Endspiel-Bayern, oder Die ital. Bestie ist besiegt, oder Ivica Olic – Fußballgott

Überschriften über Überschriften. Eine schöner als die andere.

Mehr habe ich kaum noch zu sagen. Meine halbe Familie ist (mal wieder / immer noch) krank (mich irgendwie eingeschlossen) und da habe ich andere Themen auf dem Radar.

Trotzdem war mir dieser gestrige Fußballabend ein Fest. Laut schreien ging zwar nicht, da wir um jede schlafende Minute des Thronfolgers glücklich waren, aber Papa konnte seine Begeisterung auch so ausleben. Dann halt mehr nach innen. Und im Kopf.

Wo soll man nur anfangen?

Das die Bayern immer dann am stärksten sind, wenn der Druck am größten ist?

Ob die Gala in Turin Rache und Revanche für’s Halbfinale 2006 und all diese knappen Niederlagen und Punktverluste der letzten Jahre gegen Juve waren? Oder wir einen neues Kampfschwein haben? Aktuell so wichtig wie Ribéry und Robben zusammen?!

Antwort: Von allem etwas.

Olic ist ein Genuss. Wie er all den Schnarchnasen im Kader zeigt, wie man das macht. Mit dem Laufen, dem Kämpfen. Genial.

All der Frust dieser destruktiven Spiele. Frust über diesen sog. ital. „Fußball“. Widerlich. Auf einmal alles weg. So befreiend. So eine Genugtuung.

Und dann die Rückkehr des alten Bayern-Gens. Der Höchstleistung unter höchstem Druck. Höchst erfreulich. Und kein Spiel zu früh.

Plötzlich ist alles rosa was zuvor grau war.

Die Bayern überwintern in allen drei Wettbewerben und haben die nächsten Millionen-Einnahmen sicher.

Plötzlich ist van Gaal der brilliante Taktiker. Der Baumeister des neuen FC Bayern. Und das wollen die wissen, die ihn noch vor 2-3 Wochen aus dem Amt schreiben wollten?

Achso.

Ganz ruhig. Wir sollten uns alle ein wenig entspannen.

Genauso wenig wie „in der Krise“ alles schlecht war, haben wir mit dem (ersten) Endspiel in der CL den Fußball neu erfunden. Allenfalls mal angedeutet, zu welch‘ einer Leistung eine van Gaal’scher FC Bayern in der Lage sein könnte.

Zugegeben: Der Gedanke gefällt mir. Das der FC Bayern in naher bis mittlerer Zukunft so auch gegen alle anderen Möchtegern-Gegner-auf-Augenhöhe agieren könnte.

Das hätte was. Mir fallen da spontan ein, zwei bis drei Mannschaften ein, die wir mal ebenso „bestrafen“ sollten…

Zukunftsmusik.

Jetzt stehen wir erstmal im Achtelfinale der Championsleague. Allein dies ist nach den beiden Bordeaux-Spielen schon völlig abwegig gewesen. Wenn wir ehrlich sind.

So schnell kann das aber gehen, wenn man plötzlich anfängt, tatsächlich mal Tore zu schießen. Aus seiner Überlegenheit heraus,

Ist es wirklich so einfach und der einzige Unterschied zur „Krisen“-Phase in dieser Hinrunde?

Scheinbar. Kommen Tore, kommt Selbstvertrauen, kommen mehr Tore, kommt gutes Spiel.

Fußball eben.

Die Kommentatoren nach dem Spiel wollten unisono keinen Akteur hervorheben, waren stattdessen mit allen mehr als zufrieden.

Nö. Kann ich so nicht sehen.

Zum einen muss ich leider sagen, dass der schlechte Eindruck, den wir zuletzt von Herrn Demichelis hatten, sich auch in Turin bestätigt hat und zum anderen mir kein Zacken aus der Krone bricht, wenn ich anerkenne, dass Herr Schweinsteiger ein richtig gutes Spiel gemacht.

