Und jährlich grüßt das grün-weiße Murmeltier

Beim letzten Mal war ich sogar live vor Ort.

Um mir das Elend meiner Bayern im Heimspiel gegen Bremen anzuschauen.

Man konnte sich zwar weniger aufregen, über sich übelst verstellende Offensiv-Nordlichter, die nur damit beschäftigt waren, sich am eigenen Strafraum einzugraben und auf arg wenige Konter zu warten. Oft nur einen pro Spiel (leider mit Erfolg).

Das Spiel war nicht so einseitig wie die letzten Gastspiele der Schaaf-Kicker. Es waren nicht nur schnelle Konter aus einer massiven Deckung. Es war teilweise ein offenes Spiel und Spieler wie Marin oder Arnautovic eine permanente Herausforderung für unsere Abwehr.

Nein. Das ging nicht. Aber man konnte sich über uns selbst aufregen.

[…] aber was die van-Gaal-Kicker da teilweise vor dem Tor – in der rotesten aller roten Zonen – fabrizieren, grenzt schon an Absicht.

Entweder man sieht den Nebenmann in der wesentlich günstigeren Position nicht oder man ist selber in der günstigsten aller Situation und spielt am 5-Meter-Raum aber noch einmal quer, wo der Mitspieler von 2-3 Gegenspielern zugedeckt ist.

Im Moment haben wir andere Probleme. Anders zwar, aber nicht weniger unpassend gegen einen Gegner wie Bremen.

Ich vermute ganz und gar stark, dass wir ein Spiel wie dieses erleben werden.

Das ist eben der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Und vor allem dem Schock, dass sich die Schaaf-Kicker – landauf, landab immer als Offensivkünstler mit Inklusiv-Feuerwerk bekannt – wie jedes Dorfteam, in München dann doch auch mit 10 Mann rings um den eigenen Strafraum eingraben, nur um bei Gelegenheit mal überfallartig die eigenen Konter aufzuziehen

Oder eher eins wie dieses?

Das zweite Jahr in Folge erduseln sich die Waterkant-Kicker in München ein 1:1. Diesmal mit Hilfe der Schiedsrichter – Assistenten, denn das 2:1 durch Luca Toni war sowas von gleiche Höhe, gleicher geht’s nicht! Der Rest – zum Spiel – ist schnell zusammengefasst: Bärenstarke 10-15 Anfangsminuten im Wirbel der roten Fehlpassorgie und eine Weltklasse-Aktion von Diego reichen Bremen zum Punktgewinn in München. Das ist bitter. Für die Bayern. Denn davon abgesehen kam von Werder nichts.

Mhm. Oder sehen wir es positiv: So schlimm wie hier wird es wohl nicht werden…

0:5 lagen die Bayern zurück. Das hatte teilweise desaströse Züge. Und traf mich völlig unvorbereitet. Wie viele andere Bayern-Fans wohl auch.

Eben. So sehr in der Krise sind wir dann wohl doch (noch) nicht, oder?

Hoffen wir also auf den berühmten Ruck und die Wende in diesem „leichten“ Negativ-Trend. Stoppen wir ihn nicht, war es das wohl mit der Herbstmeisterschaft. Dann aber auch zu Recht!

Mit Gökhan Inler hat die ganze Scheiße angefangen

Ich konnte zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht absehen, welche Konsequenzen diese Aktion hatte.

Aber die Aktion von Knochenbrecher Inler brachte den Bruch im zuvor hervorragenden Spiel dieser Hinrunden-Bayern. Das sah man im Spiel in Augsburg und erst Recht gestern Abend. Im Revanche-Spiel gegen die schwarz-gelbe Borussia.

Schnell bin ich ansonsten bei der Hand, unserem Chefchen Spielphasen zu unterstellen, die eher schläfrig erscheinen. Das will ich nicht verschweigen. Wie wichtig er allerdings tatsächlich für uns ist, sieht man nun. Und wie sehr im Grunde er und nur er der Big Boss im Team des FC Bayern ist ebenfalls.

Selbst ein Ausfall von Götze würde dem BVB nicht so wehtun, wie uns das Fehlen desBastian.

Eher noch der Ausfall eines Benders. Denn nur durch solche Spieler können die Schönwetter-Fußballer in der Offensive glänzen und kann die Defensive sich als stark präsentieren. Hat man solche Leute nicht, sieht es aus wie beim aktuellen FC Bayern.

