Weisheiten #155

„Es ist unglaublich, wie er trainiert hat. Jeden Tag, jede Übung hundert Prozent. Aus jeder Übung macht er einen Wettkampf. An einer Kraftmaschine, an der nur die Arme trainiert werden, stellte er einen neuen Rekord auf. Alaba übertraf ihn, Robben holte sich den Rekord sofort zurück. Er trainiert wie ein phantastischer Profi.“

Bayern-General van Gaal, Robben-Fan.

Die falsche Begegnung zur falschen Zeit

Die Bayern spielen im Achtelfinale der Championsleague gegen Inter Mailand. Die Revanche für die Final-Schlappe der letzten Saison.

Zu doof, dass Inter inzwischen nur noch ein Schatten seiner selbst ist und wir nicht im Finale in dieser Form gegen sie spielen durften.

Aber so ist nun einmal das Leben.

Wenigstens spielen wir zunächst auswärts und haben wir nach der Winterpause hoffentlich wieder ein paar gesunde und fitte Hoffnungsträger zurück auf dem Platz.

Wollen wir doch mal sehen, wie wir gegen Mailand aussehen mit Robben und Ribéry.

Vielleicht schaffen es aber die Italiener doch noch irgendwie, dass beide in den Partien fehlen. Hat mit Ribéry im Vorjahr ja auch geklappt…

Weltpokalsiegerbesieger-Besieger und Der ewige Basti

Ich bin spät dran. Ich weiß. Mal wieder. Aber im Büro gibt es die übliche Jahresendrallye.

Zwei Dinge haben die Gazetten und sonstigen Kanäle rund um das Spiel gegen die Kiezkicker beherrscht. Die Tatsache, dass die Bayern wohl nun die beste Heimmannschaft der Liga sind (merkwürdige Tatsache anhand unserer Tabellensituation) und natürlich die erhoffte Vertragsverlängerung unserer neuen Mittelfeldmotors Bastian Schweinsteiger.

Meine Güte. Sollte Schweinsteiger bis zu seinem neuen Vertragsende in München bleiben, war er dann 18(!) Jahre im Verein. Das ist schon ganze Menge. Scheint aber eine neue Tendenz beim FC Bayern zu sein, eine neue Ära.

Denn ebenso die derBastian spielen ja noch weitere Eigengewächse wie Lahm, Müller und Badstuber längerfristig bei unserem Verein.

Wer will da noch davon sprechen, dass Eigengewächse und Talente beim FC Bayern keine Chance haben? Die üblichen Verdächtigen. Aber die kann man eh nicht überzeugen…

Nein, ich find‘ das mit Schweinsteiger richtig gut. Und ich bin ehrlich. Neben der Verlängerung von Müller ist das die wichtigste Nachricht in diesem Rahmen. Bei den Herren Badstuber und Lahm ist das eher das Vertrauen, auf künftige (Badstuber) oder zurückkehrende (Lahm) Stärke.

Zukunftsmusik.

Zurück zum Spiel.

Direkt nach Anpfiff wähnte ich mich im falschen Film. Die Hamburger Sportskameraden legten los wie die berühmte Feuerwehr und brachten unsere Defensive nicht nur einmal bedenklich in Schwierigkeiten. Am Ende sind wir schlauer und begriffen, dass dieses Spiel im Rahmen des diesjährigen Musters eine Vertauschung der beiden Halbzeiten mit sich brachte:

Ein starke zweite und extrem viel Schwimmübungen zum Start der ersten Halbzeit.

Sei es drum. In unserer Punktesituation nehmen wir es, wie es kommt.

Und es scheint zu kommen. Also Besserung. Herr Ribéry gewinnt pro Spiel 5-10 Prozent und ist demnach aktuell schon wieder bei… na auf jeden Fall besser als zuvor.

Daneben hatte Herr van Bommel diesmal keine rotwürdigen Fouls dabei. Ein deutliches Zeichen für bessere Fitness?

Sicher. Es gab Ausfälle. Herr Müller als Mittelstürmer. Aua. Aber sind wir nicht zu streng. Dafür, dass der FC Bayern gegen St.Pauli mehr oder weniger ohne echten Stürmer auf dem Platz stand, war das alles recht ordentlich.

