Kroos’er Superstar und Königsblaue Illusionen.

Unser aller FC Bayern eilt in diesen frühen Saisontagen von Sieg zu Sieg. So auch im gestrigen Gastspiel in Schalke.

Lange sah dies nicht unbedingt so aus und ich will es gerne zugeben, dass ich vor dem Spiel leichten Respekt vor Jones, Huntelaar und Co. hatte. Hatte ist hier das Zauberwort. Spätestens nach dem Doppelschlag zum 0:2 war es um die Königsblauen geschehen. Und von da an machte mir das Spielchen der Bayern noch einmal mehr Spaß.

Aber der Reihe nach.

Die erste Halbzeit kann man getrost als schwächer als die zweite deklarieren.

Nicht nur, dass die ersten zehn Minuten von beidseitigem Respekt gekennzeichnet waren, nein, meine Mannschaft zeigte auch danach nicht die heuer schon fast zur Gewohnheit gewordene Kaltschnäuzigkeit. Vor dem Tor und auch im Spiel. Ob da Schalke noch was dagegen hatte? Später änderte sich dies ja bekanntlich.

Nein, das war zunächst nicht präzise, nicht schnell, nicht zwingend genug. Und fahrig war es auch. Besonders von Spielern wie Thomas Müller. Fatal wenn hier unser Trainer wie ein Fan agieren würde und diesen Spieler zur Halbzeit ausgewechselt hätte. Nicht auf uns Spinner hören, Herr Heynckes, ok? Danke. 😉

Es ist schon erstaunlich wie schnell sich so ein Blatt im Fußball doch wenden kann. Eben noch der Depp, weil er mehrere schlechte Aktionen und eine vergebene Großchance sein eigen nennt und dann diese Doppelpässe mit Kroos und diesen – typischen – „Stolperer“ ins Tor. Schrecklich schön. Aber Müller ist eben einer dieser „Straßenfußballer“.

Natürlich ist diese Formulierung aber größtmöglicher Quatsch, denn jeder Straßenfußballer würde sich bei den Müller’schen Verrenkungen die Füße brechen. Aber so ein Spieler ist Gold wert. Weil er eben nicht nur für seine Mit- sondern vor allem für seine Gegenspieler unberechenbar ist. Und ein Original ist er auch. Oder wer würde sich ansonsten im Sky-Interview selbst nicht so wichtig nehmen und auf „manchmal Kreisliga-Niveau“ einordnen (Zitat vom Hören sagen)?

Weltklasse.

Nicht minder überzeugt hat mich der Sportskamerad Kroos.

Was habe ich ihn verteufelt in seiner bisherigen zweiten Münchner Ära. Und den Trainer dafür kritisiert, dass er so unbeirrt an ihm festhielt.

Was hat er uns aber in diesem Spiel zurückgezahlt? Er war schon in HZ1 imho der beste Mann auf dem Platz. Wenn auch noch zu wenig eigensinnig und deshalb torungefährlich. In HZ2 dann seine dollen fünf Minuten, die uns den Auswärtssieg bescherten. Seine Präsenz, seine Schnelligkeit(!), die Genauigkeit seiner Pässe(!!) – wer hätte das gedacht, noch vor Wochen, Monaten?

Gut, sehr gut.

Weniger gut die Kurve von Mario Mandzukic. Was ist da los? Seit dem Valencia-Spiel und seinem ersten Nicht-Startelf-Spiel ist das wie abgeschnitten. Schon kaum Gefahr gegen die Spanier, der läppische Elfmeter und jetzt in Gelsenkirchen zumeist auf die Flügel ausweichender und in der Mitte fehlender Mitspieler, der kaum noch die Stringenz in seinem Spiel zeigte. Schade. Da wird dann so langsam die Sehnsucht nach Mario Gomez wieder groß und größer.

Ein Glück, dass wir die Saison 2012/13 schreiben und „die Bank“ des FC Bayern eine Erfolgsgeschichte zu werden scheint. Wir wollen an dieser Stelle nicht zu euphorisch werden und den fünf Punkten Abstand auf Rang drei nach dem vierten Spieltag zu viel Bedeutung beimessen, aber ich möchte nur einmal zur Diskussion stellen, wo wir wohl tabellarisch stehen würden, wenn wir mit dem Kader der letzten Saison Alaba, Contento, Rafinha, Gomez und Ribéry/Robben hätten ersetzen müssen. Eben.

Richtig Sorgen um den Verlust des Vorsprungs mache ich mir ohnehin erst, wenn wir mal acht Punkte vor dem BVB liegen…

Weiterhin also alles soweit rosarot beim FC Bayern. Logisch. Und das bleibt auch so, bis wir mal Punkte lassen.

Sonst noch etwas?

Vielleicht zu Herrn Robben? Klar. Der gute Arjen ist heuer ein anderer Spieler. Man sieht kaum noch spektakuläre Dribblings, 1:1-Situationen und schon gar keine Jahrhundert-Tore. Wie seinerzeit sein Solo an gleicher Stelle im Pokalhalbfinale.

Man sieht dafür einen Robben, der defensiv (mit)arbeit und einen vorne verlorenen Ball zurückerobert oder den Gegenstoß beendet. Man sieht einen Robben, der gefoult wird und keine – nach Außen als solche interpretierbare – Theatralik an den Tag legt. Man sieht einen Robben der, von hinten getroffen, im Affekt aufspringt, dann den Schmerz spürt, auf den Rasen sinkt, dafür fortan vom Zeitlupenlosen Heimpublikum ausgepfiffen wird und trotzdem humpelnd auf die Zähne beißt, bis mit Shaqiri gleichwertiger Ersatz parat steht – Respekt, Arjen!

