Jedem Ende wohnt ein Zauber inne oder Kokolores-Kalle

Es ist vollbracht. Die Winterpause ist da. In den letzten Wochen habe ich ja kaum noch daran geglaubt, dass wir die mal erreichen würden. Also eher meinte ich damit mich selbst und meine Müdigkeit. Aber ich will Euch damit nicht noch weiter langweilen.

Das letzte Pflichtspiel im Jahre 2012 unseres FC Bayern liegt hinter uns. Dies soll kein Jahresrückblick werden – solche Worte bieten sich da halt einfach an. Bedeutungsschwanger, in größeren Zeiträumen denkend.

Genau dieser Umstand war die größte Gefahr für unsere Jungs beim Pokal-Achtelfinale in Augsburg. Eine andere Gefahr gab es nicht (abgesehen von einer gewissen Unbeherrschtheit, aber dazu später mehr). Denn wie schon im Bundesligaspiel an gleicher Stätte, so war ich auch diesmal davon überzeugt, dass uns die Augsburger nicht schlagen können würden.

Natürlich, es war „ein Pokalspiel“, es spielte „Klein gegen Groß“, „arme Schlucker gegen Steinreich“ – oder einfach der FC Bayern. Der „große“ FC Bayern. Habe ich etwas in der Mottenkiste der üblichen Verdächtigen an den Mikros und vor den Kameras übersehen? Wahrscheinlich. Denn unser Verein dient ja als Projektionsfläche für so ziemlich alles und jeden in diesem (Fußball)Land. Diesen Umstand haben wir uns hart erarbeitet, sicher, aber es darf mich trotzdem in jedem dieser Spiele, die – glaubt man den Kommentierern – jederzeit hin zu einer Seensaatiioon kippen könnte, stören.

Es brauchte nicht lange, da wurde uns dieser Umstand auch am Dienstag eingeredet.

Ich will nicht in Abrede stellen, dass Augsburg gerannt ist, gekämpft hat, alles in die Waagschale geworfen hat, was sie zu bieten hatten. Ich will einräumen, dass da mehr kam als vor Wochen im Bundesliga-Aufeinandertreffen. Ich muss erwähnen, dass wir durchaus einen Handelfmeter hätten bekommen können. Aber! Hätte all dies etwa gereicht, unseren FC Bayern ernsthaft zu gefährden? Nein. Meiner Meinung nach nicht.

Viele dachten (hofften) ja, dass wir nach dem Platzverweis gegen Ribéry irgendwie anfangen würden zu wackeln. Zu dumm, dass die 2012/13er Münchner bis jetzt niemandem diesen Gefallen getan haben. Analog zu den Dortmundern der jüngeren Vergangenheit.

Selten war ich im Laufe eines Pokalspiels meines FC Bayern relaxter als in diesen 90 Minuten. Augsburg war einfach zu schwach. Punkt. Und da kann man als Augsburger Spieler oder Funktionär noch so viel Lobendes über die Leistung in diesem(!) Spiel sagen, am Ende des Tages sind sie raus aus dem Pokal und stehen in der Bundesliga auch nicht gerade rosig da. Irgendwann hat sich das Argument „Pech“ mal abgenutzt.

Genug dazu.

Apropos Ribéry.

Unser kleiner französischer Turbodribbler hat sich und uns einen Bärendienst erwiesen. Wirbelte er zuvor noch die Augsburger Defensive durcheinander, zeigte er nach der Provokation kurz nach der Pause Nerven und ließ sich zu einem, sagen wir mal, unangemessenen Kontakt mit seinem Gegenspieler hinreissen.

Ich bin da ganz bei DonJupp. „Ein Spieler des FC Bayern darf sich nicht provozieren lassen.“ Noch einmal: Punkt.

Alle(!) anderen Aussagen zu diesem Thema (Schweinsteiger(!), Sammer(!!), Rummenigge(!!!)) sind brutaler Kokolores.

Ribéry wird gefoult und gefoult und gefoult. Und provoziert. Klar. Das ist nix Neues. Und ja, auch vor dieser rote Karte war das so.

Aber erstens wurde das Foul gepfiffen, zweitens deutet er nicht nur einen Tritt in Richtigung seines Pendants an, nein, die Hände im Gesicht des Gegners nehmen im Schlagabtausch in ihrer Wirkung zu. Erst ein leichter Wischer von Ribéry, dann eine stärkerer Wischer des Augsburgers (sorry, ich habe inzwischen sogar seinen Namen vergessen, so unwichtig ist mir das) und zu „guter“ Letzt für alle sichtbar ein Schlag von Ribéry.

Das geht nicht, lieber Franck!

Welche Konsequenzen sein Verhalten hatte? Er fehlt uns bis zu einem möglichen Finale in Berlin. Und vor allem in der nächsten Runde, im imho vorweggenommenen Finale gegen die schwarzgelbe Borussia aus Dortmund. In München.

Das ist nicht dramatisch, aber es hat Dimensionen, als ob beim BVB „Rötze“ gleichzeitig fehlen. Zwar bin ich von einem „Mimimi“ weit entfernt, aber sein hätte es nicht müssen.

Da tröstet mich auch nicht der Umstand, dass die Augsburger im weiteren Spielverlauf mit der Aufgabe selbst das Spiel zu machen und nun ihrerseits gegen einen tiefer stehenden, brutal anlaufenden und auf Konter lauernden Gegner überfordert waren. Deutlich überfordert. Gefährlicher waren sie gegen 11 Bayern allemal.

Mir hat das Spiel gefallen. Weil Herr Neuer endlich mal wieder seine Klasse in einigen Paraden zeigen konnte (Seid ehrlich, einige von Euch haben doch insgeheim schon wieder Gedanken gehabt…). Und weil es mir einen Müller-Moment schenkte, wofür wir diesen Klasse-Typen einfach immer nur lieben werden. Was für eine gemalte Choreografie, dass der Thomas nur kurze Zeit später seinen Vertrag beim FC Bayern verlängerte. Signalwirkung.

Das Spiel ist inzwischen zwei Tage her und ich erinnere mich nicht mal mehr an alle relevanten Szenen (was aber auch an meinem Alter und meiner momentanen (Blog)Müdigkeit liegen kann *g*). Aber neben der roten Karte, dem möglichen Handelfmeter, den beiden Toren – was war da noch?

Ach ja, das „Tor“ von Herrn Timoschtschuk.

Seit ich Stammhörer des Schiedsrichter-Podcast „Collinas Erben“ bin, habe ich meine Einstellung zu und meine Sichtweise auf die Schiedsrichter erneut angepasst. Früher ging mir ein „das muss der doch sehen“ viel leichter über die Lippen oder durch den Kopf als heute.

Wer im ersten Augenblick zweifelsfrei erkannt hat (Live!), dass der Ball von Timoschtschuk klar hinter der Linie war, der hebe bitte die Hand. Ach, erst in der zweiten Zeitlupe? Oh.

LizasWelt, 50% Prozent des fabulösen Schiedsrichter-Podcasts hat über Twitter die entscheidende Spielszene mit grafischen Unterstreichungen publiziert. Darauf ist Folgendes zu sehen:

1.) Der Schiedsrichter hatte eine verdeckte Sicht, da in dem Moment, als der Ball – hinter der Linie – im Tor einschlug, der Augsburger Torhüter am Boden – und somit vor dem Ball – lag.

2.) Der Schiedsrichter-Assistent konnte das Tor nicht erkennen, da er – regelkonform – auf der Höhe des (vor)letzten(?) Abwehrspielers stand um eine mögliche Abseitssituation zu erkennen.

Was hier fehlte?

Ein Torschiedsrichter (wie in der Championsleague) oder ein Chip im Ball (und keine Ballchip-Kamera, oder was auch immer uns die ARD in der Übertragung für einen Unsinn erzählt hat)!

So was passiert. Und das gehört zum Fußball dazu. Was viel wichtiger ist? Das es Spieler wie Thomas Müller gibt, die, auch wenn sie mal von der Bank ins Spiel kommen, brennen, laufen und jeden Ball vernünftig an den Mann bringen wollen (und können).

Wie für einen Lehrfilm ist hier seine Vorarbeit zum entscheidenden 2:0 durch Herrn Shaqiri zu bewerten. Sagenhaft. Weshalb der Jubel seiner Kollegen auch eher ihm und weniger dem Schweizer Schützen galt.

