Sensation ausgefallen. Schubladen bleiben zu.

Der FC Bayern steht erneut im Pokal-Halbfinale. Und im Rahmen des Spiels gab es wesentlich weniger Stress als befürchtet.

Am meisten habe ich mich somit über die Kommentierung des Spiels aufgeregt.

Immer wieder entsteht bei mir der Eindruck, dass Bayern-Spiele (im Pokal) nur deshalb immer und immer wieder übertragen werden, weil alle ((Journalisten-)Welt) nur darauf wartet, dass es zu einer dieser Sensationen kommt.

Dabei ist ja das Wesen einer Sensation, dass sie nicht jede Woche stattfindet. Die Worthülsen und das Vokabular einiger (Sport- oder Fußball-)Kommentatoren bauen trotzdem regelrecht darauf auf.

Wie zum Beispiel bei Herrn Simon.

Fast über das gesamte Spiel könnte man dem was er sagte – und dem was er nicht sagte – anmerken, dass er den Aachenern den Sieg, die Sensation wünscht.

Dagegen ist ja prinzipiell nichts einzuwenden. Wenn ich Fan der Aachener bin. Aber Herr Simon ist doch – korrigiert mich – ein gebührenfinanzierter, eigentlich unabhängiger akustischer Begleiter des Spiels, oder?

Sicher. Mir ist schon klar, dass das „Problem“ nicht neu ist. Gerade im Pokal. Aber gestern war es mal wieder offensichtlich (was einen Sieg natürlich umso süßer macht).

Und was sich die ARD-(Bild-)Regie dabei dachte, zumeist die strittigen Szenen gegen Aachen in endlosen Wiederholungen in die Wahrnehmung der Zuschauer zu hämmern, bleibt ihr Geheimnis.

Ist bestimmt alles nur meine verquere selektive Wahrnehmung, denn schließlich gibt es so etwas wie Parteilichkeit bei den Öffentlich-Rechtlichen gar nicht, gell?

Zum Spiel.

Ich war enttäuscht. Und erleichtert zugleich.

Enttäuscht, dass es die Aachener über die vollen 90 Minuten nicht geschafft haben, uns einen echten Pokalfight zu liefern.

Und erleichtert, weil es die Aachener über die vollen 90 Minuten nicht geschafft haben, uns einen echten Pokalfight zu liefern.

So wurde es ein zumeist entspannter Abend.

Im Nachhinein kann ich somit auch darüber hinwegsehen, dass Herr Badstuber immer noch nicht den öffnenden Pass nach vorne spielen kann oder Herr Ottl unter Druck in manchen Spielsituationen immer noch überfordert zu sein scheint.

Glaubt man anderen Beiträgen zu diesem Thema, werden ja gerade diese beiden Spieler in den Himmel gelobt.

Komisch.

Obwohl ich zugestehen muss, dass ich in der zweiten Halbzeit sogar mal eine Körpertäuschung (von Holger hüftsteif Badstuber!) unseres – übrig gebliebenen – Hoffnungsträgers (oder warum saß Breno wieder nur auf der Bank?) auf der IV-Position gesehen habe. Nebst guten Pass in den Offensive. Und sogar Herr Ottl hat zum gleichen Zeitpunkt auch mal einen Ball erobert.

Immerhin.

Was soll man groß meckern, wenn wir erneut im Halbfinale des Pokals stehen?

Vielleicht über die Unsicherheiten eines Thomas Kraft (Bälle unbedrängt zur Ecke geklärt, Ball fast ins eigene Tor geworfen)?

Dann muss man aber auch über seine Kahn-eske Rettungstat auf der Linie reden, die uns das 1:0 bewahrte.

Eben.

Man kann über die offenbar noch nicht abgeschlossene Integration eines Luiz Gustavo reden, dann muss man aber auch von seiner präzisen Flanke (aus vollem Lauf!) auf den Kopf von Herrn Gomez schwärmen.

Vor dem Spiel stand das Spiel unter dem Eindruck des kurzfristigen Abgangs unseres (Ex-)Kapitäns van Bommel.

Haben wir ihn nun aber im Spiel vermisst?

Zumindest hatte das Spiel von Herrn Ottl keine Folgen. In Form eines Gegentores.

Viele äußerten sich vor, während und nach dem Spiel über die Rolle von Herrn Schweinsteiger. Als Aushilfs-10er. Und ob der nicht auf der 6 besser aufgehoben wäre.

Dazu nur so viel: Herr Schweinsteiger ist überall bei uns gut aufgehoben. Vor allem in Abwesenheit der Flügelzange Robbéry.

Da waren – vor allem in der zweiten Halbzeit – ein paar Ballaktionen vomBastian am Start – das hatte imho Barca-Niveau. Mit welcher Technik er sich aus kritischen Unterzahl-Spielsituationen befreite. Respekt.

Und dank seiner Ballbehandlung ergaben sich somit auch gefährliche Situationen vor dem Aachener Tor.

Apropos Aachener Tor.

Es wurde ja schon wieder Kritik an Herrn Gomez laut.

Dazu nur so viel: Von mir aus kann Herr Gomez 20 Chancen pro Spiel versieben, wenn er trotzdem 1-3 Tore schießt, die uns nicht nur das wichtige 1:0 sondern auch insgesamt den Sieg bringen. Punkt.

Chancentod ist jemand, der überhaupt keine Tore macht, klar?!