Überhaupt, St.Pauli.

Ich sag es ja nur ungern (nein, ist gelogen, mir gefällt das sehr gut), aber St.Pauli ist die bessere Hamburger Mannschaft. Nicht zwingend tabellarisch, aber wenn ich die beiden Spiele vergleiche, dass war St.Pauli doch weit aus näher an einem Sieg gegen uns und wir gegen die Stadtteilkicker mehr in Bedrängnis als über die vollen 90 Minuten gegen HSV. Iss so. Bringt aber nix, denn beide liegen hinter uns und haben andere Probleme. Also abhaken.

Die Hinrunde ist nun fast rum. Robben trainiert (bald) wieder (noch so Wahnsinnsmeldung) und wir können uns nun voll und ganz auf die schwäbischen Bruno-ianer einstellen.

Na, ob das ein Auftakt nach Maß für den neuen VfB-Trainer wird? Ich hoffe nicht.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Gruppenphasenrekord oder Ribéry-Festspiele?

Besser spät als nie. Also der Bericht zum Basel-Spiel und Abschluss der diesjährigen Gruppenphase.

Wir haben einen neuen Rekord erzielt. An erzielten Toren und gewonnenen Spielen. Ist doch so, oder?

Insgesamt hört sich das sehr gut an. Trotzdem bizarr.

Denn schaut man sich die Gruppenspiele im Einzelnen und im Vergleich die Bundesliga im speziellen an, dann wirken diese Zeilen wie Hohn.

In der Königsklasse scheinen wir heuer das Glück gehabt zu haben, was uns in der Bundesliga fehlte. Da gewannen wir Spiele, obwohl unsere Abwehr ebenso schwamm wie in der Liga. Da erzielte der Gegner auch gerne mal die Tore, wenn wir selbst das nicht hinbekamen.

Ich erinnere mich an weniger Pfostenschüsse oder unberichtigt abgepfiffene Abseitstore.

Kurzum: Alles super. Oder?

Naja, sagen wir mal so: Besser so souverän in die Gruppenphase einziehen, als kläglich auszuscheiden und sich nur daran erfreuen zu können, den – nur noch ein Schatten seiner selbst gewesenen – Titelverteidiger zu schlagen.

Wenn wir ehrlich sind.

Und die K.O.-Runde startet eben erst in der so dermaßen mit Hoffnungen vollgeladenen Rückrunde, wie es noch nie eine zuvor beim FC Bayern gab.

Hoffnung zum Beispiel auf einen starken Ribéry, wie man ihn schon im Basel-Spiel sah. Wenn man nicht das Spiel gesehen, sondern nur die Berichte der Print-Journalisten gelesen hat.

Er hat zwei Tore erzielt, dass ist zunächst mal sehr gut. Beim ersten Tor stand er allerdings einfach nur mal richtig im Raum. Die wirkliche Leistung erbrachte hier Herr Contento, der tatsächlich in einem Monsterspurt den Ball noch von der Seitenauslinie kratzte und zum Franzosen spielen konnte. Großes Kino. Wie der Prä-WM-Jahr Lahm oder Herr Lizarazu. Egal.

Nein. Das war noch nicht wieder alte Ribéry. Denn abgesehen von den beiden Toren war da, vor allem in der ersten Halbzeit, noch viel heiße Luft und viel Festrennen gegen 2-3 Gegner.

Andererseits: Es ist eine Entwicklung erkennbar. Irgendwie. Und vielleicht, wenn die Kurve bis zum Rückrundenstart Mitte Januar weiter in der Weise ansteigt, ja, dann könnte es vielleicht soweit sein. Aber man weiß es nicht.

Und was soll ich groß nachtreten? Die Gruppenphase ist gespielt, wir haben – ergebnistechnisch – eine sehr gute, eine ausgezeichnete Leistung abgeliefert. Punkt.

Jetzt noch die restlichen drei Pflichtspiele gegen St.Pauli und den schwäbischen VfB abziehen und gut iss.

