Wenn wir wollen, machen wir Euch platt, mein lieber Willi.

Selten zuvor war mir der Ausgang eines Gastspieles meines FC Bayern in Bremen egaler.

Ich hätte mit einem Remis oder gar einer Niederlage leben können. Allein, um alle relevanten Spieler für das Championsleague-Halbfinale gegen Real am Mittwoch in Madrid in die größtmögliche Form zu bringen.

Meine Wünsche wurden weitestgehend erhört. Und all denen, die diesbzgl. im Vorfeld von „Wettbewerbsverzerrung“ faselten sei gesagt:

Neuer, Schweinsteiger, Müller?

Dazu noch fünf weitere Nationalspieler aus Brasilien, Kroatien und der Ukraine?

Aber lassen wir das.

Ich war – wie erwähnt – neutral. Bis, ja bis ich die Übertragung einschaltete und unseren Freund Willi Lemke von dem Sky-Mikro erleben durfte. Murmeltiertag. Es ist Heimspiel gegen die Bayern und der Willi darf endlich auch mal wieder ins Fernsehen. Ein wohliger Hauch von eigener – erfolgreicherer – Vergangenheit. Ach, der Willi. Immerhin dient er noch dazu, dass man seine Neutralität für ein so dermaßen unwichtiges Spiel komplett vergisst.

Urplötzlich war mir der Ausgang ganz und gar nicht mehr egal. Ich wollte, dass wir es diesem s**************n D*******n doch noch einmal zeigen. Zu dumm, dass zu diesem Zeitpunkt die B-Aufstellung schon fest stand.

Dann das Spiel. Und die Verwunderung, dass die Bremer mit ihrer aktuellen Elf tatsächlich noch schwächer waren als unsere überwiegenden Ersatzbank-Kräfte (jaja, ich weiß, ein Widerspruch zu meinem Widerspruch von oben). Darüber würde ich mir Sorgen machen, mein lieber Willi. Aber gut, Hauptsache man „wollte in diesem Spiel den Grundstein legen für eine Europapokalteilnahme“. Gegenfrage Herr Lemke: Was hat solch‘ eine Mannschaft in der Europa-League verloren?

Nein, da sind mir Teams wie Schalke oder gar Hannover doch ‚zig mal lieber.

Nicht unsere Baustelle.

Das Spiel ließ sich gut an. Und immer wieder diese Gedanke: Meine Güte, sind diese Bremer schlecht. Denn – und da beißt die Maus keinen Faden ab – es war kein Ruhmesblatt bayerischer Fußballgeschichte. Aber wir hielten das 0:0 und Herr Petersen (in welcher Sprache heißt dieser Name eigentlich „Pech Marie“?) zeigte uns erneut, wie existenziell wichtig Spielpraxis für manche Spieler ist.

Ich komme mit dem Zählen durcheinander, aber wie viele Chancen hat er nun in dieser Saison vergeben wie die allererste? Fast allein vorm Tor und dann über den Ball zu treten? Und dann dieser Knaller ans Lattenkreuz?

Auf der anderen Seite: Das ist – und hier empfindet jeder Bayern-Fan unmittelbar die Dramatik – um ein vielfaches gefährlicher, als das, was Herr Olic über die gesamte Saison angeboten hat!

Allein durch ihn hätten wir Werder schon zur Halbzeit am Boden gehabt.

So wurde es noch einmal kurzzeitig spannend, als Herr Rafinha nicht auf Herrn Neuer vertraute und den Ball zum Einwurf klärte, der zu einer Ecke führte, die aufzeigte, dass die Herren Gustavo und Timoschtschuk alles andere sind, aber keine Innenverteidiger. 1:0 für Bremen. Ups. Gefühlt irgendwie aus dem Nichts. Und das im Zusammenhang mit meiner Lemke-Emotion von vor dem Spiel – man kann sich meine Gedanken vorstellen.

Real, BVB-Meisterschaft hin oder, dieses Spiel durfte nicht verloren werden!

Tatsächlich kam es dann sogar so. Und kaum ein Spiel im Weserstadion – vielleicht die erste Ribéry-Gala 2007 – zeigte deutlicher, wie viel Boden Bremen auf die Bayern seit deren letzter Meisterschaft 2004 verloren hat.

Die bayerische B-Elf wehrte sich und die Bremer konnten nichts, aber rein gar nichts dagegen machen. Und selbst die folgenden Konter beunruhigten mich nicht.

Als dann auch noch unser Trainer der gleichen Überzeugung war wie ich, kamen Kroos, Ribéry und Gomez.

Alter Schwede, hätte allein Ribéry beim Anpfiff auf dem Platz gestanden, allen Bremern auf seiner Seite müsste man immer noch die Knoten aus den Beinen friemeln. Was für ein Qualitätssprung!

Wer hier nun erneut von Bayern-Dusel schwadroniert, hat entweder das Spiel nicht gesehen, oder bleibt für den Rest seines Lebens in seiner Schublade klemmen (Elfmeter gegen Müller?).

Wenn unsere C-Defensive die Bremer dermaßen in Schach halten kann und deren Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste tapert, dann muss der Auswärtssieg die zwingende Konsequenz sein. Selbst wenn es dazu ein Eigentor des verhinderten Helden Naldo und eines Ribéry-Treffers in der 90.Minute braucht.

Dieser Ablauf war mir eine innere Vizemeisterschaft und behält einen Platz in meinem Herzen. Ist man ehrlich gibt es ohnehin ein massives Übergewicht dieser Bremen-Momente gegenüber Lemke-Interviews. Und somit lege ich diese Emotion wieder in meine Schublade. Bis zum nächsten Jahr und einem erneuten Gastspiel an der Weser. Und dem nächsten Lemke-Interview (vorher wird es ja keins geben im deutschen Fernsehen).

Noch ein paar ergänzende Worte:

Mein Anspruch an dieses Spiel war gering. Und dieser wurde übertroffen. Ich meckere nicht. Über goar nischt. Alles was wichtig war, ist wie gewünscht eingetreten. Kein Spieler hat sich verletzt und alle für Madrid relevanten Akteure haben sich entweder komplett schonen können (Robben, Lahm, Badstuber (ok, Gelb-Sperre), Boateng, etc.) oder nicht wirklich verausgaben müssen (Gomez, Ribéry, Kroos). Ferner bekam Herr Schweinsteiger (erneut ein erhabenes Gefühl unseren „echten“ Kapitän mit der Binde zu sehen, hach) seine weitere Spielpraxis.

Alles bestens.

Ab sofort gilt dann der Fokus Madrid. Denn die Liga ist endgültig durch. Wir sind sicher Vizemeister, Stuttgart sicher in der Europa-League und kaum noch mit Chancen auf Platz 4 und die CL – somit bliebe nur noch der kölsche FC, aber der muss sich einfach mal selbst helfen. Andererseits: Übertreiben muss man es ja nicht und die englischen Wochen sind am Mittwoch ebenfalls zu Ende.

In diesem Sinne:

Auf geht’s, Ihr Roten!

P.S. Glückwunsch, BVB. Wer gewinnt hat Recht. Immer!

Königliches Wechselbad. In Toren und Qualität.

Die Bayern haben Real Madrid im Halbfinal-Hinspiel der Championsleague geschlagen.

Wer hätte dies nach der Trübsal der letzten Tage erwartet?

Ich hatte zwar meine Zweifel, aber von einem knappen Sieg war ich ausgegangen, bzw. ich hatte ihn erhofft.

Ob man das nun wirklich braucht, unserer Abwehr beim Tiefschlaf vor dem 1:1 zuzuschauen, sei mal dahin gestellt, aber man wird dann ja mit solch einer Gesamtleistung entschädigt. Und diese Leistung war aller Ehren wert.

Real Madrid traf auf den ersten schweren Gegner der Europapokal-Saison – den FC Bayern – und verlor prompt das erste Spiel. Schlimm ist das nicht.

Ob Real jetzt nicht wollte, weil sie so unfassbar auf ihre eigene Heimstärke bauen, oder wir sie nicht zur Entfaltung kommen ließen? Mir wumpe.

Ich fand das Spiel meines Vereins über weite Strecken attraktiv. Taktisch attraktiv. Wenn ich auch zwischendurch sehr desillusioniert war. So rund um den Ausgleich der Spanier.

Aber das ist eben Championsleague und nicht Bundesliga oder Spiele gegen den BVB – die Bayern kamen zurück. Und wie.

Die Aktion unseres Kapitäns vor dem 2:1 ließ ein wenig von der Klasse aufblitzen, die er einmal hatte. Hätte er nur – einmal mehr – vor dem Ausgleich nicht den Überblick und seinen Gegenspieler verloren, es hätte ein perfekter Abend werden können.