Sicher. Der Gegner hieß Aachen und spielt zweite Liga. Glaubt man hingegen dem (Medien-)Hype rund um ein Bayern-Gastspiel (im Pokal) hatten die aber trotzdem die Qualität von Inter oder mindestens Milan.

Doof, wenn dann die Bayern doch klar dominieren und auch noch gewinnen. Nächstes Mal. Vielleicht.

Sonst noch was?

Robbens Einwechslung war Aachens Genickbruch.

Komisch aber wahr.

Als Robben den Platz mit seiner Präsenz und seinem Image betrat, machten gefühlt sogar die restlichen Grashalme bereitwillig Platz.

Andererseits ist das schon Wahnsinn, mit welchem Speed und welcher Sicherheit der Junge jetzt schon wieder agiert. Der hatte ein 5cm großes Loch in seinem Oberschenkelmuskel!

Herrlich, einfach nur herrlich sowas als Bayern-Fan mit anzusehen.

Am Sonntag ist Auslosung. Ich befürchte Auswärtsspiel in Cottbus, hoffe auf Heimspiel gegen Schalke. Mal schauen.

Einen Tag vorher geht es nach Bremen. Nach Bremen. Also nicht zum CL-Dauergast sondern zum Bundesliga-14.

Aber gewinnen müssen wir ja eh jedes Spiel. Auch ein Auswärtsspiel, in dem sich die Heimmannschaft mit 11 Mann am eigenen Strafraum versammeln wird.

Wenn ich Lust habe, schreibe ich dazu noch einen eigenen Vorbericht. Wenn nicht, kann sich jeder selber an all diese duseligen Remis-Spiele erinnern…

Tot ziens, Mark. En al het beste.

Am Ende ging alles ganz schnell. Und „auf einmal“ war die van-Bommel-Ära beim FC Bayern beendet.

Natürlich kam dieser Abschied für viele nicht überraschend. Das hatte sich angedeutet. Spätestens mit der Verpflichtung eines Luiz Gustavo. Andererseits hatte man van Bommel auch schon nach der Verpflichtung von Herrn Timoschtschuk abgeschrieben. Ein Fehler.

Nein, man kann über van Bommel sagen was man will. Aber neben seiner Spielweise, die für viele Nicht-Bayern-Fans oft unerträglich und nah oder über der Grenze war, war er für viele von uns ein zweiter Effenberg.

Klar, auch ich habe ihn in letzter Zeit kritisiert. Aber ich bin mir sicher, hätte van Bommel meine Zeilen zu lesen bekommen, wäre er mit dieser Kritik genauso souverän umgegangen, wie er dies gemeinhin zu tun pflegte.

Unser Kapitän (als erster Ausländer, oder?) war in vielerei Hinsicht ein Vorbild. Auch was seine Einstellung betraf. Ferner identifizierte er sich mit dem FC Bayern. Sowas stört nicht.

Am Ende hatte er das gleiche Problem, was ein Herr Demichelis hatte: Er kam nie wieder an seine Topform heran (bei Herrn Demichelis lag die noch eine Zeit länger zurück).

Dummerweise haben wir eben nun einmal einen Trainer, der unter diesen Voraussetzungen ganz und gar nicht kuschelig agiert. Im Zweifelsfall setzt er dann lieber auf die Jugend. Kann man gut oder schlecht finden, ist bei ihm aber wohl so.

Davon abgesehen ist das doch der rote Faden. Der Trainer van Gaal gibt solange nicht nach, bis er sich sein Team zusammengestellt hat. Ob durch Zukäufe, Beförderung der Jugend aber eben Abgänge. War es nicht bei all seinen Trainerjobs so?

Zurück zu van Bommel.

Mir macht sein Abgang einerseits Freude andererseits bedaure ich es zutiefst.

Sein Abgang macht Platz auf einer ohnehin überbesetzten Position. Gleichwohl hinterlässt er eine große Lücke. Als Spielführer, als Wortführer, als Respektperson und überhaupt als Fixpunkt im Team.

Wird jetzt Herr Lahm sein Nachfolger?

Entschuldigung, aber darüber kann ich nur schmunzeln. Er mag zwar vom Trainer die Kapitänsbinde bekommen, weil es die „logische Konsequenz“ aus seiner bisherigen Rolle ist, aber die Schuhe sind ein wenig zu groß für Dich, lieber Philipp.

Und was van Bommels Rolle auf dem Platz betrifft, kann man natürlich einwenden, dass sich so ja jetzt die jungen Hüpfer in den Vordergrund spielen können, auch was das Thema Verantwortung betrifft, aber muss es erneut eine Operation am offenen Herzen sein?

Man ist ja fast schon versucht zu erwähnen, dass doch bitte nicht Alter sondern Leistung entscheidend sein soll. Aber das Fass mache ich in diesem Beitrag nicht auf…

Im Grunde sollen diese Zeilen nur unseren Ex-Kapitän ehren. Sowas gehört sich nämlich, wie ich finde. Vor allem, wenn einer wie van Bommel für das Team immer durch das Feuer gegangen ist. Als er 2006 kam, konnte man von Struktur nur träumen und da opferte er sich oft, schwang die Klinge und reduzierte so das eine oder andere Mal seine Spielzeit.

Er setzte aber Zeichen, an denen sich die damaligen Nachwuchsspieler a la Lahm, Schweinsteiger und Podolski (ok, schlechtes Beispiel) aufrichten und in dessen Schatten wachsen konnten.