Ich könnte noch viel mehr über meine Bayern reden. Was ich von Gomez und Mandzukic in diesem Spielt hielt (wenig). Was von unseren Außen Alaba und Lahm (noch weniger). Aber ich möchte es dabei bewenden lassen.

Es ist Winterpause und wir haben eine ausgezeichnete Ausgangsposition für die Rückrunde. Wir sind in allen Wettbewerben noch top vertreten, haben einen unglaublichen Vorsprung in der Bundesliga, eine Chance zur Pokalfinal-Revanche im Pokal-Viertelfinale und mit dem FC Arsenal einen schlagbaren Gegner in der Championsleague vor der Brust.

Es könnte uns schlimmer gehen.

Ganz zu schweigen von den verletzten Spielern, von denen – bis auf Herrn Badstuber – alle zur Rückrunde wieder auf dem Platz stehen können sollten. Vor allem Gustavo und Robben. Denn direkt im Spät-Winter und Früh-Frühjahr heißt es improvisieren.

Gegen Dortmund fehlt unser Motor Ribéry. Da brauchen wir mit Robben eine zusätzliche, vielleicht Überraschung erzeugende Option.

Gegen Dortmund fehlt unser IV Nr.2 oder 3 Boateng. Da brauchen wir einen Martinez eventuell auf dessen Position und somit einen Gustavo (in der Form der frühen Hinrunde) um gegen Arsenal nichts anbrennen zu lassen.

Schlimm genug, dass wir diese Umstellungen aufgrund von unnötigen Platzverweisen durchdenken müssen.

Was passiert jetzt?

Wir feiern Weihnachten und genießen die Ruhe. Im neuen Jahr sammeln wir unsere Kräfte und versuchen die Ernte dieser Hinrunde einzufahren. Ich, wie Ihr, wie der FC Bayern.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Paule der Fanversteher – eine Chronik

Wo soll man da anfangen? Bei meinen vielen Beiträgen zum Thema Ultras und FC Bayern? Bei der Zerissenheit der Fans des FC Bayern? Beim Kampf der Jungen („Ultras“) gegen die Alten („Kuttenträger“)? Bei den Problemen des Vereins mit seinen Fans? Und umgekehrt?

Es gibt unzählige Fäden, die man aufnehmen könnte und irgendwann aufnehmen muss.

Ich fang‘ am besten bei mir selbst an.

Meine Einstellung, meine Meinung zu weiten Teilen der aktiven Fanszene war für lange Zeit ein schwieriges Thema. Mit den Ultras hatte ich nichts zu tun, mit dem Club Nr.12 konnte ich nichts anfangen. Ich kannte den C12, klar, aber was waren die Hintergründe, was waren deren Abgrenzung, Positionierung zu kritikwürdigen Teilen unserer Fanszene?

Wahrscheinlich wäre ich auch heute noch so undifferenziert, wenn es nicht diesen Moment gegeben hätte, als es bei mir Klick gemacht hat.

Während des Heimspiels gegen Stuttgart.

Ich fing damals an, mir mehr Gedanken über unsere (aktiven) Fans zu machen. Ich versuchte differenzierter zu denken. Zu akzeptieren, dass es nicht die eine Lösung, den einen Weg geben könnte, geben müsse. Dafür war dieses Erlebnis zu prägend.

Ich hatte zuvor und auch danach einige Mitglieder des C12 zunächst virtuell über Twitter und später in der Realität kennen gelernt. Ich lernte, wie sehr sich der C12 unterscheidet von reinen Fanclubs oder abgrenzt von Ultragruppierungen.

Natürlich sind auch Ultras Mitglied im C12. Ebenso wie 40something-Familienväter und Ex-NRW-Allesfahrer-und-sogar-mal-SK-DK-Inhaber wie ich. Oder Prominente. Oder, oder, oder.

Ich bin ja nun selbst Mitglied des C12 und mir liegt die Vereinssatzung vor. Ich zitiere:

[…]

§2 Zweck

(1) Der Verein versteht sich als unabhängiger Zusammenschluss der aktiven Fans des Fußball-Club Bayern München e.V.

(2) Ziel ist die Vertretung allgemeiner Faninteressen gegenüber Vertretern des Fußball-Clubs Bayern München e.V., den Medien, den Fußballverbänden oder gegenüber anderen fußballspezifischen Organisationen. […]

(3) Wir setzen uns ein für die Erhaltung, bzw. Wiedergewinnung der Fankultur in deutschen und europäischen Stadien. Hierzu gehört insbesondere der Einsatz für die Erhaltung bzw. Rückgewinnung von Stehplätzen.

(4) Grundsätzlicher Bestandteil des Fanwesens ist die Unterstützung der eigenen Mannschaft. Ziel des Club Nr.12 ist es, die Unterstützung zu verbessern. Dazu gehört insbesondere die Organisation und Durchführung von Stadionchoreographien.

[…]

*Fettungen unterstreichen meine eigenen Interessen, auch schon vor meiner Mitgliedschaft

So richtig überzeugt (von einem notwendigen Beitritt) wurde ich von weiteren Informationen, die mir zwei Podcasts mit C12-Gästen lieferte.

Erfolgsfans“ und „Fehlpass„.

Was mir zuvor unbekannt war, waren die Grundlagen der Entstehung des C12. Die wundervollen Choreos und eine Organisation derselben. Dies gilt es imho auch für die Zukunft zu unterstützen!

Der andere – entscheidende – Aspekt ist der Ansatz, dass ich den C12 als (fast einzigen seriösen) Ansprechpartner für den FC Bayern in Fan-Fragen stärken will.

Wer ist denn Ansprechpartner für den Verein, wenn es der C12 nicht ist?

Die „Schickeria München“, oder „Inferno Bavaria“? Himmel!

Nein, ich bin mehr als überzeugt davon, dass meine 12,- Euro-Jahresbeitrag gut angelegt sind.

Auch hier, wie beim Thema „Stimmung im Stadion“, gilt: Wer macht es denn (die Kommunikation, den Dialog mit dem Verein), wenn es nicht der C12 macht? Fans wie ich sicher nicht (auch wenn ich persönlich dazu große Lust hätte, wären da nicht die frustrierenden Berichte meiner C12-Bekannten zum Thema FCB-Ansprechpartner).

Worum geht es mir aber eigentlich bei diesem Beitrag?

Bei all meinen Lesern um Verständnis zu bitten, für Verständnis zu werben.

Für die aktive Fanszene, für die Fans, die den Verein nicht nur genauso lieben (nein, ich vergleiche hier nicht), sondern für uns auch tatsächlich Stimmung machen.

Es geht in diesem Bericht ausdrücklich nicht um die Probleme, die viele Fans (auch Leser und Kommentierer) mit „den Ultras“, „der Südkurve“ haben.

Es gibt nämlich nicht „die Ultras“, „die Fans“ oder „die Südkurve“ – all das ist eine Illusion. Oder besser eine Utopie, ein Wunsch. Denn auf den Weg zu einer geeinten Kurve, einem gemeinsamen Ziel aller Fans, einem Verständnis des Vereins für seine aktiven Fans, in Folge dessen Verein und Fans Seite an Seite stehen, sind wir vielleicht gerade abgebogen, aber ob wir diesen Weg auch bis zum Ziel beschreiten ist offen.

Aus meiner Sicht ist hier eine „überparteiliche“ Organisation wie der C12 absolut notwendig. So gut oder schlecht die eigene Meinung eines jeden Bayern-Fans über den C12 sein mag.

Mich wühlt dieses Thema einfach viel zu sehr auf, viel mehr als ich dies noch vor Jahresfrist von mir selbst erwartet hätte.

Ich bin gar inzwischen – durch meine hinzugewonnenen Kontakte (aus der „Fan-Szene“) – zum „Fan-Versteher“ geworden. Und bevor jetzt einige Leser an dieser Stelle aufhorchen: Nein, der alte Teil von mir ist weiter vorhanden, es kam nur ein neuer Teil zu meiner (Fan-)Persönlichkeit hinzu.

Um zum Anfang der Entwicklung zurück zu kommen.

Von dem Moment, der mich gegen Stuttgart so nachhaltig beeindruckte, gibt es leider weder Ton- noch Bildaufzeichnungen. Vom Spiel gegen die Dortmunder Borussia sehr wohl.

Dieses Spiel bewegte mich nicht minder. Als Fan-Versteher wie als FCB-Fan.