Andererseits: Kommt die Maschine Real im Rückspiel ins Rollen, ist es, glaube ich, völlig gleichgültig, ob sie ein oder drei Tore schießen müssen.

Die Frage wird jetzt nur sein: KOMMT sie ins Rollen?

So sehr ich die Leistung von einigen Bayern-Akteuren auch kritisieren muss (Schweinsteiger noch immer spürbar außer Form, Gustavo noch zu oft schlampig oder Kroos teilweise komplett untergetaucht, etc.), so sehr muss ich doch die Tatsache loben, dass wir tatsächlich Real nicht mehr als unbedingt nötig haben zur Entfaltung kommen lassen! Real Madrid. Mourinhos Madrid.

Respekt.

Ein Ronaldo hat sich hier bestimmt nicht mit Absicht abmelden lassen. Der wollte sicherlich so oder so glänzen, dem Spiel seinen Stempel aufdrücken und mehr als diesen Assist mitnehmen. Wir reden hier schließlich vom Championsleague-Halbfinale.

Nein, im Großen und Ganzen war das mehr als ordentlich.

Unsere linke Seite hat erneut richtig Alarm gemacht – Alaba und Ribéry funktionieren immer und immer besser. Selbst unsere rechte Seite wurde – als es gegen Ende darauf ankam – noch mal richtig stark (Stichwort Lahm, siehe oben)!

Zur Abwechslung sahen wir selbst einen Herrn Müller mal wieder erfrischend agil. Ob dies seine neue (Bank-)Rolle sein könnte? Zumindest bis er wieder NM-Form im Verein zeigen kann? Könnte sein.

Was wir alle über den Sportskameraden Schweinsteiger zu sagen haben, haben wir inzwischen wohl gesagt. Unser Ex-Trainer Hitzfeld hat ja mal zum Besten gegeben, dass ein verletzter Spieler immer so lange bis zur Topform braucht, wie er verletzt war. Prost Mahlzeit.

Andererseits hätte es vielleicht für unsere Saison-Endphase gereicht, wenn nicht ein schwäbischer Holzhacker mit bayerischen Wurzeln zugelangt hätte – aber lassen wir das…

Dafür spielt derBastian dann halt die 90 Minuten in Bremen durch. Als einer der wenigen Stammspieler. Oder wie will unser Trainer sonst mit dieser sehr speziellen Situation umgehen?

Das Rückspiel in Madrid wird ein echtes Schweinespiel (sic!) werden. Viel schlimmer als ein mögliches Endspiel gegen Barca (da werden wir ohnehin nur hinterher laufen). In Madrid, das wird richtig übel. In jeder Hinsicht. Da braucht es ausgeruhte, körperlich intakte Spieler, damit auch mental alles im Reinen ist. Denn wer dort nur mit 80% antritt, kommt zumeist zu spät und holt sich schnell die Gelbsperren ab, denn davon haben wir immer noch ’ne Menge zu befürchten.

Im Umkehrschluss kann uns die Bundesliga doch jetzt mal wirklich egal sein, oder? Wen interessiert Bremen? Und deren Gegner um die Europa-League-Plätze?

Da bin ich mal ganz arrogantes Erfolgs-Bayern-Fan-Arschl**h! Hier geht’s um die inzwischen 50:50-Chance (vor dem Spiel eher 40:60) ein Finale im Europapokal im eigenen Wohnzimmer zu erreichen. Punkt. In anderen Ligen wird deshalb ein ganzer Spieltag verschoben und noch nicht mal drüber diskutiert. Also bitte.

Zurück zum Spiel.

Insgesamt und in der Summe bin ich zufrieden.

Man kann das 1:0 durch Ribéry aufgrund einer Abseitsstellung abpfeifen. Man muss allerdings auch mindestens einem Spanier ’ne rote Karte geben. Und manch‘ nervöser Bundesliga-Schiedsrichter gibt in diesem Spiel auch ’nen Elfmeter.

Aber wie gesagt, ich bin zufrieden wie es gekommen ist. Und nicht eine(!) Gelb-Sperre haben wir zu beklagen – wohl das größte Kunststück nach diesem Spiel.

Was es jetzt zu tun gilt?

Voller Fokus auf das Rückspiel in Madrid, Abschenken des Bremen-Spiels und weitere Steigerung der eigenen Effizienz. Wir werden nicht viele Chancen in Bernabeu bekommen, da muss die erste, oder spätestens zweite Chance schon sitzen. Bämm.

Wir können das, wir haben es nicht nur einmal bereits bewiesen. Also nicht diese Mannschaft. Aber diese Mannschaft kann so ebenfalls zur Legende werden. Und wie geil wäre es, zwei Endspiele in drei Jahren erreicht zu haben? Kahn-, Effenberg- und Elber-Niveau!

Auf geht’s, Ihr Roten!

P.S. Meine Aufstellung für das Bremen-Spiel.

Sandwich-Wochen beim FC Bayern, Die

Die Saison biegt auf ihre endgültige Zielgerade. Und schon ist die Luft raus aus der Meisterschaft.

Kaum erholt vom Gastspiel in Dortmund, enttäuschte uns Schalke 04 mit seiner Heimniederlage und gipfelte alles im Heim-Remis unseres Vereins gegen den Karnevalsverein aus Mainz.

Die schwarzgelbe Borussia braucht noch einen (oder von mir aus zwei aufgrund der Tordifferenz) Punkt zur Titelverteidigung. Eine Gratulation kommt dann, wenn es fest steht.

Respekt muss man allen Beteiligten aber jetzt schon zollen.

Den Dortmundern für ihre unfassbare Serie. Und hier ist nicht gemeint, dass sie so lange ungeschlagen sind (eine Niederlage ist schließlich kaum schlechter als ein Remis), nein, diese vielen Siege stehen für die Dominanz der bekloppten Kicker. Ein „abgeschlagener“ Zweiter mit inzwischen schon 64(!) Punkten am 31.Spieltag (am Ende um die 70 Punkte möglich!) sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache.

Den Bayern müssen wir hier auch anderweitig gratulieren. Diesen emotionalen (sic!) Absturz über das Mittwoch-Spiel bis hin zum 0:0 gegen Mainz, den hätten nicht alle so verkraftet. Andere hätten wahrscheinlich nach der Ansicht und Kenntnis des Sieges im Revierderby noch das eigene Heimspiel verloren. Mehr Luft-raus geht imho nicht.

Wie sehr wir jetzt wieder die Kurve kriegen für die restlichen Spiele muss man abwarten. Der Fluch der guten Tat hat die Bayern aber nun endgültig eingeholt. Wir sind mitten drin in den Sandwich-Wochen und der nächste Gegner, der in der Bundesliga davon profitieren könnte, sind die Bremer. Wobei dies natürlich vom Hinspiel-Ergebnis am Dienstag abhängt.

Liefert uns dieses Ergebnis eine gute Chance für das Rückspiel wird wieder kräftig rotiert. Ist schon vorher (fast) alles verloren (Heimniederlage gg. Real, etc.) sieht das vielleicht anders aus.

Also so würde ich das zumindest machen (die Bundesliga abschenken). Aber ich habe ja weder Ahnung von, noch Verantwortung im Fußball.

Trotzdem kurz ein paar Sätze zum Heimspiel gegen die Mainzer.

Die Mainzer haben aus meiner Sicht ihren Höhenflug beendet. Zwar sieht sich Herr Tuchel wohl immer noch eigentlich in der Championsleague, aber was seine Spieler in München ablieferten, hatte mit deren Auftritt in der letzten Saison rein gar nichts mehr zu tun. Das war wieder das Mainz, das wir zuvor gerne mal 5:2 oder 4:0 geschlagen haben.

Etwas Ähnliches räumte Herr Tuchel nach dem Spiel ein. Ein Anfang.

Defensiv stand unser Gegner zwar gut, hier kam ihnen aber entgegen, dass DonJupp für die Startelf massiv die Rotationsmaschine angeworfen hatte und z.B. ein Herr Olic für sein – wie man so hört – neues Vertragsangebot nur exakt ein gutes Spiel absolvieren musste in dieser Saison.

Und dabei war seine vergebene Monsterchance kurz vor dem Halbzeit-Pfiff noch das Highlight. Ferner noch der Pfosten-Knaller von unserem ebenfalls verlängerten ukrainischen 6er. Fertig ist die erste Spielhälfte. Schlimm.