Dann atmen wir alle mal tief durch, pflegen Robbens Oberschenkelmuskelloch und gehen in uns.

Was es alles braucht für eine erfolgreiche Rückrunde.

Aber was ist eine „erfolgreiche Rückrunde“?

Für mich?

Erreichen der Championsleague. Entweder direkt oder über eine sichere Qualifikation. Also eher Platz 2, notfalls aber auch P3.

Und in den Pokalwettbewerben?

Also DFB-Pokal ist so eine Wundertüte. Im Prinzip würde ich da sagen: Gewinnen. Aber so was hängt eben von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel einem Robben wie im Halbfinale in der letzten Saison. Andererseits ist ein Ausscheiden auch kein echter Mehrwert bzgl. Erholung. Sind ja kaum Spiele…

Tja und was ein Weiterkommen in der Championsleague betrifft bin ich diesmal eher skeptisch. In der letzten Saison gab es neben Glück, Toren zu richtigen Zeitpunkten und Hammertreffern a la Robben (2:3 ins Florenz und Manchester) doch auch jede Menge Willen. Und einen Klose, der im Florenz die deutlichste Abseitsstellung der Fußballgeschichte zu seinem Vorteil nutzen konnte…

Vielleicht sollten wir in beiden Wettbewerben nur von Runde zu Runde denken und in der Liga wie gesagt auf Platz 2 schauen.

Sonst noch was zum Basel-Spiel?

Unsere Innenverteidigung stand soweit sicher. Muss man in diesen Tagen ja besonders hervorheben. Die Flügel machten ab und an sogar Dampf, ein Ribéry phasenweise mit Geniestreichen und gutem Stellungsspiel.

Unser Kapitän sucht immer noch. Und zwar seine Passsicherheit und Form. Herr Kraft zeigte erneut, dass er aktuell schon ein guter Backup ist.

Schweinsteiger wie immer Dreh- und Angelpunkt, Gomez mit ganz, ganz wenigen Bällen, Kroos mit noch weniger Schüssen.

Es hat gereicht und nur das zählt ja wohl.

Jetzt die Weltpokalbesieger besiegen und in den schwäbischen Abschluss dieses Fußballjahres 2010 starten.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Die Akte Robben 07-08/10 – es brodelt wieder

[18.10.2010] Der FC Bayern will es im Fall Robben notfalls zu einem zweiten Fall Bosman kommen lassen. Ein Umstand, der alle Vereine mit Nationalspielern freuen dürfte.

Der FC Bayern will den Mediziner-Streit mit dem […] KNVB zum Präzedenzfall machen. In der Zeitung DeTelegraaf sagte […] Rummenigge, die Münchner seien zu einer ‚jahrelangen‘ juristischen Auseinandersetzung bereit, um eine finanzielle Entschädigung für die Ausfälle von Arjen Robben und Mark van Bommel zu erzwingen. ‚Wenn ein Prozess kommen sollte, hat dieser Bosman“sche Dimensionen‘

Haben wir denn wenigstens eine gültige Rechtsschutzversicherung?

[18.10.2010] Da offenbar die bisherigen Verhandlungen mit dem KNVB zu keinem sinnvollen Ergebnis gekommen sind, kommt jetzt ein neuer Verhandlungsführer ins Spiel.

In den Streit zwischen dem FC Bayern und dem holländischen Fußballverband KNVB kommt Bewegung. […] Die niederländische Zeitung De Telegraaf berichtet, dass KNVB-Präsident Michael van Praag […] Kontakt zu der Führung des deutschen Rekordmeisters aufgenommen habe. […] Nun sollen sich Van Praag und Rummenigge beim Bundestag des DFB treffen […] Beide Funktionäre sind als Gäste eingeladen. Auch KNVB-Direktor Henk Kesler sei dabei. „Van Praag und Rummenigge hoffen, dort einen Schritt in Richtung einer Lösung zwischen Bayern München und dem KNVB gehen zu können“

[22.10.2010] Das Treffen in Essen lieferte zunächst keine brauchbaren Ergebnisse. Man will sich noch ‚mal treffen. Ahja.