Persönlich und abschließend wünsche ich van Bommel beim AC Mailand nur das Beste. Selbst wenn ich selbst diesen Verein nicht so unbedingt in mein Herz geschlossen habe. Aber Typen wie van Bommel, die sind da drin.

Der Robben-Faktor oder Willkommen im Club, BVB

Mein FC Bayern hat gestern gegen die Lauterer gewonnen. Und zwar ebenso verdient wie standesgemäß. Jedes Tor gegen die Pfälzer ist ein gutes Tor. Nicht nur von uns geschossen.

Gleichwohl wäre allein die Betrachtung des Ergebnisses reine Augenwischerei.

Bis zum 1:0 durch unseren Heilbringer stand der Sieg auf der Kippe. Ein Remis lag in der Luft. Und nicht nur zur Halbzeit.

Es gab zwar jede Menge Alarm in des Gegners Defensive, aber entweder fischte Herr Rodnei die Bälle ab, oder unsere Bemühungen waren zu unpräzise.

Ganz im Gegensatz zu unserer Defensive. Da war gefühlt mit jeder Aktion unseres Gegners Holland in Not.

Alter Schwede, wie viele Fehlpässe waren das in der roten Zone in der ersten Halbzeit? Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen.

Das letztwöchige Gastspiel bei der Werksmannschaft in Niedersachsen habe ich ja (leider) verpasst, aber so oder so ähnlich muss das wohl gegen Ende des Spiels ausgesehen haben. Von daher ein Vorteil, wenn diesmal die zweite Halbzeit die bessere war.

Trotzdem muss man darüber reden dürfen, dass Herr Lahm auch am 19.Spieltag in der Post-WM-Saison seiner Form hinterher läuft, ein Herr Badstuber sichere Pässe zumeist nur zum Torhüter spielen kann und man permanent den Eindruck hat, der bricht sich die Füße, wenn ihm zwei Gegenspieler entgegenkommen und er einen komplizierten Pass spielen müsste.

Zu allem Überfluss agierte Herr Timoschtschuk wie ein A-Jugendlicher, der sein erstes Bundesligaspiel absolviert. Von Herrn Gustavo will ich erst gar nicht reden. Vor dem Spiel habe ich die noch Stirn darüber gerunzelt, dass unser Trainer davon sprach, er hätte „noch Probleme mit der Eingewöhnung“. In welcher Liga hat der in den letzten 1,5 Jahren gespielt? Oder ist das sein Zwillingsbruder?

Im Ernst: Das hört sich nach massivem Bashing an. Vielmehr steckt aber massive Unsicherheit und Befürchtung dahinter, dass es gegen richtig starke (oder euphorisierte) Gegner wie Inter oder Aachen schief gehen könnte.

Wo ist diese Vorbereitung geblieben, von der alle im Verein so extrem geschwärmt haben? Das wirkt alles total instabil.

Umso erstaunlicher, was gestern am Ende dabei heraus kam.

Andererseits muss man dabei erwähnen, dass in der zweiten Halbzeit ein ganz anderer FC Bayern auf dem Platz stand. Ein FC Bayern, der statt eines Pausentee mit Baldrian wohl drei bis vier Tassen Cappuccino gereicht bekam.

Endlich möchte ich hinzufügen.

Auch wenn heuer selbst ein 2:0-Heim-Vorsprung noch keine 100%-tige Souveränität bringt. Gesehen nach dem 1:2-Anschlusstreffer, der wie aus dem Nichts infolge des ukrainischen Luftlochs zustande kam.

Übel.

Dann allerdings der Abpraller, der bei Gomez landete zum vorentscheidenden 3:1. AusdieMaus.

Glücklich zwar, aber selbst das hat uns ja in Wolfsburg gefehlt.

Alles Weitere war zur Abwechslung mal eine Konsequenz, die wir nicht immer genießen durften in dieser Saison. Denn dass das Torverhältnis entscheidend sein kann, sieht man ja daran, dass wir durch die Ergebnisse der Konkurrenz nun schon punktgleich auf Position 3 liegen. Aufgrund des Torverhältnisses. Auch wenn wir davon ausgehen müssen, dass die Gladbacher heute nicht ausgerechnet gegen die Leverkusener zurück in die Spur finden.

Zurück zum Spiel und unseren Helden.

Kraft zeigte ein ordentliches Spiel, lenkte einen Ball stark um den Pfosten. Zweimal ließ er sich aber von unserem Hühnerhaufen in HZ1 anstecken und irrte verwirrt durch den 5-Meter-Raum. Schwamm drüber.

Über die Defensive habe ich schon einiges gesagt. In HZ2 wurde es besser, vor allem auch deshalb, weil von den Lauterern noch weniger kam. Abgesehen von einem kurzen Aufbäumen nach dem Anschlusstreffer.

Das defensive Mittelfeld?

Decken wir den Mantel des Schweigens darüber. Herr van Bommel wird bis zu seinem Abschied seine alte Form der Vorsaison nicht wiederfinden. Und als Kapitän genießt er unter unserem Trainer aus Prinzip Artenschutz. Iss so. Kann man nicht ändern, braucht man sich also auch nicht drüber aufzuregen. Herr Gustavo wechselte sich ja mit Herrn Pranjic auf diversen Positionen ab. Sicherer wurden seine Aktionen dadurch in der Breite nicht.

