt, kann uns im Moment kaum helfen. Eher hilft es ihm, wenn er bei uns mitspielen kann. Also im aktuell wie geschmiert laufenden Bayern-Team.

Da ist noch viel Luft nach oben. Kommt noch. Wäre ja auch zu schön, wenn es nichts mehr zu entwickeln gäbe beim FCB 2010.

Was noch?

Schweinsteiger.

Ja, Schweinsteiger. Ein Lob für ihn. Aus meinem Mund. Beobachtet man ihn mal konsequent, was ich ja im Laufe seiner Krise zur Genüge getan habe, dann kann man schon sehen, dass seine aktuelle Rolle die Rolle seines Lebens zu werden droht.

Schweinsteiger und van Bommel bilden aktuell ein Doppel, dass den Bayern Stabilität und Inspiration gibt. Defensiv, wie offensiv.

Was wäre bei uns der Teufel los, wenn van Buyten und Demichelis ungehemmt Angriff auf Angriff auf sich zurollen sehen würden…

Nein, das ist alles ganz ordenlich. Selbst für mich gibt’s da nichts zu meckern. Weiter so. Dann könnte das auch seine Saison werden.

Ebenso wird Lahm auf rechts – in Kombination mit Robben – so langsam zu einer neuen Einheit. Einer Einheit, die die legendäre linke Achse Lahm – Zé – Ribéry so langsam in Vergessenheit geraten lässt.

Erst gegen Ende des Spiels, als bei den van Gaal’schen Kickern die Konzentration vollends den Bach runterging, unterliefen auch ihm in der Defensive hanebüchene Fehler. Selbst wenn er damit in guter Gesellschaft war. Mit van Buyten und Demichelis.

Meine Güte.

Ein medialer Reflex dann, auch nach diesem Spiel von den „richtigen“ Gegnern zu sprechen, bei denen all dies für die Bayern irgendwann einmal schief gehen wird.

Wirklich? Immerhin sprechen wir hier vom immer noch amtierenden Deutschen Meister. So schwer man sich das in diesen Tagen auch vorstellen kann.

Im Prinzip war’s ja auch gut und phasenweise das von mir erhoffte Katz-und-Maus-Spiel mit den Ex-Ballkünstlern, die ja im letzten April die Klinsmann-Bayern angeblich so arg gedemütigt haben. Aber gereicht hat’s mir halt nicht. Ich will endlich diese verdammte Tabellenführung. Damit endlich a Rua is.

Ruhig scheint es auch um die Meisterschaftsträume einiger Konkurrenten zu werden.

Der HSV zum Beispiel. Wähnte man sich nach der Verpflichtung van-the-Mans doch nun endgültig auf dem Weg an die europäische Spitze, musste man auf Seiten der Anhänger, dann heute doch wohl einsehen, dass sich im Fußball eben doch alles irgendwie ausgleicht. Eine Tatache, die mir wohlbekannt ist. Und somit kann ich eine mögliche Enttäuschung ob des heutigen Remis beim kölschen FC nicht nachvollziehen. Schließlich muss man derlei immer in Relation zu einem späten Ausgleich, wie dem gegen die Wolfsburger sehen.

Das eine geht nicht ohne das andere, liebe Rauten-Fans.

Und das Bayer und Schalke (Ausgleich: Letzte Woche Elfer für Hoffenheim übersehen, diesmal Tor gg. Freiburg) mit ihren bisherigen Rückrunden-Leistungen nicht jedes Spiel gewinnen würden, war ebenfalls mehr als logisch. Einen Lauf zu haben, oder einfach nur „einen Stiefel runterzuspielen“, sind eben zweierlei Paar Schuhe.

Kurzum: Wenn sich mein Ärger über die zwei fehlenden Tore gelegt hat, kann ich mich bestimmt doch auch endlich über diesen tollen Bayern-Spieltag freuen!

Hornberger Ballern, Das

Alter Schwede. Da haben’s die Bayer-Überflieger uns aber mal wieder richtig gezeigt! Den erneuten Angriff der Bayern auf die Tabellenspitze gnadenlos abgeschmettert!

Gähn.

Derlei Phrasen sind ebenso überflüssig wie langweilig. Aber Zeitungen und Blogs wollen ja gefüllt werden.

Nein. Dieses Rennen an der Tabellenspitze wird noch einige Wochen so weitergehen. Mindestens bis zu den „Showdowns“ Anfang April. Bayern in Schalke und Leverkusen.

