Millionen vs. Talent

Die Bayern sind immer ganz gut damit gefahren, neben etablierten Top-Spielern auch jungen Talenten eine Chance zu geben. Kommen sie aus dem eigenen Nachwuchs, fängt man zwei Fliegen mit einer Klappe.

Neben den vom Vorstand angekündigten Millionen-Transfers wird der FCB auch weiter jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben. […] „Leute wie Toni Kroos und Mats Hummels werden ihre Chance bekommen.“ Der 17-jährige Kroos und der angehende Abiturient Hummels sollen ab der neuen Saison überwiegend bei den Profis mittrainieren.

Das ist auch ganz in meinem Sinne.

Der Name Mats Hummels ist mir schon vor einiger Zeit über den Weg gelaufen, Toni Kroos erst vor kurzem.

Hummels ist Innenverteidiger und Kroos Spielmacher hinter den Spitzen – beides Positionen auf denen ich gerne in Zukunft wieder mehr deutsche Spieler sehen würde. Also nur zu. Zwar weiß man nie, wie sich so junge Burschen dann tatsächlich im Rampenlicht der Profimannschaft entwickeln, aber ohne er zu probieren, werden wir das nie erfahren und der Bedarf ist ja auf jeden Fall vorhanden.

Herzlich willkommen im Profikader, Mats und Toni!

Mal kein Gerücht: Willkommen Marcell!

Na das mit der Hoeneß-Pk, auf der alle Neuzugänge des FC Bayern gesammelt präsentiert werden sollen, hat ja schon mal super geklappt:

Seit ein paar Tagen war es schon mehr als ein Gerücht, jetzt ist es amtlich. Marcell Jansen wird zukünftig für den FC Bayern spielen.

Eine Überraschung ist es demnach ebenfalls nicht mehr.

Für mich war Jansen immer mein defensiver Wunschkandidat. Warum? Weil er links spielt, auf der Lahm-Position. Und der braucht nach den letzten Saison ja nun wirklich mal Feuer unter dem Hintern!

Für Lahm gibt es jetzt noch drei Optionen:

1. Er spielt endlich wieder besser.

2. Er wechselt nach rechts und tritt gegen Sagnol an (was auch dem wiederum Beine machen würde).

oder

3. Er wechselt den Verein.

Alles Optionen, die mir Spaß machen würden… 😉

Aber zurück zu Jansen: Alles was ich bisher von ihm gesehen habe, sei es in der Nationalmannschaft oder bei Gladbach (in den Spielen gegen uns), war durchweg nicht wirklich schlecht. Er hat Zug nach vorne, ist flexibel und dabei offensiv variabler als z.B. ein Lahm, der die immer gleichen Dribblings anbietet, die seit der WM jeder Abwehrspieler in Europa kennt. Davon abgesehen ist Jansen ziemlich schnell, noch eine Eigenschaft, die Lahm in den letzten 12 Monaten abhanden gekommen ist.

Nein, diese Verpflichtung macht für mich mehr als Sinn. Herzlich willkommen in München, Marcell Jansen.

Bayerische Körbe

Die Saison ist vorbei. Der Meister gekürt und viele wird allein die Tatsache gefreut haben, dass es diesmal nicht der FC Bayern war. Am liebsten sollte er es überhaupt nie wieder werden…

Daran habe ich mich gewöhnt. Sowohl an die Ergebnisse dieser Saison als auch an den Rest. Ich kann damit gut leben – schließlich macht der Anblick derlei Gesichter im bayerischen Erfolgsfalle nochmal soviel Spaß… Ich schweife ab.

Das Selbstverständniss der Bayern ist nicht ein vierter Platz. Und ich will auch gerne zugeben, dass mich das auf Dauer auch vor kleinere Probleme stellen würde – denn wer will schon permanent Mitleid ertragen (auch wenn andere Team das permanent, so alle 6 Jahre, bekommen, oder so… *g*)?

Und weil eben dies so ist, hat sich der Verein schon vor Wochen dazu entschlossen, einen Paradigmenwechsel zu vollziehen und im Gegensatz zu früher es bei Transfers nicht am Geld scheitern zu lassen.

Das kann man mögen oder nicht, wird aber so passieren.

In den letzten Wochen habe ich mich selbst auch intensivst mit all den Gerüchten um mögliche Transfers und neue Spieler beschäftigt. Allerdings waren dies, wie der Name schon sagt, Gerüchte. Schlauer sind wir alle erst Ende Mai, wenn diese ominöse Pressekonferenz stattfinden wird, wo Uli Hoeneß „im Paket“ die gesammelten Namen der Neuverpflichtungen bekanntgeben will.

Nun ist es natürlich in Deutschland so, dass man gerne mal das Fahrstuhlprinzip anwendet. Vor allem in den Medien: Zunächst jubelt man einen Menschen hoch, um sich an ihm, dem Helden aufzurichten, die eigene, vielleicht eher durchschnittliche Existenz ein wenig mit seiner Sonne, seinem Glanz zu erhellen, um ihn danach vom Sockel zu stoßen, ihn wieder auf den eigenen Level herunterzuholen, „schließlich ist er ja auch nur ein Mensch“.