Ja wirklich. DerBastian hat für mich gegen Juve das beste Spiel im Bayern-Trikot seit 2006 gemacht. Nicht mehr und nicht weniger.

Klar an einen Olic reicht er als Spieler des Spiels nicht heran, aber für seine Verhältnisse war da fast schon eine wahnsinnige Geschwindigkeit in seinen Aktionen. Respekt.

Nachdem sich nun in den nächsten Tagen die Euphorie ein wenig legen wird (eventuell schon mit einem enttäuschenden Ergebnis in Bochum), werden wir erkennen, dass die folgenden Aufgaben nicht leichter zu werden drohen.

Als Gruppenzweiter bekommen wir den nächsten Gegner aus folgendem Pool:

Manchester United, Real Madrid, FC Chelsea, AC Florenz, FC Barcelona, FC Sevilla oder FC Arsenal.

Soll man sich da jetzt eher Florenz und Sevilla wünschen, oder gleich die Galaktischen 2.0? Vielleicht auch die vorgezogene Revanche gegen Barca? Dann mit Ribéry und Robben?

Keine Ahnung. Wenn wir jetzt nicht die Waffen strecken wollen, muss die gestrige Leistung ohnehin erneut abgerufen werden. Und wer sagt, dass im Februar Ribéry und Robben zusammen fit sind?

So sieht’s aus.

Fragen über Fragen.

Als nächstes stehen ohnehin erst noch die nicht minder wichtigen Duelle gegen den 15. und 18. der Bundesliga an.

Schwer genug.

Das berühmte deutsche Losglück?

Ich geb’s zu: Ich hab‘ die WM-Auslosung verpasst.

Eigentlich wollt‘ ich’s schauen, aber Freitag ist Papa-Tag und die Übertragung fiel ins Abendessen. Prioritäten.

Verpasst habe ich aber ja wohl trotzdem nix, oder?

Jetzt nicht von den Ergebnissen, eher von dem Drumherum her. Fad wie immer und allein der Selbstbeweihräucherung der FIFA (in Person Blatters) geschuldet. Na dann.

Fußballwetten hätte ich nicht unbedingt abgeschlossen auf das deutsche Ergebnis. Aber schlecht ist es jetzt auch nicht.

Trotzdem spricht das Boulevard (und auch fast alle anderen) vom typischen deutschen Losglück.

Achso.

Hat jemand Ghana bei der letzten WM spielen sehen? Schon vergessen, dass die als WM-Neuling zwei von drei Spielen gewonnen haben? Einer wie Michael Essien spielt für Ghana. So richtig im Spaziergang hauen wir die bestimmt nicht weg (obwohl das ja wiederum zu Schweini&Poldi passen würde).

Und Serbien? Nur weil die niemand so richtig kennt, muss man nicht unbedingt verschweigen, dass die ihre Qualifikationsgruppe gegen Frankreich gewonnen haben. Gänzlich Unbekannte stehen da nicht im Kader: Marko Pantelic?, Neven Subotic?, Mladen Krstajic?, etc. – wahrscheinlich ähnlich schwierig zu spielen wie alle Mannschaften vom Balkan…

Zu guter Letzt: Australien.

Gerade zum Auftakt ist so ein Gegner immer gefährlich. Man weiß noch nicht wo man steht (*klimper*) und unterschätzt derlei Teams dann gerne mal (*klimper*). Desweiteren: Wie war das noch beim Confetti-Cup 2005? 4:3?

Klar. War ne Spaß-Veranstaltung. Aber was folgte dann bei der WM?

Australien überstand die Vorrunde und konnte im Achtelfinale von Italien nur dank eines geschenkten Elfmeters in der fünften Minute(!) der Nachspielzeit bezwungen werden. Folglich sollte man sich davor hüten, Australien als Laufkundschaft zu bezeichnen.

Wie nun die Quoten auf WM 2010 Wetten für die Deutschen so stehen, kann ich nicht beurteilen.

Ich wiederhol‘ mich: Es hätte tatsächlich schlimmer kommen können.

Wie zum Beispiel für Brasilien. Ich sag‘ nur Todesgruppe.