Es gab – ähnlich wie beim Spiel gegen den VfB – einen Protest, einen Stimmungsboykott. Wir konnten also im Stadion live verfolgen, wie so ein Fußballspiel ohne Stimmung ablaufen könnte. Nicht schön.

Der erste Mal war ich extrem berührt, als vor dem Anpfiff die BVB- mit den FCB-Fans einen Wechselgesang anstimmten. Gegen die DFL. Nicht unbedingt nur weil ich auch so einiges der möglichen DFL-Maßnahmen für zumindest diskussionswürdig halte.

Nein, es war diese – zugegeben – für Bayern-Fans ungewohnte „Verbrüderung“. Da war plötzlich dieses Gefühl der… Gemeinsamkeit. Über erbitterte Vereinsgräben hinweg. Berauschend.

Dann der Anpfiff. Und Stille. In der Südkurve. Und im kompletten Gästebereich. Beeindruckend. Und nicht wünschenswert.

Mein Video startet ca. in Spielminute 11:50 (und erweckte irritierte Blicke meiner unmittelbaren Mit-Fans im Block („Was macht der denn da und was passiert da gleich?“)).

Bildet euch selbst ein Urteil.

Man kann über Ultra-Sing-Sang und alles andere diskutieren wie man will. Und auch, ob es langfristig vielleicht ohne „die Ultras“ gehen könnte, weil sich dann wieder andere Stimmungsströmungen in „der Kurve“ entwickeln könnten. Ganz zu schweigen von den Problemen, die vor uns liegen, wenn es Politik, Verbände und Vereine geschafft haben, die „gemäßigten aktiven Fans“ aus den Kurven zu verdrängen und wahlweise nur noch „stimmungslose“ Fans, oder (im schlimmsten Fall) radikale(re) Gruppierungen den Ton angeben.

Man kann aber nicht weg diskutieren, dass auch und gerade der FC Bayern diese „Power“ braucht. Und was man im Video sieht, ist nur annähernd so beeindruckend wie mein „Schlüsselerlebnis“ im April diesen Jahres!

Unterstützt den C12 und ihr unterstützt am Ende imho diesen kraftvollen Support.

Sicherheit ist ein gefährliches Gut oder Messer? Wer hat hier ein Messer?

Ich liebe Social Media. Aus Gründen. Wer diese – meine – Kanäle nutzt, nimmt Teil an meinem Leben. Wer nicht, nicht. Kein Ding.

Was ich allerdings sehr schätze ist die Schnelligkeit und Reduktion auf das Wesentliche. Auf das Wesentliche, was einen persönlich interessiert.

Auf Twitter fing es am späten Freitagabend an, auf Twitter breitete es sich aus, über Twitter erfuhr ich regelmäßige Updates und auf Twitter auch den aktuellen – finalen – Status quo.

Von Freitag bis zum heutige Dienstag sammelte ich Informationen und bildete mir eine Meinung, verwarf diese und kam zum Schluss, dass es nun an der Zeit ist für diesen Beitrag.

Worum geht es? Worum soll es schon gehen, darum, worüber zurzeit fast alle rund um den FC Bayern reden: „Die Zelte“.

Aller Anfang war dieser Link (Freitag, 09.11.2012, 19:19 Uhr), bzw. dieser hier.

Hallo Eintrachtfans,

am gestrigen Abend wurden wir, durch Münchner Quellen, darüber informiert, dass der FC Bayern München, in Absprache mit der Münchner Polizei, Zelte, welche möglichen Voll- / Ganzkörperkontrollen dienen, für das morgige Spiel am Gästeeingang errichten lasse.

Es folgten massive Irritationen und gemischte Gefühle schon im Vorfeld des Bundesligaspitzenspiels FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt.

Aufgrund dieser Informationen haben wir heute, unterstützt durch unser Vorstandsmitglied Axel Hellmann und unseren Sicherheitsbeauftragten Oliver Lerch, versucht diese Maßnahme zu verhindern. Wir haben sehr klar darauf hingewiesen, dass wir solche Maßnahmen vollumfänglich ablehnen, diese – wie auch die Historie der letzten Jahrzehnte bei Spielen in München, welche ohne nennenswerte Vorfälle vonstattengingen, eindeutig belegt – für unangemessen sowie massiv überzogen halten.

Auch die Szenekundigen Beamten der Frankfurter Polizei haben ihrerseits versucht dem entgegenzuwirken und klar und deutlich formuliert, dass solche Zelte keinesfalls zielführend sind, sondern lediglich als Provokation empfunden werden.

Leider hat all dies keine wesentliche Wirkung gezeigt, so dass wir am heutigen Abend darüber informiert wurden, dass man von dieser Maßnahme nicht abrücken wird und es somit „in Einzelfällen“ zu Ganzkörperkontrollen durch den Ordnungsdienst des FC Bayern München und der Polizei kommen kann.

Zum Zeitpunkt am Freitagabend hatte ich offene Fragen auch bzgl. dieser Erklärung:

1. Bei wem versuchten Hellmann und Lerch „diese Maßnahme zu verhindern“?

2. Wo haben „Szenekundigen Beamten der Frankfurter Polizei ihrerseits versucht dem entgegenzuwirken“?

So oder so kochten die Diskussionen, Spekulationen und Vorverurteilungen hoch. All dies war aber erst ein Vorgeschmack, was in den nächsten Tagen folgen sollte…

Lange Zeit war ich nur ein Beobachter und habe mich lediglich allgemein und mit Andeutungen einer Meinung geäußert. Wie sollte man sich auch eine Meinung bilden, wenn sich die Fakten entweder zügig änderten oder einfach keine Fakten waren.

Der Club Nr.12 twitterte schon vor dem Spiel das erste – und danach häufig verwendete – Foto der Zelte. Wie er und einige andere, ihm nahestehende Twitterer ohnehin Infos aus erster Hand lieferten.

Zu diesem Zeitpunkt wurde noch kontrovers über die möglichen Aktionen innerhalb der Zelte diskutiert. Vor allem das (möglicherweise) vollständige Entkleiden wurde hier verurteilt. Unter anderem wurde auch auf die Unzulässigkeit dieser Maßnahme hingewiesen.

Hier erste Reaktionen von Blogs und Medien.

Irgendwann flatterte dann auch der offizielle Polizeibericht ins Twitterland. Ich zitiere die entsprechende Passage:

1973. Polizeibericht zum Bundesligafußballspiel FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt
Am Samstag, 10.11.2012, um 15.30 Uhr, kam es in München in der Allianz Arena zur Begegnung der Ersten Fußballbundesliga zwischen dem FC Bayern München und Eintracht Frankfurt.

Durch den Veranstalter waren hier in Abstimmung mit der Polizei Durchsuchungszelte im Bereich des Gästeeingangs aufgebaut, um bei Bedarf einzelne Personen gründlicher durchsuchen zu können. Nachdem dies im Vorfeld den Frankfurter Fans bekannt geworden war, riefen diese in einschlägigen Foren dazu auf, die Arena nicht zu betreten. Auch auf der Homepage von Eintracht Frankfurt wurde durch die Fanbetreuung des Vereins diese Maßnahme kritisiert und es wurde angekündigt, dass die Fanbetreuung das Stadion nicht betreten wird, sondern sich um die Boykotteure kümmern wird. Ca. 250 Frankfurter Fans folgten diesem Boykottaufruf und blieben außerhalb des Stadions vor dem Nordtor stehen.

Bei der Kontrolle von vier Frankfurter Fußballfans vor dem Spiel auf einem nahe gelegenen Parkplatz wurde auch deren Pkw genauer in Augenschein genommen. Hier konnten dann zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und mehrere Spraydosen aufgefunden werden. Hier wird nun wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Alle vier Fans wurden bis Spielende in Gewahrsam genommen.

Weiterhin kam es vor dem Spiel im Bereich des Busparkplatzes zu einer Begegnung von 30 – 50 Frankfurter Fußballfans mit ca. 150 Münchner Ultras. Die beiden Gruppen liefen aufeinander zu und es kam hier zu Auseinandersetzungen. Eine größere Eskalation konnte aber durch sofortiges Einschreiten von Polizeikräften vor Ort verhindert werden. Festgestellt wurden zwei Körperverletzungen zum Nachteil von Bayernfans. Hier wurden die beiden Frankfurter Täter festgenommen. Ein weiterer Frankfurter Fan, der davon gelaufen war, konnte abgesetzt wegen einer weiteren Körperverletzung festgenommen werden. Bei ihm wurde dann auch noch eine Ampulle Kokain aufgefunden. Gegen ihn wird nun auch wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt.