Deutschland eben.

Was hat das mit dem FC Bayern zu tun?

Ganz einfach. In den letzten Wochen wurde wild ins Blaue spekuliert, welcher Weltstar denn in Zukunft an der Säbener Straße trainieren wird, in den schönsten Farben wurde die Bayern-Zukunft gemalt, um dann in den letzten Tagen ein Horrorszenario nach dem anderen aufzuzeigen, welcher dieser Weltstars denn inzwischen dem FC Bayern alles abgesagt hat…

Beispiel „Rafael van der Vaart“:

Ich will nicht verschweigen, dass ich ihn für einen guten Fußballer halte. Er hat sich in Hamburg, in der Bundesliga etabliert und spielt zumeist einen guten Stiefel. Parallel zum „Geheimtreffen“ der Bayern mit Klose, wurde auch ihm dergleichen nachgesagt, was aber nachweislich wohl nicht sein konnte, weil er zur gleichen Zeit in Hamburg zu sehen war.

Schlussfolgerung: Die Bayern sind an ihm dran.

Ein Hoeneß-Dementi, „niemals van der Vaart kontaktiert zu haben“, störte aber niemanden daran, auch in dieser Woche erneut dieses ausgelutschte Thema aufzugreifen, um dann im Höhepunkt zu gipfeln, die Aussage van der Vaarts zu zitieren, dass „er überhaupt nicht zu Bayern wolle“.

Klar, auch ich könnte mir so einen Spieler im Kader des FC Bayern vorstellen, ebenso wie Beckenbauer und viele andere im Umfeld des Verein – aber nicht wegen van der Vaart selbst, sondern weil wir derlei Spieler insgesamt nötig haben!

HSV-Fans mögen ob derlei Töne gerne jubeln, weil van der Vaart so eine auf den ersten Blick ausgeprägte Liebe zum Verein, oder von mir aus Antipathie zu den Bayern zeigt, den bösen, bösen Aufkäufern der Liga, aber insgesamt geht’s hier um’s Business (und allenfalls um van der Vaarts möglichen Wechsel ins Ausland, schon diesen Sommer…). Um die Umstrukturierung des FC Bayern.

Kann irgendjemand mit Sicherheit behaupten, dass die Bayern Robben haben wollten, „an ihm dran waren“, weil in einer englischen Zeitung ein Gerücht stand? Oder weiß jemand etwas über ein Geheimtreffen mit Sneijder?

Von mir aus gehört all dies zum Salz in der Fan-Suppe, ist es der Stoff, der Sommer- wie Winterpausen füllt und ja, ich gestehe, auch ich werde mich wieder derart betätigen, aber für’s erste reicht es mir.

Bis zur Hoeneß-PK.

Rote Zebras

Wie üblich bekommen die Bayern auch in der neuen Saison wieder ein neues Trikot. Diesmal was für zuhause.

Über Geschmack lässt sich ja bekannterweise trefflich streiten, was Addidas aber hier geritten hat, ist mir aktuell nicht wirklich klar.

Zebrastreifen? Sind wir der neue MSV Duisburg?

Mag sein, dass man sich irgendwann dran gewöhnt, muss man ja auch, denn erst 2009 gibt’s ’ne Ablösung, aber mir gefällt das nicht wirklich. Zum ersten Mal sah ich es in der U6 auf dem Weg ins Stadion (manche Fans wollen sowas ja immer als erste haben, auch wenn dann keine Beflockung drauf kommt – wie auch wenn noch nicht mal der neue Kader feststeht…) und war wirklich zum ersten Mal an diesem Tag sprachlos.

Ok. Wenigstens nur zwei Farben. Da haben andere Fans (mal wieder) ganz andere Probleme…
😉

Das Spiel

Ganz nebenbei war ja das letzte Spiel von Mehmet Scholl auch noch ein Bundesliga-Pflichtspiel.

5:2 hört sich an wie ein fröhlicher Sommerkick. Und das war’s auch.

Die Mainzer, im Grunde schon vor dem Spiel abgestiegen, spielten munter mit und hatten die ersten Chancen im Spiel. Im Bayern-Tor stand nicht Kahn, sondern der 40-jährige Dreher (Rekord für einen Bayern-Spieler in der Bundesliga-Geschichte). Wer Rensing vermisst hatte: Der war für die Regionalliga vorgesehen und gar nicht im Kader. Die 40 Lenze merkte man Dreher zunächst auch an, bei den Mainzer Frühchancen fühlte man sich an Bahnschranken erinnert. Ging aber gut.

Bayern hatte mehr vom Spiel, die unbelastete Spielfreude rund um den Motor Scholl wirkte mehr als inspirierend auf alle auf dem Platz stehenden Bayern-Profis. Schon komisch: Seit den Beschimpfungen (auch durch mich) spielen diverse Abschiedskandidaten im Kader plötzlich wie im Rausch. Das fiel schon in Gladbach, erst Recht in Cottbus und gegen Mainz sowieso auf.