Natürlich ist es völlig normal, dass in einem Bayern-Spiel die bayerische Defensive immer offener rüber kommt als die des Gegners. Wieso? Weil sich selbst der amtierende deutsche Meister in München rund um den eigenen 16er eingräbt. Und auf Konter setzt. Und schnelles Umschalten. Weil dieser „geniale“ Trainer an der Ruhrpott-Außenlinie aber so unfassbar kreativ ist, fügt er noch ein massives und laufintensives Offensivpressing hinzu. Sonst wäre es das gleiche Spiel gewesen wie gegen jeden Abstiegskandidaten der sich in München vorstellt.

Damit mich keiner falsch versteht:

Natürlich haben Hummels, Santana und Co auch deshalb unserer sogenannten Zauber-Offensive den Zahn gezogen, weil das im Grunde keine Rumpelfußballer sind, klar, aber eben auch weil die halbe Mannschaft aus Pferdelungen besteht und die gefühlt doppelt so viel und so schnell gelaufen sind wie wir.

Und wenn man unseren Ballerinas auf den Füßen steht, dann passiert da halt nix Spontanes, Überraschendes und es entstehen keine gefährliche Situationen vor dem Tor. In Kombination mit unseren bekannten Problemen in der Chancenverwertung ergibt die Gleichung ein klassisches 0:0-Spiel. Wenn man hinten keine Fehler macht. Weshalb mich dieses Spiel – schon wieder – an die letzte Saison erinnerte.

Besonders übel: Vor dem 0:1 war der Ball klar geklärt und hätte auch noch x-mal in Defensiv-Überzahl geklärt werden können. Wurde er aber nicht und somit entschied der Gedankenschnellere das Spiel.

Pech gehabt.

Ganz und gar nix mit Pech zu tun hatte die Aufstellung Robbens in der Startelf.

Vor dem Spiel ließ mich dies noch etwas mehr hoffen, bzw. meine latenten Zweifel etwas geringer erscheinen.

Wir lagen falsch. Wie auch DonJupp. Hinterher ist man zwar immer schlauer, aber nicht alle Robben-Comebacks enden mit einem Tor.

Arjen fand über die gesamte Zeit seiner Anwesenheit nie richtig ins Spiel. Schon gar nicht gegen eine solche Defensivleistung der Borussen. Wie auch, nach solch einer Verletzung(sdauer)?

Erster Fehler.

Müller spielte somit spontan wieder als 10er. War super in der Vergangenheit, gestern ein Satz mit x.

Zweiter Fehler.

Kroos rückte am Ende dieser Kette wieder zurück auf die 6er-Position. Neben Gustavo.

Jetzt nix gegen die beiden, die haben einen Super-Job gemacht. Aber die Klasse, Flexibilität und Spielleitung eines Schweinsteiger haben beide leider (noch) nicht.

Dritter Fehler.

Was war die Folge?

Zu wenig Geschwindigkeit im Spiel nach vorne, zu durchlässig, wenn die Dortmunder sich mal über die Mittellinie wagten.

So konnte das nix werden. Und einfach abwarten, ob vielleicht Robben doch noch ein Trick oder eine klasse Vorlage gelingt? Nö.

Auf wen sollte diese Vorlage auch kommen?

Auf Herrn Gomez? Der – Entschuldigung – lieferte gestern leider eines seiner schwächeren Spiele ab. Und damit meine ich nicht nur die Tatsache, dass ein Prallen lassen bei der Ballannahme bei einer solch massiven Deckung tödlich ist, nein, er war auch ständig in Unterzahl im 1:1. Sind dann die Außen noch formschwach (Ribéry) oder rekonvaleszent (Robben) weht ganz vorne eben nur ein laues Lüftchen.

Den größten Unterschied habe ich aber nach dem Neapel-Spiel und den Folgen durch den Schweinsteiger-Ausfall schon beschrieben:

Sind wir jetzt der FC Bayern mit diesem Klasse-Kader oder eher der FC Mimimimimi?

Charakter ist jetzt gefragt, Leute.

Das Spielsystem, die Ball- und Passsicherheit steht. Dann bauen wir da halt kurz ein wenig in der Struktur um und fertig. Mit der richtigen Einstellung (jeder läuft und kämpft für jeden – vorne wie hinten) sollte das alles kein Problem werden. Meine Meinung.