Die Flügel waren lahm. Schade. Allein Herr Robben und Herr Müller machten Alarm. Ganz vorne. Dahinter kam allerdings nichts nach und so blieben es Einzelaktionen. Gefährliche zwar und im weiteren Verlauf erfolgreiche, aber „wie aus einem Guss“ ist was anderes.

Die restliche Offensive?

Herr Schweinsteiger – bemüht.

Herr Gomez – nicht minder. Aber was unser schwäbische Spanier da in der ersten Halbzeit zeigte, war mehr als ausbaufähig. Sein eindeutiger Vorteil gegenüber Konkurrent Klose: Er redet nicht nur von Stammplatz, er rechtfertigt ihn, indem er Chancen auch verwertet. Und sich jetzt sogar in der Torschützenliste nach vorne geballert hat. Respekt.

Chancen muss man nutzen. Und das hat der FC Bayern gestern endlich einmal wieder konsequent getan. Nicht mehr und nicht weniger. Das es überhaupt zu derlei Chancen kam, haben wir aber auch der Rückkehr eines Herrn Robben zu verdanken.

Wo wären wir, wenn er schon früher… ach lassen wir das.

Was mich freut – fernab jeglichen Aufholjagd-Gefasels – dass die Dortmunder nun endlich auch einmal von ihrer eigenen bitteren Medizin gekostet haben. Überlegen gespielt, 1:0 geführt und spät den Ausgleich bekommen, weil man Chancen nicht nutzt? Willkommen im Club, Ihr Dortmunder!

Mehr gibt es von meiner Seite nicht zu sagen.

Jetzt geht’s nach Aachen, dass wird ein heißer Tanz. So aus Prinzip und weil die Grenzstädter nix anderes haben, worauf sie sich konzentrieren können/müssen. Danach gegen die Bremer, die sich ebenfalls mental schon seit Wochen auf ihr Heimspiel gegen uns freuen. Auf ein Heimspiel, in dem sie sich wieder mit 11 Mann am eigenen Strafraum versammeln werden um dann unsere Wackeldefensive mit massiven Kontern zu überraschen. Um was wollen wir wetten?

Bis dahin genieße ich allerdings noch dieses wundervolle Ergebnis von gestern. Gegen meine „Lieblingsgegner“.

Braucht der Fußball im TV wirklich die dritte Dimension?

Am vergangenen Sonntag war ich eingeladen. Von der Deutschen Telekom. Nicht zum ersten Mal. Vor zwei Jahren gab es darüber noch heftige Diskussionen.

Aber aus dem Ballon scheint die Luft raus zu sein. Auch wenn ich von den Ansprechpartnern hörte, dass sich wieder einzelne Blogger pikiert äußerten, nicht eingeladen worden zu sein. Deutschland halt.

Um das klarzustellen: Auch diesmal wurde ich weder verpflichtet, Konzern-freundliche Beiträge zu verfassen, noch wurden mir Sach- oder Geldgeschenke überreicht. Selbst die 3D-Brille musste ich wieder abgeben…

Einzig die Verpflegung, kostenloses W-LAN und ’ne Sitzgelegenheit wurde uns zur Verfügung gestellt. Hui.

Ernsthaft: Was ist dabei? Wann wird eingeladen, geht hin, hört und sieht sich das an, bedankt sich höflich und schreibt was drüber. Oder eben auch nicht.

P.S. Ich bin übrigens (noch) kein Entertain- oder LigaTotal!-Kunde. War ich vor und nach dem ersten Event nicht und bin ich immer noch nicht. Später dazu aber mehr.

Zum Event selbst.

Neben dem – im Vergleich zur Loge in der Allianz-Arena – eher reduzierten Ambiente, war die Atmosphäre sehr freundlich. Im Vorfeld gab es zwar weder eine technische Einführung noch weitergehende Erläuterungen, die Techniker waren aber noch vor Ort, die hätte man fragen können. Insgesamt war dieser Punkt diesmal gar nicht der Ansatz – alles sollte wohl eher visuell und direkt wirken.

Tat es auch. Um das vorwegzunehmen.

Fußball in 3D ist schon was Feines. Man erlebt tatsächlich diesen 3D-Effekt.

Bei ruhigen Kamerafahrten. Von hinter dem Tor. Oder bei Nahaufnahmen. Wenn der Ball ruht.

Da sieht man die ganze Tiefe, die diese Dimension zu bieten hat.

Andererseits geht dieser Effekt in der Totalen schon eher verloren. Und wenn es schnell wird, sowieso.

Zu dumm, dass das „erste 3D-Spiel in der Bundesliga-Geschichte“ auf dem Betzenberg stattfand. Das machte den nun auch nicht wirklich sympathischer

Die Brille stört dabei nicht mehr als jede andere – überdimensionale – Sonnenbrille. Allenfalls das leichte Flackern, wenn man den Kopf vom Fernseher weg- und wieder hindreht, irritiert ab und an, weil man so den Eindruck gewinnt, dass das Licht im Raum flackert.

Insgesamt trifft es einer meiner Lieblingssprüche wohl ganz gut:

Das Spiel und das Ergebnis passiert so oder so!

Ganz egal, ob man es im Stadion, vorm TV, in HD oder eben 3D sieht.

Nach dem Event wurde ich interviewed. Die Fragen waren mir zuvor nicht bekannt, deshalb das Gestammel. Ist sonst nicht meine Art.