Kurz vor 16.00 Uhr verließen dann 100 Personen des Frankfurter Fanblock ihre Plätze und gingen Richtung Eingang Nord. An der Rampe fingen sie dann an zu laufen. Gleichzeitig rüttelten die 250 boykottierenden Frankfurter Fans außerhalb der Tore derart massiv an diesen, dass ein zweiflügeliges Nottor aufsprang. Durch den Ordnungsdienst und durch Einsatzkräfte der Polizei konnte ein mögliches gewaltsames Eindringen dieser Gruppe in das Stadion verhindert werden. Die anderen Frankfurter Fans, die in Richtung Ausgang gelaufen waren, wurden durch eine Polizeikette aufgehalten. Die Fans unter ihnen, die das Stadion verlassen wollten, wurden dann durch Polizeibeamte begleitet.

Insgesamt war es bei dem Spiel zu 23 Freiheitsentziehungen gekommen, davon handelte es sich um 13 Festnahmen und 10 polizeiliche Gewahrsamnahmen. Bei den 13 angezeigten Straftaten handelte es sich in der Hauptsache um Delikte wie Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung etc.

Nun ist es ja so – Kommunikationswissenschaftler unter meinen Lesern werden dies sicher in ihrem Studium gelernt haben – dass es in einer kontroversen Situation oder Auseinandersetzung immer auch darum geht, die Kommunikationshoheit zu erlangen. Bei der Polizei, dem FC Bayern, den Medien und allen anderen Beteiligten ist dies sicherlich ganz genauso. Warum erwähne ich dies? Nun, weil der offizielle Polizeibericht ein erster Anfang war Klarheit in die Hintergründe, Abläufe und Resultate dieser Zelt-Aktion zu bringen.

Kontraproduktiv (je nach Sichtweise) war da die Pressemitteilung des FC Bayern. Ob man diese auch ohne die mediale Aufregung publiziert hätte, vermag ich nicht zu beurteilen, allein, sie wurde genauso ins Netz gestellt. Ich zitiere die entscheidenden Aspekte dieser PM:

Diese Begegnung war von der Polizei bereits im Juli 2012 als „High-Risk-Spiel“, vom DFB am 26.10.12 als „Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko“ eingestuft worden.

Diese Info war neu und wurde in anderen Berichten zuvor auch anders dargestellt.

Die Maßnahme […] wurde mit Begleitung der Polizei vom Veranstalter (FC Bayern München) umgesetzt […] unter Aufsicht des […] DFB Durchsuchungszelte im Bereich des Gästeeingangs aufgebaut, um bei Bedarf einzelne Personen gründlicher durchsuchen zu können. Kurt Benisch […] DFB-Sicherheitsaufsicht: „Die DFB-Sicherheitsaufsicht hat die Maßnahme begleitet, protokolliert und für gut befunden.“

Damit war das auch geklärt. Irgendwie. Also der FC Bayern hat „aufgebaut“. Aber ist diese Idee auch „auf seinem Mist gewachsen“?

Es folgten Infos zum Ablauf in den Zelten selbst…

Bei diesen Kontrollen handelte es sich weder um sogenannte „Nackt-Scanner“, noch um Untersuchungen, bei denen sich Personen „ausziehen“ mussten. Von insgesamt rund 6.600 Frankfurter Fans wurden ca. 30 bis 40 Personen gebeten, ihre Jacken abzulegen und teilweise ihre Taschen überprüfen zu lassen.

Auf welcher Basis wurden hier die 0,6% der Frankfurter Fans ausgewählt? Laut dem Club Nr.12 – Umfeld waren es zumeist eher harmlose jüngere und/oder weibliche Fans. Wie gesagt, subjektiv beobachtet und auf Twitter gepostet. Die Maßnahme wurde seitens des Vereins übrigens – reflexartig – mit der Verhinderung von Pyrotechnik und Gewalt begründet.

Richtig interessant und – wie sich herausstellen sollte – kontrovers wurde die PM aber erst mit diesem Absatz:

Bei den Kontrollen am Samstag wurden im Übrigen von der Polizei und dem Ordnungsdienst u.a. 20 Messer, 2 Schlagstöcke, 1 Schlagring, 1 Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain sichergestellt.

So. Jetzt mal ehrlich – wie kann und sollte man diesen Absatz interpretieren? Auch ich habe einige Zeit tatsächlich gedacht, dass hier der FC Bayern mitteilt, dass obige Dinge bei den obigen Kontrollen (in den Zelten) gefunden wurden!

Wow. 20 Messer bei 30-40 kontrollierten Eintracht-Fans? Alter Schwede!

Hier in dieser Auflistung und im Nachhinein ist das recht klar, aber man muss wissen, dass wir alle zunächst diese Erklärung für die Presse lasen und erst später den Polizeibericht vor die Augen bekamen. Ich will hier dem FC Bayern keine Absicht unterstellen (auch wenn ich „Methoden“ des Marketing und der PR durchaus kenne), aber diese PM führte tatsächlich dazu, dass obiges „Missverständnis“ durch die Medien (oder besser das „Boulevard“ oder schlichtweg die „Springer-Presse“) gejagt wurde.

Die „Zelte“ für sich genommen sind ja schon durchaus eine Diskussion wert (dazu komme ich später noch), dann aber im Nachgang diesen Eindruck zu erwecken, oder zumindest billigend in Kauf zu nehmen, ist schon ein größeres Brett. Vor allem – und da sind wir jetzt so langsam in der Gegenwart (nach vier Tagen Diskussion), dass am Ende dieser Aktion folgendes übrig geblieben ist:

NICHTS.

Das oben schon zitierte Blog-G hat sich – nach einem weiteren Blogbeitrag – die Mühe gemacht, persönlich sowohl beim FC Bayern als auch bei der Polizei nachzufragen. Ich zitiere die Updates (Hervorhebungen durch mich):

Update
13.11.12, 10:00 Uhr – BILD hat offensichtlich im Print (und dort in der Regionalausgabe) Frankfurt inzwischen klar gestellt, dass die Gegenstände nicht nur bei der Kontrolle der Eintrachtfans gefunden worden. Kann ich leider im Augenblick nicht verifizieren.

13.11.12, 10:30 Uhr – Rücksprache mit Markus Hörwick, Pressechef des FC Bayern: Es stimmt, sämtliche Gegenstände wurden bei der Kontrolle in und UM (!) das Stadion sichergestellt. Zu dem, was IM Zelt sichergestellt wurde (wenn überhaupt etwas gefunden wurde) kann Herr Hörwick keine Angaben machen.

13.11.12, 12:30 Uhr – Erneuter Anruf bei der Polizei München mit der Bitte, noch drei Fragen zum Polizeibericht zu beantworten. Ich wurde gebeten, die Fragen schriftlich einzureichen. Habe ich getan. Sinngemäß:
1) Bewegen sich die „Vorfälle“ bei der Partie FCB – SGE im Rahmen des Normalen?
2) Bewegt sich die Anzahl und die Qualität der sichergestellten Gegenstände im Rahmen des Normalen?
3) Welche Gegenstände wurden bei den Untersuchungen in den Zelten sichergestellt?

13.11.12, 15:56 Uhr – Rückruf von der Polizei München und Antwort auf die Fragen
1) Bewegen sich die „Vorfälle“ bei der Partie FCB – SGE im Rahmen des Normalen?
Keine signifikante Abweichung von anderen Spielen des FC Bayern.
2) Bewegt sich die Anzahl und die Qualität der sichergestellten Gegenstände im Rahmen des Normalen?
Es waren schon mehr – es waren schon weniger. Keine signifikante Abweichung. Die Gegenstände, die sichergestellt werden, werden vom privaten Ordnungsdienst der Polizei gemeldet. So auch die Anzahl von 20 Messern.
3) Welche Gegenstände wurden bei den Untersuchungen in den Zelten sichergestellt?
Keine Angaben möglich. Das weiß niemand mehr.

Hallo?

Ein mir persönlich bekanntes Club Nr.12 – Mitglied fasst es wie folgt zusammen.