Darauf kann man das Problem reduzieren.

Sicher könnte ich darüber jammern, dass

– der Schiedsrichter in seiner Kartenverteilung zunächst sehr Gastfreundlich war (Schmelzer und Bender hätten für ihre taktischen Fouls im Mittelfeld in der Summe durchaus Gelb verdient gehabt. Gelbe für Badstuber falsch, da kein Foul) und erst später umschwenkte (keine Gelb-Rote Karte für Gustavo) – erforderliche Karten für sog. Schauspieleinlagen habe ich nicht gesehen

– entgegen seiner Aussage Herr Löw doch die Bayern in den Länderspielen intensiver eingesetzt hat als die Borussen

– Herr Müller sich zunehmend zu einem zweiten Herrn Klose entwickelt – nur noch in der Nationalmannschaft stark

Aber was würde das ändern?

Mein Frust und meine Wut haben sich einer Nacht drüber schlafen schon gebessert.

Warum?

– Weil uns die Dortmunder keineswegs so „überrollt“ haben wie im letzten Heimspiel!

– Weil wir immer noch Tabellenführer sind. Mit Vorsprung. Und das ist wesentlich besser als nach dem 1:3 im Frühjahr!

– Weil wir im Grunde nur deshalb verloren haben, weil unsere Statik (ich stimme hier mal Reif/Lehmann zu) seit dem Schweinsteiger-Ausfall aus den Fugen geraten ist.

Das macht mir Hoffnung für die Rückrunde, für das Rückspiel. Dann ist unser Dirigent wieder dabei. Und selbst wenn der BVB dann im Rückspiel in Bestbesetzung antritt, hat er imho gegen einen FC Bayern mit einem gesunden Schweinsteiger und – hoffentlich – wieder im Saft stehenden Robben keine so gute Chance auf Punkte wie gestern.

Ich mache mir das zu einfach?

Leute, wir haben nur ein Spiel verloren. Nicht die Meisterschaft.

Und außerdem ist niemand vor den Zug gesprungen oder hat sich die Pulsadern aufgeschnitten! [1]

Es gibt Wichtigeres im Leben!

P.S. Über unsere Bank decke ich besser den Mantel des Schweigens.

[1] Ich hänge nicht an dieser Formulierung und mir bricht auch kein Zacken aus der Krone ihn zu streichen.

Zur falschen Zeit am falschen Ort.

Ich bin jetzt mal ganz ehrlich.

Auch ich habe ihn im Bayern-Trikot spielen sehen. Auch ich hatte hier meine Zweifel.

Nach diesem Bericht muss ich offenbar einige meiner fast 30-Jahre alten Gedanken über ihn überdenken.

Mathy war schlicht und einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort (und damit ist nicht zwingend der FC Bayern gemeint). Wäre er heute Profi – da hat er vollkommen Recht – hätte er bessere Chancen gehabt. Die Fußball-Szene der 80er war nicht dafür geeignet einen Menschen wie ihn aufzufangen.

Schade.

Weiterhin alles Gute, Reinhold!

Die bayerische Katze und das fränkische Wollknäuel

Achtundsiebzig Prozent. Dieser neue Ballbesitz-Saison-Rekordwert wurde heute im Münchner Stadion ermittelt. Fast schon unchlaublich, dass dieser Wert nur zu vier Toren unserer Bayern führte.

Denn im Gegensatz zur letzten Saison bringt uns dieser Wert auch endlich etwas. Aber das Thema wollten wir ja ruhen lassen. Die Gegenwart ist ohnehin viel angenehmer.

Einige fränkische Spieler sprachen zwar nach dem Spiel die zuvor zurechtgelegten Sätze auf („kamen nicht ins Spiel“, „früher Rückstand“, „Konzept über den Haufen geworfen“), einzelne Gegner vermochten aber durchaus die Überlegenheit der Heimmannschaft anzuerkennen. Ein Frevel in diesen Tagen.

Auch wenn ich diesen Punkt so oft erwähne, ist er mir eher einerlei – vor allem als ich mir das heutige Spiel der Katze mit dem Wollknäuel so angeschaut habe. Sicher spielte der FCN mit einer halben A-Jugend. Aber sind beim FC Bayern nur Ü30-Spieler aktiv? Mit der heutigen Leistung der Clubberer hätten diese sogar gegen unsere B-Elf vom Pokalspiel Probleme gehabt. Aber ich wollte es ja auf die Stärke der Bayern schieben.