Und selbst wenn wir aktuell vielleicht (noch) nicht die Zauber Ribérys und Robbens aus 2007 oder 2010 sehen – wir sehen ein Team, dass beide braucht und bis jetzt – als Team – noch jeden Gegner vor – am Ende – unlösbare Probleme gestellt hat. Wie könnte es besser laufen?

Schalke hat sich vielleicht zu wenig gewehrt, klar. Wenn es man es unbedingt so sehen will (und erneut das Wort der (langweiligen) Bayern-Dominanz vermeiden will). Aber eventuell war es ja auch das Resultat der bayerischen Arbeit – in diesem Spiel und der bisherigen Saison – dass selbst ein Gegner wie der S04 da nichts mehr entgegen zu setzen hatte? Ein Gegner, der – wie man so vor und noch während des Spiels hört – endlich höher hinaus will. Eine Illusion, wie es sich nun offenbar darstellt. Zurzeit. Denn es ist tatsächlich erst der vierte von 34 Spieltagen gespielt. Allein, es könnte alles viel schlimmer sein und dies bereitet uns Bayern-Fans nun einmal echte Freude. Da können alle andere mäkeln wie sie wollen.

Restliche Einzelkritik erspare ich mir. Dafür geht alles viel zu schnell. Am Dienstag erwarten wir zum ersten Wiesn-Heimspiel den, erneut runderneuerten VfL aus Wolfsburg. So leicht diese Aufgabe klingen mag, so sehr fangen wir auch hier wieder bei 0:0 an!

Auf geht’s, Ihr Roten!

Road to London: FC Bayern – FC Valencia

Das war er also. Der Auftakt in die neue Championsleague. Auf den Tag genau vier Monate nach der Final-Niederlage am gleichen Ort.

Nun. Das #FinaleDahoam werde ich für den Rest meines Lebens nicht mehr vergessen. Aber für diese Saison – auch und gerade in der Championsleague – ist es für mich kein Thema mehr.

Derlei hindert doch nur den Blick nach vorne zu richten, es stört die Fokussierung auf die vor uns liegenden Aufgaben.

Sicher. Es mag für uns alle Motivation sein, es erneut in ein Finale der Königsklasse zu schaffen – was schwer genug werden wird. Aber hatten wir diese Motivation nach den Niederlagen gegen Inter Mailand 2010 und 2011 nicht schon?

Ein ziemlich großer Motivationshaufen, oder?

Es hilft ja nix. Gestern also Valencia. Da war doch was? Richtig, 2001. Schon wieder Pathos. Bitte nicht.

Irgendwann ging es dann doch los. Und die Bayern zogen ihr Ding durch.

Weniger berauschend als zuletzt gegen Stuttgart und Mainz, aber von der sog. spanischen Nummer Drei war kaum etwas zu sehen.

Allerdings war derlei wohl beabsichtigt. Oder gibt es jetzt auch schon auf diesem Europäischen Niveau diese Defensivst-Teams, die Teams wie uns und Barca und Co. einfach mal machen lassen?

Andererseits: So ist Chelsea Championsleague-Sieger geworden…

Nein, dass sah alles erneut ganz nett aus. Schweinsteiger nähert sich seiner Top-Form, Martinez bekam endlich seine Startelf-Aufstellung und Kroos, ja Herr Kroos zeigte – nun auch einmal für mich – überdeutlich seine aktuelle Verfassung.

Da war vieles dabei, dass ich richtig gut fand. Pässe, Übersicht und kaum noch Lethargie. Bitte genau so weiter machen, Toni!

Die Sportskameraden Ribery und Robben kamen – wie erwartet – ebenfalls zurück ins Spiel unseres FC Bayern. Wenn auch noch nicht wieder zu 100%.

Aber gut. Wir haben heuer eine exklusive Bank und so konnten später noch Müller, Mandzukic und Gustavo – fast verlustfrei, oder gar das Leistungslevel steigernd – eingewechselt werden.

Wie gesagt, es war keine wirklich rauschende Ballnacht. Aber es war ein Sieg und Gegentore sind – zum Glück – in der Gruppenphase noch nicht so arg entscheidend.

Gleichwohl sollten wir über ein paar Dinge reden.

Erstens scheint die Kombi „erst Pizarro, dann Mandzukic“ nicht so gut zu funktionieren wieder anders herum.

Zweitens ist Javier Martinez doch ein Mensch. Heureka, er kann auch durchschnittlich spielen. Na Gott sei Dank haben wir das jetzt auch mal geklärt.

Drittens ist unsere Lässigkeit, was das Versemmeln von Torchancen (Elfmeter?!), oder Verteidigen vor Gegentoren (Hallo, Herr Lahm?!) aus der letzten Saison noch nicht vollends verschwunden. Herr Heynckes, übernehmen Sie!

Viertens sollten wir uns an solchen Schiedsrichterleistungen wie der gestrigen nicht lange abarbeiten. Einfach immer weiter machen.

Fünftens wollte ich was zum Thema „Stimmung“ und Südkurve sagen. Aber das verkneife ich mir. Habe ich erstens schon auf Twitter gemacht und wird hier eher ein eigener Beitrag…

Positiv waren – wie erwähnt – die Formkurven der Herren Schweinsteiger und Kroos. Und unsere eigene Defensivleistung. Und die drei gewonnenen Punkte. Ab und an muss auch mal Arbeit sein. Zaubern kann der FC Bayern ja im nächsten Heimspiel. Wenn ich live vor Ort bin.