Fazit #Ganzkörperkontrolle: In Zelten wurde nichts gefunden. Polizei weiß nichts von Messern. FCB nicht mehr wie viele und bei wem gefunden.

Und unser Mediendirektor wird ferner wie folgt zitiert:

Auf Nachfrage von „nd“ sah Hörwick das mit dem Rechtsbruch nicht ganz so eng. Ob es hier um Haarspalterei oder Sicherheit im Stadion ginge, fragte er. […] Als Verdacht reichte den Münchnern das Fehlverhalten einiger Frankfurter Anhänger in der Vergangenheit. Entsetzt sprach Hörwick immer wieder von den Bildern aus dem Frankfurter Stadion, Bilder von „Gewalt, Hooligans, Ultras, Pyrotechnik“. […] Hörwick betonte, dass diese Maßnahme rein gar nichts mit dem Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu tun habe. Das von etlichen Vereinen heftig kritisierte und abgelehnte Papier schlägt Vollkontrollen vor, besser noch in Containern statt in Zelten. Auch wenn der FC Bayern „komplett“ hinter dem DFL-Papier steht, wie Hörwick nochmals versicherte. […] Stattdessen haben die Münchner mit ihrem kompromisslosen Vorgehen die Gräben vertieft. Die durch den Fangipfel vor knapp zwei Wochen in Berlin sacht angestoßene Annäherung zwischen den verschiedenen Konfliktparteien scheint gar nicht gewünscht. So viel jedenfalls machte Hörwick deutlich: Mitbestimmung durch Anhänger im Verein im Speziellen und durch Fans im Fußball im Allgemeinen mögen sie in München nicht so gern. Was die eigenen Fans beispielsweise über die Haltung ihres Klubs zu dem mit Sanktionen vollgestopften DFL-Papier denken, wusste Hörwick gerade auch nicht. Aber er sagte: „Wir haben unseren Laden im Griff.“

„Haarspalterei“ – aha.

Es gab allerdings auch Positives im Rahmen dieses Themas. Die Social-Media-Aktivitäten der entsprechenden öffentlich-rechtlichen Anstalten. Offenbar gab es in der ARD-Sportschau Bilder von den Zelten zu sehen (ich habe sie selbst nicht gesehen. Also Bilder und Sportschau). Bilder, die es im ZDF-Sportstudio nicht geben sollte. Auf Nachfrage wurde mit uns Fans/Zuschauern/Kunden tatsächlich kommuniziert.

Klicken zum Vergrößern.

Womit wir am Ende dieses Beitrag und beim entscheidenden Punkt angekommen wären:

Meiner Meinung!

#1 Das Leben ist gefährlich. Viele Menschen wissen das, andere ignorieren diesen Umstand. Man kann die Tatsache, dass „im Umfeld“ einer Großveranstaltung wie einem Fußballspiel vor 71.000 Menschen 20 Messer und die anderen, oben erwähnten Dinge gefunden werden, als schlimm klassifizieren. Aber ist es jetzt schlimm, weil wir es nun wissen oder weil es einfach so ist? Die Polizei sagt – auf Nachfrage – dass dies immer so sei, dieses Spiel hier keine Auffälligkeiten gezeigt hat. Also, liebe Mitbürger, lebt damit, oder schließt Euch in Eurer Wohnung ein und hofft, dass direkt über Euch kein Flugzeug abstürzt!

Worauf ich hinaus will: Für diese „Schwere“ der Gefährdung bin ich nicht bereit auf meine Freiheit zu verzichten. Wer sagt denn, dass in Zukunft nicht einfach alle Besucher eines Fußballspiels sich in solche Zelte begeben müssen? Einfach so, pauschal, weil man „dem Problem Pyrotechnik nicht anders Herr werden könne“? Umkehrung der Unschuldsvermutung. Wer legt diese Grenzen fest?

P.S. Kann sich noch jemand daran erinnern, welches Gefühl man so in den 80er-Jahren beim „Stadionerlebnis Fußball“ hatte?!

#2 Ich lehne Pyrotechnik ab, ich lehne Gewalt ab, ich lehne vieles, was die sog. Ultras tun ab. Ich lehne aber auch ab, dass wir mit solchen Zelten auf solche Ultras reagieren und nicht stattdessen versuchen auf vernünftige Art und Weise mit „diesen Fans“ zu diskutieren, zu kommunizieren – versuchen, (nachhaltige) Lösungen für all diese Probleme zu finden. Damit wir nicht auch noch den Rest von ihnen „verlieren“. Wäre das vielleicht mal eine Option?

#3 Sicher, seit den Zeiten eines Max Streibl wissen wir, was „die bayerische Art“ bedeutet. Aber wollen wir wirklich auch diesen Aspekt aus Bayern auf den Rest der Republik ausweiten (siehe 1.)?

#4 Warum muss ausgerechnet mein Verein, der FC Bayern an dieser Stelle Vorreiter sein? Warum muss man all den üblichen Verdächtigen erneut Vorlagen für die Pflege ihrer Vorurteile liefern?

#5 Macht so weiter und ihr verliert auch die gemäßigte Masse der Fans.

Weiterführend Links zum Thema:

Publikative: Ganzkörperkontrollen – Wir können, wenn wir wollen

11Freunde: Die Polizeigewerkschaften schwingen die Peitsche

Bildblog: Messerwisser

SZ: Geht da ein Guerilla-Trupp ins Stadion?

Gruselige Teufel und Spinnweben-Spieler

Die Nacht der Hexen, Vampire, Gnome und Süßigkeiten liegt hinter uns. Und unser geliebter FC Bayern steht im Achtelfinale des deutschen Fußballpokals.

Es gibt hier keine direkte Verbindung, aber als wir die Aufstellung unseres Trainers sahen, dachten einige vielleicht eher an den Ersten im April und nicht im November. Eine formidable B-Elf stand da auf dem Rasen. Wenn Rotieren, dann aber richtig. Respekt, DonJupp.

Ob das gut gehen oder sich die Lauterer vielleicht eher provoziert fühlen würden? Teufliches Anrennen auf den „stark“ behüteten Münchner Kasten?

Nun, unsere Sorgen zerstoben recht schnell zu Schutt und Asche.

Die Betzebuben verfingen sich zumeist und über die gesamte Spielzeit im immer noch dichten bayerischen Spinnennetz. Es bleibt im Geheimen, ob unser Gegner nicht wollte und schlicht weg nicht konnte. Die ewig gleiche Frage. Standard.

Erwähnenswert ist hingegen, dass ich mehr als erstaunt war, wie harmonisch und eingespielt unsere – in dieser Kombination noch nie agierende – B-Elf wirkte. Klar, wann, wenn nicht in der zweiten Runde des DFB-Pokals. In einem Heimspiel gegen einen Zweitligisten. Eben.

Robben als Kapitän wirkte allein bei den Formalitäten die das Amt so mit sich bringt unsicher. Während der Spiels war er ein Anführer, ein Löwe, der seine Herde dirigierte und lenkte. Applaus, Aufmunterung und Motivation ohne Egozentrik. Viele Sportskameraden im Stadion und vor dem TV dachten wahrscheinlich, der Arjen könne so etwas gar nicht. Falsch gedacht. Wäre das nicht einer für dieses Amt – so auf Dauer? Falls Herr Schweinsteiger doch nur Vize bleiben will?

Gedankenspiele.

Das Spiel war eine Einbahnstraße. Einzige Waffe der Pfälzer? Länge Bälle und Pässe auf Idrissou. Ende. Wir wissen inzwischen – es reichte nicht. Es reichte nicht, um irgendetwas am Unvermeintlichen zu ändern: Dem Einzug des FC Bayern in das Achtelfinale.

Klar, die üblichen Verdächtigen kamen dann wieder um die Ecke und forderten, dass – per se – der klassentiefere Verein Heimrecht haben sollte. Und im Falle des FC Bayern vielleicht explizit auch noch jeder Verein, der aktuell in der Bundesliga-Tabelle unter den Bayern steht? Wäre das in Ordnung? So für die „Spannung“?

Was sich wohl die Schalker gedacht haben, als sie das Heimspiel gegen Sandhausen zugelost bekamen?!

Wie auch immer. Niemand ist gezwungen, in München mit 11 Spielern am eigenen 5-Meter-Raum abzuwarten, was den Bayern so einfällt.

Und den Bayern fiel jede Menge ein. Vor allem am Anfang in den ersten 15-20 Minuten. Überraschend viel. Zumindest für die überforderten Lauterer.