Nein, nein, das hat schon etwas, wenn man sieht, wie da ein Rädchen in das andere greift – gar unter Pressing noch Kombinationen oder Pässe wie vor den ersten beiden Toren stattfinden. Das ist richtig gut. Und eben der große Unterschied zur Vorsaison. Eigentlich wollte ich das Thema van Gaal ja ruhen lassen, aber was wäre wohl mit Herrn Badstuber im nächsten Training passiert, wenn dieser die vielen, teilweise sensationellen Diagonalpässe vomHolger über das halbe Feld mehr oder weniger direkt zum Mitspieler gesaust gesehen hätte? Die noch dazu einen Schweinsteiger vor dem 1:0 erreichten, der da eigentlich gar nicht stehen dürfte weil er seine Quadrat- oder Dreieck-Einteilung sträflich und mutwillig verlassen hätte?!

Nachtreten ist einfach, ich weiß, aber ich bin mir extrem sicher, dass wir derlei unter van Gaal nie gesehen hätten. Flexibilität nennt man das. Weite lange Pässe zum Mitspieler oder eben doch das Klein-Klein-Passspiel auf engstem Raum. Herrlich.

Nur so kann aber unser Weg sein.

Wir müssen den Gegner überraschen. Nicht nur überrennen. Dann sind wir unberechenbar. Auch für Gegner, die nicht mit A-Jugendlichen in München antreten.

War der Sieg gefährdet?

Nicht mehr nach 88 Sekunden. Oder wie sollte diese fränkische Taktik aussehen? Das 0:0 solange halten wie möglich und dann einen Lucky-Punch setzen? Wahrscheinlich. Ging aber schief.

Obwohl sie es ja zu Anfang des Spiels und am Ende – als die Bayern noch einmal 2-3 Gänge zurückschalteten (neben den 1-2 Gängen zu Halbzeit) – durchaus schafften mal in die Nähe unseres Torhüters zu kommen. Der wiederum konnte zweimal zeigen, weshalb wir ihn gekauft haben – fertig.

Ich denke, da sind sich alle Beteiligten – und eventuell auch Club-Ultras – einig. Das war nix. Und da wäre auch nix gekommen. Gut für uns, konnten wir doch erneut ein wenig Pflege und Schonung für das nächste Spiel einbauen.

Was war gut?

Herr Gomez. Erstaunlich, was so ein wenig Pause im Pokal bewirken kann. Ein Kopfballtreffer (nach perfekter Schweinsteiger-Flanke!) und eine Beweglichkeit wie zu besten Zeiten vor dem zweiten Tor. Respekt. Geht doch.

Herr Ribéry. Wirbelte, ohne wirklich gefordert zu werden.

Herr Kroos. Wird tatsächlich immer mehr zum Ballverteiler. Bin gespannt, wie weit das noch nach vorne geht mit ihm.

Unsere Defensive. Sehr gut (selbst der noch gegen Hannover so schwache Herr Lahm), aber auch kaum gefordert.

Was störte?

Die Chancenverwertung. Beinah schon der Klassiker beim FC Bayern in solchen Spielen.

Die Einwechselspieler.

So Leid mir das tut, aber die Spieler, die noch am Mittwoch so dermaßen überraschend begeistern konnten, enttäuschten heute ein wenig. Komisch eigentlich, aber z.B. wirkte Herr Gustavo während seines gesamten Einsatzes mehr als fahrig und auch Herr Olic lief eher wie Falschgeld über den Platz. Es fiel nicht ins Gewicht, trübte allerdings den guten Eindruck vom letzten Spiel ein wenig.

Nun denn, gegen Neapel darf ja z.B. Herr Boateng wieder auf den Rasen und erhält seine Rolle als Faktor im Defensiv-Gebilde zurück. Schaden wird es dem Konkurrenzkampf und der Konzentration nicht.

Um noch einmal auf die Franken zurückzukommen: Einige werden die Hoffnung haben, dass im Rückspiel in Nürnberg mehr für die Clubberer gehen wird. Die Hoffnung kann man haben, geht unsere Entwicklung allerdings so weiter, bin ich diesbezüglich wenig optimistisch.

In diesem Sinne: Auf geht’s, Ihr Roten!