Portugal? Elfenbeinküste? Wenn es schlecht läuft, scheidet Brasilien in der Vorrunde aus.

Oder?

Der Podcast-Weihnachts-Advents-Ausgabe-Wünsch-Dir-was-Beitrag

„Lange“ ist nix beim Thema Breitnigge-Podcast passiert. Was an diversen Gründen lag.

In diesem Jahr wird das aber auf jeden Fall noch mal was. Vor Weihnachten. Im Advent.

Und weil ich ja so total Community-mäßig unterwegs bin, frage ich doch einfach mal in die Runde:

Was gibt’s noch für Themen, die Euch auf der Seele brennen und über die ich mal was faseln soll?!

Immer her damit.

Irgendwas passt da nicht ins Bild.

Auf der anderen Seite ist der Fußball wohl einfach so. Um eine meiner beliebtesten Phrasen der letzten Tage zu benutzen.

Wenn man sich anschaut, wie Leverkusen am Wochenende die Stuttgarter auseinander genommen hat und in Halbzeit zwei sogar noch mit angezogener Handbremse spielte. Man sich ferner vor Augen führt, wie die Bayern die Heynckes-Kicker im zweiten Durchgang in München im Griff hatten und parallel aber so dermaßen harmlos beim obigen schwäbischen VfB agierten, dann, ja dann passt da irgendwas nicht zusammen.

Meine Meinung.

Ob wir wohl in Stuttgart klar gewonnen hätten, wenn wir in diesem Spiel schon wieder mental auf der Höhe vom Hannover-Spiel gewesen wären?

Wahrscheinlich. Aber wer weiß das schon. Und irgendwie ist das doch auch gut so, oder?

‚Wollte Euch ohnehin nur an meinen Gedanken teilhaben lassen, als ich das Schlachtfest am letzten Wochenende verfolgen durfte…

99,3 Prozent oder Wir begrüßen den neuen Präsidenten mit sozialistischem Gruß

Na das ist doch mal ein Wahlergebnis.

Für den neuen Präsidenten des FC Bayern e.V. und Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern AG. Uli Hoeneß.

Respekt. Da wäre manch SED-Kreisvorsitzender wohl neidisch geworden.

Im Ernst: Dieses Ergebnis zeigt einfach die Akzeptanz, die Liebe und den Respekt, den sich ein Hoeneß über die letzten 39 Jahre beim FC Bayern als Spieler wie als Manager erarbeitet hat.

Nicht jede (aktuelle) Führungskraft hätte dieses Ergebnis erzielen können.

An dieser Stelle sollte eigentlich ein großer Rückblick nebst Lobpreisung unseres nun Ex-Managers stehen. Hatte ich mir fest vorgenommen.

Aber erstens bin ich dafür ziemlich spät dran und zweitens gibt es die ja inzwischen recht zahlreich überall nachzulesen.

Nur soviel: Für mich war und ist Hoeneß der moderne FC Bayern. Und da lasse ich auch die aktuelle Diskussion um van Gaal, Systeme und all den ganzen Kram nicht gelten!

Er war es, der den verschuldeten Mittelklasse-Verein, der sich Ende der 70er hinter Vereinen wie dem FC aus Köln und dem Hamburger SV verstecken musste (die haben nämlich damals die ersten Mio.-Transfers getätigt – nur mal so am Rande für die sozialistischen Romantiker und Bayern-Kritiker).

Und was ist der Verein heute? Der Top-Verein Deutschlands, wirtschaftlich nur von ganz wenigen Vereinen auf der Welt übertroffen. Das wird in dieser Form so wohl nicht noch einmal passieren. Allein schon deshalb, weil es heutzutage solche Zyklen auf diesen Posten nicht mehr gibt…

Ganz persönlich erinnere ich mich an meine erste Begegnung mit Hoeneß noch, als wäre es gestern gewesen.

Ende der 80er weilte ich im Rahmen meines ersten FCB-Auswärtsspiels im Rheinstadion zu Düsseldorf.