Nach der Einwechslung der Sportskameraden Ribéry, Gomez und Kroos wurde es phasenweise besser, am Ende reichte es aber nicht. Es reichte nicht einen Gegner wie Mainz zu besiegen. Einen Gegner, der über 31 Spieltage vielleicht doch nicht nur Pech hatte, um jetzt völlig zu Recht auf Platz 12 zu stehen. Wie gesagt. Ein Schatten der letzten Saison. Auch gegen dieses Team haben wir nur einen von möglichen sechs Punkten geholt. So wird man Vizemeister.

Ich persönlich hoffe doch mal das Allerbeste, dass unsere sportliche Führung es schafft unsere Spieler für das Spiel am Dienstag auf ein ganz anderes, in dieser Saison noch nicht gekanntes Niveau zu heben. Von der Einstellung, der Physis, dem Biss, dem Willen. Denn derlei wird es brauchen um gegen das Mourinho’sche Real zu bestehen.

Herr Heynckes behauptet ja, „Real aus dem Effeff zu kennen“. Vielleicht das Real aus dem Jahre 1998. Aber gegen ein derartiges Real würde ich mir auch weniger Sorgen machen. Nein, das ist natürlich Unsinn. Herr Heynckes weiß hier goar nüscht. Er kennt Videos, er kennt Analysen, Spielbeobachtungen seiner Scouts. Aber innerhalb von 14 Jahren verändert sich ein Verein wie Real ein wenig. Zumindest mehr, als man in einer Spielzeit erfährt, oder?

Wie auch immer.

Dieser Tage sind die Spiele unseres Vereins eine Wundertüte. Und einfacher wird es sicher nicht. Totalrotation in der Bundesliga? Geht dann der Spielfluss verloren? Stammkräfte nicht schonen? Dann gehen wird bald endgültig am Krückstock.

Ein Mittelweg ist wichtig. Zur Abwechslung mal Herrn Lahm zu schonen war ein erster richtiger und wichtiger Schritt. Zum einen weil dann endlich mal der „echte“ Kapitän auf dem Platz stand und zum anderen weil mir schon länger kein konkreter Grund für diese Rekord-Startelf-Serie unseres Kapitänchens mehr einfiel.

Erneute Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es ihm gut getan hat und er in der Championsleague seine bessere Seite zeigen kann.

Ob Herr Gomez jetzt wirklich eine Schonung gebraucht hätte, kann ich „von außen“ nicht beurteilen. Erstens weil er sicher nicht der Spieler im Kader ist, der traditionell am meisten läuft und zweitens weil er die Olic-Chance der ersten Halbzeit mit Sicherheit verwertet hätte. Und bevor jemand fragt: Seine vergebene „Heber“-Chance war sicherlich komplexer als die von Herrn Olic. Ivica lief schon allein auf das Tor zu. Gomez musste in Bruchteilen von Sekunden eine Entscheidung treffen, da der Abwehrspieler kurz davor war, an den Ball zu kommen.

Nun, es nützt ja nix.

Einfach beim nächsten Mal besser machen. Und das nächste Mal steht am Dienstag an. Mit dem bislang schwersten Spiel für Real in der laufenden Championsleague-Saison. Klingt komisch, ist aber so. Oder würde jemand behaupten wollen, dass Madrid in der bisherigen Saison Gegner vom Kaliber der Bayern vor den Stiefeln hatte?

Von daher – und das ist jetzt mal etwas Positives – wollen wir doch erst einmal sehen, wie diese „Wundertruppe“ auf eine europäische Top-4-Mannschaft wie uns reagiert. Zumal man in der eigenen Liga ja – bis auf Barca – keinerlei Konkurrenz hat.

Wer dies für das berühmte Rufen im Walde hält, sollte vielleicht doch das Spiel am Dienstag abwarten. Meine Empfehlung. Die Arena wird brennen. So wie sie dies in vergleichbaren Spielen immer tat. Auch schon im Olympiastadion.

Gehen wir also frohen Mutes in unsere Sandwich-Pokal-Wochen. Und machen wir in der Liga das Beste draus.

Auf geht’s, Ihr Roten.

Schwarzgelbe Ära oder Rabenschwarzer Robben

Ich bin immer noch leer. Irgendwie. Aber es hilft ja nix. Also fangen wir an.

Eine Niederlage entscheidet keine Meisterschaft. 34 Spieltage sind da schon eher ein Brett. Aus genau diesem Grunde kann man dem Sportskameraden Arjen Robben hier auch nicht den verlorenen Titel ankreiden.

Zielführend wäre eher, zu erwähnen, dass er uns in den letzten Spielen mehrfach den Arsch gerettet hat, damit wir überhaupt in diese „Endspiel“-Situation gegen den BVB kommen konnten (Torvorlage gegen Mainz, Siegtreffer in Nürnberg, etc.).

Natürlich ist das übel, dass Robben a) vor dem 0:1 zu langsam vom Pfosten wegläuft und somit das klare Abseits von Lewandowski aufhebt, b) den Elfer derart läppisch in die Arme von Weidenfeller schiebt und c) drei Meter und frei vorm Tor kurz vor Schluss den Ball nicht über die Linie drückt.

Das hatte was von Gomez EM 2008.

Womit wir beim Thema wären.

Robben war zwar gestern an drei Szenen beteiligt, die allein das Spiel entscheiden hätten können, aber was kann er dafür, dass wir jetzt in zwei Spielen gegen den BVB – die zwingend Remis enden müssen – als Verlierer vom Platz gehen?

Beim Hinspiel hätte Herr Boateng einfach den Überblick behalten können, damit Herrn Götze der Ball nicht knapp vor dem Tor vor die Füße fällt und er ihn mit der Picke in unser Verderben zimmert.

Ferner hätten seine 10 Spielkameraden schon in Halbzeit 1 eine derartige Leistung wie über die meiste Zeit des zweiten Spielabschnitts zeigen dürfen.

Wobei, Halt, es sind ja nun die immer gleichen Phrasen. War Dortmund in HZ1 zu stark und hat die Bayern in HZ2 einfach machen lassen? Oder war es schlicht und einfach anders herum?

Diese Sichtweise scheint zumeist nicht von Fakten geprägt sondern von den Emotionen. Und am Ende des Tages interessiert es eh kaum jemanden.

Aus meiner Sicht befinden wir uns mitten in einer schwarzgelben Ära. So schwer dies für uns und unsere Führung zu akzeptieren sein mag, aber eine Meisterschaft kann man überraschend erringen (wenn auch nicht unverdient), eine zweite, dafür benötigt man schon eine gewisse Klasse.

An exakt diesem Punkt unterscheidet sich der BVB von Wolfsburg und Stuttgart oder wie all diese Einmal-Meister der letzten Jahre so hießen.

Zusätzlich muss man an dieser Stelle einräumen, dass auch die üblichen bayerischen Reflexe, jetzt die Schatztruhe aufzumachen, sicher nicht die früher gewohnten Wirkungen zeigen wird.

Dortmund hat eine Mannschaft. Eine Strategie, einen Plan und einen massiven Zusammenhalt. So sehr mich die schwarzgelben Dauergrinser auf der Mattscheibe auch nerven: Sie sind im Recht (abgesehen von Herrn Weidenfeller vielleicht, der vor dem Elfmeter keine Berührung gespürt haben will) und wir werden ihnen so ohne Weiteres nicht beikommen können.

Derlei Hoffnungen hatten wir ja schon nach dem Abgang von Herrn Sahin und der Verletzung von Herrn Götze. Falsch gedacht.

Nein. Schauen wir den Fakten ins Auge: Der BVB hat das gemacht, wozu ein FC Bayern nie in der Lage sein wird: Mit Geduld und Weitsicht etwas aufgebaut, wovon man nun zehren kann. Punkt.

Zum FC Bayern.

Die Bayern haben ein Gerüst, haben Spieler, die durchaus funktionieren. Nicht ohne Grund werden wir wahrscheinlich der beste Zweitplatzierte in der Bundesliga-Geschichte werden.

Das Problem: Wir haben unser Potential trotzdem nicht oft genug abgerufen, haben zu viele entscheidende Fehler gemacht (Neuer, Robben, Chancenverwertung, etc.) und haben tatsächlich und immer noch kein Konzept gegen Teams wie den BVB & Co.

So einfach scheint das zu sein. Und da sollten wir uns ob des verschossenen Elfmeters auch keinen Sand ins Auge streuen (ich habe bewusst noch keine FCB-Statements gehört, gelesen).