Gut, wie hier Pizarro mit Robben und Shaqiri mit Alaba zusammen spielten. Das hatte was.

Und die Abwehr fiel auch nur wenig dahinter ab, was wiederum tatsächlich am Gegner liegen mochte.

Nein, insgesamt und als Kollektiv hat mir die gestrige Mannschaft sehr gut gefallen. Der perfekte Nebeneffekt: Die „Stammspieler“ gehen ausgeruht(er) in das Topspiel am Samstag gegen den HSV und die „Bankdrücker“ bekamen eine große Portion Spielpraxis. Viel riskiert, viel gewonnen, Herr Heynckes!

Vielleicht sehen wir zumindest die Kombi Pizarro und Robben auch in der Startelf in der Hansestadt? Verdient hätten sie es. Andererseits: Es wird ja wohl wieder der nette Herr Lahm die Binde über den Platz tragen – ob dies zu einer erneuten „Wesensveränderung“ Robbens führen wird?

Ich glaube nicht.

Hier meine Wunschelf für Samstag:

Neuer
Lahm – Boateng – Dante – Alaba
Schweinsteiger – Martinez/Gustavo
Robben/Müller – Kroos – Ribéry/Shaqiri
Pizarro

Wie sind die Krankheitswerte der Herren Ribéry, Martinez und Gustavo? Der Rest ist ja spielfit, oder?

Und überhaupt – sagt uns das gestrige Spiel etwas über das übermorgige Spiel?

Ich glaube nicht. Aber eins vielleicht doch: Wir müssen 150% geben, egal wer auf dem Platz steht!

Auf geht’s, Ihr Roten!

P.S. Wunsch für’s Achtelfinale? Derby gegen 60 oder auswärts in Düsseldorf. 😉

Von Shaq, lahmen Jahn und guten Transfers

Der FC Bayern hat die zweite Runde des DFB-Pokal erreicht.

Dieser eher nüchternen Schlagzeile muss man als Fan des Vereins von der Säbener Straße viel mehr Bedeutung beimessen, als auf den ersten Blick – für Außenstehende – erkennbar ist.

Weil endlich diese endlos erscheinende Sommerpause ein Ende hat!

Weil wir nach dem Supercup ein zweites Spiel (mit wachsender Bedeutung) gewinnen konnten!

Weil wir nun wissen, dass unsere Neuzugänge offenbar kein Schuss in den Ofen sind!

Da hüpft das rot-weiße Herz doch höher, wenn man Ribéry zur Halbzeit auswechselt, wenn Robben noch nicht wieder voll dabei ist, wenn Gomez, Alaba verletzt fehlen und auch Schweinsteiger erst spät hinzukommt, dies kaum weiter auffällt und unser Team trotzdem gut bis sehr gut agiert.

Klar, es war nur der Jahn aus Regensburg, der offenbar keine weiter erwähnenswerte Offensive sein eigen nennt und ja es war brutal warm und nach dem 0:1 war das Spiel eigentlich gelaufen, aber war es in der jüngeren Vergangenheit nicht doch eher so, dass wir uns echte Sorgen machen mussten, wenn obige Spieler fehlen oder zumindest nicht bei 100% sind?

War es keine Freude einen Shaqiri mit zunehmender Spieldauer in seiner Halbzeit wirbeln zu sehen? Gar viel wirbeliger als Herrn Ribéry? Tres bien!

Und Xherdans Freistöße erst, Himmel. Haben wir da etwa einen Spieler im Kader, der Extra-Schichten nach dem offiziellen Training schiebt, weil er genau solche Freistöße wie zum 2:0 übt? Ein Spieler, der sich auf Eigeninitiative hin ständig verbessern will und dies auch tut??

Ich schmelze. Dahin.

Und dann ein Mandzukic, der mitspielt, Bälle verteidigt und – analog zu Gomez – wie beim 1:0 einfach da steht, wo der Ball hinkommt. Der Wahnsinn.

Klasse auch, welche Steigerung Thomas Müller widerfuhr, als er in HZ2 – offensichtlich – die rechte Außenbahn beackern durfte. Zumindest habe ich ihn nach dem Seitenwechsel dort häufiger in alter 2010er-Manier wirbeln sehen.

Aber ich will hier keine Robben-Diskussion entfachen. Punkt.

Womit wir bei den eher nicht so dollen Aspekten des gestrigen Einzugs in die zweite Pokalrunde wären.

Vor dem Spiel zeigte ich mich noch enttäuscht über die Nichtberücksichtigung Dantes in der Startelf. Nun gut, er war nach dem Supercup-Finale angeschlagen und wurde geschont. Entschuldigung, Jupp.

Dass wir ihn brauchen, zeigte sich in der Leistung von Boateng. Insgesamt solide aber der eine Bock war auch dabei. Zu seinem Glück (für meine Bewertung) eroberte er sich diesen Monster-Ballverlust dann noch zurück. Aber eher nur, weil der Jahn so gar keine gefährlichen oder schnellen Offensivkräfte zu bieten hatte (wie sonst ist zu erklären, dass Boateng seinen Gegenspieler noch einholen und ihm den Ball abnehmen konnte?).

Apropos brauchen.

Wir brauchen Herrn Alaba zurück. Oder zumindest Herrn Contento.

Bei aller Liebe und dem Verständnis für seine Jugend und Unerfahrenheit, aber die Leistung von Can muss man kritisieren dürfen. Klar, es gab in den sozialen Kanälen auch Kritik an Heynckes, dass Can halt für diese Position gänzlich ungeeignet sei, aber was willst du machen, wenn drei AVs gleichzeitig verletzt sind. Sehen wir es positiv – es war noch kein ernsthafter Gegner. Nix passiert.

Muss ich was über Herrn Kroos sagen?

Doch. Die einzige Weltklasse-Aktion, die mir aufgefallen ist: Sein Pass auf Ribéry vor dem 1:0 durch Mandzukic. Das war Zucker. Der Rest ist besser Schweigen. Er kämpft in dieser Saison mit Müller und Shaqiri um die 10er-Position. Viel Glück.

Der Rest war – für Regensburg ausreichender – Durchschnitt.

Ab sofort volle Konzentration auf Fürth!

P.S. Für Pizarro hat mich sein Hammer zum Endstand ehrlich gefreut und wenn der das reproduzieren kann (Einwechslung, Schuss, Tor), dann wird das vielleicht doch noch mal was mit uns (im Vergleich zu seiner letzten Endphase bei uns). 😉

Weisheiten #212

„Wir haben […] immer wieder über Eventualitäten gesprochen. Es war ihm klar: Wenn die Säbener Straße ruft, weckt das in mir Begeisterung. Als ich ihn dann angerufen habe, war das Thema relativ schnell erledigt. Denn Wolfgang Niersbach hat die Feinfühligkeit und wusste, dass ich das unbedingt machen wollte.“

FCB-Sportvorstand Sammer, mit Bayern-Gen.

Von Regensburg über Fürth und Gladbach nach London

Die neue Saison wirft ihre Schatten vorraus. Und das ist gut so. Weiter, immer weiter. Die Schatten des Mai verdrängen.

Konkret wird in diesen Tagen einiges konkret was erste Spiele und Termine für einen – hoffentlich – erfolgreicheren Mai in 2013 angeht.

In der ersten Pokalrunde treten wir in Regensburg an, zum Bundesliga-Start in Fürth. Die Jubiläumssaison endet in Mönchengladbach und die Spieltage der Gruppenphase der Championsleague auf dem Weg zum #Finaleabroad kennen wir inzwischen ebenfalls.

Mehr Details werde ich aus dem Urlaub und über iPhone nicht bloggen. Aber das gute Gefühl, dieser – jungfräuliche – Zauber einer jeden neuen Saison, der ist wieder da.

Besser so.

Schwarzgelbes Huhn. Rotes Ei.

Die Saison neigt sich dem Ende zu. Und ich bin es leid. Leid nach jedem Spiel gegen den BVB sagen zu müssen „das hätte nicht sein müssen“.

Auch dieses 2:5 hätte nicht sein müssen.

Es steht außer Frage, dass der BVB nicht nur die Meisterschaft sondern auch den Pokal völlig zu Recht gewonnen hat. Es ist ferner inzwischen mehr als – ich sag‘ mal – verwunderlich, dass es einem FC Bayern nicht gelingt, ein Mittel zu entwickeln, diese Maschine Borussia Dortmund zu besiegen.