Trotzdem habe ich im Rahmen dieser beiden Fragen wenigstens diesen einen Punkt unterbringen können, den ich mir zuvor zurechtgelegt hatte:

Ultras würden gegen 3D-Fußball Sturm laufen.

Warum? Weil es das letzte Mosaik ist, dass auf dem Sofa noch zum Stadionerlebnis fehlt. Abgesehen vielleicht noch vom Geruch.

Wie oben angedeutet, ist es aber die Frage, ob sich derlei zu einem wirtschaftlichen Erfolg entwickeln wird. Betrachtet man allein den technischen Aufwand, den man bei der Erzeugung, Übertragung und dem Konsum der dreidimensionalen Bilder benötigt.

Ob ich irgendwann Entertain- oder LigaTotal!-Kunde werde ich ein eigenes Thema.

Und zwar alle zwei Jahre aufs Neue.

Denn dann laufen die Verträge mit Telefon-/Internet-Anbieter einerseits und Sky andererseits aus.

Auch in diesem Sommer steht derlei wieder zur Diskussion.

Zwei große Probleme stehen zwischen mir und einem Wechsel (denn alles zusammengerechnet ist Entertain plus LigaTotal! definitiv günstiger als (in meinem Fall) Netcologne, Unitymedia und Sky zusammen).

Erstens: Der Unitymedia-Vertrag läuft über meinen Vermieter und ist von mir als Mieter nicht kündbar.

Zweitens: Kommentatoren wie Herr Dahlmann.

Ok. Punkt zwei ist nur eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Also zwischen Reif, von Thurn und Taxis und Co. und all den Sport1-Granden, die sich bei LigaTotal! tummeln.

Womit wir wieder bei dem Punkt mit dem Spiel und dem gewissen Ausgang wären, egal wer es kommentiert.

Um es auf den Punkt zu bringen: Selbst mit diesen zusätzlichen Kosten für Unitymedia, die ich über die Nebenkostenabrechnung zu zahlen habe, ist das Alternativ-Paket (ohne 3D und HD) für mich immer noch attraktiv(er). Das darf aber jeder anders sehen.

Mehr muss man dazu nicht wissen. Die einzelnen Schritte laufen bereits. Und die hatten – um den Fragen vorzubeugen – nichts mit dem Event vom Sonntag zu tun.

P.P.S. Wer weitere Berichte aus den übrigen Event-Orten lesen darf gerne danach suchen. Habe sie gerade eben auch recht schnell gefunden…

Der klassische Breitnigge-Leser ist 1.5

Ich wollte es einfach mal wissen. Woher kommen meine Leser, bzw. wie lesen meine Leser mein Weblog?

Daher eine kleine Umfrage zum Thema.

Das bisherige Ergebnis bestätigt mich. Irgendwie. Denn sowas hatte ich mir schon gedacht. Anhand früherer Reaktionen.

Ganze 52% konsumieren mein Gesabbel ausschließlich über mein Weblog. Allein über Twitter oder Facebook nur 2%, bzw. 1%. Eine deutliche Sprache.

Als Breitnigge-Leser ist man schon irgendwie 2.0 aber noch nicht so ganz weit vorne. Man muss ja auch nicht allen Trends hinterher laufen und oftmals fehlt ohnehin die Zeit für alle Kanäle. Phasenweise habe ich diese ja eben redundant befüllt, d.h. die gleichen Links mehrfach verteilt. Etwas, dass sich erst in letzter Zeit ein wenig geändert hat.

Die volle Dröhung aus Weblog, Twitter und Facebook geben sich demnach ohnehin nur 8%. Immerhin. Hardcore.

Weniger aber als die Teilmengen aus Weblog und Twitter (23%) oder Weblog und Facebook (12%). Die erste Kombi gibt es allerdings auch schon viel länger.

Ungewöhnlich finde ich persönlich die Kombination aus Twitter und Facebook. Ganz ohne Weblog. Ganze 2% konsumieren meine Gedanken über diesen Weg.

Was ist aber nun allen Werten gemeinsam?

Das Ihr alle mich überhaupt konsumiert!

Vielen Dank dafür.

Die kürzeste Rekordaufholjagd in der Bundesliga-Geschichte. 86 Minuten.

Das war sie also. Unsere Aufholjagd. Auf den Titel, auf Dortmund.

Ein läppisches 1:1 bei zuvor mehr als verunsicherten Wolfsburgern?

Nach dieser ganz, ganz tollen Vorbereitung? Nach dieser ganz, ganz großen Zuversicht, endlich eine Serie zu starten? All der Selbstsicherheit und den vielen, vielen Videostudien der Vorrunde?

Fein. Aber es sind ja immer noch 48 Punkte zu vergeben.

Schwachfug. All das.

Ich bin fertig mit dem Thema Meisterschaft. ‚Hatte ohnehin nur eine vage Hoffnung. Insofern Leverkusen die Dortmunder schlägt und wir in Wolfsburg gewinnen. Naiv nennt man so was.

In dieser Saison spielen Teams wie Leverkusen zuhause 1:1 gegen uns und ergeben sich der Borussia, schlägt Schalke uns 2:0 und liefert einen Offenbarungseid ab gegen den HSV. Den HSV.

Skurril bis lachhaft, dass der FC Bayern seinen Rückstand auf die Plätze 3 und 4 sogar verkürzt hat.

Trotzdem sind dies die Sphären in denen sich die Münchner heuer bewegen. Europa League bis Championsleague-Qualifikation.