Kein echtes Derby aber zumindest Tradition

Am morgigen Samstag treffen die Münchner Bayern auf die Franken aus Nürnberg. Vom dortigen ersten Fußball Club.

Vieles spricht von einem Derby. Die gleichen Leute übrigens, die dies schon vom Spiel gegen Ingolstadt sagten.

Gleichwohl ist dieser Begriff hier eigentlich falsch. Aber lassen wir das. Haarspalterei.

Das Spiel gegen die Clubberer hat zumindest eine gewisse Tradition. Eine gewisse Grundabneigung gibt es auch. Allerdings geht die überwiegend von den Franken aus. Welches durchaus historische Gründe hat.

Mir persönlich ist der Club relativ wurscht. Bis auf die zwei Spiel im Jahr. Vor allem wenn ich an die Äußerungen vor, während und nach dem Gastspiel der Bayern in Franken denke.

Morgen duelliert man sich allerdings in München. Wo der Club seit Spielergenerationen nicht mehr gewonnen hat.

Wem dies als Vorschau reicht, vergisst, dass Timmy Simons Recht haben könnte.

[…] wenn wir konzentriert und kompakt auftreten, sind wir ein ekliger Gegner

Und dies, obwohl zuletzt (in Begegnungen gegen uns) wichtige Spieler fehlen:

Der 1. FCN muss in München auf wichtige und erfahrene Leistungsträger wie Torwart Raphael Schäfer, Ex-Bayer Markus Feulner, Javier Pinola oder Christian Eigler verzichten.

Andererseits wird es wohl keine Spuckerei auf dem Platz geben. Und ein dreckiger Arbeitssieg gegen 11 Franken am eigenen Strafraum würde mir übrigens auch reichen.

Der Rekord ist Geschichte. Es lebe der Rekord.

So eine Niederlage hat auch etwas von Befreiung. Wir müssen die Minutenzählerei der sog. professionellen Sportjournalisten nicht mehr ertragen.

Aber nach dem Rekord ist vor dem Rekord und da mir vor ein paar Tagen tatsächlich mal das vor Wochen gekaufte Jahrbuch meines FC Bayern in die Hände fiel, dachte ich mir: Was das Boulevard kann, kann ich schon lange.

Hier die Rekordliste – inklusive Status:

1 Niederlage in 34 Bundesliga-Spielen. Dies schaffte der FC Bayern in der Saison 1986/87 (0:3 gegen Leverkusen). Bislang unerreicht. Status: Erledigt.

6 Auswärtssiege in Folge in der Saison 1995/96. Status: Erst einmal durch. Perspektive: „Schwierig“. Ein Auswärtsspiel in der Gruppenphase und danach im Achtelfinale, Viertelfinale und Halbfinale. Heuer maximal vier Siege möglich. Naja, seinerzeit war’s ja auch der Cup der Verlierer.

7 Siege in Folge zu Beginn einer Bundesliga-Saison (1995/96). Status: Erledigt seit dem ersten Spieltag.

8 Siege in Folge ohne Gegentor (1998/99). Status: Erst einmal durch. Perspektive: Frühestens Anfang 2012.

9 Saisonniederlagen und trotzdem Meister (2000/01). Status: Noch so was von möglich.

9 Spiele ungeschlagen vom Start weg (1998/99). Status Erledigt seit dem ersten Spieltag.

9 Elfmeter in einer Saison verwandelt (Breitner, 1980/81). Status: Puh. Gomez?

10 Auswärtssiege in einer Saison (1971/72, 1998/99, 1999/00, 2002/03, 2004/05, 2007/08). Status: Immer noch möglich.

11 Sekunden bis zum schnellsten Tor in der CL-Geschichte (Makaay, 07.03.07, gegen Real Madrid). Status: Immer noch möglich. *hüstel*

Nur 13 eingesetzte Spieler (1968/69). Status: Schon erledigt, oder?

13 Bundesliga-Siege am Stück (April bis September 1981). Status: Immer noch möglich.

15 Tore im Europapokal (Klinsmann, 1995/96). Status: Immer noch möglich. *hüstelhüstel*

16 Siege in 17 Heimspielen (1972/73). Status: Immer noch möglich.

Nur 21 Gegentore in einer Saison (2007/08). Status: Immer noch möglich.