Karimi zauberte, Santa Cruz und Pizarro schießen Tore in Serie als pure Selbstverständlichkeit. Bizarr.

Vielleicht aber nur Empfehlungen für neue Arbeitgeber…

Welche Gründe dieser merkwürdige Leistungssprung auch immer haben mochte, es lieferte den Fans eine Klasse-Spiel. Spätestens ab der 30. Minute kochte das Stadion, als zunächst Santa Cruz seine Saisonausbeute verdoppelte und Scholl kurze Zeit später zum 2:0 einnetzte. Orkan im Stadion.

Dem 3:0 durch van Bommel (dem einzigen Bayern-Tor des Tages von einem Bestandsspieler) folgten beinah‘ noch das vierte und fünfte Tor in HZ1. Die Bayern ließen es dabei bewenden.

Nach dem Seitenwechsel aber ein ähnliches Bild: Mitspielenden Mainzer wurden zwei Tore gegönnt, Karimi und Pizarro schossen ihre endgültigen Abschiedstore.

Selten passiert es allerdings, dass derlei fast untergeht, hatten wir doch alle nur Augen für Scholl, seine Ehrenrunde, das schwäbische 2:1 auf der Anzeigentafel und zum Schluss noch unsBrazzo, der ebenfalls im Stadionrund stimmungsvoll verabschiedet wurde. Das ging alles unter die Haut.

Wehmütig wurden dann zusätzlich noch die Mainzer, als ihr Abstieg unwiederbringlich feststand. Auch das berührte mich – aber was nicht an diesem sonnigen Samstag in Fröttmaning??

Ein geiles Teil. Das.

Jetzt mal ganz abgesehen vom FC Bayern, davon, dass nicht immer so eine Stimmung herrscht wie am letzten Samstag:

Allianz-ArenaIst die Allianz-Arena ein geiles Stadion oder was?

Ich saß (oder stand) im zweiten Rang, Reihe 14. Bei der Führung im Februar waren wir im 3. und 1.Rang – die Sicht war von überall sehr gut bis perfekt. Von der Akustik ganz zu schweigen.

Sowohl von aussen als von innen ist das Stadion imho gelungen und durchdacht. „Leider“ war es nach dem Spiel zu hell und zu sonnig (wer ein bißchen braun werden will und die Sonne ungestört von Baum und Strauch genießen will, sollte einfach nur nach dem Spiel die 15 Minuten über die Esplanade zurück zur S-Bahn gehen – das reicht…), sodass ich die rote Hüllen-Illumination nicht sehen durfte – ein ander‘ Mal…

Frauentausch und Tränen

„Der Uli hat geweint, der Brazzo hat geweint. Jetzt heule ich heute Abend auch noch, dann tauschen wir die Frauen. Dann ist alles wieder gut.“

So Mehmet Scholl nach seinem Abschied am Samstag in der Münchner Allianz-Arena. Das ich geweint habe, hatte ich ja schon vermutet, aber das selbst ein Uli Hoeneß die Fassung verliert, habe ich zum einen erst in den Sportschau-Bildern gesehen und zum anderen nicht erwartet. Aber das zeigt nur umso mehr, wie nah uns allen Scholl nach 15 Jahren FC Bayern steht.

Schon bei der Verabschiedung vor dem Spiel konnte ich das Wasser nicht halten und bei der Ehrenrunde (während das Spiel weiterlief, was aber niemanden im Stadion in diesen Minuten interessierte) lief es mir mehr als kalt den Rücken herunter. Wie werde ich Spieler wie Scholl und Brazzo vermissen. Auch wenn wir irgendwann wieder Titel holen werden, die Ära dieser Spieler ist vorbei!

Das Spiel war ein Traum, schöner hätte wohl selbst Scholl es sich nicht vorstellen können, beim 2:0 durch ihn bin ich so hoch gesprungen, dass mir mein Handy aus der Tasche geflogen ist und ich mich innerlich schon von ihm verabschiedet hatte. Robust wie es ist hat es sogar den Beton-Aufprall aus 2,5m Höhe ohne Kratzer überstanden. Musste es auch. Die nächsten Fotos wollten gemacht werden.

Brazzos Ehrenrunde später im Spiel ging dagegen leider ein wenig unter, dafür feierte die gesamte Mannschaft nach dem Spiel, die da schon halbnackten Helden auf dem Rasen der Arena und auch die zahlreichen Mainzer Fans zollten den beiden Respekt, Anerkennung und Tribut – aber darauf gehe ich noch einmal gesondert ein.

Ein würdiger Abschied für unseren Mehmet und das eigentliche Abschiedsspiel im August kommt ja noch. Gegner ist der spanische FCB im Rahmen des Franz-Beckenbauer-Cups. Vielleicht fahr‘ ich dann nochmal hin. Tränenreiche Emotionen machen süchtig. Das hatte ich in den letzten 6 Jahren schon fast vergessen. Von daher war der vierte Platz in dieser Saison ganz hilfreich. Irgendwie.