Mehr kann man nicht erwarten, wenn man in den ersten 30 Minuten eines Gastspiels gefühlte zehn 100%-tige Chancen auslässt und in 18 Spielen 6 von 10 Elfmetern verschießt.

Ein Treppenwitz. Für einen Verein wie den FC Bayern.

Das einem „Leader“ wie Schweinsteiger passiert, einen Ball im eigenen Strafraum in der 86. Minute nicht einfach wegzuhauen, sondern das Problem spielerisch lösen zu wollen, spricht schon eine deutliche Sprache. So kommen wir nicht vom Fleck. Als ob all die Teams, die sich in dieser Saison gegen uns Punkte erkämpft, erzittert oder erduselt haben, danach den großen Durchmarsch hinlegten.

Pfff.

Am meisten nerven mich diese Allgemeinplätze nach dem Spiel. Die höre ich jetzt schon die ganze Saison. Ein – in Gedanken längst abwesender – Mark van Bommel faselt immer noch etwas davon, dass er solange an die Meisterschaft glaubt, wie rechnerisch alles möglich sei. Aha. Unrecht hat er nicht, aber man nimmt ihm, nimmt man dem FC Bayern derlei noch ab?

Und jetzt fällt auch noch Ribéry aus. Zwar kürzer als gedacht. Aber auch das Comeback von Robben zeigte ja, dass wir unsere Topform mit beiden Flügelflitzern wohl erst wieder erleben dürfen, wenn der Zug in Meisterschaft und Championsleague (Inter legt nämlich gerade eine Siegesserie hin) längst abgefahren ist.

Punkt. Bitter, aber iss so. Ich bin da ganz realistisch.

All das sage ich, wo ich doch nur Bilder von Zusammenfassungen gesehen habe.

Aber die zusätzlichen Kommentare über die unterschiedlichen Kanäle bestätigten das ja.

Gibt es überhaupt etwas Positives zu vermelden?

Doch. Tatsächlich.

Ab sofort will Herr Robben die Elfmeter schießen. Ein Anfang.

Und dann – was für eine Geschichte – hält Herr Kraft doch tatsächlich als gäbe es kein Morgen. Sogar einen Elfmeter. Sagenhaft (wie erwähnt: Ich springe. Und zwar über meinen Schatten).

Aber eben auch nur ein Spiel. Womit wir bei insgesamt drei wären. Also belassen wir es dabei und konzentrieren wir uns darauf, wie wir es jetzt endlich einmal schaffen, die Konzentration über die vollen 90 Minuten zu halten.

Das wäre der nächste Schritt. Auf dem mühsamen Weg zu Platz 2.

Einzelkritik?

Fällt schwer, wenn man keinem Spieler über die volle Distanz zusehen konnte.

Robben mit guten Ansätzen. Da spielt wohl die Zeit für uns. Ebenso wie bei vielen anderen.

Nächste Woche gegen Kaiserslautern. Dann auch wieder live. Gegen Lauterer im Übrigen, die ich heute ja live (in 3D) erleben durfte.

Eigentlich in der Arena kein Thema (noch dazu ohne Lakic, einem der Torschützen im Hinspiel). Aber was heißt das schon in dieser Anti-Bayern-Saison…

So schnell sind 23 Tage Winterpause rum

Kinder, wie die Zeit vergeht. Aber rund um den FC Bayern wurde uns in dieser Winterpause ja auch einiges geboten.

Vermeintlich.

Denn am Ende haben sich alle lieb und freuen sich wie Bolle auf die Rückrunde.

Wer bin ich, dass ich mich vor derlei Euphorie verschließe? Eben.

Am besten ließe sich diese Winterpause wohl in der Aufstellung beschreiben. Vielmehr dem Vergleich der Spieler, die beim Schlusspfiff des letzten Spiels vor der Winterpause auf dem Platz standen und der wahrscheinlichen (Wunsch-)Aufstellung zum morgigen Rückrunden-Auftakt der Bayern in Wolfburg.

Butt
Lahm – van Buyten – Breno – Pranjic
Tymoshchuk – Ottl
T.Müller – Schweinsteiger – Ribery
Klose

Kraft
Lahm – Breno – Badstuber – Gustavo
Schweinsteiger – van Bommel
Ribery – T.Müller – Robben
Gomez

Noch Fragen?

Ich bin müde zu diskutieren dieses Thema

So langsam reicht es mir.

Einerseits beginnt es mich zu langweilen, andererseits frisst es zu viel Zeit. Und im Kreis drehen wir uns sowieso.

Worum es geht?

Um die Themen aller Themen. Also den FC Bayern, seinen Trainer, dessen Entscheidungen und all die Diskussionen drumherum.

Mir ufert das alles zu sehr aus.

Da gibt es Bayern-Fans, die haben zu viel Zeit und offenbar zu viel Energie. Die gründen Facebook-Gruppen und starten sogar Petitionen. Petitionen! Dabei geht es hier nicht um den Atomausstieg sondern um einen möglichen Bayern-Torhüter Manuel Neuer.

Da gibt es Bayern-Fans, die diskutieren den ganzen Tag auf Twitter nur über dieses Thema.

Alles schön.

Aber ich habe für so was eigentlich keine Zeit. Und mir vergeht ob dieser „Übermacht“ auch die argumentative Lust.

Eigentlich sollte das die schönste und wichtigste Winterpause seit Jahren werden. Mit der Rückkehr unseres Messi(as). Herrn Robbens.