Was gestern gut war:

  • Herr Neuer. Ohne ihn, hätten wir schon in der Anfangsphase einem Rückstand hinterher laufen müssen. Und auch den Rest des Spiels wirkte er sicher und souverän. Das Westfalenstadion scheint ihm zu liegen.
  • Herr Alaba. Respekt, wie der Junge mit dieser Stimmung und diesem Druck umging. Hätte vielleicht besser er den Elfer schießen sollen? Im Pokalhalbfinale hat er mich diesbzgl. überzeugt.
  • Unsere Defensive. Klingt komisch, ist aber so. Vergleicht man das gestrige BVB-Spiel mit dem Rest der Saison, dann sind wir ja nicht gerade überrannt worden, oder? Herr Lewandowski (klasse Stoßstürmer, der perfekt die Bälle halten und abschirmen kann – großer Unterschied zu Herrn Gomez übrigens) konnte sich, speziell in HZ2, kaum noch durchsetzen in entsprechenden Kontersituationen. Überhaupt haben wir kaum gefährliche Konter zugelassen. Über den größten Teil der zweiten Spielhälfte.
  • Herr Gustavo. Ja, tatsächlich. Abgesehen von einigen Drehungen Kagawas, bei denen er überfordert war, hat er den Laden doch weitestgehend dicht gemacht, oder? Nicht von ungefähr wurden seine Gegenspieler im späteren Verlauf ausgetauscht.

Was nicht so prickelnd war:

  • Herr Kroos. Weder defensiv, noch offensiv. Da kam kaum etwas.
  • Herr Müller. Ein Schatten.
  • Herr Gomez. Kaum zu sehen, ihm fehlten aber auch die Anspiele.
  • Herr Lahm. Darf vor dem entscheidenden Eckball gerne seinem Gegenspieler hinterher laufen. Dann kommt es vielleicht gar nicht zu diesen Ecke.

Apropos Ecke.

Auf Twitter las ich, dass besagte Ecke eventuell „irregulär“ ausgeführt wurde. Was bedeutet das? Lag der Ball nicht korrekt auf der Markierung? Stand da etwa kein Linienrichter, der das kontrollierte? Die sind doch sonst so penibel dabei.

Wie auch immer. Daran hängen wir uns nicht auf. Der Schiedsrichter hat doch imho eine gute Leistung geboten.

Und noch einmal: In Dortmund kann man mal verlieren. Auch zweimal. Oder von mir aus viermal. Aber Punkte in diesen läppischen Spielen gegen – zum Beispiel der Hamburger SV – die haben uns das Genick gebrochen. Der FC Bayern hat zwischendurch 15(!) Punkte auf Borussia Dortmund verloren. Wie kann man da das gestrige Spiel oder Robben für die verlorene Meisterschaft verantwortlich machen?

Die Münchner stehen nun vor einer entscheidenden Frage:

Die Meisterschaft her schenken (schnell noch die letzten Punkte für die sichere CL-Qualifikation sichern) und voll auf die restlichen Pokale konzentrieren? Oder in allen Spielen Vollgas geben um im Rhythmus zu bleiben?

Ich würde zu einer Mischung tendieren.

Gegen Mainz zunächst mit einer 1b-Elf starten und notfalls später (wenn für den Sieg nötig) noch einmal „Stars“ von der Bank einwechseln. Somit könnte der Fokus auf die ohnehin nur vagen Chancen gegen Real Madrid gerichtet werden.

Schlimm genug, dass wir uns jetzt auf Siege gegen Real und Barca verlassen müssen um noch Titel zu holen. So wie ich unseren Verein und seine Führung einschätze, steht der Grad des Öffnens der Schatztruhe aber im direkten Verhältnis zur Zahl der Titel, die wir jetzt noch holen.

Es hilft ohnehin nichts, das Leben geht weiter. Eine Einstellung, die unsere Gegner über viele Jahre haben mussten.

Was ich mir für die nächste Saison wünsche?

Das der BVB – endlich – auch einmal in der Championsleague die Gruppenphase übersteht. Erstens „für den deutschen Fußball“ und zweitens, damit diese Mannschaft endlich einmal eine Ahnung von dieser Belastung erfährt. Ansonsten stehen wir beide (der BVB und wir) in 12 Monaten vor der exakt gleichen Situation.

Muss ich nicht haben.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Die Augsburger in der Arena – ein Hauch von 2001.

Nach langer Zeit einmal wieder ein Spielbericht über ein Spiel unseres FC Bayern, der nicht auf Live-Bildern basiert.

Gerade habe ich die Aufzeichnungen der üblichen verdächtigen TV-Sendungen konsumiert und in Verbindung mit Euren Kommentaren hier, Twitter und Facebook kann ich mir – so denke ich zumindest – ein ganz gutes Bild machen.

Die Bayern spielten gegen Augsburg und so schwer wie phasenweise das Hinspiel wurde es auch am Samstag.

Augsburg hatte so gar nicht die Absicht uns die drei benötigten Punkte freiwillig zu überlassen. Zu dumm vor dem wichtigen Spiel in Dortmund. Andererseits hatte ich nichts anderes erwartet.

Blöd wiederum, dass wiederum unsere Spieler offenbar dachten, dass das Problem mit dem Gegner nach 24 Sekunden erledigt gewesen zu sein schien. Falsch gedacht.

Kurz danach sahen die 69.000 Zuschauer bis zur Halbzeit ein Spiel, das völlig zu Recht beim Kabinengang remis stand.

Was wir als Bayern(-Fans) daraus lernten?

Das wir unsere nächsten Gegner unserer Defensive nicht zwingend alleine aussetzen sollten. Was wohl Dortmund oder Real mit uns anstellt, wenn wir uns – defensiv (also alle elf Spieler) – so präsentieren? Mhm.

Gegen Augsburg reichte es dann zum Ende doch noch zum zwar knappen, aber insgesamt wohl verdienten Sieg.

Nicht mehr und nicht weniger war hier das Ziel. Schließlich sind wir alle in der (vor-)entscheidenden Phase der Saison. Und hätten wir zum Start in die Rückrunde nicht… ach lassen wir das.

Gut an dem Spiel war, dass

– wir das zweite Tor noch gemacht und dann kaum mehr zugelassen haben
– Herr Schweinsteiger wieder dabei war und offenbar integriert wirkte (90 Minuten mehr Spielpraxis)
– Herr Ribéry weiter unsere Turbo-Lebensversicherung ist
– Herr Gomez sich von Spielzeit zu Spielzeit zu steigern vermag

Undsoweiterundsoweiter.

Mir gefiel das, was ich in den jeweiligen Zusammenfassungen gesehen habe. Es gab hier wie da eine Situation, die man eventuell mit Elfmeter hätte bestrafen können, es gab Chancen in Hülle und Fülle – auch in ihrer Verteilung dem Ergebnis angemessen und sowohl Augsburg als auch wir können damit leben.

Ohnehin hat man in dieser Rückrunde den Eindruck, dass Augsburgs Tabellenstand mehr als täuscht und Ergebnisse wie das 0:0 gegen Dortmund kein Zufallsprodukt sind. In dieser Form hat Augsburg nichts mit dem Abstieg zu tun. Zu Recht.

Was gut für uns ist?

Seit vorgestern gilt jede Konzentration dem BVB. Nicht Real, nicht Mainz, nein, allein der BVB ist das Thema. Und wir sind gut drauf, besser als im Hinspiel. Ob es zum benötigten 3er reicht? Wir werden es erleben.

Warum aber der obige Titel?

Wenn man ein Spiel nicht live verfolgen kann, sondern nur auf seehr langsame (kein 3G) Smartphone-Apps angewiesen ist, kann man nicht einschätzen, wie sehr Spielstände der Spiel-Realität entsprechen. Auf jeden Fall durchlebte ich ein Wechselbad.

Ein frühes 1:0 der Bayern mit der Perspektive auf ein „Schützenfest“ und ein „langes“ 0:0 der Dortmunder in Wolfsburg.

Positiv.

Dann – in gleicher Minute – der Ausgleich für Augsburg und die schwarzgelbe Führung in Wolfsburg.

Nicht gut. Erinnerungen an 2001. Aber diesmal anders herum für uns Bayern. Nicht Balakov traf in Stuttgart zur Führung und nicht Zickler gleichzeitig in München, nein, eher sah es so aus, als ob wir mit fünf Punkten Rückstand nach Dortmund reisen würden – Perspektive auf Minus 8.

In dieser Konstellation ist unser eigener Arbeitssieg doppelt positiv zu bewerten.

Wie gesagt: Jetzt übermorgen alles in die Waagschale werfen! Sch**ss auf Mainz, sch**ss auf Madrid. In einem Spiel, mit einem Ergebnis können wir diesen läppischen Rückrundenauftakt vergessen machen!

Auf geht’s, Ihr Roten!