Der Gästeblock befand sich – die Älteren werden sich erinnern – auf der offenen Seite des Stadions (in den 70ern baute man solche Stadien) – Seitenblick Richtung Rhein.

Die Entfernung Richtung Tartanbahn war nicht allzu weit, die Spieler kamen aus einem Tunnel hinter dem Tor. Und als die Stimmung im Block sich dem Warmmachen von Wohlfarth, Schwabl (den Torschützen) & Co. näherte, trat er auf die Bühne. Der Manager himself. Seines Zeichens 10 Jahre im Amt.

Spontan rief ich ihm „Hey, Uli“ zu. Hatte er mich gehört? Zumindestens schaute er in den Block (zu diesen Zeiten gab es noch Auswärtsspiele, die nicht über Jahre ausverkauft waren), seine Bayern-Jacke lässig über den Arm und warf uns (mir) einen Blick zu, der Ablehnung verriert, auf derlei vonderSeiteanquatschen zu reagieren.

Immerhin.

Das Spiel gewannen wir trotzdem. Fortan unterließ ich derlei Ausbrüche. Gesehen habe ich ihn vor Spielen aber noch viele Male. In vielen Stadion Deutschland und auch im alten „VIP“-Bereich des Olympiastadions (heute unvorstellbar: mit freiem Zutritt für Fans).

P.S. Die üblichen Rekordzahlen muss man nicht weiter kommentieren, daher hier die Quelle.

P.P.S. Hier übrigens noch ein Live-Ticker von der JHV. Lesenswert. Danke an Probek.

Glaskugel 0910 # 01

Die entscheidenden Wochen auf dem Weg zur Herbstmeisterschaft stehen an.

Jetzt nicht für den FC Bayern. Dafür liegt zuviel Holz vor unserer Hütte. Aber so insgesamt. Und für die van-Gaal-Kicker gilt es eben bis zum Winter den Abstand zur Spitze nach Möglichkeit so gering wie möglich werden zu lassen.

Ist-Situation:

1. Leverkusen 13 26:09 +17 27 Punkte
2. Werder Bremen 13 29:10 +19 26 Punkte
3. FC Schalke 04 13 21:12 +09 25 Punkte
4. Hoffenheim 13 24:11 +13 23 Punkte
5. Hamburger SV 13 27:17 +10 23 Punkte
6. 1. FSV Mainz 05 13 19:17 +02 22 Punkte
7. FC Bayern 13 19:11 +08 21 Punkte
8. Wolfsburg 13 25:23 +02 21 Punkte

Mir ist natürlich klar, das uns solche Spielchen in den letzten Jahren nur Unglück gebracht haben. Aber vielleicht ist das alles nur Einbildung und auf der anderen Seite ist das Restprogramm der letzten vier Spieltage mehr als interessant…

Leverkusen – Stuttgart
Hannover 96 – Leverkusen
Hertha BSC – Leverkusen
Leverkusen – Mönchengladbach

Werder Bremen – Wolfsburg
1. FC Köln – Werder Bremen
Werder Bremen – FC Schalke 04
Hamburger SV – Werder Bremen

Mönchengladbach – FC Schalke 04
FC Schalke 04 – Hertha BSC
Werder Bremen – FC Schalke 04
FC Schalke 04 – 1. FSV Mainz 05

Hoffenheim – Dortmund
Hamburger SV – Hoffenheim
Hoffenheim – Frankfurt
VfB Stuttgart – Hoffenheim

1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV
Hamburger SV – Hoffenheim
1. FC Nürnberg – Hamburger SV
Hamburger SV – Werder Bremen

1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV
Frankfurt – 1. FSV Mainz 05
1. FSV Mainz 05 – VfB Stuttgart
FC Schalke 04 – 1. FSV Mainz 05

Hannover 96 – FC Bayern
FC Bayern – Mönchengladbach
VfL Bochum – Bayern München
FC Bayern – Hertha BSC

Werder Bremen – Wolfsburg
Wolfsburg – SC Freiburg
Wolfsburg – Dortmund
Frankfurt – Wolfsburg

Tja. Witzig irgendwie. Für mich geht die Herbstmeisterschaft klar an Leverkusen. Bei dem Programm keine Frage. Vor allem weil sie mit „leichten“ Gegner wesentlich weniger Probleme haben, als der FC Bayern. Der ein ähnlich „einfaches“ Programm zu bewältigen hat.