Mit einem Neuzugang Gustavo, der offenbar wirklich eine Verstärkung im Defensivverbund darstellt. Und einfach mit Vorfreude, dass es nächsten Samstag endlich wieder losgeht mit der Bundesliga.

Stattdessen verstricken wir Bayern-Fans uns in endlosen Disputen und Grabenkämpfen. Dabei haben wir doch alle nur ein Ziel: Den Erfolg unseres Vereins, des FC Bayern.

Nur scheint es zu diesem Ziel mehrere Wege zu geben. Und jeder ist mit unzähligen argumentativen Minen bestückt.

Damit das niemand falsch versteht:

Ich würde diesen Weg gehen, würde eigene „Der beste deutsche Torwart muss beim FC Bayern spielen“-Facebook-Gruppen gründen und sie ähnlich bewerben, würde jedem der es hören will oder nicht, die Richtigkeit meiner Argumente um die Ohren hauen. Würde. Schaff‘ ich aber nicht. Und will ich nicht.

Denn das würde mich zu sehr runterziehen.

Also blende ich es aus.

Blende ich aus, dass ich in Sorge bin. Ob der Weg, den unser Trainer gehen will, der richtige ist. Ob das alles klappt mit unseren Saisonzielen. Nach dieser Hinrunde. Und mit diesem Druck. Oder ob es im Desaster endet (Platz 4).

Ich lasse es einfach alles geschehen, springe über meinen Schatten und wünsche all denen, mit denen ich nicht einer Meinung bin, alles Gute.

Wünsche ich Thomas Kraft eine tadellose Rückrunde, wünsche ich van Gaal, dass er am Ende Recht behält.

Denn wünschen darf man sich alles.

Fortan konzentriere ich mich auf positive Gedanken.

Auf einen Flügelflitzer Robben, die geschlossene, zuvor lückenhafte linke Defensivseite, den 6er- oder 8er-Schweinsteiger und auch sonst noch jede Menge Helligkeit in diesem Winter, Frühling und Frühjahr. Vor allem nach soviel Dunkelheit in diesem Spätsommer, Herbst und Winter.

Ansonsten dürft Ihr über mich und diese Zeilen denken was Ihr wollt…

Die Torwartfrage – Wahnsinn oder Genie?

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag heute Vormittag schreiben. Eigentlich sollte es dabei um Nebelkerzen gehen. Und eigentlich dachte ich, dass Thema wäre entspannt.

Und dann brachen ein paar Dämme. Auch bei mir. Auf Twitter. Und sonstigen Kanälen.

Sicher, es ist Winterpause, es passiert nicht viel und der FC Bayern ist immer für eine Schlagzeile gut. Aber was heuer abgeht sprengt alles, was ich bisher rund um die Jahreswende und meinen Verein erlebt habe.

Erst das Thema Luiz Gustavo, Hoffenheim, Hopp, Rangnick und Co. – und nun die erneut aufflammende Diskussion um die Position des bayerischen Torhüters.

Das Verwunderliche: Eigentlich haben wir dort überhaupt kein Problem!

Butt hält seit 1,5 Jahren solide bis ausgezeichnet. Ferner haben wir in der Hinterhand einen Thomas Kraft, der wirklich mehr als gute Ansätze zeigt(e).

Da haben wir alle aber die Rechnung ohne die Emotionalität der Bayern-Fans gemacht.

Die meisten denken, dass im Tor des FC Bayern immer die deutsche Nummer 1 stehen müsse. Elitäre Denke, hat aber auch was mit Anspruch und Zielen zu tun. Prinzipiell sind sich da die meisten auch einig, allerdings kommt diesmal hinzu, dass die aktuelle Nummer 1 in Deutschland ein Vollblut-Schalker ist. Tja und damit geht es los.

Emotion pur.

Ok. Eine Handvoll Facebook-Fans und Teile der Ultras, Allesfahrer und Südkurvengänger sind noch lange nicht „die Bayern-Fans“ und schon gar nicht die Mehrheit. Die Vehemenz der Ablehnung Neuers findet trotzdem ihren Widerhall. In den Medien und bei denen, die so was dankbar aufnehmen.

Bis zu diesem Punkt waren die Fronten geklärt und das meiste ausdiskutiert.

Bis heute das Münchner Boulevard einzelne Aussagen unseres Trainers interpretierte und Gerüchte in die Welt setzte, dass van Gaal zur Rückrunde eben Thomas Kraft als neue Nummer 1 ins bayerische Tor befördert.

Der ebenso verdienstvolle und erfahrene Butt soll mit sofortiger Wirkung auf die Bank versetzt werden.

Peng.

Mein erster Gedanke: Was? Ist van Gaal jetzt völlig plemplem?

Mein zweiter: Warum?

Hat Butt den Rensing gegeben? Hat er sich etwas zu schulden kommen lassen, dass uns auch nur einen dieser 14 Punkte Rückstand auf den BVB eingebrockt hat?

Später am Tage, wohl überrascht von der Wucht des Echos seiner Andeutungen, versuchte er sich in diesem Punkt eindeutig doch noch nicht festzulegen. Irgendwie. Halbherzig.

Seine Worte:

„Ich muss einem Spieler meiner Mannschaft doch die Chance geben, dass er auch unter Druck spielen kann. Auch Kraft muss mit Druck umgehen können.“

?