Den BVB und Real im Kopf – Augsburg vor den Füßen

In diesen Tagen reden ja fast alle nur noch von den großen Duellen des FC Bayern. In der nahen Zukunft. Gegen den BVB oder gegen Real Madrid.

Direkt vor der Brust haben wir allerdings die Augsburger. Und die sind nicht schlecht in Form, haben sich vom Abstiegskandidaten Nummer 1 zunächst einmal auf Platz 14 gekämpft (10 Spiele: 3-6-1).

Wir tun alle gut daran, diesen Gegner nicht zu unterschätzen, denn schon das Hinspiel stellte uns vor nicht erwartete Probleme und der BVB verlor dort ebenfalls zuletzt beim 0:0 zwei Punkte.

Gut an der Konstellation wird sein, dass die Puppenkisten-Kicker in München in unserer Arena antreten müssen. Dort sind heuer einfach anders drauf als in der Ferne. Oder unsere Gegner. Was mir eigentlich egal ist, hauptsache die Bilanz stimmt.

Ferner steht uns – im Gegensatz zum Hinspiel – Herr Schweinsteiger wieder zur Verfügung. Und das ist gut. Mehr Alternativen zu haben ist immer gut. Spielrythmus hin oder her.

Sicher. Wir werden gegen Augsburg eventuell bezüglich des Kopfes und der Einstellung weniger Probleme als in Bremen haben (zwischen den CL-Halbfinal-Spielen gegen Real), aber mir reicht das jetzt schon.

Bitte einfach nur weiter so konzentriert spielen, ok FCB?

Danke.

P.S. Ich werde weder das Spiel live verfolgen noch vor Montag abend einen Bericht schreiben können – Osterurlaub. Aber ihr bekommt das ja auch so hin, gelle?!

Das Runde passt nicht ins Eckige oder Der FC Bayern und seine Fans

Da ich ja weiß, dass meine Community sehr unterschiedlich ist und die wenigsten sowohl das Blog als auch Twitter oder Facebook nutzen, spreche hier nun eine Thema an, dass einzelne schon kennen, anderen vielleicht neu ist.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich zum Spannungsverhältnis des FC Bayern mit seinen Fans äußere. Und auch wenn ich für einige Ultras immer noch und immer wieder ein sprichwörtlich rotes Tuch bin, so sei es noch einmal erwähnt:

Ich kann und will differenziert agieren.

Ich habe eine Meinung über unseren Verein und über unsere Fans. Es gibt hier viele wechselseitige Überschneidungen. Ich kann viele der Ansichten des Vereins, aber auch nicht wenige Überzeugungen der Fans durchaus nachvollziehen.

Hier soll es einmal nicht um die Schickeria oder deren Einstellung zur Gewalt gehen, nicht um sonstige Geschichten aus der jüngeren wie älteren Vergangenheit.

Es geht hier darum, dass ich eingestehe, in der letzten Zeit erneut eine weitere Ebene der Differenzierung erreicht zu haben.

Dies lag – wie so vieles – am Internet. Genauer gesagt an Twitter und einem Account, der sich hinter dem Account des Club Nr.12 verbirgt: @NaptoFCB.

Die gemeinsamen Diskussionen in der letzten Zeit haben mir vor Augen geführt, dass viele meiner Überzeugungen nicht so weit weg sind von denen, die viele im Club Nr.12 (oder eben Martin B.) vertreten.

Mein Vorteil ist, dass ich dazu stehen kann und meine Zustimmung zu Einzel-Themen des Club Nr.12 keinen Umsturz im eigenen Blog (oder Verein, um bei der Analogie zum FCB zu bleiben) nach sich ziehen würde.

Womit wir des Pudels Kern erreicht hätten.

Der Club Nr. 12 hatte kurz vor dem Championsleague-Rückspiel gegen Marseille recht nebulös die Absage der geplanten Choreografie bekannt gegeben. Einigen Twitterern stieß dies sauer auf, weil es eben nur Andeutungen ohne weitere Erläuterungen waren.

Wie versprochen zog man dies im aktuellen Newsletter nach.

Einige werden sich sicher gewundert haben: Auch beim Heimspiel gegen Marseille gab es keine Choreografie in der Südkurve. Um nicht vor dem Spiel unnötig negative Stimmung zu verbreiten haben wir uns entschieden, die Gründe hierfür erst nach dem Spiel zu veröffentlichen

Die Gründe waren die Ablehnung der geplanten Choreo durch die Fanbetreuung des FC Bayern. Um präzise zu sein, lehnte die Fanbetreuung nicht die gesamte Choreo an, sondern nur den ersten Satz…

„Unseren Meinung lassen wir uns nicht verbieten…“

…des Gesamtsatzes…

„Unseren Meinung lassen wir uns nicht verbieten…

…ihr seid immer unsere Favoriten!!!“

Auf Nachfrage des Club Nr.12 sagte die Fanbetreuung, dass „der erste Halbsatz ‚Unsere Meinung lassen wir uns nicht verbieten‘ „überflüssig“ und deshalb verboten wäre.“.

Mit diesem Feedback des Vereins entschied sich der Club Nr.12 zur Absage der Choreo.

Wir verstehen unsere Choreografien als Geschenke an den Verein (Fans und Spieler), die wir selber finanzieren und durch Einsatz vieler hunderter Stunden ehrenamtlicher Arbeit erst möglich werden. Deshalb sind wir nicht bereit, uns von der Fanbetreuung wie eine kostenlose Eventagentur behandeln zu lassen, der man ohne irgendwelche plausiblen Zwänge so lange inhaltliche Vorgaben macht, bis das Ergebnis genau den Wünschen der Vereinsführung und nicht der ehrenamtlich arbeitenden Fans entspricht. Um beim Bild mit dem Geschenk zu bleiben: Leider wurde es von Vereinsführung und Fanbetreuung ausgeschlagen. Wir hoffen, dass sich das nicht wiederholt.

Es gab ferner ein weiteres Problem, dass eher organisatorischer Natur war und ist:

Da zum Zeitpunkt des Verbots des Spruchbands (und somit der Absage der Choreografie) das extra hergestellte Choreografie-Material (Brandschutzvorschriften!) bereits per Spedition auf dem Weg in die Arena war, ergab sich am Freitag noch ein Problem: Wir hatten die Fanbetreuung gebeten, die durchaus überschaubaren ZWEI Paletten Material bis zu einer möglichen Choreografie beim Halbfinale in der Arena einzulagern. Zu unserer Überraschung wurde uns mitgeteilt, dass in der gesamten Arena kein Platz vorhanden ist, um zwei Paletten Material zwischenzulagern. Und somit wurde die Annahme der Lieferung verweigert und die Spedition durfte mit dem Material wieder zurückfahren…

So viel zunächst zum Sachverhalt.

Jetzt zu meiner Bewertung und Meinung.

Punkt 1) Das Klima zwischen dem FC Bayern und seinen Fans, oder – genauer gesagt – zwischen der Fanbetreuung des FC Bayern und seinen organisierten Fans – ist seit geraumer Zeit – nennen wir es mal – angespannt. Dafür gibt es viele Gründe und ich bin hier auch nicht immer auf Seiten der Fans.

Was ich aber nicht nachvollziehen kann, ist die – auch für mich eher auffällige – Tatsache, dass seitens des Vereins / der Fanbetreuung ja offenbar recht wenig unternommen wird, dieses Spannungsverhältnis zu lösen. Ich rede hier nicht von irgendwelchen Aktivitäten der Ultras, der Fans oder sonst wem, die nicht gerade zu einer Anpassung der scheinbar vorgefassten Meinung der Verantwortlichen beim FC Bayern führen. Nein, ich rede davon, dass ich nicht nachvollziehen kann, dass „man“ (die Fanbetreuung im allgemeinen, oder der Fanbeauftragter Andreas Brück, der Teamleiter Fan- und Fanclubbetreuung Markus Meindl oder der Abteilungsleiter Raimond Aumann im Speziellen) es nicht schafft, oder schaffen will, hier den seit Jahren immer fester werdenden gordischen Knoten zu zerschlagen!?

Frage: Sollte es nicht eher im Interesse eines Fußball-Vereins sein, dass die Fans hinter dem Verein stehen und alle miteinander reden, um für alle Beteiligten die bestmöglichen Zustände zu erreichen? Geht es uns allen nicht um das Gleiche? Oder will der Verein vielleicht „diese Fans“ gar nicht und sähe sie am liebsten ausgetauscht?

Die letzte Frage würde mancher Ultra sicher sofort unterschreiben. Ich kann und will mir diese Hintergedanken seitens des Vereins gar nicht erst zulassen.