Da wird sich wohl die Entscheidung über die diesjährige Meisterschaft ihren Weg bahnen.

Aber es war ja auch nicht anders zu erwarten. Die Bayern befinden sich nun einmal im Hamsterrad. Und jedes Jahr ein anderer Gegner, der ansonsten unter Ferner liefen agiert.

Oder wo landeten die beiden letzten Meisterschaftskonkurrenten der Bayern in der Vorsaison? Ach, mitten unter den grauen Mäusen? Na dann.

Auf der anderen Seite muss man die Saison in ihrer Gesamtheit betrachten.

Im Vergleich zum dritten Spieltag der Hinrunde hat Bayer zwei Punkte mehr, Schalke gar nur die gleiche Ausbeute erzielt.

Die Bayern hingegen erzauberten sich sieben Punkte mehr als bis Ende August. Bedenkt man nun, dass man an Weihnachten nur noch ein, bzw. zwei Punkte hinter den beiden Westvereinen lag, weiß man, dass die Zeit ohnehin für uns spricht. Allein Geduld ist gefragt.

Wie im Spiel der Bayern gegen die Karnevalskicker aus Mainz.

Die im übrigen auch so spielten. Wie die Harlem Globetrotters. Nur eben ohne deren spielerischen Fähigkeiten.

Womit wir mal wieder beim Kern der Berichterstattung wären. Bayerngegner sind immer nur Laufkundschaft, Bayer spielt sich aber regelmäßig in einen Rausch. Wer in diesem medialen Einzugsgebiet lebt, weiß, wovon die Rede ist.

Geschenkt.

Ich warte einfach ab. Schließlich haben wir ja im November, Dezember gelernt, wie schnell das geht. Mit dieser Aufholjagd.

Eine Aufholjagd hätten die Bayern in den ersten drei Spielen dieser Halbserie ebenfalls starten können. Was das Thema Tordifferenz betrifft. Im Vergleich zu den Heynckes-Kickern.

Wobei Aufholjagd hier das falsche Wort ist. Mit einigermaßen seriöser Chancenverwertung, wäre die Tordifferenz für die Bayern für Bayer nicht mehr einholbar. Echt jetzt.

Allein, es kam anders. Die Bayern halten es traditionell gerne mal spannend. Versteh‘ ich nicht. Ich bin da anders.

Im Rahmen dieser Strategie ist auch zu erklären, weshalb ein Butt einen Elfmeter wie gegen Mainz verschießt. Gerade so, wie er ihn verschossen hat. Müßig, darüber zu reden, dass wir noch einen zweiten Strafstoß hätten bekommen müssen. Aber so ein klares Handspiel wurde uns ja schon im CL-Heimspiel gegen Juventus verweigert. Sowas passiert. Lustig wird’s ja immer erst, wenn die üblichen Verdächtigen als Betroffene selbst die wildesten Verschwörungstheorien spinnen…

Jetzt aber mal endlich zum Spiel!

Obwohl es im Grunde recht schnell beschrieben ist. Mainz mit acht Innenverteidigern, Bayern mit Mann und Maus im Angriff. Selbst für Robben gab es da gegen teilweise vier, fünf Gegner kaum ein Durchkommen.

Wobei – eigentlich ist derlei Sichtweise zu Ribéry-esk. Denn kommt einem Robben aktuell wie der junge Ribéry vor, so ist der doch ganz anders. Er ist der Anti-Ribéry. In jeder Hinsicht.

Wem das zu polemisch ist, der hat die letzte Saison verpennt.

Und selbst über die torlose erste Halbzeit gegen den FSV müssten wir nicht reden, wenn Butt den Elfer versenkt, oder Gomez den Ball nicht an den Pfosten („schön“, dass wir wenigstens in einer Statistik Spitze sind) gesetzt hätte.

Nicht, dass Mainz dann plötzlich ein Offensivfeuerwerk hätte abbrennen können, aber versucht hätten sie es bestimmt und dann wäre noch mehr als dieses klare 3:0 drin gewesen.

Der Konjunktiv ist der Freund der Verlierer.

Insgesamt bin ich mit dem Spiel zufrieden. Sogar Schweinsteiger und Demichelis ließen meine Gefühlswelt neutral zurück.

Der FC Bayern ist in dieser Saison ein Wellental. Sprühten gegen Ende der Hinrunde Olic und Gomez nur so vor Spielfreude und Tordrang ist es jetzt Robben, der uns be- und verzaubert. Zum Glück kommt da was nach. Nicht auszudenken, wenn es noch die gleiche Tristesse wie vor einigen Monaten gäbe. Man spürt vielmehr förmlich wie das Gebilde ans Arbeiten kommt, die Mechanismen greifen und das alte Gefühl, die alte Sicherheit zurück ist: Wir packen das schon. Egal wie.