Was aber bitte ist das ein Programm für Werder und den HSV? In drei von vier Spielen geht es noch gegen direkte Konkurrenten. In der Tabelle zumindestens. Klarer Vorteil hier für Werder, die zum einen Lauf haben und denen zum anderen, im Vergleich zum HSV nicht so entscheidende Spieler wie Zé Roberto fehlen. So leid mir das tut *hüstel*, aber der HSV wird bis zur Winterpause noch ein paar Plätze durchgereicht. Meine Meinung.

Selbst Schalke und Mainz spielen immerhin noch die Hälfte ihrer Spiele gegen Tabellennachbarn.

Kommen einem die Aussage von Uli Hoeneß nach dem Stuttgart-Spiel immer noch so komisch vor? Jetzt mal abgesehen davon, dass die Bayern dafür auch mal hätten selbst gewinnen müssen?

Hier meine Vorhersage für die Herbstmeisterschaft:

Jemand anderer Meinung?

Zwischen zu Tode betrübt und himmelhoch jauchzend

Die Bayern haben in der Championsleague ihr Endspiel gegen Juventus erreicht. Damit hätte ich nicht gerechnet. Jetzt schon irgendwie mit dem Sieg der Bayern, aber nicht unbedingt mit einem Erfolg für Bordeaux.

Zugegeben. Hätte Bordeaux tatsächlich gegen die alte Dame das Heimspiel verloren, hätte ich mir meine französische Fußballliebe doch mal überlegt (Girondins ist dort mein Team)…

Es kam anders. Gut.

Schlecht für’s Boulevard. Die hatten sich nämlich schon den Abgesang auf van Gaal zurechtgelegt. Sowas nennt man Pech.

Wer konnte schließlich ahnen, dass die Bayern zwar so spielen würden, wie in fast jedem der letzten Spiele, sie aber diesmal auch nur eine einzige Chance endlich nutzen würden?!

Natürlich hielt dies die üblichen Verdächtigen nicht davon ab, weiterhin das Haar in der Suppe zu suchen. Sie werden sich nie ändern, Herr Wasserzier, oder?

Egal. Ein Sieg ist ein Sieg, ist ein Sieg.

Mir doch egal, wie der zustandekam. In diesen Zeiten? Pah.

Weiterhin FIAT. Fehler in allen Teilen. Aber wenigstens ein Sieg. Ein dreckiger. Und jetzt tatsächlich das Endspiel um die K.O.-Runden-Teilnahme. Das hätten die Turiner nicht erwartet und da stimme ich Herrn Sammer zu: Die Bayern haben die bessere Ausgangssituation. Und nix zu verlieren. Vollgas. Eventuell sogar mit Ribéry und Robben. Unfassbar wie schnelllebig der Fußball sein kann.

Das Spiel?

Mehr kann man im Augenblick nicht erwarten. Meiner Meinung nach. Viele Spieler mit ganz großen Problemen. Phasenweise. Dafür aber auch mit entscheidenden Lichtblicken. Paradebeispiel Mark van Bommel.

Aber wen kümmert dies, wenn am Ende der Erfolg steht?

Erst der eine Schritt, dann der andere.

Das es mal wieder einige Operetten-Fans in der Arena gab, die schon in den ersten 15 Minuten anfingen, die Mannschaft auszupfeiffen, zeigt einmal mehr, woran es halt eben auch hapert. Auf der Fanseite.

Zum Glück – und das ist durchaus bemerkenswert – baute hier die Südkurve einen (deutlich hörbaren) Gegenpol auf. Gefiel mir gut.