„Die Atmosphäre hat sich entspannt. Wir haben unsere Positionen ausgetauscht. Die Holländer wünschen sich, dass wir uns mit Attacken zurückhalten.“ […] Noch gibt es keine Einigung zwischen den beiden Parteien. Innerhalb der nächsten zwei Wochen soll ein weiteres Treffen stattfinden. Dann wird auch Verbands-Direktor Bert van Oostveen dabei sein.

[05.11.2010] Na sowas, der KNVB erkennt seine Verantwortung im Fall Robben an? Wirklich? Bayern-Boss Rummenigge sieht es so.

Die Holländer hätten jetzt „erkannt, dass sie eine Verantwortung tragen“, sagte der Vorstandschef des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge. In naher Zukunft habe man ein Gespräch vereinbart, um die „Causa Robben“ zu besprechen. Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich „vorsichtig optimistisch“, dass man zu einer Einigung kommen könnte.

Hier meint KHR ausserhalb der Gerichte.

[07.11.2010] Er läuft.

Nach monatelanger Verletzungspause ist der niederländische Superstart zurück auf dem Trainingsplatz. Eine knappe halbe Stunde lang absolvierte Robben unter der Regie von Fitness- und Rehacoach Thomas Wilhelmi das genau auf seine Bedürfnisse abgestimmte Programm. […] Und Wilhelmi war „sehr zufrieden“ mit den Eindrücken, die er dabei von seinem Schützling gewonnen hat.

Mehr will man eigentlich nicht wissen, oder?

[09.11.2010] Alles zurück auf Los. Pustekuchen mit Einigung.

Der niederländische Verbandsdirektor Bert van Oostveen ist mittlerweile vom FC Bayern München in der Causa Arjen Robben genervt. „Karl-Heinz Rummenigge geht mir auf die Nerven. Lassen sie mich Eines klarstellen: Der KNVB erkennt die Schuld an der Verletzung Robbens nicht an. Die Parteien verhandeln noch“, so van Oostveen gegenüber ‚Voetbal International‘.

Jetzt mal ganz im Ernst: Gehen einem die Holländer auf den Sack oder nicht? Und wer ist da eigentlich alles im Boot? Wieviele Chefs haben die beim KNVB?

Die größte Klappe hat Verbandsdirektor Bert van Oostveen. So. Bad Cop. Good Cop ist KNVB-Präsident Michael van Praag. Vorher KNVB-Generalsekretär Harry Been und ein gewisser Henk Kesler.

Für mich wirkt das alles immer noch wie Hinhaltetaktik. Wenn der FC Bayern sich sicher ist und auch alle juristischen Fachberater, dann sollte man einfach klagen. Zack. Wenn man sich aber nicht sicher ist und die Holländer tatsächlich Recht haben – was ich mir auch kaum vorstellen kann – dann sollte man das Thema möglichst bald beenden. So oder so.

P.S. Auf der Wikipedia-Seite des KNVB wird man auch nicht schlauer. Da stehen nur Michael van Praag und Harry Been. Was haben van Oostveen und Kesler also zu melden?

Na laut KNVB-Webseite ist van Oostveen Chef der „Businessunit Betaald Voetbal“. Na dann.

Der FC Bayern steht im Achtelfinale. Schon wieder.

Der FC Bayern steht im Achtelfinale. Schon wieder. Diesmal in der Championsleague.

Ferner erzielte der FC Bayern einen neuen Startrekord. Vier Siege in den ersten vier Spielen. Hätte die Roma in Basel nur Remis gespielt, wäre auch der Gruppensieg schon geritzt.

So braucht es beim nächsten Spiel in der italienischen Hauptstadt – bei 6 Punkten und 10 Toren Vorsprung – nur noch ein 1:3 oder 2:4, oder, oder, um auch den direkten Vergleich beim letzten Konkurrenten um Platz 1 zu gewinnen.

Gute Aussichten.

Überhaupt gibt es noch eine kleine Schieflage zwischen der Liga und den Pokalwettbewerben. Gut, dass die nun aktuell in trockenen Tüchern liegen, da kann man sich mehr und mehr auf die Aufholjagd konzentrieren.