23 Minuten für fünf Tore in einem Spiel (D.Hoeneß, 1984, gegen Eintracht Braunschweig). Status: Immer noch möglich. *hust*

25 Saisonsiege erreichte bislang nur der FC Bayern in der Saison 1972/73. Status: Wir sind auf Kurs…

26 unbesiegte Auswärtsspiele von Dezember 1985 bis August 1987. Status: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

40 Saisontore von Gerd Müller…. jaja. Status: Möglich, klar. Aber Gomez?! 😉

44 Punkte nach der Hinrunde – diesen Wert erreichte nur der FC Bayern. In der Saison 2005/06. Status: Thema durch. Seit Sonntag.

64 Tore in der Differenz sind seit der Spielzeit 1972/73 unerreicht. Status: Immer noch möglich. *hüstel*

73 Heimspiele in Folge unbesiegt. Diese Serie zwischen März 1970 und September 1974 ist bislang unerreicht. Status: Wird in dieser Saison so bleiben.

78 Punkte nach 3-Punkteregel. Diesen Rekord stellt der FC Bayern in der Saison 1998/99 auf. Status: Immer noch möglich.

101 Saisontore erzielten die Münchner in einer weiteren Rekordsaison 1971/72. Status: Durchaus noch möglich. Erforderlicher Schnitt: 2,97 Tore pro Spiel – bisher in dieser Saison: 2,6…

Zu guter Letzt natürlich die eigentliche Rekordjagd des Sportskameraden Neuer – gestoppt nach 771 Minuten. Jetzt neuer Dritter in dieser Liste. Und aktuell sind wir ja auch schon wieder bei 40 Minuten. Nur noch 845 Minuten bis zum neuen Rekord. Hui.

So, lieber Boulevard – war in dieser Liste was für euch dabei?

Münchner Preußen in Bayern. Chancenlos.

Jetzt mal ehrlich, Freunde der Sonne.

Dieser Gast vom gestrigen Samstag ist der Gegner, der den sog. amtierenden Deutschen Meister in Dortmund geschlagen und die ach so heimstarken Bremer in arge Schwierigkeiten gebracht hat?

Diese Hertha aus Berlin?

Das kann nicht sein, da müssen am Samstag die Doppelgänger auf dem Platz gestanden haben.

Oder lag es vielleicht doch ein ganz klein wenig am FC Bayern?

Lag es am FC Bayern, dass die Berliner in den ersten 13 Minuten nicht wussten, wo hinten und vorne ist? Oder hatte die Hertha einfach nur „einen schlechten Tag“ erwischt?

So wie alle bisherigen Gegner des FC Bayern in dieser Saison?

Ich denke, dass selbst das Boulevard sich so langsam an diesen Gedanken gewöhnen muss: Der FC Bayern macht heuer ernst.

Wir Fans können das ja selber noch nicht so richtig glauben. Haben immer noch nach diesen unsäglichen Länderspielpausen arge Bedenken und Zweifel.

Und dann diese 13 Minuten. Der Wahnsinn.

Man hat als Bayern-Fan (und nur die verfolgen wohl sämtliche Spielminuten ihrer Mannschaft in dieser Saison) tatsächlich den Eindruck, dass die Mannschaft immer besser wird.

Ich meine, klar, wir hatten ja bisher auch noch keine starken Gegner. *hüstel*

Werder demnächst vielleicht. Und ganz bestimmt der BVB. Obwohl. Denkt man an die oben erwähnten Probleme und ruft man sich das Aufeinandertreffen der beiden Teams vom Freitag in den Sinn (tatsächlich habe ich es verfolgt), dann sind Zweifel angebracht.

Verstummen werden diese Rufe im Walde aus diesen Ecken aber wohl erst nach dem Spiel.

WENN die Bayern einfach immer nur so weitermachen. Als bayerischer Fan – und dies seit Jahrzehnten – ist derlei natürlich nur schwer vorstellbar. Gab es Spielzeiten, in denen unsere Münchner das mal komplett durchgezogen haben, doch nur extrem selten.

Weshalb ich mich am Wochenende zu der Feststellung hinreißen ließ, dass ich weiterhin nur einen Gegner fürchte: Den FC Bayern!

Zukunftsmusik.

Was aber war nun mit dieser Hertha los? Der Hertha, vor der uns dann doch die üblichen Verdächtigen gewarnt hatten (erster echter Gegner, oder so).

Nix.