Sonst noch was?

Bei aller Freude über die nicht schlechte Gesamtsituation zum Start in diese noch junge Saison:

Es wird Zeit, dass wir auch bald mal wieder Rafinha, Contento, Gomez und vor allem Alaba reinschmeissen können.

DAS wird ein Fest!

Jetzt aber erst einmal brutal fokussieren auf Gelsenkirchen. Den nächsten „schwersten Gegner“.

Auf gehts, Ihr Roten!

Weisheiten #218

„Hier kann keiner dieses Spiel gegen Chelsea vergessen. Da ist uns zu viel Dramaturgie widerfahren. Wir machen uns alle den Vorwurf, dass wir diverse Male in dem Spiel die Chance hatten, den Sack zuzumachen. Man kann es nicht mehr ändern. Jetzt müssen wir einen neuen Anlauf nehmen. Unsere Mannschaft ist sehr motiviert.“

Karl-Heinz Rummenigge, Nicht-Vergesser-aber-nach-vorne-Gucker

Von Schongängen, Umschaltern und Mr. Perfect

Ich fühle mich komisch während ich hier sitze und den Bericht zum gestrigen Heimsieg gegen Mainz verfasse.

Komisch, weil mir einfach nix einfallen will, was ich zu kritisieren hätte.

Die Bayern haben die ersten 20 Minuten in dieser Begegnung einen perfekten Fußball gespielt gegen eines von diesen Teams, die uns – bislang – angeblich so wenig liegen sollen. Also extrem gut in der Defensive gestaffelt (inklusive Extrem-Nachlaufing) und bei Ballbesitz explosionsartig in Richtung unseres Tores rennen, um auf direktem Weg den Abschluss zu suchen.

Von Mainz – gerüchteweise als Angstgegner tituliert – sah man derlei nur sehr selten. Und selbst in den Phasen, als die Bayern schon im Schongang waren und Mainz „mal machen ließen“ – auf Deutsch: Wir durch unseren Schlendrian in „Gefahr“ gerieten – war unsere eigene Defensive zumeist Herr der Lage. Stark, was die Sportskameraden Neuer, Lahm, Boateng, Dante und Badstuber ablieferten. Nicht minder erwähnenswert die Leistung der Herren Schweinsteiger und Gustavo (hört, hört).

Sicher. In der letzten Saison, den letzten Jahren, hatte Mainz mit seiner Taktik nicht unerheblichen Erfolg, aber erneut (schon im dritten Spiel) hatte ich eigentlich kaum Sorge um mein Team. Und Mainz hat es ja – nach den ersten 20 Minuten und in HZ2 – tatsächlich probiert. Aber irgendwann war halt Schluss. Und wäre der – verdiente – Elfmeter nicht gewesen, hätte Dante nicht seinen einzigen Fehler (war es nicht gar sein erster in dieser Saison?) gemacht, Mainz wäre wohl erneut ohne Tor geblieben (ohnehin nur per Elfmeter in dieser Saison).

Schwacher Gegner, von mir aus. Aber eben diese(r) schwache(r)n Gegner haben uns bis heute trotzdem Probleme bereitet. Mich euphorisiert so eine Erkenntnis. Und mit dieser Beschreibung ist zunächst einmal gemeint, ich nicht schon nach drei Spieltagen erste Flecken auf unserer weißen Weste analysieren muss.

Allein, es gibt noch mehr, worüber wir Bayern-Fans uns endlich wieder freuen können.

Was wäre wohl noch vor Jahresfrist hier und all überall in der Community los gewesen, wenn wir kurz vor einem Spiel erfahren hätten, dass neben Alaba, Gomez auch Ribéry und Robben verletzt fehlen? Der weißblaue Himmel wäre uns bedrohlich nahe gekommen.

Und jetzt?

Spult – zugegeben gegen (noch) keine großen Gegner – Herr Badstuber solide und oft kritikfrei sein Programm als dritter Vertreter auf der LAV-Position ab und schicken wir einfach Shaqiri und Müller (auf seine WM 2012er-Position) ins Rennen. Ganz zu schweigen von Mandzukic, der Herrn Gomez sicherlich – und völlig zu Recht – nicht kampflos den Stammplatz zurückgeben wird (wann kommt Super-Mario 1 eigentlich wieder zurück?)!

Sehr, sehr gut.

Und wenn all das nicht schon positiv genug wäre, durften wir die letzten 15 Minuten erneut unseren neuen Mr. Perfect bewundern.

Auf Twitter gelte ich ja inzwischen schon als #Fanboy und ich glaube tatsächlich, dass hier vieles medial auch arg überhöht wird (um ihn bei der nächsten Gelegenheit zünftig abstürzen lassen zu können), aber wie stark war gestern erneut die Performance von Javier Martinez?

Einem Spieler, der quasi ohne(!) Vorbereitung vor zwei Wochen bei uns aufgeschlagen ist und dann mal locker so einen Sprint in der 92. Minute hinlegt und ebenso butterweich wie präzise auf Toni – der-hat-so-eine-tolle-Schusstechnik – Kroos flankt.

Der Wahnsinn.

Andererseits: Bremsen, Leute.

Jetzt fängt endlich die Saison an. Wir haben sieben Bundesliga-Spieltage bis zum nächsten Länderspiel-„Spaß“ zu absolvieren und am Mittwoch startet ferner die nächste Königsklasse. Ganz zu schweigen vom nächsten nationalen Spiel in Gelsenkirchen. Da wird sich zeigen, wie viel von der Euphorie da der Realität standhält.