Punkt 2) Wie naiv ist es eigentlich von Seiten der Organisatoren – mit dem Wissen der Einstellung des Vereins zu vielen Aktivitäten der (organisierten) Fans in der jüngeren wie älteren Vergangenheit im Hinterkopf – NICHT davon auszugehen, dass der Verein solch einen ersten Satz komplett ablehnt, ablehnen muss?

Es ist doch geradezu logisch, dass sich der FC Bayern im aktuellen Fan-technischen Zustand, in keinster Weise auf diese Aussage einlassen kann. Bevormundung und Kreativität hin oder her, eine Ablehnung leuchtete mir unmittelbar ein, als ich diesen ersten Satz zum ersten Mal las. Das hätte man anders regeln können. Wollte man aber sicher nicht, weil man derlei – offenbar in der Vergangenheit schon oft genug getan hat.

Auf Twitter las ich einen Tweet, der eine Vermutung äußerte, die vielleicht in dieser – geringfügig – fest gefahrenen Situation nicht ganz von der Hand zu weisen ist:

Hatte man diese Reaktion von Seiten des Vereins eventuell sogar vorher gesehen, bzw. eingeplant, um hier in eine (Zitat) „Opferrolle“ schlüpfen zu können? Auch dies mag ich mir nicht vorstellen, da die Fans an dieser Stelle eher kontraproduktiv agiert hätten. Auch auf die Zukunft bezogen. Wer sollte sich von Seiten des Vereins da noch ernsthaft mit Vertretern an einen Tisch setzen, die zu derlei Verhaltensmustern greifen (müssen)?

Mir ist bewusst, dass dieser Punkt das Gegenstück zu dem oben geäußerten Verdacht ist, dass der Verein andere Fans haben will. So viel zum Thema differenzierte Sichtweise meinerseits.

Punkt 3) Ich habe totales Verständnis für die Frustration der Organisatoren der Choreos des FC Bayern. Spätestens als ich im aktuellen Newsletter davon las, dass „das ‚Geschenk‘ für das Heimspiel gegen Madrid bereits jetzt deutlich über 10.000 Euro gekostet hat.“

10.000,- Euro?

Da wird für eine(!) Choreo ein derartiger Betrag – aus privater Hand – investiert (nicht zu vergessen die ehrenamtliche Arbeit im Rahmen der Kreation, Produktion und Verteilung (oder war das mit eingerechnet?)) und von Seiten des FC Bayern gibt es (Zitat Club Nr.12) bislang und bis heute zu keinem Zeitpunkt ein Dankeschön? Also jetzt nur verbal, geschweige denn finanzielle Entschädigung.

Geht’s noch, FC Bayern?

Jetzt mal ernsthaft, Herr Aumann (ich habe Sie als Torhüter immer bewundert und im Stadion angefeuert, als Fanbeauftragter fällt mir dies noch immer schwer. Leider.), Herr Hoeneß, Herr Rummenigge – wäre das zu viel verlangt? Können Sie sich vorstellen, wie viel Geld Ihnen – direkt oder indirekt – solche Choreos in der nationalen wie internationalen TV-Präsenz einbringen? In Ihrem – und sicher nicht nur in Ihrem – Büro, hängt die 2001-er-CL-Final-Choreo, oder Herr Hoeneß? Haben Sie sich dafür eigentlich schon bedankt?

Schade.

Punkt 4) In der gesamten Arena gibt es keinen Platz, zwei Euro-Paletten zwischen zu lagern? Liebe Arena-GmbH, macht Euch nicht lächerlich. Wem ist denn geholfen, wenn diese Kindergarten-Spiele weiter, immer weiter getrieben werden? Am Ende des Tages gibt es dann eben keine Choreos mehr. Die – ob das jetzt so ist oder nicht – vom Verein gewünschten Fans erschaffen so etwas sicherlich nicht. Ich könnte so derlei ebenfalls nicht stemmen. Es braucht solche Vollblut-Fans wie die, die dies bisher gemacht haben!

Wo genau ist das Problem hier die Fans bei ihrer kostenlosen Arbeit für den Verein zu unterstützen wo man nur kann? Es kostet den Verein nichts, es bringt ihm und uns allen aber jede Menge!

Warum muss dieser – über viele Jahre hochgeschaukelte – Prozess nun zu solchen Auswüchsen führen?

Ich habe zwei Kinder. Und ab einem gewissen Punkt lernt(e) man da als junger Vater einfach, dass Bockigkeit oder Kommunikationsdefizite zu nichts führen. Heutige Kinder sind anders, die heutige Erziehung ist anders. Das musste auch meine Elterngeneration erst begreifen. Kindern muss man heute Dinge erklären, damit sie verstehen, warum dieses falsch und jenes richtig ist.

Heutige Fans sind ebenfalls anders. Und die Mittel, die einen Uli Hoeneß in den 70er, 80er und 90er-Jahren zu einer Fan-Ikone des FC Bayern machten, sind – schon mal drüber nachgedacht, FC Bayern? – eventuell nicht mehr so ganz zeitgemäß. Zumindest führen sie offensichtlich nicht mehr zu den gewünschten Ergebnissen. Zu der Koexistenz nämlich, wie es sie eben in den 70er, 80er und 90er-Jahren zwischen dem Verein und seinen Fans gab, oder?

Sich selbst ab und an zu hinterfragen hat noch niemanden geschadet. Noch so ein Spruch. Stimmt aber. Habe ich auch gelernt. Und hier sind ebenfalls beide Parteien gemeint.

Der Verein sollte sich mehr mit den Lebensumständen, Vorlieben oder Einstellungen heutiger Fans befassen und die Fans sollten von ihren – oft naiven oder eben (aus meiner Sicht) unangebrachten Wünschen der Einflussnahme verabschieden.

Fußball ist nicht mehr so wie er 1980 oder 1990 war. Das kann man gut oder schlecht finden. Ebenso wenig sind die Fans unmündiges Klatschvieh oder reine Fan-Shop-Konsumenten!

Unkenntnis erzeugt Angst.

Die Fans haben keinen Einblick in die Zwänge der Verantwortlichen des Vereins, die dafür sorgen müssen, dass der 350-400 Millionen-Laden auch morgen noch wie geschmiert läuft. Die Vereinsführung wiederum hat Angst, dass die Fans, sobald man ihnen zu viele Zugeständnisse macht, eben diesen Laden übernehmen wollen.

Beides ist Quatsch.

Lösungsansätze gibt es sicher nicht wenige – hier sind meine:

Es muss ein Gremium geben, das alle Beteiligten ernst nehmen. In diesem Gremium müssen Vertreter des Vereins sitzen, die ein ernsthaftes Interesse daran haben, die Belange der Fans verstehen zu wollen und ebenfalls ein besseres Miteinander anstreben – zum Wohle von uns allem, nämlich dem Verein (denn wir alle sind der Verein. Nicht nur die Führung, nicht nur die Sponsoren, nicht nur die Logenbesitzer, nicht nur die Fans, nicht nur die Familien, die ohne Angst mit ihren Kindern zum Fußball gehen wollen und auch nicht nur die Ultras, die alles für ihren Verein geben und sonst kaum Platz für andere Dinge im Leben lassen)!

Dort müssen aber auch Vertreter der Fans sitzen, die vom Verein akzeptiert werden. Und diese Vertreter sollten idealerweise keine Ultras mit steineschmeissender Vorschichte sein (eine beliebige Metapher ohne Anspruch auf Realität) sein. Es sollten Vertreter sein, die auf Augenhöhe mit dem Verein agieren können, weil sie aus der Mitte der Fans einen Status erreicht haben, die sie zu ebenbürtigen Verhandlungspartnern macht oder Vertreter, die im vollen Umfang die Interessen der Fans verfolgen, welches unabdingbar ist, um den Rückhalt und die Akzeptanz unter den Bayern-Fans zu haben und somit die Entscheidungen dieses Gemiums als gegeben hin zu nehmen.

Ob diese Charakterisierung auf die aktuell involvierten Personen passt, lasse ich mal bewusst im Raum stehen.

Dazu gibt es dennoch keine Alternative – alles andere wäre US-Sport. Wer will das? Ich nicht.

Weitere Vorschläge sind die bekannten Themen (die teilweise auch im Club Nr.12-Newsletter angesprochen werden).

  1. Rücknahme der Fangruppen-Trennung und Zusammenlegung aller Fans in eine gemeinsame Südkurve
  2. Vergrößerung der Stehplatz-Kapazität (somit Erhöhung der Gesamtkapazität – Win-Win-Situation, da die Allianz-Arena locker auch mit 75.000 oder 80.000 Zuschauern zu 100% ausverkauft wäre, oder?)
  3. Verlegung der Gästefans in eine „leisere“ Region
  4. Eigenes Ticket-Portal a la viagogo – allerdings zu fairen Tarifen! [1]

Was können und sollten die Fans tun, um die aktuelle Situation zu verbessern?