Zum Spiel selbst kann man so einiges Gutes sagen.

Klar ist Cluj kein übermächtiger Gegner (gewesen), aber aus drückender Überlegenheit haben die gleichen Bayern zu Saisonbeginn noch keine vier Tore erzielen können. Da mag ich nicht mehr tauschen.

Das sogenannte B-Team scheint sich immer mehr zu finden und somit ließ es sich auch nicht vom „Streit“ in der bayerischen Führungsebene beeindrucken. Andererseits: Das sind Fußballprofis. Wer sich von derlei Dingen in seiner Leistung beeinflussen lässt – wie will der da vor 80.000 „Gegnern“ bestehen?

Gut war Gomez, gut war Schweinsteiger, gut war Timoschtschuk, sogar Demichelis hatte keine entscheidenden Fehler drin. Sicher, Herr Lahm fallen im Moment Unterschriften leichter als herausragende Leistungen auf dem Platz und ja, für Herrn van Buyten wird, für die Rückkehr von Herrn Badstuber und/oder Herrn Breno, schon einmal ein Platz auf der Bank warmgehalten, aber ansonsten überzeugte das Kollektiv.

Abgesehen von einer Phase nach der Halbzeit hatte unser FCB die Lage doch im Griff, oder?

Und über vier Spiele in der Championsleague ist es dann eben nicht nur Dusel oder Glück.

Wie auch immer.

Die Gruppenphase ist überstanden und auch der Gruppensieg sollte jetzt kein Problem mehr sein. Oder glaubt jemand, dass wir in Rom mit drei Toren Differenz verlieren und dann noch das Heimspiel gegen Basel, während Rom Cluj schlägt?

Wer weiß.

Ausgerechnet im trüben November hellt sich offenbar die Stimmung und Perspektive beim FC Bayern auf.

Aufholjagd in der Bundesliga gestartet, Mindestziel in der CL erreicht (auch finanziell) und die Verletzten kommen auch so nach und nach wieder zurück.

Gut. Sehr gut.

Weisheiten #149

„Die Ausführungen des ehemaligen CEO des holländischen Verbandes, wie sie in den Medien widergegeben wurden, empfinde ich als peinlich und äußerst niveaulos, ja geradezu lächerlich. Ich bedauere sehr, dass die Diskussion nicht auf medizinisch fachlicher Ebene geführt wird, sondern auf eine armselige, persönliche Ebene abgeglitten ist. Dies geht mir zu weit. Es zeigt die offensichtliche Ohnmacht gegenüber meinen fachlichen Argumenten.“

Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt, Arzt und Buchautor

Auf sie mit Gebrüll. Die Holländer.

Klar. Wenn es um das Thema FC Bayern geht, hat jeder was zu melden. Sportjournalisten, Blogger, Twitterer. Und fast jeder hat so seine Schublade.

Wird es kontrovers, macht es noch viel mehr Spaß.

Und kontrovers ist es heuer mal wieder. Aufgrund des Saisonstarts. Aufgrund der Verletzten. Und überhaupt.

Aber versuchen wir doch einfach mal all das außen vor zu lassen. Selbst wenn es schwer fällt.

Hauptsächlich geht es mir hier um das Thema Verletzungen.

Den ersten Schock erlitten wir im Rahmen des Oberschenkels des Sportskameraden Robben.

Das Thema ist noch nicht ausgestanden und offenbar werden hier irgendwie ordentliche Gerichte ins Spiel kommen. Der KNVB sieht sich auf der sicheren Seite. Abwarten.

Hat man dieses Thema aber im Hinterkopf – aus Bayernsicht hat hier ein verletzter Spieler bei der WM gespielt und sich somit eine noch größere Verletzung zugezogen – dann kann man doch vielleicht die eine oder andere Reaktion aus dem FC Bayern-Umfeld rund um die Verletzung unseres Kapitäns Mark von Bommel ein wenig nachvollziehen, oder?

Nicht? Dann besser jetzt aufhören mit dem Lesen.