So auch gegen Mainz.

Klar. Ein Müller hängt aktuell ein wenig durch. Aber hey, der ist ein Jungstar, der darf das. Trotzdem ist er noch so stark, dass Ribéry nicht sofort wieder Stamm ist. Immerhin. Dazu erleben wir gerade den wohl stärksten und souveränsten van Bommel seit langer Zeit.

Und sogar ein Lahm wird langsam warm mit der rechten Seite.

Wie sollte ich da Trübsal blasen, weil wir immer noch „nur“ Tabellenzweiter sind?

Ich freu‘ mich einfach auf die dicke Abrechnung. Zum Schluss.

Mainz bleibt Mainz, wie es spielt und verliert?

Tätää,tätää.

Im Ernst: Am Samstag ist der Spaß vorbei. Mit diesem Karnevalsverein. Aus Mainz.

Wegen der Hinrunde. Weil wir mal wieder vor Bayer vorlegen müssen (und die ja sowieso gegen Freiburg gewinnen werden). Und nach dieser Phase in der Hinrunde nix (mehr) zu verschenken haben.

Sicher. Man könnte ihnen auch dankbar sein. Wegen Robben. Bin ich aber nicht. So.

Nicht nach dieser ersten Halbzeit.

Ausserdem gibt’s ein Jubiläum. Da kann man keinen Punktverlust gebrauchen. Auf der anderen Seite, geht’s mit diesem Rekord ja laufend weiter…

Passender Rahmen für des Königs Comeback am eigenen Hof. Wenn auch nicht von Anfang an. Noch dazu, wo Mainz nicht weiß wo ihnen defensiv der Kopf steht.

Im Grunde also alles klar, Jungs, oder?

van-the-Mania, reloaded

Ich weiß ja noch wie das war. Mit unserer van-the-Mania.

Und deshalb habe ich die Gerüchte um einen Transfers van Nistelrooys zum HSV auch nicht ernst genommen.

Bis mir wieder die Hintergründe einfielen.

Herr van Nistelrooy hatte 2006 (Alter, wie die Zeit vergeht) den FC Bayern nur als Druckmittel für Real Madrid benutzt. Zwecks Poker um Gehalt, Handgeld, etc.

Das war seinerzeit eine bittere Erkenntnis. War aber so. Davon abgesehen: Ein van Nistelrooy in der Verfassung von 2006 war für den FC Bayern ohnehin eine Nummer zu groß.

Kaum vier Jahre später sieht das alles anders aus.

RvN ist körperlich – zumindestens war er es in den letzten Monaten – ein Wrack. Bei Real nur noch Stürmer Nummer 4.

Umso erstaunter war ich ob der Ergebnisse der sportärztlichen Untersuchung durch die Rauten-Doktoren.

Ergo müssen wir uns also doch ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen.

van-the-Man passt zunächst mal in die Alterstruktur von Neuverpflichtungen beim HSV. Gerade jugendlich wirkt er da mit seinen 33 Jahren.

Er hat eine beeindruckende Historie. Ob seine Zukunft in Hamburg ebenso aussehen wird, muss man offensichtlich abwarten.

Wieviele Spiele, gar Tore es bis zum Ende seines Vertrages im nächsten Jahr werden, steht in den Sternen. Ebenso wie der Zeitpunkt seines ersten Ballkontaktes.

Persönlich glaube ich ja, dass die Hanseaten – in der aktuellen Form (wenn man mal keine Abseitstore wie vor einer Woche geschenkt bekommt) – dann soviel Abstand zur Meisterschaft haben werden, dass auch die (erhofften) Tore des Holländers, kaum etwas an einer erneut knappen Europa League-Qualifikation ändern werden.

Aber wer weiß, vielleicht hat RvN ja einen Wunderheiler gefunden und der HSV überollt nun die gesamte Liga.

Zumindestens wird die Bundesliga aktuell immer oranger…

P.S. Ein besonderes Schmunzeln hat mir bei meiner kurzen Recherche die Meldung beschert, dass der HSV auch schon 2006 an van Nistelrooy „dran war“. Ui.

P.P.S. Gerade lese ich, dass er in dieser Saison sage und schreibe 12 Minuten gespielt hat. Diesen Wert sollte er in Hamburg übertreffen.