Aus Sicht einiger Fans gibt sicherlich gar nix zu ändern. Man fühlt sich schließlich im Recht. Falscher Ansatz, Leute. So wird sich dieses Problem nie lösen lassen!

Mir würden spontan ein paar provokante Dinge einfallen, ob die für diesen Beitrag aber so produktiv wären, würden eh andere beurteilen. Ich stecke auch nicht in den Köpfen unserer Führung drin und kann deshalb in keinster Weise beurteilen, wie sich „die Fans“ verhalten müssten, um von Seiten der Führung das Problem zu verbessern.

Eins steht zumindest fest:

Wir alle können nicht so weiter machen wie bisher. Es müssen sich Dinge ändern. Die Fans erreichen beim Verein mit ihrer Einstellung rein gar nichts und der Verein ist im Grunde nicht weniger von den Fans abhängig – denn ohne Fans gibt es keinen Fußball. Und das ist nicht nur eine von den Ultras übernommene Floskel, nein, das ist auch meine tiefste Überzeugung!

Also macht was draus und bringt das in Ordnung – Ihr Fans und Du, FC Bayern!

[1] Hier wären die Millionen für MyFCB sicher besser angelegt gewesen.

Ein Hauch von 2010 oder Wieviel van Gaal steckt noch im FCB?

Vor ein paar Tagen habe ich realisiert, dass ich eigentlich ab der Championsleague-Gruppenphase gar keine kreativen Titel für meine Beiträge mehr erstellt habe. „Road to Munich“ war das Motto. Wo habe ich nur meinen Kopf? Jetzt lass‘ ich es aber so. Und es beschreibt meine roten Fäden ja auch besser.

Der FC Bayern steht also im Halbfinale der Championsleague. Wer hätte dies in den dunklen Stunden dieser Rückrunde erwartet? Ich so sicher nicht. Aber es ist Fakt und ferner haben wir nicht nur das Pokalfinale erreicht, nein, wir können es inzwischen sogar wieder aus eigener Kraft schaffen, die Titelverteidigung des BVB zu verhindern.

Mehr als ich zu hoffen wagte im Januar oder Februar.

Es fühlt sich insgesamt sehr gut an und ich bin – wie auf Twitter erwähnt – mit mir im Reinen. Die Mindestziele für diese Saison sind zunächst einmal erreicht und die fixe Qualifikation für die nächste Königsklasse sollte ebenfalls in ein bis zwei Spieltagen gesichert werden. Gut.

Natürlich haben wir faktisch noch nix erreicht und können unseren Briefkopf – wenn es ganz dumm läuft – auch nicht erweitern. Aber sind wir daran eventuell zu einem guten Stück selbst schuld? Eben.

Nein. Wir haben den – ausgeruhten – BVB national vor der Brust und international erwarten uns wahrscheinlich Real Madrid und Barcelona auf dem Weg zum Triple. Wer wäre da jetzt so vermessen hier von übermäßiger Euphorie zu reden?

Das soll kein (albernes) Understatement vom Schlage einiger Borussen sein, nein, es ist einfach Realismus.

Wir gehören zu den besten vier Mannschaften in Europa. Was unsere Offensive angeht, sind wir sicherlich Final-tauglich. Es hakt lediglich an unserer Defensive und vor allem den Alternativen im Kader. Welchem Bayern-Fan bricht aktuell nicht der Schweiß aus, wenn er daran denkt, einer(!) unserer beiden(!) Top-IVs könnte ausfallen?! Ob per Sperre oder gar Verletzung. Und wo sind die Alternativen im defensiven Mittelfeld auf Schweinsteiger-Niveau, zu Gomez?

Wir reden hier wohlgemerkt von unserer eventuellen Triple-Perspektive. Ginge es nur um die Bundesliga, könnte man dieses Thema lockerer sehen.

Selbstverständlich werden wir ob dieser „Gefahren“ gegen Real Madrid im Halbfinale der Championsleague trotzdem antreten (dies ist keine Respektlosigkeit gegen über Nikosia, nur erneuter Realismus). Und wir werden auch alles geben. Wie wir auch in den letzten sechs Bundesliga-Spielen alles geben werden, ändern können wir den Kader jetzt ohnehin nicht mehr. Wir müssen mit den Spielern auskommen, die da so auf dem Trainingsplatz rumlaufen.

Wen dieser Pessimismus stört, den will ich an meinen Hoffnungen teilhaben lassen:

Ivica Olic.

Kein Spiel zu früh hat dieser den 2010er-Spirit wieder gefunden. Meine Güte, dass erinnerte gestern an die Spiele gegen Lyon oder Manchester. Großes Kino. Ich gebe es gerne zu, ich hätte das von ihm nicht mehr erwartet. Nicht nach den Leistungen der letzten Wochen. Besser so als anders herum.

Überhaupt haben unsere Jungs gestern den erneuten Drahtseilakt bravourös gemeistert. Gut zu spielen, viel zu riskieren und dabei vor allem ohne Verletzung und ohne Verwarnungen durch zu kommen.

Sehr gut. Ob derlei gegen Real genauso funktioniert, werden wir dann sehen.

Heute will ich mal keine Einzelkritik anstimmen [1]. Denn selbst der Sportskamerad Gustavo hat – auch in meinen Augen – eine durchaus ausgeglichene Partie abgeliefert – Fehler und Aktionen der Extra-Klasse glichen sich in etwa aus. Viel besser als meine Wahrnehmung der letzten Wochen.

Was am Ende des Tages noch über Marseille zu sagen wäre?

Wie schwach war dieser Championsleague-Viertelfinalist?

und

War das wirklich die gleiche Mannschaft, die den amtierenden Deutschen Meister zweimal so dermaßen geschlagen hat?

Ich kann es kaum glauben.

Vergangenheit.

Jetzt gilt es ohnehin sich total auf Augsburg zu konzentrieren. Krasser Schnitt, ist schon klar, aber das eben unser „Los“ und ich kenne da einige Teams im Westen Deutschlands, die würden aktuell vielleicht gerne tauschen…

Nein, Augsburg wird anstrengend genug. Zum Glück spielen wir die in ihrer blendenden Form in der Allianz-Arena. Ansonsten würde ich mir größere Sorgen machen.

Ein ganz anderes Thema ist in dieser Championsleague-Tagen unüberhörbar. Die Klatschpappen.

Ich bin ja immer für den einen oder anderen Gag zu haben, aber wird das jetzt beim FC Bayern echt zum Standard? Weil die Führungsriege rund um Uli Hoeneß derlei gegen Basel so toll fand? Und man das ja auch vom FCB-Basketball her kennt? Geht’s noch?

Ist das der van-Gaal-Effekt, der ja – nachdem eine neue – wild zusammen gewürfelte – Aufstellung einmal funktioniert hat, diese solange beibehielt, bis sie nicht mehr funktionierte, um dann erneut wild zu würfeln?

Welche Ironie, Herr Hoeneß.

Gestern habe ich bewusst darauf geachtet und wenn auch die TV-Bilder eindeutig zeigten, dass weder unsere Fan-Kurve noch diverse Zuschauer auf den Rängen von den umfassend verteilten Pappen Gebrauch machten, wurde doch deutlich, wie sehr diese Geräuschkulisse vollends alles andere an Gesängen und Fan-Reaktionen zunichtemachte. Schlimm.

Ist das die Zukunft unserer Arena-Stimmung?

Na dann gute Nacht, willkommen in der NBA.

Lassen wir das fürs Erste.

Jetzt also Augsburg.

Herr Schweinsteiger darf erneut mitspielen. Gut. Ansonsten bitte schauen, dass Herr Robben wieder fit wird – wir werden ihn am Samstag brauchen. Ebenso wie einen wiedererstarkten Olic und einen gut gelaunten Ribéry. Von einem torhungrigen Gomez ganz zu schweigen.

In diesem Sinne:

Auf geht’s, Ihr Roten!

[1] Eine Ausnahme sollte hier vielleicht doch unsere linke Seite ausmachen. Was hier Ribéry, aber auch unser 19-jähriges Wunderkind Alaba – vor allem bei den Toren, aber nicht nur – auf den Rasen brannten – Respekt!

Ein bayerischer Spaziergang ins Halbfinale?

Am heutigen Abend spielt der FC Bayern um den Einzug ins Halbfinale der Championsleague. Kopfumschalten galore.