Ich wiederhol‘ mich an dieser Stelle gerne. Besser so 1:0 gewinnen, als nicht.

Nicht alles, was vorher schwarz war, ist jetzt weiß, aber für mich war ja auch nicht alles so düster. Zuvor.

Mal schauen, wie es jetzt weitergeht.

Auf einzelne Spieler will ich nicht unbedingt eingehen. Nur soviel: Wer das aktuelle Sturmpaar bilden sollte, steht nach diesem Spiel bis auf Weiteres fest, oder?

Na dann bitte.

FC Bayern – dies und das – 09/10 #6

Ribéry trainiert wieder. Aber nicht auf dem Trainingsplatz. Eher zuhause. Weil seine Frau die Schweinegrippe hat.

„Er trainiert sehr hart und macht gute Fortschritte“, erklärte Van Gaal. „Man merkt, dass er heiß darauf ist, endlich wieder zu spielen“, berichtete Keeper Jörg Butt vor einigen Tagen: „Es tut ihm weh, uns beim Training zuschauen zu müssen.“

Bemerkenswert, dass das französische Boulevard wieder mehr weiß. Die L’Equipe soll gemeldet haben, dass Ribéry in dieser Hinrunde gar nicht mehr auflaufen wird. Soso. Parallel spekuliert das deutsche Boulevard, dass Chelsea jetzt mal Ernst macht und Ribéry schon im Winter für 50 Mio. Euro verpflichten will.

Aber war da nicht mal was mit einer Transfersperre?

Ega. Ist ohnehin überholt. Andere Wirrköpfe wollen erfahren haben, dass Chelsea sowieso Real das Feld überlassen wird.

Leute, Ihr müsst Euch mal abstimmen, wenn Ihr Eure Berichte auswürfelt…

Was noch?

Was eigenes. Total crazy. Ich weiß. Aber wie wäre es, wenn wir in diesen Zeiten mal einem verschollenen Baumjohann die Schweinsteiger-90-Minuten-Spielgarantie geben?

Schlimmer kann es eh nicht werden und allein die eine Szene, als er – durch zwei Gegenspieler hindurch – kurz vor Schluss die Gomez-Chance vorbereitete, war die spektakulärste Aktion, die ich in den letzten Wochen im Rahmen eines Bayern-Spiels gesehen habe. Vom Team und ganz besonders von Herrn Schweinsteiger!

Wo ist das Problem, Louis?

Sicher, Du hast Probleme. Vor allem mit solchen Spieler wie Herrn Toni. Der schon eingeschnappt ist, wenn er mal ein, zwei Spiele nicht auf dem Platz steht. Dabei wäre es ganz einfach hier Abhilfe zu schaffen: Gut trainieren und Chancen nutzen. wie ein Mario Gomez.

Irgendwann ist jeder Kredit mal aufgebraucht. Doof vor allem, dass der Verein sich – Überraschung – hinter den Trainer gestellt hat. Und nicht nur hinter einen Spieler. Vor allem, wenn man Top-Spieler in der Hinterhand hat, die schlappe neun Jahre jünger sind. Dabei sind die Bayern in diesem Zusammenhang ein echt sozialer Verein. Kann sich noch jemand daran erinnern, wie Real in diesem Sommer mit seinen Abstellgleis-Spielern umgegangen ist?

Eben. Und das nach seiner letzten Saison. Einem Abklatsch seiner Premieren-Spielzeit…

Wie auch immer. Den Trainer in dieser Situation den Rücken zu stärken ist ’ne gute Sache. Ich persönlich ziehe meine Linie ohnehin durch und diskutiere nicht über van Gaal.

Abschließend habe ich gerade gelesen, dass Trainer und Team doch auf der HV aufschlagen werden. Auf der historischen Veranstaltung, auf der ein Manager verabschiedet wird, der fast so lange dieses Amt ausübte, wie ich Bayern-Fan bin.

Unfassbar. Und komisch zugleich.

Das helle Tor, die Flucht aus der Dunkelheit und die verzweifelte Suche nach dem Glück.