„Beim 1. Mal haben Sie das nicht erwartet, beim zweiten Mal habe ich das gesagt, damit Kraft lernen kann mit dem Druck umzugehen. Auch das ist Ausbildung. Und ich glaube als Trainer von Bayern München auch die Verantwortung habe einen Spieler auszubilden.“

??

„Jetzt haben wir zwei Wochen Zeit, normalerweise haben wir nur zwei bis drei Tage Zeit um uns auf ein Spiel vorzubereiten.“

Ernsthaft? Das sind seine Gründe?

Sicher, van Gaal hat derlei schon zweimal mit Erfolg gemacht. Bei Ajax und bei Barcelona. Herausgekommen sind Edwin van der Sar und Victor Valdes (auch wenn diese Zeilen hier alles in einem anderen Licht darstellen). Aber sind beide Situationen mit der des FC Bayern 2010/11 vergleichbar?

Wir stehen in dieser Rückrunde vor einer Mammutaufgabe. Spielen noch in allen Wettbewerben mit.

Uns stehen zwei heiße Duelle in der Championsleague bevor. Gegen Inter Mailand, den Titelverteidiger, der zwar in der Hinrunde ähnliche Probleme wie wir hatte, dessen Stammspieler aber inzwischen alle wieder dabei sind. Wir haben die schwere Auswärtsaufgabe im DFB-Pokal in Aachen vor der Brust und wir müssen in der Bundesliga 14 Punkte gegenüber Dortmund aufholen. Zumindest aber bis zu vier gegen drei Mannschaften.

Da erfordert es höchste Konzentration. Ein Schwächeln wie phasenweise in der Hinrunde ab sofort verboten.

Klar könnte man jetzt einwenden, dass nicht allein Thomas Kraft für Siege verantwortlich sein wird und da vielmehr noch zehn andere Mitspieler ein Wörtchen mitzureden haben. Aber war es nicht zuletzt die Ruhe, Gelassenheit und Erfahrung eines Butt, die uns in den schweren Zeiten unter Rensing gerettet haben? War er es nicht, der einer ansonsten teilweise hanebüchenen Abwehr so etwas Ähnliches wie Sicherheit gab?

Kann Thomas Kraft das alles schon leisten?

Oder soll er es in dieser Rückrunde lernen? Schön. Operation am offenen Herzen.

Und was ist die Konsequenz, wenn die 50:50-Chance schiefgeht und Kraft scheitert? Analog zu Rensing? Dann gefährden wir massiv unsere Ziele. Und die Mindestziele sind die Championsleague-Qualifikation für die nächste Saison. Also Platz 3, besser noch Platz 2.

Reagiere ich übertrieben? Wohl eher van Gaal, oder?

Wieso nicht Kraft weiter aufbauen, wie er es schon in der Hinrunde getan hat? Muss es gleich die Holzhammer-Methode sein?

Ich hätte überhaupt keine Probleme damit, wenn wir in der BVB-Position wären. Gerne. Sofort. Aber so?

Nein. Für mich steckt da mehr dahinter.

Entweder weiß van Gaal, dass das mit Neuer und dem FC Bayern nichts wird. Dann macht er sich gerade einen Spaß daraus, den Vorstand und den Präsidenten lächerlich zu machen.

Wenn Neuer längst unterschrieben hat, dann will er es den hohen Herrn wahrscheinlich genauso zeigen: „Seht her, ich hätte mich ja für Kraft entschieden und jetzt zeig‘ ich Euch mal, warum!“

Oder mit Neuer ist noch gar nichts klar und van Gaal greift massiv in dessen Willensbildung und die Transferplanung der Bayern-Führung ein…

Ich weiß nicht, welche Option ich am schlimmsten finde.

Moment, es gibt ja noch eine vierte, bzw. fünfte Option. Entweder hat van Gaal Todessehnsucht (was seinen Job angeht) oder er liebt einfach das Spiel mit dem Feuer.

Puh.

Lehnen wir uns mal für einen kurzen Moment zurück und atmen wir tief durch.

Sollten sich diese Gerüchte tatsächlich und offiziell bestätigen, dann können wir daran ohnehin nichts ändern.

Die Anti-Neuerianer taumeln vor Freude und wir zittern.

Aber ich bin in der Lage differenziert und reflektierend zu agieren.

Am Ende des Tages ist ohnehin nur der FC Bayern wichtig.

Nicht Kraft, nicht Butt, nicht van Gaal, Hoeness oder sonst wer. Nur der Verein.

Persönlich hätte ich kein Problem damit, wenn Kraft jetzt eine überragende Rückrunde spielt und uns mit seinen Paraden in allen Wettbewerben nach vorne bringt. Was wäre ich für ein Fan, wenn ich ihm Fehler, Pech und Pannen wünsche, nur um Recht zu behalten? Nein, derlei käme mir nicht in den Sinn. Wenn das Spiel in Wolfsburg angepfiffen wird und er steht wirklich im Tor, dann will ich trotzdem, dass wir zu Null gewinnen. Und zwar so was von.

Ich bin mir nicht sicher, ob alle Neuer-Ablehner das im Umkehrschluss genauso entspannt sehen könnten.

Kurzum und um das Thema für heute und für mich zu beenden:

Diese Nachricht war für mich ein Schock. Aber ich lasse mich jetzt mal überraschen. Nur dieses Zwicken, dass die Saison vielleicht doch noch vollends den Bach runter geht, dass wird mich wohl den Rest der Saison begleiten.