Für uns Bayern am Ende des Tages keine Überraschung. Denn schließlich ist uns der Sportskamerad Lell noch in schmerzlicher Erinnerung. Sicher. In Berlin mag er sich mit dem nötigen Vertrauen und entsprechender Spielpraxis zu einem ganz guten Außenverteidiger gemausert haben, aber seine eigentliche Begrenztheit zeigte sich im Spiel gegen Herrn Ribéry.

Vor dem Spiel hörte ich noch von einem Zitat, dass er ja alle Tricks von unserem kleinen Franzosen kennen würde. Klar. Auf Twitter las ich dann von einer Replik, dass die Kenntnis das eine sei, die Fähigkeit trotzdem etwas dagegen auszurichten, etwas gaanz anderes.

Und so kam es.

Schon die erste Aktion nach wenigen Sekunden sollte demChristian deutlich zeigen, wohin der Hase in diesem Spiel laufen würden. Einen Ribéry in Topform und -Stimmung hältst du nicht auf. Niemand in der Bundesliga, kaum jemand in Europa und dann ein Herr Lell?

Somit war das ja schnell geklärt.

Überhaupt, die Berliner Defensive.

Vor dem Spiel wollte der Trainer (der nächste Ex-Münchner mit sog. Bayern-Gen) noch erkannt haben, dass die Hertha in München was holen könnte. Oder so.

Eine Watschn vielleicht. Andererseits kennt sich Herr Lell damit ja bestens aus…

Ich schweife ab.

Es bleibt das übliche Hase-und-Igel-Spiel. Gegner nimmt sich in München was vor, am Ende kommt nix bei rum und man sucht die Schuld überall. Nur eben nicht bei…

Ach lassen wir das. Lassen wir alle im Glauben, der alle im Glauben lässt. Wir ziehen unser Ding durch und der Rest sollte uns schnurzpiep sein.

Apropos durchziehen.

Es ist schon bemerkenswert, wie DonJupp den Weg weitergeht, auf dem unser Ex-Trainer van Gaal gestolpert ist. Wer bin ich, dass ich abstreiten würde, dass nicht nur Grundzüge der heutigen Herrlichkeit auf seiner Arbeit basieren.

Was war dann das Problem?

Seine Starrköpfigkeit, seine Egozentrik und vor allem seine System-Unflexibilität, weil er einfach dachte, dass er Recht hat. Mit seiner Ansicht des Systems.

Mich begeistert immer wieder, wie sehr es DonJupp versteht das Beste aus den letzten Jahren Bayern-Trainerschaft heraus zu filtern und neu zusammenzusetzen (ich hoffe, dass man mir diese Sätze nicht in 1-2 Jahren um die Ohren haut).

Er nahm von van Gaal die Dominanz und den Ballbesitz. Er fügte aber Flexibilität auf den Positionen hinzu. Ferner eine Balance zwischen Kontrolle und Tempo und Offensive und Defensive.

Er nahm von Hitzfeld die Rotation, nicht aber als Selbstzweck und rotierte vor allem nicht wie van Gaal quer über die Positionen und schwächte somit das Gesamtgefüge.

Beispiel gefällig?

Boateng ist gelernter Innenverteidiger. Hat aber viele Jahre rechts außen verteidigt. Wo spielt er? Als IV und RAV. Und sonst nix.

Lahm ging zurück auf die sog. „ungeliebte“ linke Seite. Und da bleibt er. Fortan musste kein Badstuber mehr auf links ausweichen, nur weil er „einen linken Fuß“ hat.

Diese Reihe könnte ich beliebig fortsetzen. Mit unseren 6ern, mit Müller, oder auch der Tatsache, dass er ein Trainer ist, der selbst Mister Endlos – Sprach-Kapitän – Lahm vom Feld holt, ihm Pausen gönnt.

Zugegeben, wir hatten bislang in dieser Saison das Glück, dass wir weitestgehend von Verletzungen verschont geblieben sind. Und dass ein Robben noch nicht ernsthaft in dieses Konzept integriert werden musste. Schlimmer Satz, ich weiß, aber ich musste fast das gesamte Spiel an das vorherige in Hoffenheim denken…

Egal. Erfreuen wir uns an dieser geölten Maschine so lange sie läuft.

Ich hatte oben schon das Thema Bayern-Gen in Berlin erwähnt.