Achtung: Dieser Beitrag könnte schwere Kost enthalten. Wem nicht danach ist, sollte sich die Lektüre für später aufheben.

Seit einiger Zeit lege ich mir in meinem Kopf diesen Beitrag zurecht. Aufgrund der Kommentare zu Deislers Buch und erst Recht rund um den Suizid Robert Enkes.

Viele Menschen trauern um Enke. Viele haben dafür keine Erklärung. Andere schon und lassen uns an ihrem „Wissen“ teilhaben. Unaufgefordert. Zu dumm, dass sie nicht selbst von diesen „Kopf-Krankheiten“ betroffen sind und somit gar nicht wissen können, was all dies für den betroffenen Menschen wirklich bedeutet.

Im Rahmen der Sammlung meiner Gedanken stieß ich auf einen Beitrag von André Zechbauer.

Wer André nicht kennt: André ist Zeit seines Lebens Bayern-Fan und schreibt auf seinem – wie ich befürchte – viel zu unbekanntem (zu Unrecht) Weblog über seine Sicht der Dinge.

Ich lausche seinen Worten eigentlich viel zu selten, komme ich aber dennoch einmal dazu, bemerke ich immer wieder, was ich da verpasse. Selten findet man „in der Szene“ derlei Sprache, Anspruch, Differenziertheit und Qualität.

Bei der Lektüre obiger Worte kam eine weitere Dimension hinzu: Ich war berührt. Zum ersten Mal beim Thema Enke war ich den Tränen nahe.

Wie das?

Zechbauer redet offen darüber, dass „seine Lebensgefährtin ebenfalls an Depressionen mit suizidalen Tendenzen leidet“. Er beschreibt somit aus erster Hand, worüber jetzt all die „Experten“ reden, womit seine Partnerin aber jeden Tag selbst zu kämpfen hat.

„Meine Partnerin weiß es leider Gottes besser. Sie sagte mir gestern, dass der Suizid ein helles Tor ist, durch das man aus der Dunkelheit die einen umgibt flüchten will. Es ist die verzweifelte Suche nach Glück – die Erlösung durch den Tod ist dieses Glück. Man kann als depressiv kranker Mensch nicht einfach nach Hawaii fahren, sich in die Sonne und an den Strand legen und sich dann besser fühlen. Diese Dunkelkeit und Schwere – diese Last der Schwermut – schleppt man überall mit sich herum. Für Viele bleibt da nur ein Ausweg. Robert Enke hat diesen Ausweg gewählt. Nicht weil er eine Wahl gehabt hätte, sondern weil er musste.“

Das ist weiß Gott schwere Kost.

Ich empfinde für derlei Offenheit, sowohl von ihm, als auch ihr (sie hatte ihm in der Vergangenheit erlaubt, darüber zu reden, zu schreiben), tiefe Demut und ehrlichen Respekt. Denn der Aussenwelt einen solch tiefen Einblick in seine Seele zu erlauben, das macht einen zusätzlich zu den schon vorhandenen Problemen auch noch angreif- und verletzbar.

Es hilft aber Anderen. Die unter gleichen oder ähnlichen (Kopf-)Krankheiten leiden. Je mehr man hört, desto mehr erhalten zumindestens die Statistiken ein Gesicht. Denn dass in Deutschland zehn Prozent der Bevölkerung psychisch erkrankt sind, ist ja zunächst einmal sehr abstrakt. Mit einem Mitleidenden ergibt sich allerdings die Chance auf ein Gefühl: „Ich bin nicht allein“.

Noch mehr Offenheit und Hintergrund mag jeder auf Andrés altem Blog Cox orange finden.

Warum aber beleuchte ich hier das Schicksal eines Menschen, den ich nicht kenne und dessen Partner ich allenfalls (leider!) auf einem Bloggertreffen nur mal kurz begrüsst habe?

Weil dessen Krankheit mich an Erlebnisse, Erfahrungen und Leiden aus meiner eigenen Familie erinnert(e).