Aber freuen darf ja wohl erlaubt sein. Es gab nicht wenige Saisonstarts, da mussten wir uns zum gleichen Zeitpunkt schon ganz andere Sorgen machen. So.

Wer mich allerdings kennt, der kann sich vorstellen, dass ich trotzdem noch ein wenig was zum Kritisieren finde.

Zum Beispiel, weshalb wir überhaupt erst in diesen Schongang verfallen sind. Beim Stand von „nur“ 2:0. Oder was sich Herr Dante dabei dachte, vor dem Elfmeter seinen Gegner derart zu verteidigen. Oder das rings um das Gegentor der Schiedsrichter sich sicherlich eher nicht um die Auszeichnung „Heimschiedsrichter des Monats“ beworben hat.

Womit wir wieder beim Punkt Euphorie wären: Es kratzt uns alle nicht! Wir machen einfach weiter und finden auch immer wieder den Umschalter. Offenbar bald eine Phrase weniger, die die üblichen Verdächtigen im Zusammenhang mit dem FC Bayern benutzen können.

Mich stört es nicht.

Weitere Einzelkritik vonnöten?

Nö. Ihrso?

Jetzt gegen Valencia gut auf der „Road-to-London“ starten und danach(!) auf Schalke fixieren. Das wird schwer genug.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Weisheiten #217

„Die Erwartungen sind jedes Jahr gleich. Jetzt ist es eher so, dass du als Spieler nach zwei titellosen Jahren unglaublich gierig auf diesen Titel bist. Wir können uns wieder freuen, Meister zu werden. Denn da gibt es in Dortmund einen Konkurrenten, der richtig stark ist. Das heißt, wenn es uns in dieser Saison gelingen sollte, Meister zu werden, wird die Freude in München richtig groß sein. Wir sind jedenfalls alle heiß auf diese Saison.“

Thomas Müller, jung und hungrig.

Und die Erinnerung daran, wie es früher einmal war – München

Die nächste Championsleague-Saison steht vor der Tür. Ganz zu schweigen von der Bundesliga. Und dem Pokal. Weshalb erwähne ich aber die Königsklasse? Weil diese – für das „normale“ Bayern-Mitglied – noch am ehesten Karten und Spiele bereithält.

So zumindest meine Erlebnisse in der abgelaufenen Spielzeit.

Und wie einfach all dies heute so ist: es gibt Billigflieger, die einen bequem in 60 Minuten von Köln/Bonn nach München bringen, es gibt günstige Hotels, die man per Smartphone-App buchen kann, es gibt überhaupt jede Menge Möglichkeiten, die einem Anreise nach und Aufenthalt in München erleichtern.

Dies war nicht immer so und darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Ich war ein Spätstarter. Als Allesfahrer, als aktiver Fan, der seinen Bayern hinterherreist, in der Südkurve im Olympiastadion mitfieberte.

Ich war dermaßen spät dran, dass ich schon Autos fahren durfte. Allerdings nicht vermögend genug, ein Auto mein eigen zu nennen.

Meine damaligen Bayern-Freunde hatten da andere Gelegenheiten. Fahrgelegenheiten.

Nachdem ich 1989 mein erstes Spiel in München live gesehen habe, stieg ich in dieses Thema ein. Also Auswärtsfahrten jetzt (und München war für mich als Rheinländer noch die weiteste „Auswärtsfahrt“).

Tickets waren damals überhaupt kein Problem und so wurde irgendwann die Idee geboren im Opel Kadett einer meiner Freunde – zu viert – nach München zu reisen. Ich war Feuer und Flamme.

Wir trafen uns am Spieltag. Früh. Sehr früh. Beim Kadett-Fahrer. Und schon ging die Reise los (ich wohnte damals noch im schönen Wuppertal).

Zwei fahren auf der Hinfahrt, zwei auf der Rückfahrt (wie sich herausstellen sollte, war es eine sehr gute Entscheidung die Hinfahrt zu übernehmen).

Sechs Stunden auf dem Weg zum gelobten Land. Wir vorne versuchten wach zu bleiben und die „Rückfahrer“ hinten das Gegenteil. Wir hatten mehr Erfolg. Aber man war ja auch jung. Und belastbarer. In jeder Hinsicht.

Für alle die Leser mit der Gnade der späten Geburt ist das jetzt sicher etwas ungewöhnlich, aber zu dieser Zeit kam man dann morgens in München an, fuhr über den Ring bis zu den Parkplätzen auf der Hinterseite des Olympiastadion und war da. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob wir tatsächlich mit oder ohne Tickets nach München fuhren, aber selbst wenn nicht, war das kein Problem, denn damals waren noch regelmäßig Tageskassen geöffnet, die einen sicher mit Tickets versorgen (Tageskarten(!), regelmäßig(!!)).

Natürlich war das Olympiastadion um diese Uhrzeit noch nicht geöffnet, aber man konnte ja schon hineinschauen und die U6 war nicht weit, also erst einmal in die Stadt. In voller Montur, also in meinem Fall mit diesen Bayern-Schal, der – nach heutigen Maßstäben – eher selbst gestrickt aussah.

Die Eindrücke vor einem Spiel in München sind als (auswärtiger) Bayern-Fan damals wie heute aufregend. Klar, es gibt normale und größere Spiele, aber das Stadtbild verändert sich und man bekommt dies hautnah mit.

Irgendwann dann zurück in den Olympiapark und rein ins Stadion.