Das System der Klopp-Kicker ist im Prinzip ja recht einfach zu entschlüsseln.

Unfassbar stabile Defensive (und hier sind nicht nur die Abwehrspieler gemeint) gepaart mit einer dieser neumodischen Umschalt-Taktiken in Schallgeschwindigkeit.

Natürlich ist das Kollektiv inzwischen in den letzten Jahren ebenfalls so stark geworden, dass es – gegen schwäche Teams – auch zu einer massiven spielerischen Überlegenheit kommt und man die Siegesserie so locker von Rekord zu Rekord führen konnte.

Damit mich keiner falsch versteht, diese Taktik ist nicht zu verurteilen. Sie ist legitim und ich kann nicht im Ansatz nachvollziehen, weshalb man sich von Seiten des FC Bayern nicht einfach ALLE Championsleague-Auftritte der Dortmunder reingezogen hat, um das passende Mittel gegen diese Mannschaft zu finden.

Zwei schwarzgelbe Welten. Bundesliga und Championsleague.

Natürlich spielt auch hier wieder eine der wichtigsten Fragen im Fußball eine Rolle:

Waren sie zu stark oder wir zu schwach?

Fakt ist, dass die Borussia die bayerischen Fehler eiskalt ausnutzte. Das vierte Tor wurde mit dem vierten Torschuss erzielt. Unglaublich. Unglaublich effizient.

Huhn oder Ei.

Hätte uns der BVB auch mit 5:2 geschlagen, wenn wir weniger oder überhaupt keine Fehler gemacht hätten?

Wir werden es nie erfahren und somit dürfen die BVB-Fans diesen Umstand auch ungestraft und vehement abstreiten.

Es hilft ja nichts. Wenn man gegen eine Mannschaft von fünf Pflichtspielen fünf verliert, dann stimmt etwas Grundsätzliches nicht, oder?

Wollen wir an diesem Umstand etwas ändern?

Ich hoffe es. Aber statt System wird hier wohl nur der Kader mit zweistelligen Millionen-Beträgen aufgepumpt. Bayern-like.

Zum Spiel.

Wie oben schon erwähnt, verliere ich zunehmend die Lust. All diese Dinge immer und immer erklären zu müssen, zu wollen.

Was Herr Gustavo zum Beispiel dazu bringt, immer wieder diese Fehler in sein Spiel einzustreuen. Wer dieses Blog schon länger konsumiert, wird meine Grundüberzeugung in diesem Punkt kennen.

Seine Beteiligung an den Gegentoren eins und drei führte zu einem emotionalen Ausbruch auf Twitter, der viele arg erschreckte. Man kannte mich bisher so nicht. Tja. Wieder etwas gelernt.

Zwischen dem Spiel und diesem Spielbericht habe ich mir – zwecks differenzierter Sichtweise – das Spiel noch einmal angeschaut. Also die Gegentore, den Rest im Schnelldurchlauf.

Hier meine Liste der Versäumnisse:

0:1 – Herr Gustavo spielt den Ball ingesamt zweimal zum Gegner, Herr Badstuber bleibt beim letzten Pass in den eigenen Strafraum – fassungslos – stehen.

1:2 – Herr Boateng ist kein Weltklasse-IV. Ansonsten würde er die – völlig zu Recht mit Elfmeter bestrafte – Aktion alternativ lösen.

1:3 – Herr Boateng verliert – eines von vielen (wenn nicht alle Kopfball-Duelle) gegen Herrn Lewandowski, Herr Gustavo verliert vollends die Orientierung.

1:4 – Herr Schweinsteiger drischt komplett eindimensional in die Dortmunder Deckung am gegnerischen Strafraum und leitet somit unmittelbar den Konter ein. Am Ende des Konters verliert wiederum Herr Schweinsteiger(!) den Zweikampf gegen Lewandowski. Erste Frage: Wo war hier Sprinter Alaba? Zweite Frage: Wie konnte Anti-Sprinter Schweinsteiger so schnell am eigenen Strafraum sein?

2:5 – Herr Neuer lässt einen sicheren Ball fallen und Herr Boateng verliert – ein Kopfball-Duell (sic!) – gegen den Sportskameraden Lewandowski.

Nach dem Studium dieser Bilder musste ich meinen Ausraster in Richtung Gustavos leicht revidieren. Herr Boateng machte mir da plötzlich wesentlich mehr Sorgen. Und das ist unser neuer Abwehrchef für das Endspiel der Championsleague? Aua.

Ab wann gilt noch einmal der Vertrag von Herrn Dante?

Meine Hoffnung für das #FinaleDahoam?

So eine Einstellung werden wir dort auf gar keinen Fall noch einmal zeigen (können). Allein deshalb weil dann die Ausrede für so einige Schlechtleistungen der letzten Wochen wegbrechen würde. Ob sich unsere Profis diese Blöße geben?

Natürlich muss man als Bayern-Fan hier darauf achten, nicht reflexartig in diese dünnhäutige Schwarz-Weiß-Sichtweise abzudriften. Auch ich neige dazu. Während eines Spiels. Während einer 41. und 45. Minute in einem Pokalfinale.

Inzwischen geht es mir wieder besser. Und deshalb ja auch jetzt erst dieser Bericht.

Mit einem Sieg am kommenden Samstag wird vieles ausgeglichen. Nicht alles. Mit einer Niederlage ist aber nicht gleichzeitig alles schlecht und müssen wir nicht alles niederreissen.

Die Wahrheit liegt womöglich in der Mitte.

Wir brauchen mehr Breite im Kader. Auch qualitativ. Ferner müssen wir über mehr Flexibilität in unserem Spiel nachdenken.

Nur eine Kopie des BVB oder gar Barca sein zu wollen, greift hier zu kurz und führt auch zu nichts. Denn da ist das Original jeweils besser.

Ich bin ja irgendwo auch überzeugt, dass Luiz Gustavo eine Leistung wie 2011 gegen Inter jederzeit wieder raushausen könnte. Das frustriert mich aber eben immer so, wenn er es nicht zeigt.

Lassen wir es besser. Der Rückblick auf diese bald abgeschlossene Saison sparen wir uns für die Sommerpause auf.

Jetzt heißt es erst einmal Umschalten. Umschalten auf die Königsklasse. Auf Chelsea. Endlich der Vorfreude freien Lauf lassen. Fokussierung. Analyse des Gegners. Stärken, Schwächen.

Wenn wir dann noch eine Form abrufen, wie wir sie in dieser Championsleague-Saison nicht nur einmal gezeigt haben, dann sollte das mit diesem hohen Ziel schon klappen. Meiner Meinung nach.

Zumindest probieren sollten wir alles. Und das wäre schon mehr als gegen Dortmund zu sehen war.

Auf geht’s, Ihr Roten!

Berlin wirft seine Schatten voraus. Ohne Choreo.

Ich bin ja nun weiß Gott kein Freund der bayerischen Ultras. Und auch aus dem Alter raus, ein Allesfahrer zu sein. Wobei „Alter“ vielleicht das falsche Wort ist. „Lebenssituation“ trifft es wohl besser.

Nun. In der letzten Zeit steigt – dank Twitter & Co. – meine Verständnisrate in diesem Zusammenhang wieder an. Über die multiplen sozialen Kanäle bekomme ich einen Einblick in Dinge, die mir zuvor verschlossen waren.

Zum Beispiel habe ich erkannt, dass ein Abo des Newsletters des Club Nr.12 durchaus bereichernd sein kann. Für den eigenen – und vollständigen – Informationsfluss rund um den FC Bayern.

Zur Folge hat dies z.B., dass ich mehr und mehr Themen aus diesem Umfeld hier auf meinem Blog aufgreife.

Was stand nun aber so Interessantes im letzten Newsletter? Jede Menge zum Thema Choreo.

Die geplante Choreografie in Madrid konnte nicht durchgeführt werden, da ein – uns bis dahin unbekanntes – europäisches Brandschutzzertifikat gefordert wurde. Das passende Material hätten wir gehabt, nur das Zertifikat nicht. Auf der Gegenseite wurde dann eine Choreografie mit brennbarem Material durchgeführt, das nennt man wohl „Heimvorteil“. Aber was zählt, ist auf dem Platz!