Mit Rücksicht auf die betroffene Person, werde ich die nötige Distanz bewahren, trotzdem aber auf eine weitere Facette dieser Krankheit des Kopfes eingehen.

Depressionen sind eine Art dieser Krankheiten. Phobien eine andere.

Menschen, die unter Phobien leiden, erleben eine ganz spezielle und individuelle Einschränkung ihres Alltages.

Erzählen möchte ich über die sogenannte Agoraphobie. Ich kann dies, weil es vor einigen Jahren ein Outing im ganz persönlichen Umfeld gab. Der Druck wurde einfach zu groß. Der Druck immer wieder neue Ausreden zu finden, sich nicht in Situationen begeben zu müssen, die auf das Raster der Angstzustände passen. Am Ende gab es davon kaum noch welche und die soziale Vereinsamung schritt voran.

Was aber war das Raster?

Zuerst waren es wohl nur einzelne „Probleme“. Flugangst. Platzangst. Immer vorne sitzen wollen (müssen). Lieber mal mit dem Auto, als mit der vollen Bahn zu Arbeit fahren. Nicht mehr ins Kinos, Theater oder andere öffentliche Räume gehen zu können. Eine immer länger und länger werdende Liste. Parallel eine sich stetig steigernde notwendige Vermeidungsstrategie.

Bis zum Ausbruch, zum Outing und einer sich anschließenden Therapie.

Diese Behandlung brachte zu Tage, dass es sich gar nicht um einzelne Ängste handelte, sondern vielmehr zwischen all dem ein Zusammenhang bestand.

Es war die Angst vor der Angst, die immer wieder Panikattacken und -schübe auslöste oder auszulösen drohte. Ohne Hilfe von aussen gab es keine Chance der Spirale zu entkommen. Darauf muss man erstmal kommen. Zum Glück nicht zu spät.

Mit diesem Wissen kann man vielleicht versuchen, sich annähernd vorzustellen, was es für die betroffene Person bedeutete, in fast jedweder Lebenssituation eine mögliche Paniksituation zu vermeiden. Angst davor zu haben, aus einer gewissen Lage nicht herauszukommen. Sei es tatsächlich körperlich (Flug-, Zug-, Bus-, Autoreise, etc.) oder nur über persönlich empfundene Peinlichkeit (Kino, Theater, Platz Mitte, mitte).

Immer unter Strom. Kein Mensch hält das auf Dauer aus.

Seit ich um diese Dinge weiß, sehe ich die menschliche Psyche mit ganz anderen Augen. Und reagiere ich auch allergisch auf Menschen und deren Worte, Einschätzungen oder auch nur flapsige Bemerkungen, die derlei Probleme als Wischiwaschi abtun.

Nein. Das ist leider kein Wischiwaschi. Für den Betroffenen ist es die ganz individuelle Hölle auf Erden.

Wie für Robert Enke.

FC Bayern – dies und das – 09/10 #5

Manchmal hoffe ich, dass das alles nur ’ne Masche ist. Und Nerlinger irgendwann aufwacht und uns den Hoeneß gibt.

Ist das wirklich die Zukunft auf dieser Position im Verein?

Der FC Bayern München wird trotz der Verletzungsmisere um Franck Ribéry und Arjen Robben in der Winterpause keine neuen Spieler verpflichten.

Sportdirektor Christian Nerlinger sieht im Mittelfeld des deutschen Fußball-Rekordmeisters keinen Handlungsbedarf […] „Wir warten gerade im Mittelfeld auf die Rückkehr von Ribéry und Robben. Wenn sie wieder spielen können, wird sich die Mannschaft ganz anders darstellen.“

Ernsthaft?

Also gibt’s einen Masterplan für Sommer 2010?

Nein?

In Euren Augen ist der Kader selbst also Weltklasse und passt perfekt auf den aktuellen Trainer? Und Ribéry und Robben sind in der Rückrunde dann natürlich völlig verletzungsfrei und helfen uns, all die Punkte aufzuholen, die wir aktuell verlieren?

Mhm.

Dann ist ja alles in Ordnung.