Es war das Spiel gegen Düsseldorf. Das Rückspiel der Saison 1989/90. Denn das Hinspiel hatte ich im Rheinstadion ja auch schon gesehen (Auswärtsspiele im Westen waren unsere „Heimspiele“).

Ein schlappes 0:0, dass neben mir noch 25.000 andere mitanschauen mussten. Aber wen stört dies wirklich, wenn er als Fan sein erstes Erlebnis Bundesliga-Heimspiel hinter sich bringt?

Erneut ergibt sich hier ein größerer Unterschied zur Gegenwart.

Welcher Fan hat in der heutigen Zeit – nach einem Spiel – Gelegenheit in die Nähe von Spielern oder Prominenten zu kommen? Im alten Olympiastadion war das noch ganz anders.

Unterhalb der Haupttribüne gab (gibt?) es ein Restaurant, dass man noch am ehesten mit den heutigen Fan-Treff-Lokalitäten in der Arena vergleichen kann (die Optik der Deckendekoration wurde in den heutigen Businessbereich übernommen). Aber die Spielerautos standen vor der Haupttribüne. Jede Menge Opel mit Münchner Kennzeichen („M-BM 123“). Und kaum Möglichkeiten für die Spieler unerkannt zu den eigenen Karossen zu gelangen. Ein Traum für Autogrammjäger.

Irgendwo in alten Fotokosten liegen die Aufnahmen auf denen wir uns Autogramme von den Sportskameraden Strunz und Mihajlovic holen (wer erinnert sich noch an die Mic&Mac-Zeit beim FC Bayern?).

Gefühlt mehr als ein Jahrhundert her.

So liefen aber die Spiel-Abende in München ab. Und wenn man mit seinem Auto bis ran an das Stadion fährt, hat man es zwar nicht weit bis dahin und beim Ankommen wie Abfahren eine imposante Kulisse, aber man muss gleichwohl die ganze Strecke zurück nach Hause auch wieder fahren. Womit wir beim Punkt der richtigen Entscheidung wären, die Hinfahrt übernommen zu haben…

Machen wir es kurz: Es ist anstrengend. Aber wir haben es geschafft. Und alle anderen Heimspiele (der Vergangenheit als Schüler und Student, „ohne Geld“) haben wir dann mit der Bahn erreicht („130,- Mark, bis zu fünf Mitfahrer zahlen die Hälfte“).

Aber diese „Erlebnisse“ sind ein eigener Bericht.

Fredis Welt oder Bayerische Dampfwalze, Die

Fredi Bobic ist ja per se ein Amüsement. Noch mehr wenn der eigene Verein gegen seinen schwäbischen VfB spielt. Den Gipfel bekommen wir serviert, wenn der Süd-Klassiker Bayern gegen Stuttgart ansteht.

Niemand außer Bobic beherrscht den guten alten Gassenhauer „wir waren eigentlich das bessere Team und Bayern hatte nur Glück“ perfekter als er. Wie anders sind seine Statements am gestrigen Sonntag in der Halbzeitpause und auch noch nach dem Spiel zu erklären?

Eigentlich war sein VfB bärenstark und hatte nur Pech, dass die Bayern jede Torchance – aufgrund von individuellen Fehlern seiner Spieler – nutzten. Und dieser Platzverweis gegen Ibisevic war ja eh unberechtigt. Und der Schiedsrichter sowieso… ach was solls.

Nun. Lassen wir einmal die bayerische Euphorie nach dem phasenweise berauschenden 6:1-Heimsieg außen vor, dann ist es immer noch verwirrend, was Bobic zu seinen Worten trieb.

Für mich steht fest – es muss der Schock gewesen sein. Oder der Schutzreflex. Seine Spieler schützen zu wollen und alle Kritik auf sich zu ziehen. Clever. Alte Hoeneß-Schule. Von daher wird da wohl doch noch ein Schuh draus.

Verlassen wir diese Welt und kehren in die Realität zurück.

Der Verein für Ballsport Stuttgart startete gut in die Partie. Sozusagen wie die Feuerwehr. Ähnlich wie die Fürther vor Wochenfrist. Allerdings mit mehr und besseren Mitteln. Herr Neuer musste mit all seiner Länge früh einen Rückstand verhindern. Derlei Spielweise nötigte mir Respekt ab. Das war frisch, das war pressend, das war voller Willenskraft. 15 wundervolle Minuten lang – aus schwäbischer Sicht.

Dann nahm diese Pracht mit Macht ab, fanden die Bayern sich plötzlich doch zunehmend in der Hälfte des Gegners wieder. Alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen, eine Führung der Münchner nur eine Frage der Zeit.

Wie aus dem Nichts erzielte Herr Harnik in diese bayerische Drangphase hinein die auswärtige Führung.

Zu sagen gäbe es darüber noch, dass man sich durchaus darüber streiten könnte, dass Herr Harnik a) unmittelbar vor der Ausführung des Freistoßes aus dem Abseits kam, b) beim Spielen des Balles sich durchaus allerhöchstens auf gleicher Höhe zum letzten Abwehrspieler befand, vor allem aber c) der FC Bayern völlig zu Recht dafür bestraft wurde, mit einer Standard-Situation in Rückstand zu geraten. Gegen das Standard-Team der Bundesliga. Die trainieren genau solche Situationen. Verrückt.

Die Punkte a) und b) ließ Herr Bobic in seiner Rede übrigens – wahrscheinlich ganz bewusst (ach ne, der Schock) – völlig außen vor. Ja ne, iss klar. Nicht häufiger erwähnte er die elfmeterwürdige Situation gegen den Sportskameraden Mandzukic. Aber lassen wir das, wir bestraften ihn ja später noch dafür…

Apropos Bestrafung.