Dortiger Boulevard hatte dieses Thema dankend aufgenommen. Was es damit auf sich hat und das man derlei tatsächlich nicht 1:1 übertragen kann, zeigte sich ebenfalls in diesem Spiel.

Nun ja, eigentlich sind die Herren Lell oder Ottl auch nie die Vorreiter dieses Gefühls zu ihrer Zeit gewesen. Mitläufer allenfalls.

Wir drehen uns im Kreis.

Vielleicht lag es auch einfach nur am tunesischen Buffet. Oder an Fischstäbchen.

Welche Mutter jetzt tatsächlich leckerer kocht, kann ich nicht beurteilen, aber der Vergleich der Leistungen zwischen Boateng und Ben-Hatira geben diesbezüglich doch eine ausreichende Antwort, oder?

Der Rest des Wochenendes verlief fast durchweg wie gewünscht, die Bayern konnten in jeder Hinsicht ihren Vorsprung und ihre Serie ausbauen. So kann es weitergehen.

Jetzt steht allerdings erst einmal das Championsleague-Gastspiel in Italien an. Dem nächsten „schwersten Gegner“?

Wir hoffen das Beste!

Auf geht’s, Ihr Roten!

P.S. Was fehlt? Die Einschätzung, dass man den Elfer nicht geben muss? Dass die Bayern mal wieder eine sehr schlechte Chancenverwertung an den Tag gelegt haben? Unser defensives Mittelfeld komplette Weltklasse darstellte? Oder das nicht Lell die Schwächen Ribérys sondern wir die (wenigen) Schwächen Krafts offen legten? Kann sein.

Der heiße bayerische Herbst?

War es das denn jetzt endlich einmal? Oder müssen wir in dieser Hinrunde noch einmal durch dieses Tal der Länderspiel-Langeweile?

Ich denke/hoffe nicht (wir sind ja direkt qualifiziert und müssen nicht in die Playoffs, aber dem DFB wird bestimmt noch ein lukratives Freundschaftsspiel einfallen).

Drum geht die Saison für den FC Bayern jetzt endlich los. Schon wieder.

Andererseits haben wir so schon nach den letzten Nationalmannschaftspausen gejammert und die Bayern haben trotzdem Spiel auf Spiel gewonnen. Also fast.

Für alle die, die in den letzten Tagen sogar schon Probleme hatten, die 18 Mannschaften der Bundesliga zusammen zu kriegen, sei hier die Liste der nächsten Bayern-Gegner genannt:

FC Bayern – Hertha BSC (BL)
SSC Neapel – FC Bayern (CL)
Hannover 96 – FC Bayern (BL)
FC Bayern – FC Ingolstadt (Pokal)
FC Bayern – 1. FC Nürnberg (BL)
FC Bayern – SSC Neapel (CL)
FC Augsburg – FC Bayern (BL)
FC Bayern – Borussia Dortmund (BL)
FC Bayern – FC Villarreal (CL)
1. FSV Mainz 05 – FC Bayern (BL)
FC Bayern – Werder Bremen (BL)
Manchester City – FC Bayern (CL)
VfB Stuttgart – FC Bayern (BL)
FC Bayern – 1. FC Köln (BL)
Pokal-Achtelfinale

Zu diesem Programm selbst kann ich kaum etwas sagen, denn Sorgen haben wir uns – wie gesagt – nach jeder dieser unsäglichen Pausen gemacht und geklappt hat es dann am Ende ja doch immer wieder.

Sorgen muss man sich nur machen, ob dieser Lauf, den wir bislang hatten – a la Rückrunden-BVB 2010/11 – irgendwann zuende geht. Und dabei ist gar nicht einmal so sehr die vielschichtige Problematik Arjen Robben gemeint.

Ist Hertha hier der richtige Gegner, um die Unsicherheit nach dieser Pause zu beseitigen und da weiter zu machen, wo wir aufgehört haben?

Keine Ahnung.

Am Ende des Tages zählt ohnehin nur die volle Konzentration. Bei allen. Von Position 1 bis 44.

Und deshalb: Auf gehts, Ihr Roten!

Weisheiten #178

Schon als kleines Kind, als der HSV noch in Europa glänzte und die größten Erfolge feierte, habe ich die „Rothosen“ immer bewundert. Und als Spieler, egal ob beim Karlsruher SC oder dem FC Bayern München, waren die Spiele gegen den HSV immer etwas ganz Besonderes.

Thorsten Fink, Dino-Retter