Achherje. Das Thema Zertifikate nimmt in der letzten Zeit überhand, oder? 😉

Persönlich bin ich – Schikane hin oder her – immer für größtmögliche Sicherheit, klar. Aber zweierlei Maß geht imho gar nicht.

Was ganz gut geht ist Selbstkritik. Der Club Nr.12 äußert diese durchaus. Zum Beispiel beim Thema Pokalfinale am nächsten Samstag.

Und schon wieder waren wir beim Brandschutz zu naiv

So könnte man es nennen. Wenn man dies hier liest:

Wir sind davon ausgegangen, dass die Vorschriften, die für ein Hertha-Heimspiel gelten, dann auch bei einem Pokalfinale gelten. Immerhin ist es das gleiche Stadion, der gleiche zuständige Brandschutz und auch die physikalischen und chemischen Gesetze sollten ähnlich sein. Tatsächlich ist da aber vieles verboten, was bei Spielen der Hertha erlaubt ist. Deshalb – täglich grüßt das Murmeltier – auch in Berlin keine Choreografie.

Ein bisschen wenig Choreo in letzter Zeit. Für meinen Geschmack. Aber gut. Was nützt die beste Choreo, wenn danach nix mehr kommt. Derlei sollte das Motto für das Finale gegen Dortmund sein.

Das abschließende Finale aller Finals gegen Chelsea FC wird hingegen offenbar tatsächlich mal wieder derlei erleben.

Ein siebenseitiges DIN-A4-Brandschutzzertifikat liegt dem Club Nr.12 inzwischen vor. Einerseits. Andererseits hat die Uefa- und FC Bayern-Ticket-Lotterie offenbar dazu geführt, dass eine große Anzahl der sonstigen Choreo-Helfer nicht im Stadion sein wird. Und hier kommen Fans wie ich einer bin ins Spiel. Tatsächlich wird es wohl so sein, dass ich (Block 314) mit anpacken „darf“. Eine große Ehre. Eine CL-Final-Choreo und helfe mit. Schöner Gedanke.

Apropos Block 314.

Laut Newsletter wird der FC Bayern dahingehend zitiert, dass die UEFA keine „Hardcore-Fans“ hinter dem Tor wünscht. Diesem Wunsch wurde entsprochen und somit befinden sich die ansonsten Südkurven-Stehplatz-Anfeuer-Fans mit mir im Oberrang. Seit vielen Jahren bin ich also mal wieder „mitten drin“. Meine Stimme wird es spüren.

Und Ihr alle hoffentlich hören!

Aber jetzt erst einmal zu Euch, Ihr Berliner Finalisten – egal ob mit oder ohne Choreo – zeigt es den Wunder-Borussen, bringt den ersten Pokal mit nach Hause, dann machen wir es Euch nach – im #FinaleDahoam!

Kölsche Zweitklassigkeit oder Die Saison ist um. Und das ist gut so.

Die Bundesliga-Saison ist zu Ende. Alle Entscheidungen sind gefallen. Es wurde langsam Zeit. Auch und gerade aus Sicht der Bayern, denn ab sofort kann man sich um die Endspiele kümmern, die uns doch noch zwei von drei möglichen Titeln dieser Spielzeit bescheren sollen.

Mit dem Sieg in Köln haben wir eine beeindruckende Bilanz vorzuweisen. Als Tabellenzweiter haben wir 73(!) Punkte erzielt. In 49 Bundesliga-Jahren hätte dies 45-mal zur Meisterschaft gereicht. Zu dumm, dass es dieses Jahr – erneut – einen Gegner gab, der von Rekord zu Rekord eilte und den wir daran nicht hindern konnten.

Deshalb ist unsere Saison aber nicht schlecht. In keinster Weise. Zeit für einen ausführlichen Rückblick wird es noch geben. Später.

Apropos richtig schlecht.

Der kölsche FC ist einmal mehr abgestiegen. Sicher, hätten wir in Köln verloren, hätten die Domkicker sich noch auf den Relegationsplatz retten können.

Aber erstens, wieso sollten wir das tun? Und zweitens, dafür hätte diese Mannschaft doch zunächst einmal selbst etwas tun müssen, oder?

Ich war – ebenso unerwartet wie spontan – Zeuge dieses Unterfangens und ich muss es einfach klipp und klar sagen: Ich konnte – abgesehen von den Anfangsphasen beider Spielhälften – keinerlei Bereitschaft erkennen, den Abstieg vermeiden zu wollen.

Na klar, es gab da diese strittige Situation, als Contento den Ball wohl mit der Hand gespielt hat und ja, nach dem Seitenwechsel waren die Schäfer-Jungs für 6-7 Minuten richtig unter Dampf, aber – mal ganz ehrlich – reicht das, um in einem solchen Endspiel den letzten Strohhalm zu rechtfertigen?

Pech für die Kölner, dass die Bayern mit ihrer potentiellen CL-Finale-Start-Elf antraten, allerdings wäre das Ergebnis von 1:4 doch wohl wesentlich höher ausgefallen, wenn die Bayern ihre zahlreichen Konter in der ersten Halbzeit konzentrierter zu Ende gespielt hätten und in der zweiten Halbzeit nicht bei dem Versuch gescheitert wären, Mario Gomez die fehlenden Tore zur Kanone aufzulegen.

Das hatte beinah peinliche Züge, wie da der besser postierte Mann den Ball trotzdem noch dem, zumeist schlechter stehenden Gomez versuchte zuzuspielen. Schlimm.

Nein, das Ergebnis ist schon ok. Sowohl der Abstieg der Kölner als auch unsere Vizemeisterschaft hatte mit dem gestrigen Spiel nix zu tun. Beides lag in der eher suboptimalen Rückrunde begründet.

Muss ich noch auf Einzelschicksale unserer Bayern eingehen?

In der Offensive haben wir – da sind wir uns offenbar alle einig – kein Problem für die Finals. Ein wenig mehr Zielstrebigkeit, Beweglichkeit und vor allem Konzentriertheit reicht völlig aus, um hier das Maximum zu erreichen.

Das Mittelfeld sollte – dank der steil aufsteigenden Formkurve des Sportskameraden Schweinsteiger – zunehmend kein Problem mehr darstellen. Und die Gustavo-Position können wir, denke ich, ganz gut kompensieren.

Über Neuer muss ich ohnehin kein Wort verlieren. Erreichen wir in beiden Endspielen ein Elfmeterschießen… ihr wisst, was ich darüber denke.

Ein Problem haben wir aber zu 25-50% in unserer Abwehr.

Selbst einer Mannschaft wie den Kölnern, ihres Zeichens Schießbude der Liga und mit der schlechtesten Tordifferenz der Saison gesegnet, gelang es in zwei, drei Situationen uns defensiv Probleme zu bereiten. Wie wird das gegen Chelsea aussehen?

Erst die spätere Hereinnahme von Herrn Badstuber brachte hier sofort eine gefühlte Stabilisierung im Verbund. Gut für das Pokalfinale (Dank der Perspektiven Alaba und Badstuber, die hoffentlich in der Startelf stehen werden, Praxis gab es doch jetzt genug für die Kollegen Contento und Timoschtschuk), nicht ganz so beruhigend für das #FinaleDahoam.

Nun denn, wir hoffen weiterhin das Beste.

Ab sofort gilt die volle Konzentration auf das Pokalfinale in Berlin.

Hier meine Wunschaufstellung:

Neuer
Lahm – Boateng – Badstuber – Alaba
Schweinsteiger – Kroos / Timoschtschuk (Pranjic)
Robben – Kroos / Thomas Müller* – Ribéry
Gomez

*Thomas Müller sehe ich hier nicht zwingend auf der 10. Er ist für mich eine Option, wenn Kroos auf die 8 zuückrückt oder in unserer Offensive generell die Rotation angeworfen wird und alle Akteure wild durcheinander würfeln, damit er auf seinen geliebten rechten Flügel gehen kann.

P.S. Zu den Szenen in der 89.Minute muss man nicht extra noch etwas sagen, mein Video reicht da vollkommen aus.

P.P.S. Wie auf Facebook geschrieben: Wozu zahl‘ ich 40,- für eine Sitzplatzkarte, wenn es mir dann doch auf den Kopf regnet (Und ja, ich war in den 80er und 90er-Jahren oft genug in den „alten“ Stadien (Grotenburg, Parkstadion, Bökelberg, etc.) und bin richtig nass geworden – und jetzt?)?