Ausgerechnet meine beiden „Lieblinge“ wenn es um Mosereien geht – Kroos und Gustavo – sorgten dann für die endgültige Wende in diesen Spiel (und bestraften mich für meine Kritik). Beide erzielten die Führung noch vor der Pause mit strammen, platzierten oder eben weiten Schüssen, die nahezu perfekt ins gegnerische Tor strahlten. Ausgerechnet.

Hatten Gustavo und Kroos doch zuvor – und vor allem in der schwächeren Phase zu Spielbeginn – einige eher durchschnittlichere Aktionen zum Besten gegeben. Nach ihren beiden Glanzlichtern gab es – auch von mir – kaum mehr etwas zu kritisieren. Etwa der #Martinez-Druck? Dann hätten wir ja alles richtig gemacht.

Was mich aber vor allem begeisterte?

Mein Verein kann in dieser Saison offenbar endlich wieder mit Druck umgehen und sogar Rückstände umdrehen. Bis auf weiteres und gegen (noch) stärkere Gegner zu beweisen, klar. Aber allein, was wir gestern gesehen haben, haben wir doch in den letzten beiden Jahren selten gezeigt bekommen, oder?

Waren wir in der Halbzeitpause noch alle beeindruckt von dieser gezeigten Leistung, warteten wir alle auf eine Reaktion der Gäste nach dem Seitenwechsel. Was aber passierte? Es wurde alles noch viel schlimmer. Die Gäste lagen nach 51 Minuten mit 6:1 hinten, mit noch 39 Minuten zu spielen. Drei Tore in vier Minuten – was genau hat derBruno mit seinen Spielern in der Kabine besprochen?!

Die Bayern ließen es hingegen ruhiger angehen. Wohl auch weil sie Stuttgart nicht vollends demütigen und die eigene mediale Erwartungshaltung im Zaum halten wollten. Gut so. Auch wenn es gegen Ende langweilig zu werden drohte. Aber da war ja noch dieser ominöse Wechsel. Javi Martinez und die 77.Minute. Ein Raunen, ein Begeisterung schwappte durch das, inzwischen noch größere Rund der Allianz-Arena.

Natürlich ist klar, dass wir hier nicht sofort und unmittelbar Wunderdinge erwarten sollten – ein Tor oder ein Assist oder sonst was wäre sicher zu viel des Guten für diese Euphorie gewesen, aber allein sein 40-Meter-Pass auf Müller ließ sein Potential erahnen.

Gut ist allein die Tatsache, dass wir einen Schweinsteiger vom Feld nehmen und dafür einen Martinez bringen können. Oder einen Pizarro für einen Mandzukic, einen Shaqiri für einen Ribéry. Noch mehr Gründe ruhiger zu schlafen in dieser Saison.

Sonst noch was?

Ja. Herr Schweinsteiger ist tatsächlich offenbar bald wieder der Alte. Seine gestrige Leistung spricht dafür. Schade für den Boulevard, gut für uns.

Überhaupt gibt es ganz, ganz wenig zu meckern. Und das sage ich als jemand, der gerne mal die Nadel im Euphorie-Heuhaufen sucht.

Perfekter hätte der Eindruck vor der nächsten Länderspielpause nicht sein können, oder? Tabellenführer mit 9:1 Toren und zwei Siege aus zwei Spielen.

Jetzt weiter an der Genesung der verletzten Spieler arbeiten, Martinez integrieren und dann volle Konzentration auf Mainz.

Auf geht’s, Ihr Roten!

P.S. Stimmt es tatsächlich, dass Herr Robben aufgrund einer Erkältung nicht mehr für uns gespielt hat, jetzt aber für Oranje zweimal vor den Ball tritt? Mhm.

Drei Tage im August oder Königstransfer, Der

Er ist da. Javier Martinez. Unser Königstransfer.

Aber welche Anstrengung liegt da jetzt hinter uns? Sicher, unsere Verantwortlichen haben seit Wochen im Hintergrund wie vor den Mikros Europas für diesen Transfer gekämpft.

Aber was haben wir durchlitten? In den letzten Tagen und Stunden?

Ich denke, dass wir unseren Kindern noch von diesen drei Tagen erzählen werden.

Wer meinem Twitter-Account folgt, wird im Ansatz mitbekommen haben, wie sehr mich das mitgenommen hat.

Am Montagabend spürte ich eine ähnliche Erschöpfung wie nach dem verlorenen #FinaleDahoam. Unglaublich eigentlich, spielte sich doch alles nur auf so einem kleinen Smartphone ab. Aber diese Schnipsel, auf die wir uns alle stürzten, jedes Gerücht, jeder Fake wurde gierig aufgesaugt. Ist er in dieser nächsten Maschine? Was sagt der Flughafen dazu, gibt es einen neuen Tweet seiner Freundin und ist das etwa nicht der echte Account von Bilbao?

Aufregung, Anspannung bis zum Anschlag.

Und dann die Ernüchterung. Als er weder in irgendeiner Maschine saß, noch sich viele Meldungen tatsächlich als Gerüchte oder einfach nur falsch herausstellten. Aber morgen, morgen kommt er dann wirklich…

Zu diesem Zeitpunkt war ich fertig mit dem Thema. Meine Twitter-Timeline bekam das zu spüren. Der Dienstag war ruhig. Fast ruhiger als normal.