Nun, die Ausgangsposition erscheint mit einem auswärtigen Zwei-Tore-Vorsprung komfortabel. Und Marseille erweckte im Rahmen des Hinspiels nicht permanent den Eindruck, uns in Angst und Schrecken zu versetzen.

Einerseits.

Andererseits gibt es da die berühmten Pferde und die Apotheken.

Inter Mailand dachte im Achtelfinal-Rückspiel wohl auch, dass das schon irgendwie klappen würde, diese Franzosen auszuschalten. Jenes Inter übrigens, die im letzten Jahr gegen unseren FC Bayern auch ein Heim-Hinspiel verloren und uns dann in München zeigten, wie ein europäisches Spitzenteam mit Innenverteidiger-Lehrlingen umgeht. Nicht unerwähnt lassen sollte man das blaue Wunder, welches der amtierende Deutsche Meister mit seinem Team gegen die Deschamps-Kicker erlebte.

Was soll hier die Schwarzmalerei werden sich sicher einige Leser wieder fragen? Die grünen Dortmunder Jungs sind nicht der FC Bayern und Herr Breno darf bei uns ebenfalls nicht mehr mitspielen.

Stimmt. Aber ich dachte am Wochenende auch, dass eine Mannschaft wie die Nürnberger nie mehr zurück ins Spiel finden und uns gefährlich werden könnten.

Es geht mir doch gar nicht darum, dass ich nicht auch glaube, dass wir heute den vorletzten Schritt zum Finale in München machen. Es geht mir darum, dass unsere Spieler selbst die Sache ernst nehmen, früh für klare Verhältnisse sorgen und wir vielleicht noch ein paar Spieler schonen können. Am Wochenende geht nämlich die Jagd auf den Meister weiter!

Konzentration ist das Stichwort.

Wir müssen vom Anpfiff an konzentriert agieren. Müssen unsere ersten Chancen direkt verwerten und auch gegen Ball und Gegner konzentrieren agieren. Zwecks Foul- und Kartenvermeidung. Denn schaut man sich diese Aufstellung einmal an, dann müssen hier besonders die Sportskameraden

Jerome Boateng, Luiz Gustavo, Toni Kroos und Thomas Müller

aufpassen.

Erstaunlich: Weder war mir bekannt, dass die Karten nach einem Viertelfinale ab dieser Saison nicht mehr getilgt werden, noch, dass Real Madrid – unser möglicher Gegner im Halbfinale – nicht einen einzigen, von Karten-Sperre bedrohten Spieler in seinen Reihen hat.

Holen uns hier die Fehler in der Kaderplanung endgültig ein, wenn wir mit Bank-B-Spielern gegen Özil, Ronaldo und Co. antreten müssen?

Wollen wir es nicht hoffen und zumindest unser „Chef“ würde ja unbelastet in ein Halbfinale gehen…

Die Mutter aller Spiele-des-Jahres oder Bayerische Zocker

Dieser Bericht wird mehr als eine Facette haben.

Ein Handlungsstrang handelt von den Handlungen unseres Trainerstabs. Einerseits war ich schockiert, als ich vor dem Spiel von der massiven Rotation in unserer Startelf erfuhr. Andererseits ging es zwar gut, war es aber ein Tanz auf der Rasierklinge.

Sicher, nach dem Spiel ist man immer schlauer und wirkt es unglaublich weitsichtig hier ein paar Stars 60 Minuten geschont zu haben.

Was wäre allerdings passiert, wenn die Herren Contento, Pranjic oder Timoschtschuk – aufgrund ihrer fehlenden Spielpraxis den entscheidenden Fehler zum Rückstand in Nürnberg gemacht hätten?

Glück gehabt.

Im Prinzip kann ich unseren Trainer hier ja sogar verstehen. Spieler schonen ist wichtig und richtig. Aber erstens haben wir dafür nicht die Bank. Also nicht ohne einen – spürbaren – Qualitätsverlust. Zweitens hätte man doch einigen Spielern diese Spielpraxis geben können. In diesen – gefühlten – 10:0-Sieg-Spielen.

Apropos spürbar.

Ging schon nach dem Seitenwechsel ein gewisser Ruck durch unsere Mannschaft, war es imho endgültig um den Club geschehen als Schweinsteiger und Ribéry den Rasen betraten. Zuvor zeigte sich die – übliche – Mauertaktik mit Kontern ja noch erfolgreich, danach kamen die Hecking-Kicker aber nicht mehr aus ihrer Höhle heraus.

Bis auf die Schlussphase. Unfassbar, wie sehr die Bayern da das Ergebnis noch einmal in Gefahr brachten. Später mehr dazu.

Nein, ich hatte zwar nach der 60.Minute immer noch Zweifel, ob wir das entscheidende Tor wirklich erzielen würden, aber das Grundgefühl war schlagartig besser. Auch weil vor allem Schweinsteiger hier richtig stark agierte. Unser Franzose fand zunächst nicht statt. Allein seine Anwesenheit verschob die Statik der Defensive der Heimmannschaft hingegend vorentscheidend.

Am Ende muss man mit diesem Arbeitssieg zufrieden sein. Meine Befürchtungen nach den oben erwähnten leichten Siegen wurden bestätigt. Gladbach, Hannover und Nürnberg hätten mich auch weniger Nerven kosten können. Das wir am Ende jetzt doch so gut da stehen finde ich gut. Überraschend gut und ich will nicht tauschen.

Fußball ist immer noch so. Vor ein paar Wochen hätten wir im Frankenland verloren und der BVB keinen 4:4-Ausgleich in der 93.Minute bekommen.

Derlei lässt mich nicht vom Triple träumen, aber es zeigt mir, dass unsere Lage zumindest nicht „hoffnungslos“ ist, was mir reicht. Im Moment.

Zum Spiel im Allgemeinen.

Der Club hatte schon vor diesem – fälschlicherweise – so genannten „Derby“ keinen guten Lauf. Das Spiel bestätigte diesen Eindruck. Oder waren wir wirklich zu gut?

In der Defensive, im Mittelfeld. ‚Würde ich unterschreiben. Wenn man auch mit dieser B-Elf nicht alles unterbinden konnte und mehr Luft als gewöhnlich nach oben war. Unsere Offensive agierte einmal mehr zu einfallslos, zu statisch, zu Robbenesk.

Zu wenig um die 6-8 Vorstopper der Clubberer zu überfordern.

Am schlimmsten fand ich allerdings die Schlussphase, als es genau dieser Mannschaft gelang, uns noch einmal in ernsthafte Gefahr zu bringen. Dieser Mannschaft, die sich über weite Phasen der zweiten Halbzeit darauf beschränkte unseren Offensiv-Bemühungen zuzusehen?

Kaum zu glauben, wie sehr der Puls da noch einmal hochging.

Egal. Wir haben es überstanden und konnten ein paar Stars für dieses unfassbar schwere Rückspiel gegen Marseille schonen.

Gegenfrage: Was macht unsere sportliche Führung eigentlich erst, wenn ein mögliches Halbfinale gegen Real Madrid ansteht? Spielen wir dann in Bremen (zwischen Hin- und Rückspiel) mit der Aufstellung Jonkers?

Wer gewinnt hat Recht. Also war auch diese Startaufstellung richtig. So.

Ein weitere Geschichte dieses Spiels sind die Fans. Die Club-Fans.

Nun, wenn ich ehrlich bin, dann beruht derlei nicht auf Gegenseitigkeit, aber irgendein Problem scheinen die Clubberer mit uns zu haben. Ein Problem, dass ich weder nachvollziehen noch verstehen kann.

Auf Nachfrage werden mir dann immer historische Gründe – auch fernab des Fußballs – genannt. Von mir aus. Ich bin Rheinländer und zu weit weg. Leute die es wissen müssen, reden davon, dass sich da was hochgeschaukelt hat und es irgendwann vielleicht sogar Tote geben wird. Mhm.

Ich bin – wie gesagt – zu weit weg, um auch nur ansatzweise Verständnis für solche Dinge zu haben. Ferner bin ich ja nur ein Erfolgsfan, oder zumindest Sesselpupser.

Ein Vorteil hat mein Zustand als Außenstehender an dieser Stelle: Ich habe ein Jahr Ruhe davor.

Noch etwas vergessen?

Außer mit Dortmund würde ich aktuell mit niemandem tauschen wollen. Tabellarisch und so. Ob das am Abend des 11.04. immer noch so ist, werden wir sehen.

Jetzt müssen wir zunächst einmal sicher stellen, dass wir das Halbfinale der Championsleague erreichen und Marseille nach diesem Hinspiel nicht mehr zurück kommt.

Und erst danach denken wir an Augsburg. Versprochen, Jupp?

Allez les Rouges!