Mark van Bommel ist im ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Moldawien auf sein lädiertes Knie gefallen. Daraufhin – mit dem Fall Robben im Hinterkopf – wollte der FC Bayern (van Bommels Arbeitgeber) kein Risiko eingehen und seinen Spieler zwecks Untersuchung nach München zurückbeordern.

Spätestens nach der verharmlosenden Aussage von van Bommels Schwiegervater wurden die Reaktionen des FC Bayern von den obigen üblichen Verdächtigen nur noch belächelt. [1]

„Es ist nichts kaputt in Marks Knie. Es handelt sich um eine kleine Schleimbeutelentzündung am rechten Knie. Die hat er schon einige Wochen.“

Von KNVB-Chef Bert van Oostveen wurden wir ob dieser Pressemitteilung gar als asozial beschimpft.

Das Blatt wendete sich imho erst, als van Bommel dann tatsächlich schwerer verletzt vom Länderspiel zurückkehrte. Wie eben von uns Bayern befürchtet.

Der Spieler hat sich […] einen Faszienriss mit ausgedehntem Hämatom (Bluterguss) im rechten Knie zugezogen. Der Bluterguss musste von unserem Klub-Arzt heute auf Grund dieser Verletzung punktiert werden, dabei wurden 25 ml Blut aus dem Kniegelenk entfernt. Mark van Bommel wird wegen dieser Verletzung fünf Tage absolute Ruhe benötigen und muss sich danach an weiteren fünf Tagen einer Bewegungstherapie unterziehen.

Soso. Also nur eine kleine Schleimbeutelentzündung.

Ich will hier nicht die uralte Diskussion weiterführen, dass man sich Nationalspieler auch leisten können muss und dass Vereine, die mehr Nationalspieler beschäftigen, kaufen oder selber ausbilden, hier eben ein höheres Risiko tragen als Vereine, die kaum Spieler für deren Verbände anbieten.

Es geht mir ausschließlich darum, was der holländische Verband und die Verantwortlichen (Mediziner) rund um die holländische Nationalmannschaft hier für ein Spiel betreiben. Da werden angeschlagene Spieler eingesetzt, die sich bei der Gelegenheit aber mal richtig verletzen und anschließend wieder bei uns vor der Tür abgelegt. Vielleicht, damit wir sie dann bis zum nächsten Länderspiel wieder fit bekommen?

Waren so nicht auch Rummenigges Worte?

„Leider ist nun genau das eingetreten, was wir schon vor dem EM-Qualifikationsspiel Niederlande – Schweden am Dienstag befürchtet hatten […] Es wäre verantwortungsvoll gewesen, wenn Mark van Bommel schon gestern nach München zurückgekehrt und von unserem Klub-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt diagnostiziert und behandelt worden wäre. Stattdessen wurde einmal mehr der Beweis erbracht, dass ein Verband ausschließlich seine eigenen Interessen vertritt – und dabei sogar eine Gesundheitsgefährdung der Spieler in Kauf nimmt.“

Diese Meinung hat der FC Bayern übrigens doch nicht exklusiv.

„In dem Fall müssten Verein wie Verband sagen: Dann spielt er halt nicht. Aber die Niederländer handeln nach dem Motto: Nach uns die Sintflut. Damit verletzten sie die Verpflichtungen nationaler Verbände gegenüber FIFA und abgebendem Klub. […] Wir haben dieses Problem in der Tat nur in Holland, wo Spieler ohne Rücksicht auf Verluste für die nächste Begegnung fit gemacht werden. Ansonsten wird damit offensichtlich verantwortungsbewusster umgegangen.“

Vielleicht aber doch auch in anderen Ländern und mit anderen Bundesligateams.

Zurück zum roten Faden. Der holländische Verband.

Wären wir Bayern ob all dieser Verletzungen und Verhaltensweisen nicht ohnehin schon geladen, müssen wir uns immer weiter provozieren lassen.