Erst am Abend kam dann wieder Bewegung in die Sache, als tatsächlich – man kann es gut oder schlecht finden – die ersten Tweets über das Statement der BILD hereinzwitscherten. Und besagtes Blatt hatte sich bei all dieser Hysterie spürbar zurückgehalten. Was Einigen im Laufe der Tage durchaus auffiel und ein gewissen Nachdenken erzeugte. Wie wir inzwischen wissen, war man dort einfach top informiert, denn alles was gesagt wurde (auch vor zwei Wochen), stimmte so ziemlich mit der Realität überein. Woher nur immer wieder diese Infos kommen? Wer konnte die denen bloß gesteckt haben? Aus dem innersten Kreis?

Wie auch immer.

Als in Schwabing eine echte Bombe gesprengt wurde, Feuer ausbrachen und man sich ernsthaft die Frage stellte, was man da eigentlich gerade abfeiern würde (ob der Bilder von den Bränden), platzte gegen 0:00 der Tweet eines eifrigen #SSND-Reporters in unsere Timeline. Ein Bild (eines Films) von Martinez. Auf dem Weg zur sportärztlichen Untersuchung bei unserem Vereinsarzt. Unbemerkt von allen Reportern, die seit Tagen den Münchner Flughafen belagerten. Verrückt.

Als Martinez die Praxis verließ ein weiteres Bild eines BR-Reporters. Gegen 4:00 morgens.

Ich ging um 23:30 ins Bett. Hätte ich Twitter nur 30 Minuten länger genutzt, hätte ich in dieser Nacht wahrscheinlich gar nicht geschlafen. Vor Aufregung.

Dann die Gerüchte über den Besuch beim spanischen Verband am heutigen Mittwoch. Die sich als wahr herausstellten, weitere Sorgen, weil Bilbao in einem letzten Zucken, Martinez‘ unentschuldigtes Fehlen beim 10:00-Training kritisierte und mit Konsequenzen drohte.

Zum Schluss hingegen die Vollzugsmeldung vom FC Bayern (per Twitter! Ebenfalls vor wenigen Tagen noch unvorstellbar.). Ein letztes Aufflackern der Hysterie (die Retweets dieser FCB-Meldung erreichte Rekordwerte) – und dann war nur noch Stille. Also zumindest bei mir. Und auch nur fast.

Aber da war Erleichterung. Grenzenlose Erleichterung. Dass wir diesen Transfer tatsächlich gestemmt hatten. Das wir uns durchgesetzt haben. Gegen Bilbaos Präsident. Gegen die Kritiker von außen (die aber so oder so unsere Transfers kritisieren würden). Und gegen all die anderen Großkopferten aus Madrid, Barcelona, Manchester und Mailand. Oder wer so alles Martinez ebenfalls haben wollte.

Außenstehende sind immer noch verwirrt ob dieser Begeisterung. Auch Bayern-Fans neigen teilweise immer noch zu diesen Gefühlen.

Ich nicht.

Endgültig sind für mich nun die bösen Geister der letzten Saison vertrieben. Als wäre eine Last von meinen Schultern genommen, der graue Schleicher über unserer Vize-Welt weggerissen worden.

Darum geht es! Welcher Bayern-Fan würde in Abrede stellen, dass die letzten beiden Jahre und besonders die letzte Saison, der letzte Mai an unserem Selbstwertgefühl geknabbert hätte? Dieser Transfer ist ein Statement. Ein Statement, dass wir uns das nicht gefallen lassen, dass wir uns wehren, wieder angreifen wollen.

Auch gegen die europäische Konkurrenz, nicht nur die in der Bundesliga.

Warum?

Weil Martinez imho tatsächlich der Spieler ist, der uns in unserem Mosaik noch fehlt.

Wir haben Dante geholt, um die IV zu vervollständigen. Wir haben Shaqiri geholt, um Alternativen zu Ribéry und Robben zu haben. Und jetzt haben wir endlich einen Martinez, der die offene Wunde 6er schließen kann!

Wer will abstreiten, dass der fehlende – mindestens gleichwertige – Ersatz für den verletzten Schweinsteiger in der letzten Saison der Knackpunkt war?

Natürlich hätten wir fast das Triple geholt und es lag eben nicht nur an der langen Verletzung Schweinsteigers, aber als er zurück kam, war er doch in den entscheidenden Spielen noch nicht wieder im Vollbesitz seiner körperlichen wie geistigen Kräfte?!

Und was wäre möglich gewesen, wenn wir z.b. nur im Pokalfinale einen Martinez statt eines Gustavo hätten aufbieten können? Gerade gegen eine solche Mannschaft wie den BVB?

Dazu kann man stehen wie man will, es ist zumindest meine Meinung und ich bin davon überzeugt, dass wir an Martinez noch so einige Freude haben werden.

Willkommen in München, Javier Martínez Aginaga!

Von fränkischen Kämpfern und bayerischer Verkrampfung

Es wird ja alles immer schneller, immer hektischer. In unserer Welt. Sagt man so.

Kann sich der Fußball davon freimachen? Natürlich nicht. Auch der Fußball ist ständiger Veränderung unterworfen. Wer sich nicht anpasst, oder wem nicht ständig etwas Neues einfällt, der fällt zurück.

Vor dieser Saison war die vieldiskutierte Frage: Gewinnen die Dortmunder ihren dritten Titel, ihr dritte Meisterschaft in Folge oder holen sich die Bayern den ihnen – nach eigener Überzeugung- zustehenden Erfolg zurück? Und was müssen die Bayern dafür tun? Was muss verändert werden?