„Wir saßen in der Klinik von Klubarzt Müller-Wohlfahrt. Er sprach nur mühsam Englisch und wiederholte eigentlich nur seinen einen Spruch, dass Muskelverletzungen nur durch Ruhe auskuriert werden können. Das stünde auch in diesem berühmten Buch, sagte er stets. Wer denn das berühmte Buch geschrieben habe, fragte ich ihn. ‚Ich natürlich‘, antwortete er. Bert van Oostveen hatte danach Probleme, ihn ernst zu nehmen.“

So Henk Kesler, Vorgänger von Bert van Oostveen. Diese Worte sprach er im Nachgang der Fifa-Auszeichnung des „KNVB mit dem MEDICAL CENTRE OF EXCELLENCE AWARD“ („Wir haben eine Kopie der Auszeichnung sofort nach München geschickt.“).

Wie lange ist Müller-Wohlfahrt jetzt eigentlich schon als Mediziner tätig? Nicht nur für den FC Bayern, sondern auch für die deutsche Nationalmannschaft? Nicht nur für Fußballer?

Und? Hat er in all den Jahren bei irgendwelchen Sportlern 5cm große Löcher übersehen?

Ganz im Ernst: Bin ich der einzige Bayern-Fan dem bei so was das Messer in der Tasche aufgeht?

[1] Selbst wenn van Bommel zuvor schon eine Verletzung hatte, mit der er beim FC Bayern gespielt hat, muss der FC Bayern das gewusst, bzw. die Ärzte ihn behandelt haben. Falls er dies verschwiegen hat, müsste man mit ihm auch mal ein Wörtchen reden. Im Rahmen der Pressemitteilung ging es aber um die Verschlechterung seines Zustandes (-> Faszienriss) und die Absicht der Holländer ihn trotzdem spielen zu lassen.

Weil es weh tut, geil und Länderspielpause ist

Ich kann nicht anders. In dieser trüben Stimmung (herbstlich jetzt) und mit der miesen Perspektive, derlei erst wieder 2011 sehen zu dürfen, muss ich einfach auf diese drei Schmankerl verweisen.

Leidet und erfreut euch mit mir.

Einmal, zweimal, dreimal.

So gewinnt der FC Durchschnitt keinen Blumentopf

Was ist der Unterschied zwischen dem heutigen Spiel in Dortmund und dem letzten?

Ribéry und Robben.

Das klingt platt, ist aber so gemeint.

Dem aktuellen FC Bayern fehlt es an offensiver Inspiration, an Geschwindigkeit, an Anarchie vor dem Tor.

Kurz, an allem, was Ribéry und Robben auszeichnet.

Den Kollegen, die die beiden vertreten, fällt diesbezüglich nichts, aber auch gar nischt ein.

Und hinten gibt es in jedem Spiel immer und immer wieder einen Kollegen, der den üblichen Bock schießt und somit seine Mannschaft auf die Verliererstraße bringt.

Die berühmt-berüchtigte Bayern-Philosophie „lass die hinten mal offen wie ein Scheunentor sein, wir machen vorne schon unsere Buden“ ist tot.

Wie soll das auch gehen, wenn wie aus dem Nichts ein Mario Gomez zum Gastspiel in Dortmund der Hoffnungsträger ist?

Sicher, er machte seine Sache mehr als gut, war fast noch bester Münchner auf dem Platz der ersten Halbzeit. Vor allem, weil man ihm anmerkte, dass es besser wurde, je länger er machen durfte. Aber von Mario zu erwarten, dass er sämtliche zwei, drei Chancen eiskalt verwandelt – nach dieser Vorgeschichte? In dieser Saison?

Also bitte.

Andererseits hätte es den BVB der zweiten Halbzeit wohl nicht gegeben, wenn Gomez getroffen hätte.

Wir werden es nicht erfahren. Stattdessen wurde Herr Demichelis zum besten Borussen. Was für ein „Comeback“. Unfassbar. Ob van Buyten den Ball vor dem 0:1 genauso im eigenen Strafraum zum Gegner geköpft hätte? Wahrscheinlich. Also drehen wir uns ohnehin im Kreis. Sein Handspiel vor dem Traumfreistoß zum 0:2? Geschenkt.