Ich habe mich da bewusst heraus gehalten. Zum einen weil ich andere Sorgen hatte und zum anderen, weil derlei Diskussionen zu nichts führen. Wichtig ist auf’m Platz.

Heute absolvierte unser FC Bayern sein erstes Saisonspiel in der noch frischen Bundesliga. Einer Jubiläumsspielzeit. Und zwar in Fürth.

Vor dem Spiel war ich froher Hoffnung – diese Hoffnung wurde (am Ende) nicht enttäuscht.

Weil es zwar wieder einmal eines dieser „Schweinespiele“ wurde, wo sich unser Gegner nur „hinten rein stellt“ und auf Konter lauert und wir in Handball-Manier in mehr oder weniger großer Entfernung zum gegnerischen Strafraum unsere Kreise ziehen – es aber ein eher selten gekanntes Ende nahm.

Im letzten Jahr hätte ich mir Sorgen über eine erneute Seuchensaison gemacht. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich mir genau diese Sorgen auch bis zum 1:0 gemacht, sah alles doch genauso übel aus wie zuletzt häufig gegen solche Teams.

Und dann diese Ecke von Shaqiri. Einem Neuzugang, der offenbar doch noch ein wenig mit dem Unterschied zu kämpfen hat zwischen Spielen des FC Basel und in der Bundesliga gegen solche Spielentwürfe.

Aber es war eben eine Shaqiri-Ecke. Und alles was mit dem ruhenden Ball zu tun hat, scheint Shaqiris Ding zu sein. Ganz offensichtlich trainiert der Kerl so etwas.

Die Ecke erreichte den nächsten – kopfball-starken – Neuzugang Dante, der fast schon die Führung erzielte. Offenbar kurzzeitig verwirrt ob dieser Aktion, verlor die fränkische Abwehr den Überblick und Thomas Müller aus den Augen, der, in der für ihn typischen Art und Weise den Ball in die Maschen drosch.

Da war er. Der Silberstreif am Horizont. Die Hoffnung, dass sich doch etwas ändern könnte. In dieser Saison. Dass die dunkle Zeit der schwarz-gelben Macht ein Ende finden kann. Erleichterung all überall.

Was so ein paar – gezielte – Neuzugänge ausrichten können.

Auf einmal wurde aus fadem Grau ein helleres Weiß. Die bayerische Verkrampfung löste sich. Spürbar. Und die fränkischen Kämpfer spürten ein erstes Zweifeln. Ein Zweifeln, ob man vielleicht doch nicht Mönchengladbachs Borussia nacheifern könnte – das erste Spiel der Saison sei immer das leichteste gegen die Bayern.

Falsch gedacht.

Es kam schlimmer. Und den Fürthern wurde klarer, dass die 40 Punkte wohl doch in den restlichen Spielen geholt werden müssen…

Gibt es trotz des – am Ende – souveränen Sieges Anlass zur Kritik?

Natürlich, denn nur durch Kritik wird man… ach lassen wir diese Allgemeinplätze mal kurz außen vor.

Die Maßnahme, auf der vakanten LAV-Position mit Badstuber eine in der gesamten Vorbereitung unerprobte Lösung der Besetzung des Sportkameraden Can vorzuziehen, sollte sich als goldrichtig erweisen. Man sah von Badstuber kaum etwas. Und das ist positiv gemeint. Bei Can sahen wir in den entsprechenden Spielen nur Sorgen. Ein Fortschritt. In diesem temporären Problem. Alle verletzten AVs sind schließlich auf dem Weg der Genesung.

Dante gab den Abwehrchef und zog so Boateng mit, der imho erneut unterstrich, dass er aktuell nur IV #03 ist.

Lahm spielte ok bis gut, ist aber auch noch nicht wieder fehlerlos oder gar in Top-Form.

Das defensive Mittelfeld erneut nur mittelprächtig besetzt. Klar, sowohl Gustavo als auch Kroos hatten ein paar gute Szenen, aber so arg viel trugen sie nicht zur Unterstützung unserer stetigen Offensivbemühungen bei. Leider. Ist aber auch nicht deren Aufgabe. Besagten Basken erwähne ich explizit nicht. Mit der Einwechslung des immer noch nicht wieder voll ein planbaren Schweinsteigers wurde es offensiv geringfügig besser, es blieb aber ein Muster ohne Wert, da zu diesem Zeitpunkt der Gegner schon geschlagen war.

Unsere Außenstürmer Shaqiri und Robben agierten lange Zeit fahrig und blass. Erst später, als die Bayern in HZ2 den Gegner mehr oder weniger im Griff hatten, ergaben sich die notwendigen Räume – vor allem für Robben – Shaqiri braucht diese durch seine Schnellig- und Wendigkeit ja nicht so wie unser Holländer. Kurzum: Beide wurden besser und gefährlicher.

Müller und Mandzukic zeigten sich bemüht und hatten bis zur bayerischen Führung die gleichen Probleme wie alle anderen Teamkollegen.

Wenn wir das Spiel zusammenfassen wollen:

Es bleibt noch Luft nach oben – ABER ein Sieg zum Auftakt, in der Tabelle zunächst einmal vor dem BVB zu liegen – derlei hatte ich nicht erwartet, nur gehofft.

So kann es aber weiter gehen und es gefällt mir fast alles viel besser als noch vor Jahresfrist!

Jetzt alle Verletzten schön weiter gesund pflegen und ab morgen volle Konzentration auf Stuttgart.

Auf geht’s, Ihr Roten!