Überhaupt. War die Borussia jetzt wirklich so stark oder die Bayern so schwach? Allwöchentlich die gleiche Frage.

Sowohl als auch.

Inzwischen hat wohl der letzte Gegner begriffen, dass man die Bayern einfach spielen lassen darf. 80-90% Ballbesitz? Kein Thema, irgendjemand semmelt den Ball schon für uns in die Maschen und davon erholen sich die Bayern nicht…

Vier erzielte Tore in sieben Spielen. VIER!

So was nennt man Durchschnitt. Und das wird sich auch nicht ändern bis zum ominösen 10.Spieltag. Von Seiten des FC Bayern und seinen Fans will man ja die Tabelle vorher nicht anschauen. Na dann viel Spaß.

Es mag verbittert klingen, aber ich würde eher darauf tippen, vor der Rückrunde keinen Blick darauf zu verschwenden. Bis dahin sind es dann eher 20 Punkte Abstand. Oder so.

FC Durchschnitt.

Wie soll man das anders nennen, wenn wir ein System spielen lassen, für das wir nicht die Spieler haben (Thema Ribéry & Robben) und mit aller Macht unser Trainer Louis van Ratlos trotzdem einfach so weiterspielen lässt?

Butt (solide, keine Fehler, bei den Toren machtlos),
Lahm (rennt seiner Form immer noch und immer langsamer hinterher),
van Buyten (diesmal nicht den entscheidenden Fehler gemacht – immerhin),
Badstuber (hölzern und ungeschmeidig – wie immer, trotzdem den Ball vor dem 0:1 unhaltbar abgefälscht),
Braafheid (noch mit die beste Leistung von ihm im Bayern-Dress, zumeist die Position gehalten, an keinem Tor beteiligt gewesen (oder?)),
van Bommel (am stärksten immer noch nach dem Spiel am Mikro – beim Verteidigen seines Spiels und seiner Mitspieler),
Pranjic (Mr. Durchschnitt),
T. Müller (sein schwächstes Spiel seit langem),
Schweinsteiger (verschenkt auf der 10),
Kroos (Leistung seiner zweiten Bayern-Zeit wird immer unverschämter),
Gomez (Respekt – beste Leistung seit Wochen, fehlte noch ein wenig die Sicherheit und Präzision),
Demichelis (ohne Worte) und
Olic (wo ist der Olic der Vorsaison?).

Was aber bei all dem schlimmsten ist?

Wenn man keine Zauberer, keine Anarchen mehr auf dem Platz hat – wo sind dann die Arbeiter, die Läufer, die Kämpfer?

Einige Spieler sind nach dieser Vorsaison wohl so selbstverliebt und den Robben-Schatten so sehr gewöhnt, dass sie gar nicht merken, wie sie sich lächerlich machen, wenn man eben dieses immer noch einräumt.

Also genug zu laufen, zu kämpfen und Einsatz bis zum Umfallen an den Tag zu legen.

Ist es wirklich nur das Pech, dass wir vorne das Tor nicht treffen?

All das ist ja momentan schlimmer als unter Magath und Hitzfeld, als wir diesen Langweiler-Erfolgsfußball spielten. Und selbst dieses Gerede vom „Kaputtspielen des Gegners“ zieht doch inzwischen nicht mehr.

Irgendwann muss man dann eben doch mal ’ne Bude machen, sonst verliert man beim Gegner den Respekt. Zum Beispiel beim BVB.

Ob die wussten, dass hinten ohnehin nix anbrennt und sie sich deshalb im ersten Spielabschnitt geschont haben?

Es hatte fast den Anschein. Erschütternd.

Und was passiert jetzt?

Die Führungskräfte des FC Bayern werden Zeter und Mordio schreien, der Trainer in sein „Paradies“ nach Portugal(?) entfliehen und die Herren Nationalspieler stellen ihre Knochen erneut den Geld scheffelnden nationalen Verbänden zur Verfügung.

Und was mache ich?

Nix.

Als Fan kann man ja eh nix machen. Ach ne, da fällt mir doch noch was ein: Sich von der Meisterschaft verabschieden.